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| Kategorie | Keine Kategorie |
| Baustil | Keine Kategorie |
Baugeschichte
| Jahr | Ereignis | Ausführender |
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| 1111 | test |
Quellen
St. Achazkirche
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Kunsthistorisch bemerkenswert durch die beiden lebensgroßen Statuen St. Dionys und Juliana am Hochaltar (ursprünglich in der Klosterpatronatskirche zu Schäftlarn); treffliche Werke der Münchner Schule, c. 1490 Kopf des Bischofs fein individualisiert; Gewandfalten im Wurf sehr einfach. In der Sakristei Holzfigur St. Sebastian; tüchtige, etwas derbe Arbeit c. 1520 [RM; KB].
Aenanenhaus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Für die kath Studentenkorporation „Aenania“ 1912/13 im deutschen Renaissancestil erbaut von Hofbauamtmann Neu. Eingerichtet mit Kneipsaal (für 250 Personen), Speisezimmer, Bibliothek, Spielzimmer, Chargiertenzimmer und Studentenwohnungen. Lauschiges Gärtchen mit Monumetatalspringbrunnen.
Angerviertel
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Angerviertel, zwischen Dultstraße und Blumenstraße. Bei Entstehung der Stadt war hier ein Bach über einen Wiesenanger hereingeführt („Angerbach“), der die alte Stadt mit Wasser versorgte. Die hier gebauten Häuser lagen außerhalb der ältesten Stadtmauer und bildeten das „Angerviertel“ („in prato“) ; die neue Stadtmauer (1319) zog sie zur Stadt. Hier trieben die Tuch- und Lodenmacher und Färber ( „Färbergraben“) ihr Geschäft. Am Patroziniumsfest (St. Jakob, 25. Juli) wurde vor dem Angerkloster die „Jakobidult, “ abgehalten (jetzt verlegt nach Haidhausen [Kohleninsel]). Hier war schon im 16. Jahrh . die Schießstätte für die Armbrustschützen (1613 vor das Karlstor [„Schützen-Straße“ ] verlegt) [R ].
St. Anna-Klosterkirche
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
St. Anna-Klosterkirche (der Franziskaner am Lehel), S. Annastr. 13.
Geschichte. Als um 1700 die Bewohnerzahl im Lehelviertel (damals noch außerhalb der Stadt gelegen), auf 2000 gestiegen war (s. „Lehel"), berief man als Seelsorger die Eremiten von der Hieronymiten - Kongregation aus ihrem Kloster am Wallersee; daher die vielen Beziehungen der Klosterkirche zum hl. Hieronymus. 1727 erhielten sie Kirche und Kloster. Letzteres diente, nach Entfernung der Ordensleute durch die Säkularisation 1805 als „Lehel-Kaserne“; von 1827 an wurde ein Teil der Kaserne und die Kirche den Franziskanern eingeräumt zum Ersatz für den Verlust des älteren Münchner Klosters am Max Josephsplatz, und zwar auf Wunsch König Ludwigs I. „eingedenk, daß Mitglieder dieses Ordens unsern erhabenen Vorfahrer Kaiser Ludwig den Bayer zu einer Zeit verteidigt haben, in welcher dies mit größter Gefahr verbunden war“ [F ].
Kunst. 1727—39 von Joh. Mich. Fischer, dem „bedeutendsten Kirchenbaum eister des bayerischen Rokoko“ [ D ]; sein einziger Bau in der Stadt.
Grundriß: Hauptraum oval mit Muldengewölbe auf 8 elliptisch gestellten Säulen, in das die Bögen der Altar nischen, des Chores und der Emporen einschneiden. Oestlich Eingangshalle mit Empore; westlich der Hochaltarraum mit einer Apsis hinterm Altar, der wie ein Umgang aus der Mauerflucht heraus tritt und im Gewölbe so tief in den Hauptraum einschneidet, daß dem Hauptraum oval ein kleineres Oval vorgelegt erscheint. An jeder Längsseite des Hauptraums je 3 Kapellennischen mit interessantem Wechsel der Breite und Tiefe des Raumes; starke Kurven — im ganzen Innenraum keine gerade Linie ! — für Orgelempore und Hochaltarraum: „ein saalartiger Eindruck, der von höchst malerisch gedachten Seitenkapellen kontrastiert wird “ [W 181]. An den Ecken des Hauptraums gegen die Altarnischen Pilaster mit reichen korinthisierenden Kapitellen; darüber Gesimsstücke. (1850—55 Erweiterung nach Osten und Abschluß durch einen Ziegelrohbau mit 2 Türmen in nüchternen romanischen Formen von Vort). — Ueber den Bögen und in den Zwickeln Stuckornamente in äußerst zarten Formen, namentlich in den Pilasterkapitellen, die schon stark zum Frührokoko neigen; nicht überladen und aufdringlich. Grund tapetenförmig bemalt. Ueber dem Chorbogen bayerisch-österreichisches Allianz Wappen in großer Kartusche (die Gemahlin des damaligen Kurfürsten Max Emanuel war aus Oesterreich); darüber der rote Kurhut; um den Schild die goldene Vlieskette; unten ein lebensgroßer schwebender Engel mit der bayerischen Fahne (darauf die Patrons Bavariae).
Hochaltar, von Egid Asam. Die mehr breite als hohe Wand ist durch 4 Pilaster in 3 Flächen geteilt; an der größeren mittleren in geschwungenem Rahmen das figurenreiche Altarbild („St. Anna und Joachim unterrichten Maria“) von C. D. Asam; an den andern Flächen flott modellierte überlebensgroße Statuen: S. Hieronymus und Augustin. Charakteristisch die 4 kräftig gewundenen Säulen des Aufbaus auf reich verzierten Konsolen; Schaft aus feingeschliffenem Stuck, ohne Ranken, nur im untern Drittel mit kronenartigem Reif gegürtet; Kapitell mit nach einwärts gekehrten Voluten (Asamart). Auf den Säulen einfach geschwungene Kämpfer; darüber mäßig ausladende Gebälkstücke (in wohltuendem Einklang mit dem architektonischen Kranz gesims). Auf den beiden äußern Gebälkstücken schwingt sich der große, über den ganzen Altar sich wölbende Baldachin an (auf den mittleren Gesimsen Blumenvasen); am zierlichen Baldachin fein ausgeschnittene Lambrequins mit Quasten, von Blumen und Ranken begleitet; in der Innenfläche Kassetten, eingelassen mit Sternen, Rosetten und Spiegelteilchen. Die beiden großen Genien mit phantastischem Federhelm sind dekorative Lieblingsfiguren Asams. „Die kleinen heitern Putten, Wolken und Blumen am Giebel sind dem tändelnden Geist des Rokoko sehr nahe verwandt, wie hier überhaupt der Emst und die Kraft des Barocks (an Säulen und Gebälk) mit der eleganten Grazie des beginnenden Rokoko (im Giebel) mit Geschick und Geschmack vereinigt sind“ [H f].
Seitenaltäre, ebenfalls von E . Asam, zwar einfacher und kleiner, jedoch in Architektur und Dekoration ein wirkungsvolles Ganzes; rechts: 1. Franz von Assisi; 2. hl. Ludwig (hier byzantinisches Madonnenbild, Beutestück des bayer. Obersten Lydl aus dem im Türkenkrieg 1688 eroberten Semendria); 3. hl Paula (Altarbüd: „Hieronymus übergibt der von ihm bekehrten hl. Paula und deren Tochter Eustochia den Ordensschleier“; links: 1. St. Anton von Padua; 2. Kreuzaltar; 3. Hieronymusaltar (Altarbild „Der hl. Bischof Eusebius erteilt dem hl. Hieronymus die Wegzehrung“ von C. D. Asam; Giebelbild der „selig gesprochene“ Hieronymitenpater Nikolaus von Furca Palenae). Kanzel mit Relief des Guten Hirten -, oben Christus als Weltrichter (wahrsch. von Toh. Straub). Grabstein des Freiherrn von Mandeiß 1782. [F, Hf, KB , W].
Arbeitermuseum
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Arbeitermuseum, Kgl. Pfarrstr. 3. Gegründet 1900 als erstes Museum seiner Art in Deutschland; 1911 zu seinem derzeitigen Umfang ausgestaltet (von Bauamtmann Schulze). Ständige Ausstellung für Unfallverhütung, Gewerbehygiene, Wohlfahrt und allgemeine soziale Einrichtungen insbesondere auf dem Gebiet des Wohnungs- und Ernährungswesens); Bibliothek; ausgedehnte Kraftanlagen, um Maschinen und Apparate im Betrieb vorführen zu können, zur Veranschaulichung der Wirkungsweise der Schutzvorrichtungen [BAJ 460].
Au, Vorstadt
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
An, Vorstadt. Geschichte. Die Häuser in der Isar-Au trugen seit alters den Namen „in der Au“. Im 12. Jahrh. ist bereits ein Haus „am Pichel“ (Rosenheimer Berg) beurkundet, bewohnt vom Wald- und Aumeister (jetzt „Schwanenayotheke). Dahinter zog der „Fürstenweg“ (jetzt „Hochstraße“) ins Jagdhege der bayerischen Fürsten bis Grünwald hinauf. Die eigentliche Anlage der Au beginnt erst im 15. Jahrh., als die Adeligen und Patrizier sich hier Gärten mit ßommervillen anlegten. Damals errichtete hier auch Herzog Wilhelm IV. „am Neudeck“ einen Hofgarten mit Jagdschloß (an dessen Stelle jetzt die Paulaner-Brauerei), Falknerei („Falkenstraße“, „Falkenwirt“) und Wohnhaus für seine Pagen (jetzt „Paschihaus“). Alsbald eröffnet» auch der Bürger Andreas Kadi eine Wirtschaft (jetzt noch „Radi-Wirt“). Herzog Albrecht V. gelobte hier den Bau einer Kirche St. Borromäus und Herzog Wilhelm V. führte dieses Vorhaben durch Baumeister Wendel Dietrich aus, vollendet 1623. 1627 berief Kurfürst Maximilian I. aus Burgund (Belgien) die Paulanermönche ins verlassene Neudeckschloß (vom Orden der vom hl. Franz v. Paula 1475 gestifteten „Minimiten“, der strengstes Fleischfasten vorschrieb und nur an den größten Festen Wein- und Biergenuß gestattete). Die Mönche hatten gleich bei ihrer Berufung die Begünstigung erhalten, zur Bestreitung ihres Unterhaltes an ihrem Kloster ein großes Mietgebäude (wie die Augustiner) zu erbauen („Paulanerstock“, jetzt Zuchthaus „am Neudeck“) sowie eine Bierbrauerei einzurichten, aus dem sie zum Feste ihres Ordenstifters (2. April), des „Sankt Vater“ Franz Paul [daher der weltberühmte „Salvator“] ein besonders stark eingesottenes „Fastenbier“ an den kurfürstlichen Hof und die Bürger ausschenkten. 1799 zog der Orden weg, 1807 wurde das Kloster in ein Strafarbeitshaus verwandelt und die Brauerei an den Bierbrauer Franz Xaver Zacherl verkauft, von dem sie sammt dem „Salvator-Privilegium“ an Schmederer überging. An Stelle der Borromäuskirche wurde das neue Amtsgericht errichtet, dessen Turmdach in Nachahmung des frühem Kirchenturmdaches als Wahrzeichen die Form eines Priesterbirettes zeigt.
Lilienberg. Um 1680 ließ (am Platze "des k. Bezirksamtes) der Hofbaumeister Sei). Gaisreitter eine Kapelle erbauen; 1715 errichtete daneben der Patrizier .loh. Max Alberti ein Kloster (1803 aufgehoben, jetzt Bezirksamt) für die Benediktinerinnen-Klosterfrauen aus Niederburg bei Passau. Seither heißt diese Anhöhe der „Lilienberg“. Ueber der Klosterpforte stand die Aufschrift: „Unter reinen Lilgen weidet hier der Göttlich Präutigam. — Diser Berg izo füret den so schönen Lilgen Nam“. [„Altmünchner Bauweise“ v. Prof. Arch. Kranz Zell, SB 08/10, B01, R].
Benno-Säule
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Benno-Säule, auf dem Ferdinand Miller-Platz, Geschenk der „Sedlmayerschen Stiftung zur Verschönerung der Stadt“. Auf der 11 m hohen Porphyrsäule die Erzfigur St. Benno, Schutzpatron Bayerns, der Stadt und speziell der Benno-Kirche. Entworfen von Albertshofer, gegossen von Ferd. von Miller [B 11].
Biederstein Schloß
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Biederstein Schloß am Kleinhesseloher See. Im Besitz der herzoglichen bayerischen Familie. Von König Max I. als einfacher Landsitz erbaut.
Bogenhausen
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Bogenhausen, Vorstadt östlich der Isar.
Geschichte: 776 erstmals beurkundet als „pubenhusen“, 1304 „Pugenhausen“. Am Isarabhang herrschaftlicher Garten (früher Eigentum des Grafen Montgelas, jetzt der Familie des Herzogs Karl Theodor) mit Schlößchen „Neuberghausen“, früher Edelsitz der Steppberg, jetzt Kgl. Maximiliansstift für Töchter von Staatsbeamten.
Betzsche Gastwirtschaft
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
In der Biedermeierzeit ist Bogenhausen ein beliebter Ausflugsort der Münchner gewesen. In der alten Betzschen Gastwirtschaft steht im Garten, verfallen und verträumt, ein Tanzboden, auf dem sich „der Großvater mit der Großmutter“ vergnügten (und der vielleicht auch zur Unterbringung von Kinderkarussels gedient haben mag). Die Anlage ist im einfachen Zimmermannswerk ausgeführt und die Decke war einst in lustigen Farben bemalt. Eigentlich ist das Gebäude eine Uebersetzung des. damals so beliebten Rundtempels (vgl. „Monopteros“ im Englischen Garten) ins Volkstümliche [BAJ 195]. Im Restaurant auch der prächtige Georgsbrunnen (St. Georg ist der Kirchenpatron von Bogenhausen) von Düll und Petzold: auf der völlig modern und selbständig aufgebauten Kandelabersäule, dessen Knauf von 2 reizenden Nixenkindchen und 2 glotzäugigen Meerungeheuern gebildet wird, steht als Bekrönung elegant und geschmeidig der Drachentöter, den trotz seiner mittelalterlichen Wehr und Waffen nichts mit seinen unzähligen Ahnen vergangener Jahrhunderte verbindet [KH 12/9]
Botanischer Garten, Neuer
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Botanischer Garten, Neuer, in Nymphenburg. Da der alte Botanische Garten am Lenbachptatz infolge der in der näherer Umgebung herausgewachsenen Verkehrsverhältnisse so stark von Rauch und Ruß zu leiden hatte, daß beispielsweise alle Arten Nadelhölzer zugrunde gehen mußten, und da ihm auch der Riesenbau des Justizpalastes zuviel Luft und Sonne nahm, entschloß man sich 1913, ihn nach Nymphenburg zu verlegen. Diese neue Anlage besteht aus einer von West nach Ost laufenden 85 m langen, 14 Meter breiten Mittelhalle nebst einem aus der Mitte sich erhebenden 20 Meter hohen Kuppelbau und einem Vestibül am Ostgiebel. Hieran schließen sich südlich wie nördlich eine Reihe von 16, je 27 m langen Schauhäusern, von denen namentlich das Viktoria- Regiahaus südlich und das Baumfarrenhaus nördlich der Kuppel bemerkenswert sind. Nördlich davon steht das 28 m lange und 12 m hohe Ueberwinterungshaus, ganz aus Beton und Ziegeln. An die östliche Mittelhalle stößt ein 28 m langes Verbindungshaus, an das südlich wieder die Kulturhaus-Gruppe mit 13 Einzelhäusern und nördlich die Wirtschaftsgebäude angebaut sind. Südlich der Kulturhäuser sind 60 Stück je 6x1,50 m große Frühbeetkästen in den Erdboden einbetoniert, wovon die mittlern 30 heizbar sind; auch südlich der Schauhäuser sind doppelseitige Frühbeetkästen von 12x3 m Größe. Die Gesamtanlage steht auf gewachsenen Kiesboden. Eine Anzahl im Sockelmauerwerk schräg einbetonierter Kaltluftkanäle leiten die frische Luft unter die innen liegenden Heizrohre. Rings um die ganzen Mittelhallen ist im Innern unter den Seitengängen ein unterirdischer, bequem begehbarer Heizkanat von 1,50 m Breite und 1,90 m Höhe einbetoniert. Die Fußböden der Gänge sind nicht betoniert, sondern mit feinerm Kies abgedeckt zwecks Aufsaugen des Spritzwassers und Erhöhung der Luftfeuchtigkeit. Fast sämmtliche Gewächshäuser tragen ein Satteldach mit beiderseitigen Glasstandwänden; nur wenige Häuser sind pultdachartig bedeckt; die 2 Orchideenhäuser sowie der große Kuppelbau haben ein Zeltdach, letztere unten mit Mansardenbruch und oben mit Laterne. Die eigentliche Gewächshaus-Konstruktion ist eine kombinierte aus eiserner, durchweg freitragender Unterkonstruktion mit aufgelegten Dachsprossen und Rahmen aus südamerikanischem Original-Pitchpineholz, einer harzreichen Föhrenart, die wohl 25 Jahre aushält [Max Kolb, Bayer. Staatsztg. 1913/73],
Brunnenbuberl
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Brunnenbuberl. Monumentalbrunnen in den Karlsplatzanlagen, entworfen von Gasleiger. Ein gutmütiger Faun speit dem Knaben, der ihn necken wollte, kräftig Wasser ins Gesicht.
