Sagen & Geschichten
 

Münchner Sagen & Geschichten

Die alten Geschlechter Münchens

Mayer - Münchner Stadtbuch (1868)


Die deutschen Städte des dreizehnten und vierzehnten Jahrhundertes bilden ein eingethümliches Bild selbstherrlicher und republikanischer Gestaltungen dar. Den Anmassungen des Adels und den Auswüchsen des Ritterthums gegenüber waren sie zu einem festen, einmüthigen Zusammenhalten genöthiget, um so mehr, als der Adel von seinen Burgen herab nur ungern das Aufkommen der verachteten und gehaßten Städte sah, die ihm Einfluß und Ansehen schmälerten, weshalb er sie auf jede Weise zu necken und zu schädigen suchte. Allein eben dieser Kampf trug wesentlich zum Aufblühen nicht nur der freien Reichsstädte, sondern auch der andern Städte bei, denn nicht nur die gemeinen Handwerker, sondern auch die Künstler jeder Art ließen sich in den Städten nieder, deren Mauern ihnen nicht nur Sicherheit, sondern auch größeren und freieren Spielraum ihrer Kunst und einträglicheren Erwerb gewährten. Dadurch wuchs die Bevölkerung der Städte in den erwähnten beiden Jahrhunderten auf rasche Weise, er erblühte in ihnen ein kräftiges Leben, und die 

Bürger wurden die Vertreter deutscher Kultur und Sitte. Aus diesen Gewerben und dem Handel ging bald großer Wohlstand und selbst Reichthum der Bürger hervor. Der Handel war es besonders, der damals in hohem Grad blühte. Dieser nahm in dieser Zeit ganz andere Wege, als in den neueren Jahrhunderten; der Landweg über Deutschland war es, welcher den Norden Europa´s mit dem Süden verband. Und eben an diesem Handelswege lag die junge Stadt München, wie wir in dem vorhergehenden Abschnitte gezeigt haben. Mit diesem Handel aber waren auch nothwendigerweise Geldgeschäfte verbunden, die in großer Ausdehnung betrieben wurden.

Natürlich war es, daß einzelne Männer und Familien dadurch zu größeren Reichthume gelanten, und dadurch ein größeres Ansehen von ihren anderen Mitbürgern erlangten. Allein eben ihre Strebsamkeit mußte es mit sich bringen, daß sie nicht allein durch ihren Wohlstand hervorragten, sondern auch durch Kenntnisse und Bildung vor ihren Mitbürgern sich hervorthaten, und daher auch in geistiger Beziehung einen Vorrang und eine Uebergewicht vor Anderen erhielten. Es war daher nothwendige Folge, daß solchen ausgezeichneten Männer vorzugswise die Verwaltung der städtischen Aemter, die als Ehren-Aemter keine Besoldung mit sich brachten, übertragen wurden, ja daß, - da auch ihre Söhne eine bessere Erziehung und Bildung genossen als die der gemeinen Bürger, - sich die hervorragenden Befähigung der Väter auch auf die Söhne, welche sogar häufig nach Italien gesendet wurden, um auf der Universität zu Bologna die Rechte zu studieren, fortpflanzte. Daher hatten diese 

beinahe ausschließend den alleinigen Zutritt in die höheren Stellen des städtischen Regimentes.

So bildete sich nach und nach eine eigene Klasse von Familien, welche man „Patrizier“ oder „Geschlechter“ nannte. Aus diesem Stande eines siegelmäßigen Bürgers schwangen sich später mehrere sogar in den Stand der Edlen und Ritter empor. Solche waren z. B. die Barth, Schrenk, Rudolf am Anger, Lingfalz u. a.

Aber auch mehrere landsassige Rittergeschlechter, die also nicht aus den ursprünglichen Bürgern hervorgegangen waren, wanderten im Laufe der Zeit nach München ein, z.B. die Pütriche, Sendlinger, Schluder, Diener u. a., und zählten nunmehr zu den Geschlechtern Münchens.

Wie groß aber der oben erwähnte Reichthum dieser Patrizier war, können wir daraus abnehmen, daß z. B. die Ligsalz, Freimanner, Altmann und andere, den bayerischen Herzogen und den Städten oftmals aus der Geldnoth halfen und ihnen bedeutende Anlehen machten, wogegen ihnen behufs der Rückzahlung Zölle, Angelder und dergl. verschrieben wurden. Lin Folge dieses Reichthums kamen sie auch zu mächtigem Grundbesitze, und wir finden sie als Eigenthümer großer Güter, adelicher Schlösser und Hofmarken.

