KulturGeschichtsPfad

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Hauser Schloss

Am Rande des Allacher Forsts ließ der als »Millionenbauer« bekannt gewordene Lorenz Hauser (1869–1918) sein Traumschloss errichten. Entsprechend nannte er es »Schloss Waldeck«. Die neoromanische Anlage mit Herrenhaus, Kapelle, Stall- und Dienerschaftsgebäude sowie das westlich gelegene Pförtnerhaus entstanden zwischen 1899 und 1900. Im Park wurde ein von Würmwasser gespeister See mit Inseln angelegt.

Der »Hauser Lenz« entstammte dem Strohmaier-Hof in Neuhausen. Sein Vermögen verdankte er Grundstücksverkäufen in Neuhausen, das 1890 in die Königliche Haupt- und Residenzstadt München eingemeindet worden war. Der wegen seines ausschweifenden Lebensstils berüchtigte Bauherr hatte seinen Hauptwohnsitz 1902 bis 1904 in seinem Allacher Schloss und feierte hier sagenumwobene Gelage. 1908 verkaufte Hauser das Schloss, das zum Spekulationsobjekt wurde und zahlreiche Besitzerwechsel durchmachte. 1936 erwarb es der Münchner Arzt Ludwig Gilmer und 1942 die Bayerischen Motorenwerke (BMW), die in der Nachbarschaft ein Werk errichtet hatten. Wegen drohender Luftangriffe bekam das Gebäude einen Tarnanstrich, auf dem Turm wurde eine Flugabwehrkanone installiert und das Schloss wurde als Befehlsstand und Krankenhaus genutzt. Von Kriegsende bis 1955 nutzten US-Truppen das Gebäude als Jagd- und Fischereiklub. 1955 erwarb die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) einen Teil des Firmengeländes von BMW, einschließlich des darauf gelegenen Schlosses. Die Firma renovierte das heruntergekommene Gebäude und nutzt es seither als Repräsentations- und Gästehaus (Vogelloh 48a). Es ist daher öffentlich nicht zugänglich. Lediglich das heute nicht mehr zum Schloss gehörende Pförtnerhaus lässt sich von außen besichtigen (hinter dem Gebäude Vogelloh 68). 

Vogelloh 48

Industrie im Allacher Forst: BMW, MAN und MTU

Wo sich zwischen Würmkanal, Dachauer Straße und Otto-Warburg-Straße heute die Firmen MAN und MTU und die Wohnsiedlung Gerberau befinden, stand einst der nördliche Teil des Allacher Forsts. Dessen Rodung begann 1936 mit dem Bau des BMW-Flugmotorenwerks, das 1939 zu einer bedeutenden Fertigungsstätte für die Aufrüstung der Luftwaffe ausgebaut wurde. Zur Tarnung vor Luftangriffen ließ man den die Produktionsanlagen umgebenden Wald stehen und die Dächer der niedrig gebauten Gebäude erhielten einen Tarnanstrich.

Zwischen 1941 und 1944 entstanden rund um das Betriebsgelände mehrere Barackenlager, in denen über 14.000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht waren. In Werksnähe, auf dem Gelände der heutigen Siedlung Ludwigsfeld (Stadtbezirk 24), wurde 1943 das KZ-Außenlager Allach errichtet. Gegen Kriegsende lag die Zahl der Beschäftigten im Allacher BMW-Werk bei über 17.000; zu diesem Zeitpunkt setzte sich die Belegschaft überwiegend aus ausländischen Zivilarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen zusammen. Um die Produktion vor alliierten Luftangriffen zu schützen, begann im September 1943 unter der Leitung der Organisation Todt die Untertageverlagerung durch die Baufirma Dyckerhoff. Auch für diese besonders harte Arbeit wurden KZ-Häftlinge eingesetzt.

Am 30. April 1945 befreiten die USAmerikaner die Allacher Lager. In den Baracken wurden bis Mitte der 1950er Jahre Vertriebene untergebracht. Die US-Militärregierung sah von der zunächst geplanten Demontage des unzerstörten Werks ab und nutzte es bis 1955 als Reparaturstätte für Panzer, Geschütze und Lastkraftwagen. Um Abstellplatz zu gewinnen wurden die Bäume, die sich bis dahin zwischen den Fabrikhallen erhalten hatten, gefällt.

Nach dem Abzug der US-Amerikaner verkaufte BMW das Werk Mitte der 1950er Jahre an MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg) und MTU (Motoren- und Turbinenunion). Im Allacher MAN-Werk ist der Unternehmensbereich Nutzfahrzeuge (LKW und Busse) mit circa 7.000 Mitarbeitern angesiedelt. MTU stellt Triebwerke für die zivile und militärische Luftfahrt her und beschäftigt circa 4.500 Mitarbeiter in Allach. Über die Geschichte der MTU informiert ein Museum auf dem Werksgelände.

Mit der Ansiedlung von BMW entstand westlich der Industrieanlagen das »Wohnlager Karlsfeld« für deutsche Werksarbeiter. Hier wurden nach dem Krieg Vertriebene untergebracht. Ihnen stand von 1949 bis 1966 eine Notkirche zur Verfügung. Seit 1955/1957 heißt die Wohnsiedlung Gerberau – benannt nach dem bedeutenden Ingenieur Heinrich Gerber (1832–1912), dem Gründer des MAN-Stammwerkes Gustavsburg bei Mainz.


Allacher Freizeitgelände/ ehemaliges Allacher Sommerbad

Aufgrund der Erweiterung der Gleis an lagen am Bahnhof Karlsfeld wurde das Würmbad, das sich seit 1902 an der nördlichen Grenze der Allacher Gemeindeflur befand, 1938 abgerissen. Um dieses zu ersetzen, errichteten Allacher Bürger noch im selben Jahr ein neues, etwas weiter südlich gelegenes Würmbad (heute Eversbuschstraße 213). Mit der Eingemeindung ging das Allacher Bad 1938 in städtischen Besitz über. Im Eingemeindungsvertrag wurde den Helfern für zwei Jahre die gebührenfreie Nutzung des Bades eingeräumt. Aufgrund der schlechten Wasserqualität der Würm wurden die Becken seit Mitte der 1960er Jahre nicht mehr mit Flusswasser gefüllt. Seit den 1990er Jahren war das Bad wegen geringer Besucherzahlen von der Schließung bedroht. Die Stadtwerke München gaben es schließlich 2003 auf. Zunächst wurde das Allacher Sommerbad von einer privaten Bürgerinitiative, dann von der »Bad Allach gemeinnützigen AG« weiter betrieben. Die Stadt unterstützte diese Bemühungen finanziell. Trotz des Bürgerengagements nahmen die Besucherzahlen nicht zu, so dass der Stadtrat die endgültige Schließung des Bades beschloss. 2009 wurden die Becken eingeebnet, das Bad abgebrochen und das Areal in eine öffentlich zugängliche Grünanlage umgestaltet.


