Name Ehem. Wohnhaus
Architekt Seybold Ambrosius  Neureuther Gottfried von  
Stadtbezirk 3. Maxvorstadt
Straße Luisenstraße 22
Jahr Baubeginn 1872
Jahr Fertigstellung 1872
Baustil Neurenaissance
Kategorie Wohnbauten
Wohnhaus
Baustil Keine Kategorie
Neurenaissance
Unterkategorie Wohnhaus  
Personen Heyse Paul  
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Bemerkung

Ehem. Wohnhaus des Dichters Paul Heyse, villenartiger Neurenaissancebau in Garten, 1872-74 von Gottfried von Neureuther; nach Kriegsschäden z. T. vereinfacht aufgebaut.

  • 1830 - erbaut durch A. Seybold
  • 1872-74 - Umbau durch Gottfried von Neureuther
  • 1874-1914 - Wohnort des Dichters Paul Heyse
  • 1946 - Wiederaufbau

 

Beschreibung

<p><strong style="line-height: 1.6em;"><span style="line-height: 1.6em;">Baugeschichte 1830-2013</span></strong></p> <p>Erbaut im Jahr 1830 als Louisenstraße 13 durch den Hafnermeister Ambrosius&nbsp;Seybold (Seibold), - spätere Umnummerierung in 49, dann, vor 1873 bis heute:&nbsp;Nr.22) in unmittelbarer Nachbarschaft der damals soeben fertiggestellten&nbsp;Glyptothek (1816 bis 1830 nach Plänen von Leo von Klenze), an der&nbsp;nordwestlichen Ecke des "Wäldchens hinter der Glyptothek", dem&nbsp;Königsplatzgelände.</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Mit dem Bau der Glyptothek im Herzen der Maxvorstadt verfolgte Ludwig I. unter anderem das Ziel, der bereits zu Beginn des 19ten Jahrhunderts angelegten&nbsp;aber von der Bevölkerung nicht so recht angenommenen ersten (und&nbsp;allfälligen) Stadterweiterung mehr Gewicht und Attraktivität zu verleihen. Da&nbsp;der König und sein Baumeister Klenze größten Wert auf eine angemessene&nbsp;</span>und würdige Gestaltung des Umfelds dieses neuen Museums legten, war vor&nbsp;allem die rückwärtig der Glyptothek zu erwartende Bebauung (Kasern/Gabelsbergerstraße, Louisenstraße) seit 1830 strengen Bauvorschriften&nbsp;unterworfen, was Höhe und Erscheinungsbild angeht. Seybold&nbsp;wird dieses erste Nachbargebäude bereits in enger Abstimmung mit der&nbsp;"Localbaucommision" errichtet haben. Die ursprüngliche Form des&nbsp;zweigeschossigen, 7-achsigen Baus mit 2 Eckrisaliten hat ihren&nbsp;strengsymmetrischen Klassizismus bis heute weitgehend erhalten.</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">1872 erwarb der Dichter Paul Heyse (1830-1914) das Anwesen in der&nbsp;</span>Luisenstraße und ließ das Wohnhaus durch Gottfried von Neureuther (* 22.&nbsp;Januar 1811 in Mannheim; † 12. April 1887 in München, Architekt u.a. des&nbsp;<br /> Polytechnikums und der der Kunstakademie) seinen Bedürfnissen anpassen,&nbsp;der Einzug erfolgte im Frühjahr 1874.<br /> Paul Heyse ist seit seinem 80sten Geburtstag 1910 Ehrenbürger der Stadt München. 1910 wurde er als auch erster deutscher Autor belletristischer Werke&nbsp;mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Den ihm verliehenen persönlichen Adel hat er nie im Namen geführt.</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Das bestehende Gebäude blieb durch den Umbau in seiner Struktur&nbsp;</span>weitestgehend unverändert, lediglich das Dach wird zugunsten der Raumhöhe&nbsp;des ersten Stockwerks um ca. 1 Meter angehoben. Das ursprünglich ganz&nbsp;freistehende Wohnhaus, war ca.1865, durch die Bebauung des&nbsp;Nachbargrundstücks (heute Rückgebäude Gabelsbergerstraße 53) etwas in&nbsp;Bedrängung geraten und nur noch ca. 5 Meter von der neuenstandenen&nbsp;<br /> Brandmauer entfernt, die dem Haus zudem das Licht von Norden nahm.&nbsp;Neureuther schloß diese "Spalte" durch den Anbau einer achten Fensterachse,&nbsp;die aber von der symmetrischen Grundform des Hauses nicht ablenkt, zumal&nbsp;gartenseitig um eine überdachte Loggia ergänzt.