KulturGeschichtsPfad
 

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Wohnhaus

Das prächtige Wohnhaus in Neurenaissance-Stil, einen Zie gelbau, errichtete sich die Gärtnerfamilie Seebauer im Jahr 1900 inmitten von Gemüsefeldern. Bis heute vermittelt es das gediegene Selbstverständnis der Seebauers, die ihre Perspektive im Zentrum von Ramersdorf sahen. Das Haus blieb bis Mitte der 1970er Jahre im Besitz der Familie. Die Ramersdorfer kennen es auch als Straub-Haus, benannt nach dem Namen der Seebauerschen Tochter Ottilie, verheiratete Straub. Aufgrund von Erb- und Denkmalstreitigkeiten verwahrloste das Haus nach 1970 und verkam zum »Schandfleck von Ramersdorf«. Seit 2008 gehört es der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung und soll jetzt wieder zum alten Glanz erweckt werden. 

Aribonenstraße 22

Wohn- und Geschäftshaus

Dieses prächtige Stadthaus wurde 1899 errichtet. Für ein Anwesen dieser Größe einschließlich Hinterhaus benötigte man rund 400.000 Mauersteine. Das entsprach um diese Zeit einem Drittel der Jahresproduktion einer durchschnittlichen Ziegelei. Ab 1910 befand sich im Erdgeschoss das Gasthaus zur Post der Familie Sedlmeier, 1933 wurde es in eine Bäckerei umgewandelt. 

Aribonenstraße 14

Kirchhof Maria Ramersdorf

Die reich geschmückte Kirche ist seit 1379 als Wallfahrtsort mit weit überregionaler Bedeutung belegt. Zahlreiche Altäre und Votivbilder im Kirchenraum erzählen aus der bewegten Geschichte des Bauwerks. Im Kirchhof haben sich einige historische Grabstätten erhalten. Betritt man die Anlage von der Aribonenstraße aus, so sieht man als erstes Grab auf der linken Seite jenes von Lorenz Seidl, dem so genannten Schmiedenz (1788–1880) und seiner Ehefrau Anna, geb. Brandner (1808–1865). Der Schmiedlenz war ein vitaler und fleißiger Mensch, der im Bau- und Ziegelboom des 19. Jahrhunderts sein Glück machte. Man kennt seine Geschichte, da sie von einer seiner Töchter farbig ausgeschmückt aufgeschrieben wurde. Der Lenz hatte es vom Schmiedgesellen aus der Bad Tölzer Gegend zum Münchner Loambaron gebracht. 1804 verdiente er sein erstes Geld in Bogenhausen, legte es in einer kleinen Landwirtschaft an und setzte auf die damals in unseren Breiten noch neue Kartoffel. Die Rechnung ging auf und Lenz hatte genug Kapital zum Erwerb seiner ersten Ziegelei, die in Bogenhausen lag. In den Aufzeichnungen der Tochter Walburga Lidlin heißt es dazu: »Und mit den Erd-Äpfeln, da haben wir Glück gehabt. War eine gute Ernt’, haben sie für ein schönes Geld auf der Schranne zu München losschlagen können. … Danach hat der Schmiedlenz wieder Land kaufen können und da war Lehm drunter, eine Schicht so tief, wie ein Haus hoch ist. Und da hat er das Ziegeln angefangt.« Mit solidem Wirtschaften und der Mitgift seiner Ehefrauen kamen später weitere Ziegeleien in Haidhausen und Ramersdorf dazu. Der Schmiedlenz war drei Mal verheiratet (die ersten beiden Ehefrauen starben) und hinterließ zahlreiche Kinder, 24 eheliche und eine nicht erfasste Zahl an unehelichen sollen es gewesen sein. Am 18. Januar 1880 wurde er hier auf dem Ramersdorfer Kirchhof neben seiner dritten und letzten Ehefrau Anna begraben. 

Aribonenstraße 9

Mosaik am Pfarrhaus

Das Pfarrhaus, geplant von Max Osten - rieder, stammt aus dem Jahr 1906. Das eindrucksvolle Madonnenmosaik über dem Eingangsportal kam erst später dazu. Dieses Bild schmückte ursprünglich den Dachgiebel des Wohnhauses, das heute die Adresse Rosenheimer Straße 244 trägt (e S. 59). Jenes Anwesen samt Mosaik wurde 1911 von der renommierten Ramersdorfer Zieglerfamilie Widmann gebaut. 1933 fand die Madonna am Pfarrhaus eine neue Heimat. 

Ramersdorfer Straße 6

Wohnhaus

Das Anwesen, das Raum für sieben großbürgerliche Wohnungen bot, zeigt bis heute, dass die Zieglerfamilie Widmann vor 100 Jahren in Ramersdorf Potential für eine sehr urbane Zukunft sah. Ein Renditeobjekt wie dieses Wohnhaus schien hier am richtigen Platz. Jenseits der Rosenheimer Straße lag eine große Ziegelei, die seit 1805 im Besitz von Familie Widmann war. 1884 stellte die Ziegelei Widmann nicht nur Mauersteine, sondern auch wetterfeste Verblendziegel und Trottoirplatten sowie robuste Kanalklinker her. Die Widmannschen Produkte waren für ihre hohe Qualität berühmt. Um 1930 war damit Schluss. Nach dem Unfalltod des letzten Besitzers Carl Maria Widmann im Jahr 1928 konnte die Familie den Betrieb während der Weltwirtschaftskrise nicht halten.

Auf dem Gelände der Ziegelei entstand 1933 die so genannte Mustersiedlung Ramersdorf zur Demonstration von Wohnformen gemäß der damals herrschenden NS-Familien- und Siedlungsideologie. Die Siedlung, begrenzt durch die Herrenchiemseestraße, die Stephanskircher Straße, die heutige Rosenheimer Straße und die Hohenaschauer Straße, steht seit 1978 unter Ensembleschutz. 

Beim Bau der ideologisch überhöhten Mustersiedlung geriet das Widmannsche Wohnhaus in der Rosenheimer Straße in den Fokus der Planer. Es störte, wurde als zu hoch empfunden. Und tatsächlich musste das oberste Stockwerk des Anwesens abgetragen werden. Die damalige Besitzerin Maria Bodensteiner, eine Tochter der Familie Widmann, sorgte dafür, dass das Madonnen-Mosaik aus dem Giebel des Grünen Hauses erhalten blieb und ans Pfarrhaus Ramersdorf kam. Das Anwesen Rosenheimer Straße 244 liegt heute auf einer Insel zwischen den beiden mehrspurigen Armen der neuen Rosenheimer Straße. Es steht hier wie ein Sinnbild für die stadtplanerische Rücksichtslosigkeit gegenüber den gewachsenen Strukturen, mit der ab Mitte der 1950er Jahre dieser Autobahnzubringer und der Innsbrucker Ring um das alte Ramersdorf gelegt wurden. 

