Name Ludwigstraße
Stadtbezirk 3. Maxvorstadt
Straße Ludwigstraße
Baustil Klassizismus
Kategorie Keine Kategorie
Baustil Klassizismus
Klassizismus
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Bemerkung

Die klassizistische Monumentalstraße, mit der die aus dem Ring der mittelalterlichen Befestigung befreite Stadt an der Stelle des ehemaligen Schwabinger Tors sich nach Norden öffnet, ist als städtebaulich spektakulärste Straßenschöpfung des neuen Königreichs ein Ensemble. Die Idee dieser Monumentalstraße ist zweifellos eigenste Leistung Ludwig I., der sie als Kronprinz 1816 beginnt und als nachmaliger König 1850 beendet; sie trägt seinen Namen.

Beschreibung

<p>Mit Genehmigung der Klenze-Pläne für den —&gt; Odeonsplatz (1817) Anlage der Ludwigstraße (bis zum Regierungsantritt Ludwigs 1825 dessen privates Unternehmen, Bezeichnung &gt;Ludwigstraße&lt; bereits seit 1822) festgelegt: Ausrichtung der durch spätere -&gt; Leopoldstraße verlängerten Straßenachse auf Gabelung der Freisinger Straße (heute: Ungererstraße)/Fürstenweg nach Schleißheim (heute: Leopoldstraße) nördlich des Dorfs Schwabing; endgültige Ausdehnung der Straße damals noch nicht entschieden, von Kronprinz Ludwig aber schon 1816 an der Stelle des späteren —&gt; Siegestores ein Torbau vorgesehen. Grundzüge ihrer architektonischen Gestaltung von Klenze festgelegt, nach dessen Ablösung 1827 durch F. Gärtner auch von diesem bei weiterer Bebauung der Straße (nördlich der Theresienstraße) übernommen: durch breit gelagerte Häuserfronten, gleiche Traufhöhe und schmale Einmündungen der Querstraßen entstand die kristalline Festigkeit dieser Prachtstraße, die weder durch Rhythmisierung der Fassade des ehemaligen Damenstifts noch durch die lockere Baugruppe von Ludwigski rche (mit Arkaden und Pavillonbauten) gemildert werden konnte. Erst der Durchbruch der Von der-Tann-Straße (1936/37) und des Oskar-von-Miller-Rings (1968 ff.) unterbricht den Tiefenzug der Straße. Von Klenze ursprünglich (1826) AbschIuss der Straße durch Kreisplatz mit Triumphtor (Propyläen) geplant, von Gärtner 1827 ersetzt durch Gegenvorschlag eines Rechteckforums mit Brunnen und Umbauung in strenger Form (Universität, —&gt; Geschwister-Scholl-Platz 1; Georgianum und [ehemaliges] Max-Joseph Stift, —› Professor-Huber-Platz 1 und 2).</p> <p>Bebauung der Straße anfangs mit palastartigen privaten (Miet-) Häusern geplant, Fassaden und Farbgebung von Klenze festgelegt. (Letztere nach freigelegter ursprünglicher Färbung an den Häusern Nr. 1-9 seit 2001 in Steingrau rekonstruiert; der ockergelbe Anstrich erst seit ca. 1870.) Bestimmend für architektonischen Stil waren die Neorenaissance des Leuchtenberg-Palais (—&gt; Odeonsplatz 4) und florentinische Fassaden der späten Frührenaissance. Übergang vom Odeonsplatz zur Straße an Westseite durch (Eck-) Haus Nr. 1 (für Staatsrat v. Kobell, 1817/18), gefolgt von ursprünglich sechs Bauten: Nr.3:1825/26, Nr.5 (für Métivier 1821/22), Nr. 7:1822/23, Nr. 9:1818/19, Nr. 11: 1829/30; das nachfolgende ehemalige Eckhaus um 1830, im Krieg zerstört, bei Durchbruch des Oskar-von-Mi I ler-Rings bis auf zwei erhaltene Achsen abgebrochen und an Nr. 11 angefügt. Gegenüber an Ostseite der Ludwigstraße, zwischen Galerie- und verbreiterter Von-der-Tann-Straße, ursprünglich vier Wohnhäuser (Fassaden von Klenze 1820-26); das nördliche Eckhaus bereits 1900 abgebrochen für Neubau der Reichsbankhauptstelle (Pläne von Lutz). Der gesamte Häuserblock 1938/39 durch sog. &gt;Zentralministerium&lt; nach Plänen von Gablonsky ersetzt; heute Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (—&gt; Ludwigstraße 2). Die im Krieg völlig zerstörten drei Häuser des &gt;Haßlauerblocks&lt; (Nr. 6, 8, 10) von Klenze als sein erster Wohnhausblock mit einheitlicher Fassadengestaltung errichtet; in nahezu ursprünglicher Form (vier statt sechs Portale) von Schleich 1960-68 rekonstruiert. Das Gegengewicht auf Westseite das ehemalige Palais Herzog Max (von Klenze 1827-31), das wegen Reichsbankneubau 1937/38 abgerissen wurde; heute Landeszentralbank(—&gt; Nr. 13). Nach Norden anschließend geschlossene symmetrische Dreiergruppe Nr. 15, 17, 19 (nach Klenze-Plänen zwischen 1829 und 1830 errichtet), seit 1979 Sitz des Bayerischen Landessozialgerichts: an Haus Nr. 17 im ersten Obergeschoss sechs Relieftondi (Blumen- und Sternmotive), im zweiten Obergeschoss Portraittondi (mit Umschrift): Palladio, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Bartolo (Ammannati ?), Bramante, Tiepolo. -Gegenüber ehemaligem Kriegsministerium (—&gt; Ludwigstraße 14), von Klenze 1822-30 baute Wohnhaus (1829/30) sein letzter Bau an der Ludwigstraße war; an dieser Stelle 1910/11 Neubau durch Littmann, heute Bayerische Versicherungbank (Nr. 21).