KulturGeschichtsPfad
 

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Kaulbachstraße

Von den zahlreichen Persönlichkeiten, die in der nach Wilhelm von Kaulbach benannten Straße (der Maler lebte in der Nr. 10) wirkten und lebten, können hier nur wenige genannt werden. In der Nr. 11 befand sich 1949–1983 die von der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Jella Lepman im Zuge der »Reeducation«-Politik gegründete Internationale Jugendbibliothek. Das Institut Français ist in der Nr. 13, dem einstigen Palais Seyssel d’Aix, untergebracht. Das Nachbarhaus (Nr. 15) ließ der Maler Friedrich August von Kaulbach errich - ten. 1933–1945 wohnte hier der NS-Gauleiter Adolf Wagner, 1945 nutzte die US-Militärregierung die vorhandene technische Infrastruktur für den Soldatensender »American Forces Network« (AFN). Seit 1988 ist hier das Historische Kolleg ansässig. Sowohl in der Nr. 13 als auch in der Nr. 15 sind historische Gartenanlagen zu sehen, wie sie für die Schönfeldvorstadt einst typisch waren. Gegenüber in der Nr. 16 befindet sich das Carl-Orff-Zentrum; hier war vor dem Zweiten Weltkrieg die von Doro thee Günther und Carl Orff gegründete Günther-Schule. Im Gartengebäude der Nr. 35 lebte 1911–1927 die Schriftstel lerin Ricarda Huch. Erna Morena (1885 –1962), einstiger Stummfilmstar, zog 1955 mit der nach ihr benannten Pension von der Königinstraße 11 in die Kaulbachstraße 35 um. Zu den Stammgästen der Pension »Erna Morena« gehörten namhafte Schauspieler, Künstler und Schriftsteller. Das Eckhaus Nr. 41/43 entstand in mehreren Bauphasen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist das älteste erhaltene Wohnhaus des Schönfeldviertels. Das »Marie-Antonie-Haus« in der Nr. 49 stiftete der Deutsch-Amerikaner James Loeb 1930 als erstes Studentinnenwohnheim; es trägt den Namen seiner Frau.

Kaulbachstraße 0

Finanzgarten

Die Anlage des seit 1955 öffentlichen Gartens ist dem Lebemann Abbé Pierre de Salabert (1734–1807) zu verdanken. Auf der Suche nach einem standesgemäßen Bauplatz für sein Wohnhaus erwarb der einstige Erzieher Max IV. Josephs trickreich den ehemaligen Garten des Theatinerklosters, der nach der Säkularisation an den Staat gefallen war, und weitere angrenzende Grundstücke. Salabert ließ das Gelände unter Einbeziehung der dort noch vorhandenen Wälle der Stadtbefestigung in einen romantischen Landschaftsgarten umgestalten. Deshalb sind hier heute die letzten Reste der Befestigungsanlage erhalten. Karl von Fischer schuf 1804– 1806 das repräsentative Wohnhaus am Nordende des Grundstücks. Nach Salaberts Tod erwarb König Max I. Joseph Garten und Gebäude; letzteres wurde für Prinz Carl (1795 – 1875) erweitert. Nach dem Krieg wurde das Palais kulturell genutzt, seit 1969 ist es Dienstsitz des Ministerpräsidenten und dient der bayerischen Regierung für Repräsentationszwecke. Der direkte Anschluss an den Englischen Garten ging mit der 1937 erfolgten Verbreiterung der Von-der-TannStraße verloren. Das Kellergeschoss des Prinz-Carl-Palais fiel 1970 dem Bau des Altstadtringtunnels zum Opfer, der im Rahmen der Verkehrsplanung für die Olympi schen Spiele gebaut wurde und in der Öffentlichkeit sehr umstritten war. Seit 1876 bewohnte der Finanzminister Teile des Palais als Dienstwohnung und nutzte den Garten – daher »Finanzgarten«. Der vom Staat beschlossene Name »Dichtergarten« hat sich bisher nicht durchgesetzt, obwohl hier einige Schriftsteller gewürdigt werden, z.B. mit dem Heinrich-Heine-Denkmal von Toni Stadler (1957/1958) und dem Bronzestandbild des russischen Dichters und einstigen Mitglieds des diplo - mati schen Corps in München Fjodor Iwanowitsch Tjutschew.


Fotoatelier Elvira

1887 gründeten Anita Augspurg und ihre damalige Lebens gefährtin Sophia Goudstikker das Fotoatelier Elvira in der Von-der-Tann-Straße 15. Das Unter - nehmen der Frauenrecht lerinnen war ausgesprochen erfolgreich und hatte Kund schaft aus den oberen Gesell - schafts kreisen; auch Angehörige des Königshauses ließen sich hier fotogra - fieren. Im Juni 1898 ernannte der Prinz - regent Goudstikker, die das Atelier ab 1899 allein führte, als erste Frau zur »königlich-bayeri schen Hofphotographin«. 1897–1898 entstand der von August Endell entworfene Jugendstilneubau, dessen spektakuläre Fassade die Gemüter erregte. Die Nationalsozialisten sorg - ten 1937, noch vor der Einweihung des nahegelegenen »Hauses der Deutschen Kunst«, für die Beseitigung des Ornaments. 1944 wurde das Gebäude durch Bomben zerstört. Auf dem Grundstück befindet sich heute das 1957– 1958 von Sep Ruf gestaltete Generalkonsulat der USA. Seit dem New Yorker Anschlag vom 11. September 2001 steht das Gebäude unter ständigem Polizeischutz, weswegen der Durchgangsverkehr durch die Königinstraße nicht mehr möglich ist.

Von-der-Tann-Straße 15

Adele Spitzeder

In der Schönfeldstraße 9 pflegte die Schauspielerin Adele Spitzeder (1832 –1895) ihren luxuriösen Lebensstil auf Kosten der Kunden ihrer »Dachauer Bank«. Diese wurde 1872 geschlossen, und Spitzeder wurde wegen »betrügerischen Bankrotts« zu Zuchthaus verurteilt.

Schönfeldstraße 9

Akademie der Bildenden Künste

Die Akademie der Bildenden Künste wurde 1808 gegründet. Ihr Ruf wuchs unter den Direktoren Wilhelm von Kaulbach und Karl von Piloty. 1886 verließ die Akademie ihre längst zu eng gewordenen Räumlichkeiten in der Innenstadt und zog in die Akademiestraße 2 ans Siegestor. Der weitläufige Neurenaissance-Bau Gottfried von Neureuthers wurde aus französischen Kriegsreparationen finanziert und als Fluchtpunkt der Amalienstraße gestaltet. Um die Jahrhundertwende studier - ten hier mit Lovis Corinth, Otto Dix, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Emil Nolde und Max Slevogt namhafte Wegbereiter der Moderne. Mit dem übersteigerten Nationalismus des Ersten Weltkriegs schwand die Bedeutung der Akademie. Hitler ernannte München 1933 zur »Stadt der Deutschen Kunst«, und einige Akademieprofes so ren unterstützten bereit willig die NSKunstpropaganda. So halfen Adolf Ziegler, Her mann Kaspar und Richard Knecht bei der Zusammen stellung der »Großen Deutschen Kunstausstel lung« ebenso wie bei der diffa mierenden Ausstellung »Ent artete Kunst« und gestal teten die Festumzüge zum »Tag der Deutschen Kunst« 1937 und 1938. Seit 1968 machten Stu denten mit Demonstratio nen und Happenings auf innere und äußere Missstände an der Akademie aufmerksam. So protestieren sie 1968 mit einer Aus - stellung zum »Fall Kaspar« gegen die Weiterbeschäfti gung Hermann Kaspars, der von 1947 bis 1972 wieder Professor an der Akademie war. Im Februar 1969 besetzten Studenten die Akademie, um die verkrusteten Konventionen und Strukturen des Akademie betriebs anzuprangern. Als die Proteste eskalierten ließ das Bayerische Kultusministerium die Akademie vorübergehend schließen und der Bayerische Landtag verfügte die Unterbre chung des Unterrichtsbetriebs bis zum Vorliegen eines umfassenden Reformkonzepts.