</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Äußerlich erhielt das Gebäude, durch allerlei Zierwerk im Stil der NeoRenaissance, das Gepräge eine&nbsp;bürgerlichen Palais jener Zeit .In den nun&nbsp;</span>folgenden 4 Jahrzehnten bildete es einen der Mittelpunkte geistigen Lebens in&nbsp;München, nicht selten mit Goethes Haus am Frauenplan in Weimar verglichen.&nbsp;</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Die Freunde Fontane und Menzel, Brahms, der Nachbar Franz von Lenbach&nbsp;</span>und ungezählte andere standen dem Hausherrn nahe und gingen als Gäste&nbsp;ein- und aus.</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Zitat (S.86) Quelle leider unbekannt (E.Petzet?)&nbsp;</span></p> <p><em>"Gottfried Neureuther verwandelte das schlichte klassizistische Gebäude, trotz&nbsp;nur sparsam angewandter Dekorationsmittel, in eine italienische&nbsp;Renaissancevilla. Der zweigeschossige, 7 Fensterachsen umfassend Bau tritt&nbsp;an den Ecken mit Risaliten von einer Fensterachenbreite hervor. Auf der&nbsp;Nordseite wurde eine weitere Fensterachse hinzugefügt, ohne die&nbsp;symmetrische Gesamtanlage der Villa zu beeinträchtigen. Das Erdgeschoß ist&nbsp;in voller Höhe rustiziert. Ein Altan in der Mittelachse des Gebäudes überdacht&nbsp;den Haupteingang. Kassettierte Felder, der Balusterhöhe des Altans&nbsp;entsprechend, umlaufen als breites Band die Fassade und trennen die&nbsp;Stockwerke voneinander. Im Gegensatz zur ausgeprägten Dachlandschaft&nbsp;Neureuther'scher Bauten erscheinen hier die flach geneigten, einander&nbsp;durchdringenden Satteldächer ihrer Wirkung betont reduziert."</em></p> <p>Nach Heyses Tod, 1914, bewohnte seine Witwe Anna Heyse, geb.Schubart (1850-1930) die Villa noch bis zu ihrem Tod.</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Das Gebäude gelangte für einige Jahre in den Besitz der GWG&nbsp;</span>Wohnungsbaugesellschaft "Alte Heide".(Die GWG München wurde im Jahr 1918 als GWG Gemeinnützige Wohnstätten-&nbsp;und Siedlungsgesellschaft mbH gegründet. Sie ist damit die älteste der vier&nbsp;Wohnungsgesellschaften, an denen die Landeshauptstadt München beteiligt ist&nbsp;und gehörte zu den ersten kommunalen Wohnungsbaugesellschaften&nbsp;Deutschlands. Seit dem Jahr 1918 ist das Unternehmen untrennbar mit dem&nbsp;Wohnungsbau in München verbunden. Mit Wohnanlagen und Siedlungen,&nbsp;Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen hat die GWG München&nbsp;wesentlich zur Architektur- und Baugeschichte der bayerischen&nbsp;Landeshauptstadt beigetragen.)</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">1933 war das Gebäude vorübergehend an die SA vermietet, die anstelle des&nbsp;</span>von Heyse angebauten Wasch-u.Kohlenhauses auf der Rückseite der Villa&nbsp;eine Wageneinstellhalle anbauen ließ.</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Ca. 1936 erwirbt der Farben- und Lackfabrikant Ludwig Rosner die Villa als&nbsp;</span>Wohnhaus für sich und seine Familie, sowie, im Erdgeschoss, sein Büro und&nbsp;sein chemisches Labor. Eine an der Nordwest-Ecke des Hauses angebaute&nbsp;Garten-Loggia (Bestand seit Bauzeit, von Heyse restauriert) wird zum&nbsp;geschlossenen Büroanbau umgewandelt. Der Altan, vermutlich aus statischen&nbsp;Gründen, wird in dieser Zeit durch den neuen Eigentümer rückgebaut.</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Brandbomben beschädigen das Gebäude am 17.Dezember 1944 schwer,&nbsp;</span>jedoch bleiben die Außenmauern weitgehend erhalten.</p> <p>In den Jahren 1946-1949 erfolgt der Wiederaufbau. Die Fassade betont Ihre&nbsp;ursprüngliche 7-achsige Erscheinung, nach einem noch erhaltenen Plan im&nbsp;strengsten Klassizismus nach dem Entwurf des Architekten Walter von&nbsp;Breunig, der auch für Teile des Innenausbaus verantwortlich zeichnete.