Geschichte - Dienstag den 25.1.1802

München Zeitensprünge
Dienstag den 25.1.1802

Dekret zur Aufhebung der Bettelordensklöster in Baiern

Kurfürstentum Baiern * Das „kurfürstliche Dekret zur Aufhebung der Bettelordensklöster“ in Baiern beginnt mit der Feststellung,

  • dass die „Bettelorden“ die „Fortpflanzung des Aberglaubens und der schädlichen Irrtümer“ begünstigen und
  • die Entstehung und Entwicklung „richtiger Begriffe der moralischen Bildung im Volke“ verhindern,
  • weshalb die fortdauernde Existenz der „Mendikantenklöster“ zwecklos und schädlich für die Bürger ist.  

In Altbaiern sind davon einundneunzig derartige kirchliche Einrichtungen betroffen.

In München sind folgende Bettelorden betroffen:  
„Kapuziner“, „Franziskaner“, „Karmeliten“, „Karmelitinnen“, die „Benediktinerinnen am Lilienberg“ , die „Paulanerinnen im Lilienthal“ und das „Pütrichkloster“

Zur zweckmäßigen Einrichtung der „Bürger- und Landschulen“ wird ein „Schulfonds“ eingerichtet, der aus dem Vermögen der aufgehobenen Orden gebildet wird, da es an anderweitigen staatlichen Mitteln mangelt.

Zur sofortigen Verminderung der Insassen werden

  • alle „Ausländer“, das heißt, die nicht in Pfalzbaiern geborenen Klostermitglieder, in ihre Heimat geschickt,
  • die „Laienbrüder“ in die „Prälatenklöster“ versetzt und
  • „Kleriker“, die noch keine „Profeß“ abgelegt haben, entlassen.
  • Neuaufnahmen und das Überwechseln von Ordensangehörigen in andere Klöster wird streng untersagt.
  • „Priestermönche“ können unter bestimmten Voraussetzungen in den „Weltpriesterstand“ übertreten, was dem Staat die „Pensionskosten“ einsparen hilft.
  • Alle übrigbleibenden „Klosterindividuen“ sollen in „Zentralklöster“ - in Wirklichkeit „Aussterbeklöster“ - ihres Ordens verbracht werden.
  • Außerdem ist den „Franziskanern“ künftig nur noch „Predigt und Beichthören“ in der eigenen „Ordenskirche“ erlaubt, jedoch keinerlei „Seelsorgeaushilfe“.
  • Dazu unterstehen sie der verschärften Aufsicht der zuständigen „Landrichter“.

Als Unterhalt für die „Franziskaner“ setzt man, da ihnen das „Almosensammeln“ verboten worden ist, jährlich 125 Gulden fest, zahlbar aus dem „Vermögensfonds der nichtständischen Klöster“.

  • Der Inhalt des „Aufhebungsdekretes“ wird öffentlich nicht bekannt gemacht.
  • Die ganzen Vorbereitungen der „staatlichen Klosteraufhebungen“ laufen bis zur Ausführung im Wesentlichen geheim.
  • Das verstärkt die Unsicherheit und lässt jede Gegenwehr erlahmen.
  • Ebenfalls besteht Unkenntnis über die Befugnisse der eingerichteten „Spezialkommission“

Ausgenommen vom „kurfürstlichen Aufhebungs-Dekret der Bettelordensklöster“sind - aufgrund ihrer Tätigkeit in der Krankenpflege beziehungsweise im Schulwesen - die Klöster der „Barmherzigen Brüder“ sowie der „Englischen Fräulein“ und der „Elisabethinerinnen“.

Das Kloster der „Ursulinen“ in München wird mit den „Nonnen de Notre Dame“ in Nymphenburg vereinigt.

In der Haupt- und Residenzstadt München gibt es nur ein „ständisches Kloster“: das „Klarissen-Kloster zu Sankt Jakob am Anger“.

© Rudolf Hartbrunner

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Personen

Max I. Joseph König | Montgelas Maximilian Joseph Graf von |