Geschichte 100 - 1090

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  • ??? * Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis für den Ursprung des Weines.
     


  • An den Ufern des Euphrat und Tigris * Die älteste nachweisbare Aufzeichnung über die Bierzubereitung stammt von den Ufern des Euphrat und Tigris.

    Es ist eine kleine Tontafel mit in Keilschrift eingedrückten Darstellungen, die das Enthüllen des „Emmers“ für die Bierzubereitung und ein Tier- und Bieropfer zeigen.

    Ohne freilich die Zusammenhänge zu verstehen, entdeckten die „Sumerer“ nicht nur den Gärprozess am zum Ruhen gestellten Brotteig, sondern verstanden es darüber hinaus auch noch, diesen Vorgang beliebig oft zu wiederholen.


  • Kulmbach * Aus dieser Zeit stammt der älteste Nachweis, dass Bier auf deutschem Boden gebraut worden war.

    Es sind dies Bieramphoren aus der Hallstattzeit, die in der Nähe von Kulmbach gefunden wurden.


  • Deutschland * Im Gefolge von Julius Cäsars Eroberung Galliens (um Christi Geburt) kommt der Wein über den Rhein nach Germanien.


  • Augsburg * Der römische Kaiser Claudius lässt die „Donaulinie“ mit Kastellen bestücken und das von „Vindelikern“ und „Raetern“ besiedelte Alpenvorland durch Straßen erschließen.

    Zwischen 41 und 45 gründet Claudius die „prokuratorische Provinz Raetia et Vindelica“ mit der Hauptstadt „Augusta Vendelicum“ = Augsburg. 


  • Europa * Das Urchristentum verurteilt jeden Krieg und jede Form von Gewalt, da der „Krieg“ eine Konsequenz der „Erbsünde“ ist.


  • Alpenvorland * Aus dem „Partherkrieg“ zurückkehrende Soldaten schleppen die Pest in das „Römische Reich“ ein.  

    Auch im Alpenvorland sterben viele Menschen an der Epidemie. 


  • Donau * Die „Markomannen“ überschreiten die Donau.  

    Die Zeit friedlicher Entwicklung im Voralpenland ist damit vorbei. 


  • Deutschland - Frankreich * Kaiser Aurelianus Domitius verbietet den Weinanbau an Rhein und Mosel, um damit eine lästige Konkurrenz auszuschalten.


  • Deutschland - Frankreich * Kaiser Probus hebt das Weinanbauverbot an Rhein und Mosel wieder auf, da er erkannte: „Wein braucht Frieden, Frieden braucht Wein, Wein ist Frieden“.

    Er ist mit dieser Tat der erste „Förderer des Deutschen Weinhandels“.


  • Elvira * Im 4. Jahrhundert hat man die ersten rechtlichen Bestimmungen zur „Ehelosigkeit“ und zur „Sexuellen Enthaltsamkeit von Priestern“ erlassen. 


  • Rom * Als im 4. Jahrhundert - nach der Bekehrung Konstantins - das „Römische Imperium“ ein „christliches Reich“ wird, muss sich das Christentum der veränderten Situation anpassen.

    Augustinus entwirft die Theorie des „gerechten“ Krieges: „Gerecht werden die Kriege genannt, die Unrecht rächen“. Und weiter: „Ich glaube nicht, dass der Soldat, der einen Feind tötet, wie auch der Richter und der Henker, die einen Verbrecher hinrichten, sündigen, denn mit ihrem Handeln gehorchen sie dem Gesetz“.

    Nur ein Krieg mit dem Ziel Reichtümer und Ehre zu gewinnen, gilt als unstatthaft. Ein „gerechter Krieg“ sollte dagegen Unrecht strafen und wieder gutmachen.


  • Rom * Papst Liberius verlegt das Fest „Christi Geburt“ vom damals üblichen Termin, dem 6. Januar, auf den 25. Dezember.

    An diesem Tag feiert man im „Römischen Reich“ den „Tag der unbesiegbaren Sonne“.
    Damit tritt die Geburt Christi an die Stelle eines heidnischen Festes.

    An diesem Tag wird das Weihnachtsfest in der westlichen Welt noch heute gefeiert, im Gegensatz zur „orthodoxen“ und „orientalischen Kirche“, die Weihnachten an „Epiphanie“ begeht.