Akademiestraße 0

Rund um den Geschwister-Scholl-Platz

Über den von German Bestelmeyer 1906 –1909 gestalteten Erweiterungs bau an der Amalienstraße gelangt man in das Haupt ge bäude der Ludwig-Maximilians-Univer sität. Ludwig I. hatte die Universität 1826 von Landshut in die Residenz stadt geholt. Hier wirkten namhafte Wissen schaftler, darunter Max von Pettenkofer, Joseph von Schelling, Johann Andreas Schmeller und Heinrich von Sybel.

1840 wurde der Universitätsbau an der Ludwigstraße bezo - gen. Dessen Adresse Geschwister-Scholl-Platz 1 erinnert neben der »Denkstätte Weiße Rose« und weiteren Denk - mälern an die studentischen Wider standskämpfer und deren Flugblattaktionen im Lichthof. Friedrich von Gärtner schuf das Universitätsgebäude ebenso wie das Georgianum (ein katholisches Priesterseminar, zu dessen Absolventen auch Papst Benedikt XVI. zählt) und das Max-Joseph-Stift (einst höhere Töchter-Schule, heute Juristi sche Fakultät der LMU) am gegenüberliegenden Professor-Huber-Platz 1 und 2. Neben dem Max-Joseph-Stift entstand 1935 das »Haus des Deutschen Rechts« (Ludwigstraße 28) nach Plänen von Oswald E. Bieber, das heute den Fakultäten der Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften als Seminargebäude dient.

Der Architekt Gärtner gestaltete ab 1827 die im nördlichen Teil der Ludwigstraße angesiedelten Großbauten für staatliche und halbstaatliche Institutionen einschließlich des Siegestors, das 1992 Schwabing zugeschlagen wurde: darunter das Verwaltungsgebäude der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke AG (Nr. 27) und das Blindeninstitut (Nr. 25), die heute beide von der LMU genutzt werden; daneben das Damenstiftsgebäude (Nr. 23, heute Bayerischer Verwaltungsgerichtshof), die katholische Pfarr- und Universitätskirche St. Ludwig und die Bayerische Staatsbibliothek (Nr. 16), Sitz einer der bedeutendsten europäischen Universalbibliotheken.

Geschwister-Scholl-Platz 0

Walter Klingenbeck

Seit 1998 erinnert der schmale Weg zwischen Ludwigskirche und Staatsbibliothek an den 1943 in Stadelheim hingerichteten Widerstandskämpfer Walter Klingenbeck (geb. 1924), Mit glied der katholischen Jugend St. Ludwig. Zusam men mit seinen Freunden Daniel von Reckling hausen, Hans Haberl und Erwin Eidel konstruierte der Schalttechniklehrling Klingebeck einen Geheimsender, um antinationalsozialistsche Beiträge von seinem Elternhaus in der Amalienstraße 44 auszustrahlen. Im Sommer 1941 malte Klingenbeck sogenannte »Victory-Zeichen« an mehrere Gebäude in Bogenhausen und drückte damit seinen Widerstandswillen aus. Er wurde im Januar 1942 denunziert und seine Gruppe flog auf. Am 24. September wurde Klingenbeck vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 ermordet. 

Walter-Klingenbeck-Weg 0

Ludwigstraße (südlicher Teil)

Leo von Klenze plante die Gebäude im südlichen Teil der Ludwigstraße und am Odeonsplatz. In der Ludwigstraße 14 (erbaut 1822–1830) befand sich einst das Bayerische Kriegsministerium. Im dazu gehörenden Ehrenhof (Schönfeld - straße 3) des damals noch von Kriegszerstörungen gezeichneten Gebäudes wurde 1960 ein Pferdestandbild von Bernhard Bleeker aufgestellt mit der Inschrift »1870–1945. Der deutschen Kavallerie zum Gedenken«. Dem Wiederaufbau (1964–1977) folgte die Umwidmung des Gebäudekomplexes für nichtmilitärische Zwecke: Es zogen ein das Bayerische Hauptstaatsarchiv, das Staatsarchiv München und das Institut für Bayerische Geschichte.

Im Zuge der Straßenerweiterung der Von-der-Tann-Straße für die von den Nationalsozialisten geplante Ost-West-Achse gingen mehrere Klenze-Bauten verloren und das Ensemble Ludwigstraße wurde empfindlich beschädigt. So musste das Herzog-Max-Palais (Geburtshaus von Kaiserin Elisabeth von Österreich) in der Ludwigstraße 13 der Reichsbank Hauptstelle für Bayern weichen (heute Deutsche Bundesbank-Hauptverwaltung München). Auf dem schräg gegen- überliegenden Grundstück Nr. 2 wur den in den 1930er Jahren vier Einzelgebäude abgerissen. Hier entstand 1938–1940 das »Zentralministerium«, das das Finanz- und das Innenministerium sowie die bayerische Staatskanzlei aufnehmen sollte und Amtssitz von NS-Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar Paul Giesler wurde. Seit 1984 erinnert im Innenhof eine Gedenktafel an die hier von Giesler am 28. und 29. April 1945 veranlasste Erschießung von Mitgliedern der Widerstandsgruppe »Freiheitsaktion Bayern«. 1946–1958 diente der Bau als Generalkon sulat der USA, anschließend zog das Baye rische Landwirtschaftsministerium ein.

Ludwigstraße 0

Der Alte Botanische Garten

Friedrich Ludwig von Sckell gestaltete Münchens ersten Botanischen Garten, der 1812 eröffnet wurde. Dieser unterstand bis zur Gründung des Botanischen Gartens in Nymphenburg im Jahr 1914 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1853 musste der Direk tor der Anlage, der Botaniker und Brasilienforscher Carl Friedrich Philipp von Martius (1794–1868), den Abbruch des zentralen Gewächshauses hinneh - men. Nach dem Vorbild des Londoner Crystal Palace (1851) entstand hier der 234 Meter lange Glaspalast als dreischiffige Eisen-Glas-Konstruktion. Die Nürnberger Firma Cramer-Klett lieferte die vorgefertigten Teile für das Prestigeobjekt Maximilians II., der den modenen Bau für die erste allge meine deutsche Industrieausstellung von 1854 errichten ließ. Bis zum Großbrand im Juni 1931 fanden hier zahl reiche Gewerbe- und Kunstausstellungen statt. Oswald E. Bieber und Joseph Wackerle gestalteten den Alten Bota nischen Garten 1935–1937 um: Es entstanden Parkcafé, Neptun brunnen und Ausstellungspavillon. Der Westteil der Anlage gehört heute den Kindern: Hier befinden sich ein Spiel platz und das Kinderspielhaus, das Fritz Krantz 1947 den Münchner Kindern gestiftet hat. Das Ostportal (Emanuel Joseph von Herigoyen) von 1812 ist das letzte erhaltene Gebäude der Sckell’schen Anlage. Die lateinische Inschrift erinnert an die naturwissenschaftliche Zielsetzung der königlichen Stiftung: »Die über die Erde verstreuten Gattungen der Pflanzen wur den kunstvoll vereint auf Geheiß König Max Josephs 1812.« 


St. Bonifaz

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Im Auftrag und auf Kosten Ludwigs I. entstand 1835–1850 die Pfarrkirche St. Bonifaz mit Kloster und Bibliothek. Der König strebte im Viertel rund um den Königsplatz eine Synthese von Antike und Christentum, von Glaube und Wissen an und übertrug daher den die Wissenschaften pflegenden Benediktinern die Seelsorge. Um das wirtschaftliche Überleben des Konvents zu sichern, schenkte er diesem das Kloster Andechs.

Beim Bau der Basilika orientierte sich Georg Friedrich Ziebland an frühchristlichen Basiliken in Ravenna und Rom, die er eigens besucht hatte. Ein offener, hölzerner Dachstuhl mit ge - maltem Sternenhimmel und ein Freskenzyklus von Heinrich Maria Heß schmückten den fünfschiffigen Kirchenraum, der 1944/1945 durch Luftangriffe zerstört wurde; nur die Außenmauern und der südliche Gebäudeteil blieben stehen. Unter Hans Döllgast wurde die verkürzte Basilika mit einfacher Ausstattung wieder errichtet; die Neugestaltung des Innen - raumes erfolgte in den 1990er Jahren. Auf dem ehemals nördlichen Teil der Basilika entstand 1970/1971 ein Gemeindezentrum. 2001 wurde das »Haneberghaus« zur Jugend- und Obdachlosenbetreuung fertiggestellt, für die sich der Konvent besonders engagiert.

