Verwaltungskultur, Diktaturerfahrung und Demokratie im 20. Jahrhundert
Das bayerische Finanzministerium von 1919 bis 1979 (Demokratische Kultur und ... Personal, Prägungen in Bayern 1945-1975)
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Demokratie zeigte auf Länderebene oft ein anderes Gesicht als in der Reichs- bzw. Bundeshauptstadt. Dies belegt Bernhard Gottos Studie über das bayerische Finanzministerium. Er untersucht, wie sich die Regimewechsel von 1918, 1933 und 1945 auf die Verwaltungskultur auswirkten, welche Kontinuitäten das Verwaltungshandeln prägten und wie politische und gesellschaftliche Wandlungsprozesse administrative Routinen veränderten. Seine Studie macht deutlich, dass die Leitungsbeamten die Weimarer Demokratie auch als Chance begriffen. In der NS-Diktatur wurden Ministerialbeamte hingegen zu Tätern, obwohl sie nur geringen Anteil an der fiskalischen Judenverfolgung hatten. Nach 1945 prägte der Statusverlust durch die Entnazifizierung das Demokratieverständnis der Beamten, sodass diese eine autoritäre und misogyne Auffassung von Staatsdienst konservierten. Dagegen manifestierte sich im Kerngeschäft des Staatshaushalts, in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Binnenstruktur des Ministeriums bereits in den 1950er Jahren ein substanzieller Demokratisierungsschub, während die partizipatorischen Aufbrüche der 1960er und 1970er Jahre kaum Spuren hinterließen.
- Editorial —IX
- Einleitung: Verwaltungsgeschichte als Kulturgeschichte der Demokratie
- Die bayerische Finanzverwaltung während der Weimarer Republik
- Die Welt von gestern
- Eine Staatselite: Selbstverständnis und Karrieremuster der leitenden Beamten
- Eine schwarze Domäne? Der Einfluss der Bayerischen Volkspartei auf das Finanzministerium
- Gegen das Reich: Fiskalföderalismus als Leitidee bayerischer Finanzpolitik
- Demokratie als Erfahrung: Verwaltungshandeln und berufsbiografische Prägungen
- Weder Hammer noch Amboss: Das bayerische Finanzministerium in der NS-Diktatur
- Der Zusammenbruch der BVP-Herrschaft und der Beginn der nationalsozialistischen Diktatur
- Von der Rationalisierung zur Anpassung an den „Führerstaat“: Personalpolitik und Organisationsentwicklung
- Performative Loyalität: die politische Profilierung des leitenden Personals
- Finanzbeamte als Täter: fiskalische Staatsverbrechen
- Diktatur als Erfahrung: das Finanzministerium als sozialer Raum der individuellen Positionierung
- Resouveränisierung: Die bayerische Finanzverwaltung in den ersten Nachkriegsjahren
- Administrative Routinen in Trümmern: Finanzverwaltung und Besatzungsherrschaft
- Verwaltungskairos: die Restauration der bayerischen Finanzhoheit
- Umbruch: die personelle und organisatorische Entwicklung des Ministeriums
- Haushaltspolitik als Normalisierung
- Finanzskandal als Anpassungskrise: die Affäre Blum
- Die Konstruktion des „Nazi-Beamten“: Das Finanzministerium als Entnazifizierungsagentur
- Purgatorium: Entnazifizierung unter amerikanischer Besatzungsherrschaft
- Existenznot und Demütigung: Entnazifizierungserfahrungen
- Othering: Nationalsozialismus als negativer Zerrspiegel von Selbstbildern und Ordnungsentwürfen
- Keine „131er“: die Reintegration der Entnazifizierten
- Verwaltungskultur: das Finanzministerium als sozialer Interaktionsraum
- Politisierung: Strukturelle Anpassungen des Ministerialapparats an die Anforderungen demokratischer Führung
- Kein Ort für Haushälterinnen: Geschlechterverhältnisse
- Gebremste innere Demokratisierung: die Personalvertretung im Ministerium
- Jenseits des Weißwurstäquators: Handlungs- und Erfahrungsräume des Führungspersonals
- Demokratische Kultur: Aushandlung und Kommunikation von Finanzpolitik
- Finanzpolitik darstellen: Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums
- Abschied vom Etatismus? Haushaltspolitik im Spannungsfeld von Parlamentarisierung und Regouvernementalisierung
- Die Entdeckung der Finanzpolitik: Vektoren und Resonanzräume für Haushaltsentscheidungen
- Leerstellen: Schuld und Täterschaft von demokratischen Eliten
- Verwaltungskultur, Diktaturerfahrung und Demokratie im 20. Jahrhundert - eine Bilanz
- Ministerialverwaltung und Politik
- Demokratie und Diktatur als individuelle Erfahrung und im institutionellen Gedächtnis
- Verwaltungskultur und demokratische Kultur
- Abbildungen
- Tabellen
- Abkürzungen
- Quellen und Literatur
- Personenregister
- Der Autor