Sagen & Geschichten
 

Münchner Sagen & Geschichten

Die Hochzeit Herzog Wilhelm V. 1568

Mayer - Münchner Stadtbuch (1868)


Unter allen Fürstensitzen in Deutschlands Gauen glänzte im 16. Jahrhunderte keiner herrlicher, als der zu München unter Herzog Albrecht V. Mit königlichem Aufwande hatte er die Hauptstadt und seine Schlösser verschönert.

Alles übertraf aber an Pracht und Verschwendung die Ausstattung und Vermählung seines Sohnes Wilhelm; selbst des reichen Herzog Georgs von Landshut berühmte Hochzeit war nicht mit größerem Aufwande begangen worden. Diese ist's, welche wir hier unsern freundlichen Lesern vorführen wollen.

Herzog Wlbrechts Sohn Wilhelm, ein durch die edelsten Leibes- und Gemüthsgaben sowie durch Wissenschaft ausgezeichneter Jüngling, war geboren am 29. September 1548. Als er zwanzig Jahre alt war, gedachte sein Vater ihn zu vermählen, und feine Wahl fiel auf Renata, die Tochter des im Jahre 1545 verstorbenen Herzogs Franz I. von Lothringen, geboren im nämlichen 

Jahre, also 23 Jahre alt. Herzog Albrecht sendete im Mai 1567 den Grafen von Schwarzenberg, den Hofmeister Wilhelm von Lösch und den Dr. Perbin ger als Bevollmächtigte nach Wien, und am 3. Juni wurde der unter dem Namen des Kaisers Maximilian ausgefertigte Heiratsvertrag abgeschlossen. Die Verlobung geschah am 18. September im Schlosse zu Blamont, und wurde sodann die Vermählung auf 22. Februar 1568 festgesetzt.

Herzog Albrecht beschloß, die Hochzeit seines Sohnes und Thronfolgers mit aller Pracht zu begehen. Es wurden daher Gesandtschaften an die befreundeten Höfe, den Pabst, den Kaiser, den König von Spanien, die Fürsten, die Bischöfe und den ganzen Adel des Herzogthumes mit Einladungsschreiben gesendet.

Die Zeit der Vermählung nahte heran. Da wurden, um die fürstliche Braut aus Lothringen zu geleiten, die Herren Wolf Wilhelm von Mächselrain, Freiherr von Waldeck und Hans Georg von Preising nach Naney gesandt. Bereits am 12. Februar 1568 langte die Mutter der Braut, die verwittwete Herzogin Christine, Tochter des unglücklichen Königs Christiern II. von Dänemark und deren Tochter Dorothea, die jüngere Schwester der Braut, und Sonntag den 15. die Braut selbst in Ingolstadt an, wo sie von Herzog Ferdinand von Bayern, dein jüngeren Sohne des Herzogs Albrecht, empfangen wurden. Von da begaben sie sich nach Dachau, um dortselbst den Tag des feierlichen Einzuges in München zu erwarten.

Nun nahten auch die eingeladenen Gäste.

Am 15. Februar ritt Erzherzog Ferdinand von Oesterreich mit einem Gefolge von 700 Pferden und mit wundervoller Pracht in München ein. Am 17. Februar kam Otto, Bischof von Augsburg, Truchseß, Kardinal und Fürst des heiligen römischen Reiches als Gesandter des heiligen Vaters, um die Ehe einzusegnen. Sein Gefolge bestand aus 125 Pferden, 30 Herren und Vasallen. Am 18. erfolgte die Ankunft des Erzherzogs Karl von Oesterreich mit 800 Pferden und einem stolzen Gefolge der vornehmsten Grafen, Barone und Ritter Deutschlands und Jtaliens. — Am nämlichen Tage traf der Großmeister des deutschen Ordens als Abgesandter Kaiser Maximilians und diePfalzgräsin Dorothea, Tochter des Königs Christiern II. von Schweden, Wittwe Friedrichs II. des Weisen, Kurfürsten von der Pfalz und Tante der erlauchten Braut ein.

