Bemerkung
Königsplatz in München ist ein prägnantes Beispiel des europäischen Klassizismus und wurde ab 1815 auf Geheiß von König Ludwig I. nach Entwürfen von Karl von Fischer und Leo von Klenze errichtet . Der rechteckige Platz im Maxvorstadt-Stadtteil bildet das architektonische Herzstück der Brienner Straße und verkörpert das Konzept des „Isar-Athen“, bei dem Kultur, Verwaltung, Religion und Grünflächen harmonisch verschmelzen .
Markante Bauwerke definieren das Ensemble: Auf der Nordseite steht die Glyptothek, ein Tempel für antike Skulpturen, entworfen von Leo von Klenze und 1830 eröffnet . Der Südseite gegenüber befindet sich das korinthische Gebäude der Staatlichen Antikensammlungen, das 1848 erbaut wurde . Die Westseite wird von den monumentalen Propyläen dominiert, einem Torbau im dorischen Stil, der als Denkmal für die griechische Unabhängigkeit diente und zwischen 1846 und 1862 ebenfalls von Klenze umgesetzt wurde .
Heute ist der Königsplatz ein lebendiger Treffpunkt im Kunstareal – ein Museumshof offen zur Stadt. Die weiten Freiflächen und die stufenförmigen Gliederung ermöglichen regelmäßige Großveranstaltungen wie Konzerte, Festivals oder Sportevents in beeindruckendem Ambiente . Der Platz repräsentiert Münchens klassizistische Architektur und fasziniert durch seine klare Linienführung, die antiken Vorbilder und die harmonische Stadtsilhouette – ein blendendes Zeugnis für Ludwig I.s kulturelle Vision.
Beschreibung
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Im rechtwinkligen Straßenraster der zu Anfang des 19. Jh. geplanten -> Maxvorstadt eingefügter Rechteckplatz zwischen Meiser-/Arcis- und Luisenstraße, in Ostwestrichtang von -> Brienner Straße durchlaufen und an Westseite durch Propyläen (1854-62, (-* Königsplatz 2) geschlossen; in der Mitte seiner Nordseite die 1816 ff. errichtete Glyptothek (-> Königsplatz 3), ihr Pendant an Südseite die Staatlichen Antikensammlungen (1838-45, > Königsplatz 1). Erste Entwürfe für Platzgestaltung 1807/08, u. a. von Thurn, A. Gärtner, Schedel von Creifelstein, F. L. v. Sckell; mit Ratifizierung des Generalplans der Baukommission 1808 im Verlauf der Brienner Straße (bis 1826 (Königsstraße« genannt) drei Plätze vorgesehen: der runde > Karolinenplatz, der rechteckige Königsplatz und der ebenfalls runde Stiglmaierplatz (bis 1845 >Kronprinzen<- oder >Ludwigsplatz<). Sckell und C. v. Fischer 1809/10 mit Erstellung von >Generalplänen< für weitere Stadtentwicklung beauftragt; ein unabhängig davon 1809 von der Militärkommission erstellter Bebauungsplan für den Königsplatz (Garnisonskirche, Kadettenschule, Invalidenhaus) am Einspruch Fischers und Schedels gescheitert. Neuer Bebauungsplan 1812 mit Betonung der Ostwestausrichtung durch Errichtung öffentlicher Gebäude in der Mitte der beiden Längsseiten sowie Privatbauten gegen die Platzecken: an Nordseite Skulpturenmuseum (später: Glyptothek) vorgesehen (Kronprinz Ludwig erwirbt dort 1812 Grundstück), an Südseite ein von General Wrede angeregtes Armeedenkmal (Entwurf 1813 von C. v. Fischer, als zu teuer nicht ausgeführt); Entwurf Himbsels (1814) für Invalidenhaus und Glyptothek (ebenfalls nicht realisiert).</p>
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Seit 1815 Beschäftigung Klenzes mit Glyptothekentwürfen (Bauauftrag 1816), zugleich Vorschläge für Umbauung des Platzes; entgegen Nordseite zog sich Planung der Südseite über ]ahre hin: Entscheidung Ludwigs 1816 für eine katholische Kirche der Zwölf Apostel (erste Planung von Klenze 1816-19) anstelle des Fischerschen Armeedenkmals. (Vermutlich bereits zu dieser Zeit Klenzes Idee, den Platz gegen Westen durch einen Torbau (später >Propyläen<) zu schließen. In Plänen des Architekten von 1819/20 und 1821/23 auf Platzareal rechteckige Rasenflächen (mit vier Brunnen) eingetragen, ferner größere freistehende Wohnbauten in Fluchtlinien von Glyptothek und Kirche sowie quer stehende Gebäude an Arcis- und Luisenstraße. Bereits 1822 begonnene Bauten (von Gampenrieder und Höchl) auf Geheiß Ludwigs 1823/24 z. T., 1824/25 gänzlichabgebrochen. 