Aber sie machten auch von ihrem Vermögen den edelsten und großartigsten Gebrauch. Wie wir weiter unten sehen werden, bauten sie in München Kirchen und Klöster, machten Stiftungen der Frömmigkeit und Wohlthätigkeit, gründeten z.B. Armenhäuser, Pfründen, Almosen, 

Seelhäuser und Benefizien, deren gegenwärtig noch viele trotz allen Stürmen der Zeit, ja selbst noch unter dem Namen der ursprünglichen Stifter bestehen. Sie verwendeten also einen großen Theil ihres Vermögens zum allgemeinen Besten und zum Nutzen und Wohle ihrer Mitbürger.

Mit hoher Auszeichnug erblicken wir sie im Besitze und in der Verwaltung der verschiedenartigsten wichtigen und ansehnlichen Aemter und Stellen, sei es beim Fürsten, sei es in der Gemeinde, oder in der Kirche, oder im Kriege. Sie sind im innern und zuweilen auch im äußern Rathe des Magistrates, sie bekleiden die Stellen der Bürgermeister, wir sehen sie als herzogliche Räthe und Hofmeister (heut zu Tage Minister genannt), so wie als Pfarrer und Dechante bei Unser Lieben Frau und St. Peter oder in noch höheren geistlichen Würden. So waren Konrad Sendlinger und Johann Tulbeck Fürstbischöfe von Freising, Jakob Pütrich im Jahre 1567 gefürsteter Probst von Berchtesgaden, Zacharias Riedler im Jahre 1400 Rektor der Universität Wien. Wir finden Sie als Kriegshauptleute in mehreren Kriegen, z. B. in der Schlacht bei Alling. Die Verhandlungen der Stadt mit ihren Herzogen oder mit dem Kaiser wurden durch die Patzizier gepflogen, denn nur diese wurden von dem Rathe mit den Gefandtschaften betraut, und sie wurden zu damaliger Zeit in verschiedenen Angelegenheiten an mehrere Höfe und Städte, z.B. nach Kärnthen, Venedig, Verona, Wien, Frankfurt, Holland, ja selbst nach Spanien und Sicilien gesendet, welche Reisen sie als Ehrenmissionen gewöhnlich aus ihrem eigenen Säckel bestreiten mußten.

In Anbetracht ihres Ansehens und ihrer Würden war den Geschlechtern gestattet, schönere und ausgezeichnetere Kleidung zu tragen, als die übrigen Bürger; doch waren sie auch darin vor übermäßigem Luxus beschränkt. Wir finden nämlich im Mittelalter, ja beinahe bis auf die neuere Zeit herab, strenge Kleiderordnungen, durch welche die verschiedenen Stände genau geschieden waren; insbesondere sah die Vorzeit Gold und Silber als ein ausschließendes Vorrecht der Könige und Fürsten an, und noch in der Polizei-Ordnung vom Jahre 1577 war Gold und Silber auf Kleidern zu tragen, keinem Grafen erlaubt, wenn er nicht zugleich Ritter war.

Die Kleidung der edlen Geschlechter in München bestand aus Wolle, Kamelot oder höchstens aus Taft. Das seidene Wamms durfte wohl mit Altlas, doch nie mit Sammt oder karmoisinrothem Zeuge ausgeschlagen, die Beinkleider durften mit Taft gefüttert und mit seidenen Spangen geziert sein. Aber verboten war den Patriziern eine goldene Kette, eine silberne Scheide am langen oder kurzen Seitengewehre, oder sammtene Baretschuhe zu tragen; hingegen waren ihnen gestattet zwei goldenen Ringe, jedoch nicht über zwanzig Gulden im Werthe. Den Frauen und Kindern dieser Geschlechter waren goldene Ketten und sammtene Hauben zu tragen erlaubt. Ein Sammtrock für die Frauen durfte nicht mehr als Zwölf Ellen erfordern, aber als unstatthafte Zierde war verboten, denselben zu verbrämen oder mit Gold und Silber auszustatten.

Die Zahl der Patriziergeschlechter in München im 14. Jahrhundert mag ungefähr vierzig betragen haben.

Von allen diesen existiren gegenwärtig nur noch zwei Familien, die der Barth und der Schrenk, beide heute noch durch Ehren und Würden ausgezeichnet. Alle übrigen sind ausgestorben.

Aus dieser reichen Zahl edler Geschlechter erlauben wir uns dem freundlichen Leser mehrere vorzuführen, welche in der Geschichte Münchens besonders hervorragen.

Die Gollir.

Ein nur kurz blühendes, aber durch Adel und Reichthum ausgezeichnetes Geschlecht.