Rosenheimer Straße 244

Ziegelkunst

In der Eingangshalle des Verwal tungsgebäudes zeigt die Gewofag ihre Tradition als Baugesellschaft. Hermann Schilcher jun. gestaltete 1967 eine Wand der Halle aus Ziegeln unterschiedlicher Formate. Er verwendete dazu historische Steine aus Holland. Montag bis Donnerstag, 9 bis 19 Uhr, und am Freitag, 9 bis 17 Uhr, sind Eingangshalle und Ziegelwand frei zugänglich. Zu anderen Zeiten bieten die großen Fenster der Halle einen Blick auf die Wand.

Kirchseeoner Straße 3

Rogate-Kirche

Die denkmalgeschützte Rogate-Kirche aus dem Jahr 1963 zeigt im Inneren und im Äußeren sehr anschaulich, wie elegant Sichtziegelmauerwerk wirken kann. Architekt Werner Eichberg, der übrigens einer der Architekten des Klinikums Großhadern war, verwendete für die Rogate-Kirche Mauersteine mit besonderer Oberflächenstruktur und setzte sie in strenge Linien. Das Kirchenanwesen wurde 2013 geschlos - sen und soll zu einem Zentrum der Evangelischen Jugend München mit Jugendkirche umgestaltet werden. 

Bad Schachener Straße 28

Echardinger Kapelle

Der Neubau aus dem Jahr 2001 steht an Stelle eines 1748 erbauten Kirchleins, das lange vor allen Ziegeleien hier inmitten der Äcker stand. Nach ihrem Erbauer Mathias Kolberer, dem Besitzer des alt eingesessenen Großmayerhofes, hieß die alte Kapelle auch Großmayer-Kapelle. Das betagte Kichlein wurde während des Zweiten Weltkriegs bei einem Bombenangriff zerstört. 


Echardinger Grünstreifen - Schulen

Entlang des Echardinger Grünstreifens befanden sich weitere Ziegeleien. Hier im Süden, wo heute die großen Schulgebäude stehen, lag die »Echardinger Ziegelei«, die zwischen 1860 und 1928 mehrfach den Eigentümer wechselte und schließlich in den Besitz der Landeshauptstadt München gelangte. Älteren Ein heimischen ist diese Ziegelei noch im Gedächtnis, da sie als letztes Zie gelunternehmen der Gegend erst 1958 abgebrochen wurde. Wie viele stillgelegte Ziegeleien der 1950er Jahre war das Gelände ein beliebter Treffpunkt für die Jugend der umliegenden Viertel. Besonders das Fahren mit den Loren auf den schmalen Schienenwegen hatte es den Buben und Mädchen angetan.

Noch heute leuchten die Augen der Zeitzeugen, wenn sie berichten, wie »des g’rauscht« hat, wenn man in den Wagerln die Rampe hinuntersauste. 


Jugendzentrum Zeugnerhof

Wo sich heute Jugendliche in ihrer Frei zeit treffen, lebten früher Beschäf tigte einer Ziegelei. Der Zeugnerhof hier im Kern der alten Dorfes Berg diente im 19. Jahrhundert als »Wohn- und Ökonomiegebäude« der Ziegelei Huber. Diese befand sich nördlich der heutigen Berg-am-Laim-Straße. Hier in der Josephsburgstraße wurden Pferde gehalten, die man für die Fuhrwerke und auch für die Landwirtschaft benötigte und von hier aus wurden die betriebseigenen Felder bewirtschaftet. Im Hof wohnte wahrscheinlich der Verwalter der Ziegelei (Familie Huber besaß mehrere Ziegeleien) mit einigen der Arbeiter. Diese Ziegelei wurde schon 1880 stillgelegt, der Hof blieb bestehen. Heute steht er – dem Denkmalschutz sei Dank – als ehrwürdiges Zeugnis einer anderen Zeit inmitten von Wohnbebauung des späten 20. Jahrhundert. Dabei tut es der Sache keinen Abbruch, dass große Teile des Gebäudes im Zuge der neuen Nutzung umgebaut und erneuert wurden. 

Josephsburgstraße 10

U-Bahnhof Kreillerstraße

Würde man – von der Echardinger Straße aus – der Berg-am-Laim-Straße (die in die Kreillerstraße übergeht) für 1,4 Kilometer in die andere Richtung nach Osten folgen, so gelangte man zum U-Bahnhof Kreillerstraße. Dessen Gestaltung bezieht sich mit zwei Kunstwerken an den Bahnsteigen auf die Ziegeltradition der Gegend. 

Kreillerstraße 0

Villa

Bis heute strahlt dieses Gebäude das Standesbewusstsein seiner Erbauer aus. Familie Grundler gehörte in Berg am Laim zu den tonangebenden Familien. Sie besaß eine ganze Reihe Ziegeleien in Denning, in Zamdorf und in Berg am Laim. Mit Mathias Grundler (1839–1901) stellte die Familie sogar 24 Jahre lang den Bürgermeister von Berg am Laim, von 1870 bis 1888 und von 1894 bis 1899. An der Kirche St. Stephan erinnert noch heute eine Gedenkplatte in der Kirchenwand an die Grundlers. Die Grundlersiedlung, die in den 1930er Jahren in Ramersdorf im Umfeld der Uppenbornstraße auf Ländereien aus Familienbesitz an - gelegt wurde, trägt bis heute diesen Namen. Als diese Villa hier im Jahr 1901 gebaut wurde, wahrscheinlich von Mathias Grundler, war die Berg-am-Laim-Straße gesäumt von weitläufigen Ziegelei-Geländen. Die Wirkung des prächtigen Anwesens mag in dieser Umgebung noch stärker gewesen sein als jetzt. Man kann sich vorstellen, dass hier politisch und gesellschaftlich wichtige Einladungen gegeben wurden und dass der Garten manch glanzvolles Familienfest sah. Leider ist die Familienge schichte der Grundlers noch nicht detailliert erforscht. Die Villa steht heute einschließlich Umzäunung und Gartenpavillon unter Denkmalschutz. 

Tomannweg 3

Kirchhof St. Stephan

Die Inschriften der Grabsteine des Friedhofs St. Stephan lesen sich wie ein who-is-who der Loambarone aus Berg am Laim und Umgebung. Die zweite Grabstätte links vom Eingang erinnert bis heute an den 1901 verstorbenen Bürgermeister von Berg am Laim, Mathias Grundler und an seine Frau Therese. Dieser Familie ist auch eine Gedenkplatte außen an der Kirchenwand gewidmet. Man findet des Weiteren die Grabstätten der Zieglerfamilien Graf, Huber, Fuchs, Maierbacher, Seeholzer und Rattenhuber. Unmittelbar westlich der Kirche an der Neumarkter Straße befand sich übrigens bis 1904 die Ziegelei, die zum Zeugnerhof gehörte, jenem Hof an der Josephkircher Straße, in dem heute ein Jugendzentrum untergebracht ist.

