St. Ludwig
| Name | St. Ludwig |
|---|---|
| Architekt | Gärtner Friedrich von |
| Stadtbezirk | 3. Maxvorstadt |
| Stadtbezirksteil | Schönfeldvorstadt |
| Adresse | Ludwigstraße 20 |
| Baujahr | 1844 |
| Konfession | katholisch |
| Suchbegriffe | St. Ludwig, Ludwigskirche |
Beschreibung
Kath. Pfarrkirche St. Ludwig, ein Hauptwerk der romantischen Sakralbaukunst, mit zweitürmiger Fassade, 1829-44 von Friedrich von Gärtner; mit Ausstattung; durch offene Arkaden mit den benachbarten Häusern Nr. 20 und 22 verbunden; in den Arkadengängen neue Denkmalbrunnen samt Bildnisplaketten für die Architekten Klenze und Gärtner (1964).
Geschichte
St. Ludwig Die unzureichende seelsorgerische Betreuung der wachsenden Bevölkerung der Max- und Schönfeldvorstadt in der Theatinerkirche und Maximilianskapelle beim Kriegsministerium führte 1827 zum Antrag des Münchener Magistrats auf Errichtung einer eigenen Pfarrei und damit zum Bau einer eigenen Kirche. König Ludwig war bereit zu finanzieller Beihilfe aus der Kabinettskasse, wenn diese Kirche an der Ludwigstraße gebaut und ihre Fassade auf die Löwen-(heute: Schelling-)straße ausgerichtet, wenn der Grundstein am 25.8.1829 gelegt und das Innere mit Cornelius-Fresken ausgemalt werden würde. Erste Planskizzen von F. v. Gärtner 1828, dem König Anfang 1829 Pläne vorgelegt, von ihm nach einigen Änderungen genehmigt. Grundsteinlegung wie von Ludwig verlangt, obwohl Finanzierung durch Magistrat noch nicht gesichert; daraufhin Drohung, die Universität und sogar die Residenz aus München abzuziehen. — Noch während des Baus (Bauführung durch Mühe) Änderungen: ursprünglich ein Turm an Apsis, dann dreitürmig, schließlich (1830) Zweiturmfassade (korrespondierend zur Doppelturmfassade der Theatinerkirche); Rundapsis zugunsten des Corneliusfreskos für geraden Chorschluss aufgegeben. Einsetzen des Schlusssteins 1833, Vollendung von Turm und Hauptdach 1837/38, Weihe 8.9.1844. Restaurierung von 1903-04 verfälschte farbliche und architektonische Konzeption; nach Behebung der Bombenschäden (1944) Wiederherstellung 1955-56 durch Schleich unter Rekonstruktion der originalen Farbgebung des Inneren und Restaurierung der Gewölbebi lder durch Hunnemann. Renovierung außen 1985-94, innen 1997 abgeschlossen.
Äußeres:Typus der kreuzförmigen dreischiffigen Basilika, die Querschiffe und der Chor gerade geschlossen. Über den Dächern der Seitenschiffe eigenwillig gestaltete >Strebebögen<. Akzent setzend in der östlichen Front der Ludwigstraße die Doppelturmfassade der Kirche mit ihren auf Schrägsicht angelegten, weit auseinander gerückten Türmen, den flankierenden Arkaden und den beiden abschließenden würfelförmigen Häusern. Die eigentliche Front der Kirche nach klassischem Schema: der Mittelteil dem Hauptschiff entsprechend, von Doppellisenen gefasst, mit dreibogiger Vorhalle über Freitreppe, im folgenden Obergeschoss in fünf Rundbogennischen> Christus und die vier Evangelisten; im Giebelfeld darüber Maßwerkrosette und auf den Doppellisenen die 1994 durch Kopien ersetzten Statuen Petrus und Paulus (1834/35: Christus und Lukas von L. v. Schwanthaler, die anderen fünf Statuen nach Schwanthalers Gipsmodellen von Schülern ausgeführt). Beidseitig angefügt die einachsigen Seitenschifffronten, durch kräftige Gesimse mit den beidseitig anschließenden zwei unteren Turmgeschossen zusammengebunden; darüber zwei weitere hohe Geschosse und steile Turmpyramiden (mit sich verjüngenden Rosettenreliefs). — Die Kirchenfassade von fünfjochigen Arkaden flankiert (die ursprünglich zweigeschossig überbaut werden sollten); in ihnen zwei rotmarmorne Brunnen, an den abschließenden Gittern Gedenkreliefs für Gärtner (nördl.) und (südl.) Klenze (1964, von Mikorey). Die Arkaden und die folgenden Eckbauten für Erscheinungsbild des Gesamtkomplexes von wesentlicher Bedeutung: beide Kuben dreigeschossig und allseitig fünfachsig unter flachem Zeltdach, der nördliche Bau von Anfang an als Pfarrhaus errichtet, 1968-71 Residenz des Erzbischofs Julius Döpfner während Renovierung des Erzbischöflichen Palais (—> Kardinal-Faulhaber-Straße 9); der südliche gegen die Staatsbibliothek seit 1839 Gärtners Wohn- und Atelierhaus, 1852 von seiner Witwe verkauft; im Krieg bis auf Grundmauern zerstört, 1958 originalgetreu für Universitätsbauamt rekonstruiert.