Lochholz

Das Lochholz ist ein Eichen-Hainbuchenwald und ein Überrest des einstigen Lohwaldgürtels im Münchner Norden. Das kleine Waldstück ist seit jeher überwiegend ein Privatwald und wurde im 20. Jahrhundert teilweise bebaut. Der im Besitz der Gemeinde befindliche 6,02 Tagwerk große Waldanteil gehört seit der Eingemeindung Allachs im Jahr 1938 der Landeshauptstadt München. Das Naturwaldrelikt Lochholz ist seit vielen Jahren ein städtisches Biotop und ein Beobachtungsgebiet, in dem im Sinne der ökologischen Waldwirtschaft auf forstwirtschaftliche Eingriffe verzichtet wird. Auf Informationstafeln an der Straße Am Lochholz, am Ende der Ramannstraße und an der Rudorffstraße informieren die städtische Forstverwaltung und der Landes bund für Vogelschutz (LBV) über die Schutzwürdigkeit des artenreichen Waldstücks. In der Ramanstraße 26 befand sich lange Jahre das beliebte Ausflugslokal »Zum Gockelwirt«.

Am Lochholz 0

Reichsautobahntrasse/ Trockenbiotop Kies-Trasse

Das Trockenbiotop Kies-Trasse ist hervorgegangen aus den Resten der Ringautobahn um München. Der Bau war 1938 begonnen, aber mit Kriegsbeginn eingestellt worden. Das Teilstück der bereits vorhandenen Trasse blieb stehen. 1941 wurde auf dem Kiesdamm das Lager III errichtet. In den Baracken waren bis Kriegsende 1.300 französische Kriegsgefangene untergebracht, von denen viele bei Krauss-Maffei arbeiten mussten. Nach dem Krieg diente das Lager der Unterbringung von 1.500 Flüchtlingen und Vertriebenen. Nach 1955 wurden die Baracken abgerissen. Seit 2003 erinnert ein Gedenkstein an die französischen Kriegsgefangenen und an die Vertriebenen, die einst in dem Barackenlager leben mussten.

Die Kies-Trasse blieb über Jahrzehnte weitgehend sich selbst überlassen. Erst der Bau der Autobahn 99 (A 99) von 1993 bis 1999 veränderte die Trasse. Sie blieb zwar als Ausgleichsfläche erhalten, verlor jedoch einen Teil ihrer Fläche durch den Abbau von Kies, der für den Bau der A 99 benötigt wurde. Außerdem wurden die Abhänge der alten Kies-Trasse angeschnitten, um Platz für Wege zu schaffen. Die Wege erschließen die Trasse als Erholungsgebiet, sollen aber auch die Dammkrone entlasten, auf der sich im Laufe der Jahre eine wertvolle Magerrasen-Vegetation entwickeln konnte. Da sich auf dem mageren Kiesboden eine einzelne Pflanzenart nicht großflächig ausbreiten kann, siedelten sich viele verschiedene Arten an. Rund 120 Arten von Blütenpflanzen blühen auf dem schmalen Kiesdamm und locken zahlreiche Insekten an.

Die Autobahndirektion Südbayern pflegt die Magerrasenflächen und hat Informationstafeln zur Geschichte und Natur der ehemaligen Reichsautobahntrasse aufgestellt.

Edith Bachmayr


Schießstätte und Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft »Der Bund«

In der Servetstraße 1 befindet sich die Schießstätte. Das Gasthaus im romantischen Landhausstil entstand 1900/ 1901 als neuer Sitz der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft »Der Bund«. Diese hatte sich 1862 als »Zimmerstutzen-Schützenbund München« gegründet. Die Mitglieder der Ursprungsorganisation schossen mit Gewehren mit kurzem Lauf in geschlos senen Räumen (daher Zimmerstutzen). Ab 1885 fanden regelmäßige Zimmerstutzen-Bundes schießen auf Distanzen von 15 und 29 Meter im Münchner Bürgerbräukeller statt. Um auch das Schießen mit großkalibrigen Feuerwaffen auf lange Distanzen zu ermöglichen, errichteten die Schützen (seit 1891 »Schützenbund München«) 1893 eine erste eigene Schießstätte in Steinhausen. Doch wegen der raschen Bebauung des Stadtteils sah sich der Bund bereits seit 1898 nach einem geeigneten Grundstück jenseits des Münchner Burgfriedens um. Im damaligen Bauerndorf Allach entstand eine Schießstätte mit modernen Schießanlagen auf die Distanzen von 130 bis 300 Meter sowie Stände für jagdliches Schießen und ein Pistolenstand. Kurz vor dem Umzug nach Allach im Jahr 1901 nahm die Vereinigung den Namen Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft »Der Bund« in München an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Mitglieder als »Kleingartenverein Würmtal« der von den US-amerikanischen Besatzern vorgesehenen Sprengung der Anlage zuvor, in dem sie das Schussfeld in Kleingärten parzellierten. Das Hauptgebäude stellten sie den Niederbronner Schwestern als Kindergarten zur Verfügung. 1959 wurden die westlichen Grundstücke an die Stadt verkauft, die dort eine Umgehungsstraße plante. Vom Erlös konnte das Haus saniert und die verbleibende Schießanlage auf 100 Meter reduziert werden. 2004 wurde die neue Pistolenanlage eröffnet. »Der Bund« brachte viele Weltmeister sowie mehrere Olympiateilnehmer und -medaillenträger hervor.

Servetstraße 1

St. Peter und Paul

Die Allacher Kirche wurde zu Beginn des 9. Jahrhunderts erstmals erwähnt. Der im Ursprung romanische Kirchenbau in der Eversbuschstraße 195 wurde mehrmals umgebaut. Spätestens 1315 erfolgte die Verlängerung der Kirche nach Osten, die Rundapsis wurde durch einen rechteckigen Altarbau ersetzt und der noch heute erhaltene, durch Bogenfriese gegliederte Turm in der Süd west - ecke angebaut. Um 1500 erfolgte die spätgotische Umgestaltung.

Zweihundert Jahre später wurde die zu klein gewordene Kirche durch den Abbruch der südlichen und westlichen Mauern des Langhauses um das Zweieinhalbfache erweitert. Dadurch rückte der Turm in die Mittelachse des Kirchenschiffs. Die vergrößerte Kirche wurde im September 1708 geweiht und barock ausgestattet. Ein geplanter barocker Zwiebelturm wurde jedoch nie gebaut. Die Kreuzigungsgruppe an der Nordseite entstammt der 1795 abgebrochenen Wallfahrtskirche Hl. Kreuz. Größere Renovierungen und Umgestaltungen des Kircheninneren erfolgten 1895/1896, 1962, 1984 und 1995. Über Jahrhunderte war die Allacher Kirche der wichtigste örtliche Grundstückseigentümer.

Bis zur Schaffung der Pfarrei Allach im Jahr 1914 gehörte St. Peter und Paul zur Pfarrei Aubing. Von 1914 bis 1955 diente St. Peter und Paul als Allacher Pfarrkirche. Seit 1955 ist sie eine Filialkirche der neuen und deutlich größeren Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Heute finden in der alten Allacher Kirche Hochzeiten, Taufen, Trauerfeiern und besondere Gottesdienste statt.