Baumkircher Straße 45

Streicherhof oder Obermaierhof

Rund um dieses Anwesen hat sich ein wenig von der Atmosphäre des Ziegellandes bis in die heutige Zeit erhalten. Der Blick nach Norden vermittelt noch eine Ahnung von der Weite, die einst den Münchner Osten prägte. Das heutige Anwesen Eggenfeldener Straße 54 stammt aus dem Jahr 1881. An dieser Stelle befand sich aber schon seit Jahrhunderten eine Hofstelle. Der Streicher, so der Hofname, war einer der drei großen Höfe, die miteinander den Weiler Zamdorf ausmachten. Um 1800 war das Anwesen bereits im Besitz der Familie Obermaier. Zum Hof gehörte eine Ziegelei in der Nähe. Franz Obermaier war in zweiter Ehe mit Maria Sedlmair verheiratet, die eine tatkräftige Frau gewesen sein muss. Nach dem Tod ihres Gatten übernahm sie nicht nur den bestehenden Betrieb, sondern ließ 1874 auf ihrem Grund eine weitere Ziegelei errichten und betrieb diese in eigener Regie. Sohn Joseph lernte das Zieglerhandwerk und übernahm Hof und Betrieb im Jahr 1880. Unter seiner Ägide wurde das Wohn- und Ökonomiegebäude erneuert und ein zweiter Ringofen gebaut. Die Ziegelei bestand bis 1931. 

Eggenfeldener Straße 54

Wirtshaus Zamdorfer

Das heutige Anwesen wurde 1894 vom Schützenbund München als Schützenhaus errichtet. Es liegt jedoch auf dem Grund einer Ziegelei von Familie Grundler. Vermutlich wurde die Ziegelei durch den Streicherbauern um 1830 errichtet, der sie von einem Ziegelmeister betreiben ließ. 1848 kaufte Familie Grundler das Unternehmen. Es wechselte dann innerhalb der Familie mehrfach den Besitzer. 1879 wurde hier auf dem Gelände nicht nur ein Ringofen errichtet, sondern auch das erste Wirtshaus. Es war mit Kegelbahn und Wirtsgarten ausgestattet und dürfte ein beliebtes Ausflugsziel gewesen sein. Ziegel wurden hier bis etwa 1890 produziert, bewirten lassen kann man sich noch heute.

Schwarzwaldstraße 2

Kulturzentrum Gasteig, Innenhof

Wohl jeder Münchner kennt das 1985 eingeweihte Kulturzentrum am Gasteig mit Volkshochschule, Stadtbibliothek, der Hochschule für Musik und Theater und den Konzert- und Vortragssälen. Viel weniger bekannt ist die Tatsache, dass die Fassade dieses gewaltigen Baukörpers aus handgeschlagenen Ziegeln besteht. Stein für Stein der Sichtverkleidung des Stahlbetongebäudes entstand auf dem Schlagtisch eines nie derbayerischen Ziegelwerkes. Bei genauem Hinsehen erkennt auch der Laie, dass jeder Mauerstein des Gasteigs eine Persönlichkeit ist, die sich ein klein wenig von den Nachbarn unterscheidet. So erhalten die großen Flächen der Fassade eine lebendige Struktur. 

Rosenheimer Straße 5

St. Johanneskirche

Die Kirche wurde 1914 bis 1916 in Blankziegelbauweise errichtet. Architekt war Albert Schmidt. Die Fassaden - gestaltung zeigt eindrucksvoll, welche Schmuckwirkung mit Ornamenten aus schlichten Mauersteinen erzielt werden kann. Das ganze Bauwerk besteht aus handgeschlagenen Steinen. In der linken Rotunde neben dem Haupteingang der Kirche hat Andreas Wiehl 2001 die Installation »Dieser Stein trägt nicht« angebracht. 

Preysingstraße 17

Ziegelbrennerbrunnen vor der St. Johanneskirche

Der 1978 von Hans Osel (1907–1988) geschaffene Brunnen erinnert an die italienischen Saisonarbeiter, die bis 1914 die Arbeit im Münchner Ziegelgewerbe leisteten. Die meisten von ihnen blieben hier in der Stadt namenlos. Nur in manchen Fällen wurden sie von den Behörden oder von den Pfarrgemeinden erfasst und aufgelistet. Ob die Ziegel der Johanneskirche von italienischen Händen geschlagen wurden, ist nicht erforscht. Mit Beginn des Ersten Weltkrie ges waren aus willkommenen italienischen Arbeitern uner  wünschte Ausländer geworden, die nicht mehr einreisen durften. Vielleicht aber stammen die Bausteine des 1914 begonnenen Kirchenbaues aus der Produktion früherer Jahre. Name und Anordnung des Brunnens sind übrigens irreführend. Die stehende Figur ist ein Ziegelträger, wie er auf einer Baustelle vor 100 Jahren üblich war. Die kniende Figur streicht den überschüssigen Lehm von einer Ziegelform ab. Diese Arbeit wurde in bayerischen Ziegeleien von den »Ziegelschlägern« stets im Stehen verrichtet. 

Preysingstraße 17

Wörthschule

Das heutige Schulgebäude stammt aus den 1950er Jahren. An dieser Stelle stand aber seit 1884 eine Schule. Und die hatte eine Beziehung zum Ziegelgewerbe. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts versuchten die bayerischen Behörden, das Elend der italienischen Arbeiter - insbesondere der Jugendlichen -- auf den Ziegeleien zu lindern, die dort oft unter erbärmlichen Bedingungen lebten und arbeiteten. Im Jahr 1895 heißt es beispielsweise im Jahresbericht der bayerischen Gewerbeaufsicht des Bezirkes Oberbayern: »Die im Aufsichtsbezirke weitaus überwiegenden Italiener hingegen lassen sich kaum davon abbringen, die jungen Burschen gleich den Erwachsenen zu beschäftigen, die gewohnt sind, ohne Einhaltung bestimmter Arbeitszeiten und Pausen solange fortzuarbeiten, als es hell und gut Wetter ist.« 

