Sagen & Geschichten
 

Münchner Sagen & Geschichten

Das Leichenbegängniß Herzog Alberts IV. 1509

Mayer - Münchner Stadtbuch (1868)


Albrecht IV., Herzog von Bayern, schon von seinen Zeitgenossen als der Weiseste der Fürsten seiner Zeit gepriesen, wird mit Recht der Weise genannt; denn er war es, der den verderblichen Landestheilungen, die seit dem Tode Kaiser Ludwigs zweihundert Jahre lang das Land zersplitterten und zum Verfalle brachten, mit Kraft und Beharrlichkeit ein Ende machte, indem er durch Urkunde vom 8. Juni 1506 für ewige Zeiten die Einheit und Ungetrenntheit des Landes Bayern und das Recht der Erstgeburt von Sohn zu Sohn in der Thronfolge anordnete.

Dieser große Fürst starb zu München am Morgen des 18. März 1508 im dreiundsechzigsten Jahre seines Lebens und dem dreiundvierzigsten seiner Regierung. Sein Leichnam wurde erst am Mondtag nach Sebastiani im  Jahre 1509 in die Gruft seiner Ahnen in der Frauenkirche eingesenkt.

Wir besitzen noch gegenwärtig eine ausführliche Beschreibung dieses prunkvollen Leichenbegängnisses, welche handschriftlich in dem kgl. Reichsarchive sich befindet, und , als Zeugniß alter Sitten und Gebräuche von Interesse ist.

Auf ergangene Einladung des Herzogs Wolfgang, Bruders des Verstorbenen erschienen in München - die Abgeordneten des Kaisers Maximilian: Domdechant von Zillenberg zu Augsburg und Ritter Adam von Frundsberg;
- die Abgeordneten des Pfalzgrafen und Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz: der Abt von Waldersbach und Wolfgang Fuchssteiner, Landrichter zu Arnberg;
- der Abgeordnete des Kurfürsten Friedrich von Sachsen: Ritter Kaspar Spött;
- der Abgeordnete des Herzoges Johann von Sachsen: Ritter Melchior von Stein;
- die Abgeordneten des Landgrafen Wilhelm zu Hessen: Peter von Dräspach, Landvogt an der Lain und Hofrichter zu Hessen, und Adolf Rauch, Amtmann zu Germsheim;

In Person erschienen:
- Markgraf Friedrich von Brandenburg, Markgraf Kasimir und dessen Sohn, sammt ihrem Gefolge von Rittern und Edlen mit 180 Pferden;
- Herzog Ulrich von Würtemberg und Herzog Heinrich von Braunschweig, sammt ihrem Gefolge mit 380 Pferden;
- Leonhard, Erzbischof von Salzburg;
- Niklas, Bischof zu Chiemsees
- Rudolph Kienberger, Domprobst zu Salzburg;
- der Bischof zu Konstanz;
- der Probst zu Ellwangen;
- der Bischof zu Eichstädt mit dem Abte von Plankstetten und dem Probste von Herrieden, und einem Gefolge von Rittern und Edlen mit 80 Pferden;
- der Bischof von Augsburg und der Abt von St. Ulrich zu Augsburg mit Gefolge von Rittern und Edlen mit 70 Pferden;
- der Bischof von Freising sammt Gefolge von Rittern und Edlen mit 50 Pferden;
- der Bischof von Passau, sammt Gefolge von Rittern und Edlen mit 55 Pferden:
- die Abgeordneten der Fürsten des schwäbischen Bundes;
- und die Abgeordneten der Reichsstädte Nürnberg, Augsburg und Ulm, dann der Städte München, Landshut, Ingolstadt, Straubing, Landsberg, Braunau, Burghausen und Wasserburg.

Mit dem Leichenzuge gingen ferner, mit:
- die Wittwe des verstorbenen Herzogs Albrecht IV. Kunigunde, eine Tochter Kaisers Friedrich III. geführt von den Rittern Ulrich Graf von Ortenburg und Hans von Pfeffenhausen, Hofmeister, mit ihren Frauen;
- die Prinzessin Sibilla, später Gemahlin des Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz, geführt von den Rittern Johann von der Leiter, Herrn zu Bern, und Johann von Aichberg, Herrn zu Hals; mit ihren Frauen und Jungfrauen;
- die Prinzessin Sabina, Gemahlin des Herzoges Ulrich von Würtemberg, geführt von den Rittern Wolf von Fraunberg, Herrn zu Haag und Hieronimus von Stauf, Herrn zu Ehrenfels, mit ihren Frauen und Jungfrauen.

