Name Kath. Pfarrkirche St. Georg
Straße Bogenhauser Kirchplatz 1
Jahr Baubeginn 1766
Jahr Fertigstellung 1771
Sakral katholisch
Kategorie Religiöse Bauwerke
Kirche
Baustil Keine Kategorie
Unterkategorie Kirche  
Suchbegriffe Kath. Pfarrkirche St. Georg 
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Bemerkung

Ehem. Kath. Pfarrkirche St. Georg, 1766-71 aus dem weiteren Umkreis Johann Michael Fischers, mit spätgotischem Chor und hohem Turm; mit Ausstattung.

Beschreibung

<p><strong>St. Georg</strong>* Kirche des 776 erstmals genannten (und 1892 eingemeindeten) Dorfes Bo-genhausen bis Anfang 19. Jh. Mutterpfarrei des heutigen Stadtgebietes rechts der Isar. An die wohl noch romanische Kirche in der Spätgotik Anfügung eines größeren Chorraums, der beim Neubau des Langhauses 1766-68 beibehalten wurde wie der Westturm mit Satteldach, der erst 1771 um etwa 1 m erhöht wurde und seine jetzige &gt;Zwiebel&lt; erhielt. KostenvoranschlagJ. M. Fischers von 1759 ließ auf dessen Autorschaft am Neubau schließen, zumal er im Januar 1766 den Altbau noch besichtigte. Doch erstarb bereits im Mai 1766 und musste die Ausführung evtl. vorhandener Pläne anderer Hand überlassen, wofür am ehesten Trischberger mit Zimmermeister Kraft infrage kommen. Restaurierung 1866,1905/06,1941, 1969-71, 1993-2000 (Ausstattung nach Befund; Änderung des Eingangsbereichs). Leichte Kriegsschäden (1944) 1951/54 behoben.</p> <p><strong>Äußeres: </strong>Langhaus einfacher Rechteckbau mit Satteldach, niedrigerer Chorbau eingezogen mit Strebepfeilern und 5/8-Schluss; der schlanke Turm ins Langhaus eingebunden. - Dem Kirchenbau westlich vorgelagert der stattliche Pfarrhof nach Plänen (1702) von Stadtmaurermeister J. Mayr (Schwiegervater J. M. Fischers), 1704/05.</p> <p><strong>Inneres:</strong> Durch zwei Freipfeiler halbierter Saal: westliche Hälfte Empore, östliche der eigentliche quadratische Kirchenraum, von komplexer Decke aus verschieden gewölbten Kugelausschnitten überwölbt; eingezogener Altarraum mit Flachkuppel über Pendentifs.&nbsp;Ausmalung von Heiterhof 1767-70 (Chronogramm am Chorbogen. - Ausstattung: -&gt; Plan.</p> <p><strong>Bedeutung:</strong> Durch Lage am rechten Isarhochufer inmitten eines sehenswerten dörflichen Friedhofs mit vielen schmiedeeisernen Kreuzen ausgezeichnete Kirche, deren Äußeres den Typus einer Dorfkirche bewahrte, deren Innenarchitektur in klarer Trennung der einzelnen Elemente ebenso wie die gemalte Scheinstuckierung das ausgehende Rokoko anzeigen. Durch teilweise hervorragende Skulpturen und gut erhaltene Einrichtung von hohem kunstgeschichtlichen Wert: Hochaltar einer der letzten Bühnenaltäre des bayerischen Barocks, letzter barocker Freskenzyklus Münchens, Günthers Kanzel eines seiner letzten Werke. Insgesamt eine Dorfidylle in der Großstadt: schönster Fernblick von Süden aus den Maximiliansanlagen zu Füßen der Königswiese.-Wirkungsstätte der mit dem Kreisauer Kreis in Verbindung stehenden NS-Gegner Kaplan Wehrle und P. Delp, an den gegenüber dem Pfarrhof auch eine Gedenkstätte (von Backmund, 1981) erinnert. Im <strong>Friedhof </strong>u. a. beigesetzt die Astronomen J. v. La-mont und H. v. Seeliger die bildenden Künstler E. Preetorius, H. Reiffenstuel, K. Romeis; die Dirigenten R. Kempe, H. Knappertsbusch; die Regisseure F. Domin, R.W. Fassbinder, H. Lietzau, H. Schweikart; die Schauspieler Hertha Feiler, Helmut Fischer (&gt;Mo-nacoFranze&lt;), R.Graf, Liesl Karlstadt, S. Lowitz,W.Sedlmayr, R.Vogel,Gustl Waldau, C. Wery; die Schriftsteller J. Breitbach, J. Fernau, O. M. Graf, W. Hausenstein, E. Käst-ner, A. Kolb, P. de Mendelssohn; Architekt und Karikaturist E. Hürlimann; die Modeschöpfer M. Dietl, F. Unützer, H. Schulze-Varell; die Verleger F. Burda, W. Droemer. -In einer Nische an der Westseite Gedenktafel (Entwurf: Lill 1955) für die 1944/45 von den Nazis hingerichteten Pater A. Delp SJ, Kaplan H.). Wehrle, L. Freiherr v. Leonrod und F. Sperr. An Choraußenwand Gedenkstein für Widerstandskämpfer A. Metz v. Quirnheim. Südlich der Kirche auf dem Areal der heutigen Frankona-Rückversicherung (Eingang: Maria-Theresia-Straße 35; Architekt Schmitthenner 1956-57) einst der Edel-sitz Neuberghausen, hervorgegangen aus dem 1697 im Besitz