Brunnthal (Bogenhausen)
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Brunnthal (Bogenhausen). entstanden aus dem 1690 von der Stadt erbauten Pfründnerhaus für alte und gebrechliche Weibspersonen, das aber [nach F 1004] wohl weniger eine „Pfründe“ als vielmehr eine Strafanstalt war, nämlich das sog. „Spinnhaus“ oder „Wollhaus“ zur Unterbringung liederlicher Weibspersonen.
Busch-Haus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Busch-Haus, Renatastr. 6, Wohnhaus und Atelier des Bildhauers Gg. Busch, von Arch. Gebrüder Rank 1910. Charakteristisches modernes Künstlerheim mit Betonung der einheimischen, bodenständigen Formen, so durch ein System von horizontalen Eintiefungen in den ortsüblichen Verputz, durch ein großes, hohes Mansardendach. Fassadengliederung: wagrecht durch Sockel, Sims und Putzeintiefungen, senkrecht durch einen aus der Eckvorschiebung resultierenden Risalit und durch Hervortreten der Mittelwand. Im Ganzen eine glückliche Vereinigung eines villenartigen Wohnhauses mit weiträumigen Ateliers [SB 10/40, WM 12/12].
Christophorus-Monument
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Christophorus-Monument, am lsarkai, 1909 von der Stadtgemeinde errichtet; Entwurf von Bernh. Bleeker BAJ 735].
Deroy-Denkmal
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Deroy-Denkmal in der Anlage der Maximiliansstraße-, 1856 errichtet vom bayerischen Heere für Graf Erasmus von Deroy;, General der Infanterie, gest. im russischen Feldzug 1812 in der Schlacht von Polotz (Entwurf von Halbig).
Deutsches Haus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Deutsches Haus, Restaurant, Sophienstr. 1. Als einer der ersten Bauten Gabriel v. Seidls (1879) charakteristisch für dessen Auffassung der „deutschen Renaissance“ (daher vielleicht auch der Name „Deutsches Haus“). Fassade verputzt; Erker, Portale und Fenstereinfassungen des Erdgeschosses in Abbacher Sandstein. Fassadenfresken von Rudolph Seitz, 1905 in Tonstiftenmosaik erneuert. Im Gastlokale Bilder von Adam Kurz, Lambert Lindner u. a. [SB 00, KH 00, BAJ].
Dreifaltigkeitsplatz
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Dreifaltigkeitsplatz. Um 1270, bei Erhebung der hl. Geistkirche zur Pfarrkirche, wurde für sie auch ein eigener Gottesacker in der Nähe (mit einer Kapelle zu Ehren des hl. Paulus) gegründet. 1543 wurde «dieser Friedhof auf den jetzigen Dreifaltigkeitsplatz verlegt und 1681 eine Kirche zu Ehren der Dreifaltigkeit (anfangs 19. Jahrh. abgebrochen) erbaut: daher der Name [R].
Drey-Haus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Drey-Haus. Maximiliansplatz 7. Als Rahmen für die gärtnerischen Anlagen am Haus 6 Pfeilerfiguren von Dull und Petzold. „Die Wahl des Stoffes war den Künstlern vollkommen frei gestellt: ein weinseliger Silen, ein Weib von edler Schönheit und der Götterbote Merkur von geschmeidiger Männlichkeit korrespondieren auf der einen Seite der Anlage mit einem jugendlichen frohgemuten Dudelsackpfeifer, einer leichtbeschwingten Tamburinschlägerin und einem jungen, selbstbewußten Krieger (Mars).; irgendwelche Beziehungen der Figuren untereinander sind nicht gegeben; der Reiz der alten Motive bot Anregung genug, namentlich in der Differenzierung ihrer verschiedenen Charaktere, die denn auch gerade in ihrem köstlichen Wechselspiel den Künstlern glücklich gerieten: man vergleiche die beiden Vertreter edler Männlichkeit mit dem Abglanz weiblicher Körperschönheit und anmutsvoller Bewegung in den beiden Frauengestalten, die in ihrer abgeklärten Einfachheit durchaus die Selbständigkeit eines wahren Kunstwerkes in sich tragen; auch die Schlußsteine der Bögen des Erdgeschosses, jugendfrische Putten, teilen mit den großen Standfiguren die gleichen Vorzüge.“ Wohn- und Geschäftshaus 1911 von Gabriel Seidl erbaut. Fassadendekoration in Friesen und Gliederungen, die in Terrakotten von der Kgl. Porzellanmanufaktur Nymphenburg nach Modellen von Franz Naager hergestellt sind. Fassadenputz in Terranova. Hauptsteinmaterial Donaukalkstein [BAJ; KH 12, 9].
Eichthal-Palais
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Eichthal-Palais, Theatinerstr. 16. Ein charakteristisches Frühwerk jenes Cuvillies, von dem die Reichen Zimmer der Residenz, das Residenztheater und ein großer Gesamtplan für einen projektierten Neubau der Residenz stammt. Es wurde 1728 für den Grafen Joseph von Riosaque de Non erbaut, wie denn überhaupt die Münchner Aristokratie bemüht war, den gefeierten Franzosen in ihre Dienste zu ziehen. Trotz der feinen, wohlabgewogenen Details charakterisiert einige Unsicherheit in der Gesamthaltung den Bau in der Tat als ein „Frühwerk“: er leidet offenbar noch unter der Ueberfülle von Formen. Dies gilt besonders von jenem Wechsel in den Fensterformen, der das Auge beunruhigt: so sind die Fenster im 1. Stock des Seitenflügels wie auch das mittlere Fenster im Mittelrisalit und die 3 Risalitfenster im 2. Stock im Rundbogen, die übrigen Fenster aber im flachen Segmentbogen abgeschlossen. Die Rundbogen im 1. Stock setzen auf Pilastern auf; die übrigen Rund- und Segmentbögen gehen ohne Gliederung in die seitlichen Gewände über. Dagegen ist die Anordnung des Grundrisses, namentlich der Einfahrt, der beiden Vestibüle und des Treppenhauses von vollendeter Meisterschaft: „hier wird man nicht so sehr an die (damals üblichen) Vorräume der Pariser (Wohnungs-)Hotels, als besonders an die Raumkomposition italienischer Barockmeister erinnert [BAJ]“.
Die innere Anlage, namentlich im Erdgeschoß, wurde 1896 durch moderne Umbauten (zu Geschäftszwecken) verändert, wodurch leider auch die Fassade stark gelitten hat, obwohl schließlich weiter nichts geschah, als daß unten ein paar Läden eingebaut wurden; allein dies hat gerade genügt, die Proportionen vollständig zu entstellen, so daß das Obere nun nicht mehr so recht aufkommen kann. Als Dekoration ist überm mittlern Fenster des 1. Stockes eine Kartusche mit einem Madonnenrelief, über dem des 2. Stockes ein von einem Adler gekröntes Allianzwappen angebracht. [BAJ 163.]
Elektrizitätswerk. städtisches.
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Elektrizitätswerk. städtisches. Die Verwendung von Elektrizität für öffentliche Zwecke begann 1888 mit der versuchsweisen Anwendung von Bogenlampen an der Blumenstraße. Der weitere größere Ausbau der Werke erfolgte unter der Leitung von Baurat Uppenborn; 1891» und 1898 wurde das 1893 durch Stadtbaurat Frauenholz errichtete Muffat-Werk (Zweibrückenstr. 83a) vergrößert; 1911 erfolgte die infolge eines Brandes notwendig gewordene Angliederung einer modernen Schaltanlage. Leistung der Kraftmaschinen 2000 PS., der Umformer 4450 PS.; Batterien-Kapazität 18960 Ampere-Stunden. 1895 wurde das Maximilianswerk (Aenßere Maximilianstr. 2, unterhalb der Maximiliansbrücke) errichtet, und zwar das zweigeschossige Gebäude — gleich jenem der Muffatwerke — von C. Hocheder aufgeführt, unter Rücksichtnahme auf die parkartige Umgebung; Turbinenleistung 500 PS. 1899 wurde das Isartal-Werk (Isartatstr. 48) von ü. Hocheder und R. Rehlen gebaut mit einer Leistung von 7200 PS., das größte Dampfwerk der städtischen Werke. Neben der 78,5 m langen und 23 m breiten Maschinenhalle ist einerseits das 17 m breite Kesselhaus mit seinem 60 m hohen Dampfkamin angeordnet und auf der entgegengesetzten Seite die Schaltanlage, die Wasserreinigungs- und Kondensationsanlagen und daran anschließend in einem Bautrakt Magazine, Akkumulatorenräume, Geschäftsräume für den Betrieb und 2 Dienstwohnungen. Diesem Werk wurden angegliedert die Unterstationen an der Karlstraße 1899, Schillerstraße 1899, Arcisstraße 1899, Prinzregententheater 1901, Oberpollinger 1905r Neuhausen 1906. Wegen weiterer Ueberlastung wurde 1906,07 bei Moosburg (52 km isarabwärts von München) ein neues Elektrizitätswerk von Zivilingenieur Telorac-Kempten erbaut mit einer Durchschnittsjahresleistung von 5200 PS.; die erzeugte Energie wird als Drehstrom mittelst Freileitung mit einer Spannung von 50000 Volt nach der an der Burgfriedensgrenze errichteten Transformatorenstation Hirschau geleitet, dort auf eine Spannung von 5000 Volt umgewandelt und durch das Hochspannungskabelnetz den einzelnen Unterstationen zugeführt. Inzwischen konnte auch das südlich von München an der Isar liegende Südwerk ausgebaut werden mit einer Jahresleistung von 3500 PS. und einem Drehstrom von 5000 Volt, der dem Hochspannungsnetz direkt zugeführt wird. Gleichzeitig wurden neue Umformerstationen errichtet, so 1907 die Unterstation Wurzerstraße, 1908 Ausstellungspark und 1910 in Schwabing (Krankenhaus), 1911 Giesing, Marienplatz und Polizeigebäude. 1911 beteiligte sich die Stadt an der Gründung der „Aktiengesellschaft Leitzachwerke“ mit 51% des Aktienkapitals und sicherte sich dadurch eine Leistung von 9000 PS., bezw. 20 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Betriebsaufnahme der Leitzachwerke 1915 [BAJ 774 f.].
Erntebrunnen
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Erntebrunnen am Thiersch-Platz, auch ,.Waitzfelderbrunnen“, der „Ceresbrunnen“; gestiftet von Waitzfelder 1905. Ein steiler Pfeileraufbau, an dem beiderseits Mascarons Wasser in große, ausgebauchte Steinmuscheln speien. Darüber ruht, über ein Getreidebündel gebeugt, eine weibliche Figur (auf diese Art wohl den Namen „Waitzfelder'“ symbolisierend .
Ertl-Schlösschen
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Ertl-Schlösschen in Bogenhausen, Höchlstraße; eines der alten stilvollen Landhäuser, mit denen München schon im 16. und 17. Jahrh. umgeben war.
Fischbrunnen
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Fischbrunnen, am Marienplatz. Eine graziöse Schöpfung zur Erinnerung an den „Metzgersprung“, 1870 von Karl Knoll statt des alten errichtet; zwischen wasserspeienden Delphinen und Löwenköpfen schütten 4 Metzgerlehrlinge Wasser aus Eimern ins Brunnenbecken; darüber 4 musizierende Knaben zwischen Tannenbäumen mit Schildern und Inschriften über die Errichtung des Brunnens durch die Stadt; zu oberst bringt der Altgeselle mit erhobenem Becher das „Hoch“ aufs Königshaus aus; unter den Muscheln kauern die Gestalten der Pest und der Cholera. Seit dem 16. Jahrh. nämlich, wenn nicht schon früher, wurde hier jährlich am Fastnachtsmontag der Metzgersprung“ aufgeführt, dessen Ursprung auf eine Pestzeit zurückgeführt wird, in der (vgl. (Schäfflertanz) die mutigen Metzgergesellen, zum Zeichen des Aufhörens der Pest, sich mit ihren mutwilligen Späßen erstmals wieder an die Oeffentlichkeit wagten. Nach altem Brauche zog dann nach der zünftigen Freisprechung der Metzgerlehrlinge zu Gesellen der Festzug der Metzger zur Residenz: voran die Meistersöhne in alter Tracht zu Pferde, dann die freigesprochenen Lehrlinge in roten Fräcken; schwere Pokale wurden mitgeführt und der Ehrentrunk kredenzt; dann zogen sie zum Marienplatz, wo die öffentliche Freisprechungszeremonie stattfand und sodann der „Metzgersprung“ dargestellt wurde. Die dem kalten Bad Entstiegenen wurden als „freie“ Metzgergesellen erklärt und mit Gewändern in den Laudesfarben geschmückt. Der Brunnen hat seinen Namen von den Fischern, die bis ins 19. Jahrh. an diesem Platze an den Fasttagen ihre Fische verkauften [B 94].
Friedensdenkmal an der Luitpoldbrücke
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Friedensdenkmal an der Luitpoldbrücke. Vom Magistrat 1895 aus Anlaß der 25jährigen Wiederkehr des Friedenschfusses nach dem deutsch-französischen Krieg gestiftet zur Verherrlichung der Ruhmestaten der bayerischen Armee und der Segnungen des 25jährigen Friedens, geschaffen von den Eberle-Schülern G. Düll, M. Heilmaier und G. Petzold, aufgestellt 1899. Herrlich gelegen: hoch oben in der Achse der prächtig angelegten Prinzregentenstraße, inmitten schöner, dekorativ wirkender Anlagen, an der grünen rauschenden Isar, über die hier die großartige Luitpoldbrücke führt — schon aus großer Entfernung sichtbar, auf einer Terrasse, zu der dem Schöpfer vielleicht die Anlage am Monte Pincio zu Born vorgeschwebt sein mag, und die schon allein wegen ihrer prächtigen Aussicht auf die Stadt berühmt ist. Unterbau im Grundriß quadratisch; nördliche und südliche Seite durch Treppenanlagen unterbrochen; eigentliche Säulen unterläge, fußend auf 2 hohen Stufen, in richtiger Erkenntnis ihres Zweckes glatt und schmucklos, abgesehen von 2 Profilen an der Basis und im obern Schlußgesims. Auf ihr die den Glanzpunkt des Werkes repräsentierende Halle: 4 quadratische Pfeiler an den Ecken, je 2 Karyatiden an den Seiten tragen das in jonischer Weise gegliederte Gebälk, das über der Sima mit den Löwenköpfen in eine Palmettenreihe ausklingt; übereck Kriegstrophäen (Rüstungen, Schilder, Schwerter, Speere u. s. w.); als Bedachung eine der griechischen Architektur nachgebüdete Steinbalkendecke mit den üblichen, durch den Uraniscus gezierten Kassetten in Gold und zartem Blau; Dachflächen mäßig ansteigend und mit kleinen Terracottaziegeln abgedeckt; „unschwer erkennt man das Vorbild der Halle, das Heiligtum des Erechtheus im Tempel der Athena Polias zu Athen-, das Gebälk ist das gleiche; die Karyatiden hier gleich edlen Schwestern jener Koren vom Erechtheion; in feierlicher Haltung, mit leicht abgebogenem Spielbein stehen sie uns gegenüber, in ihren Händen tragen sie Kränze, Füllhörner und vergoldete Lorbeerzweige; je 2 nebeneinander Stehende korrespondieren in Körperhaltung und in den Bewegungen der Hände miteinander und in gleicher Weise entsprechen sich je 2 gegenüberliegende Seiten [KH 99/00]“.
