Stadtportal zur Münchner Stadtgeschichte
Friedrich Pecht war acht Jahre von München fern; im Jahre 1843 kam er wieder und erzählt über die Eindrücke, die er vom Münchner Kunstleben gewann:
Der bloße Amstand, daß ich durch ein Pariser Atelier gelaufen war und dementsprechend schwärzlich malte, verschaffte mir Aufnahme in eine Gesellschaft von Künstlern, die alle älter und begabter waren als ich. Sie bestand fast durchwegs aus Landschafts- und Sittenbildmalern, so aus dem mir von früher befreundeten Schleich, dann aus Leinlein, Morgenstern, Felix von Schiller, Albert Zimmermann, dem Lithographen Lohe, Kaspar Braun, der von der Malerei sich eben zum Lolzschnitt wandte, dem Tiermaler Lotze; vor allem aber zählte sie zu den ihren den liebenswürdigen Spitzweg, der sich aus einem Apotheker auch noch nicht lang zum Maler umgewandelt hatte, neben vielen anderen, die ich vergessen. Wir kneipten allabendlich im Cafe Scheidet an der Kaufingerstraße, während der größere Teil der jungen Maler im Stubenvollbräu sich zum ersten Male ein Lokal im gotischen Stil, eng, rauchig und unbequem, aber sehr romantisch geschaffen hatte, wo Fedor Dietz und
Kreling das große Wort führten und es ost sehr wild und lärmend herging. Beide Gesellschaften kämpften beständig um den Einfluß im mächtig herangewachsenen Kunstverein, von dessen Käufen die meisten Künstler mehr oder weniger abhingen.
Kaspar Braun (1807—1877) ist Mitbegründer der Fliegenden Blätter, deren erste Nummer am 3. Oktober 1844 erschien, und des um die Pflege des Holzschnittes hochverdienten Verlags Braun L Schneider.
Von den Genannten ist besonders Karl Spitzweg (1808—1885) hervorzuheben, ein Autodidakt, der nicht allein einer der vorzüglichsten Maler seiner Zeit war, sondern auch als Schilderer Alt-Münchens, das er in eine Wolke liebenswürdiger Romantik einhüllte, einer der bedeutsamsten Meister dieser Epoche ist.