Stadtportal zur Münchner Stadtgeschichte
| Quelle | München und seine Bauten (481) |
|---|---|
| Jahr | 1912 |
| Straße | Prinzregentenstraße |
Das Bayerische Nationalmuseum ist eine Schöpfung König Maximilians II. Schon im Jahre 1855 wurden in den Räumen der Herzog-Maxburg die gesammelten Schätze provisorisch untergebracht. Aber schon im Laufe des ersten Jahrzehntes erfuhren sie eine derartige Bereicherung, daß an die Errichtung eines eigenen Museums gedacht werden mußte. Der in der Maximilianstraße befindliche Neubau des Taubstummeninstitutes wurde zur Aufnahme der Sammlungen bestimmt und demgemäß für Museumszwecke entsprechend umgestaltet. Am 12. Oktober 1867 fand die Eröffnung des Neuen Museums statt. Im Laufe der Jahre wurden auch diese Räume zu klein und die zunehmende Ueberfüllung der Säle führte eine Gefährdung der Feuersicherheit herbei; die Erstellung eines neuen Gebäudes war dringend geboten und der Bayerische Landtag genehmigte 1892 die Mittel zum Neubau. Aus der auf die Architekten Professor Dr. G. von Hauberrisser, Professor L. Romeis (ch) und Professor Dr. G. von Seidl beschränkten Konkurrenz ging der letzterwähnte siegreich hervor und erhielt den Auftrag, die Pläne des neuen Gebäudes auszuarbeiten, welche am 29. September 1894 die allerhöchste Genehmigung fanden. Am 17. November erfolgte die feierliche Grundsteinlegung durch S. K. Hoheit Prinzregent Luitpold und am 30. Dezember 1899 konnte die Uebergabe des fertigen Gebäudes an den Staat vollzogen werden. Die Ordnung der Sammlungen, der figürliche Schmuck einzelner Bauteile, sowie die Einrichtung selbst bildeten die Abfchlußarbeiten und am 29. September 1900 fand die Eröffnung des neuen Museums statt. Bei der Grundrißgestaltung machte sich der Architekt von vorneherein von der Baulinie unabhängig und zurückgestellt hinter dieselbe erscheint das Museum dem Geräusche des Alltags entrückt und regt den Besucher zu Ernst und innerer Sammlung an. Durch die Anordnung der Hauptmasse in das Innere des Bauplatzes wurde nicht nur in der äußeren Erscheinung eine große Abwechslung erzielt, sondern es konnte unter Berücksichtigung der vorhandenen Sammlungen, bei reichsterLichtzufuhr, mit größter Freiheit in der Grundrißgestaltung verfahren werden. In einem Untergeschoß, 2 Obergeschossen und in einem Dachgeschoß sind die reichen Schätze der Sammlungen in direkt aufeinanderfolgenden Sälen, ohne verbindende Gänge, untergebracht. Im Erdgeschoß reihen sich die Säle der kulturhistorischen Sammlung aller Zeiten aneinander, während die Räume des Untergeschosses zum Teil der volkstümlichen Kunst gewidmet sind. Im Obergeschoß sind die Fachsammlungen,nachMaterialiengeordnet,vondenEisen-gegenständen angefangen zu den Modellen aus Blei, Messing, Kupfer, Silber und anderen Metallarbeiten, Münzen, Holzornamenten, Geweben usw. Das Dachgeschoß enthält die Krippensammlung, zu deren Beleuchtung größtenteils Oberlicht zu Hilfe genommen wurde. Die Gesamtkosten der ganzen Anlage beliefen sich auf M. 3875282.72. Die Kosten des Baues an sich, ohne die für Gürten und Höfe, Einfriedigung mit Hallen und Straßenherstellung betrugen M. 3571700.59, so daß der cbm des umbauten Raumes sich aufM. 26.40 stellt. Der Bau selbst hat von Kellersohle bis zum Hauptgesims einschließlich Turm einen Rauminhalt von rund 135200 cbm. Die Sammlungsräume besitzen insgesamt eine Bodenfläche von 10540 gm. Die Fundamente des Baues sind durchwegs in Stampfbeton ausgeführt. Das Dach ist Eisenkonstruktion und mit Biberschwänzen auf Eisenlatten doppelt gedeckt, wobei die Kehlen ohne Anwendung von Blech mit eigenen Formziegeln gebildet wurden. ZurHaupttreppe wurde Marmor, zur Bureautreppe das gleiche Material verwendet, während die Treppe ausgestattet. Professor Gabriel von Seidl bewirkte, daß in den Räumen mit Steinpflaster Fußbodenheizung angeordnet wurde, welche darin besteht, daß unter dem Pflaster im Sande, teilweise auch in Kanälen, die Heizrohren liegen, die das Pflaster selbst erwärmen und gewissermaßen zum Heizkörper machen. In den übrigen Räumen kam Niederdruckdampfheizung zur Ausführung. Der höheren Feuersicherheit wegen erhielten nur das Innere des Verwaltungsgebäudes, die Zentralheizungsräume und das Studiengebäude elektrische Beleuchtung, während die Sammlungsräume nur durch in den Höfen verteilte Bogenlampen mit hohen Masten erhellt werden können. In ähnlicher Weise sind auch die Wasserzu- und Ableitungen auf das Verwaltungsgebäude, das Treppenhaus im Westtrakt und die Klosetts beschränkt. Das technische Referat bei der obersten Baubehörde hatte Oberbaurat Bernatz, twch dessen Ableben Oberbaurat Stempel. Die Bauleitung am Platze führte der Bauamtsassessor Wilhelm Maxon. Der Baubetrieb selbst wurde von Bauführer Schallmaier und Architekt Martin Baur überwacht, während als Chef des zeichnerischen Bureaus mid Stellvertreter Professor Gabriel von Seidls Architekt Heinrich Kronenberger (ch) aufgestelltwar. Als Schöpfer der Bildhauerarbeiten wareit die Professoren Anton Pruska, Joseph Floßmann, Heinrich Waderö, Jakob Un-gerer, Wilhelm von Rümann und die Bildhauer Joseph Rauch und Erwin Weißenfels tätig. Ferner wirkten noch mit die Kunstmaler Professor Fritz August von Kaulbach, Professor Otto Hupp, Professor Julius Diez, Franz Rinner, Franz Naager, Julius Mössel, Karl Selzer, Professor Georg Papperitz, Gustav Lawerenz und Joseph Matter, Professor August Holmberg, Karl Dietl, Professor Waldemar Kolmsberger und Franz Ruedorffer. Um die Einrichtung der Räume und die Aufstellung der Sammlungsgegenstände erwarb sich der Ehrenkonservater des Museums, Professor Rudolf von Seitz, große Verdienste. Genauere Angaben über den Bau und seine Geschichte sind zu finden in dem offiziellen Werke über das Bayerische Nationalmuseum, das 1902 bei F. Bruckmann erschienen ist.
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