Friedhofsgasse 0

Grundschule in der Eversbuschstraße 182

Bereits 1679 ließ Hofmarksherr Anton von Berchem das erste Allacher Schulhaus errichten (Grundstück Eversbuschstraße 104). Der Unterricht fand hier nur bis zum Tod von Berchems statt; das Gebäude verfiel und diente ab 1706 Mitarbeitern der 1703 gegründeten kurfürstlichen Lederfabrik als Unterkunft, die sich vermutlich auf dem Grundstück Eversbuschstraße 107 befand. Zwischen 1712 und 1760 wurden die Kinder im Mesner- und Schulhaus (Friedhofgasse 6) unterrichtet; bis 1838 im nunmehr verlegten Mesner- und Schulhaus (Friedhofgasse 2, »Beim Wax«, abgebrochen 1990). Das Schulhaus in der Eversbuschstraße 182 entstand 1839; es wurde 1893 und 1906 erweitert und modernisiert. Zum Allacher Schulsprengel zählten damals Pipping, Ober- und Untermenzing und Karlsfeld. 1912 wurde der von 1839 stammende Teil des Schulhauses größtenteils abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Ab 1937 wurde der Schulbetrieb in die damals eröffnete Adolf-Wagner-Schule (heute Franz-Nißl-Hauptschule) verlegt. In die Schule in der Eversbuschstraße 182 wurden Familien von Beschäftigten bei Krauss-Maffei einquartiert, die ihren bisherigen Wohnort Prittlbach wegen des Baus des Konzentrationslagers Dachau verlassen mussten. Später nutzten die Handelsschule Dr. Leopold, die Reichsbahn und die Lebensmittelkartenstelle das Schulhaus in der Eversbuschstraße. Im Oktober 1945 wurde dort der Schulunter richt wieder aufgenommen. Schon in den 1970er Jahren war das alte Schulhaus zu klein; der Altbau wurde 1998 saniert und die Schule von 1994 bis 2005 in drei Bauabschnitten beträchtlich erweitert.

Eversbuschstraße 182

Kinderbewahranstalt

1926/1927 errichtete die Gemeinde Allach das Gebäude in der Eversbuschstraße 161 als »Kinderbewahranstalt«. Bei der Eröffnung lagen bereits Anmeldungen zur Ganztags betreuung von 60 Arbeiterkindern vor – ein Hinweis auf den Wandel zum Industriestandort. Bis 1937 stand der Kindergarten unter der Leitung der Niederbronner Schwestern. Anschließend diente der Bau als Parteiheim der NSDAP, ab Dezember 1938 als Polizeirevier. 1951 zogen die Niederbronner Schwestern wieder ein und betrieben bis zum Bau des Kindergartens an der Franz-Nißl-Straße einen Kindergarten mit Hort. Seit 1983 dient das Haus den Allacher und Untermenzinger Vereinen als Vereinsheim. Die Marienstatue neben dem Vereinsheim wurde 1901 an der Eversbuschstraße/Ecke Kleselstraße aufgestellt und 1934/1935 an den heutigen Standort versetzt.

Eversbuschstraße 161

Tafernwirtschaft »Beim Wirt«

In dem Gebäude Eversbuschstraße 156 unterhält der Verein für heilpädagogische Aufgaben eine Kindertagesstätte und einen Integrationskindergarten. Dem massigen Bauwerk von 1806 sieht man noch heute die ursprüngliche Nutzung als Wirtshaus an.

In Allach gab es nachweislich seit dem 16. Jahrhundert eine Tafernwirtschaft. Das Scharwerksverzeichnis von 1574 nennt Wolf Spitzweck – einen entfernten Vorfahr des Malers Carl Spitzweg – als Wirt von Allach. Laut dem Kataster von 1812 bewirtschaf tete der Allacher Wirt neben der Tafern den zweitgrößten Hof des Dorfes und gehörte damit zur wohl habenden Bevölkerungsschicht. Die Tafern stand damals an einer zentralen Straßenkreuzung. Denn hier mündete einst der Weg aus Moosach in die Dorfstraße und führte über die Würm in Richtung Aubing. Somit lag der Wirt über Jahrhunderte mitten im Ortszentrum. Folgerichtig wurden 1809 von diesem Mittelpunkt aus die Steuerhausnummern für Allach festgelegt: Das Wirtsanwesen erhielt die Nummer 1. 1912 wurde ein Tanzsaal angebaut. Vor der 1959 aufgegebenen Dorftafern stand früher die Gemeindewaage und noch heute wird hier der Allacher Maibaum aufgestellt.

Eversbuschstraße 156

Geburtsort - Steyrer Hans

Im Anwesen beim »Jucklmetzger« (heute Eversbuschstraße 141) wurde 1849 der Steyrer Hans geboren, der als »bayerischer Herkules« und als Oktoberfestwirt Berühmtheit erlangte. Auf ihn geht auch der traditionelle Einzug der Wiesn-Wirte zurück.

Eversbuschstraße 141

Pfarrkirche Maria Himmelfahrt

In der Höcherstraße 14 befindet sich die 1954/1955 von Oswald und Peter Bieber erbaute Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Da St. Peter und Paul wegen des wachsenden Zuzugs bereits in den 1920er Jahren zu klein geworden war, strebte ein Kirchenbauverein einen Neubau an. Am 15. August 1955 wurde Maria Himmelfahrt als neue Allacher Pfarrkirche geweiht.

Die Pfarrei Maria Himmelfahrt bildet zusammen mit St. Mar - tin und St. Peter und Paul die Pfarreiengemeinschaft AllachUntermenzing. Sie betreibt den Kindergarten Maria Himmel - fahrt in der Franz-Nißl-Straße 50 und den Jugendclub in der Pasteurstraße 55. Die Pfarrei engagiert sich in der Jugend-, Familien- und Seniorenarbeit sowie in der Pflege der Kirchenmusik. Ein Ambulanter Krankenpflegeverein wurde 1927 unter dem Namen »Verein Jugend- und Krankenwohl e.V. Allach« gegründet, seit 1977 »Ambulanter Krankenpflegeverein e.V. Allach«. Er kümmert sich um Pflegebedürftige und Kranke der katholischen Pfarrei Maria Himmelfahrt und der evangelischen Gemeinde Epiphanias.

Höcherstraße 14

Sep-Ruf-Bauten

Auf dem Gelände zwischen Franz-Nißl-Straße, Höcherstraße und Eversbuschstraße entstanden von 1937 bis 1939/1950 mehrere öffentliche Gebäude. Die Gemeinde Allach beauftragte den jungen Architekten Sep Ruf (1908–1982) mit der Planung. Sep Ruf gilt als einer der bedeutendsten Architekten der Nachkriegszeit. Von ihm stammen unter anderem die Neue Maxburg in München und der Bonner Kanzlerbungalow.

In der einstigen Adolf-Wagner-Straße 41 wurde im Oktober 1937 die Adolf-Wagner-Volksschule (heute Mittelschule in der Franz-Nißl-Straße 55) eingeweiht. Straße und Schule waren benannt nach dem damaligen bayerischen Innen- und Kultusminister und NSDAP-Gauleiter Adolf Wagner (1890– 1944). Die Schule bestand aus zwei zweigeschossigen, langgestreckten Giebelbauten mit Klassentrakt und Turnhalle und einem verbindenden Quer bau. Sie war mit sieben Luftschutz kellern ausgestattet. Zudem wurde ein Hochbunker mit 380 Plätzen errichtet (Franz-Nißl-Straße 53). Im direkten Anschluss an die Turnhalle entstand 1937/1938 das ebenfalls von Sep Ruf errichtete BDM-Heim (Bund deutscher Mädel) mit Kinderhort. Heute befindet sich hier ein städtischer Kindergarten mit Hort.

In der Höcherstraße 9 hatte Sep Ruf 1938/1939 ein »Hochlandheim« der HJ (Hitler Jugend) für 250 männliche und 320 weibliche Jugendliche mit einem großen Aufmarschplatz geplant, das in dieser Form jedoch nicht verwirklicht wurde.

