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„Die gegenwärtige Kupferbeilage stellt die Häuser Ziffer 270, 271 und 272 in der Schwabingergasse, Graggenauer-Viertels, vor.
a. Das Haus Ziffer 270 hat einen Hof, laufendes Wasser und Retiraden." Die Erwähnung der letzteren weist darauf hin, dass sie zu jener Zeit noch nicht in allen Häusern vorhanden waren. Das Haus ist das jetzt mit Nr. 47 bezeichnete und Eigenthum des Herrn Kürschnermeisters Ad. Fleischmann. Unter den früheren Eigenthümern finden sich 1338 der Bürger und Gastgeber Peter Kern, 1613 die Weinwirthe Onuphrius und Veit Abel, 1617 der kurfürstliche geheime Rath und Pfleger zu Weilheim Johann Heringer, 1660 das Kloster Tegernsee, 1660 der kurfürstliche Leibmedikus Christoph Pfetterl, 1733 der Hofkriegsrath Anton von Hagenau, 1783 der kurfürstliche Hofrath Joseph Köstler, dann der kurfürstliche geheime Rath und Hofkapelldirektor Leop. Krieger, 1804 der geheime Landesarchivarius Franz Joseph Sammeth, der bekannte Statistiker. Das Gewölbe hatte inne: „Paul Gaudrill, Handelsmann in Mode, Seide, Weiß- und Parfümerie-Waaren."
b. „Das Haus Ziffer 271 ist das Fuchsbräuhaus. Auf dem Hause ist gemalt eine triumphirende Maria, welche die Schlange unter die Füße tritt, dann das Wappen, welches von Johann Baptist Carl, Doktor, des päpstlichen Stuhles zu Rom Protonotarius apostolicus, römisch-kaiserlichem Rathe, Pfalz- und Hofgrafen und Dechant zu Meichs an der Glon, dem Besitzer dieses Hauses, Thomas Fuchs, Bürger und Bierbräu in München den 12. April 1661 verliehen worden ist. — Das Haus hat einen Hof, Schöpf- und Stettenbrunnen, Retiraden und Stallung." Dasselbe war seit 1536 ununterbrochen in der Hand von Bierbräuern.
Daselbst kehrten die Boten von Mainzach, Hohenwarth, Frontenhausen, Mamau, Kemnat und Deggendorf ein; die einen kamen alle acht Tage, die anderen alle vierzehn Tage, wieder andere nur alle Monate. So gering war der Verkehr. — In der Wirthsstube hingen die Zunftschilde der Geschmeidemacher und Zirkelschmiede und der Huterer (Hutmacher), welche daselbst ihre Herberge und ihre eigenen Tische hatten, und an der Wand eine Tafel mit der Aufschrift: „Jedermann wird höflich ersucht gleich zu bezahlen."
Jetzt hat das Haus die Nummer 46 und ist Eigenthum des Kaufmanns Herrn Ludwig Reichenberger.

„Die Zeichnung unten stellt vor, wie ein Bürgersmann, z. B. ein Bräuer, dessen Kleidung zwischen der alten und neuen Mode schwebt, an Sonn- und Feiertagen sich kleidet. Der Mann trägt eine rothe Weste von Moiré mit goldenen Borten und silbernen Knöpfen, einen stahlgrünen Ueberrock, gleichfalls mit silbernen Knöpfen, dann einen braunen Mantel mit goldenen Spangen. Die Bräuinn trägt eine Riegelhaube, welche sich etwas der Zughaube nähert, mit Gold gestickt, einen schwarzen Flor mit einer silbernen Schnalle um den Hals, ein weißes Halstuch, ein rosenfarbseidenes Korsett, einen blau-kordetorenen Rock und ein schwarzseidenes Fürtuch."
c. „Das Haus unter Ziffer 272 macht das Eck zwischen der Schwabinger- und Perusagasse, ist gelb in gelb mit Laubwerk und Festons übermalt und oben im Ecke steht in der Nische ein Bildwerk der unbefleckten Empfängniß. — Das Haus hat einen Hof, laufendes Wasser, Stallung und Retiraden. Es gehörte ursprünglich dem Kloster Scheyern. Abt Gregorius verkaufte es 1661 mit der damals darauf gehafteten Braugerechtigkeit und Aengern an Georg Altmannshofer, kurfürstl. Bräuverwalter allhier." — Als spätere Hauseigenthümer kommen vor: 1684 der kurfürstliche geheime Rath Pongratz B. v. Leibelfing; 1697 Maria Adelheid Theresia, Gräfin von Rivera, geb. Gräfin von Preysing; 1711 deren Tochter M. A. Josepha Gräfin von Perusa; 1758 Karl Felix von Bertrand, Graf von Perusa, kurfürstlicher Hofrath; 1770 Max Emanuel Graf von Sandizell, kurfürstlicher Generalfeldzeugmeister und 1770 Joseph Graf von Salern, kurfürstlicher Kämmerer, Oberst-Land- und General-Feldzeugmeister.