Das Haus, der Sakristei der St. Peterskirche gegenüber, jetzt Haus Nr. 3, in welchem sich gegenwärtig das städtische Archiv befindet, war urkundlich eines der zwei Häuser, welche die Familie Gollir in München besassen, und es reicht dasselbe sohin in die älteste Zeit der Stadt hinauf. Es ist ganz von Quadern gebaut, was von dem großen Reichthume dieser Familie zeugt. Dieses Haus erkaufte im Jahre 1443 der Magistrat München von Hans Eugenbeck, Kaplan der Gollirskapelle, um 200 Pfund Pfennige, um es mit dem Rathhause zu verbinden.

Ritter Ainwich der Gollir erbaute zu Ende des 13. Jahrhunderts auf dem Münchener Marktplatze, auf der Stelle der im Jahre  1295 zerstörten herzoglichen Münze, - (welche wir im nächstfolgenden Abschnitte berühren werden) – eine Kirche aller Heiligen, bekannt unter dem Namen der Gollirkapelle und dotirte sie reichlich. Nachdem diese Kapelle  später im Jahre 1480 oder 1485 wegen Alter und Baufälligkeit abgebrochen werden mußte, errichtete Kurfürst Maximilian I. anderen 

Stelle im Jahre 1635 die Mariensäule zum Andeken an die siegreiche Schlacht am weißen Berge.

Dieses reiche und angesehenen Geschlecht scheint schon mit dem Sohne Ainwigs, Namens Johann, ausgestorben zu sein, denn Kaiser Ludwig, dem die beträchtlichen Güter der Gollir zufielen, fundirte und dotirte aus denselben das von ihm erbaute Kloster Ettal.

Die Sendlinger.

Diese, vermutlich aus dem nahen Dorfe Sendling herstammend, waren wohl die reichsten und mächtigsten der Münchner Patrizier.

Die Sendliger erscheinen schon vor Gründung der Stadt München als Edle des Landes; in einer Urkunde vom Jahre 1154 (Mon. boica Bd. V S. 134) wird ein „edler Mann Rortpert von Sendlingen“ Genannt. – Nachdem die Minoriten oder Franziskaner im Jahre 1284 das Barfüßerkloster St. Jakob am Anger deshalb verlassen hatten, weil ihnen Herzog Ludwig der Strenge in der Nähe seiner Residenz ein neues Kloster – an dessen Stelle heute das kgl. Hof- und National-Theater steht – hatte erbauen lassen, Stiftete Sighart der Sendlinger aus eigenen Mitteln dahin ein Kloster der Klarissinen und ließ Ordensschwestern aus Söflingen bei Ulm kommen, welche am St. Gallus-Tage dieses Klosters am Anger bezogen. Der Sohn dieses Sighart und seiner Gattin Diemut der Wechslerin wurde am 3. Oktober 1314 als Konrad III zum Bischofe von Freising erhoben, und sttarb am 12. April 1322. Heilwig die Sendlingerin war von 1306 bis 

1309, und dann von 1320 bis 1324 Aebtissin des Nonnenklosters am Anger, Im Jahre 1398 stach Heinrich der Sendlinger im Turniere mit dem Ritter Gewolf; er wurde also als adelig und turnierfähig angesehen.

Mathias Sendlinger war einer unter den sechs aufrührerischen Bürgern Münchens, welche Herzog Stephan im Jahre 1398 bei den Unruhen in Unruhen in München wollte ausgeliefert haben; allein als man ihn fangen wollte, war er bereits nach seinem Schloße Päl geflüchtet.

Die Sendlinger hatten ansehnliche Güter in Obersendling, in Thalkirchen und Alling und saßen im Rathe der Stadt.

Um das Jahr 1500 starb dieses edle Geschlecht aus.

Die Ligsalz.

Auch diese Familie gehört zu den ältesten Stadtgeschlechtern Münchens. Ein Konrad Ligfalz kommt schon im Jahre 1288 urkundlich als Zeuge for. In der Folge sind die Ligfalze oft als Rathsherren und Bürgermeister genannt. Sie besaßen die Hofmarken Fueßberg, Gerichts Starnberg, Uttenhofen bei Pfaffenhofen und Pilhofen bei Moosburg. Die Brüder Karl und Johann Ligfals, innere Stadträthe von München, erkauften im Jahre 1469 von Sebastian Dichtel die Hofmarkt Ascholbing; die Familie erlangte 1596 auf dieses Gut die Edelmannsfreiheit, und wurde später in den Freiherrnstand erhoben.

Ferdinand Josef Anton Freiherr von Ligfalz auf Ascholding, zuvor Bürgermeister in München, dann 

kurbayrischer Hofrath und Truchfeß, starb im Jahre 1739 als der Letzte seines Stammes und Namens.

An der Außenseite der Frauenkirche befinden sich zahlreiche Grabsteine dieser edlen Familie; das älteste Denkmal dieses Geschlechtes ist der in der Ligfalz´schen Kapelle der Frauenkirche dahier befindliche Grabstein des im Jahre 1354 gestorbenen Johann Ligfals und seiner im Jahre 1361 ihm nachgefolgten Gattin Hailwig. 

