Carola Neher
gefeiert auf der Bühne, gestorben im Gulag
Bibliografische Angaben
| Verlag | Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte |
|---|---|
| Jahr | 2016 |
| Seiten | 346 |
| ISBN | 3867322430 / 9783867322430 |
| Personen | Neher Carola, Mühsam Zenzl, Brecht Bertholt |
Inhalt
Dem außergewöhnlichen Leben und Schicksal der Schauspielerin Carola Neher (1900 – 1942) nähern sich die Autoren in dem von MEMORIAL Deutschland initiierten Sammelband aus unterschiedlichen Perspektiven. Obwohl sich Carola Neher stets ausschließlich als Künstlerin verstand und der kommunistischen Partei nie angehörte, verkörpert ihr Schicksal wie kaum ein anderes die Ambivalenz der kommunistischen Bewegung im Europa des 20. Jahrhunderts, die zum Motor kultureller Innovation, als parteistaatlicher Apparat jedoch zum Vollstrecker von Massenterror wurde. Die gefeierte Schauspielerin der 1920er und 1930er Jahre wurde nach ihrer Emigration aus NS-Deutschland in die UdSSR 1936 in Moskau verhaftet und verstarb am 26.6.1942 im sowjetischen Lager Sol-Iletzk. Durch die Einordnung der Stationen ihrer Biographie in den kultur- und theatergeschichtlichen wie auch den politischen und zeitgeschichtlichen Kontext erschließt sich die Dimension ihres Wirkens und ihre Rolle als Verfolgter zweier Diktaturen als Jahrhundertschicksal, als Kristallisationsmoment der deutschsowjetischen Geschichte. Der erste Teil des Bands würdigt die Schauspielerin, die sich an die Spitze des Weimarer Theaterlebens kämpfte und sich als Ikone eines modernen Frauentyps inszenierte. Als Interpretin großer Rollen in legendären Inszenierungen der Dramen Klabunds, Brechts und Horváths schrieb sie Bühnen- und Filmgeschichte. Im zweiten Teil des Werks stehen die Jahre der Emigration, der Verhaftung und Lagerzeit im Mittelpunkt. Neben bislang unveröffentlichtem Aktenmaterial ihres Verfahrens werden die Erinnerungen der letzten Mitgefangenen an Carola Neher veröffentlicht. Darüber hinaus erschließen deutsche und russische Forscher die monströse Dimension des staatlichen Terrors in den 1930er und 1940er Jahren, dem Millionen Menschen zum Opfer fielen.
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
Bettina Nir-Vered
- Die Schauspielerin Carola Neher (1900-1933)
- Carola Neher
Klaus Völker - Liebe ohne Heimat. Carola Neher und Klabund
Karin Wieland
- Carola Neher
- Exil und Verfolgung in der Sowjetunion (1933-1942)
- Das Ende der Illusionen.
Das sowjetische Theater und das »Antitheater« der 1920er Jahre
Valeriy Zolotukhin - Der Große Terror und die sowjetische Intelligenz.
Am Beispiel der Schicksale Sergej Tretjakows und Wsewolod Meyerholds
Wladimir Koljasin - In Zeiten des Terrors.
Deutsche Schriftsteller und Künstler im sowjetischen Exil
Anne Hartmann - Die Unsichtbare
Carola Neher am Rande des deutschen Filmexils in der Sowjetunion
Christoph Hesse - Die letzten Aufsätze von Carola Neher - Ein besonderer Fund
Peter Diezel und Bettina Nir-Vered
- Das Ende der Illusionen.
- Der Prozess gegen Carola Neher
- Zeugin der letzten Wegstrecke Carola Nehers - Hilda Duty
Peter Diezel - Politische Inquisition und NKWD-Terror:
Carola Neher und Zenzl Mühsam
Reinhard Müller
- Zeugin der letzten Wegstrecke Carola Nehers - Hilda Duty
- Brecht und die Moskauer Prozesse
Weiterwirkende Verfolgung- Carola Neher und das gesammelte Schweigen Bertolt Brechts
Reinhard Müller - Kindheit im Zeichen politischer Verfolgung
Irina Scherbakowa
- Carola Neher und das gesammelte Schweigen Bertolt Brechts
- Anhang
Danksagung
Autorenverzeichnis
Bildnachweis
Personenregister