In der Eversbuschstraße 134 (vormals Horst-Wessel-Straße) plante Sep Ruf ein städtisches Verwaltungsgebäude. Der 1939/1940 begonnene Bau konnte erst 1950 fertiggestellt werden. Er wurde von der städtischen Bezirksinspektion, von der Polizei und der Freiwilligen Feuerwehr genutzt; letztere nutzt das Gebäude bis heute.

Franz-Nißl-Straße, 0

Todesmarschdenkmal

Direkt vor dem Haus Eversbuschstraße 134 erinnert seit dem 28. August 1989 ein Denk - mal daran, dass der Todesmarsch von Häftlingen des Konzentrationslagers Dachau Ende April 1945 auch durch Allach führte.

Eversbuschstraße 134

Evangelisch-Lutherische Epiphaniaskirche

Mit der zunehmenden Industrialisierung Allachs und Untermenzings wuchs auch die Zahl der dort leben den Protestanten. Diese wurden zu nächst von der Himmelfahrtskirche in Pasing, ab 1930 von der Christuskirche in Neuhausen betreut. 1907 waren in Allach 14 und in Untermenzing zehn Protestanten gemeldet. 1930 hatte sich die Anzahl der Allacher Protestanten auf 295 und die Untermenzings auf 155 vergrößert. Die Gemeinde Allach stellte den Protestanten bereits ab 1920 das Schulhaus für den Gottesdienst zur Verfügung. Noch im selben Jahr wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Dieser erwarb 1926 einen nahe der Grenze zu Untermenzing gelegenen Bauplatz, auf dem 1932 die Epiphaniaskirche entstand (St.-Johann-Straße 24). 

Der evangelische Architekt Gustav Gsaenger plante den schlichten einschiffigen Kirchenbau in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. Bereits am 25. September 1932 fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Weihe statt. Ein eigenes Pfarrhaus konnte erst 1953 errichtet werden.

Durch den gewaltigen Zuzug von protestantischen Flüchtlingen und Vertriebenen wurde 1948 die Epiphanias Gemeinde gegründet, zu der auch Karlsfeld und Neulustheim gehör ten. Als deren erster Pfarrer betreute Alfred Gennrich bis in die 1960er Jahre auch die Protestanten von fünf Flüchtlingslagern; 1961 und 1963 wurden Neulustheim beziehungsweise Karlsfeld eigenständige Gemeinden.

Die Kirchengemeinde engagiert sich in der Familien- und Jugendarbeit. So besteht seit 1988 ein Familienzentrum (FAM). Die Epiphanias- und die Bethlehemsgemeinde kümmern sich im Rahmen der Evangelischen Jugend Epiphanias Bethlehem gemeinsam um die Jugend im Stadtbezirk.

Sankt-Johann-Straße 0

Türkisch-Islamische-Verein Allach e.V.

Der Türkisch-Islamische-Verein Allach e.V. (Tivam) wurde 1987 gegründet; inoffiziell bestand er bereits seit Ende der 1960er Jahre als Zusammenschluss von bei Krauss-Maffei beschäftigten türkischstämmigen Gastarbeitern. Vereinsheim und Gebetsraum waren zunächst in den von Krauss-Maffei zur Verfügung gestellten Räumen in der Tubeufstraße untergebracht. 2006 erwarb der Verein das Gebäude in der Vesaliusstraße 24. Hier befinden sich das Vereinsheim, ein Gebetsraum und eine Wohnung.

Vesaliusstraße 24

Allacher Bahnhof

Die Eröffnung der Bahnlinie MünchenIngolstadt im Jahr 1867 war die Voraussetzung für den Beginn des Industriezeitalters in Allach und Untermenzing. Zu attraktiven Industriestandorten entwickelten sich die beiden Bauerndörfer jedoch erst, nachdem 1892 die Strecke für den Personenverkehr geöffnet wurde. Der Allacher Bahnhof spielte nicht nur für die Wirtschaft eine wichtige Rolle. Er begünstigte insgesamt den Austausch zwischen der königlichen Haupt- und Residenzstadt und den Dörfern im Münchner Westen. 

So wäre beispielsweise die Verlegung der Schießstätte der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft »Der Bund« von München nach Allach ohne die Bahn undenkbar gewesen. Um die Jahrhundertwende und in den 1920er Jahren entwickelten sich die örtlichen Würmbäder mit ihren idyllischen Einkehrmöglichkeiten zu attraktiven Ausflugszielen der Münchner Bevölkerung. Für Allach hatte die Eröffnung des südöstlich vom Ortszentrum gelegenen Bahnhofs auch eine Verlagerung der Bebauung in Richtung Bahnhof zur Folge.

Bei Bauarbeiten an der Bahnstrecke München-Ingolstadt und bei Erweiterungsarbeiten um den Allacher Bahnhof entdeckte man 1891 ein bedeutendes bajuwarisches Reihengräber feld mit wertvollen Funden.

Oertelplatz 0

Luftschutzbunker

Der einstige Luftschutzbunker am Oertelplatz bot 237 Schutzplätze. Dieses Monument des Krieges wurde 2014 in ein Hotel umgebaut. Der umgebende Oertelplatz wird derzeit als neues Stadtteilzentrum mit Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten gestaltet.

Oertelplatz 0

Wohnblöcke zwischen Vesalius- und Piperstraße

Die Wohnblöcke zwischen Vesalius- und Piperstraße entstanden 1925 für die Arbeiter der Firma Krauss & Comp. An diese Bebauung anschließend ließ die Firma KraussMaffei 1939–1942 entlang der Lauten schlägerstraße (damals Mackensenstraße) und zwischen Piper- (vormals Lanz-), Ertel- (Bölke-) und Franz-Nißl-Straße (Adolf-Wagner-Straße) eine weitere Werkssiedlung errichten. Die Arbeiter liefen über die Bahngleise, um ihren östlich der Bahnlinie gelegenen Arbeitsplatz zu erreichen. Am 7. März 1975 ereignete sich an dieser Stelle ein tragisches Unglück als ein Zug in einen Omnibus hineinfuhr. Kurz darauf wurde der Bahnübergang geschlossen.

Piperstraße 0

Diamalt

1902 errichtete die im selben Jahr in München gegründete »Deutsche Diamalt GmbH« ein Werk in Allach (heute GeorgReismüller-Straße 32–36). Ein diastisches Malzextrakt, das als Backhilfsmittel eingesetzt wurde und zur industriellen Fertigung von Backwaren beitrug, begründete noch vor dem Ersten Weltkrieg den weltweiten Erfolg von Diamalt. 1911 wurde die GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Bei der breiten Bevölkerung bekannt wurde die Firma für ihre Malzbonbons. Hergestellt wurden außerdem Pralinen, Speiseeis und Suppenerzeugnisse. Ausgehend von der Nahrungsmittelindustrie wurde die Produktpalette erwei tert. Bald schon belieferte die Firma auch die Textil-, Leder-, Pharma- und Papierindustrie. Das im Zweiten Weltkrieg unversehrt gebliebene Werk produzierte bereits wieder ab 1946.