Vor allen diesen schritten dem Leichenzuge voran fünfzig der armen Leute von München, paarweise in langen, schwarzen Röcken in der Guglhaube*), jeder ein Wachslicht eines Pfundes schwer in der Hand mit anhängenden bayerischen Wappen;
- ein Herold im Klagerocke und Guglhaube, seinen Wappenrock am Arme tragend und den Stab gegen die Erde gesenkt zum Zeichen der Trauer.

Den Zug, der sich aus der alten Veste in die Kirche zu U. l. Frau bewegte, schloßen 80 Edle.

In der Frauenkirche waren der Hochaltar, die zwei Seitenaltäre im obern Chore und die zwei Altäre neben dem sogenannten Untermeß-Altare mit schwarzwollenem Tuche bedeckt, und an dem Tuche große weiße Kreuze und ein Schild mit dem bayerischen Wappen angebracht. Die Betstühle sowohl, des oberen als des unteren Chores waren gleichfalls mit schwarzem Tuche überdeckt, an deren Seiten Schilder mit den bayerischen Wappen und einhundertsechzig brennende Wachskerzen, jede zu einem Pfunde schwer.

In der Mitte des Chores vor dem Hochaltare war ein Katafalk errichtet, überdeckt mit schwarzem Tuche, an dem weiße Kreuze angebracht waren. Auf und neben dem Katafalke brannten dreihundertfünfzig Wachskerzen, jede zu einem Pfunde schwer. Von den oben erwähnten armen Männern standen dreißig mit ihren Wachslichtern neben dem Katafalke, die übrigen zwanzig standen vor den Betstühlen, gleichfalls mit ihren Lichtem.

Die Fürsten oder deren Abgeordnete, an deren Spitze Herzog Wolfgang und der nunmehrige noch minderjährige Thronfolger, Herzog Wilhelm IV., die Grafen, die Ritter, die Edlen und die Abgeordneten des schwäbischen Bundes stellten sich in der Kirche auf der rechten Seite des Chores und des Mittelschiffes, die bei dem Trauergottesdienste nicht beschäftigten Bischöfe und fremde Geistlichkeit und die Abgeordneten der Städte auf der linken Seite auf.

In der Mitte befand sich die herzogliche Wittwe Kunigunde und die Prinzessinen mit ihren Frauen und Edelfräulein, ferner die Frauen und Töchter der Fürsten, Grafen, Ritter und Edlen, hernach die Frauen und Jungfrauen der Geschlechter von München und nach diesen vierzig Kloster-Ordensschwestern.

Zunächst unterhalb des Katafalks stand der Herold, seinen Stab zur Erde kehrend.

Das erste Traueramt hielt Herr Philipp, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Bayern, Bischof zu Freising. Ihm ministrirten Graf Georg von Ortenburg als Evangelier und Herr Degenhard von Weichs als Epistler.

Das zweite Traueramt hielt Herr Leonhard, Erzbischof von Salzburg. Ihm ministrirten Herr Niklas, Bischof von Chiemsee als Evangelier und der Herr von Trautmanns dorf als Epistler.

Während des Traueramtes geschah der Opfergang.

Bei diesem ging zuerst der Herold mit niedergesenktem Stabe, und gab einen Golddukaten, der im Jahre 1500 unter Herzog Albrecht geschlagen wurde, zum Opfer.

Auf ihn folgten zwei Klagebrüder mit brennenden Kerzen.

Hiernach wurden auf schwarzsammtenen Kissen getragen die Reichskleinodien, Krone und Scepter. Vor diesen gingen Herr Sigmund von Rohrbach, Ritter, und Wendel von Haunburg, Hauptmann.

Nach diesen trugen Graf Christoph von Ortenburg das Panier des verstorbenen Herzogs Albrecht, Herr Johann von Degenberg das Schwert, Herr Hieronimus von Stauf und Herr Hans von Pfeffenhausen den Schild, und Herr Gregor von Eglofstein, Hofmeister und Wolf von Fraunberg, Herr von Haag, den Helm.

Hierauf wurden 6 Leibpferde des verstorbenen Herzoges, mit schwarzem Tuche bis auf die Erde bedeckt, jedes eine brennende Kerze auf der Stirne tragend, mit den bayerischen Wappenschildern behangen, von zwölf Rittern geleitet um den Hochaltar geführt.