  • Algerien * Aurelius Augustinus, einer der vier lateinischen „Kirchenlehrer“ der Spätantike, hat sich bereits im frühen 5. Jahrhundert mit dem beschäftigt, was wir heute unter den Begriffen „Hexe“ und „Schadenszauber“ verstehen.

    Es geht ihm aber weniger um die Angst vor einer „schädlichen Magie“, sondern vielmehr darum, den christlichen Glauben von allen Verunreinigungen durch den „heidnischen“ und „abergläubischen“ Irrglauben zu reinigen.

    Augustinus will die „absolute Überlegenheit“ des katholischen Christentums propagieren und deutet deshalb die heidnischen Götter und Göttinnen zu „teuflischen Dämonen“ um, die „Luzifer“ hierarchisch unterstellt wären.

    Wer also in diesem Sinne „Magie“ betreibt, macht sich automatisch des „Teufelspaktes“ schuldig. 


  • Ephesus * Das „Konzil von Ephesus“ beginnt.  
    Es dauert bis zum 31. Juli.  

    Auf dem „Konzil von Ephesus“ wird das erste „Marianische-Dogma“ der katholischen Kirche verkündet.  
    Es lautet: „Maria ist Mutter Gottes“.


  • Konstantinopel * Das „Konzil von Konstantinopel“ beginnt.  
    Es dauert bis 2. Juni.  

    Das „Konzil von Konstantinopel“ verkündet den zweiten „Marianischen Glaubensgrundsatz“.  
    Er lautet: „Maria hat Jesus als Jungfrau empfangen und geboren“


  • Europa * Seit der Christianisierung wird der vergorene Traubensaft auch als Messwein benötigt, weshalb Anbau, Veredelung und Herstellung besonders von kirchlicher Seite gefördert wird.


  • Luxueil * In Luxueil in Burgund, dem Ausgangspunkt der Christianisierung Bayerns, wird Bier gebraut.


  • Jerusalem * Jerusalem fällt an die Muslime.


  • Rom * Im 7. Jahrhundert wird die „augustinische Definition“ präzisiert: „Gerecht ist ein Krieg, der nach Warnung geführt wird, um Güter zurückzugewinnen oder Feinde zurückzuschlagen“.

    Genau dieses Argument dient zur Rechtfertigung der „Kreuzzüge“, die sich zum Ziel gesetzt haben, die „heiligen Stätten“ zurückzugewinnen, da sie unzulässigerweise von den „Ungläubigen“ besetzt worden sind.


  • Obergiesing * Der Name der Giesinger Kirche - „Heilig Kreuz“ - weist auf einen Zusammenhang mit der irofränkischen Mission hin, die in Baiern seinerzeit mit dem Wirken des heiligen Emmeram einsetzt.

    Die damaligen Missionare errichten als Siegeszeichen über das Heidentum ein Kreuz auf. So war es vielleicht im 8. Jahrhundert auch in Giesing.


  • Freising - Salzburg - Regensburg - Passau * Herzog Theodo teilt das Herzogtum Baiern unter seinen vier Söhnen Theodebert, Grimoald, Theodold und Tassilo auf.

    Vermutlich residiert Tassilo im Teilherzogtum Passau, Theodebert in Salzburg, Grimoald in Freising und Theodold in Regensburg. 


  • Aachen * Der spätere Kaiser Karl „der Große“ wird in Aachen geboren. 

    Das Geburtsjahr könnte aber auch 748 gewesen sein. 


  • Erching * Der Freisinger Bischof Joseph von Verona erhält von Herzog Tassilo III. Grundbesitz im benachbarten Erching, wozu auch Bauerngüter in Föhring gehören.  

    Damit beginnt die Besitzgeschichte der Freisinger Bischöfe in Föhring. 


  • Freising * Der Weinanbau in Freising ist urkundlich belegt.

    Bischof Arbeo nennt Altbayern ein „mit Wein wohlversehenes Land“. Bis in die Gegend des Tegernsees und Schliersees, am Staffelsee und Chiemsee, bei Adelholzen und Traunstein, bei Tölz und Lenggries wird Wein angebaut.

