Salvatortheater

Achtung

Bauwerk nicht mehr vorhanden
Name Salvatortheater
Jahr Baubeginn 1651
Jahr Fertigstellung 1657
Jahr Abbruch 1802
Kategorie Kultur, Freizeit & Sport
Baustil

Beschreibung

Das Salvatortheater am Salvatorplatz nimmt in der Münchner Musikgeschichte eine herausragende Stellung ein. Es war eines der frühesten großen, freistehenden Opernhäuser im deutschen Sprachraum und wurde zu einem wichtigen Zentrum der italienisch geprägten Hofoper des 17. und 18. Jahrhunderts. Die erhaltenen Darstellungen, insbesondere die Kupferstiche von Melchior Kusell und Michael Wening, vermitteln heute einen Eindruck von seiner Architektur und der aufwendigen Bühnengestaltung. 

Die Entstehung

Die Anfänge reichen in die Regierungszeit Kurfürst Maximilians I. zurück. Der Hof wollte die in Italien entstandene neue Kunstform des Musiktheaters dauerhaft in München etablieren. Dazu wurde am Salvatorplatz ein vorhandenes Kornhaus zu einem Theater umgebaut.

Die Arbeiten begannen im Zusammenhang mit der geplanten Vermählung des Kurprinzen Ferdinand Maria mit Henriette Adelaide von Savoyen im Jahr 1651. Nach dem Tod Maximilians I. wurden die Bauarbeiten zunächst unterbrochen. Erst 1654 nahm man den Umbau wieder auf. Unter der Leitung des italienischen Theaterfachmanns Francesco Santurini wurde das Gebäude weiter ausgebaut; nach Zengers Darstellung war die endgültige Fertigstellung wahrscheinlich 1657

Damit erklärt sich auch eine häufig anzutreffende unterschiedliche Datierung: 1654 bezeichnet den frühen Spielbetrieb beziehungsweise die Eröffnung, während 1657 mit der Fertigstellung des erweiterten Theaterbaus verbunden wird.

Die ersten Aufführungen

Noch bevor das neue Haus vollständig fertiggestellt war, musste der Herkulessaal der Residenz als Ausweichspielstätte dienen. Dort wurde im August 1653 Giovanni Battista Maccionis L’arpa festante aufgeführt. Es handelte sich nicht mehr lediglich um ein Schauspiel mit musikalischen Einlagen, sondern um ein eigenständiges Musikdrama mit Rezitativen, Soli, Duetten und Schlusschor. 

Nach der Wiederaufnahme der Bauarbeiten konnte das neue Opernhaus seine eigentliche Funktion übernehmen. Als frühe Aufführung wird Pietro Zamboninis La ninfa ritrosa am 12. Februar 1654 genannt. Bei dieser Aufführung zeigten sich allerdings noch Mängel des Gebäudes, die weitere Arbeiten notwendig machten. 

Die endgültige Fertigstellung wird in der Darstellung des Münchner Hoforchesters mit einer weiteren bedeutenden Aufführung verbunden: Am 13. Februar 1657 kam Johann Kaspar Kerlls L’Oronte zur Aufführung. 

Johann Kaspar Kerll und das Salvatortheater

Mit Johann Kaspar Kerll begann eine besonders bedeutende Phase. Kerll war 1656 zum Hofkapellmeister aufgestiegen und prägte das Münchner Musikleben über viele Jahre. Unter seiner Leitung wuchs die Hofkapelle erheblich; Sänger und Instrumentalisten aus Deutschland und Italien wirkten zusammen. 

Kerll komponierte mehrere Opern für München. Die Partituren sind allerdings verloren gegangen. Erhalten sind unter anderem Libretti und bildliche Zeugnisse. Zu seinen Münchner Bühnenwerken gehören L’Oronte, L’Erinto, Atalanta, Le pretensioni del Sole, Colori geniali, L’amor della patria und Amor tiranno

Besonders eindrucksvoll ist die für 1661 nachgewiesene Aufführung von L’Erinto. Sie wurde zum Geburtsfest der Prinzessin Maria Anna veranstaltet. Die Hauptrollen waren mit neu engagierten italienischen Sängern besetzt; Kostüme, Dekorationen, Maschinen und weiteres Bühnenzubehör wurden teilweise aus Italien bezogen. 