Am 20. Februar erschien Prinz Eberhard von Württemberg mit einer großen Anzahl von Pferden, und am nämlichen Tage, eine Stunde später, der Erzbischof Johann Jakob Khuen, Legat des apostolischen Stuhles, mit unzähligen Pferden. Spät Abends erfolgte die Ankunft der Mutter der Braut, Herzogin Christine von Dänemark in einer mit schwarzem Sammt geschmückten Sanfte, mit vier Wägen besetzt mit ausgezeichneten Damen, und einer großen Anzahl Pferde. Ueberdieß war eine große Anzahl von Gesandten der Höfe und eine beinahe unzählbare Menge hoher Personen und Ritter bereits angekommen.

Am folgenden Tage, Samstags den 21. Februar, geschah der feierliche Einzug der hohen Braut, der Prinzessin Renata in folgender Weise.

Schon mit dem frühesten Morgen war München in freudiger Aufregung, die neue Herzogin von Bayern zu empfangen. Die beiden erlauchten Herzoge von Oesterreich sammt den Fürsten und Gesandten waren schon voraus nach Dachau geeilt, die Braut zu geleiten.

Den Zug eröffneten die Bürger von München mit rothen, gelben und weißen Schärpen quer über die Brust, mit Fahnen, Trommelschlägern und Pfeifern zu Pferde. Ihnen folgten die Schützen und sammtliche Dienerschaft aller hohen Herrn und Vornehmen aus Bayern. Auf diese kamen die Abgeordneten der bayerischen und der Reichsstädte. Sodann folgten die Pferde sämmtlicher fremden Grafen, Barone und Edlen, dann die der Erzherzoge von Oesterreich. Nach ihnen 150 Edelknechte der Herzoge von Oesterreich und Bayern, alle in köstlicher Tracht. Nun kamen die Grafen, Barone und Herren aus Bayern, die Beamten und hohen Personen des Hofes selbst, je zu drei mit einander; hierauf die Gesandten und Fürsten. Ihnen folgte Herzog Albrecht und der Großmeister des deutschen Ordens, in ihrer Mitte der Bräutigam Herzog Wilhelm, gekleidet in einen prächtigen scharlachrothen Mantel mit karmoisinrothem Kragen, verbrämt mit Gold, mit Beinkleidern und einem Wamms so reich mit Gold gestickt, daß die Farbe des Stoffes nicht kennbar war, und einem kostbaren Hute, dessen Einfassung mit Gold und Diamanten geziert war; unter dessen Federn schimmerte eine glänzende Medaille. Neben ihnen gingen auf beiden Seiten über hundert Trabanten. Den Zug schloß eine große Anzahl Diener und Knechte zu Fuß in festlicher Tracht.

Dieser Zug bewegte sich gegen das Dorf Neuhausen, 

wo zwei Gezelte, jedes ungefähr 30 Schritte von dem andern entfernt, und jedes mit zwei Ausgängen versehen, aufgeschlagen waren. Daselbst angekommen stiegen die erlauchten Fürsten von ihren Pferden und traten in das erste Zelt.

Wohl eine gute Stunde verging bis zur Ankunft der Braut, während sich der gairze Aug zum Rückwege gegen die Stadt ordnete.

Endlich nahte die Braut in einer prächtigen, mit rother Seide innen ausgeschlagenen Sänfte welche von zwei Maulthieren getragen wurde, mit ihrem Gefolge, aus ungefähr vierhundert Pferden bestehend. Unweit der Gezelte stieg sie auS der Sänfte, setzte sich auf einen weißen, prachtvoll geschmückten Zelter und ritt mit ihrem Gefolge den Gezelten zu. Das Kleid der Braut war nach spanischer Art, lang, vom Gürtel an nach unten zu offen, von karmoisinrother Seide, worauf Figuren aus Gold und Silber eingewebt waren, mit einem bei vier Finger breitem Saume geziert mit großen Perlen und herrlichen Rubinen. Auf dem Kopfe trug sie zierlich gearbeitete Spitzen mit Perlen und Rubinen, dann Perlenschnüre um die Stirn gewunden; ferner eine prächtige Halskette von Diamanten, Rubinen und Perlen, an der auf der Brust ein ausgezeichneter Rubin von unschätzbarem Werthe hing, endlich einen Hut mit unzähligen kostbaren Perlen geschmückt. Ihre Schleppe trug Louise, die Tochter des Herzogs von Vaudemont.