    Das „Kerngebiet“ des regionalen Landweins, des sogenannten „Baierweins“, liegt an den Hängen der Donau, bei Regensburg, Kehlheim und Donaustauf vor allem.

    Von der Donau aus schiebt sich der Weinbau in die Seitentäler der Wörnitz, der Altmühl, der Naab und des Regen hinein. Im schwäbischen Donauwörth, bei Straubing und Passau, an den Ufern von Isar und Inn, an Salzach und Rott wird Wein angebaut. Landshut und die untere Isar sind Zentren des Weinanbaus, deren besten Gewächse noch bis ins 17. Jahrhundert in die „Hofkeller der Münchner Residenz“ wandern.


  • Perlach * Erstmalige Nennung von Perlach.


  • Sendling * Erstmalige Nennung von Sendling.


  • Pasing - Gräfelfing * Erstmalige Nennung von Pasing und Gräfelfing.


  • Frankenreich * Karl „der Große“ wird alleiniger Herrscher des „Frankenreichs“


  • Bogenhausen„Pubenhusen“, das heutige Bogenhausen, wird erstmals in einer Urkunde des „Klosters Schäftlarn“ genannt.


  • Frankenreich * Baiern wird dem „Frankenreich“ unter Karl „dem Großen“ gewaltsam einverleibt. 


  • Schwabing * Erstmalige Nennung von Schwabing.


  • Giesing * „Der Priester Ihcho und sein Neffe Kerolt schenken ihr eigenes Erbgut an dem Ort Kyesinga und an einem anderen Ort, der Peralohc genannt wird, an die Freisinger Kirche.
    So geschehen am 14. Juli 790“

    So tritt Giesing schriftlich in die Geschichte ein.
    Giesing ist aber wesentlich älter.

    Die Anfänge des Ur-Giesings liegen freilich im Dunkeln, doch Ausgrabungen auf dem Gelände der Icho-Schule brachten einen der größten Bajuwarenfriedhöfe Südbayerns zu Tage.


  • Mitteleuropa * Beginn der Zeit des mitteleuropäischen Klimaoptimums für den Weinanbau.


  • Italien * Die Araber bringen die Kunst der Destillation nach Italien.


  • Rom * Karl „der Große“ wird von Papst Leo III. in Rom zum Kaiser gekrönt. 


  • Haching * Erstmalige Nennung von Haching.


  • Haidhausen * Haidhausen wird erstmals urkundlich erwähnt.

    Der Priester Erlaperth schenkt dem Bischof von Freising eine kleine Kirche samt Haus und Hof. 

    „Haidhusir“ war damals aber bereits ein fertiges Bauerndorf.


  • Berg am Laim * Eine Kirche in oder in der Nähe von Berg am Laim wird während der Amtszeit des Bischofs Atto (783 bis 811) erbaut.

    Ob es sich dabei um die Baumkirchner Stephanskirche handelte, ist nicht sicher.


  • Berg am Laim * Der Priester Cundhart und sein Neffe Liuthram übergeben ihren erworbenen beziehungsweise ererbten Besitz „ad Perke“ an die Freisinger Bischofskirche. 

    Die Urkunde beinhaltet damit die erste Nennung Berg am Laims.


  • Freising - Berg am Laim * Der Dom zu Freising erhält von Hahmunt dessen Gut samt Eigenleuten und Kirche „ad Perke“ = Berg am Laim.


  • Mainz * Die „Synode von Mainz“ legt für diesen Tag den Feiertag des „heiligen Michael“ fest. 


  • Berg am Laim * In der dritten Nennung von Berg am Laim wird eine Schenkung des Priesters Starcholf und des Diakons Hatto „ad Perke“ an Freising beurkundet.


  • Aachen * Kaiser Karl „der Große“ stirbt in Aachen. 

    Sein Nachfolger wird sein Sohn Ludwig „der Fromme“


  • Berg am Laim * Baumkirchen wird erstmals in einer Freisinger Urkunde als „Pouminunchirihum“ erwähnt.


  • Ungarn * Die Ungarn tauchen in der zuvor von den „Awaren“ bewohnten Tiefebene an Donau und Theiss auf. 