Die Pütriche.

Die Pütriche stammen wahrscheinlich aus Regensburg, denn im Traditions-ütriche stammen wahrscheinlich aus Regensburg, denn im Traditions-Cober des Klosters Weihenstephan kommt um das Jahr 1156 ein Baldwein Pütrich aus Regensburg vor. In München erscheint dieser Name zuerst urkundlich im Jahe 1239, wo Heinrich Pütrich im Rathe saß.

Dieses Geschlecht war stts im Besitzeder angesehensten Aemter und Würden in München, namentlich als Räthe und Bürgermeister. Von großem Reichthume war es in und um München sehr begütert.

Am heutigen Max-Josef-Platze, dem damaligen Franziskanerkloster (jetzt kgl. Hoftheater) gegenüber, befand sich schon in früher Zeit eine dem heiligen Christoph geweihte Kapelle, und zwar auf einem der Pütrich-Familie gehörigen Grunde. Dahin bauten die Pütrich mit reicher Dotierung ein Kloster für die büßenden Schwestern des dritten Ordens des heiligen Franziskus, genannt das Pütrich-Regelhaus, welches von Herzog Ludwig dem Strengen bestätiget wurde. Die Folgenden Nachkommen der Pütriche waren stets freigebierige Wohlthäter dieses 

Klosters und insbesondere erweiterten sie das alte Convent, indem sie um 1385 das Eckhaus dazu erwarben und mit dem alten Hause verbanden. Noch heut zu Tage ist ein Theil des alten Klosters vorhanden; es sind die Häuser, in welchen sich gegenwärtig die Mey und Widmayer´sche Kunsthandlung, die Falter´sche Musikhandlung und die Groß´sche Tabakhandlung befinden.

Ein Jakob Pütrich war ein ruf- und händelsüchtiger Mann. In dieser Zeit des Faustrechtes kam Jakob Pütrich am St.Barbara Abend 1370 gewaffnet nach Augsburg, lagerte sich bei einem Thurme am Gögginger-Thore und lauerte auf einige junge Bürger. Wirklich gelang es ihm, deren zwei, den Jakob Konzelmann und Thomas Rappolt zu fangen; aber indem er sie aus der Stadt Augsburg wegführten wollte, wurde er von den herbeigeeilten Peter Langenmantel und Hans Groß ergriffen, und in Eisen und Banden in das städtische Gefängniß auf dem Rathhause abgeführt. Er fand jedoch Mittel zu entkommen, indem von seinen Verwandten die Wächter mit dreihundert Gulden bestochen wurden. Aber im Jahre 1375 kam dieser Jakob Pütrich abermals nach Augsburg, um an dieser ihm verhaßten Stadt Rache zu nehmen. Am Auffahrtstage fing er zwei Bürger und verstümmelte sie, indem er ihnen Hände und Füße abhieb. Entrüstet ob dieser Frevelthat erklärte ihn der Magistrat dieser Reichsstadt für vogelfrei, und setzte eine Prämie von 1500 Gulden für jenen fest, der ihn lebend und 1000 Gulden für jenen, welcher ihn todt einliefern würde. Allein Jakob Pütrich ließ sich hiedurch nicht schrecken, sondern wagte eine neue Unthat, indem er am 

St. Bartholomäus Abend in die Vorstadt ritt und daselbst vier arme Männer erstach.

Solchen düsteren Vorfällen jenes rohen Zeitalters gegenüber sehen  wir von anderen Gliedern dieser Familie ein desto efreulicheres und erhebenderes Wirken. Im Jahre 1371 ließ der Stadtkämmerer Pütrich das Rathhaus sowohl im Innern als von außen renovieren, jedoch auf Kosten der Gemeinde, und im Jahre 1393 wurde auf seine Veranstaltung wiederholt die Rathsgebäude mit Malereien verziert, der Raththurm neu mit Blei eingedeckt und oben darauf ein „Bändl“ mit dem Münchenerkindl angebracht.

Ludwig Pütrich erbaute im Jahre 1370 in der Pfarrkirche zu U. L. Frau in München einen Altar zur Ehren der Dornenkrone Christi und des heiligen Erasmus, wozu er ein Meßbenefizium stiftete, das heutigen Tages noch besteht.

Eine Linie der Pütrich hatte das Schloß und Gut Reicherthausen erworben, und diese nannten sich nun die Pütriche von Reichertshausen. Diese stifteten im Jahre 1349 das heilige Geistspital zu St. Pölten bei Weilheim, welches Herzog Albrecht im Jahre 1440 neuerdings bestätigte.