Nach ihrer Ankunft an dem zweiten noch leeren Zelte begaben sich die Braut, der Herzog von Vaudemont, der Graf von Schwarzenberg, die Prinzessin Dorothea von 

Lothringen, Schwester der Braut, Fräulein Louise von Vaudemont und die Gräsin von Salm in dasselbe und traten alsbald durch die entgegengesetzte Thüre wieder hinaus. Jn dem nämlichen Augenblicke trat auch der erlauchte Bräutigam mit seinem Vater Herzog Albrecht und den angesehensten Hofherren hervor, und beide begegneten sich ungefähr in der Mitte der zwei Gezelte. Nach den erfolgten Begrüßungen und den gegenseitig gehaltenen Anreden begann der Zug nach der Stadt unter dem Donner der Geschütze, wobei die Braut in einem schön vergoldeten Wagen saß. Der Zug war so groß, daß als die ersten Reiter durch das Neuhauserthor einzogen, die hohe Braut sich noch in ihrem Gezelte befand. Der Reiter waren 5640.

In der Stadt ging der Zug unter dem Gedränge der schaulustigen Leute, die die Straßen füllten, nach der Kirche U. l. Frau. Unter Glockengeläute und Trompetenund Paukenschall trat Herzog Wilhelm mit feiner Braut in die Kirche auf die für sie bereitete Bühne, worauf der Bischof von Augsburg, Kardinal und Legat des Pabstes, das äsum lauüamus anstimmte, wozu der herzogliche Kapellmeister Orlando di Lasso eine kunstvolle sechsstimmige Musik komponirt hatte. Nach geendeter Kircheneeremonie nahm der Zug seine Richtung in die herzogliche Burg, in welche nur die erlauchten fürstlichen Personen eintraten. Hierauf war große Hoftafel, wozu ungehindert Jedermann der Eintritt zum Zuschauen gestattet war. Während dieser Tafel, welche zwei Stunden dauerte, spielte die herzogliche Kapelle verschiedene Vocal- und Instrumentalstücke.

So endete der erste Tag des Empfanges.

Der nächste Tag, Sonntag der 22. Februar, war zur Vermählungsfeier bestimmt.

Die hohen Fürsten hatten Morgens einem Hochamte in der Hofkirche.zum heiligen Lorenz beigewohnt, wozu Orlando di Lasso eine sechsstimmige Messe componirt hatte. Hierauf wurde das Frühmahl eingenommen, und dann begaben sich alle Fürsten und Damen in das Gemach der erlauchten Christina von Dänemark bis zur Vesperzeit. Nun wurde der festliche Zug zu Fuße in die Kirche U. l. Frau angetreten.

Lange zuvor aber wogte das Volk schon in den festlich geschmückten Straßen, und die Häuser waren bis an die Giebel mit Menschen dicht gefüllt, welche das edle Brautpaar schauen wollten. Vom wolkenlosen Himmel schien die Sonne, gleichsam als wolle auch sie den Freudentag begünstigen.

Unter dem Jubel des Volkes, unter dem Glockengeläute von allen Thürmen der Stadt und unter Trompeten und Paukenschall bewegte sich der Zug durch die Straßen. Der Bräutigam ging in der Mitte zwischen dem Herzog Albrecht und dem Gesandten des Kaisers Maximilian, und die Braut wurde vom Erzherzoge Ferdinand von Oesterreich zur Rechten und dem Herzoge von Vaudemont zur Linken geleitet.

Die Braut trug ein Kleid von Brokat mit silbernen und azurblauen Streifen, einem breiten mit Diamanten und Perlen geschmückten Saume und einer langen Schleppe, welche von Fräulein Louise von Vaudemont getragen wurde. Den Hals zierte eine Kette von den reichsten Edelsteinen, und ein Diamant im Werthe von 16,000*) Scudi hing 

an der Brust herab. Am Kopfe trug sie ein Häubchen reich besetzt mit Diamanten und Perlen im Werthe von wenigstens 14,000 Scudi.

Der Bräutigam trug Beinkleider mit Wamms und Collet von Brokat mit Silber gestickt, ein Oberkleid von schwarzem Sammt mit Zobelpelz gefüttert, ein Barett mit Perlen und Diamanten besetzt, die wallenden Federn von einer Agraffe von unschätzbarem Werthe gehalten. An der Schnalle des Gürtels, dem Griffe des Degens und Dolches waren von massivem Golde geschmackvolle Verzierungen in erhabener Arbeit angebracht.