    Die Gegend trägt seitdem ihren Namen. 


  • Föhring - Freising * Durch ein Diplom König Ludwig „des Kindes“ kann Freising den ganzen einstigen Herzogs- und nachmaligen karolingischen „Königshof Föhring“ erwerben. 


  • Bratislava * Die Ungarn vernichten nahe Pressburg (Bratislava) fast das gesamte baierische Heer und einen Großteil der baierischen Führungsschicht.  

    Die als „Hunnen“ bezeichneten magyarischen Reiterhorden verbreiten Angst und Schrecken.  
    Sie werden als „wilde Gestalten“ beschrieben, „mit braungelben Gesichtszügen, tief liegenden Augen, heißerer Stimme und bis auf drei Zöpfe abgeschorenem Haar, die das Blut geschlachteter Tiere trinken und ihre Toten verbrennen“. 


  • Lechfeld * Die dreitägige „Schlacht auf dem Lechfeld“ beginnt.  

    Die „Hunnen“ genannten ungarischen Reiterhorden werden von einem zusammengewürfelten Heer aller deutschen Stämme (Sachsen, Franken, Baiern und Schwaben) besiegt.  

    Anschließend setzen die „Panzerreiter“ Ottos des Großen den Flüchtenden nach, werden „eingeschlossen und von Bewaffneten niedergemacht“.  
    Weitere Tausende Ungarn ertrinken angeblich in den Fluten des Lechs, dessen Wasser vom Blut der vielen Toten rot gefärbt ist.  
    Das „Schlachtfeld“ am Lech ist mit Toten übersät.  

    Die „Schlacht auf dem Lechfeld“ gilt unter Historikern als eines der bedeutendsten Ereignisse in der deutschen Geschichte.
    Man spricht sogar von der „Geburtsstunde der deutschen Nation“


  • Keferloh * Nach der „Schlacht auf dem Lechfeld“ verkaufen die Männer des Grafen Eberhard von Ebersberg in Keferloh angeblich mehr als 17.000 herrenlose Pferde der Ungarn.  

    Damit begründen sie den „Keferloher Markt“, der bis heute besteht.  
    Es gibt dazu aber weder Dokumente noch archäologische Funde. 


  • Untergiesing * Der Bischof von Freising erhält die „Mühle zu Kiesingenum“ samt dem dazugehörigen Grundbesitz vom Edlen Wolftregil übertragen.

    Sie ist die älteste Mühle von Giesing und steht  in der Lohstraße 46, nahe dem Candidplatz, dort wo heute der Mittlere Ring - lärmend und stinkend - den „Auer Mühlbach“ überquert.


  • Rom * Papst Johannes XII. krönt den römisch-deutschen König Otto I. „der Große“ in Rom zum Kaiser. 

    Seitdem besteht eine unverbrüchliche Verbindung zwischen den beiden Funktionen.  
    Der deutsche König versteht sich automatisch als Anwärter auf das Kaisertum.  
    Der Papst gilt als der richtige „Koronator“ für den Papst.  

    Damit entsteht eine besondere Beziehung zwischen dem römisch-deutschen König und dem Papst.  

    Die Päpste werden im Umkehrschluss  

    • ihr Recht ableiten, die Eignung des zukünftigen Kaisers zu überprüfen und  
    • auf die Erhebung zum deutschen König Einfluss zu nehmen. 

  • Europa * Der Begriff „Hexe“ taucht in unseren Breitengraden erst vor gut tausend Jahren auf und dürfte sich vom althochdeutschen „hagazussa“ ableiten.

    Das lässt sich  mit „Geist oder Mensch, der in der Hecke wohnt oder sitzt“ [„hag“ = Hecke, „zussa“ = sitzend] übersetzen. 


  • Sankt Gallen * Im „Kloster Sankt Gallen“ wird die Bierproduktion erstmals professionell betrieben.

    Über 100 Mönche arbeiten, unterstützt von einer noch größeren Anzahl von weltlichen Helfern, in den drei Brauereien.

    Die beste Sorte ist „Celia“, die für die Patres und vornehme Gäste bestimmt ist. Die einfachen Mönche bekommen „Cervesia“. Den letzten, mit Wasser gestreckten Haferaufguss, „Conventus“, erhalten die Bettler und Pilger.