An den Eckpfeilern lorbeerumrankte Medaillons: an denen der Vorderseite die 3 deutschen Kaiser (Wilhelm I., Friedrich und Wilhelm II.) einerseits, andrerseits die 3 bayerischen Fürsten (Ludwig II., Otto und Prinzregent Luitpold), die in dieser langen Zeit des Friedens regierten; an den Pfeilern der Rückseite die Reliefs des ersten Reichskanzlers Bismarck und der kriegführenden Feldherrn Moltke, Boon, v. d. Tann, Hartmann, Prankh); an der nördlichen und südlichen Außenseite der Pfeiler die 12 Taten des Herkules. Innerhalb dieser Halle das eigentliche Fundament der Säule, ein massiger steinerner Würfel; an dessen Seiten musivische Rundbilder auf Goldgrund mit rechteckiger ornamentaler Umrahmung: westlich der „Friede“, eine antike sitzende Frauengestalt mit den Allegorien der Kunst und Wissenschaft zur Seite, im Hintergrund Zypressen; südlich der „Sieg“, ein heimkehrender Krieger, von der „Nike“ bekränzt; östlich die „Kultur“, eine antike Frau mit einer Fakel und mit Aehren; über ihr fruchtbeladene Bäume, unten der Schmied am Ambos, der Bauer beim Pflug, die mit Landesprodukten beladenen Kauffahrteischiffe; nördlich der „Krieg“, 2 fechtende griechische Kämpfer; „diese Kompositionen sind von echt antikem Geiste beseelt, und tatsächlich haben die Schöpfer des Denkmals ihre Entwürfe nach sorgfältigen Studien der alten Mosaiken in Bavenna hergestellt [KH 1. c.l“.
Ueber dem Dach, wie aus dessen Mitte aufsteigend, der guirlandengeschmückte Säulenfuß. Säule selbst über 20 m hoch, kanneliert, schlank und doch kräftig, im wundervollen Verhältnis sowohl zum Unterbau wie zum krönenden Engel; reizvoll komponiertes korinthisches Kapitell (gleich dem Engel) in der kgl. Erzgießerei gegossen. Friedensengel 6 m hoch, vergoldet mittels eines starken Eisenbalkens befestigt, der durch den Fuß in den Körper eingelassen worden, bis in die Hälfte der Säule hinunterreicht und hier mit 8 mächtigen Schlaudern befestigt ist; im Innern der Säule selbst ein 58 cm weiter Hohlraum, mit Steigeisen versehen, um — wenn nötig — die Figur von neuem befestigen zu können; „unser Friedensengel gehört zu den wenigen Werken, die sich in Hinsicht auf das Problem der „Fliegenden Gewandfigur“ mit der Nike des Paionios in Olympia messen dürfen; dabei muß erwähnt werden, daß unser Engel ohne sklavische Anlehnung an das erhabene Vorbild geschaffen worden ist. Aehnlich der klassischen Nike, die im Flug herabschwebend gerade nur mit des Fußes Spitze das attische Land berührt, so schwebt auch unser Friedensengel nur auf einem Fuß; leicht nach vorn neigt sich die von wallendem Gewand umhüllte Gestalt und beut in der Linken das Bild der Nike, in der Rechten die Palme des Friedens dar; die schwierige Aufgabe, eine als fliegend gedachte Figur auf eine Säule zu stellen, ist durch die Verbindung des Kapitells mit dem Engel durch ein Zwischenglied mit einer Halbkugel, wenn auch ungewohnt und eigenartig, so doch keineswegs unglücklich gelöst [KH 1. c.].“ Material des Unterbaues Muschelkalk, der übrigen Teile Kelheimer Sandstein [SB 99/15; „Zwei Friedensdenkmäler“ von Phil. Halm in KH 99/00].
Gasteig
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Gasteig bei Haidhausen, Bezeichnung für das rechte Isarsteilufer (daher der Name: „steig“ = Weg, „gah“ = gach, steil. Bis 1861 Stätte des uralten „Leprosenhauses zu St. Nikolaus“, nordwestlich vom Gasteigkirchlein, der ehemaligen Spitalkirche, gelegen; nach Erlöschen der furchtbaren „Lepra“ (der „Krankheit des Mittelalters“) für ansteckende (unheilbare) Krankheiten überhaupt bestimmt. Beim Kirchlein jenseits der Straße an Stelle des alten „Schneeweißenburg-Schlößl“ oder der „Schwanenburg“ (von der Akademie der Wissenschaften 1763—79 zu einem astronomischen Observatorium eingerichtet) seit 1796 ein städtisches Versorgungshaus, das „Armeninstitut“ geheißen, seit dem ansehnlichen Neubau 1861/62 das „Pfründnerhaus“ oder „Gasteigspital“ genannt [F],
Der Gasteig als Kriegsschauplatz im Jahre 1796 in einem der sogen, „französischen Koalitionskriege“. Der französische General Moreau hatte am 24. August den kaiserlichen österreichischen General Latours bei Friedberg geschlagen und zog am linken Isarufer über Freising gegen München. Inzwischen ließ der Kurfürst Karl Theodor, der unterdessen nach Pillnitz in Sachsen geflohen war, mit Moreau einen Neutralitätsvertrag für seine Residenzstadt schließen, wonach die Franzosen von einem Durchmarsch durch die Stadt absahen und am 1. September das Terrain zwischen Stadtmauer und Isar besetzten. Die Oesterreicher, denen gleichfalls die Stadt verschlossen blieb, hatten zuvor schon die Anhöhen am Gasteig, Lilienberg, in Haidhausen und der Au eingenommen. Noch am 1. September wollten die Franzosen die Isarbrücke stürmen, jedoch erfolglos, trotzdem der Kampf von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends dauerte. Die Stadt litt dabei keinen Schaden; denn als die Bürger bemerkten, daß Latours am Gasteig 8 Bombenmörser auffahren und gegen die Stadt richten ließ, sandte der bayerische General Bnmford den Freiherrn von Lipowskg zu ihm, so daß eine Beschießung mit zündbaren Bomben unterblieb. Ein zweiter Sturm am 7. September ging gleichfalls schadlos vorüber. Als die Franzosen tags darauf, 8. Sept, um 5 Uhr früh ihren Angriff erneuerten und ihre Geschosse gegen das österreichische Lager richteten, gingen auch die Oesterreicher mit schwerem Geschütze vor: dabei fielen einige Bomben über die Stadtmauer und zündeten am Lehel. und auch der „rote Turm“ der Stadtmauer brannte nieder; andererseits verursachten diesmal auch die Kanonen der Franzosen in Haidhausen großen Schaden und viele Häuser brannten nieder. Inzwischen hatten, wenn auch unter harten Bedingungen, die Bayern mit den Franzosen zu Pfaffenhofen a. d. Ilm einen Waffenstillstand geschlossen, dessen Bedingungen schließlich von Bayern nicht verwirklicht zu werden brauchten, nachdem bald darauf Erzherzog Karl von Oesterreich durch siegreiche Kämpfe bei Amberg und Würzburg die Franzosen aus Bayern vertrieben hatte [B 96].
St. Nikolauskirchlein. Innere Wienerstr. 1. Ursprünglich gotisch (außen dreiseitiger Chorabschluß und Strebepfeiler); Stemrippengewölbe im einschiffigen Innern, wahrscheinlich gleich jenem der Herzogspitalkirche in den deutschen Renaissanceformen des 16. Jahrh.; aus dieser Zeit auch Rahmenstuckatur am Tonnengewölbe [KB, Rb].
Neben der Nikolauskirche (Innere Wienerstr. 2) die kleinere Loretto-Kapelle (auch Altöttinger Kapelle), wahrscheinlich gegen Ende des 16. Jahrh. erbaut; auf dem Altar eine vielverehrte, der Ältöttinger Mutter Gottes nachgebildete Madonna. Chornische außen dreiteilig abgeschlossen, innen zur halbkreisförmigen Apsis umgestaltet. An der Flachdecke hübsches Gemälde „St. Nikolaus“ von Julius Frank [Rb].
Gasteig-Anlagen
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Gasteig-Anlagen; zwischen der Ludwigsbrücke und dem Maximilianeum, 1857—61 an Stelle der alten Leprosenspitalgebäulich- keiten errichtet; von hier köstliche landschaftliche Ausblicke hoch über der Isar auf die Stadt.
Giesing
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Giesing, Vorstadt am rechten Isarsteilufer. Geschichte. Im 8. Jahrh., noch vor Gründung der Stadt, als Kyesinga (d. h. Niederlassung des Kyso) und mit einer Kirche beurkundet; seit dem 12. Jahrh. Sitz des Edelgeschlechtes der Giesinger. Im Landshuter Erbfolgekrieg 1504 zugleich mit den andern Dörfern am „Isarrain“ verwüstet. Ursprünglich Filiale von Bogenhausen; seit 1827 Stadtpfarrei [F].
Gise-Palais
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Gise-Palais, Prannerstraße 10. „Einer der wertvolleren Bauten aus der Schule Cuvillies [W 149]“. Fassade mit einer Front von 7 Fenstern in 4 Geschossen, einschließlich des Entresols. Vertikalgliederung angedeutet durch die beiden Pilaster am Mittelrisalit die auf der Altane über dem Rustikaportal aufstehen und merkwürdig dadurch sind, daß sie sich nach oben gewissermaßen totlaufen, indem sie noch unterhalb des obersten Geschosses in einfache trophäentragende Gesimsplatten endigen. Horizontalgliederung markiert durch sehr schwache Gesimse. Hauptgeschoß dekorativ reich durchgebildet durch plastisch verzierten Fensterabschluß mit stark betonten Segmentbögen darüber, durch die Einfassung der Fensterreihe oben und unten durch ein Konsolengesims (von denen sich das obere außerdem durch Guirlandenschmuck hervorhebt) und nicht zuletzt durch das Allianzwappen im Mittelrisalit in zierlichster Rokokomanier. Untern Dachsims breiter Konsolensims, deren Konsolen paarweise auf die Fensterachsen verteilt sind und mit Trophäenschmuck ausgestattet sind; im Mittelrisalit sind die Paare verdoppelt [KB].
Gluck-Denkmal
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Gluck-Denkmal, am Promenadeplatz. 1848 errichtet nach einem Entwurf Bruggers. Die schwierige Aufgabe, das Wesen eines Tondichters plastisch auszudrücken, ist hier (sowie beim benachbarten Orlando-Denkmal) glücklich und einfach gelöst: erläßt den frohen Singspieldichter mit der Linken gleichsam einen Akkord greifen und über den Wohlklang entzückt erscheinen. Gluck (wie Orlando) sind auf des Königs Ludwigs. Wunsch im Kostüm ihrer Zeit mit monumental herabwallenden langem Mantel (bezw. Talar) und in sprechender Porträtähnlichkeit dargestellt. Ursprünglich vor dem „Odeon“, dem Haus der Musik, aufgestellt, wurden sie später, um dem Reiter Standbild König Ludwig I. Platz zu machen, hieher übertragen [HR],
Gruftstraße
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Gruftstraße. Beim Bestreben des Mittelalters, die Juden innerhalb des Gemeinwesens möglichst abzusondem und zu überwachen* darf es nicht wundernehmen, daß auch München sein Ghetto oder Juden - viertel (zwischen der Wein- und Dienerstraße) hatte. Ein eigenes Tor, jedoch nicht von einem Turm überragt, sondern nur ein sog. Einlaß, führte bei der früheren Polizeidirektion (Weinstraße) in die „Judengasse“, jetzt ,, Gruftstraße“. 1442 vertrieb Herzog Albrecht III. die Juden aus. allen seinen Landen und schenkte ihre Münchner Synagoge (damals die Judenschule genannt), die neben dem Judentore sich erhob und halbunterirdisch in den Stadtwall eingebaut war, seinem Leibarzt Johann Hartlieb; dieser errichtete daraus, wohl mit Benützung des Altbaues, ein der Mutter Gottes geweihte zweigeschossige Kapelle, genannt „bey unser lieben Frauen in der Gruftvon der die Gasse ihren Namen schöpfte. 1865 fiel die Kirche der Erweiterung des Polizeigebäudes zum Opfer [BAJ 29, It].
Haidhausen
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Haidhausen am rechten Isarufer zwischen Giesing-Au und Bogenhausen. Bereits 808, also noch lange vor Gründung der Stadt, mit einer Kirche beurkundet als „Heidhusir“, d. h. Häuser auf der Heide. Wie in der Au so siedelten sich auch hier allmählich Münchner Patrizier an, darunter auch die Familie der Leibifinger; als letztere 1683 dem aus dem Türkenkrieg (nach dem Entsatz von Wien) siegreich zurückkehrenden Kurfürsten Max Emanuel einen sehr feierlichen Empfang bereitete, wurde sie in den Adelsstand erhoben und ihr Haidhausen als Hofmark zugeteilt; später verkaufte sie ihren Besitz an den Grafen von Preysing-Hohenaschau (s. beim ,,Guten Hirten-Kloster“). Gegenüber dem Preysing-Schlößchen lag das Schlößchen „Haidenau“. Westlich davon (an Stelle des spätem „alten“ Schulhauses) das Törringschlößchen. Im französischen Koalitionskrieg 1796 (siehe unter „Gasteig“) richteten die Franzosen großen Schaden an; 12 Häuser brannten nieder. Anfänglich Filiale von Bogenhausen, wurde Haidhausen 1820 selbständige Pfarrei [F],
Heinemann Galerie
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Heinemann Galerie, Lenbachstraße 5. Erbaut 1903 von Emanuel Seidl, charakteristischer Bau für den Anfang der modernen Münchner Architektur. Fassade als Mittelhaus einer Gebäudegruppe mit dem bereits bestehenden Eckhaus der Bayerischen Bank komponiert. Innere Ausgestaltung von hervorragender Bedeutung durch die nach völlig neuen Grundsätzen vollzogene Durchbildung der imposanten Galerie, deren Grundriß ganz nach den Lichtbedürfnissen entworfen ist; große Säle durch dünne Wände zerlegt in kleinere; kostbare Skulpturen allerorts in stimmungsvoller Weise angeordnet; „die Decken sind alle weiß gehalten: appart und feinsinnig gibt sich ihre ornamentale Gestaltung, vorteilhaft sehen wir die elektrischen Beleuchtungskörper angeordnet, mit einem Wort: die Decken erheben die Säle zu Festsälen; man sieht überall den Niederschlag einer neuen Zeit: allem Pompösen ist aus dem Weg gegangen, um die Kunstwerke für sich allein zur Geltung zu bringen; es schimmert und gleißt nicht, nirgends geraffte schwere Portieren, nirgends das theatralische Büstzeug alter Gemäldesammlungen; vornehm aber einfach sind die weißen Decken, grauen Wände, mattroten Türen und schlichten Vorhänge; rote und graue Möbel, durch Beschläg geschmückte Türen, am rechten Platz erscheinendes Mahagoniholz als schmückender Farbenweit, Opaleszentglas und viele andere sorgfältig auf die Wirkung geprüfte Details beleben und erwärmen das große Gesamtbild.“ [Br; SB 04,15; BAJ],
Herbergen
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Die „Herbergen“, eine besondere Form des Altmünchner Wohnhauses, ehemals die Behausungen der ärmsten Klassen. Durch das ganz vorige Jahrhundert hat sich diese uralte, vorstädtische Wohnform zäh erhalten; jetzt hat ihr eine strengere Wohnungspolizei so ziemlich den Garaus gemacht. Für die Erbauung solcher Häuser kleinster Art durfte nach altem Gesetz niemals landwirtschaftlich nutzbarer Grund beansprucht werden; und so wuchsen sie aus dem Überschwemmungsgebiet der Isar, der Au, heran, klebten an den Steilhängen des Höhenrandes und drückten sich scheu zusammen in Kiesgruben (die „Grube“ in Haidhausen) und andern unfruchtbaren Stellen. Die Häuschen sind oft zimmerweise unter mehreren Eigentümern in der kompliziertesten Weise geteilt, doch meist so, daß ein jeder einen eigenen Zugang von der Straße aus hat. Oft kommt ja die Bodengestaltung der Zugangsmöglichkeit der obem Stockwerke entgegen; oft ist sie aber durch verwegene Außentreppen erzwungen. Beispiele in der Au, in Giesing und Haidhausen [BAJ 85],
Hitl-Haus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Hitl-Haus, Prannerstraße. Diese Fassade ist merkwürdig durch die 2 von Franz Schwanthaler um 1805 geschaffenen Relieffriese nach Art jener am griechischen Parthenon, die als ein erster Versuch des Klassizismus angesehen werden können, in die Bürgerkreise Münchens einzudringen [BAS 194].
Hirschanger mit städtischer Spielhütte
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Hirschanger mit städtischer Spielhütte. Nach dem Prinzregent Luitpold den Hirschanger den Kindern der Volks- und Mittelschulen als Turnspielplatz überlassen hatte, ließ die Stadt auf ihm von W. Bertsch eine heizbare Spielhütte mit gedeckter Wandelhalle (für 30000 Mk.) errichten [BAJ 724].