In der Kirche an dem außerhalb des Chores in der Mitte aufgerichteten Altare begannen mm die Trauungs-Ceremonien, welche von dem hochwürdigen Kardinale, Bischof von Augsburg abgehalten wurden. Nach beendigter Trauung erfolgte der Rückzug in die herzogliche Burg, die neue Veste, unter dem Jubelgeschrei und Jauchzen des Volkes.

Dort angekommen begaben sich die hohen Herrschaften zur Tafel in der sogenannten Langstube, welche mit den herrlichsten Tapeten behangen war. Die Ordnung der Tafel war folgende: Obenan unter einem reich mit Gold gestickten Thronhimmel saßen der hohe Bräutigam mit der Braut, alsdann folgten auf der rechten Seite herab der Kardinal, Bischof von Augsburg, dann die Abgeordneten der hohen Fürsten, als der Großmeister des deutschen Ordens, dann Karl Graf von Zollern, Gesandter des Königs Philipp von Spanien, Christoph Baron von Losenstein, Gesandter der Königin von Polen, Johann Graf von Schwarzenberg, Haushofmeister und Gesandter des Herzoges von Bayern, dann der Baron von Limburg, 

Gesandter des Kurfürsten von der Pfalz, Otto von Biland, Gesandter des Markgrafen von Baden, und Troilo Orsino, Gesandter des Herzoges von Medieis. Zur linken Seite von der erlauchten Braut herab saßen zuerst der Herzog Ferdinand von Oesterreich, dann die Herzogin Anna von Bayern, der Erzherzog Karl von Oesterreich, Dorothea von Dänemark, Herzog Albrecht, Herzogin Jakoba von Bayern, der Herzog von Vaudemont, seine Gemahlin Johanna von Savoyen, der Erzbischof von Salzburg und Herzog Eberhard von Württemberg. Jn der nebenanstoßenden „großen Rundstuhe" speisten: Herzog Ferdinand von Bayern, Dorothea von Lothringen, der Bischof Ernst von Freising, die Prinzessinen Maria und Marimiliana von Bayern, Fräulein Louise von Vaudemont, Philipp Markgraf von Baden mit seiner Schwester, und die Gräsin von Salm. An einem andern Tische im nämlichen Saale speisten die Abgeordneten von Nürnberg, Augsburg und die Begleiter der Gesandten.

Die fürstliche Tafel wurde nur von Grafen, Baronen und Herrn von Adel bedient.

Die Tafel begann mit einem Coneerte, worunter namentlich eine Schlachtsinfonie zu acht Stimmen von der Komposition des Organisten Annibale aufgeführt wurde. Vier Marschälle, die Grafen Heinrich von Schwarzenberg, von Arko der ältere, Ulrich von Montfort und Friedrich von Dettingen trugen hierauf die Speisen auf, aus acht Gängen bestehend. Bei jedem Gange wurden von der herzoglichen Kapelle angenehme Musikstücke aufgeführt. Da wir schon in einem früheren Bilde über das Leichenbegängniß des Herzoges Albrecht IV. zwei Küchenzettel geliefert haben, so wollen wir dießmal die Geduld der Leser durch Aufzählung der Speisen und Schaugerichte nicht ermüden; hingegen geben wir dießmal dem muflkfreundlichen Leser das Repertoir der aufgeführten Musikstücke. Beim ersten Gange wurde eine sechsstimmige Motette mit fünf Zinken und zwei Posaunen von der Komposition des Orlando di Lasso gespielt; beim zweiten Gange ein anmuthiges Madrigale von Alessandro Striggio für sechs Posaunen; beim dritten eine Gesangs-Motette von Cyprian de Rore mit Begleitung von sechs Saiteninstrumenten; beim vierten ein zwölfstimmiges Coneert von Annibale aus Padua für sechs Streichinstrumente, fünf Posaunen, einer Zinke und einem angenehmen Positiv; beim fünften Gerichte ein sechsstimmiges Vokal-Madrigal mit Begleitung von sechs Violen di Gamba, sechs Flöten und einem Geigen-Clavieembal; beim sechsten ein Coneert für ein Clavieembal, Posaune, Flöte, Laute, eine Sackpfeife, eine Zinke, eine Viola di Gamba und eine Querpfeife; beim siebenten ein Coneert von zwölf Musikern, die in drei Chöre vertheilt waren, nämlich vier Violen di Gamba im ersten, vier große Flöten im zweiten, einen Dulzian, eine Sackpfeife, eine Querpfeife und ein sanftes Horn im dritten Chore; endlich beim achten Gange verschiedene Quartetten von Orlando di Lasso, welche von ausgezeichneten Sängern vorgetragen wurden. 'Wie wunderlich auch für unsere modernen musikalischen Ohren diese Zusammenstellung von Jnstrumenten erscheinen mag, so muß man doch gestehen, daß die damaligen Musiker in ihre Coneerte große Abwechselung und Verschiedenheit zu bringen verstanden, trotz unsern Coneerten der Neuzeit.