des Malers J. A. Gump befindlichen und 1704 in Adelshände gelangten Köglhof, der 1740/41 zu Schlößchen umgestaltet und nach Kauf durch A. J. Graf Törring-Seefeld 1760-64 unter Leitung von l. A. Gunetzrhainer und Mitwirkung von Cuvillies d. Ä. zu Herrensitz ausgebaut wurde. Die 1753 eingerichtete Hauskapelle vor 1782 von Th. Chr. Wink freskiert, nach Übergang des Anwesens 1808 an Freiherrn v. Hompesch profaniert. Ab 1827 Gast-wirtschaftund beliebter Ausflugsort, den H. Heine bei seinem Aufenthalt in München 1827/28 oft besuchte und beschrieb: Von der Treppenterrasse eröffnete sich noch ein freier Blick auf die Alpen! Nach Kauf durch König Max II. Abbruch und Errichtung der Königlichen Versorgungsanstalt für Beamtentöchter (&gt;Beamten-Relicten-Anstalt&lt;, im Volksmund &raquo;Drachenburg&laquo;) nach Plänen von Riedel 1863-65, im Krieg 1944 ausgebrannt, Ruine nach Krieg abgetragen; im Garten Mausoleum für König Max geplant.</p> <p><strong>Deckengemälde</strong> (von Heiterhof):</p> <p><strong>A</strong> (in gedrücktem Kreis) &gt;Glorie des Hl. Ceorg&lt; (1768);</p> <p><strong>B</strong> (in irregulärem Achtpass) &gt;Martyrium des Ceorg&lt; (1767);</p> <p><strong>C</strong> (über der Empore) &gt;Psallierender David&lt;, (unter der Empore in drei Feldern) die &gt;Göttlichen Tugenden&lt;: &gt;Glaube&lt; (als thronende Ecclesia in der Mitte), &gt;Hoffnung&lt; (im nördlichen) &gt;Liebe&lt; (als Caritas im südlichen Feld);</p> <p><strong>D</strong> jüngstes Gericht, E &gt;Geisttaube&lt; (über Taufkapelle).</p> <p><strong>Altäre:</strong></p> <p><strong>1</strong> Hochaltar (von der Schloßherrschaft Törring-Seefeld gestiftet: Wappen im Altarscheitel), von Sträub 1770 als sog. Bühnenaltar * mit freiplastischer Reiterfigur Georgs gestaltet; von Sträub auch die Seitenfiguren Hll. Donatus und Irene (1770-73), im Auszug Dreifaltigkeit. - Die Seitenaltäre von l. Günther, 1770-75 (gestiftet von Ortspfarrer Georg Franz Riedl), Aufbau vom Schreiner j. Heilsprunner, Fassung M. Zwerger erst 1777.</p> <p><strong>2</strong> rechter Seitenaltar mit Mittelfigur Hl. Korbinian* (Günther eigenhändig um 1770/73), die Seitenfiguren Hll. Wendelin und Leonhard (unbekannte Gehilfenhand), im Auszug St. Florian. 3 linker Seitenaltar mitanonymer Mittelfigur thronende Madonna&lt; (um 1630; für die 1628/29 gegr. Rosenkranzbruderschaft: It. Inschrift), Seitenfiguren Hll. Joachim u. Anna (unbekannte Gesellenhand), im Auszug St. Johann Nepomuk.</p> <p><strong>Ausstattung</strong>: Zwischen den Seitenaltären fein geschnitztes Kommuniongitter mit seitlich integrierten einsitzigen Chorstühlen (<strong>a</strong>), auch als Beichtstühle verwendbar (ähnlich in Asamkirche, -&gt; Sendlinger Straße 32).</p> <p><strong>4 </strong>weißgolden gefasste Kanzel * von Günther 1774 (gestiftet von den Törring) - das künstlerisch beste Werk&nbsp;der Ausstattung!</p> <p><strong>b</strong> Kreuzigung und Mater dolorosa (nach &gt;Herzog-Spital-Muttergot-tes&lt;). Bemerkenswerte Grabdenkmäler, z. B. drei aus dem zum Abbruch bestimmten Kreuzgang der Franziskanerkirche 1802 übertragen,</p> <p><strong>c</strong> Rotmarmorepitaph für G. K. von Törring-Seefeld und Gemahlin Anna Fugger von Kirchberg und Weißenhorn (1625 ff., zugehöriges Tafelbild &gt;Grable-gung Christi&lt; auf Orgelempore),</p> <p><strong>d</strong> Rokokoepitaph (von Sträub, um 1755) für Maria Josepha Franziska Johanna Gräfin Törring, mit Figuralplastik &gt;Allegorie der ehelichen Treue&lt; (Guss aus Blei-Zinn-Legierung): gilt als schönstes spätbarockes Grabmal in&nbsp;München (angeregt durch kaiserliche Trauerkunst Wiens). Ferner Rotmarmor-Epitaph (um 1744) für zwei Schwestern des Stifters (aus Kapelle des benachbarten ehemaligen Schlosses (s. u.) und Epitaph (um 1760) für zwei Schwestern Beccaria.</p> <p><strong>e</strong> Rokoko-Kruzifix, anonym. - Am südlichen Pfeiler (<strong>f</strong>) der Empore Ölgemälde (Kopie) des Gnadenbildes der &gt;Madonna von Ree&lt; (Savoyen), an der Emporenbrüstung, durch gemalte Doppelpilasterin fünf Felder geteilt, in den mittleren drei Darstellungen des &gt;Freudenreichen&lt;, des &gt;Schmerzensreichen&lt; und des &raquo;Glorreichen Rosenkranzes&lt; (von rechts nach links), von Heiterhof.</p>