</p> <p>Die vom König 1827 verfügte Ablösung Klenzes durch Gärtner (der rascheren Baufortgang versprach) wohl eher aus Ludwigs Wandel seiner künstlerisch-architektonischen Anschauung erklärbar: Abkehr vom Ideal der Antike/Hinwendung zu mittelalterlichen Vorbildern. Da bisherige Gewinnung von privaten Bauinvestoren unbefriedigend verlaufen, zieht der König finanzkräftige Institutionen (Stiftungen) heran: groß dimensionierte Bauten prägen den folgenden (nördlichen) Abschnitt der Straße, steigern ihre Monomumentalität durch gravierenden Maßstabsprung. Signifikantes Beispiel Gärtners erster Bau — der mächtige Block der Bayerischen Staatsbibliothek(—&gt; Ludwigstraße 16); ihr folgt das aufgelockerte Ensemble der Ludwigskirche (—&gt; Ludwigstraße 20) mit Gärtners Wohnhaus (Nr. 18; heute Universitätsbauamt) südlich der Kirche und nördlich das Pfarrhaus (Nr. 22). — An der gegenüberliegenden westlichen Straßenfront, an Klenzes letzten Bau anschließend, das frühere Damenstift (Nr. 23), errichtet 1835-39, heute Sitz des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs; dahinter im Hof das &gt;Riederer-Haus&lt;, 1823 (heute: Bayerischer Landesverein für Heimatpflege), das letzte noch erhaltene klassizistisch-biedermeierliche Haus an der früheren Schwabinger Landstraße vor Anlage der Ludwigstraße. Der folgende Bau ist das bereits 1833-37 errichtete ehemalige Blindeninstitut (—&gt; Ludwigstraße 25); jenseits der hier einmündenden Schellingstraße die 1836-43 erbaute ehemalige Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG (-&gt; Ludwigstraße 27). Der anschließende Universitätstrakt leitet über zum quadratischen »Universitätsplatz« (laut König Ludwig 1835), durch die Ludwigstraße in zwei gleich große Areale geteilt und 1946 zum Gedenken an die Widerstandsgruppe &gt;Weiße Rose&lt; in »Geschwister-Scholl-Platz« (vor Universität) umbenannt, der östlich gegenüberliegende Teil in »Professor-Huber-Platz« (mit Georgianum und Max-Joseph-Stift). Ursprünglich (1823) wünschte Ludwig hier als repräsentativen Abschluss der Straße Rundplatz mit Obelisk auf Sockel von vier Löwen (angeregt durch Piazza del Popolo in Rom); Gegenvorschlag Klenzes 1826: in Anlehnung an Arc de lEtoile in Paris Triumphbogen im Zentrum, von Gärtner 1827 zu Fall gebracht, schließlich, 1835, den König für Rechteckplatz mit Umbauung in einheitlichen Fassadenformen gewonnen — jedoch Projekt mit Obelisk in Straßenachse noch nicht aufgegeben: 1839 als Denkmal für Befreiung Griechenlands vom türkischen Joch erwogen. Schließlich Entscheidung für zwei Brunnen nach Entwurf Gärtners (Vorbild: Berninis Brunnen auf Petersplatz in Rom): in achtseitigem Granirbecken gusseiserne Schalenbrunnen (Guss durch Maximilianshütte in Bergen bei Traunstein) 1842-44. — (Zu Universität -&gt;Geschwister-Scholl-Platz; zu Georgianum -&gt;Professor-Huber-Platz 1, zu Max-Joseph-Stift —&gt; Nr. 2.)</p> <p>Nach Kopfbauten in Fassadenflucht der Ludwigstraße erneute Erweiterung (ursprünglich mit Pappelreihe bepflanzt und zur —&gt; Leopoldstraße überleitend). An Westseite symmetrischer dreiteiliger Block (mit Wohnhäusern) Nr. 29: 1881-90 (Architekt: Herrmann); Nr. 31:1880-82 (Architekt: Kleinschmidt), Nr. 33:1878 (Architekt: Neumeyer); an Ostseite Nr. 28 als erster Bauabschnitt des Hauses des Deutschen Rechts&lt; 1935-39 von Bieber errichtet; heute Universitätsinstitut für Wirtschaftswissenschaften. — Abschluss der Straße durch —&gt; Siegestor (1843-1852).</p> <p><strong>Bedeutung: </strong>Diese »monumentalste Straße Europas« (Wölfflin) in ihrer architektonischen Einheitlichkeit Klenzes Werk, kongenial von Gärtner im Sinn romantisch-individualisierender Baugesinnung fortgeführt und vollendet. Durch Anspruch und Weitblick Ludwigs I. (wohl durch die Via del Corso in Rom angeregt; in deren Nähe Ludwigs Villa Malta) eine der städtebaulich bedeutendsten Straßenanlagen des 19. Jh., die &gt;Via triumphalis&lt; des ludovizianischen Königtums mit der Verkörperung staatspolitischer Anliegen durch Mittel der Architektur. Darüber hinaus die Endpunkte der Straße durch architektonische Reiseerlebnisse Ludwigs markiert:durch Feldherrnhalle (floentinische Renaissance) und Siegestor (römische Antike). Durch nahezu ausschließliche Beschränkung auf Staats- und Verwaltungsbauten jedoch &gt;steril( und der Entwicklung urbanen Lebens abträglich. Bebauung der westlich gelegenen —&gt; Maxvorstadt ohne Bezug zu den repräsentativen &gt;Fassaden&gt; der Ludwigstraße.</p>