Nach der Tafel folgte ein Ball, nach welchem die Neuvermählten von fämmtlichen Herrschaften in das herzogliche mit reicher Pracht gezierte Brautgemach geführt wurden. Dortselbst wurde die fürstliche Braut von allen hohen Damen entkleidet; die Frau Pfalzgräsin Dorothea von Dänemark bekleidete sie mit einem aus rother Seide und Gold gewebten Nachthemd, Herzogin Anna setzte ihr auf das Haupt ein Häubchen mit Gold und Silber und den Namen des herzoglichen Brautpaares gestickt, und die Herzogin von Vaudemont reichte ihr einen Schlafrock, mit Goldfäden durchwebt und mit Fuchspelz gefüttert, und geschmückt mit goldenen mit Rubinen besetzten Knöpfen. Auf eben diese Art entkleidet erschien der fürstliche Bräutigam. Dann empfing die Braut von ihrer Mutter Christine einen zärtlichen Kuß und den mütterlichen Segen; dasselbe thaten die Aeltern des Bräutigams, Herzog Albrecht und Herzogin Anna, worauf sich dann alle in ihre Zimmer zurückzogen.

So endete der Tag der Vermählung.

Am folgenden Tage, Montag den 23. Februar, empsing das hohe Brautpaar Morgens von dem versammelten Hofe die Glückwünsche, und es wurde hierauf unter dem Schalle der Trompeten und Pauken in der nämlichen Ordnung, wie Tags zuvor, in die Kirche zu U. l. Frau gezogen, wo sie dem Hochamte beiwohnten, das von dem Cardinale und Bischofe von Augsburg abgehalten, und wobei eine schöne sechsstimmige Messe von der heil. Dreifaltigkeit, komvonirt von Orlando di Lasso, gesungen wurde. Nach geendigtem Gottesdienste begaben sie sich zu Fuße wieder in die herzogliche Burg zur Mittagstafel.

Bei dieser wurde ein Scherz aufgeführt, welcher die anwesenden hohen Gaste sehr ergötzte. Es wurde nämlich beim ersten Gerichte eine große Pastete aufgetragen. Nachdem sie einige Zeit auf dem Tische gestanden war, öffnete der Marschall dieselbe, und zur großen Verwunderung der Anwesenden sprang aus derselben ein Zwerg des Erzherzogs Karl von Oesterreich, ein nicht zwei volle Spannen hohes Kind von sechs Jahren, in glänzend weißer Rüstung und bewaffnet hervor, ging behende auf der Tafel herum, zog sein Schwert, schwang selbes viermal, und reichte dann mit großer Ehrerbietung zuerst dem herzoglichen Bräutigam, dann der Braut und sofort allen fürstlichen Gästen die Hand.

Nach der Tafel begaben sich die Fürsten und die Damen auf das Rathhaus, woselbst im großen Saale bis am Abend getanzt wurde, worauf sich die hohen Herrschaften wieder in die herzogliche Burg zurück verfügten.

Dienstag, den 24. Februar, Nachmittags war am Marktplatze ein Ring rennen, bei welchem alle edlen Theilnehmer auf lustige und ergötzliche Art maskirt waren, z. B. als alte Römer, als alte Deutsche, als Amazonen, als Nymphen, als Bauern, als ein Baechus, als Göttin Diana, als Bären, Wölfe und Harlekins.

