Johann Agricola
| Geboren | 20.4.1494 [Eisleben] |
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| Gestorben | 22.9.1566 |
| Beruf: | Reformator |
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Johannes Agricola (1494–1566), eigentlich Johann Schnitter, war ein deutscher Theologe und Reformator der Reformationszeit. Geboren in Eisleben, studierte er zunächst in Leipzig und später in Wittenberg, wo er ein enger Schüler und Mitarbeiter von Martin Luther wurde. In dieser Phase unterstützte er die frühen reformatorischen Bewegungen aktiv, nahm an wichtigen Ereignissen wie der Leipziger Disputation teil und wirkte als Prediger sowie Lehrer.
Im Verlauf seines Lebens entwickelte sich jedoch ein zunehmender theologischer Konflikt mit Luther. Agricola vertrat die Ansicht, dass das mosaische Gesetz für Christen keine verbindliche Rolle mehr spiele, da allein das Evangelium maßgeblich sei. Diese Position führte zum sogenannten antinomistischen Streit, in dessen Zentrum die Frage stand, ob das göttliche Gesetz weiterhin notwendig sei, um Menschen zur Buße zu führen. Luther und andere Reformatoren widersprachen ihm entschieden, wodurch es zum Bruch zwischen Agricola und seinem früheren Lehrer kam.
Nach seinem Weggang aus Wittenberg fand Agricola in Brandenburg eine neue Wirkungsstätte. Dort wurde er Hofprediger und Generalsuperintendent und spielte eine wichtige Rolle beim Aufbau der evangelischen Kirchenorganisation. Gleichzeitig beteiligte er sich an politischen und theologischen Kompromissversuchen, etwa beim Augsburger Interim von 1548, was ihm Kritik von protestantischer Seite einbrachte.
Neben seiner theologischen Tätigkeit war Agricola auch als Schriftsteller aktiv. Besonders bekannt ist seine Sammlung deutscher Sprichwörter, die zu den frühen bedeutenden Werken dieser Art zählt. Er starb 1566 in Berlin während einer Pestepidemie.
Agricolas Leben zeigt exemplarisch die Spannungen innerhalb der Reformation und den schwierigen Weg zwischen religiöser Überzeugung, politischem Einfluss und persönlichem Konflikt.