Ludwig I. plante die Kirche als Grabstätte für sich und Königin Therese. Seinen Sarkophag ließ er in Anlehnung an normannische Herrschergräber gestalten; er steht in der weitgehend erhaltenen Grabkapelle. Therese ruht freilich erst seit 2002 an der Seite ihres Gatten. Die katholischen Kirchenoberen Münchens hatten der 1854 verstorbenen Protestantin ein würdiges Begräbnis verweigert und sie zunächst »unsichtbar« in einer Gruft beigesetzt.

Karlstraße 0

Königsplatz

Schon vor 1808 stand die Schaffung eines repräsentativen Rechteckplatzes in der geplanten Maxvorstadt im Raum. Dessen Gestaltung und Namensgebung sollte die staatliche Souveränität des zwei Jahre zuvor gegründeten Königreichs unterstreichen. Ludwig I. machte die Bebauung des Königs - platzes bereits als Kronprinz zu seinem persönlichen Anliegen, an dem er auch nach seiner Abdankung festhielt. Im Laufe mehrerer Jahr zehnte ließ der Griechenland-begeisterte König hier »Isar-Athen« errichten. Den Anfang machte Klenzes Glyptothek (1816–1830) auf der Nordseite des Platzes, in der hinter ionischen Säulen und in wand bemalten, marmorgeschmückten Räumen Ludwigs I. Antikensammlung öffentlich ausgestellt wurde. Georg Friedrich Ziebland schuf 1838–1845 das Kunst- und Industrie-Ausstellungsgebäude (heute Staatliche Antikensammlung) mit einem korinthischen Portikus. Bis zur Erbauung des Glaspalastes fanden hier die Kunstausstellungen der Akademie und Industrieausstellungen statt; später wurde hier die Kunst der Münchner Secession präsentiert. Die Antikensammlung zog erst nach dem Wiederaufbau (1963–1967) ein.

Den westlichen Abschluss des Platzes und ursprünglich auch des »neuen München« sollte ein Stadttor bilden. Freilich war die Stadt bei Baubeginn von Klenzes dorischen Propyläen 1845–1862 (benannt nach dem Vorbau am Aufgang zur Akropolis) bereits über den Königsplatz hinausgewachsen. Nachdem Ludwigs I. Sohn Otto I. 1835 griechischer König geworden war, wurden die Propyläen als Denkmal konzipiert, das an die Befreiung Griechenlands mit Hilfe der Wittelsbacher erinnern sollte; doch noch vor der Fertigstellung der Propyläen war Otto I. bereits wieder abgesetzt worden. Auf dem Giebel der Platzseite stellte Ludwig von Schwanthaler den thronenden Otto I. dar. Aufgrund der Gefährdung durch die starke Luftverschmutzung wurde der Originalgiebelfries 1985 durch eine Kopie ersetzt und ist seither im U-Bahnhof Königsplatz ausgestellt.

Nachdem die NSDAP 1930 das Palais Barlow in der Brienner Straße 45 zum »Braunen Haus« umgestaltet hatte, wurde der Königsplatz zum Kultort der Partei und zum Aufmarschplatz degradiert. Am 10. Mai 1933 fand hier die Bücherverbrennung statt. 

1934/1935 wurden die sogenannten »Ehrentempel« für die »gefallenen Kämpfer« des Hitler-Putsches sowie der »Führerbau« und der »Verwaltungsbau der NSDAP« (Ecke Brienner Straße/ Arcis- bzw. Katharina-von-Bora-, bisher Meiser-Straße) an der Stelle historistischer Villen errichtet – in einer war Thomas Manns Ehefrau Katia Prings heim aufgewachsen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verkam der Königsplatz zum Parkplatz. Erst 1986 –1988 wurden die Granit platten, die die Nationalsozialisten ausgelegt hatten, entfernt und die begrünte Anlage wurde geschaffen. Auch nach 1945 war der Königsplatz Ort zahlreicher Großveranstaltungen. So versammelten sich hier Mitte September 1951 200.000 Men - schen zum Bundestreffen der Schlesier, im Mai 1960 veranstalteten US-amerikanische und bundesdeutsche Truppen auf dem Königsplatz eine gemeinsame Militärparade und der Deutsche Gewerkschaftsbund hielt hier regelmäßig seine Kundgebungen zum 1. Mai ab. Heute finden auf dem Königsplatz in begrenzter Zahl kulturelle Veranstaltungen statt.

Königsplatz 0

Lenbachhaus

1854 wurde der als Sohn des Schrobenhausener Stadtmaurermeisters geborene Lenbach an der Münchner Akademie der Bildenden Künste angenommen. Hier förderte ihn Karl Theodor von Piloty. Nach Studienjahren in Italien machte Lenbach als Porträtmaler Karriere und wurde 1882 in den persölichen Adelsstand erhoben. 1896 erwarb er ein Grundstück am Königsplatz – dem damaligen Zentrum der Kunst me tropole. Nach toskani schem Vorbild gestaltete er mit Gabriel von Seidl den Atelier flügel und die repräsentative Villa mitsamt Garten. Der Maler fürst bezog das Anwesen mit sei ner zweiten Ehefrau Lolo (Charlotte von Hornstein, 1861–1941).

Lolo von Lenbach, selbst eine ausgebildete Malerin, verhandelte erfolgreich mit der Stadt München um die Einrichtung einer Städtischen Galerie. 1924 verkaufte sie die Gebäude und das Grundstück und spendete der Stadt Teile von Lenbachs Kunstsammlung und seines eigenen Werks. Als Pendant des Atelierflügels entstand der rechtsseitige Galerietrakt. Das Lenbachhaus, das der Münchner Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts gewidmet ist, wurde 1929 in der Luisenstraße 33 eröffnet. Mit der Schenkung Gabriele Münters im Jahr 1957 begann der Ausbau der bedeutendsten Sammlung des »Blauen Reiters«. Es ist eine glückliche Fügung, dass sich diese heute in der Maxvorstadt befindet, hatten hier doch bereits die Protagonisten der Künstler gruppe gelebt und gearbeitet (so z.B. Wassily Kandinsky mit Münter in der Schellingstraße 75, Franz Marc in der Nr. 33). 1972 entstand ein Erweiterungs bau, 1994 der Kunstbau in der U-Bahn-Haltestelle Königs platz. Nach mehrjährigen Neu- und Umbauarbeiten wurde die Galerie 2013 wieder eröffnet und um einen Erweiterungsbau des Architekturbüros »Foster + Partners« ergänzt.

Königsplatz 0

Verein für Fraueninteressen und Frauenarbeit

In der Brienner Straße 40 befand sich 1910– 1935 der »Verein für Fraueninteressen und Frauenarbeit«, der sich für die Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium und für die Reform der Armenpflege und des Vormundschaftswesens engagierte. Die erste Vor sitzende war Luise Kiesselbach, die für die Deutsche Demokratische Partei im Stadtrat saß.

Brienner Straße 40

Richard-Wagner-Straße

Der 1897 angelegte Straßenzug ist nach dem gefeierten Komponisten benannt, der 1864/1865 in der Brienner Straße 21 lebte. Die Nähe zum Königsplatz machte die Straße zu einer Adresse des gehobenen Bürgertums. Leonhard Romeis verwendete beim Bau der Häuser (1899–1906) Zitate verschiedener Bauepochen, um den Eindruck einer gewachsenen Straße zu erwecken. Zu den modernen Gebäuden zählen der ehemalige E.ON-Bürokomplex und ein Kindergarten.

Im Haus Nr. 7 lebte Josef Schülein (1854–1938), der die Aktiengesellschaft »Unionsbrauerei Schülein & Cie.« zu einer der größten Brauereien Münchens ausbaute. Die Nationalsozialisten hetzten gegen sein »Judenbier«, und Schülein zog sich auf Gut Kaltenberg zurück, das ihm mitsamt Brauerei gehörte. Er starb dort im September 1938. 1940 bezog die NS-Pferderennsportorganisation »Kuratorium für das Braune Band Deutschlands« Schüleins Haus.

In der Nr. 11 befand sich ein sogenanntes »Judenhaus«. Nach dem Tod der jüdischen Besitzer wurden hier »entmietete« Juden zwangsuntergebracht. Hier lebten bis 1941 22 Per so nen, die aufgrund des »Gesetzes zu Mietverhältnissen mit Juden« vom 30. April 1939 aus ihren Wohnungen vertriebe nen wor den waren. Anschließend wurden sie in das jüdische Alters heim oder in das Sammellager an der Knorrstraße ab geschoben und in Konzentrationslager deportiert. »Bedürftige Arier« zogen in die »freigewordenen Judenwohnungen«.