  • Untergiesing * Die „Giesinger Mühle“ gehört dem Edelmann Ordendil, danach kommt sie an den Edlen von Ast.


  • Weihenstephan * Das „Benediktinerkloster Weihenstephan“ erhält laut einer Urkunde die Braugerechtsame.

    Die dem bayerischen Staat gehörende Brauerei bezeichnet sich als die „älteste Brauerei der Welt“.

    Dabei handelt es sich bei dieser Urkunde um eine Fälschung aus dem frühen 17. Jahrhundert.
    Die Urkundenfälschung der frommen Kleriker wird erst im Jahr 1973 aufgedeckt.


  • Rom-Vatikan * Der letzte Baier auf dem „Stuhl Petri“ ist Poppo von Brixen, der sich Damasus II. nennt und nach wenigen Wochen im Amt stirbt.


  • Weltenburg * Eustasius und Agilus, Missionare aus dem Kloster Luxueil, gründen das „Kloster Weltenburg“ und führen hier die klösterliche Braukunst ein.


  • Berg am Laim - Freising * Kaiser Heinrich III. gibt den Weiler Baumkirchen samt Kirche, Liegenschaften und „Eigenleute beiderlei Geschlechts“ an die „Chorherren von Sankt Veit“ in Freising.


  • Jerusalem * Der türkische Truppenführer Atsiz besetzt die Stadt Jerusalem, die bis dahin im Besitz der schiitischen Kalifen war.


  • Jerusalem * Im „Heiligen Land“ kommt zu heftigen Kämpfen zwischen Seldschuken und Schiiten.

    Die seldschukischen Türken behalten die Oberhand und richten unter den schiitischen „Muslims“ ein Blutbad an.

    Im christlichen Viertel Jerusalems bleibt es offenbar ruhig und auch die „Grabeskirche“ ist für die „Pilger“ - trotz der türkischen Herrschaft - weiterhin zugänglich. Allerdings behindern die Kriegswirren die christliche Wallfahrt.


  • Jerusalem * Jerusalem und andere „heilige Stätten“ befinden sich seit über vierhundert Jahren in der Hand der Muslimen.


  • Rom * Papst Urban II. wird von einer Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers Alexios I. um Hilfe gegen die türkischen Seldschuken gebeten.

    Diese haben das Byzantinische Reich im Sturm erobert und kommen der Hauptstadt Konstantinopel bedrohlich nah.


  • Frankreich * Zwischen August 1095 und September 1096 unternimmt der damals etwas über sechzig Jahre alte Papst Urban II. eine mehr als dreitausend Kilometer lange Reise durch Frankreich.

    Er wird dabei von einer Eskorte von Erzbischöfen und Bischöfen begleitet. Man nimmt an, dass die im Gefolge angeschlossenen Haushalte den Zug auf mehrere Kilometer anwachsen ließen.

    Die Reiseroute ist zuvor so festgelegt worden, dass das Eintreffen des Papstes in den Städten mit den Ehrentagen wichtiger Schutzpatrone zusammenfällt.


  • Clermont * Ein Höhepunkt der Reise ist das „Konzil“, das bis zum 27. November 1095 in der Hauptkirche von Clermont tagt.

    Unter dem Vorsitz des Papstes werden finanzielle und organisatorische Angelegenheiten der französischen Kirche abgearbeitet.

    Am Ende des „Konzils“ hält das „Kirchenoberhaupt“ auf einem Feld vor der Stadt eine Rede, in der es den anwesenden Rittern und Klerikern zunächst die Ergebnisse des „Konzils“ darlegt, danach gegen den „Kaiser“ und den „Gegenpapst“ wettert und anschließend die Befreiung der Kirche von aller weltlichen Gewalt fordert.

    Schließlich ruft Papst Urban II. die Anwesenden zum Kriegszug zur „Vertreibung der Türken aus Kleinasien“ auf.

    Als die Menge die „päpstliche Predigt“ am Ende begeistert mit den Worten „Deus le volt - Gott will es!“ quittiert, bestimmt der oberste Kirchenmann, dass dies der „Schlachtruf“ sein soll.