Hirschgarten
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Hirschgarten; Jägerhaus und Restauration am Eingang des Hirschgartens bei Nymphenburg. Erbaut 1791 „noch ganz im einfach liebenswürdigen Charakter der Nymphenburger Bauten |BAJ 136]“.
Hocheder-Haus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Hocheder-Haus, Renatastraße 30. Wohnhaus des Architekten Prof. C. Hocheder, von ihm selbst 1908 als Teil eines Gruppenbaues an das bestehende Nachbarhaus mit der Nordseite kommunisch als geputzter Backsteinbau angebaut. Im Innern enthält es eine geräumige Diele, von der aus mit Ueberwindung von 2/3 Stockwerkshöhe die ebenerdigen Räume mit der Küche, und mit Ueberwindung von 2/3 Höhe die Schlafzimmer erreicht werden können [BAJ 408].
Hofwagenburg, Kgl.
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Hofwagenburg, Kgl., Marstallplatz 5. Prachtschlitten und Prachtwägen namentlich aus der Zeit des Kurfürsten Max Emanuels und König Ludwigs II.; sehenswert als kunstgewerbliche Hochleistungen. Ueber dem Toreingang ein prächtiges Wappenstück.
Isaria-Korpshaus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Isaria-Korpshaus. Maria Theresiastraße 2; erbaut von E. Drollinger 1900/01 in der Formensprache der auskh'ngenden Gotik, gemischt mit den heitern Motiven der deutschen Frührenaissance. Hauptmotiv und Kernpunkt der ganzen Anlage ist der große Kneipsaal im ersten Stockwerk, nach außen stimmungsvoll gekennzeichnet durch das große gotische Maßwerkfenster. Längsfassade belebt durch den das Ganze überragenden Sechseckturm, in dessen unterm Teil das reichgegliederte, säulenflankierte Hauptportal; Portalsäulen bekrönt von 2 Kriegern als Sinnbildern von Mut und Wehrkraft. An der Nordwestecke eine von den Säulen getragene Loggia [SB 03,1].
lsmaningerstrafse 180
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
lsmaningerstrafse 180. Wohnhaus für Kunstmaler Robert Böninger, 1910/11 von Arch. Paul Ludwig Troost erbaut. Die eigenartige Lage des Grundstücks gestattete eine besonders malerische Gestaltung der Bauanlage. Der Fassadenputz ist im primitiven, ländlichen Charakter ausgeführt und hell getönt. Dächer mit schwarzen S-Ziegeln ausgeführt [BAJ 422],
Karlsplatz
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Karlsplatz, benannt zu Ehren des Kurfürsten Karl Theodor. der, nachdem er die Festungswerke hier vor dem Neuhausertor (jetzt ebenfalls nach ihm „Karlstor“ benannt) niederlegen, den Stadtgraben ausfüllen und eine gerade Ausfahrt herstellen hatte lassen, dieselbe am 1. Mai. 1791 feierlich eröffnete [JW].
Karmeliterapotheke
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Karmeliterapotheke, Promenadeplatz 13. Ein Privatgebäude, im Louis XVI.-Stil („Deutscher Zopfstil“) ausgestattet, — also noch nicht im ganz ausgesprochenen Klassizismus, der auch eine solche verhältnismäßig strenge, fast „lineare“ Disposition noch als „zu malerisch“ empfunden haben würde. Im Kern ist das Gebäude alter Provenienz, und „hat das zierliche Modekleid einfach hinübergeworfen“. Hier sind überall die Flächen bereits zu rechtwinkligen Ziermotiven ausgebildet, überall die Fenster mit schlanken, feinlinigen Profilen umgeben. So ist das Ganze nicht auf die Wucht des Ausbauchens, auf das Vor- und Zurücktreten hin angelegt, auch nicht auf eine gleichmäßige Bewegung, die über die Fläche hingeht, sondern auf jene Schönheit hin, die subtilerer Art ist, dabei am Einzelnen haftet und sich durchaus der Sache unterordnet und sich nicht vermengt mit etwas anderem, Heterogenem, was einer anderen Formklasse angehört. — Im Hof auf gotischen Erdgeschoßpfeilern eine leichte Bogenarchitektur mit toskanischen Säulchen, die jedenfalls eine mittelalterliche Holz loggia ersetzte, jetzt aber Steinmaterial vortäuscht [BAJ 116].
Klara Zieglerhaus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Klara Zieglerhaus, jetzt Theatermuseum, Königinstr. 25. Ehemals Wohnhaus der großen Münchner Schauspielerin Klara Ziegler, von ihr testamentarisch samt ihrer Sammlung als „Theatermuseum“ gestiftet, wobei sie betonte: „dem Höchsten und Wertvollsten unsrer schönen Kunst soll dies Haus eine Heimstätte sein.“ Das Museum, noch immer das einzige seiner Art in Deutschland, birgt eine große Anzahl von Bildern, Schriften und interessante Andenken berühmter Bühnenkünstler und Sänger, die in München tätig waren.
Kleinwohnungebauten
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Kleinwohnungebauten für die minder bemittelte Bevölkerung. Eine 1904—07 und 1909 (letztere für leerstehende Wohnungen) vorgenommene Wohnungszählung ergab für Wohnungen mit 1 bis 3 Räumen 60,9 % aller Wohnungen, die ihrerseits 52,6 %, also über die Hälfte der Gesamtbevölkerung Münchens beherbergen mußten. Dabei handelte es sich in sehr vielen Fällen (bei 39940 Wohnungen oder 25,1 %) nicht einmal um selbständige Wohnungen, sondern um „Teilwohnungen“, indem die Hausbesitzer ihre ursprünglich abgeschlossenen größeren Wohnungen in 2 oder mehrere Teile getrennt vermieteten. Und trotzdem betrug der Durchschnittspreis für 1 Raum pro Monat 9,80 Mark. Zugleich ergaben sich nur 0,6 % leerstehende Wohnungen anstatt des allgemein angenommenen Normalsatzes von 3 %• Also nach beiden Seiten hin recht bedenkliche Resultate! Dem suchte man in den letzten Jahren durch Herstellung von „Kleinwohnungsbauten“ abzuhelfen, die gefördert wurden teils durch gemeinnützige Vereine (z. B. „Verein für Verbesserung der Wohnungsverhältnisse in München E. V.), durch niedrig verzinsliche Darlehungsgewährung (so von 1909—1911 seitens der „Landeskulturrentenanstalt“ für rund 4 Millionen Mark und der Stadtgemeinde für 2!/, Millionen Mark) für größere Anlagen von mindestens 30 Häuser, durch gewährte Steuerfreiheit auf 6 Jahre usw. Der Erfolg war, daß in diesen 3 Jahren über 300 Häuser mit etwa 3600 Einzel Wohnungen hergestellt wurden.
Als Typ für solche Bauten führen wir an die Gruppe an der Dachauer-Karl Singer-Trivastrafse. 1909—1911 von Architekt Johann Mund erstellt. Grundstück rechteckig, 140 m lang und 68 m breit, mit insgesamt 24 Kleinhäuser an 4 Straßenfronten, die einen sehr großen Gartenhof umschließen. Kleinhäuser selbst durchschnittlich 13 m breit und 11,60 m tief, umfassend in einem Stockwerk entweder 2 Wohnungen mit je 3 Bäumen von rund 15 qm oder 3 Wohnungen mit je 2 solchen Bäumen (im Erdgeschoß, 2 Obergeschossen und haibausgebauten Dachgeschoß zusammen 7—9 Wohnungen). Lichte Stockwerkshöhe 2,75 m, im Dachgeschoß 2,60 m. Sämtliche Wohnungen für sich abgeschlossen mit eigenem Vorplatz und Wasserklosett in der Wohnung. An jedem Koch- und Wohnzimmer möglichst wettergeschützt ein Balkon oder eine Loggia. Beheizung durch Einzelöfen, in den Wohnküchen mittels Kachelsesselöfen oder mittels eiserner Regulieröfen. Koch- und Wohnzimmer mit Eichenriemenparkett; Wände und Decken durchwegs in gebundener Kalkfarbe gestrichen. Wert sämtlicher Anwesen inkl. Grundstück, Straßenherstellung, Pflasterung usw. 1400000 Mark [BAJ 427 f.]. Siehe Abbildung.
Kunstgewerbehaus, Bayerisches
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Kunstgewerbehaus, Bayerisches, Pfandhausstr. 7. Ein stattlicher Bau von Knab und Gedern von 1877, „welch letzterem hier der damals neu eingeführte deutsche Renaissancestil am glänzendsten gelang [P 291]“; bestimmt zur Ausstellung der Erzeugnisse des hochentwickelten „Münchner Kunstgewerbevereins“. Im gleichen Haus ein feines reizendes Weinrestaura nt, eingerichtet von Prof. Niemeyer 1906. Im 1. Stock Festsaal des Kunstgewerbevereins, noch ganz im Sinne der Renaissancekunst des letzten Jahrhunderts; mit etwas nachgedunkelten Wandbildern von J. A. Kaulbach [Br, Gs],
Das Kunstgewerbehaus ist Eigentum des „Münchner Kunstgewerbevereins“, dessen Entwicklungsgang im folgenden kurz skizziert sei: Trotz der in den Freiheitskämpfen 1813—15 erfochtenen politischen Unabhängigkeit von Frankreich blieb das deutsche Kunstgewerbe, soweit ein solches überhaupt dürftig genug existierte, abhängig von der Pariser Produktion. Ein Cornelius, Rauch, Schinkel und Semper haben zuerst wieder das Banner der künstlerischen Selbständigkeit aufgesteckt und uns — teils durch das Studium der Antike und Renaissance, teils durch Zurückgreifen auf unsere eigene alte Kunstübung — eine neue Kirnst verschafft. Die eigentliche Hebung des Kunstgewerbes begann aber hauptsächlich unter dem direkten Einfluß der Malerei, zunächst in den „Vervielfältigenden Künsten“ (hier besonders im Illustrationswesen), dann in der Glasmalerei (namentlich unter Ainmiller) und der Porzellanmalerei, die sich von Neureuther stark beeinflussen ließ; unter Stiglmayer hob sich die Bronzetechnik so sehr, daß damals die Münchner Erzgießerei als die berühmteste in Europa galt. Indes traten erst 1850 einige der Besten zusammen, wie Voit, Bürklin, Schwarzmann, Eug. Neureuther, v. Miller, Kieling unter den Künstlern, Glink, Weißhaupt, Edel, Dröhne unter den Handwerkern, und suchten die veredelnde Einwirkung der Kunst auf das Gewerbe durch die Gründung des „Münchner Kunstgewerbevereins“ zu organisieren und so der infolge des wachsenden Naturalismus einreißenden völligen Verwilderung zu steuern.
Ihm verdankte die „Kunstgewerbeschule“ zur Ausbildung der Gewerbe ihr Entstehen, die später von der Regierung übernommen wurde. Die Zeit von 1840—63 ist für die Münchner Kunst eine Periode voll reicher Ansätze, aber ohne viel Frucht, weil auf architektonischem Gebiet eine vollständige Prinzipienlosigkeit eingerissen war; kein Wunder, daß darunter das Kunstgewerbe nicht sonderlich vorwärts kam, wie dies die „Erste allgemeine deutsche Ausstellung“ von 1854 bald in kläglichster Weise offenbarte: man fühlte den Mangel eines festen, unserm Nationalcharakter besser (als z. B. der griechische Stil) entsprechenden Prinzipes. Endlich begann dann der Anfang jener glänzenden Erhebung der Nation 1870, die uns die deutsche Einheit brachte. Die künstlerische Produktion nahm alsbald einen kolossalen Aufschwung, der sich auf alle Gebiete verbreitete. Durch sein epochemachendes Werk über den Stil sowie durch seine herrlichen Bauten in Wien hatte gleichzeitig Semper eine ungeheure Anregung der Architektur und mit ihr dem Kunstgewerbe gegeben.
In München aber vollendete sein Gesinnungsgenosse Gottfried Neureuther das Polytechnikum (Technische Hochschule), jenen köstlichen Bau, der eine neue Aera der Münchner Architektur einleitete, an dem zum erstenmal unser Baugewerbe es unter seiner Leitung zu oft mustergültigen Leistungen gebracht hat.
Mit dem Jahr 1870 und dem sich rasch in alle Schichten sich verbreitenden Milliardensegen (auch zum Bau der Akademie der bildenden Künste flössen aus Bayerns Anteil 2 Millionen Gulden) beginnt daher eine ganz neue Epoche auch für München. Das mächtig erhöhte nationale Selbstgefühl sprach sich wie immer zuerst in der Baukunst aus und führte sofort — in München unter Gedons und Rudolf Seitz Vortritt — zu jener Wiederaufnahme der deutschen Renaissance, die sich von da an in ganz Deutschland merkwürdig rasch eingebürgert hat. Zugleich erwuchs damit auch den jüngern Talenten eine Fülle schöner Aufgaben, so einem Albert Schmidt, Lange, Hauberisser, v. Schmädel, Seidl.
Und die unter der Direktion von Millers vom „Münchner Kunstgewerbeverein“ zusammen mit der Künstlerschaft veranstaltete große „Nationale Ausstellung“ von 1876 hatte einen in Deutschland bis dahin unerhörten Erfolg. So also dauerte es lange, bis die Idee der Anknüpfung an heimische Ueberlieferungen, die noch heute für die Münchner Baukunst teilweise maßgebend scheint, auch von den Architekten erfaßt, und bis von da aus wieder weitergebaut werden konnte. Das ist das Werk der noch Lebenden, das in jüngster Zeit einen glänzenden Triumph feiern konnte in der „Bayerischen Gewerbeschau 1912“ [Fr. Precht „Der Münchner Kunstgewerbeverein“ in KH 1881].
Kurfürst Maximilian I.-Denkmal
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Kurfürst Maximilian I.-Denkmal, Wittelsbacherplatz. Marmorpostament (6 m hoch) nach einem Entwurf Klenzes, Reiterstatue in Bronze nach einem Modell Thorwaldsens gegossen von Stiglmayer „das künstlerisch vollendetste Monument Münchens“. In voller Feldrüstung von der Zeit des 30jährigen Krieges (mit] Brust- lind Rückenharnisch, mit Halbschienen an Armen und Beinen, mit der Feldbinde und dem Goldenen Vließe geschmückt, das Schwert in der Scheide, die Pistolen im Halfter) mit der Linken das Pferd an den Zügeln zurückhaltend, mit dem Zeigefinger der Rechten nach einer bestimmten Stelle hinzeigend, ist Maximilian geschildert als Feldherr, „als der scharfblickende Lenker und Ordner der Schlachten, den wir hier mitten im Kampf sehen; das unbedeckte Haupt zeigt lang herabfallendes schlichtes Haar, eine mächtige hohe und etwas gefurchte Stirn, einen lebhaften scharfen Blick der Augen und ernste, männliche Züge, in denen sich der feste, entschiedene und unerschütterliche Charakter sowie der kriegerische Sinn des Helden bedeutungsvoll ausspricht“ [HR],
Liebig-Monnment
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Liebig-Monnment, am Maximiliansplatz. 1883 für den großen Chemiker Liebig errichtet von Wagmüller (vollendet von Rümann); „war Wagmüller (beim allgemeinen deutschen Wettbewerb) durch seine persönliche Bekanntschaft mit dem berühmten Gelehrten begünstigt, so hat er dafür aus dieser in Carraramarmor ausgeführten Arbeit auch etwas gemacht, was in seiner Vereinigung von schlagender Naturwahrheit mit wohltuender Schönheit der Linien im Aufbau der sitzenden Figur nur äußerst selten seinesgleichen in Deutschland findet; denn das ganze Wesen des großen Gelehrten ist hier bis auf seine Art sich zu bewegen unübertrefflich wiedergegeben [P 305]“; am granitnen Postament allegorische Marmorreliefs (Chemie und Ackerbau) sowie vergoldete Bronzefestons.
Ludwigs I. Monument
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Ludwigs I. Monument, am Odeonsplatz. Reiterstatue nah Widnmanns Modell, dem König zu seinem siebzigsten Geburtstag „vom dankbaren Magistrat München“ errichtet. Auf den Rat Klenzes wurde zur Ausführung des Monumentes eine von Schwanthaler Unterlassene Skizze zu einem Denkmal für König Stephan von Ungarn verwertet. Der König erscheint hoch zu Roß in treuer Porträtähnlichkeit, im Krönungsornat, das Szepter hoch in der Rechten schwingend, von 2 Pagen geleitet, die auf Tafeln den Wahlspruch des Königs zeigen: „Gerecht“ und „Beharrlich“. An den Ecken des Postaments die allegorischen Bronzegestalten der Religion, Kunst, Poesie und Industrie [HR].