Sodann gingen die Fürsten, die Abgeordneten, die Grafen, Ritter und Edle und die Abgeordneten der Städte, und nach ihnen die Fürstinnen und Damen zum Opfer.

Den Opfergang beschloß Herr Hieronimus von Seiboltstorf, Vitzthum, eine große brennende Kerze, mit hundert Gulden besteckt, tragend.

Nach gesungenem Libera wurde der Sarg mit dem Leichname des Herzogs Albrecht in die Gruft unter den Hochaltar getragen und daselbst neben den Ueberresten Kaiser Ludwigs und seiner anderen Vorfahren beigesetzt.

Nach geendigter Kirchenfeier bewegte sich der Zug in der nämlichen Ordnung zurück in die alte Veste; die Frau Wittwe Kunigunde aber ging nicht mehr in ihr herzogliches Schloß, sondern begab sich in das Pütrich-Regelkloster der Franziskanerinen, wo sie sich gottseligen Uebungen und der Trauer um den dahingeschiedenen Gemahl weihte und nach zwölfjähriger Andacht am 5. Aug. 1520 das Leben beschloß.

An demselben Tage Mittags ein Uhr war große Hoftafel. Die näheren Umstände dieses Leichenschmauses sind von unseren gegenwärtigen Hofceremonien zu abweichend und darum zu interessant, als daß sie nicht nach der alten handschriftlichen Beschreibung dem Leser hier vorgeführt werden sollten. Es wurde dabei nicht, wie heut zu Tage, an einer Tafel gespeist, sondern die zur Hoftafel eingeladenen Gäste waren an vier verschiedenen Tischen vertheilt.

Am ersten Tische saßen, und zwar am oberen Platze: der Gesandte des Kaisers, Domdechant Herr von Zillenhart von Augsburg, des Pfalzgrafen Ludwig V. von der Pfalz abgesandter Abt von Walderbach, der, Erzbischof von Salzburg und der Bischof von Eichstätt. Am untern Platze saßen: des Landgrafen von Hessen Gesandter, und der Abgesandte des schwäbischen Bundes, Hauptmann Wilhelm Gutz.

Die Tischdiener waren und zwar: Vorschneider: der Graf Christoph von Ortenburg; Truchseß: Herr Wolf von Weichs, Ritter; vor den Speisen gingen: Graf Ulrich von Ortenburg und Herr Wolf von Aheim, Ritter; Weinschenken : Herr Johann von Bern, Herr Wolf von Fraunberg und der Herr von Haag. Tischdiener: Lorenz von Seiboltstorf und Utz, Marschall von Pappenheim.

Am zweiten Tische saßen und zwar am obern Platze: der Gesandte des Kurfürsten Friedrich von Sachsen, Markgraf Friedrich von Brandenburg, und Herzog Ulrich von Würtemberg. Am untern Platze saßen Herzog Wolfgang von Bayern, der Bischof von Augsburg und der Bischof von Konstanz.

Tischdiener waren und zwar: Vorschneider: Herr Peter von Altenhausen, Ritter; Truchseß: Herr Sigmund von Schwarzenstein; vor den Speisen gingen: Herr Hans von Pfeffenhausen und Erhard Bernthaler, Hofmeister; Weinschenken: die Vorigen, Herr Johann von Bern und Herr Wolf von Fraunberg; Tischdiener: Herr Christoph von Paulstorf, Ritter, und Peter Rainer der junge.

Am dritten Tische saßen und zwar am obern Platze: der Bischof von Freising, Markgraf Kasimir von Brandenburg und Herzog Heinrich von Braunschweig. Am untern Platze der Bischof von Passau, Herzog Wilhelm in Bayern, und Markgraf Johann von Brandenburg.

Tischdiener waren und zwar: Vorschneider: Hans von Kammer; Truchseß: Hildebrand Kitscher; vor den Speisen gingen: Hans von Closen, Ritter, und Gregor von Eglofstein, Hofmeister; Weinschenk: Herr Hieronimus von Stauf; Tischdiener: Hans von Au und Peter von Maxlrain.

Am vierten Tische saßen: der Bischof von Chiemsee, der Probst von Ellwangen, der Abt von Salmansweil, der Abt von Kempten, der Abt von St. Ulrich in Augsburg und Herr Hans Adelmann, Komthur zu Mergentheim.