Ein Anliegen der Münchner Behörden war es, die jungen Italiener zum Schulbesuch zu bewegen. Von 1891 bis 1904 wurde deshalb hier an der Wörthschule eine eigene Klasse für jugendliche italienische Ziegler eingerichtet. Aus dem Jahr 1894 ist ein Schreiben des Königlichen Bezirksamtes München I an die ziegelproduzierenden Gemeinden wie Ramersdorf, Daglfing oder Unterföhring überliefert mit der Aufforderung, für den Schulbesuch der jugendlichen italienischen Ziegeleiarbeiter zu sorgen. Viel scheint das nicht genützt zu haben. Nicht verwunderlich, wenn man die überlangen Arbeitszeiten bedenkt, die weiten Wege und die Organisationsstruktur der Ziegeleien. Der Schulleiter der Wörthschule Ferdinand Lindner wandte sich wegen mangelnder Unterstützung der italienischen Schüler ans italienische Konsulat: »Die zum Schulbesuch an der Fortbildungsschule in Haidhausen herangezogenen italienischen Arbeiter erhalten ihren Taglohn nicht in die Hand und sind sohin auch nicht in der Lage, die bei Schulunterricht nötigen Hefte zu kaufen. Diese Hefte werden diesen Schülern vielmehr von ihren Arbeiterführern gegen früherzeitigen Lohnabzug geliefert. Es liegt die Befürchtung nahe, dass hiebei die Schüler von ihren Führern übervorteilt werden. An den zwei Tagen, an denen die Schüler behufs Schulbesuch um sechs Uhr abends die Arbeitsstätte verlassen müssen, wird ihnen ein Viertel ihres Taglohns abgezogen, obwohl für die 16–17 Stunden Arbeitszeit nur drei Stunden weniger verbraucht werden als an den übrigen Tagen.« Ob dieser Appell Wir kung zeigte, ist nicht bekannt. 

Wörthstraße 2

Wörthschule

Das heutige Schulgebäude stammt aus den 1950er Jahren. An dieser Stelle stand aber seit 1884 eine Schule. Und die hatte eine Beziehung zum Ziegelgewerbe. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts versuchten die bayerischen Behörden, das Elend der italienischen Arbeiter -- insbesondere der Jugendlichen -- auf den Ziegeleien zu lindern, die dort oft unter erbärmlichen Bedingungen lebten und arbeiteten. Im Jahr 1895 heißt es beispielsweise im Jahresbericht der bayerischen Gewerbeaufsicht des Bezirkes Oberbayern: »Die im Aufsichtsbezirke weitaus überwiegenden Italiener hingegen lassen sich kaum davon abbringen, die jungen Burschen gleich den Erwachsenen zu beschäftigen, die gewohnt sind, ohne Einhaltung bestimmter Arbeitszeiten und Pausen solange fortzuarbeiten, als es hell und gut Wetter ist.« 

Ein Anliegen der Münchner Behörden war es, die jungen Italiener zum Schulbesuch zu bewegen. Von 1891 bis 1904 wurde deshalb hier an der Wörthschule eine eigene Klasse für jugendliche italienische Ziegler eingerichtet. Aus dem Jahr 1894 ist ein Schreiben des Königlichen Bezirksamtes München I an die ziegelproduzierenden Gemeinden wie Ramersdorf, Daglfing oder Unterföhring überliefert mit der Aufforderung, für den Schulbesuch der jugendlichen italienischen Ziegeleiarbeiter zu sorgen. Viel scheint das nicht genützt zu haben. Nicht verwunderlich, wenn man die überlangen Arbeitszeiten bedenkt, die weiten Wege und die Organisationsstruktur der Ziegeleien. Der Schulleiter der Wörthschule Ferdinand Lindner wandte sich wegen mangelnder Unterstützung der italienischen Schüler ans italienische Konsulat: »Die zum Schulbesuch an der Fortbildungsschule in Haidhausen herangezogenen italienischen Arbeiter erhalten ihren Taglohn nicht in die Hand und sind sohin auch nicht in der Lage, die bei Schulunterricht nötigen Hefte zu kaufen. Diese Hefte werden diesen Schülern vielmehr von ihren Arbeiterführern gegen früherzeitigen Lohnabzug geliefert. Es liegt die Befürchtung nahe, dass hiebei die Schüler von ihren Führern übervorteilt werden. An den zwei Tagen, an denen die Schüler behufs Schulbesuch um sechs Uhr abends die Arbeitsstätte verlassen müssen, wird ihnen ein Viertel ihres Taglohns abgezogen, obwohl für die 16–17 Stunden Arbeitszeit nur drei Stunden weniger verbraucht werden als an den übrigen Tagen.« Ob dieser Appell Wir kung zeigte, ist nicht bekannt. 

Wörthstraße 2

Herbergshäuser

Die beiden Kleinhäuser entstanden als Wohnbauten von Tagelöhnern vor gut 100 Jahren. Beide Anwesen, zu denen ursprünglich auch Ställe gehörten, wurden in Gruben errichtet, die durch das Abziegeln der Lehmschicht und das Ausheben des unter dem Lehm liegenden Kieses entstanden waren. Die umliegende Gegend wurde später aufgefüllt oder mit unterkellerten Stadthäusern bebaut. Diese beiden Gebäude blieben auf ihrem bauzeitlichen Niveau. Zu ihrer Entstehungszeit waren die ziegelgemauerten Wohnhäuser trotz der kleinen Abmessungen eine recht komfortable Heimstatt für die Arbeiterfamilien. Vermutlich gehörten die Bewohner zu den Arbeitsmigranten aus dem Umland, die sich in der Stadt ein besseres Auskommen erhofften als in ihrer Heimat. Viele solcher Neu-Münchner arbeiteten als Tagelöhner auf dem Bau, einige mögen auch in Ziegeleien Arbeit gefunden haben. Ihre Häuser bauten diese Familien meist mit eigenen Händen, ohne Plan, ohne Anschluss an Wasserleitung und Kanalisation, oft wohl auch ohne Genehmigung. Hausnummer 58, das so genannte Üblacker-Häusl, entstand ursprünglich als Wohnhaus für zwei Familien. Seinen Namen bekam das Haus nach Johann Üblacker, der es 1894 erwarb. Seit 1966 gehört das Häusl der Landeshauptstadt München. Heute befindet sich dort das Herbergenmuseum, eine Abteilung des Münchner Stadtmuseums. Hausnummer 54 wurde kurz nach 1900 errichtet. 

Preysingstraße 54

Historisches Zentrum von Haidhausen

Hier kreuzten sich schon vor Hunderten von Jahren zwei Wege. Dort standen jene vier Bauernhöfe, die ursprünglich das Dorf Haidhausen bildeten. Eine Gaststätte erinnerte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mit ihrem Namen »Zum Lenzbauern« an diese Vergangenheit. Es heißt, anstelle der Grünfläche entlang der Kirchen straße habe sich der Löschweiher der kleinen Siedlung befunden. Auf den Wiesenund Ackerflächen der vier Haidhauser Anwesen entstanden kurz nach 1300 die ersten Ziegeleien zur Versorgung der Stadt München mit dem feuerfesten Baumaterial. Dazu erwarb die Stadt für bestimmte Grundstücke das Recht, den Lehm auszubeuten und Ziegel zu brennen. Im Jahr 1473 beispielsweise fertigte die Stadt auf Haidhauser Grund 782.000 Mauersteine und 131.000 Dachziegel. Im Haidhausen-Museum in der Kirchenstraße 24 lässt sich die Entwicklung des Stadtteils im Detail studieren. 