  • Frankreich * Auf seiner weitere Reise wird der Papst nicht müde zu betonen, dass die Teilnehmer an diesen gewalttätigen Auseinandersetzungen einen „Befreiungskrieg gegen die muslimische Tyrannei“ führen, bei dem es einerseits um die Befreiung der christlichen Glaubensbrüder und Glaubensschwestern und andererseits darum geht, „das Heilige Grab aus den Händen der Heiden zu befreien“.

    Zur „Beruhigung des Gewissens“ versichert der Papst seinen Zuhörern, dass das Unternehmen eine Umsetzung „christlicher Barmherzigkeit“ ist, bei dem die „Kreuzfahrer“ ihr Leben aus Liebe zu Gott und „zu ihrem Nächsten“ aufs Spiel setzen werden. Die noch fast ein Jahr andauernde „Predigtreise“ spielt eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung der Menschen.

    Der alternde Papst versteht es hervorragend, die Emotionen seiner Zuhörer zu wecken. Papst Urban II. nimmt für sich in Anspruch, im Namen Jesu Christi zu sprechen.


  • Frankreich * Von einer Woge populärer Begeisterung getragen, machen sich - gegen dem Wunsch des Papstes - die ersten „Kreuzfahrer-Kontingente“ auf den Weg.

    Die meisten dieser „Kreuzzugs-Pilger“ stammen überwiegend dem einfachen Sozialmilieu des Bauernstandes und der Städte. Viele von ihnen verkaufen ihre geringe Habe, um die Reise nicht völlig ohne Barschaft antreten zu müssen. Wegen des dadurch entstandenen Überangebots fallen die Preise dramatisch, sodass sich der Verkauf oft kaum mehr lohnt. Andere lassen einfach alles liegen und stehen und schließen sich einem „Pilgerzug“ in den „Nahen Osten“ an.

    In den nächsten sechs Jahren folgen etwa 130.000 Frauen und Männer ihrem Beispiel. Aus dem Stand des Adels und der Ritter kommen kaum zehn Prozent der „Kreuzfahrer“. Allerdings übernimmt diese Gruppierung die Führerschaft und - neben den sie begleitenden Priestern - die Verantwortung für die nachfolgend beschriebenen „Judenpogrome“. Nach den Beweggründen für die Teilnahme an den „Kreuzzügen“ zu suchen ist müßig. Sie sind nicht rational sondern ideologisch begründet. Die meisten, die den Aufrufen der Päpste folgen, bereuen später ihr - in einer durch „Predigt und Propaganda“ bewusst ausgelösten Atmosphäre religiöser Hysterie - abgelegtes „Gelübde“.

    Die meisten dieser am sogenannten „Vor-Kreuzzug“ beteiligten „Pilger“ kommen nicht weiter als bis zum „Balkan“. Besteht für die Kirche die Rechtfertigung für den „ersten Kreuzzug“ in der „Besetzung Jerusalems“ durch die „Muslime“, so entfesselt die „Kreuzzugsbewegung“ aber auch gewalttätige Emotionen in eine andere Richtung.

    Viele der christlichen „Kreuzfahrer“ nehmen, bevor sie sich überhaupt ins „Heilige Land“ aufmachen, erst einmal Rache an den „Juden“, die - nach ihrer Auffassung - für die „Kreuzigung des Heilands“ verantwortlich sind. Die aus einfachsten Verhältnissen stammenden Kriegsteilnehmer haben bis dahin ein sehr bescheidenes Dasein gefristet und setzen nun als „Wagemutige“ ihre Existenz aufs Spiel. Und dass etliche „Juden“ durch ihre Geschäfte reich geworden sind, steht im krassen Gegensatz zur „kirchlichen Doktrin“, wonach die „Juden“ als Strafe und Zeugnis für den ihnen zur Last gelegten „Gottesmord“ sichtbar in „Knechtschaft unter den Christen“ leben sollen - und nicht umgekehrt. Da die „Kreuzfahrer“ ihr gegen die „Muslime“ gerichtetes „Feindbild“ und die damit verbundenen Aggressionen problemlos auch gegen die „Juden“ anwenden können, entsteht eines der dunkelsten Kapitel in der eh schon so grausamen „Kreuzzugs-Geschichte“.