Am Mittwoch, den 25. Februar, nachdem die hohen Herrschaften zuerst einem Hochamte in der St. Lorenz-Hofkapelle beigewohnt hatten, wobei eine neue siebenstimmige Messe von Orlando di Lasso aufgeführt wurde, begaben sich die hohen Neuvermählten in Begleitung aller Fürsten und fremden Abgeordneten in einen Saal zur Ueberreichung der Brautgeschenke, wozu dem Volke der Eintritt gestattet war. Zuerst überreichte der Kardinal, Bischof von Augsburg, der Herzogin Renate als Brautgeschenk zwei große silberne und vergoldete Becher im Werthe von 2000 Seudi; hierauf übergab der Abgeordnete des Kaisers Maximilian in dessen Namen eine mit Diamanten und Edelsteinen besetzte Halskette im Werthe von 4000 Scudi, sodann der Graf Karl von Zollern im Namen des Königs von Spanien eine prächtige mit großen Diamanten geschmückte Halskette im Werthe von 5000 Scudi, und im Namen des Infanten von Spanien einen auf 2000 Scudi geschätzten werthvollen Diamant; Franz Graf von Thurn im Namen des Erzherzogs Ferdinand von Oesterreich eine ebenfalls mit Edelsteinen besetzte Halskette im Werthe von ungefähr 3000 Seudi, Baron Karl von Fels im Namen des Erzherzogs Karl von Oesterreich eine Halskette von gleichem Werthe. Durch den Grafen Paul von Salm, dem Abgeordneten des Herzogs von Lothringen, wurden drei Packete der verschiedensten kostbaren Juwelen, welche ans 15,000 Scudi geschätzt waren, dann silberne und vergoldete Becher, Salzgefäße und ein Credenztisch, deren Werth auf 18,000 Scudi angegeben war, ferner ein prächtiges Ruhebett von karmoisinrothem Sammt, init herrlichen seidenen und mit Gold gestickten Tapeten im Werthe von 30,000 Scudi übergeben. Von ihrer Mutter Christine erhielt die hohe Braut kostbare Juwelen im Werthe von 13,000 Scudi. Herzog Albrecht übergab ihr eine mit Edelsteinen reich besetzte Halskette, auf 8000 Scudi geschätzt; Herzogin Anna eine desgleichen im Werthe von 7000 Scudi. Der herzogliche Bräutigam überreichte seiner Braut einen Gürtel und eine Halskette, beide auf 

10,000 Scudi geschätzt. Zahlreich und kostbar waren die Geschenke der übrigen Fürsten und Fürstinen, deren Aufzählung dem Leser langweilig dünken möchte; wir erwähnen nur noch, daß Graf Heinrich von Schwarzenberg im Namen des ganzen Landes Bayern zwei silberne und vergoldete Trinkgefässe, gefüllt mit 6000 neugeprägten Dukaten überreichte.

Nach dem Mahle begaben sich die hohen Herrschaften aus den festlich geschmückten Marktplatz, wo ein Fußturnier stattfand, dem die Braut und die Fürstinen und Damen aus den Fenstern des Landschaftsgebäudes zuschauten. Die Kämpfer, in ritterlicher Rüstung, theilten sich in zwei gleiche Theile, je zu achtzig Rittern. Hierauf begann der Kampfe zuerst mit Lanzen, und nachdem deren eine große Anzahl gebrochen war, mit Schwertern. Nach geendigtem Kampfe begaben sich die Fürsten, Fürstinen und hohen Gäste zurück in die herzogliche Burg, wo Tafel gehalten und nach dieser ein Ball stattfand. Nach diesem geschah die Preisevertheilung an die Sieger im heutigen Turniere.

Der erste Preis wurde von den Kampfrichtern dem Erzherzog Karl von Oesterreich zuerkannt, und derselbe empfing ihn, aus einem sehr kostbaren Kranze bestehend, aus den Händen der erlauchten Braut.

Den zweiten Dank erhielt Herr Heinrich Zobel, erzherzoglicher Truchseß, aus den Händen der Gräfin von Salm.

Den dritten Dank überreichte die Gräfin von Dettingen dem Herrn Grafen von Tübingen.

Den vierten Dank empsing Herzog Ferdinand von Bayern von den Händen der Herzogin Dorothea von Lothringen.

Den fünften Dank erhielt Ritter Johann von Rennsberg von Fräulein Eisenreich.

Alle diese Kampfpreise bestanden in herrlichen mit Blumen von Seide und Gold und einem kostbaren Juwel gezierten Kränzen.