1823/24 Tieferlegung des Platzniveaus (weil Glyptothek auf zu niedrigem Sockel errichtet) und Anlage von vier rechteckigen Rasenflächen (ohne Brunnen); 1826 Baumbepflanzung an der bereits von F. L. v. Sckell vorgeschlagenen nördlichen Platzbegrenzung durch seinen Neffen C. A. Sckell.-Klenze bei weiterer Planung für Südseite abgelöst: 1827 Entwurfsauftrag an F. v. Gärtner für Errichtung der neuen Staatsbibliothek» > Ludwigstraße 16), 1828 aufgegeben; 182 7/28 Auftrag an Ziebland zum Bau der Apostelkirche, dann zum Kunstausstellungsgebäude (heute Staatliche Antikensammlungen ( > Königsplatz 1); erst 1845 nimmt Klenze die Planungen für die Propyläen ( > Königsplatz 2) wieder auf, 1854-62 erbaut. Dagegen blieb Ostseite des Platzes eigentümlich amorph, lediglich an Ecke Brienner/Arcisstraße zwei (zu kleine) kubische Bauten: südlich das 1809/10 nach eigenen Plänen errichtete Wohnhaus C. v. Fischers, nördlich gegenüber das Wohnhaus für Schnorr von Carolsfeld (1832 von Höchl; beide 1933 beim Bau der sog. >Ehrentempel<, s. u., abgerissen). Pläne und Projekte für >Vollendung< des Platzes bereits 1883 durch Heckel, in den 1880er Jahren durch Bühlmann, 1914 durch )äger, 1924 durch O. O. Kurz, dereinen (Vaterländischen Heldenplatz< projektierte: auf ihm sollten 16 (!) symbolische Sarkophage an Ost- und Westseite aufgestellt werden-eine fatale Vorwegnahme der anstelle der beiden Wohnhäuser 1933-35 nach Plänen von P. L. Troost errichteten zwei >Ehrentempel< (in der Form von Hypäthraltempel) mit den Eisensärgen der 16 >Blutzeugen< der NSDAP (1947 gesprengt). Sie und die beiden südlich und nördlich anschließenden Baublöcke (ehemalige Parteiverwaltung, > Meiserstraße 10, und sog. >Führerbau<, > Arcisstraße 12) sollten nach Hitlers Willen die zur Stadt hin offene östliche Platzseite durch monumentale >Kulissen<-Bauten abschließen. Doch schon in den 1920er jähren Zweckentfremdung des Platzes für politische Demonstrationen, im Dritten Reich zur Weihe- und Versammlungsstätte des deutschen Volkes< umfunktioniert (seit 1935 Umbenennung in (Königlicher Platz<, die Brienner Straße als »Straße der Bewegung« und »nationale Via triumphalis« glorifiziert), die Platzfläche durch Umfassungsmauern ausgesondert und mit Granitplatten gepflastert (von den Münchenern als >Plattensee< bezeichnet); dadurch Verhärtung des Platzareals und durch Niveauanhebung Zerstörung der ProPortionen der Baukörper. Nach Krieg erste Pläne für Neugestaltung 1947 (u. a. von G. Gsaenger, Elsässer, C. Sattler), seit 1961 Wiederaufnahme der Umbaupläne (Entfernung der Platten, Anlage einer Tiefgarage), erst 1986 Beginn der Wiederherstellung der Rasenflächen (vollendet 1988). Auf Platzareal 1994 unmotivierte Aufstellung einer Licht-Installation des Amerikaners Flavin. Bei Einmündung der Brienner Straße seit 2001 Informationstafel über Dienststellen der NSDAP im Bereich Karolinen-/Königsplatz und Karlstraße.</p>
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<strong>Bedeutung:</strong> Einzigartige Platzgestaltung am westlichen Eingang in das neu angelegte Stadtviertel konzipiert, eine der »spätesten und besten Lösungen des europäischen Klassizismus« (E. Bergmann) in der Rezeption antiker (bzw. für antik gehaltener) urbanistischer Foren, formal überhöht durch Gleichklang von dorischen (Propyläen), ionischen (Glyptothek) und korinthischen (Ausstellungsgebäude) Stilelementen. Im späteren Verzicht auf die von Klenze vorgesehene allseitige Umbauung zugunsten der Bepflanzung der Randzonen beiderseits der Museumsbauten wird Wandlung von klassizistischer zu romantisch-biedermeierlicher Kunstauffassung sichtbar. Durch Wiederherstellung kleinteiliger Rasenflächen Verlust urbaner Weiträumigkeit.</p>
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<strong>Nachtrag 2009</strong></p>
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Schauplatz der von nationalsozialistischen Studenten in der Nacht des 10. Mai 1933 veranstalteten Bücherverbrennung, bei der Werke von mehr als 200 als »schädlich« verfemten Autoren ins Feuer geworfen wurden.</div>