Nachmärzliche Idylle
David Friedrich Strauß (1808—1874), der Verfasser des „Leben Jesu", hatte in den 1850 er Jahren seinen Wohnsitz in München. Von hier aus schrieb er seinem Freunde Ernst Rapp am 29. März 1851:
Dein Veilchen hat den ganzen Frühling nach sich gezogen: Lerchen, Amseln, spielende Knaben, gärtelnde Frauen. Ging gestern auf den Türkengraben und Kanaldamm und trank auf dem Leimweg in Schwabing ein Glas Bier. Ein Münchener Bürger (wohl ein Spezereihändler) in gewissen Jahren kam mit seiner Frau und einem kleinen Lund in dasselbe Zimmer. Er habe heute früh auch nicht gedacht, sagte er, daß er heute abend in Schwabing sein würde, aber es geschehe des Lundes wegen. Es ist nämlich neuestens hier verboten worden, Hunde ins Wirtshaus in der Stadt mitzunehmen. Auch der Schneider Lechner, der sich sonst nicht leicht außer der Stadt betreffen lasse, sei ihm heut vor den Toren begegnet und habe ihm gesagt, auch er gehe seinem Lund zuliebe über Feld. Ich machte dem Mann bemerklich, wie gut er und sein Freund Lechner auf solche Motion heute nacht schlafen würden, zeigte ihm, wie alle Dinge, auch die unangenehmen, ihre gute Seite haben, deutete auf den Vorteil hin, der den Dorfwirten aus dieser Verordnung erwachse und ihnen auch zu gönnen sei, wagte die Vermutung, daß diese Dorfwirte dem ganzen Verbot nicht fremd sein dürften, und schloß mit der Beruhigung, daß ein so hartes Gesetz, so wenig als einst die drakonischen, sich auf die Dauer werde halten können. Nachdem ich so den trefflichen Bürger mit seiner Frau sichtlich befriedigt hatte, trank ich mein Glas Bier aus und überließ ihn seinen Betrachtungen und seinen Leberwürsten, deren er für sich zwei und für seine Ehehälfte eine bestellt hatte, und wovon auch der spazierengeführte Lund sein gutes Teil bekommen haben wird.
Du fragst schon nach dem „Harmlos"! Aber so weit sind wir noch nicht.
Schneeverhüllt schaut noch das Gebirg herüber;
Wasserleer noch schweigen die zwei Fontänen;
Und im Kasten winterlich eingeschlossen
Träumet der „Harmlos".
Über den „Harmlos" ist das Kapitel „Der Englische Garten im Jahre 1814" auf Seite 97 nachzulesen. Die zwei Fontänen befinden sich an der Ludwigstraße vor der Universität und dem Georgianum.