Stadtportal zur Münchner Stadtgeschichte
| Quelle | München und seine Bauten (542) |
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| Jahr | 1912 |
Jeder Kessel ist mit einer Kettenrostfeuerung System Babcock & Wilcox von je 6,65 qm Rostfläche ausgestattet, ferner sind noch acht Ekonomiser von je 160 qm aufgestellt, die das Speisewasser auf etwa 90» C. erwärmen. Die Kohlenbeschickung der Kessel ist durchwegs mechanisch. Auf einem eigenen Zufuhrgleise werden die Kohlenwagen an den neben dem Elektrizitätswerk erbauten Kohlensilo herangefahren, auf ein Wagenkipper gestellt, durch ein Hebewerk gehoben und sodann schräg gestellt, so daß der Inhalt durch einen Rost von 8 cm Maschenweite in eine Grube fällt. Bon dieser aus werden die Kohlen vermittelst einer Becherkette emporgefördert und gelangen über eine selbsttätige Kohlenwage entweder auf das zu den Kesselbunkern oder auf das zum Kohlenspeicher führende Förderband, wo sie durch Abwurfwagen an den gewünschten Stellen abgeladen werden. Der Kohlenspeicher ist nach der gesetzlich geschützten Schrügtaschenbauart der Gebrüder Rank hergestellt. Er ermöglicht die Lagerung von ziemlich bedeutenden Kohlenvorrütew auf einem verhältnismäßig knappen Platze. SollenKohlen aus dem Speicher zu den Kesseln befördert werden, dann wird ein drittes unter dem Speicher angebrachtes Förderband benützt, das die Kohlen wieder in die Füllgrube der vorerwähnten Becherkette zurückbringt, um von hier aus von neuem gehoben und zu den Kesselbunkern gebracht zu werden. An das Kesselhaus schließt sich der Hauptschaltraum für die Fernheizanlage an; von hier aus führt ein begehbarer Heizkanal zum Berkehrsministerialgebüude (Hauptkanal, 1400 m Länge) und ein kleinerer Kanal zum Hauptzollamt (470 Hl lang). Der stündliche Wärmebedarf sämtlicher angeschlossener Gebüudeheizungen betrügt bei —25° C. etwa 25000000 Wärmeeinheiten in der Stunde. Der Dampf wird mit einer Ueberhitzung von etwa 225° in den Hauptkanal durch drei Rohrleitungen von 253 mm, 216 illm und 156 nun lichten Durchmesser mit einem Druck von 8 Atm. zu den einzelnen Druckverminderungsstationen geschickt, in denen die Dampfspannung auf h-o Atm. für die Gebüudeheizungen erniedrigt wird. In jeder Station sind Wasserbehälter aufgestellt, in denen sich das Niederschlagwasser sammelt. Sobald die Behälter gefüllt sind, wird das Wasser durch selbsttätig sich einschaltende, elektrisch angetriebene Pumpen in das Elektrizitätswerk zurückgepumpt. Die Niederschlagswasserleitung hat einen -Durchmesser von 131 mm im Lichten. Zur Ermöglichung einer sicheren Durchführung des Betriebs ist eine ausgedehnte Fernmeldeanlage eingerichtet, welche gestattet, an bestimmten Stellen der Fernleitung den Dampfdruck und die Dampftemperatur sowie die Ueberhitzung im Elektrizitätswerk an Instrumenten abzulesen. Ferner wird durch Lärmoorrichtungen im Elektrizitätswerk gemeldet, wenn sich ein Rohrbruchventil ausgelöst hat und wenn die Pumpen in den Druckverminderungsstationen trotz der Füllung der Behälter nicht anlaufen. Um über alle Einzelheiten des Betriebes unterrichtet zu sein, sind noch zahlreiche Kontrollinstrumente, wieManometer, Thermometer,Dampfmengenmesser, selbsttätige Kohlensäuremesser, Zugmesser, Pyrometer, sämtliche Instrumente selbstschreibend und von einer Normaluhr aus augetrieben, im Elektrizitätswerke aufgestellt. Die Aulage ist seit etwa zwei Jahren in Betrieb und hat bis jetzt zu keinerlei Beanstandung Anlaß gegeben.
Keine Standortdaten vorhanden.