Kirchenstraße 0

Kirchhof St. Johann Baptist

Der Haidhauser Friedhof rund um die Filialkirche St. Johann Baptist, der um 1315 erstmals urkundlich erwähnt ist, liegt mehrere Meter höher als die umliegende Gegend. Das liegt nicht nur am leicht ansteigenden Gelände, sondern auch daran, dass das Gelände des Kirchhofs nie abgeziegelt wurde. Die heutige Ausführung der Treppe zum Friedhof stammt aus dem Jahr 1776. Im Friedhof bieten einige Grabstätten Hinweise zur Geschichte der Ziegeleien in München. Gleich rechts vom Eingang erinnert ein schmiedeeisernes Kreuz an den Münchner Stadtziegelmeister Wolfgang Grässelmüller. Er lebte hier in Haidhausen mit seiner Familie auf einem der städtischen Ziegelstadel und ist hier begraben. Tatsächlich bestattet wurde dieser hoch angesehene Mann ob seiner Verdienste um Pfarrgemeinde und Stadtgesellschaft übrigens nicht unter dem Kreuz, sondern in der Kirche, was üblicherweise den Geistlichen und der Herrschaft der Hofmark vorbehalten war. Auf dem weitläufigen Areal des Friedhofs befinden sich auch die Grabstätten der Zieglerfamilien Ellwanger und Rattenhuber. 

Kirchenstraße 39

Klinikum Rechts der Isar

Wo sich heute das Klinikum erstreckt, befand sich jahrhundertlang eine große Vertiefung im Gelände, die durch den Abbau von Lehm und Kies entstanden war. Es heißt, dass die Ziegel der Frauenkirche von hier stammen. In der »Gruab‘n«, wie die Vertiefung allgemein genannt wurde, entstand im 19. Jahrhundert eine ungeplant wuchernde Ansiedlung von Herbergshäusern, die sich neu zugezogene Arbeiterfamilien mit einfachsten Mitteln errichteten. Heute nennt man solche Siedlungen am Rand großer Städte meist Slum. Mit der Figur des Luke von der Gruab‘n haben die Münchner Volkssänger um 1900 herum den Bewohnern dieser Vorstadtsiedlung ein musikalisches Denkmal gesetzt. Das Couplet »Der Luke von der Gruab’n« von S. Schweiger beispielsweise beginnt mit dem Vers »Draußt in den schön‘ Haidhausen, Is d’Gruab’n doch gut bekannt, Da wohnt der grimme Luke, Glei neban Obstlerstand.« und schildert dann den Alltag zwischen Hoffnungslosigkeit und Lebenslust. Luke hockt lieber in seiner Boazn als in der trostlosen Wohnung und schickt mit großer Selbstverständlichkeit seine Freundin zum Anschaffen, um sich die Arbeit auf dem Bau zu ersparen. Anderl Welsch, ein anderer Volkssänger, lässt den Luke von den harten Arbeitsbedingungen der italienischen Arbeiter in den Ziegelbrennereien erzählen: »No, und nachher hab i an kloan‘ Abstecher g’macht in die Zieglstaadl nüber. Wie i da die »heiße Maroni« und Makkaroninudeldrucker in Loam so umanandermodellieren siech, denk i mir, ös tuts mir load.«

Einsteinstraße 3

Prinzregententheater

Den besten Blick über den Prinzregen tenplatz hat man von der Terrasse vor dem Haupteingang des Theaters. Der Platz ist gesäumt von herrschaftlichen Häusern, die, wie das ganze nördlich anschließende Viertel, das Ergebnis einer systematisch geplanten Stadterweiterung ab 1892 sind. Bei der Bebauung spielten die Münchner Aktienziegelei und die mit ihr verbundene Baugesellschaft eine besondere Rolle. Die mit Abstand größte Ziegelei Mün chens war 1859 als Ziegelei Reinhold Hirschberg & Co. mit dem Ziel gegründet worden, die Lehmgründe in München-Bogenhausen zu verwerten. 1867 formierte sich die Rein hold Hirschberg & Co. zur Aktienziegelei München, einer AG mit einem Kapital von 300.000 Gulden, und errichtete eine zweite Ziegelei an der Denninger Straße, nahe dem Herkomerplatz und eine weitere in Berg am Laim. Ein viertes Werk entstand hier in der Prinzregentenstraße auf dem Areal östlich des Prinzregentenplatzes. In den folgenden Jahrzehnten vergrößerte sich die Gesellschaft stetig. 1873 stieg die Bayerische Baugesellschaft in das Unternehmen ein. Das Aktienkapital wurde verdoppelt. Durch die Einbindung der Baugesellschaft behielt die Aktienziegelei neben der Herstellung der Bausteine auch den Ankauf sowie die spätere Entwicklung und Bebauung der abgeziegelten Lehmgründe in ihrer Hand – zweifellos eine Kombination, die gute Gewinne ermöglichte. An Stelle der hiesigen Ziegelei sollten nach Ausbeutung der Lehmgründe großbürgerliche Wohnhäuser entstehen. Als dieser Plan auf den Widerstand der Stadtverwaltung stieß, die hier eine aufgelockerte Bauweise wünschte, gründete sich unter Führung der Aktienziegelei eine eigene Gesellschaft zur Errichtung eines Richard-Wagner-Festspielhauses, das einige Jahre später als Prinzregententheater errichtet wurde. Man erhoffte sich vom Theater und dem namensgebenden Prinzregenten eine Aufwertung des gesamten Gebietes. Auch wenn die Münchner Baukrise von 1904 die Entwicklung verzögerte, so ging dieser Plan im Wesentlichen auf. Das Theater, geplant von Max Littmann, entstand in den Jahren 1900/1901. Die Aktienziegelei gab um 1910 ihre vier innerstädtischen Produktionsstätten auf, verwertete die Flächen und errichtete einen Großbetrieb mit sieben Ringöfen nördlich der Stadtgrenze, in Unterföhring. Ein weiteres Werk entstand ab 1938 in Ismaning. In Unterföhring wurde bis 1964 produziert. In Ismaning fertigte das zur Agrob (Aktiengesellschaft für Grob- und Feinkeramik) umfirmierte Unternehmen bis 1990 hochwertige Fliesen.

Prinzregentenplatz 12

Universitätssternwarte

Die kleine Sternwarte, die heute zur Ludwig-Maximilians-Universität gehört, wurde 1817 auf Wunsch von König Max I. Joseph als königliche Sternwarte gebaut. Vom Einfahrtstor aus ist deutlich ein Geländesprung erkennbar: Die Sternwarte wurde vor dem Ziegelboom errichtet, auf ihrem Gelände liegt der Lehm bis heute. 