Tischdiener waren und zwar: Vorschneider: Hans von Pfeffenhausen der junge; Truchseß: Andreas Fröschl; vor den Speisen gingen: Herr Hans von Closen und Gregor von Eglofstein; Weinschenk: Herr Hieronimus von Stauf.

Die Hauptpracht und Zierde der fürstlichen Tafeln bei festlichen Gelegenheiten bestand damals in sogenannten Schauessen, in welchen sich die ganze Kunst des Zuckerbäckers zeigte. Diese Schauessen bei gegenwärtiger Tafel stellten die sieben Alter der Welt und das Begräbniß des Herzoges Albrecht vor. Zur Ergötzung der freundlichen Leser und Leserinnen dieses Buches möge hier die wörtliche Beschreibung dieser Schauessen und der aufgetragenen Speisen folgen:

Das erste Essen
war das erste Alter der Welt, nämlich Adam und Eva in einem Garten, und stund zwischen ihnen ein grüner Baum, darum sich eine Schlange gewunden hat, einen Apfel im Maul und neiget sich damit gegen Eva, dabei Maurachen und Pfifferling von Zucker und Mandeln gemacht.

Das ander Essen
war ein gesottener Schweinskopf auf einem Rost abgetrocknet.

Das dritte Essen
war gesottenes Fleisch mit Kapaunen, Hühnern und getrocknetem Fleisch.

Das vierte Essen
war eine Figur des anderen Alters der Welt, nämlich die Arche Noe mit beiliegenden Oblaten von Zucker gebacken.

Das fünfte Essen
war ein heißes Fischessen von Lachsforellen, Aschen und andern guten Fischen.

Das sechste Essen
war ein Zettlkraut und was darauf gehört.

Das siebente Essen
war das dritte Alter der Welt, nämlich die Figur, wie Abraham seinen Sohn hat opfern und enthaupten wollen, anbei ein Thurm von Zucker und Mandeln gemacht.

Das achte Essen
war eine durchsichtige hohe Sulz mit Fischen.

Das neunte Essen
war grün, und gesalzenes Wildpret in einem Pfeffer.

Das zehnte Essen
war das vierte Alter der Welt, nämlich wie David, das kleine Königlein, gegen Goliath, der in Gestalt eines Riesen gemacht, dastund und seine Schlinge in der Hand hätte, dabei süße Krapfen von Zucker und Mandeln gemacht.

Das eilfte Essen
war ein Gemüs.

Das zwölfte Essen
war ein eingemachter Haufen.

Das dreizehnte Essen
war das fünfte Alter der Welt, nämlich der Thurm zu Babylon stund mit etlichen Häusern in einem Gemüs.

Das vierzehnte Essen
war eine Pastete mit eingemachten Vögeln.

Das fünfzehnte Essen
war ein Rehschlegel mit einem Zyseindl.

Das sechszehnte Essen
war das sechste Alter der Welt, nämlich die Menschwerdung Christi, Maria mit ihrem Kindlein, auch mit Joseph, dem Eselein, Oechselein und Krippe in ein weiß Mandelnuß gemacht.

Das siebenzehnte Essen
war eine Pastete mit Birnen und anderem Gemüs.

Das achtzehnte Essen
war von eingemachten Vögeln.

Das neunzehnte Essen
war das siebente und letzte Alter der Welt, nämlich das jüngste Gericht, wie der Salvator unter einem Regenbogen sitzt, zur rechten Seite die Jungfrau Maria als eine getreue Fürbitterin und zur linken Seite St. Johannes niederknieend. Dabei ein Marzipan von Zucker und Mandeln.

Das zwanzigste Essen
war von eingemachten Karpfen und Wallern.

Das einundzwanzigste Essen
war ein Gebratenes von Fasanen, Haselhühnern, Rebhühnern, Vögeln und anderm guten Wildpret.

Das zweiundzwanzigste Essen
war unseres gnädigen Herrn Herzogs Albrecht hochlöbl. Gedächtniß Begräbniß, nämlich die Form des Grabes mit allen Fähnlein oder Panieren des Landes und der Herrschaft, wie dann das wirklich gemacht und geziert in unser lieben Frauenkirche steht auf dem Grab nach seiner Bildung, ein geharnischter Mann am Rücken liegend, in der rechten Hand ein Panier und in der linken ein bloßes Schwert, bei den Füßen zwei Schilde, einer mit Bayern, der andere Osterland gemalt, dabei gefüllte Oblaten.

