Sütterlin Lernprogramm

Wie ein junger Akademiker im Jahre 1807 in München lebte

Der berühmte Schlachtenmaler Albrecht Adam (1786—1862) schreibt in seiner Selbstbiographie, die H. Holland 1886 aus dem Nachlaß herausgab, über sein Leben in München als junger Kunstbeflissener:

Damals und so lange mein Aufenthalt in München währte, wohnte ich in einem aus Riegelwänden erbauten Gartenhäuschen, das nach drei Himmelsgegenden Fenster hatte. Ein aus leichten Brettern gezimmertes Stiegenhaus, bei welchem durch viele Spalten der Wind hereinblies, war mein Schlasgemach, in dem ich, um ein reines Zimmer zumMalen zu haben. Sommerund Winter,selbstbei derstrengstenKälte,schlief.

Zur Befriedigung der nötigen Lebensbedürfnisse brauchte ich samt meinem Gesellschafter, einem treuen Pudel, die Lausmiete nicht mit eingerechnet, täglich 24 Kreuzer. Dabei war ich so gesund, sah so blühend aus und hatte eine solche Leiterkeit des Gemütes, daß sie oft bis zum Mutwillen überging und meine Freunde oftmals sagten: „Wir wollen nur sehen, wenn du einmal gescheit wirst". Auf solche Weise verlebte ich in München unbeschreiblich glückliche Tage.



Wolf - Ein Jahrhundert München