Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Leutstetten
Ueberraschend ist der Anblick des Schlosses und Dorfes, von der Höhe des Gebiets=Portales, wenn man von der Landseite eintritt. Eben so schön zeigt sich ersteres von der ganzen Länge des Würm=See’s aus, dessen Ende dasselbe, obwohl beinahe eine kleine Stunde davon entfernt, zu bilden scheint. Ein ächter landschaftlicher Styl offenbaret sich dem umherschweifenden Auge. Zwischen dem mit kräftigen Buchen bewachsenen Hügel=Lande ist die Ebene mannigfach befruchtet, mit kleinen Gewässern durchzogen, in der Ferne die Seefläche, von dem Gebirgszuge begränzt; hier endet das Ganze mit einem schmalen, reizend=einsamen Thale. Und wie bezaubernd ist der romantische Gang an der Marien=Insel, längs dem kühlenden Würm=Flüßchen hin in das Mühlthal, nach der Königs=Wiese, Reismühle, gegen Gauting, rechts der Karlsberg. Eine Pyramide auf der obern Fläche desselben besagt:
„Allwo vor tausend Jahren auf freudiger Jagd
„Held Pipinus erblickt hat Bertha, die schöne Magd,
„Wo ihr Kind, Groß=Karol, oft geschaut zur Sonne auf,
„Die ein Bild geworden seinem Lebenslauf,
„Da hat, Freund alter Sage! zur Kenntniß dein,
„Dir, bayrischer Mann! gesetzt diesen Stein“.
„1816“.
Eben so schön findet man den Weg nach dem nahen, uralten Bade Petersbrunn mit seiner Kapelle, gegen Stahrenberg zu, oben der, mit Buchen bewachsene Schönborg.
Im 12ten Jahrhundert erscheint der Ort Leutstetten als Besitzthum eines Ministerialen; eben so das Schloß Karlsburg. Seit dem 16ten Jahrhundert waren Besitzer des Schlosses Leutstetten die Familien Urmiller, Ofenheim, Laubersdorf, Zeller, Pemler, Binder, Ertl, Eberl.