Scheinerstraße 1 1

Bürgermeistervilla

An dieser Stelle stand der Hansmarterhof, ein stattliches Bogenhauser Bauernanwesen, das 1804 in den Besitz der Familie Selmayr gelangte. Zum Hof gehörte eine Ziegelei, die zu einer der Säulen des Wohlstands der Familie wurde. Mit Josef Selmayr sen. (1814–1874) und Josef jun. (1850– 1905) stellten die Selmayrs zwei Bürgermeister der bis 1892 selbständigen Gemeinde Bogenhausen. Loambaron Josef Selmayr jun. ließ 1898 anstelle des Hofes diese Villa mit Park errichten. Architekt war Hans Hartl, Sohn einer Oberföhringer Zieglerdynastie (e S. 128). Die Bürgermeistervilla, wie das Anwesen hier in der Ismaninger Straße 95 bis heute genannt wird, verkaufte man 1941 an den nationalsozialistischen »Lebensborn e.V.«, der hier Büros und Mitarbeiterwohnungen einrichtete. Sie wurden bis zu einem massiven Bombenschaden am Haus im Sommer 1944 genutzt. Heute beherbergt das Anwesen Teile des Finanzgerichts München und der Bayerischen Theaterakademie. Informationen zum »Lebensborn e.V.« erhält man im Buch »Kinder für den Führer« herausgegeben von Angelika Baumann und Andreas Heusler sowie auf der App »Ge(h)denken -- Auf den Spuren des Lebensborn«. 

Ismaninger Straße 95

Kirchhof St. Georg

Der kleine Friedhof rund um die mittelalterliche Kirche St. Georg ist die letzte Ruhestätte für viele bekannte Münch - ner Persönlichkeiten. Man kann beispielsweise die Grab stät - ten von Liesl Karlstadt, Erich Kästner, Annette Kolb, Helmut Fischer, Josef Schörghuber, Rainer Werner Fassbinder oder Max Dietl entdecken. Auch der Loambaron und letzte Bogenhauser Bürgermeister Josef Selmayr jun. ist hier bestattet. Ein weiterer Hinweis auf die Ziegelgeschichte ist die Gedenktafel der Familie Kaffl außen an der Kirchenwand. Familie Kaffl besaß Ziegeleien und ein Fuhrunternehmen. Das Relief im Kopf der Tafel zeigt anschaulich ein Lastfuhrwerk des 19. Jahrhunderts. 

Bogenhauser Kirchplatz 1

Ökologisches Bildungszentrum

Wir befinden uns auf dem Areal der ehemaligen Trottoirsteinfabrik Reischl. Fast sechzig Jahre lang, von 1861 bis 1919, wurden hier Mauersteine und Bodenplatten aus dem Lehm der umliegenden Felder gefertigt. Danach befand sich auf dem Gelände eine Kiesgrube mit Quetschwerk. 2001 haben das Münchner Umweltzentrum e.V. und die Münchner Volkshochschule hier eine Umweltstation eingerichtet, die zu einer Oase in der Stadt geworden ist. Mit Gärten, Wiesen, weitläufigem Naturspielraum und einem luftigen Seminarhaus wird Umweltbildung für Menschen aller Altersstufen geboten. Auch bei einem kurzen Besuch gibt es viel zu entdecken. Auf dem Gelände des Ökologischen Bildungszentrums findet man einen wunderbaren Naturspielplatz und zahlreiche Lehrgärten, aber auch das alte Trafohäuschen, das einst für die Stromversorgung der Trottoirsteinfabrik sorgte. Heute dient es als Fledermausturm. Ganz in der Nähe – der Eingang ist unter Bäumen versteckt – befindet sich eine tiefe Schlucht. Sie entstand durch den Abbau von Kies nach dem Abziegeln der Fläche. Die Grube blieb offen, ist heute dicht verwachsen und ein Paradies für Pflanzen, Vögel und Kinder. In der Nähe des Seminarhauses gibt es eine Info-Station zur Entstehung der Lehmzunge im Münchner Osten zu entdecken. Hier sollten Sie unbedingt die Abdeckung am Boden zur Seite schieben! Im Bodenprofil tritt die Abfolge Humus, Lehm, Kies zu Tage. Von der Lehmschicht ist allerdings nur noch der unterste Rest zu sehen, die einst starke Lehmschicht ist abgeziegelt worden. Außerdem sei ein kurzer Blick ins Seminarhaus des Bildungszentrums empfohlen, wo reichlich Info material zu Kursen und Projekten ausliegt. 

Englschalkinger Straße 166

Alter Ortskern Englschalking

Historisch gesehen, stehen wir zwischen vier Ziegeleien. An der Einmündung in die Waffenschmiedstraße lag früher rechterhand eine Ziegelei der Familie Ellwanger, deren so genanntes Werk I, das hier bis Anfang der 1960er Jahre Mauersteine fertigte. Das Anwesen Schnorr-von-CarolsfeldStraße 2, der Bogmair-Hof, gehörte zur Ziegelei des Münchner Baumeisters Peter Rattenhuber. Auch nördlich davon, in der Flaschenträgerstraße 6, befand sich bis ins Jahr 1872 eine Ziegelei. Gegenüber, auf Hausnummer 7, erinnert bis heute ein Wohnhaus an eine weitere Ziegelei, die ebenfalls Familie Rattenhuber gehörte und bis 1920 in Betrieb war. Die einflussreiche Familie Rattenhuber besaß insgesamt sieben Ziegeleien im Münchner Norden. Auf dem kleinen Kirchhof von St. Nikolaus erinnern mehrere Gräber an die Familien. 

 

Schnorr-von-Carolsfeld-Straße 0

Kirchhof St. Nikolaus

Rund um die alte Dorfkirche befindet sich ein kleiner Friedhof, auf dem bis heute die Grabstellen der Familien Rattenhuber und Flaschenträger gepflegt werden. Johann Flaschenträger (1832–1890) war aus Ginsheim in Hessen nach Englschalking gekommen, um sich im Ziegelei-Gewerbe zu versuchen. Die Ziegelei der Familie stand an der Englschalkinger Straße auf dem Gelände der heutigen Nummer 199. Familie Flaschenträger war protestantisch, verstand es aber votrefflich, sich im tief katholischen Umfeld zu behaupten. Sohn Wilhelm Flaschenträger (1866–1930), der 1889 gemeinsam mit seinem Bruder Johann die Familienziegelei übernommen hatte, war von 1900 bis 1930 Bürgermeister der Gemeinde Daglfing. Diese weitläufige Gemeinde war übrigens ein recht künstliches Gebilde, sie wurde 1818 im Zuge der bayerischen Reformpolitik aus den Ortschaften und Weilern im Nordosten der Landeshauptstadt wie Johanneskirchen und Englschalking, Daglfing, Denning und Zamdorf zusammengefügt. Bürgermeister Flaschenträger war ein großer Befürworter der Eingemeindung Daglfings nach München. Er versprach sich davon Verbesserungen in der Infrastruktur seiner Gemeinde, beispielsweise eine zuverlässige Wasserversorgung und den Anschluss ans städtische Kanalnetz. Mit Beharrlichkeit erreichte der Bürgermeister sein Ziel. Seit dem 1. Januar 1930 sind die vielen Ortsteile von Daglfing Stadteile von München. 

