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Otto, König von Griechenland

Haus: Wittelsbach Linie: Bayern

* 01.06.1815 (Salzburg) – † 26.07.1867 (Bamberg)

Otto

Kinder

Keine Kinder erfasst
Otto von Wittelsbach, der zweite Sohn König Ludwigs I., steht für eines der außergewöhnlichsten Kapitel der Münchner Stadtgeschichte: das bayerisch-griechische Abenteuer. Im Alter von nur 17 Jahren wurde der junge Prinz auf der Londoner Konferenz zum ersten König des neu gegründeten Staates Griechenland berufen. Er verließ seine Heimatstadt München, um in Athen ein modernes Staatswesen nach europäischem Vorbild aufzubauen, was eine bis heute sichtbare kulturelle Brücke zwischen den beiden Städten schlug.

In seiner neuen Heimat regierte Otto zunächst unter der Vormundschaft bayerischer Beamter. Er bemühte sich aufrichtig, ein "griechischer" König zu werden, trug oft die Landestracht und förderte die Erforschung der Antike sowie den Aufbau der Infrastruktur in Athen. Doch seine Regierungszeit war von schweren politischen Konflikten, dem Ringen um eine Verfassung und dem Misstrauen der europäischen Großmächte geprägt. Trotz seiner Liebe zu Griechenland gelang es ihm nie vollständig, die tiefen Gräben zwischen den verschiedenen politischen Lagern des Landes zu überbrücken.

Nach einer Revolution im Jahr 1862 musste Otto den Thron verlassen und kehrte nach Bayern zurück. Er verbrachte seinen Lebensabend in der Bamberger Residenz, blieb jedoch seiner zweiten Heimat zeitlebens verbunden: Er verfügte, dass er in seiner griechischen Uniform beigesetzt werden wollte. Für München hat Ottos Regentschaft eine bleibende Bedeutung, da sie den "Philhellenismus" – die Begeisterung für alles Griechische – befeuerte, die das Stadtbild unter seinem Vater maßgeblich prägte. Die Propyläen am Königsplatz sind ein steinernes Denkmal für diese Zeit und widmen sich ausdrücklich dem Haus Wittelsbach und seinem Einsatz für die griechische Freiheit. In der Stadtgeschichte bleibt Otto als der tragische junge König in Erinnerung, der auszog, um die Wiege der Demokratie neu zu beleben.