Ami-Siedlung in Ramersdorf

Kategorie Wohnungsbau
Die „Ami-Siedlung“ in Ramersdorf 1949: Wohnungsbau für die amerikanische Luftbrücke

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in München eine enorme Wohnungsnot. Gleichzeitig benötigte die amerikanische Besatzungsmacht zusätzlichen Wohnraum für Angehörige der US Air Force, die im Zusammenhang mit der Berliner Luftbrücke 1948/49 in München stationiert waren.

Die amerikanische Besatzungsmacht gab deshalb den Bau einer eigenen Wohnsiedlung in Auftrag.

Das Entscheidende dabei:

Die Finanzierung erfolgte aus Marshallplan-Mitteln.

Als Bauträger wurde die städtische GEWOFAG eingesetzt. Zwischen Rosenheimer Straße, Claudius-Keller-Straße und Wilramstraße entstand innerhalb kürzester Zeit eine große Wohnanlage mit 475 Wohnungen.

Rekordbauzeit

Die Wohnungen wurden 1949 begonnen und bereits 1950 fertiggestellt.

Damit entstand die Siedlung in weniger als einem Jahr – bemerkenswert angesichts der damaligen Materialknappheit und der allgemeinen Schwierigkeiten des Wiederaufbaus.

Die Wohnungen waren für damalige Verhältnisse ausgesprochen großzügig:

  • große Grundrisse
  • teilweise über 100 m² Wohnfläche
  • großzügige Abstände zwischen den Gebäuden
  • Grünflächen
  • aufgelockerte Zeilenbebauung

Damit unterschied sich die Anlage deutlich von den kleinen, dicht bebauten Notwohnungen der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Warum heißt sie „Ami-Siedlung“?

Die Bezeichnung entstand, weil die Wohnungen ursprünglich für amerikanisches Air-Force-Personal bestimmt waren.

Es handelte sich also nicht um eine gewöhnliche deutsche Sozialwohnungsanlage, sondern um eine Art amerikanisch finanzierte Nachkriegssiedlung innerhalb des Münchner Wohnungsbaus.

Interessant ist dabei die Finanzierung:

USA / Marshallplan → Finanzierung → GEWOFAG → Bau → amerikanische Bewohner

Damit verbindet die Siedlung unmittelbar Marshallplan, amerikanische Besatzung, Luftbrücke und Münchner Wohnungsbau.

Architektur

Die Gebäude sind vergleichsweise schlicht gehalten. Charakteristisch sind die dreigeschossigen Zeilenbauten, die mit großzügigen Freiflächen kombiniert wurden.

An den Hauseingängen befinden sich Sgraffiti und Reliefs mit Motiven aus:

  • Tierwelt
  • Pflanzenwelt
  • bäuerlichem Leben

Die Gestaltung verlieh der ansonsten funktionalen Nachkriegsarchitektur einen künstlerischen Akzent.

1964: Die Amerikaner ziehen aus

Die amerikanische Nutzung dauerte nicht dauerhaft.

Ab 1964 wurde die Siedlung von den Amerikanern aufgegeben. Danach übernahmen unter anderem die GEWOFAG, Siemens und die öffentliche Wohnungsfürsorge die Wohnungen. Die ursprünglich großen Wohnungen wurden teilweise geteilt.

Damit wurde aus der amerikanischen Siedlung endgültig ein Bestandteil des Münchner sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbaus.

Historische Bedeutung

Die Ramersdorfer Ami-Siedlung ist für die Geschichte des Münchner Wohnungsbaus besonders wichtig, weil sie drei Entwicklungen miteinander verbindet:

1949 – amerikanische Besatzungsmacht

Marshallplan – Finanzierung des Wiederaufbaus

GEWOFAG – kommunaler Wohnungsbau

475 Wohnungen für amerikanische Familien

ab 1964 – Nutzung als deutscher Wohnungsbestand

Sie ist damit ein hervorragendes Beispiel dafür, wie amerikanische Wiederaufbauhilfe unmittelbar in Münchner Wohnungsbau umgesetzt wurde.

Quelle: ChatGPT (Abruf am 09.08.2026)