Ludwigsstraße
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Ludwigsstraße, genannt nach König Ludwig I. (1786: bis 1868), der hier viele große Prachtbauten errichten ließ. Ueber den für die Städtebaukunst nachmals so bedeutungsvollen Ausbau dieser Straße schreibt E. W. Bredt in seinem „München“ (S. 97 u. f.): Der monumentale Sinn (Ludwigs I.)1), durch Ludwigs Vater, den guten König Maximilian I. vorbereitet und unterstützt, fand in der Ludwigsstraße überzeugenden Ausdruck. Die stilistischen Verschiedenheiten verschwinden völlig dem Blick. Durch die Einheit des künstlerischen Gedankens werden hier alle Bauten zu einem großen Zusammenwirken, zu einem Gesamtbild vereinigt. Und durch den Abschluß des Ganzen südlich (Feldherrnhalle) und nördlich (Siegestor) wurde die ungewöhnlich breit angelegte Straße zu einem großartigen Raum 1).
Die beiden Fora vor der Universität und im Odeonsplatz unterbrechen die schlichten Wandungen, während im Fehlen von Baumreihen zweifellos eine Unterstützung des großen Raumgedankens zu suchen ist. Solche Straßen zu schaffen war ein Neues für München. Mit der Erbauung des „Bazars“ (s. „Hofgarten“) 1822 wurde die Richtung der Ludwigsstraße bestimmt. Freilich große und durchgehende Straßenzüge, große Häuserkomplexe hatte König Max I. auch schon angelegt; aber der künstlerisch abschließende Gedanke fehlte damals noch; nur das Karlstorrondell wäre vielleicht als künstlerischer Vorläufer der Stadtbaukunst Ludwigs I. anzusehen. Etwas reichere Gliederung hätte gleichwohl die Ludwigsstraße in ihren Bauten erfahren können, ohne die Monumentalität des ganzen Bildes zu beeinträchtigen; doch ist zu erinnern, daß München bis dahin sehr arm war, daß sich Bayerns Hauptstadt erst durch Ludwigs I. Kunstschöpfungen bereichert hat .
Ein Moderner seiner Zeit und mehr als das, ein vorauseilender Führer war Ludwig I., indem er die Stadt wie ein Kunstwerk behandelt wissen wollte. Gewiß ist’s unschwer, die Schulung zu dieser künstlerischen Erfassung in den großen Schloßanlagen des 18. Jh. zu finden — deren Form der König allerdings als fremdländisch haßte und deren reiche dekorative Pracht seinem schlichten monumentalen Sinn widersprach; aber jene Schlösser dienten den Fürsten, nicht dem Volke; durch Ludwig I. wurden deren weitschauende Anlagen endlich auch humanitär gesinnten Fürsten und Zeiten Vorbild für städtische Pläne: Ludwig hat zuerst als Volksfreund und Künstler diese Aufgabe ergriffen, sein Vater war nur als Volksfreund auf die Anlage weiter und langer „gesunder“ Straßen gekommen.
Ludwig I. hatte insbesondere wohl in Rom Beispiele großartiger Straßen- und Platzanlagen studiert und gleichzeitig noch mehr allzu kleinliche Gestaltungsart, wie sie dem Deutschen liegt, als minderwertig erkannt; freilich zunächst darf der Betrachter der Bauten Ludwigs I. einiges vermissen oder tadeln: insbesondere sind viele Fassaden von einer Nüchternheit, die uns wie ein Vergessen künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten vorkommt; und auch manche der Räume des Königsbaues (der Residenz) sind bei aller Pracht der Malereien arm und kahl, weil hier der Sinn für wohnliche Eleganz vermißt wird. Beide Erscheinungen sind nicht zu leugnen, sind aber zu erklären — und dann historisch gerechtfertigt: man muß die Baugesetze und Bauverordnungen lesen, die unter König Max I. erlassen wurden, also zu der Zeit galten, da Ludwig als Kronprinz ihnen sich nicht ganz entziehen konnte; es war die Zeit der vorschriftsmäßigen „Biederkeit“; die war teils Protest gegen alles vorherige Barock und Rokoko, teils begründet in starken, weitwirkenden humanitären Anschauungen: der Erker war ungesund für den Nachbar, das hohe oder gebrochene Barock- oder Mansardendach feuergefährlich; die „Symmetrie“ dagegen galt als Grundlage einer reinlichen Hausanlage; das Auge durfte nicht verletzt werden durch Farbigkeit oder Malereien. Solchen Gesetzen gegenüber waren die Bauten Ludwigs sehr viel mehr entgegen, als wir ohne Kenntnis der Baugesetze auch nur ahnen. Der König (Ludwig) wurde geradezu als Bauherr, der prunkhafte, unnütze Bauten aufführen lasse, befehdet (s. Glyptothek, „des narrischen Kronprinzen Haus“) — nicht nur vom „Volke“, sondern auch von „Maßgeblichen“. Historisch gewürdigt war also Ludwig ein erster Lossager von Biedermeierei.
1) Für den „monumentalen Sinn“ Ludwigs I. spricht namentlich' sein Kabinettsschreiben an den Münchner Magistrat vom 26. Nov. 1828, worin er aus der Kabinettskasse zum Bau der Lndwlgkirche einen königlichen Beitrag verheißt, unter anderm auch unter der ausdrücklichen Bedingung: „wenn diese Pfarrkirche in der Ludwigsstraße auf die Seite des. Kriegsministeriums aufgeführt wird und zwar so, daß die Mitte derselben der Löwenstraße (jetzt „Schellingstraße“) gegenüber zu stehen käme [F 797].
) Beide genannte Bauten liegen 1 km weit voneinander entfernt und nur wenige Städte Deutschlands verfügen über eine 60 lange und breite Verkehrsstraße, an der fast nur öffentliche Gebäude stehen.
Luitpold-Park
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Luitpold-Park an der Karl Theodorstraße. 1911 zum neunzigsten Geburtstag des Prinzregenten auf einer Fläche von 12,5 ha von der Stadtgemeinde errichtet. Inmitten einer Gruppe von 90 Linden der Prinzregentenobelisk.
Martius-Denkmal
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Martius-Denkmal im (alten) Botanischen Garten-, 1905 entworfen von Prof. Erwin Kurz für den berühmten Botaniker Karl von Martius (1790—1868); zur Denkmalsenthüllung sandten die Universitäten zu Upsala, Washington und Montpellier Vertreter. Büste aus gelblich weißem Marmor; Postament seitlich mit Palmblättern geschmückt [B 05].
Maximiliansanlagen
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Maximiiliansanlagen, als Fortsetzung der Gasteiganlagen nordöstlich des Maximilianeums bis zur Prinzregentenbrücke; unter König Max II. 1856-61 von Hofgartendirektor Effner mit sinnigster Kunst angelegt.
Maximiliansstraße
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Maximiliansstraße. König Maximilian II. übernahm nach der Thronentsagung seines Vaters Ludwigs I. 1848 mit allen andern. Regentenpflichten auch die Sorge um die Vergrößerung und Verschönerung der Stadt — und er besaß das volle Verständnis gerade für die öffentlichen Aufgaben, die das neue Jahrhundert der Kunst stellte. So, wie sein Vater in der Ludwigsstraße sein Hauptwerk hinterließ, so führte auch König Max einen breiten und stolzen Straßenzug fast vom Mittelpunkt der Stadt bis zur Peripherie, wo noch unbesiedeltes Neuland war. Seine breite „Maximiliansstraße“ wurde durch die Graggenau und das Lehel durchgebrochen. In der Nähe der Isar erweiterte sich die Straße zu einem Platz, der als „Forum“ (entsprechend dem antiken Marktplatz Roms, der gleichfalls aus einer Straßenerweiterung entstand) bezeichnet wurde; hier bekamen öffentliche Bauten ihren Platz: der Bau für die Königliche Regierung von Oberbayern und gegenüber das alte Nationalmuseum. Jenseits der Brücke benutzte man das hohe Isarufer zu einer prächtigen malerischen Architektur: dem „Maximilianeum“. In der ganzen Straßenanlage zeigen sich manche neue Momente, die gegenüber der Ludwigsepoche einen Fortschritt bedeuten. Wohl zeichnet sich die Straße Ludwigs durch feinen künstlerischen Sinn für Monumentalität aus (vgl. den Artikel „Ludwigsstraße“), aber ihm und seinen Baumeistern fehlte der Sinn für malerische Anlagen; sie hatten kein Auge für Bildwirkung, sondern waren mathematische Geister: gerade Linien und geometrische Verhältnisse wurden überall bevorzugt. Der maximilianische Baumeister aber war sich bewußt, daß Münchens Stadtbild durch einige freiere und malerische Schöpfungen bereichert werden mußte; ja man lebte so sehr unter dem Ideenzwang, etwas Neues schaffen zu müssen, daß man sogar eine Konkurrenz für einen „neuen Stil“ ausschrieb für die Bauten der neuen Straße; glücklicherweise verließ man sehr bald diese kühnen Wege: die Stunde war noch nicht da, wo sich der Trieb nach neuen Formen selbständig regte. Immerhin erreichte man in diesem neuen „Maximiliansstil“ (der im wesentlichen der englischen Neugotik gleicht, die Max II. auf seiner Englandreise bewundern konnte) gute Resultate; denn die einfache Gliederung der Häuserfronten in der Maximiliansstraße zeigt doch von einer gesunden Auffassung der wirtschaftlichen und sozialen Stellung der bürgerlichen Bauherrn: keine großmannsüchtige Prachtfassaden, sondern einfache und gut proportionierte Bilder; dabei an den vornehmen Bauten des Forums reichere Motive und mehr Aufwand in der Dekoration. Der Ausblick aufs Maximilianeum beherrscht das ganze Straßenbild in einer tatsächlich großartigen Peripherie [W 246, Br 135].
Neuberghausen
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Neuberghausen, (Bogenhausen). 1730 entstand aus dem Kögelhof über Brünnthal ein Schlößchen, das 1740 zu einem adeligen Sitz (Besitzer Hofkammerrat Gregor v. Lachenmayer) unter dem Namen „Neuberghausen“ mit Patrimonialgerichtsbarkeit erhoben wurde, jetzt Maria Theresiastr. 35. König Max II. kaufte diesen am Ende seiner Maximiliansanlagen gelegenen Sitz und ließ ihn 1863—65 durch Baurat Riedel zu einer „Beamtenreliktenanstalt“ umbauen, so daß der König dadurch ebenso für den Abschluß der Laufbahn seiner Staatsdiener sorgte wie er das „Maximilianeum“ dem Beginn derselben gewidmet hatte. Max II. beabsichtigte auch, sich im Garten von Neuberghausen ein Mausoleum zu errichten, starb aber vor Ausführung des Planes [F 1004, Rb 57.]
Neuhausen
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Neuhausen. Geschichte. Das uralte Dorf ist 1164 als „Niwenhusen“ erstmals beurkundet, 1249 mit einer Kirche erwähnt und hat bereits 1293 der „Neuhauser Straße“ ihren Namen gegeben („Nuinhauser Gasse“). Nach der Legende verbreitete hier der selige Einsiedler Winthir, vielleicht ein zum Kloster Schäftlarn gehöriger „Säumer“, der auf Maultieren den Personen- und Güterverkehr mit dem Kloster vermittelte [vgl. Schäftlarn in „Münchens Umgebung in Kunst und Geschichte“ vom gleichen Verfasser], unter den hiesigen Bajuwaren die christliche Kultur; an der Mariahimmelfahrtskirche hat der vielverehrte Selige seine Grabstätte und 1901 errichtete ihm die Stadt durch den Architekten Th. Fischer und den Bildhauer J. Bradl einen eigenen Winthir- brunnenan der Nymphenburger Straße; auf einer Säule mit einfachem romanischem Kapitell, wie es der Lebenszeit des Seligen entspricht, steht der fromme Säumer Winthir, an sein Saumpferd gelehnt; die Säule selbst ruht auf dem steinern Brunnenunterbau, dessen mittlerer Teil in hohem Bogen sich wie zu einem Säulensockel aufschwingt. Früher schon wurde an die westliche Seite der Friedhofmauer die sogen. Winthirsäule gesetzt, die vordem auf freiem Felde stand und die Wohnstätte des fremden Missionärs angezeigt haben soll, aber [nach F 991] wahrscheinlich nur ein Markstein war. Die gotische Säule selbst ist vom 15. Jahrh. und aus Nagelfluh; Basis viereckig mit abgeschrägten Kanten; auf dem viereckigen Schaft der Aufbau in Form einer vierseitigen, von Eselsrücken gekrönten Aedicula; an der Vorderseite eingelassene Tafel von 1873. Die Besitzer der freien Hofmark Neuhausen waren von 1380 an: die (Freisinger ?) Küchenmeister von Lochhausen, die Münchner Patrizier Sömlinger (Tumblinger ?), ab 1484 die natürlichen Söhne des Herzogs Sigismund, Hans und Sigismund Ffadendorfer, ab 1502 deren Onkel Herzog Albrecht IV., dann der Hofkanzler Joh. Gailkircher, Freiherr Andreas v. Königsacker, seit 1705 das Augustinerkloster, seit 1715 Kurfürst Max Emanuel; hernach Kurfürst Karl Albert, der hier 1728 das Jagdschlößchen als ein Jagdrendezvous auf halbem Weg zwischen der Stadt und Nymphenburg (jetzt Nymphenburgerstr. 169) erbaute; es ist ein bescheidener aber malerischer, halbverfallener Bau, der besonders interessant ist durch den Wandschmuck am östlichen schmalen Giebelfeld: zu oberst das kurfürstliche Wappen, darunter ein gemalter liegender Hirsch mit aufgesetztem natürlichem Geweih; darunter das Gemälde einer Jagdgesellschaft: in einer Flachlandschaft mit Bergen im Hintergrund stehen in einem großen Halbkreis Jagddiener mit Hundemeuten, im Vordergrund der Fürst selbst mit Jagdgefolge. In einer kleinen Anlage vor dem Schlößchen steht das von der Gemeinde Neuhausen (N. wurde erst 1890 der Hauptstadt einverleibt) ihren 1870 gefallenen Söhnen errichtete Kriegerdenkmal: große Steinblöcke sind zwanglos zu einer Art Pyramide aufgestellt, woran sich der Genius des Friedens mit dem bayerischen Löwen zur Seite, in Erz gegossen lehnt; auf dem Bücken des ruhenden Löwen sitzt sicherund ruhig er germanische Sieger, dem Frieden die Hand zum Bunde reichend (BAJ, F, KB, Sighart J. „Von München nach Landshut]“.
Neuhofen
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Neuhofen, Ausflugsort gegenüber Mittersendling. Ursprünglich stand hier das ländliche Anwesen zum „Distelhof“, zur Kirche in Ottendichl bei München gestiftet; 1697 wurde es an den Geheimrat Math, von Joner verkauft, der hier ein Schlößchen mit Oekonomiegebäuden und Park errichtete, worauf es von Kurfürst Max Emanuel zum Edelsitz erhoben wurde. Eine andere Besitzung, dem Kloster Dießen gehörig, wurde 1759 vom kurfürstlichen Kämmerer J. M. Freiherrn von Packenreith gekauft und ging dann von diesem mit dem „Sitz Neuhofen“ an den kurfürstlichen Konferenzrat Joseph Albrecht Reichsfreiherrn von Zech über, dessen Nachkommen in den Grafenstand erhoben wurden und ihren Sitz um 1840 an Wirtsleute verkauften [F].
Nußbaummonument
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Nußbaummonument in den Anlagen vor dem Krankenhaus links der Isar, 1892 zu Ehren des hochverdienten menschenfreundlichen Chirurgen und Krankenhausdirektors Nußbaum errichtet. Auf Stufen von dunklem Syenit erhebt sich der Sockel von rötlichem schwedischem Granit mit der doppelt lebensgroßen Büste von Bildhauer Haf aus Carraramarmor.
Paulaner Brunnen
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Paulaner Brunnen, Mariahilfsplatz in der Au. Gestiftet von Kommerzienrat Schmederer, errichtet 1908 von Jos. Floßmann. Vor einer Rustikabrüstung mit Ruhebänken steht auf steinerm Sockel das Brunnenbecken, in das sich das Wasser aus einem quadratischen Aufsatz ergießt; auf letzterm erhebt sich das hohe, lebhaft ornamentierte Marmorpostament für das Standbild des hl. Franz von Paula, des Ordenstifers der Paulaner, dem die Au das Paulanerkloster und in der Folge das Paulanerbier (Salvator) verdankt. Siehe unter Au.