Der jüdische Chirurg Alfred Haas betrieb in der RichardWagner-Straße 17 und 19 eine erfolgreiche Privatklinik. Nach Entzug der Approbation im Oktober 1938 emigrierte er mit seiner Familie in die USA. Die Klinikräume wurden als Entbindungsanstalt genutzt und nach dem Krieg von Franziskanerinnen betrieben; zahlreiche Münchnerinnen und Münchner erblickten hier das Licht der Welt.

Fritz Gerlich (1883–1934), antinationalsozialistischer Herausgeber der Zeitung »Der gerade Weg«, lebte ab 1921 in der Nr. 21; nach der Machtergreifung wurde er umgehend inhaftiert und 1934 im KZ Dachau ermordet.

Richard-Wagner-Straße 0

Hope Bridges Adams Lehmann

Sie war die erste praktische Ärztin und Gynäkologin Mün - chens und Bayerns. 1880 hatte sie in Leipzig als erste Frau in Deutschland ein medizinisches Staatsexamen abgelegt, das 1904 nachträglich anerkannt wurde. Sie wurde in Bern promoviert und erhielt 1881 in Dublin eine englische Approbation. Seit 1881 praktizierte sie zusammen mit ihrem ersten Mann in Frankfurt, dann im Schwarzwald. In München wohnte und wirkte sie ab 1896 zusammen mit ihrem zwei - ten Ehemann Carl Lehmann in der Gabelsbergerstraße 20a (heute 51). Der Exilant Lenin nutzte die Wohnung des politisch enga gierten Ehepaars als Post-Deckadresse, August Bebel und Clara Zetkin waren häufig zu Gast.

In ihrem vielfach aufgelegten »Frauen buch« von 1896 be - schränkte sich Adams Lehmann nicht auf medizinische Fragen, sondern plädierte für ein partnerschaftliches Zusammenleben von Mann und Frau, für Alltagsreformen und für ein neues Verhältnis zur Sexualität, wobei sie auch Themen wie Masturbation und lesbische Liebe nicht aussparte.

Vergeblich bemühte sie sich um die Verwirklichung eines großen Klinikprojek tes, in dem Frauen aller sozialen Schichten bei medizinisch bester Betreuung entbinden konnten. Sie sah dort auch ein Müttergenesungsheim vor.

1914 wurde Adams Lehmann angeklagt, aus sozialen Grün - den Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen zu haben. Die Untersuchung wurde 1915 zwar eingestellt, doch ihr Ruf war ruiniert. Seit 2004 erinnert die Adams-Lehmann-Straße in Schwabing an die visionäre und tatkräftige Ärztin.


Technische Universität

Die TUM ist eine der größten und angesehensten Technischen Hochschulen Deutschlands. 1868 durch Ludwig II. als Polytechnische Schule im Rang einer Universität gegründet, wurde sie 1877 Technische Hochschule und 1970 Technische Universität. Namhafte Wissenschaftler, Architekten, Ingenieure und Unternehmer waren mit ihr verbunden, darunter Rudolf Diesel, Carl von Linde, Friedrich von Thiersch, Oskar von Miller, Rudolf Mößbauer und Ernst Otto Fischer.

Im Gründungsjahr bezog die Hoch schule das von Gottfried von Neureuther ge schaffene Gebäude an der Arcisstraße 21. Aufgrund des wachsenden Fächer spektrums kamen im Laufe der Jahre zahlreiche An-, Neu- und Erweiterungs bauten hinzu. Im Luft krieg wurden die Gebäude zu 80 Prozent zerstört, danach in veränderter Form wieder aufgebaut. Abgesehen von zahlreichen Sondereinrichtungen verteilt sich die TUM heute auf drei Hauptstandorte: das Stammgelände in der Münchner Maxvorstadt, den Campus in Garching und die Hochschuleinrichtungen in Freising-Weihenstephan.

Die beiden »Rossebändiger«-Gruppen von Bernhard Bleeker und Hermann Hahn symbolisieren den Sieg der Intelligenz über die rohen Naturkräfte. Sie wurden 1931 nebeneinander vor dem Haupteingang der Hochschule aufgestellt; umgehend entbrannte eine Kampagne gegen die »nackat’n Lackl«. 1957 wurden die Figuren auf gegenüberliegenden Straßen seiten installiert; Hahns Werk befindet sich vor dem Westflügel der Alten Pinakothek. Bleekers kriegszerstörtes Pferd wurde eingeschmolzen. Die ebenfalls beschädigte Plastik Hahns wurde 1994 in Beate Passows und Andreas von Weizsäckers europäisches Kunstprojekt »Wunden der Erinnerung« eingebunden.

Arcisstraße 0

Die Pinakotheken

Als erste der drei Pinakotheken entstand 1826–1836 der moderne Galeriebau Leo von Klenzes. Auftraggeber war Ludwig I., der hier in einer durchdachten Raumfolge bei optimalen Beleuchtungs verhältnissen die Gemäldesammlung des Wittelsbacher Königshauses öffentlich ausstellen wollte. Zu sehen sind herausragende Werke vom Mittelalter bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Philhellenist Ludwig I. nannte den Bau »Pinakothek« und griff damit eine altgriechische Bezeichnung auf. Der Zusatz »Alt« kam mit der Entstehung der gegenüberliegenden »Neuen Pina - kothek« hinzu. Diese ließ Ludwig I. 1846–1853 aus Privatmitteln errichten, um hier – und das war damals einzigartig – Werke der Gegenwartskunst auszustellen. Gezeigt werden Malereien und Skulpturen des 19. Jahrhunderts.

Die Pinakothek der Moderne (Barer Straße 40) ist eines der weltweit größten Häuser zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Sie entstand 1996–2002 nach Plänen von Stephan Braunfels mit einer charakteristischen Rotunde von 30 Metern Durchmesser. Der Bau beherbergt vier Museen: die Sammlung Moderne Kunst der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, das Staatliche Museum für angewandte Kunst, das Architekturmuseum der TUM und die Staatliche Graphische Sammlung. Ein Erweiterungsbau ist vorgesehen.


Oskar Maria Graf

Um den Schikanen des älteren Bruders zu entkommen, verließ der Bäcker sohn 1911 das heimatliche Berg am Starnberger See und zog nach München. 1919–1931 lebte Graf in der Barer Straße 37. Naiv, schüchtern und ein wenig tollpatschig lernte er das Stadt leben kennen; er gelangte in die Schwabinger Boheme, veröffentlichte in der »Jugend« und im »Simplicissimus« und schrieb seinen ersten Roman »Frühzeit«. Selbst ironisch bezeichnete er sich als »Provinzschriftsteller. Spezialität: ländliche Sachen« und pflegte dieses Image, indem er meist in Lederhosen und Trachtenjanker auftrat. Im Gegensatz zur damals populären Volksliteratur sind Grafs sozialkritische Provinz- und Milieuschilderungen frei von falschem Idyll und Heroisierungen der einfachen Leute. Seinen literarischen Durchbruch schaffte Graf 1927 mit dem autobiografischen Roman »Wir sind Gefangene«, in dem er u.a. die Revolutionszeit 1918/1919 beschreibt, die er an der Seite der Anarchisten um Erich Mühsam und Gustav Landauer erlebte. (Th. Krebs)

Barer Straße 37

Johannes R. Becher

In der Heßstraße 5 befand sich das Elternhaus von Johannes R. Becher (1891–1958). Becher war expressionistischer Lyriker und machte nach seinem Moskauer Exil Karriere in der DDR: Er wurde erster Präsident des Kulturbundes und Kulturminister. Bekannt ist er uns heute auch als Verfasser des Textes der DDR-National - hymne.

Heßstraße 5

Gedenktafel - Gustav Landauer

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Bildrechte: © Gerhard Willhalm, Gedenktafel - Gustav Landauer, CC BY-NC 4.0

Der Sozialist Gustav Landauer (1870 –1919) war vom 7. bis 16. April 1919 Volksbeauftragter für Volksaufklärung in der Münchner Räterepublik. Nach deren Niederschlagung wurde er am 2. Mai 1919 in Stadelheim von Freikorpssoldaten ermordet. An Landauer, der selbst auch Übersetzer war, erinnert eine Gedenktafel am Gebäude des Fremdspracheninstituts der Landeshauptstadt München in der Amalienstraße 36.