Inneres: Der überraschend weite basilikale Innenraum beherrscht vom Chorfresko >Jüngstes Gericht<* von Cornelius 183639. Wandgliederung durch zweifach abgestufte Kreuzpfeiler; Gurtbogen teilen die drei querrechteckigen Kreuzgewölbe über dem Mittelschiff und den eineinhalbjochigen Chor flankiert von Sakristei (nördlich) und Werktagskapelle (südlich). Kreuzgewölbe über quadratischer Vierung, darunter Kreuzaltar (errichtet bereits 1956 auf Vorschlag von P. Romano Guardini SJ, der beinahe 15 Jahre in St. Ludwig predigte: Gedenktafel am dritten Pfeiler links) und Verlegen der Kanzel vom nordwestlichen zum nordöstlichenVierungspfeiler (1956). Seitenschiffjoche mit Nebenaltären kuppelüberwölbt, an rechtes westlich anschließend Taufkapelle. Einbau eines lärmdämmenden Windfangs, darüber Orgelempore (1955). AlIe Ausstattungsstücke sowi e Architekturplastik auf Entwürfe Gärtners zurückgehend. — Ausführliche Beschreibung der Ausstattung —> Legende beim Grundriss.
Bedeutung: Für Profilierung der Ludwigstraße entscheidende Vertikalgruppe, dem Komplex der Theatinerkirche antwortend, deren Grund- und Aufrissschema zwar übernommen, aber im Sinne der romantisch-byzantinischen Baugesinnung Gärtners umgedeutet ist. Im Innern ist die fein abgewobene Farbgebung — Flächigkeit gegen ornamentierte Gliederung; gedämpfte Färbung der Wände gegen starkfarbige Gewölbemalerei (vor allem in Vierung und Chor) — wesentlicher Stimmungsträger des von klar strukturierter Architektur bestimmten Raums. Durch Cornelius-Fresko Wiederbelebung der Großmalerei: noch vor Michelangelos >Jüngstem Gericht< in der Sixtinischen Kapelle größtes Wandfresko (18,3 m hoch, 11,3 m breit) der Welt. Gärtners Ludwigskirche im >Rundbogenstil< wurde wegweisend für Sakralbauten um die Mitte des 19. Jh.; z. B. die Altlerchenfelder Pfarrkirche in Wien (Sprenger, J. G. Müller, van der Nüll 1848-50) und v. a. in den USA, wie Bowdoin College Chapel in Brunswick/Maine und Church of the Pilgrims in Brooklyn (beide Upjohn Mitte 1840er Jahre), St. George's Episcopal Church in New York City (von Blesch und Eidlitz 1846-48).
Nachtrag 2009
2008 Instandsetzung von Kirchendach und Rekonstr. des orig. Verlegeschemas Gärtners von 1835/36 mit farbigen Ziegeln im typischen Kreuz-Sterne-Muster.
Freskenzyklus nach Konzept von Cornelius' >Credo< (Verbildlichung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses): Entwürfe und meist auch Kartons, ausgeführt von seinen Schülern; ausgenommen Fresko an Chorwand >Jüngstes Gericht<*, eigenhändig 1836-40 (erste Entwürfe 1833).
A Fresken über Chorjoch: >Gott als Schöpfer der Welt< (ausgeführt von Hermann, Stürmer, Kranzberger, Hellweger 1838/39); in den Stichkappen: südlich >Streitbare Engel< (Hellweger, Kranzberger 1840), nördlich >Schützende Engel< (Schabet, Hailer 1840).
B-E Fresken über Vierung unter Thema >Gemeinschaft der Heiligen<:
B >Patriarchen und Propheten< (Kranzberger, Halbreiter, X. Lang, Lacher 1837),
C >Apostel und Märtyrer< (Karton Moralt, Hermann, ausgeführt Hermann, Lacher, X. Lang 1837),
D >Missionare, Könige und Jungfrauen als Verbreiter des Christentums< (Entwurf und Karton Hermann, auch Ausführung unter Mitarbeit Haller, Schabet 1838),
E >Kirchengelehrte und Ordensgründer< (Karton Moralt, Kranzberger, auch Ausführung unter Mitarbeit Hellweger, Kranzberger 1839).
