Glockenspiel

Name Glockenspiel
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Graggenau
Straße Marienplatz
Objekt Neues Rathaus
Standort Neues Rathaus
Gruppierung Neues Rathaus
Lage Glockenspiel
Personen Herzog Wilhelm V., Renate von Lothringen
Eigentum Stadt München
Künstler:innen Franz Ringer, Frey, ReithmannChristian
Glockenspiel - Franz Ringer, Frey,  ReithmannChristian – Denkmal/Kunstwerk in München
© © Gerhard Willhalm, Glockenspiel am Neuen Rathaus, CC BY-NC 4.0

Das Glockenspiel befindet sich im Turm des Neuen Rathauses und wurde 1908 eingebaut. Es besteht aus 43 Glocken und 32 lebensgroßen Figuren auf zwei Ebenen. Mehrmals täglich (11:00, 12:00 und im Sommer zusätzlich um 17:00 Uhr) führt es ein mechanisches Schauspiel auf, das historische Ereignisse aus der Münchner Stadtgeschichte nachstellt.Obere Etage – Die Fürstenhochzeit von 1568

Diese Szene zeigt die Hochzeit von Herzog Wilhelm V. von Bayern mit Renata von Lothringen. Sie fand 1568 statt und war eines der prunkvollsten Feste der Renaissance in München. In der Darstellung sieht man einen Turnierkampf auf dem Marienplatz zwischen bayerischen und lothringischen Reitern. Der bayerische Ritter (weiß-blau) gewinnt natürlich stets gegen den lothringischen Gegner – ein patriotisches Detail.

Untere Etage – Der Schäfflertanz

Die zweite Szene spielt auf die Pestjahre um 1517 an. Die Schäffler (Fassmacher) sollen der Legende nach mit einem Tanz durch die Straßen der Stadt gezogen sein, um den Menschen Mut zu machen und das öffentliche Leben wiederzubeleben. Dieser Tanz wird noch heute alle sieben Jahre in München aufgeführt und ist ein Symbol für Lebensfreude und Gemeinschaftssinn.

Technische und künstlerische Details

  • Die Figuren sind auf Drehscheiben montiert und bewegen sich in einer ausgeklügelten Choreografie.
  • Das Glockenspiel dauert etwa 12 Minuten.
  • Die Melodien werden von elektrisch betriebenen Spielwerken gespielt, die traditionelle bayerische Melodien intonieren.

Karl Rosipal und das Glockenspiel

Karl Rosipal (1843–1924) war ein erfolgreicher Münchner Kaufmann, Möbel- und Antiquitätenhändler und spanischer Vizekonsul. Mit seinem Namen ist die Entstehung des Glockenspiels im Turm des Neuen Rathauses eng verbunden. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens seiner Firma stellte Rosipal 1904 einen Betrag von 32.000 Mark für das Glockenspiel zur Verfügung. Die Stiftung war damit ein wesentlicher Beitrag zur aufwendigen Ausstattung des Rathausturms.

Das Glockenspiel wurde 1908 fertiggestellt. Wegen anfänglicher Probleme mit dem Klang der Glocken erfolgte die offizielle Inbetriebnahme jedoch erst am 18. Februar 1909.

Rosipals Verbindung zum Glockenspiel wurde später während der NS-Zeit zum Gegenstand antisemitischer Auseinandersetzungen. Eine am Rathausturm angebrachte Gedenkinschrift, die ihn als Stifter des Glockenspiels bezeichnete, wurde entfernt. 1940 beschäftigte sich das Münchner Stadtarchiv erneut mit seiner Herkunft. Anlass waren Zweifel, ob Rosipal jüdischer Abstammung gewesen sei. Die daraufhin vorgenommene Untersuchung kam für den Münchner Familienzweig zu dem Ergebnis, dass Rosipal aus einer katholischen, nichtjüdischen Familie stammte, die seit 1804 in München nachweisbar war. Zugleich wurde festgehalten, dass eine weiter zurückreichende Herkunft der Familie aus Böhmen nicht abschließend geklärt werden konnte.

Bemerkenswert ist auch die Begründung, mit der die Entfernung der Gedenkinschrift nachträglich erklärt wurde. Im Schreiben des Stadtarchivs von 1940 heißt es, Rosipal habe lediglich einen Teil der Kosten – die Kosten für die Glocken – übernommen und könne deshalb nicht als alleiniger Stifter des gesamten Glockenspiels bezeichnet werden. Außerdem sei der von ihm gestiftete Betrag den Erben im Zusammenhang mit der Nachlassregelung mehr als zurückerstattet worden.

Damit besitzt das Glockenspiel eine Geschichte, die über seine technische und künstlerische Bedeutung hinausgeht. Die Stiftung Karl Rosipals, seine spätere Ausgrenzung aus der Erinnerung an das Rathaus und die Entfernung der Gedenkinschrift spiegeln zugleich den Umgang der Münchner Stadtverwaltung mit der NS-Ideologie und deren rassistischen Vorstellungen wider.

Quelle: Brigitte Huber: Das Neue Rathaus in München. Georg von Hauberrisser (1841–1922) und sein Hauptwerk. Dölling und Galitz Verlag, München 2006, ISBN 978-3-937904-24-5. Das Buch umfasst rund 240 Seiten.

Weitere Bilder

Neues Rathaus - Glockenspiel
Neues Rathaus - Glockenspiel
Neues Rathaus - Glockenspiel
Neues Rathaus - Glockenspiel
Ritter - Glockenspiel Neues Rathaus
Ritter - Glockenspiel Neues Rathaus
Glockenspiel am Neuen Rathaus
Glockenspiel am Neuen Rathaus

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