Flaschenträgerstraße 1

Villa der Zieglerfamilie Hartl

Familie Hartl war eine der erfolgreichsten Familien der Münchner Lehmrausch-Zeit. Stammvater Lorenz Hartl (1825–1914) gelang der Sprung vom Bauernsohn aus der Bad Aiblinger Gegend zum Loambaron im Münchner Norden. Entscheidend dafür war seine Eheschließung mit der Tochter eines Ziegeleibesitzers. Nachdem Lorenz Hartl auf den Ziegeleien seines Schwiegervaters Xaver Franz Maierbacher und seines Schwagers Andreas Maierbacher das Zieglerhandwerk gelernt hatte, pachtete er eine Ziegelei, die sich hier auf diesem Gelände befand und betrieb sie mit offensichtlich großem Erfolg. Jedenfalls konnte Hartl den Betrieb schon einige Jahre später erwerben und modernisieren. Zu den Neubauten gehörte diese Villa, die bis heute ihr Gesicht kaum verändert hat und von der Pracht der alten Zieglerfamilien erzählt. Lorenz und Ursula (1826–1908) Hartl hatten zahlreiche Töchter und Söhne, von denen sich die meisten innerhalb der einflussreichen und vermögenden Loambaron-Szene verheirateten. Sohn Josef übernahm die väterliche Ziegelei, sein Bruder Bonifaz errichtete eine eigene direkt südlich davon. Lorenz jun. baute sich eine Ziegelei in Oberföhring und Hans blieb als Baumeister im Fach. Diese Villa hier blieb aber nicht mehr lange im Besitz der Hartls, sondern gehört seit 1918 Familie Theen, deren Vermögen auf eine Schweinemästerei zurückgeht. 

Englschalkinger Straße 229

Klinikum Bogenhausen

Die Klinik steht auf ehemaligen Lehmäckern. Nordwestlich des Komplexes befand sich die Ziegelei Höchl, südlich der Englschalkinger Straße lagen vier weitere Ziegeleien, die den Rohstoff zu Mauersteinen verarbeiteten. An diese Tradition erinnert der Boden belag der weitläufigen Eingangshalle des Krankenhauses. Der warme Farbton der Ziegel - fliesen verleiht dem Raum seine besondere Prägung.

Der Zugang zur Klinik will gefunden werden. Am besten, man lässt die Fahrräder am Radlparkplatz an der Englschalkinger Straße stehen und nimmt die Treppen. Die großformatigen Ziegelfliesen der Eingangshalle wurden in Ismaning gefertigt, in der nördlichsten Ziegelei auf der Münchner Lehmzunge, der Agrob. Diese »Aktiengesellschaft für Grob- und Feinkeramik« steht in der Nachfolge der Münchner Aktienziegelei, deren Geschichte im Rahmen der Zentralen Tour durch Haidhausen beim Stichwort Prinzregententheater skizziert ist (e S. 107). Das Werk in Ismaning wurde ab 1940 gebaut und blieb bis 1990 in Betrieb. Ab Mitte der 1970er Jahre wurden dort allerdings keine Mauersteine mehr, sondern ausschließlich Fliesen gefertigt. Nicht nur Bodenbeläge wie jener im Klinikum stammen aus den Öfen der Agrob, sondern auch viele Fliesen der Münchner U-Bahnhöfe und Schwimmbäder. 

Englschalkinger Straße 77

Höchl Schlössl

Dieses Anwesen mit seinen weitläufigen Gärten am Rand des Odin-Hains ist heute ein traumverlorener Ort, wie man ihn in unserer Stadt kaum vermuten würde. Errichtet wurde die Villa von Anton Höchl (1818–1897). Dessen Vater Josef Höchl (1777–1838), der als Maurergeselle nach München gekommen war, gelang ein unglaublicher Aufstieg. Er war zur Zeit König Ludwigs I. der führende Bauunternehmer der Stadt. Im Jahr 1831 beschäftigte Josef Höchl 16 Poliere und 234 Gesellen. Unter Höchls Leitung entstanden viele der von Friedrich von Gärtner und Leo von Klenze geplanten prächtigen Bauten des »Isar-Athen« König Ludwigs I, beispielsweise in der Maxvorstadt und der Ludwigstraße. Für mindestens 51 Anwesen der Stadt stammten die Planungen von Joseph Höchl selbst. Er verstand sich meisterlich auf eine reduzierte Fassadengestaltung, die von den klassizistischen Palasttypen der großen Baumeister seiner Zeit abgeleitet war. Bis heute ist sein Stil prägend für die Maxvorstadt, die innere Isarvorstadt und Teile des Lehels. Familie Höchl kam zu großem Wohlstand, bewohnte ein prächtiges Haus in der Innenstadt im Rosental. 

Die Mauersteine für die Höchlschen Bauwerke kamen aus zwei firmeneigenen Ziegeleien hier in Bogenhausen. Sohn Anton lernte das Handwerk des Baumeisters von der Pike auf. Erst nach dem Tod des Vaters konnte er seine künstlerische Begabung pflegen. Anton Höchl zeichnete, malte, musizierte, führte Tagebuch, interessierte sich für die damals junge Fotografie, genoss und bereicherte das gesellschaftliche Leben in München. 1852 ließ er hier neben seiner Ziegelei am Rande des Stadtwaldes das Schlössl als Wohnort, Atelier und Rückzugsort errichten. Im weitläufigen Garten kam eine Statue des Göttervaters Odin von Heinrich Natter zur Aufstellung, die dort bis heute die Zeiten überdauert hat. Anton Höchl bewohnte das Anwesen bis zu seinem Tod im Jahr 1897. Etwa 30 Jahre später kam das Höchl Schlössl an die Stadt München, 1957 wurde es in ein Wohnhaus umgewandelt. 

Odinstraße 29

Bürgerpark Oberföhring

Das Gelände des Bürgerparks, der heute in 14 bescheiden anmutenden Baracken Vereinen und Kunstschaffenden Raum bietet, kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Wie die gesamte Umgebung war das Areal bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Ackerland. Die Fläche gehörte zum Bichlhof, einem stolzen Anwesen im Ortszentrum von Oberföhring. Dort (Muspillistraße 5) befindet sich seit rund 100 Jahren ein Kindergarten. Hier an der Oberföhringer Straße wurde 1898 eine Ziegelei errichtet. Sie produzierte mit italienischen Saisonarbeitern rund 15 Jahre lang Mauersteine, dann waren die Lehmgründe weitgehend ausgebeutet. Ein Schaukasten beim nördlichen Ausgang des Bürgerparks erinnert an die Geschichte der Ziegelei. 