Während die Produktion in Allach stattfand, befanden sich Firmensitz, Verwaltung und Forschungslabors zunächst im Lotzbeckpalais am Münchner Karolinenplatz 3, später in der Friedrichstraße 18. Ab Mitte der 1920er Jahre unterstützte der Münchner Firmenchef Felix Sobotka den Schriftsteller Oskar Maria Graf in seinem Konflikt mit dem Drei-Masken-Verlag und konnte ihn für Beiträge im Diamalt-Buch (1927, 1928 und 1929) gewinnen. Graf, der als Bäckerssohn und gelernter Bäcker mit den Diamalt-Produkten bestens vertraut war, berichtet davon in seinen Lebenserinnerungen »Gelächter von außen«.

Am Münchfeld 0

Villa mit Madonna und Froschbrunnen

Die stattliche Villa mit Madonna und Froschbrunnen entstand 1904 als Haus Nr. 95 in Allach (heute Georg-Reismüller-Straße 46). Bauherren waren laut Kataster »Josef und Anna Keil, Monteurseheleute aus Allach«. Baumeister war Korbinian Beer, dessen Frau Anna gestaltete den Brunnen. Die Madonna an der rechten Hausecke ist ein industriell gefertigter Betonguss der Baufirma Beer. Die benachbarte Diamalt A.G. kaufte die Villa 1916.

Georg-Reismüller-Straße 46

Sager & Woerner

In der Ludwigsfelder Straße 11 befand sich der Hauptlagerplatz der Baufirma Sager & Woerner. Diese hatte ihren Hauptsitz im Jahr 1900 von Aschaf fen - burg in die bayerische Landeshaupt - stadt verlegt, um den Auftrag für den Bau zahlreicher Münchner Isarbrücken zu erhalten: Bis 1905 baute Sager & Woerner die Luitpold-, Reichenbach-, Max-Joseph-, Cornelius-, Maximiliansund die Wittelsbacherbrücke in ihrer heutigen Form. Auch ausländische Bau - projekte führte die Firma durch, so 1916 die Maasbrücke bei Visé in Belgien und Hafenanlagen in Marokko. Entschei dend für den Erfolg der Firma in der NS-Zeit wurde die enge Verbindung zu Fritz Todt (1891–1941), dem späteren General - bevollmächtigten für die Regelung der Bauwirtschaft (ab 1938) und Reichs - minister für Bewaffnung und Munition (ab 1940). Todt wurde 1921 bei Sager & Woerner angestellt; von 1926 bis 1933 wirkte er dort als stellvertretender Ge - schäftsführer der Abteilung Straßenbau. Als bautechnischer Berater der NSDAP entwickelte Todt ab 1930 Pläne für ein Autobahnnetz in Deutschland. Am 30. Juni 1933 verließ Todt die Firma und wurde Generalinspekteur für das deutsche Straßenbauwesen. Die enge Verbindung zu seinem ehe ma - ligen Arbeitgeber blieb bestehen und Sager & Woerner wurde im ganzen Reich beim Autobahnbau beteiligt. Die Firma errichtete Militärflugplätze, Kasernen und kriegswich - tige Fabriken. Im Auftrag der »Organisation Todt« war Sager & Woerner am Bau des Westwalls und am Bau des Atlantik - walls beteiligt.

Der Allacher Hauptlagerplatz wurde 1938 bis 1940 mit neuen Werkstätten, einer Montagehalle und einem Bürogebäude ausgestattet. In der Pasteurstraße unterhielt die Firma ein Kriegsgefangenenlager. Nach dem Krieg entwickelte sich Sager & Woerner zu einem der größten familiengeführten Bauunternehmen in Deutschland. 1980 fusionierte die Firma mit der Münchner Heilmann & Littmann Bau-AG. Das Allacher Gelände ist heute nur teilweise genutzt; die alten Gebäude verfallen.


Junkers-Werk

Nachdem Hugo Junkers (1859–1935) 1934 Dessau verlassen musste und einen großen Teil seiner Patente und den Zugriff auf die dortigen Junkers-Flugzeugwerke an den NS-Staat verloren hatte, gründete er in München die Forschungsanstalt Prof. Junkers. Diese kaufte in Allach ein westlich der Bahnlinie München-Ingolstadt gelegenes Grundstück. Ursprünglich sollte dort ein technisch-wissenschaftlicher Forschungsbetrieb entstehen, der sich mit der Entwicklung von Freiflugkolben Dieselkompressoren, Dieselmotoren und Metallleichtbau auseinandersetzen sollte. Nach Hugo Junkers Tod wurde das zwischen 1935 und 1939 in Allach entstandene Werk in die Rüstungspolitik des NS-Staates einbezogen. Das Werk der Junkers Motorenbau GmbH produzierte vor allem Freikolbenkompressoren für U-Boote. In der Karlsfelder Straße (heute Schöllstraße) unter hielt das Junkers-Werk ein Arbeitslager.

Nach dem Krieg beschlagnahmte die US-Armee das unzerstörte Junkers-Werk als Reparaturstätte für Kraftfahrzeuge und als Lagerplatz. Die inzwischen in Junkers Maschinen- und Metallbau GmbH umbenannte Firma wich nach Baierbrunn aus. Im August 1953 wurde das Werksgelände wieder an Junkers zurückgegeben. 1956 beschäftigte das Allacher Werk 200 Mitarbeiter. Hergestellt wurden hauptsächlich Niederdruckkompressoren für den Straßen- und Tiefbau (Presslufthämmer) und Hochdruckkompressoren (z.B. für die chemische Industrie). Vermutlich aufgrund fehlender technischer Weiterentwicklung blieben in den 1960er Jahren die Aufträge aus. Später erwarb die Stadt München das Gelände. Die Umgestaltung des Areals mit zwei denkmalgeschützten Industriehallen, ist vorgesehen. 

Bis in die späten 1980er Jahre hatte sich in Allach ein von Hugo Junkers noch in Dessau entwickeltes (1932) und von dort nach Allach transferiertes Stahlversuchshaus als letztes seiner Art erhalten. Es war in Allach unter anderem als Pförtnerhaus und Wohnunterkunft genutzt und baulich verändert worden. 1999 erwarb der Förderverein des Technikmuseums »Hugo Junkers« das ehemalige Musterhaus für das Dessauer Technikmuseum. Dort kann das sorgsam restaurierte Haus als Zeugnis der technischen Moderne besichtigt werden.


Inselmühle

Die Untermenzinger Mühle bestand vermutlich bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Sie war ein lehensweise ausgegebener, landesherrlicher Besitz und gehörte bis ins 19. Jahrhundert zur Hofmark Menzing.

1850 brannte die alte Mühle vollständig ab. Der Name »Inselmühle« ist erstmals urkundlich belegt in einer »Besitzliste«, die etwa im Jahr 1861 zur Steuererhebung erstellt wurde. 1880 wurde die Mühle zur Kunstmühle umgebaut. 1910 erwarb Ulrich Unseld, ein Kaufmann aus Pasing, die Mühle. Er betrieb hier ein Ausflugslokal mit Biergarten und ließ das Hauptgebäude zu einer Gaststätte erweitern. 1923 stellte Unseld den Mühlenbetrieb ein und eröffnete auf der Würm - insel ein Familienbad.

In den 1970er Jahren wurde der Was - ser kraftantrieb der Mühle noch einmal gewerblich genutzt: Mit der erzeugten Energie stellte eine Kunsteisfabrik von 1971 bis 1977 hier Stangeneis her.