Johann Pütrich war nebst Georg von Waldeck, Schweither von Gundelfingen, und Konrad von Preysins Unterhändler und Vermittler des zwischen Herzog Ernst von Bayern und Elisabeth, des Herzogs Barnabas von Mailand Tochter, im Jahre 1395 abgeschlossenen Heiratsvertrages. In diesem Vertrage werden obige vier Abgeordnete „ die edlen und ansehnlichen Ritter 

und Herrn“ genannt, woraus hervorgeht, daß das Geschlecht der Pütriche damals unter die edlen und rittermästigen gezählt wurde.

Barbara Pütrich war in den Jahren 1408 bis 1415 Aebtissin im Kloster der Klarisinen am Anger.

Wilhelm Pütrich und dessen Mutter Sabina stifteten 1402 in der St. Peters-Pfarrkirche hinter dem Hochaltar eine Kapelle nebst Altar, unsers Herrn Leichnam geweiht, welche noch heut zu Tage den Namen Pütrichkapelle führt.

Jakob Pütrich von Reichershausen hat uns ein größeres deutsches Gedicht hinterlassen, das er im Auftrage der Pfalzgräfin Mathilde von Oesterreich im Jahre 1452 verfaßte. Dieses Gedicht ist namentlich dadurch von höchstem Interesse, weil er uns darin erzählt, wie er eigens eine Reise nach Eschenbach in Franken machte, um die Grabstätte des Minnesängers Wolfram von Eschenbach zu besuchen, wobei er genau den seitdem verschwundenen Grabstein dieses großen Dichters beschreibt.

Die Reichershauser-Linie starb zu Ende des 15. Jahrhunderts aus.

Jakob Pütrich, gest. 1594, war gefürsteter Probst von Berchtesgarden. Mit diesem starb das ganzke Geschlecht der Pütriche aus.

Riedler

Das Geschlecht der „Riedlaer“, vornehm und reich, glänzt als das angesehenste unter den edlen Geschlechtern Münchens. Im Stadtmagistrate spielten sie stets eine hervorragende Rolle als Stadträthe und Bürgermeister.

Heinrich Ridler schenkte sein Haus, welches er an der Nordseite des heutigen Max-Josef-Platzes, wo jetzt der Königsbau sich ausbreitete, besaß, im Jahre 1295 der Gemeinde für Seel- und Krankenschwestern. Noch heut zu Tage, noch beinahe sechshundert Jahren besteht der Namen der Ridler-Seelnonen.

Gabriel Ridler baute daselbst an diesem Platze im Jahre 1295 ein neues Fauenkloster mit einer dem heilgen Johnnes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten geweihten Kirche. Letztere befand sich über eine Stiege, und daher nannte man das Kloster gewöhnlich Ridler-Regelhaus auf der Stiegen. Dieses Kloster wurde 1782 aufgehoben.

Da bei dem großen Stadtbrande im Jahre 1327 auch das Franziskanerkloster sammt der Kirche ein Raub der Flammen geworden war, so entschloßen sich die beiden Brüder Gabriel und Vinzent Ridler im Jahre 1380 dasselbe wieder aufzubauen. Gabriel Ridler gab die für jene Zeit große Summe von sechshundert Gulden dazu her. Kirche und Kloster werden im Jahre 1385 vollendet.

Zacharias Ridler, Pfarrvicar an der St. Peterskirche in München, wurde im Jahre 1400 zum Rektor der Universität in Wien ernannt.

Martin Ridler, Mitglied des inneren Rathes, stiftete im Jahre 1449 das sogenannte goldene oder reiche Almosen in München, welches noch heut zu Tage besteht. Zur Doierung desselben gab eer seine Gilten und mehrere Güter her; namentlich bestimmte er hiezu sein Haus in der Weinstraße, welches jetzt Nro. 10 trägt, und es 

wurden in dasselbe Pfründner aufgenommen. Anfangs nur für sechs Personen bestimmt, nahm diese Stiftung in kurzer Zeit so zu, daß täglich eine große Anzahl Armer ausgespeiset wurde. Diese Ausspeisung geschah am Wurzerthore, welches dadurch den Namen Kostthor erhalten hat.

Die Ridler besaßen seit dem 15. Jahrhunderte das Landgut Johanneskirchen und schrieben sich seitdem Ridler auf Johanneskirchen.

Chufringer, (Kaufringer).

Die Patrizierfamilie stammt offenbar aus einem Orte Namens Chufringen oder Kaufringen, vielleicht dem bei Landsberg her. Urkundlich kommt diese Familie zum erstenmale im Jahre 1217 vor, wo Friedrich der Cufringer, Ministerial des Kaisers Friedrich II. durch einen Brief, ausgefertiget zu Augsburg, mit Bewilligung seiner Ehefrau ein „Mannwerk“ (mansus) bei Schorring gelegen, dem Kloster Benediktbeuern übermacht.