1939 errichtete man hier ein Luftwaffenlazarett, das in den heute noch bestehenden sowie 13 weiteren Baracken untergebracht war. Dieses Lazarett war bei Kriegsende im Jahr 1945 das einzige voll funktionsfähige Krankenhaus Münchens und wurde noch im selben Jahr in das Städtische Krankenhaus Oberföhring umgewandelt. Es blieb bis 1984 in Betrieb. In diesem Jahr übernahm das neue Klinikum Bogenhausen die Patienten aus Oberföhring. Bürgerliches Engagement verhinderte die zunächst geplante Veräußerung und Bebauung des wertvollen Grundstücks. Statt dessen schloss die Stadt mit der eigens gegründeten Vereinsgemeinschaft 29 einen Mietvertrag, der eine kulturelle Nutzung des Geländes und seiner Bau ten ermöglichte. Heute sorgen die Vereine für ein reges Kulturleben in den alten Baracken. 

Oberföhringer Straße 156

Kirchhof St. Lorenz

Betritt man den Friedhof durch den Haupteingang von Süden her, so befindet sich gleich links ein »Ziegler-Viertel«. Hier liegen Grabstätten der Zieglerfamilien Hartl, Welsch, Haid und Armellini. 

Muspillistraße 14

Ehemalige Ziegelei Benno Welsch

Benno Welsch (1867–1951), der Föhringer Loambaron, baute im Lauf seines Lebens drei Ziegeleien, die ihm und seiner Familie ein komfortables Leben ermöglichten. Welsch stammte vom Pflegerhof (Oberföhringer Straße 188) und verheiratete sich 1893 nach Unterföhring. Zwei Jahre später baute er hier in Oberföhring seine erste Ziegelei. Benno Welsch gehörte zu den wenigen Ortsansässigen, die im turbulenten Lehmrausch erfolgreich mithalten konnten mit den Geschäftsleuten und Spekulanten aus der näheren und weiteren Umgebung. Auf dem Areal der ehemaligen Ziegelei, wo noch das Maschinenhaus von 1960 steht, befindet sich heute auch eine Kindertagesstätte (Eingang um die Ecke, Cosimastraße 291). 

Oberföhringer Straße 256

Ehemalige Ziegelei Benno Welsch

Das Gebäude der Kindertagesstätte ist ein Neubau. Seine Gestaltung mit unverputztem Ziegelmauerwerk erinnert an die Tradition des Anwesens. Der Hofraum des Kindergartens wird auf der anderen Seite begrenzt vom ehemaligen Maschinenhaus der Ziegelei Welsch. In völliger Verkennung der wirtschaftlichen Entwicklung hatten die Nachfahren von Benno Welsch dieses Maschinenhaus noch Anfang der 1960er Jahre errichten lassen, kurz bevor die Erschöpfung der Lehmgründe sowie die Ausweitung der Stadt München den Betrieb einer Ziegelei in dieser Lage völlig unwirtschaftlich machten. 

Cosimastraße 291

Historisches Straßenpflaster

In der Grünanlage stößt man auf ein Stück gepflasterten Wegs. Es handelt sich um einen Abschnitt der ehemali - gen Johanneskirchner Straße, der frü - heren Ortsverbindung zwischen Ober - föhring und Johanneskirchen. Über diese Pflastersteine wird so manches schwer beladene Ziegelfuhrwerk ge - rollt sein auf seinem Weg in die Stadt. Als die Ziegeleien noch produzierten, wurden Ziegel frei Baustelle verkauft, für den Transport war die Ziegelei zu - ständig. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein dienten Pferdefuhrwerke als Transportmittel. Mit Unterstützung des Bezirksausschusses ist es engagierten Bürgern gelungen, das traditionsreiche Straßenstück hier in die Grünanlage zu integrieren. Der Bichlhofweg ist übrigens nach dem Bichlhof in Oberföhring benannt – jenem Hof neben der Kirche, auf dessen ehemaligen Ackerflächen sich heute der Bürgerpark befindet. 

Bichlhofweg 0

Lehmkante

Im Garten des Anwesens Wacholderweg 1 ist deutlich die Lehmkante zu erkennen, die von den Schürfbaggern erzeugt wurde. Hier am heutigen Wachholderweg ist in etwa die östliche Grenze des Lehmvorkommens anzusetzen, dessen Breitenausdehnung von der Oberföhringer Straße bis hierher reichte. 

Wachholderweg 1

Ziegelei August Haid

Diese Ziegelei, die unter Denkmal schutz steht, ist die einzige baulich erhaltene Ziegelei auf dem Gebiet der Landeshauptstadt München. Lediglich der Schornstein des Ring - ofens fehlt. Man erkennt das Ofengebäude aber trotzdem gut an seinen Dachreitern. In dieser Ziegelei wurden von 1901 bis 1965 Mauersteine gefertigt. Das Areal ist nicht öffentlich zugänglich. Umrundet man aber das Gelände, erfährt man anschaulich die Größe eines historischen Münchner Ziegelei. An der nördlichen Grundstücksgrenze sieht man das alte Trafohaus, das einst für die Stromversorgung der Ziegelei sorgte. Das weiß verputzte Wohnhaus auf der Westseite kann man nur erahnen. Es war 1905 als Italienerwohnhaus errichtet worden. 

An der Salzbrücke 39

Zur Alten Ziegelei Wohngebiet mit historischen Ziegelei-Gebäuden

Auf diesem Areal befand sich die Ziegelei Lorenz Haid, die von 1899 bis 1964 Lehm zu Mauersteinen verarbeitete. Ab 1914 war der Betrieb im Besitz von Familie Haid. In die neue Bebau - ung sind historische Gebäude der Ziegelei integriert, ein Trockenstadel und das 1928 errichtete Maschinenhaus. Im Gelände bieten Tafeln Informationen zur Geschichte der Ziegelei: am Maschinenhaus, am Trockenstadel und am Ort des Ringofens. Am Maschinenhaus ist übrigens nur noch die Einrichtung alt – das Ziegelmauerwerk des Bau werks wurde 2013 komplett erneuert. Das Industriedenkmal lässt sich auf Anfrage besichtigen. 


1. Fresko »Der Maurer«

Ziegelsteine werden handwerklich verarbeitet. Das Fresko, das den Bauhandwerkern ein Denkmal setzt, stammt von Willi Kraus. Beauftragt hat es, wie auch die anderen Fresken in der Gegend, der Bauunternehmer und Zimmer meister Lorenz Friedinger, der viele der Häuser in diesem Stadtteil errichtete. Die Franz-Gruber-Straße ist übrigens nach dem Komponisten des Weihnachtsliedes »Stille Nacht« benannt, an den die Wandgestaltung am gegenüberliegenden Haus erinnert. 

Franz-Gruber-Straße 1