Mitte der 1980er Jahre ließ ein Pasin - ger Bauunternehmer die unter Denk - malschutz stehende Mühle mit dem Gasthaus renovieren und erweiterte den Komplex zu einem Hotel mit Bier - garten (Von-Kahr-Straße 87).

Von-Kahr-Straße 87

Pfarrkirche St. Martin

Die Kirche St. Martin in Untermenzing (Eversbuschstraße 9) konnte den Charakter einer typischen Dorfkirche bewahren. Zu diesem Eindruck trägt auch der Maibaum am Eingang zum Kirchhof bei.

1315 wurde die Kirche erstmals erwähnt. Reste des romanischen Vorgängerbaus sind in dem wuchtigen Turm erhalten geblieben, der 1499 im Zuge des Kirchenneubaus aufgestockt wurde. Mit dem Neubau der St. Martinskirche beauftragte Herzog Sigismund den Maurermeister und Steinmetz Ulrich von Randeck.

Die Untermenzinger und die Allacher Kirchen waren ursprünglich Filialkirchen der Aubinger Pfarrei. 1914 wurde St. Martin dem damals gebildeten Allacher Pfarrsprengel zugeordnet, 1922 entstand die Expositur Untermenzing, die 1938 in einen Kuratiebezirk überführt wurde. 1945 wurde St. Martin zur Pfarrei erhoben. Seit 2006 bildet St. Martin mit der Allacher Pfarrei Maria Himmelfahrt eine Pfarreiengemeinschaft

Auf dem die Kirche umgebenden alten Friedhof befindet sich neben den Gräbern eingesessener Untermenzinger Familien das Grab des Bildhauers Peter Winter (1871–1920), der auch Plastiken für das Neue Münchner Rathaus schuf. Der Sozialdemokrat Josef Felder (1900–2000), der als Reichstagsabgeordneter 1933 gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmte und deshalb verfolgt wurde, ist hier im Beisein führender Sozialdemokraten bestattet worden. Felder lebte von 1933 bis 1944 in Obermenzing; seine letzten Lebensjahre verbrachte er ab 1988 in der Naßlstraße 19.

Über eine hölzerne überdachte Brücke gelangt man zu dem westlich der Würm gelegenen Parkfriedhof, der 1952 angelegt wurde. Am Friedhofseingang steht ein neubarockes Standbild des heiligen Nepomuk. Im Parkfriedhof ruht der Balletttänzer Heinz Bosl (1946–1975), dessen Karriere beim Kinderballett der Bayerischen Staatsoper begann und der sich zum Star des Münchner Ballettpublikums entwickelte. Nach seinem frühen Krebstod gründete seine Tanzpartnerin Konstanze Vernon die Heinz-Bosl-Stiftung zur Förderung des Ballettnachwuchses.

Eversbuschstraße 9

Schulzentrum Untermenzing

Das 1983 eröffnete Schulzentrum an der Pfarrer-Grimm-Straße vereint die Grundschule, das Louise-Schroeder-Gymnasium und die Carl-Spitzweg-Realschule. Zudem gibt es einen Hort und eine Stadtteilbibliothek.

Bis zur Errichtung der ersten Unter men zinger Schule im Jahr 1890 besuchten die Untermenzinger Kinder die Schule in Allach. Der erste Schulbau wurde 1911 durch ein größeres Schulgebäude ersetzt, das im Laufe der Zeit mehrere Erweiterungen erfuhr. Dieser Bau gilt heute als Altbau der Grundschule an der Ecke Eversbuschstraße/Pfarrer-Grimm-Straße. Da die Flugabwehr ab 1939 mehrere Schulräume belegte, war der Schulbetrieb nur eingeschränkt möglich; 1944 wurde er schließlich ganz ein gestellt. Das erste Nachkriegsschuljahr be gann am 22. Okto ber 1945. Ein dringend benötigter Erweite rungsbau wurde 1961 eröffnet.

Da die Bevölkerungszahl im Stadtteil rasch zunahm, beschloss der Stadtrat 1978 den Bau des Schulzentrums Untermenzing. Dorthin zog das Louise-Schroeder-Gymnasium (LSG), das in der Nibelungenstraße und in einem Moosacher Möbelmarkt beengt untergebracht war. Benannt wurde die Schule 1962 nach Louise Schroeder (1897–1957). Die Sozialdemokratin war von 1919 bis 1933 Mitglied des Reichstags, von Mai 1947 bis Dezember 1948 Oberbürgermeisterin von Berlin, in Vertretung des von den Sowjets nicht akzeptierten Ernst Reuter und von 1949 bis 1957 Mitglied des Deutschen Bundestags.

Das LSG erhielt als erste Schule Münchens einen Breitbandinternetzugang. Max Wiedemann und Quirin Berg, die den Oskarprämierten Film »Das Leben der Anderen« produziert haben, waren Schüler des LSG.

Die Carl-Spitzweg-Realschule entstand 1970/1971 als Ableger der Rudolf-Diesel-Realschule in der Grandlstraße. 1972 wurde die Schule nach dem Münchner Biedermeiermaler benannt, dessen entfernte Vorfahren aus Allach und Untermenzing stammten. Ein Teil der Schule zog 1983 nach Untermenzing, der restliche Teil verblieb in Obermenzing und bildete dort die Realschule an der Blutenburg.

Pfarrer-Grimm-Straße 0

Pfarrer Grimm

Die Pfarrer-Grimm-Straße erinnert bereits seit 1947 an Josef Grimm, der von 1935 bis 1939 in Untermenzing zunächst als Kaplan, ab 1938 als Pfarrer tätig war. In seiner Pfarrei in Götting wurde Grimm am 28. April 1945 von der SS erschossen, nachdem er dem Aufruf der Freiheitsaktion Bayern gefolgt war und anstelle der Hakenkreuzfahne die bayerische Fahne auf dem Kirchturm gehisst hatte. An Grimms Schicksal erinnert seit 2005 eine Gedenktafel vor dem Pfarrbüro (Pfarrer-GrimmStraße 2a).

Pfarrer-GrimmStraße 2

Kriegerdenkmal

Das Kriegerdenkmal an der Ecke Eversbuschstraße/Pfarrer-Grimm-Straße erinnert an die 36 Untermenzinger, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. 1924 wurde das von Alois Aufleger gestaltete Denkmal an der Eversbuschstraße/Willstätterstraße errichtet; der Standort wurde 1962 verlegt.


Tafernwirtschaft »Zur Schwaige«

Das denkmalgeschützte Gebäude Eversbuschstraße 29 wurde 1880 als Gasthaus mit Metzgerei erbaut. Bereits einige Jahre vor der Würmkorrektur 1899/1900, durch welche die Würm ein beliebter Badefluss wurde, hatte der Untermenzinger Tafernwirt auf seinem Grundstück einen öffentlichen Badeplatz eingerichtet. Wie fast alle Würmbäder wurde auch dieses spätestens in den 1960er Jahren geschlossen.

1883/1885 wurde auf dem rückwärtigen Grundstücksteil eine Sägemühle, 1926 eine Möbelschreinerei errichtet. Der Gasthof wurde 1973 geschlossen. Seither wird das 2009 renovierte Haus gewerblich genutzt.