F Fresken im südlichen Querhausgewölbe (1836): >Kirchenväter< in Gewölbekappen (Entwurf und Kartons Hermann), >Hieronymus< und >Ambrosius< (Halbreiter), >Augustinus< (Kranzberger), >Gregor< (Moralt). —An südlicherStirnwand 3 Hauptbild (unter dem Fenster) >Kreuzigung Christi< (Hermann, Stürmer, Moralt 1839), Nebenbilder (beiderseits des Fensters) links >Auferstandener Christus<, rechts >Maria Magdalena< (Entwurf Hermann, ausgeführt Moralt, Hailer 1841/42).
G Fresken im nördlichen Querhausgewölbe (183638) >Evangelisten< (Entwurf Lacher), >Mat-
thäus< (Lacher), >Markus< (Moralt), >Lukas< und >Johannes< (Hermann). —An nördlicher Stirnwand 4 Hauptbild (unter dem Fenster) >Geburt Christi mit Anbetung der Hirten und der drei Weisen< (Moralt, Lacher, Hailer 1837/38), Nebenbilder (beiderseits des Fensters) links >Verkündigungsengel<, rechts >Maria< (Entwurf und Kartons Hermann, ausgeführt Hellweger). An den Wänden in den Seitenschiffen und im Hauptschiff:
H und J HI. Theresia und HI. Ludwig (Namenspatrone des Königspaars; von Hailer), Rundbilder mit Heiligen (Fuge) 1904):
K Wolfgang,
L Valentin,
M Emmeram;
N Benno, 0 Korbinian, P Rupert. Altäre nach Entwürfen von Gärtner (ebenfalls mobile Ausstattung, liturgische Geräte u. Ä.):
1 Hochaltar (freistehend vor Chorwand): über Mensa niedriger, abgestufter Tabernakelaufbau, flankiert von Statuen )Hl. Ludwig< (links; angeblich Gesichtszüge von König Ludwig L) und ) Hl. Korbiniam. Im Chorjoch an Seitenwänden Chorgestühl.
2 Kreuzaltar (1956), an den Ecken der Altarinsel Bronzekandelaber (Entwurf Gärtner), Bronze-Ambo (Faller 1981).
3 und 4: s. o. unter Fresken<. Die gegenüberliegenden Altäre in den Seitenschiffen aufeinander bezogen:
5 Marienaltar: Schutzmantelmadonna (Ulmer Schule um 1480);
6 Josephsaltar: )Hl. Joseph<, farbig gefasste Holzfigur (Schönlaub, 1840er Jahre).
7 Aloisiusaltar: )HI. Aloisius<, polychrom gefasste Gipsfigur (um 1840);
8 Franz-Xaver-Altar: )Hl. Franz Xaver<, farbig gefasste Holzfigur (Schönlaub 1840er Jahre).
9 Alfonsaltar: )H1. Alfons von Liguorh;
10 Karl-Borromäus-Altar: )Hl. Karl Borromäus<, beide farbig gefasste Holzfiguren (Schönlaub 1840er Jahre).
Ausstattungsstücke:
a Kanzel (Entwurf Gärtner).
b Votivrelief für Schwanthalers Errettung aus Seenot1827 (L. v. Schwanthaler).
c Gedenktafel für die Pfarrer von St. Ludwig.
d Gedenkrelief für P. Romano Guardini (Prediger an St. Ludwig).
e Nischenfiguren der )HII. Judas Thaddäus, Antonius von Padua, Bruder Konrad< (braun und gold gefasste Holzskulpturen, anonym, um 1930).
f Gemälde 'Madonna mit Kind< (Seewald 1968/69) als Ersatz für gestohlenes Madonnenbild (19.Jh. — Kopie des Gnadenbilds von Re), nach Entdeckung in Schwabinger Antiquitätengeschäft im Pfarrhof von St. Ludwig aufbewahrt. Über Windfang Empore mit rekonstruierter Orgel (Prospekt nach Entwurf Schleich 1959f.; sog. Schleifladenorgel, eine der hervorragendsten Süddeutschlands), renoviert 1998/ 99. Taufkapelle mit Taufstein (Gärtner).
Werktagskapelle 1997 eingerichteter kahler, schmuckloser Raum, abstrakte Glasfenster (Entwurf Poensgen 1997);
bei g Bronze-Epitaph über Grablege von Romano Guardini (f 1968),
bei h zwei Bronzegedenktafeln für Universitätspredigerzu St. Ludwig seit 1845 (beide Reliefs von Faller 1997).
Quellen
- St. Ludwigs-Pfarr- und Universitätskirche
Zauner - München in Kunst und Geschichte 1914 - St. Ludwigs-Pfarrkirche
Reber - Bautechnischer Führer durch München 1876 - Die St. Ludwigskirche
Nagler - Acht Tage in München 1863