Das dreiundzwanzigste Essen,
das letzte zum Morgenmahl, war ein Gebackenes in Form eines Kachelofens, daraus wurden lebendige Vögel gelassen.

Hiernach folgen mehr Schauessen, die zu andern Mahlzeiten gegeben und eingetheilt worden sind:

Eine Galeere mit aufgerichtetem Segelbaum;

Unser lieben Frauen Bild in der Sonne, darüber ein Tabernakel auf vier Säulen stehend;

Eine Pastete mit etlichen Thüren, darauf ein Hirsch mit einem vergoldeten Geweih; ein Pelikan, der sich selbst in seine Brust sticht, daraus Blut fleußt auf seine im Neste liegenden Jungen;

ein Brunnen mit etlichen Röhren, daraus Rainfal floß und wieder in ein Kästchen zurückfiel;

ein brauner Igel in einem weißen Gemüs;

Samson auf einem Löwen sitzend, wie er ihm das Maul aufreißt;

drei Löwen in einem Gemüs;

St. Johannes Enthauptung;

Item etliche gegossene Schlösser;

das Abendessen Christi;

ein schöner Pfau;

ein lustig Gejaid;

und etliche gegossene Mandelmödel.

Ausser den geladenen Gästen wurden überdieß vier Tage lang, Sonntag, Mondtag, Dienstag und Mittwoch 2500 Personen aus der herzoglichen Hofküche und dem Keller ausgespeiset, und 1860 Pferde gefüttert.

Haben unsere freundliche Leser und Leserinnen, absonderlich die Freunde der edlen Kochkunst sich etwa an diesem Speisezettel höchlich ergötzt, so erlauben wir uns noch ein Seitenstück hiezu von der Hochzeit Herzog Georgs des Reichen von Landshut im Jahre 1475 anzuführen, worüber wir eine umständliche und genaue Beschreibung des damaligen Klosterschreibers zu Seligenthal, Hans Seibolt von Hochstetten, besitzen. Bei dieser fürstlichen Tafel wurden folgende Speisen aufgetragen.

Der erste Gang, das „Hochessen", bestand aus Eiern und Schmalz,
einem Picktvogel (?) ein Mandelgemüs, ein Essen von Confeet;
darnach gefüllte Oblaten;
dann Hühner in einer weißen Brühe,
dann ein heißer Fisch,
ein Oerbraten (?),
ein weißes Gemüs,
drei Pasteten aufeinander, darin dreierlei Essen,
ein braunes Gemüs,
Schwein-Wildpret,
Sulzsisch,
Hühner in einer Rosinenbrühe,
frische Lachsforellen in einem Ziseindlein,
dann Schweinsköpfe,
gebackene Schiffeln,
gesottenes Fleisch,
hohe (?) weiße Milch,
eine Lebersulz von Spanferkeln,
Krebse,
gepreßter Schweinskopf in einer Galerte, hohe Grüsen,
Vögel in einer braunen Brühe,
ein gefärbtes Gemüs,
grüne Lachsforellen mit Petersilie,
Braten,
ein braunes Gemüs,
Gebackenes,
ein langer Kuchen für zachen (?),
eine gefärbte, geschnittene Milch,
ein gefärbtes Gebäck,
ein Essen in Form eines Schachspieles,
Mandelkuchen in Weinsauee,
ein Essen von Lebzelten.

Tragen auch diese Speisen nicht die hochtrabenden und wunderlich klingenden französischen Namen, mit welchen sie heut zu Tage auf den fürstlichen Tafeln bei besonderen festlichen Anlässen prangen, so können wir doch nicht umhin, den Kochkünstlern damaliger Zeit zuzugestehen, daß sie es wohl verstanden, die Tafel mit großer Mannigfaltigkeit und Abwechselung zu bestellen. Die „Schauessen" insbesondere mögen alle wohl kleine Kunstprodukte des Zuckerbäckers gewesen sein, deren sich auch ein Konditor unserer Tage nicht schämen dürfte.

 

 

 

 

*) Die Gugel, eine Verhüllung des ganzen Kopfes mit schwarzem Zeuge, aus dem lateinischen cuoulliis, die Kapuze, franz. capuchon.


 Albrecht IV. Herzog von Bayern