Eversbuschstraße 29

Die Würm

Die Würm durchfließt das Stadtviertel auf seiner gesamten Länge von Süden nach Norden. Während das Ostufer weit gehend bebaut ist, ist das Westufer in großen Teilen zugänglich. Ein schmaler, grüner Saum begleitet hier den Fluss, der sich aus Erlen, Eschen, Weiden und Ahorn zusammensetzt, unterwachsen von dichtem Strauchwerk. Die zum Teil alten Bäume bieten vor allem den Höhlenbrütern unter den Vögeln wie Kleiber, Bunt- und Grünspecht Nahrung und Platz für Nist höhlen. An manchen Stellen weitet sich der schmale Saum zu kleinen Anlagen: am Friedhof Untermenzing, nördlich der Nigglstraße, südlich der Klesel straße und im Bereich des früheren Allacher Bades.

2004 wurde die Würm an der Eversbuschstraße 41–43 auf einer Länge von 150 Metern renaturiert. Ein neu geschaffener Seitenarm durchfließt die angrenzende Wiese. Das Ufer ist flach und es entstand eine kleine Insel als Schutzraum für Tiere und Pflanzen. Diese kurze Strecke gibt eine ungefähre Vorstellung davon, wie die Würm früher, vor der 1898/ 1899 durchgeführten »Korrektur«, ausgesehen hat. In nächster Nähe zu diesem Flussabschnitt standen einst zwei der drei Untermenzinger Hüthäuser. Die Würmaue wurde in diesem Bereich bis ins 19. Jahrhundert als Viehweide genutzt.

Edith Bachmayr

Eversbuschstraße 0

Neumeyerstraße

Die Neumeyerstraße ist benannt nach dem vormaligen Professor für Völker- und Verwaltungsrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität Karl Neumeyer (geb. 1869), der 1934 wegen seiner jüdischen Abstammung zwangsemeritiert wurde. Zusammen mit seiner Frau Anna Louise (geb. 1879) beging er angesichts der drohenden Deportation am 17. Juli 1941 Selbstmord.

Neumeyerstraße 0

Dampfsäge- und Hobelwerk »Theodor Kirsch & Söhne«

In Untermenzing erinnern das Gewerbegebiet »Kirschgelände« und die Kirschstraße an das Dampfsäge- und Hobelwerk »Theodor Kirsch & Söhne«. Dieses war 1892 entstanden als Zweigniederlassung des Hauptwerks im thüringischen Gehren.

Der thüringische Unternehmer Emil Kirsch nutzte den Kapazitätsengpass der ansässigen holzverarbeitenden Betriebe, die mit dem Schädlingsbefall nicht fertig wurden, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Wäldern südlich von München grassierte. Nahe dem Allacher Bahnhof errichtete die Firma Kirsch ein modernes Dampfsägewerk mit eignem Gleisanschluss. Kirsch war damit der erste Industriebetrieb auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks. Werksanschrift war Esmarchstraße 32–36 – vermutlich wegen der nahen Bahnstation gab die auf Untermenzinger Flur gelegene Firma stets Allach als Firmensitz an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Sägewerk auf dem umkämpften Markt für Holz nicht bestehen und stellte 1954 den Betrieb ein. Infolge der Werksstilllegung siedelten sich zahlreiche Gewerbeunternehmen auf dem weitläufigen Firmengelände an.

Auf dem »Kirschgelände«, das von Allacher-, Kirsch-, Esmarch- und Hintermeierstraße und der Bahnlinie MünchenIngolstadt begrenzt wird, sind diverse Gewerbebetriebe angesiedelt.

Esmarchstraße 0

Hitler-Jugendheim

Die Eröffnung des Untermenzinger »Hitler-Jugendheims« für 150 Jugendliche in der Von-Reuter-Straße 1 (damals Alleestraße) fand am 27. September 1938 im Rahmen der Eingemeindungsfeierlichkeiten statt. Die Vorbereitungen für ein eigenes HJ-Heim hatte der letzte Untermenzinger Bürgermeister mit Unterstützung privater Helfer und zahlreicher ortsansässiger Handwerksbetriebe vorangetrieben. Nach dem Krieg wurden hier Lebensmittelmarken und im Zuge der Währungsreform das so genannte »Kopfgeld« ausgeben. Das Gebäude wird seit Kriegsende als Wohnhaus genutzt.

Von-Reuter-Straße 1

Maria Trost und Angerlohsiedlung

Nach Auflösung der Allacher Vertriebenenlager wurden viele der ehemaligen Bewohner im östlichen Untermenzing angesiedelt. Zur kirchlichen Betreuung der neuen Siedlung wurde 1956 die Notkirche Maria Trost als Filialkirche von St. Martin errichtet. Im selben Jahr eröffnete auch der Kindergarten. Die Notkirche wurde durch den Neubau aus Beton ersetzt, den Kardinal Josef Döpfner am 16. April 1972 zusammen mit dem Pfarrzentrum weihte. Damals wurde Maria Trost eigenständige Pfarrei. Bis 1989 diente ein einfacher Holztisch als Altar. Seit 2005 bildet Maria Trost einen Pfarrverband mit St. Raphael in Moosach.

Die aus 13 Zweifamilienhäusern bestehende Beer-Siedlung entstand 1937 als eine der ersten Siedlungen südlich der Angerlohe. An den Erbauer, den Untermenzinger Bauunter nehmer Korbinian Beer, erinnert heute eine Straße in der Nähe der Beer-Siedlung.

Ab 1955 entstand zwischen Rueß- und Manzo straße die Angerlohsiedlung mit rund 500 Wohnungen für Flüchtlinge und Vertriebene. Viele von ihnen fanden Arbeit in den nahe gelegenen Industriebetrieben.

In der Angerlohstraße 19 (heute Grandauer straße 24) befand sich das in der Nachkriegszeit beliebte Tanzcafé Steger, in dem Peter Kraus und Max Greger auftraten.

Westlich der heutigen Grandauerstraße befanden sich die Trinklsche Sommerwirtschaft und auf einem angrenzenden Grundstück das von altem Baumbestand umgebene Ausflugs lokal »Grüne Eiche«. Letzteres war 1903 durch die Schützengesellschaft als Vereinsheim errichtet worden. 1964 wurde der Wirtsbetrieb eingestellt. Ab 1964/1969 wurde das Gelände der beiden Wirtshäuser mit Reihenhäusern bebaut.


Angerlohe

Auch die Angerlohe gehört zu den Resten der einst um ang reichen Lohwälder im Münchner Norden und Westen. In dem Laubwald haben sich vor allem Altbestände aus Eiche, Hain buche, Ahorn, Linde und Esche erhalten. Bis Ende des 18. Jahrhunderts fan den in der zum kurfürstlichen Hofjagdgebiet gehörigen Angerlohe höfische Großjagden statt. Der Waldkomplex umfasst circa 37 Hektar, wobei 25 Hektar der Stadt München gehören; der Rest ist in Privatbesitz. Die Angerlohe ist größtenteils von Wohngebieten umgeben. Eine Informationstafel befindet sich am Spielplatz am südlichen Eingang zur Angerlohe.

Wenn man die Angerlohe von der Rueßstraße her betritt, gelangt man zu einem verwitterten Torbogen. Zusammen mit dem Rest eines zweiten Bogens an der Manzostraße gehörte er zu einem Zaun, der einst ein Baugrundstück der Baufirma Beer umgab. Korbinian Beer plante dort eine Siedlung aus achtzehn Vierfamilienhäusern, die wegen des Krieges nicht ausgeführt werden konnte; heute gehört das Gelände zum Landschaftsschutzgebiet Angerlohe.