Amalienstraße 36

Ellen Ammann

Nach ihrer Heirat mit dem Arzt Othmar Ammann nahm die gebürtige Schwedin die bayerische Staatsbürgerschaft und den katholischen Glauben an. In Mün - chen setzte sich die sechsfache Mutter für die gesellschaftliche Gleichberechtigung der Frau ein und gründete zahlreiche Wohltätigkeitsvereinigungen wie die erste katholische Bahnhofsmission 1897 und den bayerischen Zweig des »Katholischen Frauenbundes« 1904.

In ihrem Wohnhaus in der Theresienstraße 25 befanden sich die Unterrichtsräume der »Sozialen und karitativen Frauen - schule des Katholischen Frauenbundes«, die Frauen mit Hilfe eines anerkannten Staatsexamens zu beruflicher Selbständigkeit verhelfen sollte.

Ammann beschränkte sich nicht auf ehrenamtliches Engagement. 1918 war sie Gründungsmitglied der Bayerischen Volkspartei, für die sie von 1919 bis 1932 im Landtag saß. Die engagierte Abgeordnete trug dazu bei, den Hitler-Putsch vom 9. November 1923 zu vereiteln: Sie versammelte alle erreichbaren Regierungsmitglieder in der Frauenschule, initiierte eine den Putsch als Staatsverbrechen verurteilende Resolution und erwirkte die Verlegung zusätzlicher Reichswehreinheiten nach München. Zuvor hatte sie gefährdeten Personen zur Flucht aus München verholfen – darunter den Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann, die später Ammanns herausragende Rolle beim Scheitern des Staatsstreiches herausstellten.

Während sie eine familienpolitische Rede hielt, erlitt Ammann am 22. Januar 1932 im Landtag einen Schlaganfall. An ihrer Beerdigung am Alten Südfriedhof nahmen Tausende von Trauergästen teil, darunter auch das gesamte bayerische Kabinett.

Schraudolphstraße 1

Franz Josef Strauß

Der spätere Bundesminister und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (1915–1988) wuchs in einfachen Verhältnissen in einer Hinterhofwohnung in der Schellingstraße 49 auf. Hier besaß der aus Mittelfranken stammende Vater eine Metzgerei. Auch die Mutter war als Arbeitsuchende in die Landeshauptstadt gekommen: Die Niederbayerin arbeitete bis zur Trauung als Köchin. Eigentlich sollte der einzige Sohn die Metzgerei übernehmen. Es ist dem spezifischen Umfeld der Maxvorstadt und der Nähe von Bildungseinrichtungen zu verdanken, dass der intelligente Junge den Weg aus dem einfachen Handwerkermilieu fand: Auf Rat eines Benediktinerpaters wechselte Strauß von der Volksschule an der Amalienstraße auf die Gisela-Realschule. Der Universitätsprofessor Johannes Zellinger sorgte dafür, dass sein Ministrant das humanistische Max-Gymnasium in Schwabing besuchte. 1935 legte der Metzgersohn das landesweit beste Abitur ab. Das Studium der Altphilologie, Geschichte und Volkswirtschafts lehre absolvierte er an der LMU.

Am 7. Oktober 1988 kehrte der wenige Tage zuvor verstorbene Ministerpräsident ein letztes Mal in die Maxvorstadt zurück: Nach der Aufbahrung im Prinz-Carl-Palais wurde der Leichnam von einem mehrere Tausend Menschen zählen den Trauerzug über die Ludwigstraße zur Schellingstraße und zum Siegestor begleitet. Die Beisetzung erfolgte in der Familiengruft in Rott am Inn.

Schellingstraße 49

Schellingstraße – Einfallstor der NSDAP in die Maxvorstadt

Die nach dem Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775 –1854) benannte Straße ist mit ihren knapp 2000 Metern die längste durchgehende Straße der Maxvorstadt. Bald nach Neugründung der NSDAP 1925 prägten Partei mit glieder und Hitler-Anhänger das Bild des Universitätsviertels.

Heinrich Hoffmann, dessen Firma für »Photographische Berichterstattung« sich seit 1924 im Hinterhaus der Nr. 50 befand, überließ der NSDAP 1925 einige Räume als Geschäfts stelle. Bis zum Umzug in das repräsentative »Braune Haus« 1930 wurde die deutschlandweit agierende Partei von hier aus organisiert. Als Hitlers Leibfotograf trug Hoffmann wesentlich zum Aufstieg Hitlers und der NSDAP bei. Über Hoffmann lernte Hitler auch die Fotolaborantin Eva Braun kennen. Über dem Eingang des 1935/1936 erbauten Vorderhauses ist bis heute ein Hoheitsadler deutlich erkennbar. In der heute nicht mehr existierenden Nr. 39/41 befand sich das Buchgewerbehaus »Müller & Sohn«. In den Hofgebäuden wurde auf modernen Rotationsmaschinen u.a. der »Völkische Beobachter« gedruckt, dessen Redaktion 1922 das Vorderhaus bezog. Auf denselben Maschinen und im selben Format produziert, erschien hier ab 1945 die erste von den US-Amerikanern lizenzierte Zeitung: die »Neue Zeitung« mit Hans Habe als Chefredakteur, Erich Kästner als Feuilletonchef und den Redakteuren Alfred Andersch und Walter Kolbenhoff. Letzterer berichtet über diese Zeit in »Schellingstraße 48«, benannt nach seinem damaligen Domizil und Treffpunkt der »Gruppe 47«. 

Später erschien hier auch die Münch ner Ausgabe der »Bild«-Zeitung. Infolge des Anschlags auf Rudi Dutschke belagerten Studenten am 11. April 1968 das Buchgewerbehaus, um die Ausliefe rung des Springer-Blatts zu verhindern. Die Demonstration eskalierte am 15. April 1968 und endete mit zwei Toten.

Schellingstraße 0

Künstlerkneipe Simplicissimus

Die Wirtin Kathi Kobus (1854 –1929) eröffnete 1903 in der Türkenstraße 57 die Künstlerkneipe »Simplicissimus«. Diese war neben dem legendären Café Stefanie (Amalienstraße 14, heute 25, kriegszerstört) ein Szenetreff der sogenannten Schwabinger Boheme. Zu den Stammgästen zählten Frank Wedekind, Ludwig Thoma, Erich Mühsam, Oskar Maria Graf, Franz Marc und Franziska zu Reventlow. Viele von ihnen gestalteten auch das kaba rettistische Unterhaltungsprogramm. Im renovierten »Alten Simpl« ist das Flair der einstigen Boheme-Atmosphäre auch heute noch zu erahnen.

Türkenstraße 57

Georg-Elser-Platz und Türkenschule

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Seit 1997 erinnert der Platz bei der Türkenschule an den aus Württemberg stammenden Schreiner Georg Elser (1903–1945), der im August 1939 mit dem Ziel, Hitler zu töten und so den drohenden Krieg zu verhindern, nach München gekommen war. Er mietete sich in der Türkenstraße 94 ein und baute dort mehrere Monate an seiner Bombe. Nach dem Scheitern des Bürgerbräu-Attentats wurde Elser in der Nacht des 8. Novembers 1939 festgenommen. Da das Regime Elser nach dem »Endsieg« in einem Schauprozess verurteilen wollte, wurde er erst nach Jahren der KZ-Haft am 9. April 1945, unmittelbar vor Kriegsende, ermordet.

Die Türkenschule entstand 1872–1874 nach Plänen von August Voit d.J. und Arnold Zenetti. Sie wurde als »Simultanschule« gegründet: Katholische, protestantische, »israelitische« und glaubenslose Mädchen und Jungen wurden hier gleichberechtigt aufge nommen – im Gegensatz zur katholischen Amalienschule. Die heutige Gestaltung im Stil der Neuen Sachlichkeit ist auf den Wiederaufbau durch Gustav Gsaenger zurückzuführen.