Konrad Chufringer kömmt im Jahre 1239 unter den Mitgliedern des Stadtrathes vor.

Bereits im Jahre 1300 hat der Thorthurm, welcher Thufringerthor und die dahin führende Strasse hieß die Thufringerstraße, heutzutage „Kaufingerstraße“ genannt.

Barth.

Die Barth stammen wahrscheinlich aus Augsburg; in mehreren früheren Urkunden werden sie Bürger von 

Augsburg genannt. Von da übersiedelten sie rst zu Anfang des 14. Jahrungdertes nach München, wo zuerst im Jahre 1318 ein Barth unter den Mitgliedern des Gemeindeausschusses vorkommt, Im Jahre 13416 saß Heinrich Barth schon im inneren Rathe. Er starb 1362, liegt in der St. Peterskirche unter dem hintern Musikchore begraben, woselbst sich die B arth'sche alte Familiengruft befindet, und sein noch daselbst an der Wand stehenden Grabstein ist der älteste dieser Kirche.

Heinrich der alte Barth, und dessen Söhne Hans, Ulrich, Heinrich und Vitus erbauten in der St. Peters-Pfarrkirche den hl. Drei König-Altar, der von seinen Enkeln Hans, Jakob, Peter und Georg im Jahre 1407 mit einem Meßbenefizium dotirt wurde, das noch gegenwärtig besteht.

Ruhmvoll ist das Unternehmen eines Heinrich Barth. Dieser wollte mit Bewilligung des Abtes von Benediktbeuern in den dotigen Gebirgen einen Bergbau eröffnen und auf Metall graben; allein, da ihm dieses mißlang, so legte er im Jahre 1492 mit großen Kosten die großartige Straße nach Italien über den Kesselberg an. Eben dieser Heinrich Barth ließ zur Befestigung der Stadt München am Ende des 15. Jahrhundertes am Neuhauser-, jetzt Karlsthore eine Bastei auf seine Kosten erbauen.

Von einem Barth wurde ein Seelenhaus in der Herzogspitalgasse gestiftet, welches noch gegenwärtig daselbst H.-N. 6 unter dem alten Namen des Barth'schen Seelenhauses besteht.

Schrenk.

Diese aus der Bürgerschaft Münchens hervorgegangene Patrizierfamilie stand schon in den ältesten Zeiten der Stadt in Würden und Aemtern. Sie besaßen ein Haus am Markt- oder heutigen Marienplatze, welches im Jahre 1555 vom Magistrate behufs Erweiterung des Landschaftsspäteren Regierungsgebäudes dem Bartholomä Schrenk abgekauft wurde.

Von dieser Familie stammt der wundervolle Steinaltar, welcher im Jahre 1841 in der St. Peterskirche hinter einem hölzernen Altar bei dessen Abbruche entdeckt wurde. Derselbe steht links in der Kirche, in einer Seitenkapelle gegen den Ausgang nach dem Rathhause zu, und trägt die Jahreszahl 1372. Er stellt in erhabener Arbeit Christus als Erlöser und Weltenrichter vor. Die Kapelle, in welcher dieser Altar sich befindet, ist eine Stiftung der Schrenk und Ridler aus dem Jahre 1331.

Die Schrenk´sche Familie wurde später in den Freiherrenstand erhoben, und glänzt noch gegenwärtig in großer Auszeichnung und Würde.

Pötschner.

Ein reiches und angesehenes Münchner-Geschlecht, welches schon im dreizehnten Jahrhunderte erscheint, drei Jahrhunderte lang in der Stadtgeschichte glänzte, und in der Mitte des 16. Jahrhundertes ausstarb.

Eberhard der Pötschner saß bereits 1318 im Rathe, und wurde öfters in wichtigen Angelegenheiten von der Stadt an den Kaiser abgeordnet.

Ritter Balthasar Pötschner von Riedersheim,

von welchem Gute, das er von Hans von Schönstetten erkauft hatte, er sich so nannte, 1475 Bürgermeister und herzoglicher Rath, erbaute im Jahre 1477 in seinem hause, damals in der „Watmangergasse“ am Pötschenbache genannt, gegenwärtig Nr. 8 am Rindermarkte, im Eck- und Durchgangshause dem Rosenthal zu, eine Kapelle, stiftete darin ein Benefizium, dotirte es für damalige Zeit hinreichend, und zierte es mit einem Gemälde der heil. Drei Könige, sammt Portraitfiguren der Pötschner. Kapelle und Bild, letzteres wahrscheinlich von dem Maler Hans Olmdorf herrührend, sind noch vorhanden. Die Kapelle war später unter dem Namen der Kamel´schen, so genannt von den spätern Hausbesitzern, bekannt. Dieser Balthasar Pötschner starb im Jahre 1505, und sein prächtiger Grabstein, der als Kunstwerk besondere Beachtung verdient, befindet sich noch gegenwärtig in der St. Peterskirche in einer Kapelle unter dem Thurme.