Nördlich der Angerlohe schließt sich eine weitläufige Magerrasenfläche mit einem Feuchtbiotop an. Die Landeshauptstadt München hat hier ehemalige Ackerflächen renaturiert.


Porzellan-Manufaktur Allach-München GmbH

1935 eröffnete der ehemalige Leiter der Kunstabteilung von Rosenthal in Selb, Franz Nagy, in der Lindenstraße 8 (heute Reinhard-von-Frank-Straße) im neugebauten Wohnhaus mit Werkstatt die Firma »Keramische Werkstätten Franz Nagy«. Zusammen seinem Freund, dem Porzellanbildner Theodor Kärner und mit dem Porzellanmaler Karl Diebitsch, begann er mit der Herstellung von Porzellan. Über Diebitsch waren schon vorher Kontakte zur NSDAP und zur SS entstanden. Am 3. Januar 1936 wurde die kleine Porzellanfabrik im Auftrag und mit großer finanzieller Unterstützung der Reichsführung SS in die Porzellan-Manufaktur Allach-München GmbH (PMA) um gewandelt. Die PMA war eine Spezialabteilung des Wirtschaftsimperiums der SS – die SS-Runen wurden zum Markenzeichen des neuen Porzellans.

Die PMA war ein Lieblingsprojekt Heinrich Himmlers, der sich weitgehend im Hintergrund hielt. Nach seinem Willen sollten die Produkte der PMA die Erziehung zum nationalsozialistischen Menschen unterstützen. Der Reichsführer SS verschenkte von der PMA gefertigte Julleuchter an SSFührer. Neben »germanischer Keramik« stellte die PMA Figuren der NS-»Bewegung« (darunter SS-Reiter, Hitlerjungen, BDM-Mädel) sowie Tier- und Trachtenfiguren her. Die Stadt München ließ von der Manufaktur Münchner Kindl-Figuren und Moriskentänzer anfertigen. Für die PMA wirkten neben ande ren die Porzellankünstler Theodor Kärner, Karl Diebitsch, Franz Nagy und Richard Förster. Seit 1937 konnte man »Allacher Porzellan« in einem repräsentativen Ladengeschäft in Berlin und bei streng ausgewählten Vertragshändlern kaufen. Nach dem Überfall auf Polen wurden Geschäfte in Posen, Warschau und Lemberg eröffnet.

Da die räumlichen Kapazitäten in Allach bald nicht mehr ausreichten, wurde die Porzellanherstellung im Herbst 1937 in ein Gebäude der ehemaligen Pulverfabrik im damaligen SS-Übungslager Dachau verlegt, nachdem die bis dahin dort untergebrachten KZ-Häftlinge in das neu errichtete KZ Dachau umgezogen waren. In Allach wurde ab 1940 Kunst- und Gebrauchskeramik hergestellt. Ab 1941 beschäftige die PMA sowohl in Dachau als auch in Allach KZ-Häftlinge.

1952 erwarb der Unternehmer Karl Berger das Allacher Grund stück der PMA. Bergers Firma »Kalfany« produzierte in Allach täglich mehrere Tonnen Bonbons. Ende der 1960er Jahre verkaufte er das Allacher Grundstück an Krauss-Maffei und ließ von der Verkaufssumme ein modernes Werk im Schwarzwald errichten.

Reinhard-von-Frank-Straße 0

Krauss-Maffei

Der Unternehmer Gustav Adam Krautheim (1857–1926) wählte ein östlich des Allacher Bahnhofs gelegenes Grundstück, um dort ein Zweigwerk seiner 1888 in Chemnitz gegründeten Stahlgießerei zu errichten. Als die Bayerische Stahlformgießerei Krautheim & Comp. 1908 ihren Betrieb aufnahm, war der traditionsreiche Münchner Hersteller von Lokomotiven, die 1866 gegründete Krauss & Comp., bereits mit 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. 1921 ging die Stahlformgießerei vollständig in den Besitz der Firma Krauss über und das Allacher Werk wurde vergrößert.

1931 übernahm die Firma Krauss den wirtschaftlich angeschla genen Konkur renten, die J. A. Maffei AG (gegründet 1838 in der Hirschau). Die neu gegründete »Lokomotiv fabrik Krauss und Comp. – J.A. Maffei Aktiengesellschaft« verlegte sämtliche Betriebstätten und den Firmensitz von München nach Allach; das dortige Werksgelände wurde ausgebaut. Ab 1933 profitierte die »Krauss-Maffei AG« (neuer Name seit 1940) von der Aufrüstungspolitik des NS-Regimes. Die Firma produzierte Lokomotiven und Kettenzugmaschinen, Zugmaschinen, Straßenwalzen und Dampfturbinen. Die großen Regierungsaufträge führten zu einem steigenden Arbeitskräftebedarf. 1942 zählte das Werk 8.960 Beschäftigte, darunter 3.588 dienstverpflichtete Ausländer und 1.425 russi sche und französische Kriegsgefangene. Die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen waren in vier Lagern menschenunwürdig untergebracht: Lager I und Ia in der Krauss-Maffei-Straße, Lager II und IV in der Ludwigsfelder Straße und Lager III auf dem Damm des Reichsautobahnrings, dessen Bau nach Kriegsbeginn eingestellt worden war. Unter Lebensgefahr organisierten Mitglieder der »Brüderlichen Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen« (BSW) im Werk Sabotageakte.

Trotz seiner Bedeutung für die Rüstungsindustrie des NSStaates überstand das Werksgelände von Krauss-Maffei den Krieg; erst im August 1945 wurden die Produktionshallen in folge einer Tellerminenexplosion am Allacher Bahnhof schwer beschädigt. Zunächst musste sich die Firma auf einfache Reparaturarbeiten, Fleischereimaschinen, auf die Repa ratur von Lokomotiven und den Omnibusbau (bis 1965) beschrän ken. Großaufträge der Deutschen Bahn führten Anfang der 1950er Jahre zur Wiederaufnahme des Lokomotivbaus. Mit dem Kampfpanzer Leopard erfolgte 1963 der Wiederein stieg in das Rüstungs geschäft. In den folgenden Jahrzehnten lieferte Krauss-Maffei Kampf- und Flugabwehrpanzer an die Bundeswehr und an zahlreiche weitere Staaten. 1996 übernahm Mannesmann die KraussMaffei AG und führte tiefgreifende Um strukturierungen durch. 1999 wurde der wehrtechnische Bereich ausgegliedert und es entstand die Firma Krauss-Maffei-Wegmann. Im selben Jahr zog sich Krauss-Maffei aus seinem klassischen Kerngeschäft, dem Lokomotivbau, zurück und es entstand die »Siemens Krauss-Maffei Lokomotiven GmbH«, an der Siemens zu 75 Prozent und Krauss-Maffei zu 25 Prozent beteiligt ist.

In der Nachkriegszeit erschloss sich Krauss-Maffei neue Geschäftsfelder. Mit der Herstellung und Entwicklung von Zentrifugen, Filtern, Trocknern und Separatoren wurde die Firma zu einem wichtigen Ausrüster der chemischen Industrie. Heute ist Krauss-Maffei eines der weltmarktführenden Unternehmen zur Herstellung von Maschinen zur Produktion und Verarbeitung von Kunststoff und Gummi.

 

Krauss-Maffei-Straße 0