Türkenstraße 0

Türkenkaserne

Im Zuge des Ausbaus Münchens als Garnisonsstadt entstand ab 1823 die »Kaserne an der Türken straße«, später »PrinzArnulf-Kaserne«, zwischen Barer-, Gabelsberger-, Türken- und Theresienstraße. Diese Gegend war damals noch nahezu un bebaut, doch schon bald folgten Handwerksbetriebe, Läden und Kneipen, und Militärange hörige ließen sich mit ihren Familien in Kasernennähe nieder. Nachdem hier zunächst drei Regimenter stationiert waren, wurden 1894 die »Leiber« (Infanterie-Leibregiment der Wittelsbacher) die alleinigen Bewohner. Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Bayerische Landespolizei ein, im »Dritten Reich« die Wehrmacht. Nach 1945 befanden sich hier Woh nungen, diverse Geschäfte und der legendäre »Jazzkeller«. Dem Abriss in den 1960er Jahren entging lediglich der einstige Haupteingang (»Türkentor«), der nach Jahren des Ver falls 2009 als Ausstellungsgebäude restauriert wurde. Auf dem ehemaligen Kasernenareal siedel ten sich naturwissenschaft liche Institute der LMU, das Museum »Reich der Kristalle« und die Pinakothek der Moderne an. Im Mai 2009 wurde das »Museum Brandhorst« an der Ecke The resienstraße/Türken straße eröffnet. Das staatliche Mu - seum beherbergt die Stiftung der Namensgeber Anette und Udo Brandhorst. Es zeigt Werke der zeitgenössischen Kunst.

Türkenstraße 17

Wohn- und Geschäftshaus von Sep Ruf

Dem Museumsbau gegenüber befindet sich das von Sep Ruf entworfene Wohn- und Geschäftshaus an der Theresienstraße 46/48. Es entstand 1950–1952 im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus. Der Stahlbetonskelettbau gilt als Meilenstein des modernen Bauens in der Nachkriegszeit. An der Ostseite erinnert eine Gedenktafel an den »Dichter-Arzt« Hans Carossa, der 1914– 1929 in dem Vorgängerbau Nr. 46 wohnte.

Theresienstraße 46

Wittelsbacher Palais

An der Brienner Straße 18/20, wo sich heute die Bayeri sche Landesbank befindet, stand einst das Wittelsbacher Palais. An diesem Gebäude lassen sich 100 Jahre bayerischer Geschichte ablesen: Kronprinz Maximilian wollte das Palais eigentlich selbst beziehen, doch bei Fertigstellung hatten sich die Verhältnisse grundlegend verändert: Der Bauherr zog als Max II. in die Residenz, und der abgedankte Ludwig I. bezog den von ihm wenig geliebten Neubau als Alterssitz; 1918 wurde Ludwig III. als letzter bayerischer König von dort vertrieben, und der Aktionsausschuss der Räterepublik zog ein. Im Herbst 1933 übernahm die bayerische Politische Polizei das Gebäude. 1934 entstand im Hof ein GestapoGefängnis, und das Palais wurde zur Terrorzentrale: Hier fanden in Nacht- und Nebelaktionen Verhöre und Folterun gen statt; auch Deportationslisten für den Holocaust wurden hier erstellt.

1951 wurden die Ruinen des kriegszerstörten Palais abgetragen, während das ehemalige Gestapo-Gefängnis nach Jahren der gewerblichen Nutzung erst 1964 abgebrochen wurde. 1961–1965 erwogen Staat und Stadt, hier ein zentrales Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus zu errichten; stattdessen entstand ein solches auf dem nahegelegenen »Platz der Opfer des Nationalsozialismus«. Außer dem gab es Pläne, an der Stelle des einstigen Wittelsbacher Palais das große Münchner Kulturzentrum zu bauen, das dann auf dem Gasteig entstand. Seit 1984 erinnert eine Bronzetafel an der Hausecke Türkenstraße/Brienner Straße an die wechselhafte Geschichte des Grundstücks.

Brienner Straße 18

Tonhalle (Kaim-Säle)

In der Türkenstraße 5/7 stand die 1895 vom Jugendstilarchitekten Martin Dülfer errichtete Tonhalle (Kaim-Säle). Hier rief Thomas Mann am 30. November 1926 zum »Kampf um München als Kulturzentrum« auf. 1942 wurde der neben dem Odeon einzige Münchner Konzertsaal Stammhaus der »Münchner Philharmoniker«. Die Tonhalle wurde im Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Türkenstraße 5

Karolinenplatz

Der Karolinenplatz entstand 1809 im Zuge des von Friedrich Ludwig von Sckell und Karl von Fischer konzipierten Rasterplans für die Maxvorstadt als repräsentative Platzanlage entlang des Residenz und Schloss Nymphenburg verbin den - den »Fürstenweges« (heute Brienner Straße). Er ist benannt nach Königin Karoline (1776 –1841), der zwei - ten Ehefrau von König Max I. Joseph. Trotz Kriegszerstörungen ist Fischers Konzept »einer durchgrünten Gartenvor stadt mit Pavillonbebauung« noch heute ablesbar. Der Obelisk in der Platzmitte wurde 1833 aufgestellt und erinnert an die 30.000 bayerischen Soldaten, die 1812 auf Napoleons Russ - landfeldzug umkamen. Bayern war Anfang Oktober 1813 auf die Seite der Napoleon-Gegner (Russland, Österreich, Preußen, Schweden und England) gewechselt. Mit der Inschrift an dem Obelisken (»Auch sie starben für des Vaterlandes Befreyung«) versuchte König Ludwig I., den Tod der bayerischen Soldaten im Russlandfeldzug nachträglich als Beitrag zur Befreiung von der napoleonischen Herr schaft zu werten. Diese Umdeutung einer historischen Tat sache führte später immer wieder zu Debatten um die Aussage auf dem Obelisken.

Die Adresse Karolinenplatz 5 (Prinz-Georg-Palais) steht für eines der grausamsten Verbrechen im Zuge der Niederschlagung der Räterepublik. Im Hof und im Keller ermordeten Regierungstruppen 21 Mitglieder des »Katholischen Gesellenvereins St. Joseph«, die sie zuvor in deren Vereinslokal in der Augustenstraße festgenommen hatten. Die Kolping-Gesellen waren als »Spartakisten«, also als Anhänger der Räterepublik, denunziert worden. Die Beisetzung der bestialisch Ermordeten fand unter großer Anteilnahme der Münchner Bevölkerung auf dem Westfriedhof statt; die Grabrede hielt Pater Rupert Mayer.

Nach ihrem Einzug in das nahegelegene Palais Barlow erwarb die NSDAP systematisch die meisten Villen am Karolinen platz. An der Stelle des kriegszerstörten Asbeck- (später Lotzbeck-) Palais entstand 1955–1957 das Amerika-Haus. Vor dem Umzug an den Karolinenplatz war diese Einrichtung der US-amerikanischen Demokratisierungspolitik zunächst im ehemaligen »Führerbau« untergebracht. Seit Januar 1998 ist das »Bayerisch-Amerikanische Zentrum im Amerika-Haus München e.V.« Träger der Einrichtung.

Karolinenplatz 0

Marsplatz

Der Marsplatz wurde auf einem Gelände angelegt, das seit dem 18. Jahrhundert für militärische Übungen von Infanterie und Kavallerie genutzt worden war. Der damals wichtigste Exerzierplatz der Münchner Garnison lag zwischen Bayerstraße, Nymphenburger Straße, Landshuter Allee und dem alten »Galgenberg« (auf der Höhe der heutigen Hackerbrücke). Dieses Gebiet wurde erst 1835 der Dorfgemeinde Neu hau sen entzogen und der Stadt München zugeschlagen. Der ab 1803 als Marsfeld bezeichnete Exerzierplatz, die Marsstraße und der Marsplatz sind benannt nach dem römischen Kriegsgott Mars.

Ab 1885 wurde das Marsfeld städtebaulich gestaltet, weite Teile des militärischen Geländes wurden als Bauland veräußert und mehrere militärische Großbauten errichtet. An der Südseite des Marsplatzes errichtete man nach und nach verschiedene schulische Einrichtungen. 1906/1907 entstand das Wittels bacher Gymnasium. In seiner autobiographi schen Erzählung »Der Vater eines Mörders« beschreibt Alfred Andersch eine Schulstunde bei Gebhard Himmler, dem Vater Heinrich Himmlers, der hier 1922–1930 Schulleiter war. Diese Darstellung lehnte Andersch’ ehemaliger Mitschüler, Rechtsanwalt Otto Gritschneder, öffentlich als unwahr ab.