Donnerstag, den 26. Februar, war Morgens in der Lorenzer Hofkirche wieder feierliches Hochamt, während welcher eine neue kunstreiche achtstimmige Messe des Orlando di Lasso aufgeführt wurde. Nach hierauf eingenommenem Frühmahle begaben sich die fürstlichen Damen zu Wagen und die Herren zu Pferde wieder auf den Marktplatz, wo ein Turnier zu Pferde gehalten wurde.

Die Herren rannten zuerst einzeln mit einander und brachen ihre Lanzen; zuletzt aber endete das Turnier mit einem allgemeinen Kampfe.

Hierauf war wieder Tafel in der Burg und dann Ball. Nach diesem erfolgte die Austheilung der Preise, wie sie von den erwählten Kampfrichtern zuerkannt wurden.

Den ersten Preis erhielt auch heute Erzherzog Karl von Oesterreich aus den Händen der Braut, wobei gegenseitig zierliche und anmuthige Anreden gehalten wurden.

Den zweiten Dank empsing Herr Furio Molzo, Kammerherr des Erzherzogs Karl, von den schönen Händen der Gräfin von Salm.

Der dritte Dank wurde dem Herzoge Ferdinand von Bayern von der Freifrau von Blamont überreicht.

Den vierten Dank übergab die schöne Euphrosine von Oetting einem polnischen Ritter Namens Jean Maluwitz.

Am folgenden Tage, den 27. Februar, an einem Freitage, war nach katholischem Gebrauche nicht erlaubt ein Turnier zu halten. Dieser Tag begann mit einem Hochamte, während welchem eine sechsstimmige Messe von Cyprian de Rore gesungen wurde. Während der hierauf folgenden Frühmahlzeit war Coneert von der herzoglichen Kapelle. Unterdessen wurde im Hofe der herzoglichen Burg eine Bühne errichtet, und auf selber nach der Tafel von den Jesuiten ein Schauspiel aus dem alten Testament, darstellend das Leben und den Tod des starken Simson, aufgeführt.

Nach beendigtem Theater war große Tafel, und nach dieser wurde auf einem großen geräumigen Platze vor der herzoglichen Burg ein Feuerwerk angezündet, den Brand eines Castells vorstellend.

Samstag, den 28. Februar, wurde auf dem Marktplatze ein komisches Turnier, Kübelstechen genannt, abgehalten. Die Kämpfer, vierundzwanzig an der Zahl, waren vom Gürtel an nach unten in weißer Rüstung, am ganzen Oberleib aber und den Armen bis über die Schultern ganz dick mit Heu angeschoppt. Anstatt des Helmes trugen sie auf dem Kopfe einen hölzernen mit verschiedenen, fratzenhaften Darstellungen bemalten Kübel. Ihre Pferde waren Bauernpferde, die Sättel auf denselben ohne Gürtel, und die Lanzen hatten anstatt der Spitze eine Scheibe. Dieser Kampf war höchst ergötzlich anzusehen, denn die Ritter fielen zum großen Gelächter der Zuschauer wie Ballons zur Erde, und die erschreckten Pferde liefen wie besessen auf der Bahn umher. Da dieses Turnier nur ein Scherzspiel war, so wurden Kampfpreise nicht 

ausgetheilt. Ein zweiter derartiger Spaß wurde nach beendigter Tafel im Hofe der Burg aufgeführt, indem zwanzig Ritter auf Pferden aus Pappdeckel geformt einherritten und verschiedene lächerliche Cavalkaden machten, nach deren Beendigung Raketen, die im Innern der Pferde angebracht waren und Feuer aus deren Mäulern, Ohren, Nasenlöchern und dem Schweife sprühten, zur großen Belustigung der hohen Herrschaften angebrannt wurden, da die Ritter mit ergötzlichen Sprüngen und Gebärden herumtummelten, gleichsam als wären diese Pferde vor dem Feuer scheu geworden. So endete auch dieser Tag.

Sonntag, den 29. Februar, war nach dem Morgengottesdienste das Frühmahl, wobei eine von Orlando di Lasso zu Ehren dieser fürstlichen Hochzeit eigens komponirte Festmusik, deren Tert der gelehrte Nikolaus Stoppius verfaßt hatte, mit ungetheiltestem Beifalle aufgeführt ward. Die Musik dieser Cantate wurde zu Paris 1571 gedruckt, und findet sich unter den Musikschätzen der hiesigen kgl. Hof- und Staatsbibliothek.

