Die Renaissance unter fürstlichem Regiment. Albrecht V. (1550-1579).
Flämische Wandermeister italienischer Schulung bei Hose.
Halderschen Festsaal, der kaum 20 Jahre stand, durch einen Prunksaal im Renaissancestil ersetzen, den St. Georgssaal. Wilhelm Egkl war der Baumeister. Die rapide Schnelligkeit, mit der modische Begriffe um sich greifen, führt zum Abbruch aller Neubauten der vorangegangenen Generation, an denen nichts auszusetzen war als die Gotik ihrer Dekorationen. Der moderne Prunkbau, der natürlich mit den italienischen Großmustern konkurrieren sollte, ist im Renaissancestil durchgeführt, aber noch von einem deutschen Meister entworfen. Sehr bald darauf begegnen wir den Landeskindern nur noch in den subalternen und abhängigen Stellungen der herzoglichen Baukammer. Der entwerfende Architekt ist dann immer ein Ausländer. Egkl hingegen ist der eigentliche Vertreter der bayrischen Renaissance. Er war auch der Schöpfer der Kunstkammer. Die Kunstkammer war Museum und Bibliothek zugleich. Im Erdgeschosse fanden die Kostbarkeiten und kunstgewerblichen Schätze Albrechts V. Aufstellung und in dem Stockwerk darüber die Bibliothek. Das Gebäude ist identisch mit dem heutigen Antiquarium, dem langen Trakte auf der Südseite des Brunnenhofes. Gegenüber auf der Nordfeite führte in paralleler Richtung ein langer Arkadengang auf den Hirschgang, an den sich ein Ballhaus nach Nordosten anschloß. Durch Hirschgang und Kunstkammer war also der Grundriß des Brunnenhofes schon von Albrecht V. festgelegt. Damit war der enge Bezirk der alten Neufeste verlassen worden, denn, wie schon gesagt, durch den zugeschütteten Südarm des Zwingers war das Terrain geebnet und die Residenz auf den Grund des Franziskanerklosters hinausgewachsen, das im Laufe der Jahrhunderte vollkommen von den herzoglichen, kurfürstlichen und schließlich königlichen Bauten verdrängt wurde.
Albrecht V. hatte einen entscheidenden Schritt getan. Wilhelm V. (^579 —1598) folgte ihm auf dem eingeschlagenen Wege und drang immer mehr nach Westen in der Richtung auf die Schwabinger Gasse vor. Gerade wie sein Vater die Neuschöpfung des Großvaters, den Halderschen Festsaal, sofort umbaute, um an seiner Stelle die goldene Pracht des St. Georgssaales entstehen zu lassen, so begann Wilhelm V. seine Bautätigkeit an der Residenz mit einer Umgestaltung der väterlichen Kunstkammer. Die Bibliothek wurde ganz entfernt und verlegt und das Erdgeschoß so umgestaltet, daß wohl nur die Grundform und der Aufbau stehen blieben. ^567 war die Kunstkammer von Lgkl vollendet worden. Der Münzhof und das Antiquarium sind seine Hauptleistungen; echte deutsche Renaissancearbeiten. Irr den kurzen, stämmigen Proportionen haben seine schweren und wuchtigen Kompositionen unter sich auffallende Verwandtschaft. Die Arkadenbogen des Münzhofes auf den dickbauchigen Säulen, die schweren Joche und die etwas niedrigen Wandelgänge haben ganz denselben Charakter. Hier kann man von einer bayrischen Renaissance reden und eine Stammesart herausfühlen, die imposant wirkt. Mir ist sie selbst in dem späteren Bau der Michaelskirche noch als ein imxonderabiler wert erkennbar, ebensowie in dem früheren der Frauenkirche. Die Wahl des Baumeisters Egkl ist von symptomatischer Bedeutung. Bei dem Bau der Landshuter Residenz in den Jahren ^536 —15^0 war das fahrende Volk der italienischen Artisten engagiert worden. Siegismund Walch und Maestro Antonelli Francesco und Benedikt aus Mantua samt den 27 italienischen Maurern stammten alle aus der Schule Giulio Romanos. Aber es waren subalterne Leute am markgräflichen Bauamt in Mantua gewesen, deren man dort leicht entraten konnte, als sie nach dem Norden auswanderten, um ihre soeben am Palazzo Del Te gesammelten Erfahrungen zu Gelde zu machen. Die Landshuter Residenz ist ein rein italienischer Bau, nach italienischem Muster von italienischen Werkleuten errichtet, eine wirkliche Importkunst. Ihre Baugeschichte ist nur ein Intermezzo in Bayern, das ohne tiefere Wirkung geblieben ist. An den Münchner Residenzbauten wird jedoch der heimische Meister Egkl beschäftigt. An Lokalcharakter und eigenartiger Erfindung ist