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Seite 30
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Das allgemeine Krankenhaus

Abbildung zum Eintrag

Wenige Städte werden sich so vieler und so reicher Wohlthätigkeitsanstalten erfreuen als München.

In der ältern Zeit war jedoch die Obsorge für die Kranken auf die Spitäler beschränkt. Erst im Jahre 1740 wurden vom Churfürsten Maximilian Joseph III. die barmherzigen Brüder, von der Regel des heil. Johannes de Deo, eingeführt, und noch später, im Jahre 1756 von der Kaiserin Maria Amalia, Wittwe Karls VII. die barmherzigen Schwestern, Elisabethinerinnen, be=rufen. Ihre Klöster und Kirchen wurden, die der Brüder 1754 bis 1772, durch anfangs menschen=freundliche Unterstützung des Grafen Maximilian Emanuel von Perusa, die der Schwestern 1760 durch fromme Freygebigkeit der kaiserlichen Wittwe größtentheils vollendet. Aber jenen und diesen mangelte ein ordentlicher Stiftungsfond, und sie mußten ihr eigenes Fortkommen und die Verpfle=gung der Kranken durch erlaubte Quatembersammlungen in der Stadt, und im ganzen Lande jähr=lich dreymal bewirken. Als sie in den ersten Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts dem Geist der Zeit weichen mußten, konnte ihnen das dankbare Zeugniß nicht verweigert werden, daß sie frey=willig und unbezahlt, sich durch Liebe ihres großen Berufes und durch zarte Menschlichkeit in seiner Ausübung rühmlichst ausgezeichnet haben, und daß viele Tausende ohne Rücksicht auf ihr Vaterland und ihre Religion freundliche Aufnahme, wohlthätige Verpflegung und erwünschte Heilung gefunden haben.

An die Stelle ihrer aufgehobenen Klöster trat, durch Vereinigung mehrerer Fonds, das kö=nigliche allgemeine Krankenhaus, ein in großartigen schönen Verhältnissen hergestelltes, im Innern eben so bequem als zweckmäßig eingerichtetes Gebäude in einer freyen gesunden Gegend vor dem Sendlingerthor, welches am Eingange mit der folgenden schönen Inschrift geziert ist: „Aegrorum medelae et Solamini Benevolentia Maximiliani Josephi Regis 1813.“ Dasselbe ist für solche Kranke aus dem Civilstande bestimmt, welche nicht an unheilbaren oder sehr langwierigen kör=perlichen Krankheiten leiden, und enthält Raum für sieben= bis achthundert Kranke; es befinden sich hierin vierundfünfzig Kommunsäle, in deren jedem zwölf Betten stehen: außerdem noch sechzig abge=sonderte Krankenzimmer und zwey Säle für erkrankte Pagen. Die Kranken sind nach dem Ge=schlechte getrennt; die männlichen bewohnen die Süd=Ost= die weiblichen die Nord=West=Seite. Die Säle sind licht und hoch, jeder hat einen eigenen Wärter oder Wärterin; für stete Erhaltung der möglichst reinen Luft wird durch treffliche Vorrichtungen und sonst große Sorge getragen. Durch alle Etagen und Säle verbreitet sich eine Wasserleitung. Man findet weiters vollständige Bade=Anstalten mit einem Tropfbade, einen geräumigen runden, von oben erleuchteten Saal für chirurgische Operationen und Sectionen, eine Apotheke mit Laboratorium u. s. w. Legitim=Acme werden unent=geldlich aufgenommen, ebenso die von Hofe abhängenden Individuen, wofür König Maximilian, au=ßer der mit seiner gewöhnlichen Milde der Anstalt schon vorhin verliehenen Unterstützung, ein Kapi=tal von hundertdreyßigtausend Gulden angewiesen hat. Für Dienstboten und andere, bestehen ver=hältnißmäßige keineswegs hohe Abbonements, vermögliche Kranke bezahlen nach einem sehr billigen Anschlage, und finden die eleganteste Bedienung. Hinter dem Gebäude liegt ein geräumiger Hof, ein ungemein schöner weitläufiger Garten und ein sehr gut eingerichtetes Waschhaus. Die Kranken werden äußerst reinlich gehalten, gut und zweckmäßig verpflegt. Für das Ganze sorgt der städtische Magistrat mit unverändertem Eifer, besonders durch bedeutende Beyschaffung von Wäsche und Bett=Fornturen u. s. w. Unter den Directoren und Assistenten des medicinischen Instituts befinden sich berühmte und kenntnißreiche vorzügliche Aerzte. Besonders wird Herr Obermedizinalrath von Haberl durch viele von ihm eingeführte Verbesserungen unvergeßlich bleiben, für die Zukunft berechtiget der Name „Walter“ zu den schönsten Erwartungen.