Quellen

Kirche St. Georg (Bogenhausen)
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)

Kirche St. Georg, Bogenhauser Kirchplatz 1, 1766—68 im klassizistischem Spätrokoko Langhaus einschiffig; unter der Orgelempore 3 Bogenöffnungen, von denen die mittlere in ihrer Spannweite dem Triumphbogen, die seitlichen der Breite der östlichen Wandfläche (Seitenaltäre) entsprechen. Grundform des Hauptschiffes annähernd quadratisch; eingezogener quadratischer Chor, dem sich östlich die segmentförmige, außen dreiseitige Apsis anschließt. Baum unter der Orgelempore flachgedeckt; über ihr ein Tonnengewölbe; im Hauptschiff Flachkuppel mit verschiedenartigen Zwickeln und Stichkappen; im Chor Flachkuppel mit Hängezwickeln. Ausstattung und Deckenmalerei (Ausmalung von Phil. Heiterhof) ursprünglich erhalten. An der Südwand Marmorgrabstein des Hofmarschalls Gg. Freiherrn v. Törring aus 1625, in einfacher, architektonischer Einfassung. Ausstattung der Altäre (von Joh. Straub) im klassizistischen Spätrokoko, charakteristisch durch Mangel an Dekoration; die Anlage selbst zwar noch bewegt durch die Schwingungen und Kurven der tektonischen Glieder [KB und Hf].