Nach der Abendtafel fand wieder großer Ball statt.

Am folgenden Tage, Montag den 1. März, wurde Mittags zwölf Uhr wiederholt ein glänzendes Turnier auf dem Marktplatze abgehalten, worauf folgende Preise vertheilt wurden: Den ersten Dank erhielt Herr von Rennsberg aus den Händen der Maria di Parchi, Kammerfräulein Christine von Dänemark; den zweiten Dank empsing Herr Rupprecht von Hermanstein durch die Baronesse von Lamberg; den dritten Karl Graf von Zollern aus den Händen der Gräsin Euphrosine von Oetting; den vierten Baron Gottfried Prainer von der Baronesse von Blamont; 

den fünften Erzherzog Karl von Oesterreich aus den Händen der Prinzessin Maria von Bayern; den sechsten Herzog Ferdinand von Bayern von der Herzogin Louise von Vaudemont; den siebenten Herzog Wilhelm von Bayern aus den Händen der Herzogin Dorothea von Lothringen, und den achten Baron von Eitzing, Kämmerer des Erzherzogs Karl von Oesterreich, von Fräulein Katharina Viri, Kammerdame Christinens von Danemark.

Dienstag, den 2. März, wurde in der herzoglichen Kapelle eine kunstreiche Messe von Orlando di Lasso gesungen. Während des Frühmahles war Coneert der herzoglichen Kapelle und wurde zum Schlusse ein sechsstimmiger Festgesang auf die Feier der Vermählung, komponirt von Jakob de Kerle, aufgeführt.

Nach dem Frühmahle war wieder ein komisches Turnier unter dem Namen das „Kröndlgestech" auf dem Marktplatze zur Belustigung der Zuschauer.

Nach und nach begannen nunmehr die hohen Herrschaften abzureisen. Es wurden zwar, so lange Gäste noch anwesend waren, täglich noch Hoffestlichkeiten veranstaltet, die aber nichts besonders Merkwürdiges mehr darboten, sondern mehr im Geleise des Gewöhnlichen blieben. Hoftheater, Festopern und Festschauspiele, die in unseren Tagen bei allen Feierlichkeiten eine Hauptrolle spielen, gab es damals noch nicht. Nur am Montag, den 8. März, wurde auf Veranlassung des Herzoges Wilhelm in einem Saale der herzoglichen Burg eine improvisirte italienische Komödie in Gegenwart der noch anwesenden hohen Herrschaften gegeben. Dem Herzoge Wilhelm kam nämlich in den Sinn, eine Vorstellung dieser Art zu sehen, 

und beauftragte deshalb den Orlando di Lasso, der dergleichen Komödien aus Italien her kannte, hiezu. Dieser erfand im Einvernehmen mit dem herzoglichen Sänger Massimo Trojans rasch ein Thema, beide dachten sich die Worte und Phrasen hiezu aus, und mit Zuziehung noch einiger Herren wurde die Komödie aus dem Stegreife aufgeführt, welche eine gewöhnliche Liebesintrike zwischen Pantalon und Arlequin vorstellte, und in welcher Orlando selbst mitspielte. Die komischen Scenen, wobei natürlich eine Prügelei zwischen Polidcro und Pantalon nicht fehlte, erregten allgemeines Gelächter und gefielen außerordentlich.

Die Gesammtkosten dieser Hochzeit, welche alle Herzog Albrecht trug, beliefen sich auf 194,000 Scudi.

Unsere freundlichen Leser und insbesondere die holden Leserinen haben wohl bei obiger Beschreibung der herrlichen Prachtgewänder der Prinzessin Renata einen leisen Wunsch nicht unterdrücken können, ein so wunderbares Brautkleid aus alter Zeit zu schauen und zu bewundern! Aber nur eine kleine Geduld, meine holden Leserinnen! dieser Wunsch kann erfüllt werden. Die Herzogin Renata verehrte ihr Brautkleid von Brokat mit den Silberstreifen der Jesuitenkirche zu St. Michael dahier, um als Meßgewand zu dienen, und wird noch heutigen Tages in der Sakristei dieser Kirche aufbewahrt, wo es zu sehen ist.

*) Scudie gilt nach unserem heutigen Münzfuße 2 fl.30 kr.


 Wilhelm V. Herzog von Bayern