Ludwig Pötschner, seine Hausfrau Katharina, und Niklas ihr Sohn, erhielten im Jahre 1484 von Pabst Sirtus einen speziellen Ablaßbrief, weil sie zu dem heiligen Kriege gegen die „allerverruchtesten“ (nefandissimos) Türken eine bedeutende Geldsumme hergegeben hatten.

Dichtl.

Eines der edelsten, frömmsten und wohlthätigsten Geschlechter.

Wir begegnen zuerst dem Eberhard dem Dichtl im Jahre 1358, dann Ulrich dem Dichtl 1365 und 1366 als inneren Stadträthen.

 In dem großen Bürgeraufruhre in München in 

den Jahren 1397 – 1403, den wir weiter unten in einem besonderen Abschnitte beschreiben werden, standen die Dichtl auf Seite der demokratischen Partei, und der Bürgermeister Georg Katzmair führt in seinem Gedenkbuche über diese Unruhen vier Bürger aus diesem Geschlechte, nämlich Ulrich Dichtl, Hans Dichtl den jungen, Franz und Andre Dichtl unter den ärgsten Revolutionären, oder wie er sagt, als „die ersten Bösen, die den Lauf zu München allermeist trieben und angefangen haben, und noch allermeist thun“, an.

Im Jahre 1447 war Franz Dichtl Bürgermeister. Dieser ist der Stifter des feierlichen Umganges, welcher in der Kirche zu U. l. Frau alle Donnerstage nach vorausgegangenem Hochamte noch gegenwärtig gefeiert wird. Die Stiftung wurde von Herzog Albrecht III. durch Urkunde, ausgestellt am Freitag vor dem heil. Pfingsttage 1447, bestätiget.

Nachdem dieses Geschlecht zu Anfang des 16. Jahrhundertes das Bürgerrecht in München aufgegeben, saß es zu Tutzing am Starnbergersee und zu Fußberg.

Schluder.

Auch diese gehörten schon frühzeitig unter die vornehmen Bürgergeschlechter Münchens.

Ainwich der Sluder war in den Jahren 1295, 1296 und 1297 Stadtrath in München und wurde später Herzogs Rudolf Rentmeister (Finanzminister). Er war es, der, wie wir unseren Lesern in einem der folgenden Abschnitte näher vorführen werden, im Jahre 1302 auf Befehl seines Herzogs das Schloß Schiltberg überfiel 

und daselbst die Herzogin Mechtild und ihren Hofmeister Döwald Oettlinger gefangen nahm.

Hans Sluder war unter den, als Anhänger der Herzoge Ernst und Wilhelm während der Unruhen von 1397 – 1403 vom Herzog Stephan geächteten Münchner Bürgern. Als er im Jahre 1402 mit Wiguläus Schrenk zu seinem Herzog nach Ingolstadt reiten wollte, entrannen beide bei Reuburg an der Donau mit Mühe der Gefangenschaft und konnten sich nur durch eilige Flucht retten. Aber 1429 wurde dieser Hans Sluder aus dem Rathe gestoßen, weil er nach dem Rechtsspruche zwischen Ludwig dem Gebarteten und seinen fürstlichen Vettern den Huldigungseid nicht leisten wollte.

Die Brüder Peer und Wilhelm Schluder erbauten im Jahre 1450 das noch bestehende Hofseelenhaus, ursprünglich in der hintern Pranners- jetzt Promenadegasse, das sich gegenwärtig am Rochusberge, gegenüber der St. Salvatorkirche befindet. Eine alte Tafel über der Hausthüre desselben verkündet uns noch diese Stiftung.

Tulbeck.

Ein Vitus Tulbeck war im Jahre 1315 bereits innerer Stadtrath.

Dieses Geschlecht ist uns besonders merkwürdig durch einen Mann, der sich zu hohen kirchlichen Würden aufschwang. Johann Tulbeck widmete sich dem geistlichen Stande, ward Doktor der Theologie, dann Pfarrer bei U. l. Frau in München und Probst bei St. Vitus in Freising, wo ihn Probst Martin zu verschiedenen Geschäften und Sendungen gebrauchte. Im Jahre 1431 

wurde er als Domherr in Freising gewählt, und endlich 1453 zum Bischofe daselbst erho en. Nachdem er Alters halber seinen bischöflichen Funktionen nicht mehr vorzustehen vermochte, resignierte er und begab sich in seine Vaterstadt München zurück, wo er die gegenwärtig unter dem Namen „Tulbeck´sche Benefizium“ noch bestehende Messenstifung seiner Vorältern Jakob und Johann Tulbeck, und seiner Verwandten Heinrich und Berchtold stattlich vermehrte und am 20. Mai 1476 starb. Sein Grabstein, ein Meisterwerk der Bildhauerkunst, befindet sich in der Frauenkirche unter dem nördlichen Thurme.

