Sütterlin Lernprogramm

Blatt 51

„Die Kupferbeilage stellt die Häuser 103 und 104 am Färbergraben an derjenigen Seite vor, wo die Häuser an den Kanal angebaut sind.“ — Dieser Kanal, der noch gegenwärtig existirt, umzog die älteste Stadt, kommt vom Angerbache unfern vom ehemaligen Rosenbad im Rosenthal her, läuft am Färbergraben, dem Augustinergäßchen, der Schäfflergasse, dem Schrammergäßchen und am Hofgraben vorbei und ergießt sich dort in den das alte Rathhaus und die Rückseite der Burggasse herabfließenden Pfisterbach.

A. Das Schäfflerhaus Nr. 103

„Das Schäfflerhaus Nr. 103 gehörte ursprünglich 1569 dem Krämer Kaspar Thristani und befindet sich seit 1711 im Besitz von Schäfflern. Danach kann auch der Schäfflertanz erst von dieser Zeit an von da aus seinen Ausgang genommen haben. Seit wann das Haus ‚zum Himmelschäffler‘ genannt wird, war nicht festzustellen. Das Haus ist jetzt mit der Nummer 20 bezeichnet und Eigenthum des Schuhmachermeisters Herrn Georg Kolb.“

B. Das Haus Nr. 104

„Das Haus Nr. 104 kommt im Jahre 1530 zum ersten Male im Grundbuch vor und gehörte damals dem ‚Huterer‘ (Hutmacher) Max Lex. Von 1676 an bis 1803 war es ununterbrochen im Besitz von Schuhmachern.“

„An der Facade des Hauses befindet sich ein hölzernes Altöttinger Bild. — Rechts ist gemalt der berühmte P. Dominicus a Jesu Maria, ein Karmelite, welcher Maximilian I. in die Pragerschlacht begleitete, und dessen Rathschlägen und Geistes-Gegenwart man besonders den Sieg verdankt, welchen dieser Maximilian I. den 8. November 1620 gegen seinen nächsten Vetter, Friedrich V. Churfürsten von der Pfalz, und König in Böhmen bey dem Weißen Berge nächst Prag erfochten hat.

Zur Hintergrunde des Dominicus Bildes an diesem Hause ist diese Bataille vorgestellt. — Neben dem Bilde hält eine Hand die Abbildung des Hauses selbst aus den Wolken mit der Unterschrift:

Betracht’s nur recht! es ist nicht dein
Und mein wird’s in die Läng nicht seyn.

Links ist das Bild M. Crescentiae Ord. S. Francisci. Daneben hält eine andere Hand das Haus, wie es eben im Bauen begriffen ist, aus den Wolken heraus, mit der Unterschrift:

Viel Unkösten und Verdruß
Gottes Segen wenden muß.

Als das Haus noch schmähler war, hatte es einen Garten.“

Heutiger Zustand und Details

Dieses dermal mit Nummer 21 bezeichnete und im Eigenthum des Blumenfabrikanten Herrn Paul Obermaier befindliche Haus stammt nach Vorstehendem aus dem zweiten Jahrzehnt des XVII. Jahrhunderts.

„Auf diesem Blatte sieht man ferner am Hause No. 105 Wasserschäffeln und Wassereymer, Mädchen, die auf den Markt gehen, einen Briefträger und Holzhacker.“ Bei näherer Betrachtung kann nicht entgehen, daß der Briefträger eigenthümlicher Weise keine Kopfbedeckung trägt. Die beiden Frauenzimmer mit dem Hündchen hinter sich gehören offenbar den besseren Ständen an. Auf der unteren Hälfte des Kupferstiches sieht man das Innere einer Schäfflerwerkstätte.



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