Seit 1955 steht das Senefelder-Denkmal auf dem Marsplatz und erinnert an Alois Senefelder (1771–1834), der in München die Lithografie erfand.

 

Marsplatz 0

Zirkus Krone

Carl Krone (1870–1943) und seine Frau Ida (1876 –1957) gründeten 1904 den Circus Krone. Das Stammhaus wurde in den unruhigen Revolutionstagen am 10. Mai 1919 eröffnet. Der Holzbau hatte 3420 Plätze, davon 360 Logenplätze und diente als standfestes Winterquartier, das im Sommer für andere Zwecke vermietet wurde. Bis zur Errichtung der Olympiahalle 1972 war der Krone-Bau der größte Veranstaltungssaal Münchens. Hier fanden zahlreiche kulturelle und politische Großveranstaltungen statt, z.B. der erste Reichsparteitag der NSDAP im Januar 1923. Der nach Kriegszerstörungen wieder errichtete Bau wird weiter hin für Kultur- und Konzertveranstaltungen genutzt.

Links neben dem Krone-Bau befindet sich die 1926–1928 errichtete Krone-Villa. Davor steht seit 1983 die von Kurt Moser geschaffene lebens große Bronzefigur des berühm - ten Clowns Charlie Rivel (1896–1983). Dieser entstammte einer katalonischen Artistenfamilie, gastierte weltweit und prägte mit seinem orangeroten Haarkranz und der eckigen, roten Nase den Prototypen des Zirkusclowns. 1931 entwickelte Rivel die Nummer »Akrobat – schööön!«.

Marsstraße 0

Silos der Spatenbrauerei

Schräg gegenüber sind die Silos der Spatenbrauerei zu sehen, die sich seit 1854 in der Marsstraße 46 – 48 befindet. Die Brauerei nutzte als erste die von Carl Linde erfundene Eismaschine – die Voraussetzung für die nun einsetzende industrielle Bierproduktion.

Marsstraße 0

Paketzustellamt und Oberpostdirektion

Die Postgebäude an der Arnulfstraße 62 und 60 sind Bauten der 1920 gegründeten Bayerischen Postbauschule. Diese brachte unter Robert Vorhoelzer in München und in ganz Bayern zah reiche Postbauten im hier ansonsten seltenen Stil des Neuen Bauens hervor. Hinter der traditionalistischen Fassade an der Arnulfstraße liegt das funktionell geprägte Paketzustellamt. Es entstand 1925–1930 nach Plänen von Vorhoelzer, Walther Schmidt und Franz Holzhammer. In der Mitte des von der Wredestraße einsehbaren Osthofs befindet sich der Rundbau der Paketverteilhalle, die im Westen mit der Lager- und Zollhalle verbunden ist. Die im Durch mes - ser 52 Meter breite Paketverteilhalle ist ein frühes Beispiel einer allein aus Be triebs abläufen entwickelten Zweckarchitektur in Stahlbeton. 

1983 –1985 erfolgte der Umbau zur Kantine; heute wird der Bau für Events und Partys vermietet.

Der Bau der Oberpostdirektion war das größte Projekt der Bayerischen Reichs postbauabteilung. Hier wurden die bisher an verschiedenen Standorten (u.a. im nahegelegenen Ver kehrs minis terium) untergebrachten Bereiche der Post-, Telegrafen- und Fernsprechverwaltung zusammengefasst. Der Entwurf für den 1922–1924 errichteten Verwaltungsbau stammte von Vorhoelzer, der hier Merkmale der Neuen Sachlichkeit mit traditionellen Schmuck elementen kombinierte.

Arnulfstraße 62

Bayerischer Rundfunk und ehemaliges Verkehrsministerium

Mit der Erstausstrahlung der »Deutschen Stunde« begann am 30. März 1924 das Rundfunkzeitalter in Bayern. Über vier Jahre wurde aus einem Studio im Verkehrsministerium gesendet; dann konnte das von Richard Riemerschmid im Stil der Neuen Sachlichkeit geplante Funkhaus bezogen werden. Über die Jahre wurde das Stammhaus am Rundfunkplatz 1 aufgestockt und durch zahlreiche Erweiterungsbauten ergänzt; 1974 –1976 entstand das BR-Hochhaus an der Arnulfstraße. Nach dem Krieg unterstand »Radio München« der Kontrolle der US-amerikanischen Militärverwaltung; am 25. Januar 1949 erfolgte die Gründung des »Bayerischen Rundfunks« als selbständiges öffentlich-rechtliches Medienunternehmen.

Das neubarocke Gebäude des Verkehrsministeriums entstand 1905–1912 nach Plänen von Karl Hocheder zwischen Hopfen-, Arnulf-, Seidl- und Marsstraße. Die weitläufigen Dimensionen und der materielle und gestalterische Aufwand sollten Bayerns Festhalten an den Reservatrechten eines eigenen Bahn-, Post- und Telegrafenwesens unterstreichen. Freilich verlor der Staat wesentliche dieser Funktionen bereits nach dem Ersten Weltkrieg. Nach 1945 hatte sich auch diese Art staatlicher Monumentalarchitektur überlebt. Nacheinander wurden einzelne Trakte der kriegsbeschädigten Anlage abgetragen: 1959 verschwand die 72 Meter hohe Kuppel, 1966 musste der Torbau dem zunehmenden Verkehrsaufkommen an der Arnulfstraße weichen. Die verbliebenen Gebäudeteile (Arnulfstraße 9/11 und Hopfenstraße 4/6/8) verloren ihren baulichen Zusammenhang und wurden von unterschiedlichen Nutzern bezogen.

Rundfunkplatz 1

Dachauer Straße (südlicher Teil)

Der in der Nähe des Hauptbahnhofs gelegene südliche Teil der Dachauer Straße hat ein besonderes Flair. Seit jeher sind hier zahlreiche Vergnügungs betriebe, Hotels und Restau rants an gesiedelt. Besonders gut vertreten sind heute die arabische und die asiatische Küche. In der Nr. 16 befindet sich das »Neue Gabriel«, das als ältestes, durch gehend bespieltes Filmtheater Mün chens gilt. Seit es 1907 als »The American Bio/Carl Gabriel’s Theater lebender Bilder« eröffnet wurde, hat es freilich zahlreiche Veränderungen und Moder - nisierungen erlebt. Auch die Klientel wechselte. Nachdem es in den 1970er Jahren vor allem als Pornokino bekannt war, wird heute wieder ein reguläres Filmpro gramm gezeigt.

Der in Schlesien geborene Gründer, Carl Gabriel (1857–1931), entstammte einer Schaustellerfamilie. Er brachte zahlreiche Unterhaltungsattraktionen nach München und betrieb hier zahlreiche Kinos. So bereicherte er das Oktober fest u.a. um das Hippodrom und um diverse Fahrgeschäfte und eröffnete 1896 in der Neuhauser Straße ein Panopti kum, in dem er frühe Filme präsentierte. Nach dem »Neuen Gabriel« gründete er 1913 Münchens ersten Filmpalast, die »Sendlingertor-Lichtspiele«.

Dachauer Straße 0

Rund um den Stiglmaierplatz

Am Stiglmaierplatz kreuzt die Dachauer die Brienner Straße, die hier in die Nymphenburger Straße übergeht. 1845 wurde der Verkehrsknotenpunkt nach dem ersten Inspektor der königlichen Erzgießerei Johann Baptist Stiglmaier (1791–1844) benannt.

Seit 1851 steht das Atelier- und Bürogebäude der Mayer’schen Hofkunst anstalt F. X. Zettler an der Seidlstraße 25. Diese war 1847 als »Kunstanstalt für kirchliche Arbeiten« gegründet worden. Sie spezialisierte sich auf Kunst handwerkstechniken wie Altarbau, Plastik, Fassmalerei, Glasmalerei sowie Mosaikarbeiten und stattete zahlreiche Münchner Kirchen aus. Das für die Entwicklung und Ausstrahlung Münchens als »Kunststadt« des 19. Jahrhunderts bezeich nende Unternehmen wurde 1882 zur »Königlich-Bayerischen Hofkunstanstalt«. Bereits damals existierten Auslandsvertre tungen in London und New York. Auch heute hat die in der fünften Generation geführte Firma internationale Auftragge ber.