Dieses Patriziergeschlecht starb in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundertes aus.

Impler.

Ebenfalls ein sehr reiches Patrizier-Geschlecht.

Das Eckhaus an der Dienersgasse gegen den Marienplatz zu, mit Nr. 11 bezeichnet, wurde um 1370 von Hans Impler, einem reichen Kaufmann und Rathsherrn, erbaut; in neuestr Zeit aber, 1861, unglücklich mit einem gothischen Zopf restaurirt.

Ein anderer Hans (nach Aventin Ulrich) Impler was Günstling des Herzogs Johann und als solcher dem Volke verhaßt. Deshalb entstand im Jahre 1385 ein Aufstand, Impler wurde gefangen, peinlich processiert und öffentlich am Marktplatze enthauptet. Die nähere Erzählung hierüber folgt in einem dernächsten Abschnitte.

Die Impler besaßen obigem Hause Nr. 10 gegenüber gleichfalls am Ecke der Dienersgasse ncoh ein zweites Haus. Dasselbe wurde am Anfange des 15. Jahrhundertes 

vom Magistrate angekauft und zur städtischen Trinkstube eingerichtet.

Die Impler´sche Familie stiftete auch in der Kirche zu U. l. Frau ein Meßbenefizium, und noch gegenwärtig besteht die Kapelle der Implerl´schen Stiftung.

Wir haben hier die ausgezeichnetsten der edlen Geschlechter aufgeführt; es möchte aber für die Geduld des freundlichen Lesers zu weit führen, sie alle weitläufiger auseinander zu setzten. Unter der großen Anzahl derselben wollen wir nur in Kürze nnen die Diener, welche später zu Rittern erhoben wurden, sohin zum Adel zählten, und von welchen noch heut zu tage eine Straße den Namen „Dienersgasse“ führt, da sie in derselben ein Haus besaßen; ferner die Herren von Anger, unter denen namentlich Rudolf von Anger, Günstling der Herzoge Ernst und Wilhelm sämmtlich reich begütert und dem rittermäßigen Adel zugehörend, und Peter Rudolf, dem der Magistrat wegen seiner Bemühungen für Zustandekommens des Friedens zwischen seinen Fürsten und Ludwig dem Gebarteten im Jahre 1436 einen Ehrenbecher verehrte, eine Ehre, die vor ihm noch keinem anderen Bürger von München erzeigt worden war, und worüber es in der Kammerrechnung heißt: „item 22 Pfund 28 Denarien haben wir geben um den Becher, den man dem Rudolf schenkte von Raths Geschäft und Armen und Reichen wegen zu einer Erkanntniß seiner großen Mühe wegReitens das er da that, da Gott und er den Frieden zuwege brachte“; weiters die Altmann, von denen Heinrich Altmann schon in den Jahren 

1295 -1297 der Rathes „Pfleger“ (Bürgermeister) genannt, und alle stats Mitglieder des innern Rathes; die Astaller, von deren Kunstsinn heute noch ein um 1470 gemaltes Glasfenster in der Kirche zu U. l. Frau spricht; die Eisenmanner, schon in einer Urkunde vom Jahre 1293 „Herrn“ genannt und daher zu den Edlen zähltend, von denen einer in der damals neuen Vorstadt, am „Hacken“ genannt, das erste Haus baute, und dadurch der Eisenmannsgasse den Namen gab; die Freimanner, wahrscheinlich aus dem nahe gelegenen Orte Freimann herstammend, von großem Reichthum, und die Meisten ihres Geschlechtes innere Räthe der Stadt; Endlich die Katzmair, schon seit 1318 als Mitglieder des Stadtrathes genannt, und unter denen der biedere und einsichtsvolle Georg Katzmair eine hervorragende und einsichtsvolle Rolle in den Bürgerunruhen von 1397 – 1403 spielt, über welche Vorfälle er ein „Gedenkbuch“ schrieb, das handschriftlich in der königl. Staatsbibliothek aufbewahrt, eine vorzügliche Geschichtsquelle jener verworrenen Zeitbegebenheit ist. In der Kirche zu U. l. Frau besteht noch immer die Katzmairkapelle mit einer Meßbenefiziums-Stiftung dieser Familie.

Es ist stets würdig und ehrenvoll für die späteren Nachkommen, die Tugenden und Vorzüge verdienter Vorfahren zu ehren und ihr Andenken zu bewahren.