  • Trier * In Trier gestaltet sich das Zusammenleben der „Juden“ und der „Christen“ bislang weitgehend friedlich.  

    Doch jetzt drohen die „Kreuzfahrer“ den „Juden“ mit einem „Massaker“, wenn sie nicht auf ihre Geldforderungen eingehen. 

    In ihrer Todesangst geben ihnen die „Juden“ alles, was sie haben.
    Daraufhin ziehen die „Kreuzfahrer“ weiter, doch kommt dann der zweite Trupp und verlangt ebenfalls Geld und Wertsachen.
    Die „Juden“ kratzen den Rest zusammen und geben es hin.
    Der Trupp zieht ab und schon bald kommen die nächsten „Kreuzfahrer-Kontingente“, die zum Teil auch mit „Bürgern“ der Städte und den „Landbewohnern“ gemeinsame Sache machen.

    Nun haben die „Juden“ nichts mehr, weshalb fundamentalistische Geistliche in den Reihen der „Kreuzfahrer“ die Losung ausgeben:
    „Wer einen Juden erschlägt, dem werden seine Sünden vergeben“.

    Berufen können sie sich auf den Abt des Klosters, aus dem auch Papst Urban II. stammt, Pierre de Cluny. 
    Sein Leitspruch lautet: 
    „Es ist sinnlos die Feinde unseres Christenglaubens in der Fremde zu bekämpfen, wenn diese Juden, die schlimmer als die Muslims sind, in unseren Städten ungestraft unseren Herrn Jesus Christ beleidigen dürfen“

    Insgesamt kommen anlässlich des „Ersten Kreuzzuges“ mindestens 2.500 Angehörige der deutschen „Judengemeinden“ ums Leben.
    Nur wer sich nach christlichem Ritus „taufen“ lässt, kann sein Leben retten.
    Viele „Juden“ ziehen allerdings der „Zwangstaufe“ den „Freitod“ vor.


  • Ungarn - Griechenland - Naher Osten * Die „Pilger“ des „Vor-Kreuzzuges“ überqueren die ungarische Grenze.

    Sie bedrohen inzwischen alle, die sich anders verhalten als die „Kreuzfahrer“. Egal ob „Muslime“, „Juden“ und bald auch „griechisch-orthodoxe Christen“. Die „Kreuzfahrer“ überfallen und töten eben jene „Christen“ zu deren Beistand sie der Papst ins „Heilige Land“ entsandt hat.

    Und es sind ausgerechnet die „Türken“, die den „orthodoxen Christen“ beistehen, die „Kreuzfahrer“ besiegen und den „Vor-Kreuzzug“ beenden.


  • Naher Osten * Erst die militärisch besser ausgestatteten „Kreuzfahrer-Kontingente“ haben mehr Erfolg.

    Das zügige Fortkommen der „Kreuzfahrer“ behindern allerdings arme „Pilger“, die sich ihnen angeschlossen haben. Dadurch erreichen sie Konstantinopel erst Ende des Jahres 1096/Anfang 1097.

    Nachdem die „Kreuzfahrer“ von der dortigen Bevölkerung feindlich aufgenommen sowie vom byzantinischen Kaiser nur widerwillig unterstützt und nur mit knapp bemessenem Proviant versorgt werden, ziehen sie auf eigene Faust durch Kleinasien weiter. Seit sie islamisches Gebiet betreten haben, gibt es kein funktionierendes System für Versorgung mit Nachschub mehr. Um Überleben zu können, müssen die „Kreuzfahrer“ plündern.

    Die „bewaffneten Pilger“ besiegen die „Türken“ bei Dorylaeum und Eregli. Nach einem anstrengenden Marsch gelangen sie nach Antiochia. Sie belagern die Stadt siebeneinhalb Monate und schlagen in deren Verlauf zwei „muslimische Verstärkungsarmeen“.


  • Nicäa * Die „ Kreuzfahrer“ nehmen Nicäa, die erste bedeutende Stadt unter islamischer Herrschaft, ein.

    Das Heer des „Ersten Kreuzzugs“ besteht aus 40.000 Personen, von denen nur 4.500 Ritter oder Adelige sind.
    Der Rest sind nicht-waffenfähige Handwerker, Städter und Bauern.