Ein Bühnenbild zu L’Erinto von 1661 ist erhalten und gehört zu den wichtigen bildlichen Zeugnissen des frühen Münchner Operntheaters. Das entsprechende Bildmaterial wird in Ein altehrwürdiges Orchester ausdrücklich als „Bühnendekoration für die Oper L’Erinto von Johann Caspar Kerll, 1661“ bezeichnet. 

Ein Theater für das barocke Gesamtkunstwerk

Das Salvatortheater war weit mehr als ein Ort, an dem Sänger auf einer Bühne auftraten. Die barocke Oper verband Musik, Gesang, Schauspiel, Tanz, Bühnenmalerei, Maschinenkunst, Kostüme und höfische Repräsentation.

Besonders spektakulär waren die großen Festveranstaltungen von 1662. Der Dichter Pietro Paolo Bissari wirkte an den sogenannten Applausi festivi mit. Die Veranstaltungen verbanden Oper, Turnier und Feuerwerk. Drei große „attioni“ wurden an verschiedenen Orten Münchens aufgeführt; die erste, Fedra incoronata, fand im Opernhaus statt. Die Bühnenbilder und Maschinen sind durch die zeitgenössischen Stiche von Matthäus Küssel überliefert. 

Das Theater im 18. Jahrhundert

Auch unter den späteren bayerischen Kurfürsten blieb das Opernhaus am Salvatorplatz eine zentrale Spielstätte. Besonders während der Regierungszeit Karl Albrechts wurde die italienische Oper weiterhin intensiv gepflegt.

Der Bühnenbildner Peter Jakob Horemans arbeitete von 1722 bis 1747 für den Münchner Hof und stattete im Salvatorplatz-Theater nicht weniger als 22 Opern aus. Ein Entwurf für eine neue Innendekoration des Theaters mit üppigen Rocailleformen unter der Kaiserkrone Karl Albrechts zeigt, wie stark sich auch die Gestaltung des Hauses dem Rokoko annäherte. 

Der Theaterbetrieb war aufwendig. Die Opernaufführungen konnten fünf bis sechs Stunden dauern. Vor einer Vorstellung wurde mehrfach geprobt, zuletzt mit Kostümen. Das Haus war damit ein Mittelpunkt der höfischen Fest- und Opernkultur Münchens. 

Der Brand von 1730

Am 5. Februar 1730 entging das Theater nur knapp einer Katastrophe. Nach einer Aufführung entzündete sich im ersten Stock ein Balken. Ursache war ein Ofen, der dort offenbar unbemerkt aufgestellt worden war. Der Brand konnte noch rechtzeitig eingedämmt werden. 

Das Ende

Im späten 18. Jahrhundert verlor das alte Opernhaus zunehmend an Bedeutung. Mit dem Bau des Cuvilliés-Theaters besaß der Münchner Hof seit 1753 eine wesentlich repräsentativere neue Spielstätte. Dennoch wurde das Salvatortheater weiterhin genutzt.

Schließlich war das Gebäude baulich so problematisch geworden, dass es 1795 wegen Einsturzgefahr endgültig geräumt werden musste. Vorstellungen wurden unter anderem in den Redoutensaal an der Prangersgasse verlegt. 

Das Gebäude wurde 1802 abgebrochen. Damit endete die Geschichte des Salvatortheaters nach rund eineinhalb Jahrhunderten. 

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Bedeutung für die Münchner Musikgeschichte

Das Salvatortheater war ein entscheidender Ausgangspunkt für die Entwicklung Münchens zur Opernstadt. Hier wurde die aus Italien kommende Opernkultur dauerhaft institutionalisiert. Unter Ferdinand Maria und Henriette Adelaide von Savoyen, vor allem aber durch Musiker wie Johann Kaspar Kerll, entwickelte sich München zu einem bedeutenden Zentrum des europäischen Musiktheaters.

Bemerkenswert ist, dass die Erinnerung an das längst verschwundene Gebäude bis heute durch historische Bildquellen erhalten blieb. Ein Kupferstich von Melchior Kusell aus dem April 1665 zeigt das Salvatortheater; ein weiterer wichtiger Blick in den Zuschauerraum stammt von Michael Wening. Beide Darstellungen gehören zu den zentralen visuellen Quellen für die Geschichte des Hauses.


 

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