&nbsp;Währen auf die Fassadengestaltung, vermutlich als Auflage der&nbsp;Lokalbaukommision, größter Wert gelegt wurde ( das heutige Erscheinungsbild&nbsp;der Villa hat den zwischenzeitliche Ausflug in die Neo-Renaissance mit Würde&nbsp;überwunden und fügt sich in grandioser Unauffälligkeit in das benachbarte Königsplatz-Ensemble ein) wurden die Süd - und Ostseite leider eher dem&nbsp;Zweckmäßigen der Nachkriegsanforderungen unterworfen, die Raumhöhen im&nbsp;ersten Stock um etwa 80cm reduziert - zugunsten eines nun begehbaren&nbsp;Speichers sowie dem Ausbau einer kleinen Wohneinheit im Dachgeschoss.</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Die ursprünglich Gartenloggia am nördlichen Grundstücksrand, seit 1937 Büro,&nbsp;</span>wurde nach dem Krieg in gartenseitig ansprechender Form als Riegel bis zur&nbsp;Straße erweitert und diente, vielen erinnerlich, bis zur endgültigen FilialSchließung Anfang der 2000er Jahre der Firma Rosner Lacke&nbsp;als Geschäftslokal.<br /> http://www.rosner-international.com/neu/?Geschichte</p> <p>Das Gebäudeensemble wurde in in die bayrische Denkmalliste aufgenommen.&nbsp;Irreführenderweise behält sie das Etikett der Neo-Renaissance.2008 verkauften die Erben Rosner das Anwesen Luisenstraße 22 an den&nbsp;ostwestfälischen Unternehmer Reinhard Zinken, Geschäftsführer der Firma&nbsp;Miele.(Reinhard Christian Zinkann (* 1. September 1959 in Gütersloh) ist ein&nbsp;deutscher Unternehmer. Er ist der Urenkel des gleichnamigen Mitbegründers&nbsp;Reinhard Zinkann der deutschen Traditionsfirma Miele &amp; Cie KG..)</p> <p><span style="line-height: 1.6em;">Das Haus enthält heute 4 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit.</span>2012 beantragt der neue Eigentümer die Aufhebung des Denkmalschutzes um&nbsp;das ca.1350qm große Grundstück anstelle der Villa mit altem Baumbestand&nbsp;einer lukrativeren Nutzung durch einen 5-stöckigen Wohnblock zuzuführen.&nbsp;2013 erhebt der neue Eigentümer beim Verwaltungsgericht München Klage&nbsp;gegen die Ablehnung der Bauanfrage seitens der Stadt München - der Klage&nbsp;wird stattgegeben, da die Begründung der Ablehnung offenbar unzureichend&nbsp;fundiert war und sich in erster Linie auf die Bedeutung des Hauses als&nbsp;ehemaliger Heyse-Wohnsitz bezog. Die vorliegende Bauentwicklung 1830-&nbsp;heute wurde, vermutlich aus Unkenntnis, nicht erwähnt.Nun muß das Planungsamt der Stadt München, in Zusammenarbeit mit den&nbsp;Denkmalschutzbehörden, eine neue Stellungnahme formulieren. Es bleibt zu&nbsp;hoffen, daß die Bedeutung dieses außerordentlichen (und nahezu letzten)&nbsp;Zeugnisses der frühesten Stadterweiterung im Geiste Ludwig des I. in seinem&nbsp;vollen Umfang gewürdigt und verteidigt wird, nachdem es sich über 180 Jahre&nbsp;in Erscheinung und Situation hat erhalten können.</p> <p>Paul Heyse und seine Prägung dieser Immobilie sind dabei sicherlich nur ein&nbsp;<span style="line-height: 1.6em;">Aspekt, doch wäre es fein Hohn, diesen weitgehend in Vergessenheit&nbsp;</span><span style="line-height: 1.6em;">geratenen Ehrenbürger Münchens und seinerzeit so populären deutschen&nbsp;</span><span style="line-height: 1.6em;">Literaten zu seinem bevorstehenden 100sten Todestag (2014) durch den&nbsp;</span><span style="line-height: 1.6em;">Abriss seiner Wirkungsstätte zu "ehren", während der "jüngere Bruder", die&nbsp;</span><span style="line-height: 1.6em;">gegenübergelegene Lenbachvilla, soeben mit einem Aufwand von 56 Millionen&nbsp;</span><span style="line-height: 1.6em;">Euro umfostert wurde. Can you imagine the opposite….</span></p> <p>Bernd Noelle<br /> München, Mai 2013</p>

Ehemalige Bewohner
NameBerufvonbis
Heyse Paul von18741914