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Sagen & Geschichten

Blatt 17

Franziskanerkloster

„Die nach einer Zeichnung von Quaglio dem Jüngeren von Ferdinand Schießl frei bearbeitete Kupferbeilage stellt das Franziskaner-Kloster-Gebäude vor, wie selbes vor seiner Aufhebung und Abbrechung von Außen sich dargestellt hat. — Bereits im Jahre 1222 wurden die minderen Brüder des Ordens des hl. Franziskus oder die Minoriten von Herzog Ludwig dem Strengen nach München berufen und auf den Platz auf den Anger gesetzt, wo nachmals das Angerkloster erbaut worden ist. — Im Jahre 1282 wurden selbe neben dem alten Hof zu der uralten Kapelle der heil. Agnes, seiner Zeit der Hofkapelle, von Kaiser Ludwig dem Baier versetzt. — Im Jahre 1284 wurde die Kirche von Emicho, Bischof zu Freising, eingeweiht. — Im Jahre 1310 brannte die Kirche ab, wurde aber unter dem Guardian Choburg aus Almosen wieder erbaut. — Den 14. Februar 1327 brannte bei der großen Feuersbrunst auch das Kloster mit ab, wurde aber im Jahre 1330 von den Stadtpatriziern Gabriel und Vinzent Riedler wiedererbaut, wozu selbe 600 fl. hergeschossen haben, und die Kirche wurde 1335 wieder eingeweiht. — Im Jahre 1480 führte Herzog Albrecht die Patres regularis observantiae, Herzog Wilhelm V. und Max I. aber 1620 die Franziskaner in München ein. Die Minoriten waren nach Augsburg gezogen. — So blieb es bis auf den 11. März 1802, wo dieses Kloster gänzlich aufgehoben, und das hiesige Konvent, 65 Köpfe an der Zahl, in das Konvent nach Ingolstadt versetzt worden ist. Die Gebäude wurden hieraus öffentlich versteigert, durch die Käufer abgebrochen, der Schutt in der Folge durch Mitwirkung der Polizey weggeräumt, der Platz auf hohen Landesdirections-Befehl hergestellt, und nach erholter Churfürstl. gnädigster Erlaubniß der Max-Joseph-Platz genannt. — Ursprünglich befand sich vor dem Klostergebäude ein Kirchhof, welcher den ganzen Platz einnahm, und dessen Eck dem Eck des Gräfl. Törringischen Gebäudes (jetzt Haupt-Post) gegenüber stand. Im Jahre 1517 wurde der Kirchhof durch nächtliche Schlägerey entweiht und von Bischof Philipp von Freising wieder eingeweiht, im Jahre 1776 aber gänzlich aufgehoben und dem Erdboden gleich gemacht.

Das Innere des Klosters hatte einige Hofräume zu häuslichen Bedürfnissen, eine Braustätte, große Küche, ein sehr schönes Fischbehältniß, eine Apotheke, eine Tuchmacherey, dann einen Blumen- und Gemüse-Garten.“

Die Kirche und der Kreuzgang enthielten zahlreiche uralte adelige Begräbnisse und Erstere über dem Grabe des 1550 verstorbenen Kanzlers Dr. Leonhard von Eck eine nun in der Frauenkirche befindliche Kopie des jüngsten Gerichts von Michel Angelo von der Hand Mielich's, so wie mehrere Bilder von Candid, Schwarz und Rottenhammer.

Auf unserem Blatte bezeichnet a die Kapelle der Familie Kurz, b den Eingang zur Klosterpforte, c eine Nische mit ausgegrabenen Schädeln, d das Hauptportal der Kirche, e einen Brod- und Wachskerzenladen, f die gräfl. Hegnenberg'sche Begräbnißkapelle, g die Antonius von Padua-Kapelle, h die Schwarzenberg'sche Begräbnißkapelle, i Nischen mit Grabmälern. — Die untere Hälfte des Blattes zeigt unter k den Betstuhl im Betkämmerchen, das sich Kaiser Ludwig neben dem Hochaltar einrichten ließ, um dort ohne Aergerniß die Messe hören zu können, als er mit dem Banne belegt worden. Die halbkreisförmige Oeffnung war in der Kirche draußen durch die Aureole um den Kopf eines Heiligenbildes verdeckt. Das Porträt in der mit dem Buchstaben l bezeichneten Abtheilung des Blattes ist das des Minoriten Wilhelm Occam, eines geborenen Engländers, des getreuesten und wärmsten Freundes und Vertheidigers des Kaisers gegenüber den Päpsten, der im selben Jahre mit ihm starb. Es war in dem Betkämmerchen des Kaisers in die Mauer eingelassen.

Wiliam von Coccham

Beim Niederreißen der Kirche fand der Polizeidirektor Bergmann unter dem Grabstein, der Wilhelm Occams Namen trug, und sich dicht vor dem Hochaltar befand, einige wenige Reste von Gebeinen, welche er der Akademie der Wissenschaften übergab. Unfern von Wilhelm Occam war der ebenso rühmlich bekannte P. Bonagratia de Bergamo, gest. 1347, bestattet.

„Die Kapelle der heil. Agnes befand sich gleich neben dem Chore, und aus dieser Kapelle ist, wie bereits bemerkt worden, erst Kirche und Kloster entstanden. Diese Kapelle war von innen mit vielen alten Figuren übermalt, wurde aber im Jahre 1714, um sie heller zu machen, überweißt. In dieser Kapelle hatten die von Haslang ihr Begräbnißrecht schon seit dem Jahre 1227 erlangt.“

Von der Antonikapelle wird noch an einem anderen Ort die Rede sein, desgleichen von der gräflich Hegnenberg'schen. In der Schwarzenberg'schen Kapelle lag „wegen besonderer Größe und Dicke des Körpers“ in einem „ungeheueren Sarge“ Herr Heinrich Graf zu Schwarzenberg etc. etc., röm. kaiserl. und baierisch. geheimer Rath, Land- und Obersthofmeister, Oberst-Kämmerer (gest. 1590). Die Kurz'sche Kapelle umschloß u. A. auch die Gebeine des Maximilian Kurz, Grafen von Valley, ersten Ministers unter Maximilian I. und Ferdinand Maria (gest. 1662).

„Der innere Kreuzgang des Klosters war mit 30 Malereyen, die Lebens- und Leidensgeschichte Christi vorstellend, geziert.“ — „Der äußere Kreuzgang befand sich zwar in dem Gebäude, war aber gänzlich von der Klausur getrennt, und erst, wenn man durch diesen auf der rechten Seite gegangen war, kam man zur Klausurpforte. An der Seite gegen die Klausur hatte der Kreuzgang Beichtstühle, zu welchen die Frauenzimmer außen hinknien, die Beichtväter aber sich von innen hinsetzen konnten.“ Auch dieser Kreuzgang enthielt zahlreiche Grabdenkmäler dort bestatteter adeligen und bürgerlichen Standes.

In der Klosterkirche befand sich eine kunstreiche Uhr von Andreas Sondag von Ruflach vom Jahre 1589.