Prinz Alfonspalais
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Prinz Alfonspalais, Fürstenstr. 1. Von Klenze als herrschaftliches Wohnhaus erbaut und später von ihm selbst bewohnt. Viergeschossiger Bau; Fenster (abgesehen von denen im Mezzanin) sowie Einfahrtstor im Rundbogen geschlossen. Alle Kämpfer als kurze Architravstücke und alle Schlußsteine als profilierte Konsolen gebildet. Die Eckquadern (in Putz hergestellt) gehen in gleicher Größe vom Sockel bis zum zweiteiligen Architrav, der das Konsolengesims des Dachkranzes aufnimmt [B 06],
Prinz Leopoldkaserne
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Prinz Leopoldkaserne, Leonrodstr. 115.
I. Mannschaftsgebäude, als Doppeleskadronskaserne 1900/02 von Baurat Zeiser erbaut. Fassaden in verlängertem Zementmörtel verputzt, die Sockel gestockt; Gliederung durch ein stark betontes Gesims über dem Erdgeschoß und Dachgesims sowie durch leicht vortretende Mittel- und Seitenrisalite. Mittelrisalit ausgezeichnet durch einen geschwungenen Giebelaufbau. Das ganze Erdgeschoß sowie die Ecken und die zwischen den Fenstern bis zum Dachgesims reichenden Pilaster sind rustiziert.
II. Stabsgebäude. In gleicher Zeit, aber von Baurat Zeiser errichtet. Fassadenbehandlung wie beim Mannschaftsgebäude. Die Fenster des Mittelrisalits durch rustizierte Pilaster, die — das Dachgesims durchbrechend bis zum Giebelaufbau sich erstrecken. Im geschwungenen Giebelfeld das bayerische Löwenwappen in Relief [BAJ 558 und 559].
Prinz Leopoldpalais
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Prinz Leopoldpalais, Leopoldstr. 13. Von Gärtner 1845 in einfachem ländlichem Villenstil (damals stand an der „Schwabinger Straße“ noch kein Gebäude) für die Königin Therese erbaut; unter Prinz Leopold bedeutend erweitert [Gs].
Maffei-Haus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Promenadeplatz 18. Maffei-Haus, um 1690 in Zuccalis Manier erbaut. Bis 1725 ein vornehmer Gasthof, dann Adelspalais [BAJ 150].
Regensburger Wurstküche
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Regensburger Wurstküche, Münzstr. 2. Korpshaus der Cisaria. Von Richard Schachner 1908/09 erbaut. Im Kellergeschoß die Wirtschaftsküche und Kegelbahn, im Erdgeschoß die Gaststube der „Regensburger Wurstküche“, deren Wirtschaftsbetrieb sich bereits viele Jahrzehnte in dem vormals an der Stelle des Korpshauses gestandenen Hause befunden hatte (humoristische Darstellungen aus dem Studentenleben und zum Lied „Als wir jüngst in Regensburg waren“; desgleichen eine Darstellung des „Bierkönigreiches“ sowie im Korbfenster 4 Allegorien auf die verschiedenen Wurstarten); im 1. Obergeschoß vermietete Gesellschaftsräume; im 2. und 3. Obergeschoß Kneip- und Gesellschaftsräume der Cisaren (Kn ei ps aal in hellem Eichenholz getäfelt, Decke kassettiert, Wandflächen belebt durch breite glatte Felder zwischen schmalen Friesen, in den Fenstern Glasmalereien zum „Gaudeamus igitur“), im Dachgeschoß die Wohnung des Wirtes und ein Fechtboden. An der Nordfassade Ornamentmalereien mit Keimfarben auf Traßmörtelverputz (in den widerstandsfähigen Tönen grau und ockergelb) nach Kartons von Paul Neu, von dem auch die Entwürfe der übrigen Gemälde stammen [BAJ 307, SB 16, 52J.
Regina Palast-Hotel
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Regina Palast-Hotel, Maximiliansplatz 5. 1907/08 erbaut von Earl Stöhr unter Heranziehung des Arch. Franz Lukas für den künstlerischen Teil. Im Grundriß ein Quadrat, um den großen Oberlichtraum des Palmenfoyers gruppiert. Am Vestibül eine Staatstelephon- und’ Telegraphenstelle sowie eine Hotel-Telephonzentrale, die es jedem Gast ermöglicht, Telegramme aufzugeben und sich mit allen Telephonämtern zu verbinden, ohne sein Zimmer zu verlassen.
Fassaden: Erdgeschoß in Rusticaimitation als Sockel der durch die 3 folgenden Geschosse reichenden Pilasterordnung; darüber das Hauptgesims; über diesem das an den Ecken zurücktretende 4. Obergeschoß und das Dachgeschoß; das Ganze belebt durch den Wechsel der Fensteröffnungen, durch die Baikone, die dunklen Loggienbogen und Plastiken.
Innenausstattung im Louis XVI. und Empire: Wandflächen, Decken, Stuckgesimse und -Ornamente weiß,, dagegen Holzwerk, Möbel, Kamine und Säulen kräftig gefärbt. Im Vestibül alles Holzwerk in dunkelrotem Mahagoni, Architekturteile in. rotem Stuckmarmor (hinter dem sich die eisernen Tragdützen bergen). Im Palmenfoyer orientalische Teppiche, Landschaftsmedaillons von Prof. Petersen und ein Prinzregentenporträt von Langhorst', Pilasterfüllungen aus Calacattamarmor. Im Speisesaal hellgrüne Stuckmarmorsäulen und dunkelgelbe Vorhänge;; 2 Ecksalons in weiß-grün-rosa bezvv. weiß-gelb. Caférestaurant (und Bar) modern stilisiert: Decken- und Wandgliederung durch glatte Gesimsstreifen ohne jedes Ornament; Vertäfelung und Möbel in dunkelrotem Mahagoni; Pfeiler aus maisgelbem Sienenser-Stuckmarmor mit weißgelben Basen. Im Untergeschoß des Westflügels die Bar, zerlegt in 4 Teile: kleines Gemach, Büfettraum, Hauptraum und Billardsaal; Wände des letztem mit Linkrusta belegt und durch die an der Längsseite hingeführte erhöhte Estrade ausgezeichnet; Nischen mit naturfarbenem, intarsiertem Eichenholz getäfelt und mit Mosaiken geschmückt [Gmelin in KH 07/08],
Wohnhaus „Spranger“
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Renatastraße 5. Wohnhaus „Spranger“. Vom städtischen Baurat Hans Grassel erbaut. Freistehender verputzter Backsteinbau in der Villenkolonie Neu-Wittelsbach, „ein Beispiel des selbstlosen Eingreifens des Stadtbauamtes zu jener Zeit, um eine sonst mißglückende Sache im Interesse der Stadt und des erwähnten Villenviertels soweit ais- möglich zu retten [BAJ 381]“.
Rentamtsgebände im Alten Hof
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Rentamtsgebände im Alten Hof. Ein Teil der ehemaligen Wittelsbacher Residenz im „Alten Hof“, jetzt, nach 1902/03 erfolgtem Umbau des Nordflügels und Neubau des Ost- und Südflügels (durch Heilmann und Littmann) auf den alten Grundmauern für das Stadtrentamt verwendet. Dabei wurden vor allem Nord-, Ost- und Südbau in richtige Verbindung gebracht durch Abgleichen der verschiedenen Stock- werkshöhen, Neuaufführen sämtlicher Innenmauern und Heben des Dachstuhles. Die beim Nordbau allein noch erhaltenen Formen der Renaissance wurden auch auf den Ostflügel übertragen, während der Südbau mit der Gotik des anstoßenden ehemaligen Wohnungstraktes Kaiser Ludwig des Bayern in Uebereinstimmung gebracht wurde. Fassaden verputzt, Sockel und Hauptgesims betoniert, Hauptportale in gestocktem Feinbeton [BAJ 516].
Residenzstraße 6
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Residenzstraße 6. Ehemaliges Palais des Grafen von Wahl. Aus der Zeit Zuccalis im großen Stil des Palais Portia. Straßenfront jetzt zwar verschwunden, jedoch Treppe, Hauskapelle und Korridore mit den alten Stukkierungen noch teilweise erhalten [BAJ 155].
Residenzstraße 13
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Residenzstraße 13. Gut erhaltener, prachtvoller Arkadenhof in drei Geschossen vom Ende des 15. Jahrh. [BAJ 86].
Residenzstraße 21
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Residenzatraise 21. Aus der Zeit Cuvillies Mitte 18. Jahrh. Erdgeschoß und Entresol umgebaut. Ohne architektonische Horizontal- und Vertikalgliederung. Stuckdekoration beschränkt auf die Fenster: im 2. Stock Belebung der Halbkreisbogen mit Kartuschen (aus denen Köpfe ragen), Trophäen, Palmen- und Blumenbündel; im 3. Stock sind nur die Konsolen der Fensterbänke leicht dekoriert [KB].
Rheno-Palatia-Corpshaus mit Torggelstube
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Rheno-Palatia-Corpshaus mit Torggelstube, am Platzl 8. 1910 erbaut von II. Grassel. Sehr günstiges Platzbild infolge des harmonischen Zusammenwirkens dieser Ostseite des Platzl mit dem Orlandohaus und den Barmbichlerhäusern (Pfisterstr. 4 und 5). Verputzter Backsteinbau mit Portalen und Erkern aus Muschelkalkstein. Plastiken von Bruno Diamant. Im Erdgeschoß Restaurant Torggelstube — etwas ähnliches wie das „Bräustüberl“ der Brauereien, hier die Tiroler Bezeichnung Torggelstube für eine direkt neben der Weinkelter gelegene Probierstube von Traubenwein; demgemäß auch die innere Einrichtung und Ausstattung. Neben der Torggelstube ein Hermstübl, im ersten Stock die Räume des Corps Palatia mit ausgezeichnetem Corpsbild von B. von Seitz, Malereien von J. Bradl u. a. [BAJ 303].
Rindermarkt 18
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Rindermarkt 18. Bemerkenswerte Fassade um 1730. Interessante Hofarkaden aus gotischer Zeit: nach dem Vorbild der Altanen des Bauernhauses in der oberbayerischen Hochebene, die auf dem Lande das Haus umziehen, in der Stadt sich jedoch in die Höfe zurückzogen [BAJ 83],
Rindermarkt 18
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Rindermarkt 18. Bemerkenswerte Fassade um 1730. Interessante Hofarkaden aus gotischer Zeit: nach dem Vorbild der Altanen des Bauernhauses in der oberbayerischen Hochebene, die auf dem Lande das Haus umziehen, in der Stadt sich jedoch in die Höfe zurückzogen [BAJ 83],
Rindermarkt 18
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Rindermarkt 18. Bemerkenswerte Fassade um 1730. Interessante Hofarkaden aus gotischer Zeit: nach dem Vorbild der Altanen des Bauernhauses in der oberbayerischen Hochebene, die auf dem Lande das Haus umziehen, in der Stadt sich jedoch in die Höfe zurückzogen [BAJ 83],
Roigerhaus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Roigerhaus, Brunnstr. 12. Von Max Ostenrieder 1904/05 in den Formen des zum Gesamtbild von Münchens Altstadt gut passenden Uebergangs von der Gotik zur Renaissance erbaut. Fassade in Rauhverputz unter Verwendung von Muschelkalkstein. Als Wahrzeiche n für das von vielen Seiten her sichtbare Hauseck schuf Prof. Pruska einen aus knorrigen Wurzeln emporstrebenden Baum, in dessen Krone eine reizende Madonna mit Christkind Platz hat [BAJ 345, SB 11].
Rotes Kreuz
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Rotes Kreuz, Nymphenburgerstr. 159. Vom „Bayerischen Frauenverein unterm roten Kreuz“ 1893 nach den Plänen G. Hocheders errichtet, bestehend aus einem Schwesternhaus und einem Krankenflügel für chirurgische Kranke. Ausgeführt als verputzter Backsteinbau mit Ziegeldachung; Sockel und Portalbauten aus Haustein; später mehrfach erweitert [BAJ 679].
Schackpalais
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Schackpalais, Briennerstr. 19. Für den Grafen A. F. v. Schach und dessen Gemäldegalerie 1872—74 von L. Gedon als erstes der Münchner Privatgebäude im Sinne der deutschen Frührenaissance errichtet; es geschah das bei Erstellung einer neuen Front, die die beiden Häuser, aus denen die ursprüngliche Galerie bestand, zu einem organischen Ganzen verband und zugleich ihre Bestimmung als Wohnung und Galerie aussprechen sollte; dabei „ist die Komposition für die beiden kleinen Häuser zwar viel zu schwer geraten, sie löst jedoch die Aufgabe mit bemerkenswerter Kühnheit [P 290]“. Die Gemäldesammlung ging nach dem Tode des Grafen 1894 infolge testamentarischer Bestimmung in den Besitz des Deutschen Kaisers über (vgl. unten „Schackgalerie“). Der Kaiser kaufte hierfür das Galeriegebäude an und ließ es 1894—95 durch E. Seidl umbauen und verbessern [J.W.].
Schauspielhaus, Münchener
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Schauspielhaus, Münchener, Maximiliansstr. 34/35. Nach dem verunglückten Unternehmen, im Deutschen Theater der „Modernen“ Muse ein Obdach zu bieten, errichteten 1900 die Direktoren Schmederer und Stolberg auf einem geeigneten Gartenterrain als Bückgebäude nach den Plänen von Max Littmann und Richard Riemerschmied dem modernen Schauspiel ein Theater mit 727 Sitzplätzen. Klein und schlicht, ist es ein möglichst einfacher, mit billigen Mitteln hergestellter Baum von bürgerlichem, ansprechendem Aeußern. Riemerschmied gab ihm die ganze innere Ausstattung im großen wie im kleinen. Von andern Theatern weicht die Dekoration wesentlich ab; aber alles ist geistreich erfunden, den Erwägungen folgend, die Material und Zweck erheischen. Die rote Farbe ist dominierend: alle Theaterexperten erklärten Rot als unerläßlich für den Zuschauerraum; rot ist nicht nur die festlichste Farbe, sondern sie läßt auch wie keine andere den Saal nie als leer erscheinen, selbst bei schwachem Besuch [Br 136; BAJ 245; Bredt in KH 00/01].
Schwabing
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Schwabing. Geschichte der Vorstadt. Erstmals 782 beurkundet und zwar unter der Bezeichnung „ad Svvapingas“, damals schon mehrere Gehöfte umfassend. Als Edelsitz das erstemal im 11. Jahrh. erwähnt. Nach dem Aussterben der „Edlen von Schuabing“ im 14. Jahrh. ging ein Teil des Besitzes an den reichen Patrizier Ainwich den Gollier über (vgl. Altes Rathaus) und nach dessen Tod an den Patrizier Ludwig Tömlein, der ihn hinwieder 1448 an den Bürger Scharfzant vertauschte. Außerdem hatte das Domstift und einige Klöster in Freising hier Besitzungen, die im 16. Jahrh. an den Herzog übergingen. Damals besaß Schwabing bereits einige 50 Familien und zugleich einige Herrschaftsschlößchen, so von Graf Waldkirch, dem Edlen von Stubenrauch. Die Patronin St. Ursula des ehemaligen Dorfkirchleins aus dem 12. Jahrh. läßt schließen, daß die ersten Bewohner des an der Isar gelegenen Dorfes Fischer und Flößer waren. Im Jahre 1724 wurde Schwabing zur Stadt gezogen, 1811 zur Pfarrei erhoben und 1890 mit der Stadtgemeinde vereinigt; 1894 wurde der Grundstein zur neuen Stadtpfarrkirche St. Ursula, an Stelle der alten, gelegt. 1910 wurde die uralte, in seinem damaligen Bau aus 1483 stammende „Nikolauskirche beim Leprosenhaus“ (für ansteckende Kranke außerhalb der Stadtmauer erbaut) niedergerissen, deren Namen aber im „Nikolaiplatz“ erhalten. Das Leprosenhaus verlor 1808 durch Ueberführung der Stiftung und der Kranken ans Gasteigspital seine ursprüngliche Bestimmung.
Sebastiansplatz
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Sebastiansplatz zwischen Jakobsplatz und Blumenstraße; benannt nach der ehemaligen Sebastianskirche, die nach der Säkularisation aufgelassen und 1814 von ihrem spätem Besitzer in die Bierwirtschaft „Zum blauen Bock“ umgewandelt wurde [R].
