Beschreibung
<p><strong>Lenbach-Villa und Städtische Galerie</strong> >Residenz< des Malerfürsten Franz v. Lenbach: asymmetrische Baugruppe aus Atelierflügel (1887-89) und Wohnhaus (1891 vollendet), entworfen von G. v. Seidl unter Mitwirkung von Lenbach; Verbindung beider Bauten erst 1912. Von der Witwe Lenbachs der Stadt 1924 verkauft, dabei Stiftung der Einrichtung und der Sammlung. 1927-29 Anbau des Nordflügels für Städtische Galerie (H. Grässel). Bombentreffer 1941, ausgebrannt 1945; sukzessive Wiederherstellung (1954, 1955,1957/58); Neubauflügel an der Richard-Wagner-Straße (1970/71) und Gesamtrenovierung bis 1972. Nach Feststellung erheblicher Mängel (Brandschutz, Klima-, Licht- und Sicherungstechnik) war selbst Abbruch derVilla erwogen, ehe 2002 Auftrag an Foster für Konzept einer umfassenden Sanierung des Hauses. Beschreibung: Dem Wohnhausaxial vorgelegter Garten (mit Wasserbecken und Brunnen; geschnittene so wie lockere Bepflanzung): dreigeschossiger Baublock mit Zeltdach, von >Belvedere<- Türmchen bekrönt; drei Fensterachsen, in der Mitte Balkonportal, über zweiarmige ge- schwungene Freitreppe zugänglich; beiderseits Eingang zwei Tonreliefs (>Brautgeleit< und »Badende Frauen<) von Hildebrand. Darüber Rundbogenfenster.-Zurückgesetzte Bauteile verbinden Wohnhaus mit den beiden Flügeln: der südliche Atelierbau: malerisch gegliederter zweigeschossiger Trakt mit asymmetrischem Kopfbau gegen Luisenstraße; der nördliche Trakt, auch zweigeschossig, als Sammlungsbau einfacher, dem Hauptbau untergeordnet. - Die in ihrer ursprünglichen Form 1995/96 restaurierten prächtigen Wohnräume Lenbachs zeigen den Lebensstil des >Malerfürsten<.</p>
<p><strong>Bedeutung:</strong> Als Sitz des >Malerfürsten< Lenbach und Beherrschers der von Adel und Großbürgertum geprägten Kunstszene bezeichnend für die gesellschaftliche Stellung dieses </p>
<p>Künstlersam Ende des 19. Jh. im Stil der italienischen Villa suburbana von Seidl unter freier Verwendung von Renaissancemotiven, bereichert durch barocke Details, erbaut.</p>
<p>Sammlungen: Nach dem Erwerb der Lenbach-Villa durch Stiftungen und steigende Ankaufsetats war 1929 Eröffnung der stadteigenen Gemäldegalerie möglich; allmählicher Ausbau mit Schwerpunkt Münchener Malerei. In den Nachkriegswirren Diebstahl von Hunderten von ausgelagerten Gemälden; darüber hinaus zahlreiche Bilder aus den Beständen der Galerie an städtische Amtsräume ausgeliehen. Durch Schenkung Gabriele Münters(1957) entscheidende Akzentuierung des Museums (Kandinsky Blauer Reiter); weiterer Ausbau durch >Bernhard-Koehler-Stiftung< (1965) sowie >Gabriele Münter-< und >Johannes-Eichner-Stiftung< (1966); Angliederung des >Kubin-Archivs<. -</p>
<p>Im Vorgarten des Altbaus Skulpturen: vor Stirnseite des Grässelbaus »Großes Votiv< (von Koenig, Bronze 1963/64) und »Stehende Figur< (von Croissant, Bronze 1977), an seiner Längsseite »Windspiel« (von Wimmer, Bronze 1960) und »Stehende« (von Stangl, Bronze 1932); in der Mittelachse des Parterres Brunnen »Herkulesknabe mit Keule« (von F. v. Miller, Bronze, 1890) und sog. Hippokampen-Brunnen (oberitalienisch, 16./17.Jh., Brunnenaufsatz »Knabe mit Füllhorn« nach 1945 ergänzt); neben Atelierbau drei Bronzefiguren von Ernst (1967: »Der Assistent«, »La Tortue«, »La Grenouille«). - In Grünfläche südlich des Atelierbaus an Brienner Straße ovale Stahlplatte »Elliptical Plane in 13 Masses and 2 Scales« (von Rabinowich 1974) sowie »Stahlblatt Nr. 3« (von Lechner 1986); in gegenüberliegender Rasenfläche Aufstellung von »Lichtstelen« (von Flavin 2001), die zum Zugang zum <strong>Kunstbau</strong> führen: mit ihm eröffneten sich ab 1994 neue Möglichkeiten und zusätzliche Ausstellungsflächen für wechselnde Werkschauen der klassischen Moderne bzw. für Einzelausstellungen - beim Bau der U-Bahn (U 2) zwischen Karl-und Brienner Straße (1976-79) »übriggebliebener« und nicht wieder zugeschütteter Leerraum unter der Luisenstraße und über dem U-Bahnhof Königsplatz. Über eine 30 m lange Rampe Zugang zu der von 18 Betonpfeilern unterteilten Halle (ca. 100 zu 17,5 m bei einer Höhe von 5,50 m). Ausbau für Ausstellungszwecke nach Planung von Kiessler, wobei neben Einfügung von Video- und Vortragsraum derzweischiffige >Kunstbau< selbst den Charakter einer eigenständigen, gewissermaßen archaischen Raumskulptur erhält; die notwendige künstliche Beleuchtung als wesentliches Instrument für die »Inszenierung« der Kunst eingesetzt. Bedeutungder Städtischen Galerie: Neben bedeutenden Beispielen alter Münchener Malerei (v. a. 19. Jh.) einzigartige Dokumentation des »Blauen Reiter«*. Deutschlands größte Kandinsky-Sammlung. -Wechselausstellungen zur Kunst der klassischen Moderne und Gegenwart.</p>
<p><strong>Nachtrag 2009</strong><br />
Frühjahr 2009 bis 2012: Neu- und Umbau des Lenbachhausessowie Erweiterung der Stadt. Galerie. Bau eines 3-geschossigen Trakts an Ecke Luisen- und Brienner Str. durch Foster + Partners (London) anstelle des 1972 errichteten Anbaus. Es entstehen ein neuer großzügiger Eingangsbereich, weiter ein Vortragssaal, Bibliotheks-Leseraum, Museumsladen, Cafe, Bar und Restaurant. Museum mit Ausnahme von Kunstbau bis 2012 geschlossen.</p>
Quellen
Lenbach-Villa
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Lenbach-Villa am Königsplatz, Luisenstr. 33. Dicht vor den Propyläen. Erbaut von Gabriel Seidl für den verstorbenen Münchner Kunstmaler Lenbach, dessen Atelier in seinem frühem Zustand erhalten ist. Ein Bauwerk in edlem italienischem Renaissancestil mit Terrassen und Loggien in italienischem Geschmack sowie äußerst pächtigen Gartenanlagen — in Anlage und Gruppierung eine Sehenswürdigkeit Münchens |SB 99, 41].
Haus Frz. von Lenbach
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Professor Frz. vou Leubach mit Ateliergebäude wurde 1887 als Baeksteinbau mit Verputz nach den Plänen des Professors Dr. Gabriel von Seidl erbaut. Die Architekturteile besteheun aus Douaukalkstein. Die Ausführung erfolgte durch Baumeister Lenbach.