Jan Polack - Bösl Hanna, Bahnmüller Wilfried
 

Publikationen zu München

Jan Polack

Titel Jan Polack
Autor Bösl HannaBahnmüller Wilfried
Verlag Pannonia
Buchart Broschiert
Erscheinung 1988
Seiten 48
ISBN/B3Kat 3789701351
Serie Pannonia (135)
Personen Polack Jan 

Ein gotisches Mariengesicht — klar, in sich gekehrt, voller Liebreiz; ein Gesicht, das alles im Betrachter zum Klingen bringt: die Morgenröte überm Paradies und den Stern im Meere, den verschlossenen Garten und die geheimnisvolle Rose. Ein Gesicht, das hier zu Hause ist, in der »Blütenburg« — denn so war einmal der Name des Schlosses, als es noch inmitten von Obstgärten weit vor den Toren Münchens lag. Heute ist die Blutenburger Schloßkapelle eine vielbesuchte Kostbarkeit, eine im ganzen erhaltene gotische Kirche, stilrein und von hohem künstlerischen Wert. Der Meister der Altartafeln ist bekannt, aber eben nur soweit er aktenkundig wurde: in Rechnungen, Zunftbüchern und Ratsprotokollen. Der Name Jan Polack taucht in München unvermittelt auf, erstmals im Steuerbuch von 1482. »Meister Jan« gehörte zur mittleren Steuergruppe seiner Zunftgenossen und besaß ein Haus in der heutigen Theatinerstraße. Seine Karriere war beachtlich: 1485 war Polack zum erstenmal Zunftvierer, also Innungsmeister, 1488 wurde er Stadtmaler. 1519 war er zum fünfzehnten- und letztenmal Zunftvierer ; das Steuerbuch dieses Jahres berichtet von Polacks seligen Erben. Im ungewissen liegt das Jahr seinef Geburt; die Schätzungen kreisen um das Jahr 1435. Das war die Generation der Maler Schongauer, Memling, Wolgemut und Pacher. Davon ausgehend, wäre Polack zeitlich so zu plazieren: Als er in den fünfziger Jahren des 15. Jahrhunderts zu malen begann, starben Stefan Lochner und Fra Angelico und mit ihnen eine Ära. Ende der siebziger Jahre, als Polack in München tätig wurde, waren Dürer und Lukas Cranach der Ältere noch Kinder; eine neue Epoche stand erst vor der Tür. — Der Herkunftsname Polack (lateinisch polonus) verweist auf Polen wie El Greco auf Griechenland und Lorrain auf Lothringen. Daß Polack aus Polen kam, bedeutet jedoch nicht, daß er von dort stammte. Eine Lehrzeit in Krakau wird angenommen. Jedenfalls ist Polack Münchens erster bekannter zugereister Künstler. Gegen die Spekulation, er sei im Gefolge der polnischen Braut Jadwiga nach Bayern gekommen, spricht, daß die Münchner Linie mit der Landshuter rivalisierte. — Fraglich bleibt auch, ob das Bildnis eines jungen Handwerkers in der Lenbach-Galerie ein Selbstporträt Polacks darstellt.



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