Sendling
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Sendling. Geschichte der Vorstadt. Sendling (womit Obersendling gemeint ist) ist schon 782 als Bajuwarenniederlassung „ad Sentilingas“ (=bei den Nachkommen des Sentilo) beurkundet. Im 10. Jahrh. ist es bereits Sitz einer Ding- oder Gerichtsstätte des Edelgeschlechtes der „Sendlinger“, deren Burgen im sogen. Reichenthal an der Isar bei Obersendling gestanden haben und deren Ruinen noch 1773 sichtbar gewesen sein sollen. In Untersendling besaß Sigmund Marquard Freih. von Pfetten eine Taferne, neben der sich ein adeliges Gut mit Schlößchen befand, das 1698 an den kurf. Hofkammerrat und Landrichter zu Waldeck, Thomas Maccolini, überging und mit dem jetzigen Cafe Harras identisch sein dürfte [F],
Mordweihnacht von 1705, Episode aus dem unglückseligen Spanischen Erbfolgekrieg 1701—14. Der kinderlose König Karl II. von Spanien ernannte i698 den bayerischen Prinzen Joseph Ferdinand, Sohn des Kurf. Max Emanuels aus dessen erster Ehe mit Maria Antonia von Oesterreich, zum Erben der spanischen Länder und zwar unter Widerspruch des Kaisers Leopold von Oesterreich, dessen einziges Kind aus erster Ehe jene Maria Antonia war und der statt ihrer seine Söhne aus zweiter Ehe für erbberechtigt hielt. Aber der bayerische Prinz starb schon 1699. Da ließ König Ludwig XIV. von Frankreich seinen Enkel Philipp von Anjou als Erben aufstellen und versprach dem bayerischen Kurfürsten die Niederlande für seine Hilfe gegen den Kaiser. In dem nun ausbrechenden Kriege Oesterreichs und Englands als dessen Bundesgenossen (unter Marlborough) gegen die Bayern und die Franzosen (unter dem General Villars) unterlagen 1703 die Letzteren in der entscheidenden Schlacht bei Höchstädt a. d. Donau und Max Emanuel floh nach Frankreich, nachdem ihm Oesterreich alles Land — mit Ausnahme München mit Stadt und Umgebung — abgenommen hatte. Als aber bald darauf auch die Kurfürstin — unter Zurücklassung ihrer Prinzen — München verließ, besetzten die Oesterreicher auch die Landeshauptstadt. Jetzt erhob sich das unglückliche Volk, das unter dem furchtbaren Druck, den die Oesterreicher ausübten, schwer litt, gegen die Fremdherrschaft und zur Befreiung der bayerischen Prinzen — entschlossen, „lieber bayerisch zu sterben als kaiserlich zu verderben“. Zuerst, im Herbst 1705, standen auf die Leute im Innviertel, dann folgte das Oberland. Da waren es zuvörderst Münchner Bürger, wie der Bierbrauer Ballmaier, die Weinwirte Jäger und Khidler, der Weinhändler Schandl und der Postmeister Brix, die mit den Gesinnungsgenossen außerhalb der Stadt in Verbindung traten. Der Weinwirt Jäger, ein geborner Tölzer, eilte in seine Heimat, um seine Landsleute unter die Waffen zu rufen; am 16. Dezember fand im nahen Königsdorf die entscheidende Versammlung statt und Tölz wurde zum Mittelpunkt des Aufstandes. Im dortigen Franziskanerkloster versammelten sich die Pflegerichter von Valley, Aibling, Miesbach, Wallenburg, Beichersbeuern und Tölz sowie die Klosterrichter von Tegernsee, Dietramszell und Benediktbeuern. Nahezu 1000 Schützen unter Führung des französischen Hauptmanns Gauthier bewaffneten sich mit ihren Stutzen; der übrige Haufen schmiedete Sensen, Gabeln, Sicheln, Pflugscharen zu Waffen um. Inzwischen trafen auch die Patrioten Münchens ihre Vorbereitung, und schon hatte der Eisenhändler Senser (dessen Haus und Eisenhandlung an Stelle des jetzigen Kaufhauses Grießl an der Ecke Sendlingerstraße-Färbergraben stand), dem als Magistratsrat die Aufsicht über die Schlüssel zu den Toren und Schanzen zustand, die Schlüssel zum Hofgartentor einem Hofkoch übergeben, damit hier die Hauptmacht der Oberländer hereingelassen würde, während die kleine österreichische Garnison von 700 Mann damit beschäftigt werden sollte, den Angriff der übrigen Oberländler am Boten Turm beim Isartor abzuwehren; eine I’akctte würde vom Petersturm in die Höhe steigen und den Männern vor den Toren das Zeichen zum Angriff geben. Am 23. Dezember versammelte sich die ganze Macht der Patrioten bei Schäftlarn und der Hauptmann Mayer von der Leibgarde der Kurfürstin übernahm den Oberbefehl. Auch wurde jetzt die Verbindung mit den aufständischen Unterländlern herzustellen versucht, nämlich mit den Bauern von Erding, Haag und Grafing unter dem Befehl des Posthalters von Anzing. Doch wußte dies der österreichische General von Krieschbaum zu vereiteln. Also brachen am 23. Dezember die Oberländler allein von Schäftlarn auf nicht ahnend, daß sie in ihrer Mitte einen Verräter hatten, nämlich den Pflegrichter Johann Joseph Oettlinger von Starnberg. Der eilte ihnen voraus und verriet sie an den österreichischen Statthalter in München, der sofort den General Kriechbaum von Anzing her zu Hilfe rief. Die Hauptstadt selbst war im ganzen wenig vorbereitet auf den Kampf gegen die Oesterreicher: die Bürger waren im voraus niedergedrückt und unschädlich gemacht durch die Wachsamkeit der österreichischen Garnison; nicht einmal die Christmette durfte in den Kirchen gefeiert werden; unter Todesstrafe war es verboten, am Weihnachtsabend auf die Gasse zu treten; alle Waffen mußten abgeliefert werden. Unterdessen zogen die Oberländler bis Thalkirchen, wo sie ihr Mittagsmahl einbrachten. Hierauf ging ein Teil bei Harlaching über die Isar; die Hauptmacht aber bezog bei Unter-Sendling das Hauptlager und stellte die Wälle und Schanzen her. Unterdessen vereinigte sich die nach Harlaching ziehende Truppe in Giesing mit den „Zimmerleuten von der Au (96 Mann stark). Vergebens warteten sie auf das Zeichen vom Petersturm; da begannen sie den Ansturm auf den Roten Turm, dessen Tor unter den Axthieben der Zimmerleute fällt; die Besatzung wird niedergemacht und die Isarbrücke abgebrochen, um gegen den heranrückenden Kriechbaum sicher zu sein; doch die Stadtmauern bieten zu großen Widerstand. Inzwischen kam auch die Hauptabteilung vom Sendlingerfeld her an der „Schmerzhaften Kapelle“ (jetzt Kapuzinerkirche) vorüber bis zum Isartor. Sie erwarteten, ihre Freunde würden ihnen aufmachen; aber nicht diese waren es, sondern die Grenadierbataillone des österreichischen Obersten de Wendt. Um 1/28 Uhr kam endlich General Kriechbaum mit seiner Kavallerie und Infanterie an, und nun wurden die Bauern wieder bis Sendling hinaufgetrieben unter schrecklichen Verlusten an Verwundeten und Toten. In weitem Bogen umschlossen die Kaiserlichen das Dorf. Es wurde Pardon verheißen unter der Bedingung, daß die Leute sich aufs Sendlinger Unterfeld begeben, um dort die Waffen zu strecken. Eine große Menge gehorchte — und nun vernehmen wir einen zeitgenössischen Bericht: „Bei den Umrungenen aber ist es sehr übel und erbärmlich hergegangen, indem es geheißen: ihr habt Pardon, legt eure Spieße nieder, habt Reu und Leid über eure Sünden; alsdann erfolgte Feuer. Und wie die erste Salva vorbey: „Wer noch lebendig, stehe auf!“ — hat man gleich wieder Salva gegeben und türkisch umgemetzgert, bis 1100 Mann auf dem Platz gebheben.“ Die Pfarrkirche von Sendling und die Straßen des Dorfes wurden nun der Schauplatz des letzten Verzweiflungskampfes; vier Stunden lang dauerte das Gemetzel; nur wenigen gelang es, zu entrinnen und ein großer Teil des Dorfes ging in Flammen auf. Als der Letzte kämpfte nach der Erzählung der riesige Schmied Baltes, umgeben von seinen Söhnen; sein Morgenstern schmetterte mit jedem Hieb einen Gegner nieder, bis er selbst als der Letzte sterbend niedersank. Hauptmann Gauthier fiel durch eine Geschützkugel; Hauptmann Mayer, die Leutnants Clanze (Dolmetsch für Gauthier und Aberle wurden gefangen. Mayer erhielt nach neunjähriger Haft und Erstehung der schrecklichsten Tortur die Freiheit; Clanze und Aberle wurden gemeinsam mit dem Weinwirt Khidler am 29. Januar 1706 auf dem Marienplatz enthauptet, der Weinwirt Jäger aber wurde am 17. März 1706 in schauerlicher Weise hingerichtet, nämlich gevierteilt, sein Kopf auf dem Isartor und seine Leichenstücke auf der Stadtmauer zum abschreckenden Beispiel aufgesteckt. Andern Häuptern der Erhebung gelang es zu entfliehen; insbesondere waren es die Kapuziner und Franziskaner, die unter dem Schutz des Kleides des hl. Franziskus im stillen Frieden ihrer Klöster manchen vor dem Grimm der Feinde bargen. Der große Sprachforscher Joh. Schmeller forderte als erster (1818) zur Errichtung eines Denkmals für die braven Helden auf; 1831 fand ein solches in Form eines Weihbrunngefäßes aus Erzguß auf ihrem Massengrab (682 gefallene Bauern in 9 Gräbern) im Südlichen Friedhof (am äußeren westlichen Hauptgange) Aufstellung, gestiftet von König Ludwig I. Desgleichen stiftete Geheimrat Philipp Zwackh ein Denkmal auf dem Sendlinger Friedhof, woselbst 3—400 der Tapferen ruhen; 1831 wurden dortselbst das herrliche Fresko des Wilhelm v. Lindenschmitt „Heldentod des Schmid Balthes und seiner Kampfgenossen“ an der Außenwand der Margarethen-Pfarrkirche enthüllt. Endlich 1911 wurde der Gedenkbrunnen in der Lindwurmstraße errichtet (von Bildhauer W. Ebbinghaus und Arch. Carl Sattler); vor einer Ballustrade steht auf mächtigem Sockel der Held Schmid-Balthes, nur mit dem Schurzfell bekleidet und kampfbereit die Fahne der Erhebung geschultert. Ein literarisches Denkmal — aere perennius — weihte den Oberländlern Professor Joh. Nep. Sepp. Die Stadt München selbst aber ehrte die Wackeren, indem sie deren Andenken und das Andenken derer, die ihnen zum verdienten Ruhm für die Nachwelt verholfen haben, dadurch wach erhielt, daß sie in den Straßen Sendlings deren Namen sowie die Namen ihrer Heimatgaue verewigte. [Nach „Sendling und Aidenbach“ von Albert Clementi in B. 06.)
Singlspielerstraße 29 u. 30
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Singlspielerstraße 29 u. 30. Neuerbaut 1898, und zwar die äußeren Ansichten nach den Plänen des städtischen Baurates Grassel. Die Sendlingerstraße soll in ihrem mittleren Teil allmählich verbreitert werden; die Stadtgemeinde trug bei den Anwesen Nr. 29 und 30 ihren Teil dazu bei und bedang sich dafür die Ausführung der Neubauten in ihrem Aeußern nach den Plänen des Bauamtmannes aus. Dieselben wurden auf der Grundlage im wesentlichen vorhandener Baugrundrisse entworfen. Verputzter Backsteinbau mit Erkern aus Muschelkalkstein, 2 große Fresken {Musikant und Tänzerin, zur Charakteristik des Hausnamens) von A. Pfleiderer; ferner 2 kleine Fresken (das ehemalige Sendlingertor, vom Neubau aus gesehen, und die ehemalige Huf- und Wagenschmiede an der Ecke der Schmiedgasse). Die Malereien des südlichen Hauses wurden 1911 vom Besitzer ohne weiteres übertüncht.
Benefiziatenhaus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Stephansplatz 1. Erbaut (1899?) von M. Ostenrieder als Benefiziatenhaus. Imponierender Bau mit außerordentlich ansprechender Fassade, wirkungsvoll namentlich durch die glückliche Massenverteilung. Kur Giebel und Erker reicher behandelt; alles übrige mit denkbar geringstem Aufwand dargestellt. Umrahmung der Parterrebogen in Stein; im übrigen Verputz [SB 00,40].
Straßen- und Flußbauamt
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Straßen- und Flußbauamt. Ifflandstr. 10. Von Bauamtmann Schulze 1906,07 unterhalb der Max Joseph-Brüche links der Isar erbaut. Gebäudegruppe mit Wohngebäude für den Flußwart und Magazinsaufseher, sowie den eigentlichen Magazinsbauten, die 3 m tiefer als das an der Straße erbaute Wohnhaus liegen. Mauerwerk bis zur Sockeloberkante aus Beton, im übrigen aus Backstein. Fassaden mit Kalkmörtel rauh verputzt, Dacheindeckung mit roten Biberschwänzen [BAJ 479].
Thalkirchnerstraße 90
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Thalkirchnerstraße 90. Ausgeführt 1905 von Aug. Zeh. Mächtige Fassade, belebt durch Erker; Hauptgiebel als dominierender Fassadenteil (wie der an dieser Seite befindliche Erker) reicher durchgeführt. Besonders charakteristisch das imposante Satteldach. Durchbildung der Fassade sehr charakteristisch für die durch Zeh selbständig entwickelte besondere Art der Putzdekoration [SB 06, 4J. Theatiner Hof- und Stiftskirche St.
Theatinerstraße 13
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Theatinerstraße 13. Bemerkenswert durch den dreistöckigen Bogengang mit einer einfach-sachlichen Backstein balustrade (durchbrochene Arbeit); Rest jener mittelalterlichen Hofarkaden, die sich — ihrem Ursprung nach die Altane, die sich am Bauernhaus der oberbayerischen Hochebene außen um das Wohnhaus zieht — bei den Häusern der Stadt in die engen Höfe zurückzog und hier manchem dunklen Winkel einen poetischen Beiz verlieh [BAJ 831.
Theatinerstraße 19
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Theatinerstraße 19. Zum Ministerium des Innern gehörig. Als Palais erbaut um 1730, vielleicht durch Joseph Effner [BAJ 163]. Fassade dreigeschossig mit 4 Fenstern in der Breite. Erdgeschoß in Rustika; überm Tor und den 2 Fenstern mäßig geschwungene Verdachungen; unter ihnen Füllungen mit Kartuschen, Guirlanden und Zweigen. Fensterverdachungen des 1. Stocks leicht verkröpft und auf konsolenartigen Zierstücken ruhend; zwischen ihnen Masken mit Füllhörnern. Fensterbänke im 2. Stock einfacher gehalten und mit Konsolen und Lambrequins ausgestattet [KB],
Theresienwiese
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Theresienwiese (auch Oktoberfestwiese), genannt nach der Königin Therese, Gemahlin Ludwigs I.; dieser stiftete 1810 das Oktoberfest zur Vermählung mit der Prinzessin Therese. Das Fest war ursprünglich auf den 1. Sonntag im Oktober beschränkt, der dann als „Hauptsonntag“ galt, bis dieser auf der, letzten Sonntag im September verlegt wurde. Die landwirtschaftliche Ausstellung, die Preisverteilung für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Landwirtschaft sowie das Pferderennen (zur Hebung der einheimischen Pferdezucht) bilden von Anfang an den eigentlichen Kern der Feier. Daran reiht sich das Festschießen und der Festzug. Gegenwärtig dauert das Fest mehrere Wochen und wird hauptsächlich wegen der unzähligen Schaubuden und großartigen Bierbuden von Einheimischen und Fremden stark besucht [R],
Viktualienmarkt
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Viktualienmarkt im Tal, der Hauptmarktplatz für den Detailverkauf. Hier die in Eisenkonstruktion errichtete Bankmetzgerhalle, ferner die Halle für den Verkauf von Kutteln mit Brotverkaufläden an den Außenseiten, ein Ladengebäude und Pavillon für den Obstverkauf, eine eigene kleine Halle der Nordseefischerei; der übrige, größte Teil des Marktes ist von Holzbuden bedeckt, die in langen Beihen nebeneinanderstehen. Außer dem hiesigen eigentlichen „Viktualienmarkt“ bestehen noch Kleinhandelsmärkte am Wienerplatz in Haidhausen und am Elisabethenplatz in Schwabing. Der bis 1912 in der ehemaligen, nächst dem Viktualienmarkt gelegenen Schrannenhalle untergebrachte Großhandelsmarkt wurdein die Großmarkthalle am Südbahnhof verlegt. Vgl. auch Hl. Geistspital [BAJ 700].
