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Münchner Personenverzeichnis

Gottlieb Branz

Geboren 13. 9. 1896 [München]
Gestorben 26. 9. 1972 [München]
Beruf Bibliothekar, Kommunalpolitiker (SPD), Widerstandskämpfer
Wikipedia Wikipedia-Eintrag

Gottlieb Branz war ein Münchner Sozialdemokrat, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Bibliothekar und Kommunalpolitiker. Sein Leben steht beispielhaft für den politischen Widerstand der Münchner Sozialdemokratie und den demokratischen Neubeginn nach 1945.

Branz wurde am 13. September 1896 in München geboren. Bereits 1911 trat er der SPD bei. Nach dem Ersten Weltkrieg wandte er sich dem Bibliothekswesen zu und arbeitete ab 1920 als Bibliothekar der Gewerkschaftsbibliothek im Münchner Gewerkschaftshaus. Gemeinsam mit seiner Frau Lotte Branz (1903–1987) engagierte er sich in der sozialdemokratischen Bewegung.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde Branz wegen seiner politischen Tätigkeit verfolgt. Er wurde verhaftet und mehrere Monate im KZ Dachau inhaftiert. Nach seiner Entlassung setzte er seinen politischen Widerstand im Untergrund fort. Er schloss sich der sozialdemokratischen Widerstandsorganisation „Neu Beginnen“ an und übernahm die Leitung einer Münchner Gruppe. Gemeinsam mit Lotte Branz unternahm er Kurierfahrten in die Tschechoslowakei, transportierte illegale Schriften und unterstützte politisch Verfolgte bei der Flucht ins Ausland.

Am 3. Januar 1939 wurde Branz erneut verhaftet. Nach einem Verfahren wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ kam er in das KZ Buchenwald, wo er bis zur Befreiung im April 1945 blieb. Aufgrund seiner beruflichen Kenntnisse arbeitete er dort als Häftlingsbibliothekar. In den letzten Kriegstagen beteiligte er sich am Buchenwalder Manifest der demokratischen Sozialisten, das Vorstellungen für einen demokratischen Neubeginn formulierte.

Nach seiner Rückkehr nach München engagierte sich Branz sofort beim Wiederaufbau der SPD. 1945 wurde er Mitglied des ersten Münchner Stadtrats nach der NS-Herrschaft. Von 1948 bis 1956 war er Vorsitzender der SPD-Fraktion. Gleichzeitig übernahm er Verantwortung beim Bayerischen Roten Kreuz.

1950 wurde Branz Direktor der Münchner Stadtbüchereien. Damit kehrte er zu seinem ursprünglichen beruflichen Tätigkeitsfeld zurück und prägte den Wiederaufbau des Münchner Bibliothekswesens. 1955 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1961 die Goldene Bürgermedaille der Landeshauptstadt München.

Gottlieb Branz starb 1972 in München. An seinem früheren Wohnhaus in der Aignerstraße erinnert heute eine Gedenktafel gemeinsam mit Lotte Branz an das Ehepaar und dessen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Gottlieb Branz

Gedenkorte

NameStraßeArtJahr
Gottlieb BranzAignerstraße 3Stolperstein1972

Denkmäler & Kunstwerke

Gedenktafel - Gottlieb Branz, Lotte Branz
Gedenktafel - Gottlieb Branz, Lotte BranzAignerstraße 3 · 2026

Grabstätte

Grabstätte
Ostfriedhof
* 13.9.1896 (München)
† 26.9.1972 (München)

Literatur zu Gottlieb Branz