Das Volkstheater an der Brienner Straße 50 besteht seit 1983 als städtische Bühne. Zum Ensemble zählten u.a. Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander und Michael Lerchenberg. Als Nachfolger von Ruth Drexel übernahm Christian Stückl 2002 die Intendanz und verlieh dem Theater ein neues, jugendliches Profil. Der Theatersaal, der ursprünglich zum Haus des Sports gehörte, wurde schon in den 1960er Jahren durch das private »Theater an der Brienner Straße« bespielt. Hier fand bereits am 24. Oktober 1968 die deutschsprachige Erstaufführung des Hippie-Kult-Musicals »Hair« statt. Vorsorglich hatte das Münchner Amt für öffentliche Ordnung gefordert, »geschlechtsbezogene Vorgänge und unzüchtige Texte [……] zu entfernen«. Die Aufführungen fanden weitgehend unzensiert statt und waren regelmäßig ausverkauft.

Stiglmaierplatz 0

St.-Benno-Viertel

Die Erzgießereistraße erhielt um 1840 ihren Namen, weil sich hier zwischen 1825–1931 die königliche Erzgießerei befand. Ludwig I. förderte die Wiederbelebung des Erzgusses und bestellte hier zahlreiche Denkmäler. Internationale Aufträge folgten, nachdem die Löwen der Quadriga des Münchner Siegestors auf der Londoner Weltausstellung prämiert worden waren. Als herausragendste Leistung der Erzgießerei gilt der Guss der 18,5 Meter hohen Kolossalstatue »Bavaria« für die Theresienwiese. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg veranschaulichte ein eigenes Museum anhand von Mo dellen, Gussformen und Fotografien die Arbeit der Erzgießerei.

Aus Dankbarkeit für den gelungenen »Bavaria«-Guss stiftete Erzgießereiinspektor Ferdinand von Miller (1813 –1887) den nach ihm benannten Bauplatz für St. Benno. Der neuro manische Bau entstand 1888–1895 nach Plänen von Leonhard Romeis; er ist dem Schutzheiligen Münchens geweiht. 

Seit 1910 steht die in der Erzgießerei gegossene Bennosäule vor der Kirche; 2005 kam die von Iskender Yediler geschaffene Fischskulptur hinzu. Die Glasgemälde über dem Hochaltar sind bauzeitliche Werke der Mayer’ schen Hofkunstanstalt. Zentrum der lebendigen Kirchengemeinde ist das »Bennopolis« in der Kreittmayrstraße 29.


Ermordung von Stefan Bandera

Der ukrainische Nationalrevolutionär Stefan Bandera (1909–1959) wurde 1959 im Treppenhaus vor seiner Wohnung in der Kreittmayrstraße 7 von einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes ermordet

Kreittmayrstraße 7

Lena Christ

In der Sandstraße 45 befand sich einst die »Deutsche Eiche«, in der die Schriftstellerin Lena Christ (1881–1920) von 1893 bis 1901 als »Wirts-Leni« ihre Jugendjahre verbrachte. Dieser Zeit hat sie die »Erinnerungen einer Überflüssigen« gewidmet.

Sandstraße 45

Maßmannpark

Auf dem öden Gelände zwischen Dachauer und Schleißheimer Straße legte Kommerzienrat Dominikus von Schweiger um 1790 ein Mustergut an. Hier, auf dem sogenannten »Wiesen feld« an der Isar-Hangkante (»Maß - mannbergl«), gediehen die Früchte und es bot sich ein herrlicher Blick auf die Stadt silhouette.

Hans Ferdinand Maßmann, ein Schüler von »Turnvater« Jahn, wählte diesen Ort für die im Auftrag Ludwigs I. um 1829 errichtete erste kgl. öffentliche Turnanstalt bzw. Landesturnschule. Auf dem Areal zwischen Heß-, Schleißhei mer-, Maßmann- und Dachauer Straße entstand ein Turnplatz; 1837 und 1899 kamen zwei Turnhallen hinzu, die beide im Luftkrieg zerstört wurden. Heute befindet sich hier der beliebte Maßmannpark, der 2009 neu gestaltet wurde. Im Bereich des Erholungsparks wird ein mittelalterlicher jüdischer Begräbnisplatz vermutet; daher wurde hier vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ein Bodendenkmal eingetragen.

Maßmannstraße 0

Denkmal Ferdinand Maßmann

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Bildrechte: © Gerhard Willhalm, Gedenkstein - Hans Ferdinand Massmann, CC BY-NC 4.0

Maßmannstraße und -park sind benannt nach Hans Ferdinand Maßmann (1797–1874), 1829–1843 Professor für Germanistik in München. Der aus Berlin stammende Philologe prägte mit seiner 1831 erschienenen Schrift »Der Helden tod der bayerischen Landesverteidiger bei Sendlingen, 1 Stunde von München, in der Christnacht des Jahres 1705« über die Sendlinger Mordweihnacht mit der erfundenen Figur des »Schmieds von Kochel« eine heute gemein hin als urbayerisch geltende Legende.

Maßmannstraße 0

Wissenschaftlich-humanitäres Comitee München

Joseph Schedel, ein aus Bamberg stammender Apotheker, ist zum einen als Erforscher ostasiatischer Kultur bekannt. Zum anderen galt sein Interesse dem Abbau von Vorurteilen gegenüber Homosexuellen und dem Kampf gegen den § 175 StGB (1872–1994). 1899 nahm Schedel Kontakt zu Magnus Hirschfeld auf, der zwei Jahre zuvor in Berlin das Wissenschaftlich-humanitäre Comitee (WhC) gegründet hatte, mit dem die Homosexuellenbewegung in Deutsch land ihren Anfang nahm.

Im Herbst 1902 traf sich eine kleine Gruppe gesellschaftlich arrivierter Männer und gründete Münchens ersten Homo sexuellenverein, das WhC-München. Schedel wurde Vorsitzender und blieb treibende Kraft. Häufig fanden die Treffen in seinen Wohnungen in der Amalienstraße 16 (heute 29) und der Heßstraße 55 statt. Schedel initiierte Aufklärungspetitionen, unterzeich nete Eingaben gegen den § 175 StGB und baute eine beachtliche Bibliothek mit einschlägiger Literatur auf. Im Zuge der Affäre um den engen Berater Kaiser Wilhelms II., Fürst Philip von Eulenburg, löste sich das WhC-München 1908 wieder auf. Schedel verließ München und baute sich in China eine neue Existenz auf. Als älterer Herr kehrte er nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in München 1922 in seine Heimatstadt zurück und blieb dort bis zu seinem Tod.

Eine Wiederbelebung des homosexuellen Vereinslebens gelang in München erst wieder 1920. (A. Knoll).


Münchner Kammerspiele

In der Augustenstraße 89 befand sich die erste Adresse der 1911 gegründeten Münchner Kammerspiele. Unter Otto Falckenberg (Intendant 1917–1944) erfolgte 1926 der Umzug in den Riemerschmid-Bau in der Maximilianstraße.

Augustenstraße 89

St. Joseph und der Alte Nördliche Friedhof

1898 erfolgte die Grundsteinlegung für die Pfarrkirche St. Joseph im rasch wachsenden damaligen 7. Stadtbezirk, der bis dahin von St. Ludwig betreut worden war. Die neubarocke Hallenkirche entstand nach Plänen von Hans Schnurr, wurde 1902 geweiht und ist seit 1913 Pfarrkirche. Die Seelsorge übernahmen bis 2013 die Kapuziner. Der Josephsplatz entstand um 1900; ein Kinderspielplatz sorgt für dessen Belebung.

Der Alte Nördliche Friedhof entstand ab 1866 als zweiter Friedhof des schnell wachsenden München. Stadtbaurat Arnold Zenetti entwarf ihn für 7272 Gräber und 30 Grüfte, die sich über die rasterförmige Anlage verteilten. Beigesetzt wurden hier unter anderem der für München wichtige Landschaftsmaler Carl August Lebschée (1800 –1877), der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl (1823 –1897) und der Schriftsteller Hermann Lingg (1820 –1905). Seit 1939 finden hier keine Begräbnisse mehr statt, und es gab Pläne, den Friedhof einzuebnen. Nach erheblichen Kriegszerstörungen sind heute nur noch rund 800 Grabstätten erkennbar. An der Stelle der zerstörten Aussegnungshalle befindet sich inzwischen ein beliebter Kinderspielplatz.

Josephsplatz 0