Sütterlin Lernprogramm

Blatt 50

„Gegenwärtiger Kupferstich stellt diejenigen Gebäude vor, welche sich hinter der St. Peterskirche an die Rathhausgebäude und die vormalige Wieskapelle anreihen.“ Er schließt sich unmittelbar an Blatt 25 an.

A. Das Haus Nro. 110

„Das Haus Nro. 110 gehört der Stadt München, und ist gelb in gelb von außen übermalt. In diesem Hause wohnen zu ebener Erde zehn Ministranten von St. Peter, welche, wenn das Sanktissimum feierlich zu den Kranken getragen wird, selbes in rothen langen Röcken mit brennenden Kerzen begleiten.

Im zweyten Stocke der Stadtthurmer vom Petersthurme Jos. Amminger, welcher 3 Thurmergesellen unter sich hat. Letztere haben zu Nachts ihre Wohnung auf dem Thurne, und haben nebst dem Thurmwächter die Obliegenheit, auf Feuers- und andere Gefahren von München wohl Acht zu haben.

Sie beweisen ihre Anwesenheit und Wachsamkeit dadurch, daß sie täglich Morgens und Abends mit 2 Trompeten gegen 3 Seiten der Stadt von dem Gitter herab verschiedene musikalische Stücke blasen. Dieß geschieht Sommerszeit Morgens 3 und Abends 8 Uhr, Winterszeit aber Morgens 4 Uhr und Abends 8 Uhr. Bey Hochzeiten und geistlichen Priminzen werden durch diese Thurmer Aufzüge geblasen. Das nämliche geschieht am Ostersonntage Mittags halb 12 Uhr, gleichwie denn auch am Abende des Allerheiligen-Tages mit 3 Posaunen und einem Horne eine Trauermusik auf diesem Thurme aufgeführt wird.“

B. Das Haus Nro. 111

„Das Haus Nro. 111 gehört zur St. Peterskirche. Das Haus ist für die Gymnasialklasse bestimmt, welche mit der Gymnasialklasse nächst der Unser Lieben Frauenkirche dergestalten abwechselt, daß die Schüler, welche eintreten, die erste und zweyte Gymnasialklasse, nämlich in zwey Jahren bey dem nämlichen Lehrer vollenden.“

Im Jahre 1804 betrug die Anzahl der Schüler 160, für die nur ein einziges Zimmer bestand, dem es an gehörigem Lichte und guten Treppen mangelte. Sehr lästig fielen der üble Geruch und das Geräusch der Metzge, des Viktualienmarktes auf dem St. Petersfreithof und einer nahen Schmiede.

C. Der Dechanthof-Bogen

„Der neben dem Schulhause befindliche Bogen und der oben befindliche Erker gehört zum Gebäude des Dechanthofes von St. Peter. Der Bogen ist ein sehr belebter Kommunikationsweg zwischen der St. Peterspfarrkirche, dem heil. Geistspitale und der Roßschwemm und nun abgetragen.“

Sämmtliche Gebäude sind dermal städtisches Eigenthum und mit Nr. 7 bezeichnet.



C.A Regnet - München in guter alter Zeit