    Das missfällt zwar den Führern der „Kreuzzüge“, da die Armen ernährt werden müssen.
    Doch die „Kreuzzüge“ sind ja zugleich „Pilgerfahrten“.


  • Edessa * Balduin von Boulogne erobert die „Grafschaft Edessa“ und gründet den ersten „Kreuzfahrerstaat“.


  • Antiochia * Antiochia fällt in die Hände des „Kreuzzugsheeres“.

    Doch nun werden die „Kreuzfahrer“ selbst von einer „muslimischen Armee“ belagert.


  • Antiochia * In der Nacht vom 10. zum 11. Juni ist die Kampfmoral der in Antiochia belagerten „Christen“ derart gesunken, dass Panik entsteht und die Befehlshaber der „Kreuzfahrer“ einen Massenausbruch verhindern müssen.

    Kurz darauf kommt es zu Visionen eines erschienenen, den „Sieg verheißenden Christus“ und der „Entdeckung einer Lanze“, die angeblich den „Gekreuzigten“ durchbohrt hat. 

    Die Stimmung verbessert sich dadurch erheblich.


  • Antiochia * Die „Pilgerkrieger“ wagen einen Ausfall aus Antiochia und erringen den Sieg gegen die „Muslime“.


  • Syrien * Der „Kreuzzug“ kommt in Nordsyrien zum Stehen.

    Doch die Mehrheit des „Kreuzfahrerheeres“ zwingt die Führer zum Weitermarsch nach Jerusalem.


  • Syrien * Die „Kreuzfahrer“ ziehen weiter.

    Sie besetzen auf ihrer Route einige wichtige Festungen.


  • Jerusalem * Die „Kreuzfahrer“ sind am Ziel ihrer Reise: „Jerusalem“.

    Mit ihrer inzwischen mehrfach erprobten und von Erfolg gekrönten Taktik und Technik belagerten sie die Stadt.


  • Jerusalem * Die „Kreuzfahrer“ können Jerusalem einnehmen.

    Endlich haben die „Pilger“ den „Ort der Verheißung“ erreicht.
    Die ganze Zeit ist ihnen von den „Predigern“ versprochen worden, hier wäre das Land, in dem „Milch und Honig“ fließen.
    Bisher haben die meisten „Kreuzfahrer“ gehungert. 
    Über 100.000 „Pilger“ haben sich ins „Heilige Land“ aufgemacht; kaum 20.000 sind dort angekommen. 

    Da die „Kleriker“ die Eroberung einer muslimischen Stadt durch „Christen“ für etwas Selbstverständliches halten, empfinden sie es folgerichtig als Unrecht, wenn die „Muslime“ ihr Eigentum verteidigen.
    Wie aber die „Christen“ reagieren, möglicherweise aufgeputscht von den „Propaganda-Lügen“ über die von den „Muslims“ angeblich geschändeten und entweihten Kirchen, ist grausam und unverzeihlich.
    Die anwesenden Chronisten beschreiben unvorstellbare Szenarien.

    Raimund von Aguilers schreibt:
    „Wir kamen zum Tempel Salomons, wo sie ihren Ritus und ihre Gesänge pflegten.
    Aber was geschah dort? Wenn ich die Wahrheit sage, wird man mir es nicht glauben.
    Es mag genügen, dass sie im Tempel Salomons und im Vorhof bis zu den Knien und den Zügeln ihrer Pferde im Blut ritten.
    Wahrlich ein gerechtes Gericht, dass der Ort das Blut derjenigen empfing, deren Gotteslästerung er so lange erdulden musste“
    .

    Die byzantinische Chronistin Anna Comnena notiert:
    „Viele Sarazenen und Juden in der Stadt wurden abgeschlachtet“.


  • Jerusalem * Eine Woche nachdem die „Kreuzfahrer“ das „Heilige Grab“ mit blutbesudelten Händen aus der „Macht der Heiden“ befreit hatten, wählen sie Gottfried von Bouillon zum Herrscher von Jerusalem.


  • Askalon * Die Kreuzfahrer besiegen ein großes ägyptisches „Entsatzheer“ nahe Askalon.

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