Volkstheater
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Volkstheater. Josephspitalstr. 10a. Die Münchner waren von jeher große Freunde der dramatischen Kunst und ihr erstes „Volkstheater“ waren wohl jene „Mysterien“ und „Allegorien“, die schon vor Jahrhunderten (seit 1580) von den Jesuitenschülern zur allgemeinen Erbauung und Kurzweil öffentlich aufgeführt wurden. Was sich anno dazumal sonst noch an Schauspielkunst zeigte, kam meistens von wandernden Komödiantentruppen, die mit dem Thespiskarren zu den Dulten am Anger drunten oder bei sonst einer festlichen Gelegenheit in München erschienen und deren Repertoire natürlich vor allem von der Hanswurstkomödie beherrscht wurde. Anfang des 18. Jahrh. — um 1725 — erhielten dann die Münchner ein ständiges Volkstheater und zwar droben beim Faberbräu in der Sendlingerstraße.
Im Gegensatz zu diesem „Volkstheater“ existierte damals, aber nur für den kurfürstlichen Hof und die Adeligen, das „churfürstliche Opernhaus“ auf dem Salvatorplatz, wozu später noch das „Herzog Maxische Ballhaus“ in der Pfandhausstraße kam; an deren Stelle wurde später (1754) das Residenztheater und daneben (1800) das Hoftheater (1823 nach einem Brand von neuem erbaut} errichtet. Für das inzwischen untergegangene Volkstheater beim Faberbräu errichtete man um 1810 ein neues, das Isartor-Theater (jetzt städtisches Leihhaus). Hier setzte Direktor Carl — der später das Wiener Carltheater gründete — den Münchnern die neuesten Schwänke und Kührstücke vor. Dieses Theater wurde später ersetzt durch die sog. Schweigertheater, nämlich jenes des Johann Schweiger in der Au und jenes des Max Schweiger in der Isarvorstadt „zu den drei Linden“ in der Müllerstraße, an dessen Stelle heute das Kolosseum steht. Da baute man 1864 auf dem ehemaligen Eichthalanger ein großes modernes „Aktientheater“ — das heutige Gärtnerplatztheater. Außerdem tat sich beim Botanischen Garten, wo heute das „Deutsche Haus“ steht, das bescheidene Elysiumtheater auf und draußen zwischen Schwanthaler- und Bayerstraße das Thaliatheater Unter Direktor Jenny, der damals als erster die Offenbachschen Operetten hier einführte, hatte dieses Theater starken Erfolg — bis sich dann auch das Gärtnertheater der Operette zuwandte.
Nun riskierte der Schauspieler Binder draußen im „Senefelder-Hof eine Bühne und machte dort mit dem „Geschundenen Raubritter“ und ähnlichen Sensationen dem Volk viel Freude. Später übernahm Hilpert das Theater, verlegte es in die Westendhalle und machte dort ziemlich gute Geschäfte—bis es 1900 wegen Feuergefährlichkeit polizeilich gesperrt wurde.
Nun fand sich erfreulicherweise ein Mann, der die Sache rationell anpackte, der Baumeister Gerstenecker. Er kaufte den ganzen Baublock der alten Westendhalle auf Abbruch zusammen, errichtete dafür einen modernen Gebäudekomplex mid in dessen Hof stellte er das neue, jetzige „Volkstheater“. Erbaut von Karl Tittrich, wurde es 1903 eröffnet. Von vornherein nicht als prunkvoller Repräsentationsbau gedacht, sollte in ihm bei größtmöglichem Fassungsraum eben das „Volksstück“ wieder ein Heim finden. Da die durch den Grundriß gegebenen Abmessungen der Fassade zufällig die Verhältnisse des griechisch-dorischen Aeginetentempels ergaben — durch dessen plastische Ueberreste die Glyptothek Münchens ihren europäischen Kuf erworben hat, wurde für die Fassade- auch dieses neuen Münchener Kunsttempels die dorische Tempelfront gewählt, und — wie es wohl auch beim Original der Fall war — kräftig in Farbe gesetzt. Der Zuschauerraum enthält 2 Ränge, die— stufenweise vorspringend — trotz ihrer großen Ausladungen jeder sichtbaren Stütze entbehren, und umfaßt 800 Sitzplätze sowie 350 Stehplätze. In diesem ersten Jahrzehnt seines Bestehens (1903—13) hat das Volkstheater nicht weniger als 330 Klassikeraufführungen gegeben, darunter Schiller 178mals Goethe 74mal, Shakespeare 18mal. Von neueren Autoren gab man Ibsen 71mal, Hauptmann 33mal, Sudermann 128mal. Den größten Kassenerfolg unter allen klassischen und nichtklassischen Stücken hatte „Parkettsitz. Nr. 10“, das 159mal gegeben wurde — auch „ein Zeichen der Zeit“! [SB 05, 33; JD im M. Tagblatt 12. 1. 13].
Wagnerbräu
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Wagnerbräu Lilienstraße 29. Erbaut von Ludwig Markert. Stattlicher, nach 3 Seiten freigelegener Eckbau in den Formen der Deutschrenaissance. Wohl der erste Privatbau Münchens, der — unter Vermeidung von Eisengestell — vom Keller bis zum 2. Stockwerk ganz in Beton aufgeführt wurde [SB 01, 48J.
Zentral-Taubstummeninstitut
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Zentral-Tanbstummeninstitnt, Goethestr. 70. Unter Oberleitung des Bauamtsassessors Stauffer 1895 errichtet. Die Anstalt gewährt taubstummen Kindern Volksschulunterricht und erzieht sie zu brauchbaren Handwerkern. Sockel aus Beton; Mauerwerk aus Backstein, in Kalkmörtel rauh verputzt und ockergelb getönt. Hauptportal in Muschelkalk. Läufe der Haupttreppe ruhend auf steigenden Bögen und Kreuzgewölben. Im südlichen Flügel die Knaben-, im nördlichen die Mädchenabteilung; im Erd- und 1. Obergeschoß die Lehr- und Aufenthaltsräume und das Direktorat, im 2. Obergeschoß die Schlafsäle, im Mittelbau die Hauskapelle und der protestantische Betsaal. In den Gängen und im Haupttreppenhaus zahlreiche Gemälde aus dem Depot der Schleißheimer Galerie [BAJ 491].
Krankenhaus-(Vinzenz-)Kirche
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Die Krankenhaus-(Vinzenz-)Kirche ist in das Kloster der barmherzigen Schwestern eingebaut, welches mit der Kirche 1837— 1839 nach Plänen von F. Gärtner hergestellt wurde. Das Innere ist schlicht in Tonnenform gew lbt, doch ist der geräumige fünfseitige Chorabschluss nicht ohne Wirkung. An den zwei Langseiten vertreten geschlossene Oratorien die fehlenden Nebenschiffe; das romanische Ornament isi lediglich aufgemalt.
Marienkapelle
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Die Marienkapelle mit Armen- und Kinderhaus der Niederbronnerschwestern (Vincentinum) in der Bogenhauserstrasse No. 10 bei dem sogen. Paradiesgarten ist ein einfacher Betsaal mit Flachdecke bei verglastem Hyäthrum und mit apsidalem Abschluss. Das Marienbild auf Goldgrund an der Apsiswand ist von A. Hess.
Alte Pfarrkirche (hl. Kreuzkirche)
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Die alte Pfarrkirche (hl. Kreuzkirche) in der Vorstadt Giesing, klein, einschiffig und unansehnlich, stammt gleichwohl aus einer bedeutend früheren Zeit, als ihn die etwas schweren Stuccaturen ans dem 17. Jahrhundert vermuthen lassen. Der massive Sattelthurm wenigstens, gross genug, um den Chor in seinem Inneren aufzunehmen, ist in seinen ganz ungegliederten unteren Theilen muthmasslich sogar älter als die gothischen Schalllöcher oben. Die Kirche selbst zeigt keine älteren oder sonstwie bedeutenden Bestandtheile.
Das Gebäude für die Katasterkommission
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
1831 nach den Plänen Zieblands gebaut, befindet sich an der Ostseite des alten Hofes, unweit des Residenzplatzes und bietet selbst keine bauliche Merkwürdigkeit. Die Kellerräume desselben stammen z. Th. aus älterer Zeit in welcher sie dem herzoglichen Brauhause dienten. Jetzt werden daselbst die lithographischen Steine zum Katasterplane des K nigreichs aufbewahrt.
Das physiologische Institut
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Das physiologische Institut liegt ganz in der Nähe der Anatomie (Findlingstrasse 3 c) und wurde von Voit (1853 und 54) erbaut. Das Aeussere ist in Backsteinrohbau ausgeführt. Der Inhalt wird von einer bemerkenswerthen physiologischen Sammlung gebildet, welcher die nöthigen Untersuchungsund Unterrichtsräume angefügt sind.
Das gegenwärtige chemische Laboratorium
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Das gegenwärtige chemische Laboratorium (Arcisstrasse 2) wurde bei der Uebersiedelung Liebig’s nach München nach dessen Angaben von Voit erbaut. In demselben konnte aber nur eine geringe Anzahl Studirender beschäftigt werden. In Folge der Berufung des Professors Dr. Bayer nach dem Ableben Liebig’s wurde daher beschlossen, ein neues Laboratorium, entsprechend den gegenwärtigen Bedürfnissen, zu errichten und zwar soll der Bau auf der Stelle der gegenwärtigen Anlage hergestellt werden. Die Pläne sind nach einem von Dr. Bayer aufgestellten Programm von Professor Geul bereits ausgearbeitet und soll im Laufe dieses Jahres mit dem Bau begonnen werden.
Die Gymnasien
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Die Gymnasien boten bis auf die neueste Zeit keine bauliche Merkwürdigkeit, denn die drei älteren, Wilhelms-, Ludwigs- und Maxgymnasium, das erstere, 1559 von Herzog Albert V. als Jesuitenschule gegründet, in der Herzogspitalgasse, das zweite im ehemaligen Karmelitenkloster und das dritte jetzt im Damenstiftsgebäude in der Ludwigstrasse entsprechen höchstens zweckdienlichen Anforderungen. Dafür ersteht eben in der Maximiliansstrasse ein Prachtbau im Frührenaissancestyl (von Oberbaurath Leimbach). Das erst seit einigen Jahren bestehende Realgymnasium ist neben dem Maximiliansgymnasium gleichfalls im Damenstiftsgebäude der Ludwigstrasse untergebracht.
Die Industrieschule
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Die Industrieschule bisher interimistisch locirt, ist eben im Begriffe einen stattlichen, von Direktor E. Lange geplanten Neubau an der Ecke der Gabelsberger- und Arcisstrasse zu erhalten.
Die Kunstgewerbschule
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Die Kunstgewerbschule unweit von dem letzteren Bau erhielt ihr Local durch einen durchgreifenden Umbau der ehemaligen kgl. Glasmalerei-Anstalt, und ist seit einem Jahre bezogen, ohne dass das Gebäude völlig fertig gestellt wäre. Der schöne Hof ist im Renaissancestyl ausgeführt worden.
Das kgl. Erziehungsinsitut für Studirende
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
14. Das kgl. Erziehungsinsitut für Studirende aus der Holland’schen Privatanstalt erwachsen und seit der Klosteraufhebung im Karmelitenkloster befindlich, steht mit dem Ludwigs- Gymnasium in Zusammenhang und wird von Ordensgeistlichen von S. Bonifaz geleitet.
Die Taubstummenanstalt
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Die Taubstummenanstalt ist in einem früheren Privatgebäude (Karlsstrasse Nro. 17) untergebracht.
Die Polyklinik oder das Reisingerianum
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
4. Die Polyklinik oder das Reisingerianum
von dem 1854 verstorbenen Dr. Reisinger dotirt. 1863 vollendet, dient vorab wissenschaftlichen Zwecken und ist hiezu mit Hörsaal, Laboratorium, Bibliothek und Sammlungen ausgestattet. Doch fehlt es auch nicht an Räumen zu längerer oder kürzerer Untersuchung von Kranken und zu entsprechender Consultation.
Über die ehemaligen Richtstätten der in München zur Todesstrafe Verurteilten und ihre Volkssagen
Oberbayerisches Archiv (1871)
Über die ehemaligen Richtstätten der in München zur Todesstrafe Verurteilten und ihre Volkssagen
Verfaßt und vorgetragen im historischen Vereine von Oberbayern den 1. September 1871 von Direktor Dr. Anselm Martin, kgl. Universitätsprofessor ec. in München
In unserem Vereine wurde die Frage angeregt, an welchen Orten ehemals in München die öffentliche Todesstrafe vollzogen worden ist. Man erwähnte, dass diese Plätze nicht mehr sicher zu bestimmen seien, – dass das Bestehen des Fausttürmchen an der Stadtmauer des Sendlinger-Tores damit vielleicht in Beziehung sein könnte, – dass überhaupt ein Rückblick auf diese kulturhistorische Seite des früheren Volkslebens jetzt schon umsomehr geboten sein dürfte, als Vollziehungen von Todesstrafen vielleicht bald nur mehr der Geschichte angehören werden.
Ich habe diesen nun weiter nachgeforscht und dabei so Manches in Erfahrung gebracht, das, in Schrift und Urkunden nicht verzeichnet, nur mehr im Volksmunde fortlebt, – später für die Stadtgeschichte somit verloren sein kann. Ich weiß zwar, dass die Quelle der Volkssage von Urkunden-Helden vielfach nicht gewürdigt, belächelt und verachtet wird. Sie sagen, der alte Rechtssatz „was nicht schriftlich vorliegt, ist als nicht existent“ sei auch bei historischen Arbeiten grundsätzlich anzunehmen und zu beachten.
Ich muss aber auch in Rücksicht jener Überlieferungen des Volksmundes, die mein Vortrag zu berühren hat, dagegen besonders betonen, dass das Volk über die öffentlichen Richtstätten und einst vollzogenen Hinrichtungen ein getreues Gedächtnis sich erhalten und übereinstimmend vielmals zu berichten weiß. – Vielen Stadtplänen sind noch jetzt Namen geblieben, die auf ehemals dort zur Ausführung gekommene Todesurteile hindeuten. Die Volksstimme ist in dieser Richtung mehr als in anderen sich treu und fast unvertilgbar geblieben; bei dem Mangel weiterer Urkunden kann ihr daher vertraut werden, so wie sie überhaupt bei historischen Arbeiten nicht nur wertvoll, sondern auch jeder Beachtung würdig ist.
Dieses veranlasste mich, mir für meine Forschungen noch die Beihilfe des Herrn Beneficiaten Jakob Gufler an der Kreuzkirche dahier, des bekannten Kenners der Volkssagen und der Geschichte Münchens, zu erbitten. Ich bezeichne unter vollstem Danke, dass sie mir sogleich zugesagt und auch mit allbekannter Freundlichkeit umfassend dann geworden ist. Da derselbe mir gestattete, diese seine Mitteilungen für den historischen Verein benützen zu dürfen, so sollen sie nun mit dem, was ich selbst als Volkssage gehört, im Folgenden berichtet werden.
Mehr, als noch bekannt und mit historischer Sicherheit angenommen und bewiesen werden kann, ist es glaubbar, dass an dem Platze, den jetzt der Burgfrieden der Stadt München und seine nächste Umgebung umfasst, lange früher schon Wohnungen und germanische wie auch römische Ansiedlungsstätten gewesen sind. Dieses beweisen bereits mehrere Funde von Waffen und Münzen aus heidnischer Zeit auf dem Boden des Stadtgebietes, die Nähe älterer Gräberplätze, die so nahen Hochäcker auf dem sogenannten Marsfelde und dem rechten Isarufer bei der Vorstadt Giesing und so Anderes. Ich selbst habe vor einigen Jahren dem historischen Vereine einige römische Münzen übergeben, die am Fuße des Lilienberges in der Vorstadt Au, acht Fuß tief, zugleich mit alten Mauerresten gefunden worden sind.
Der jetzige Stadt-Wegmeister Hr. Hartl berichtete mir erst kurz, dass man am Ende der Corneliusstraße, zunächst der Badstraße, bei dem Graben des neuen Kanales 8–10 Fuß tief auf einen ganz gut und schön gepflasterten Platz gekommen, der ihm und Allen, die ihn sahen, um so mehr aufgefallen sei, als dieser Ort im weiten Umfange nie bewohnt und in den ältesten Stadtplänen immer nur als unbewohnt bezeichnet ist. Den 20. September 1871 wurde tief unter dem Boden des alten Stadtbaches, zunächst der seit den ältesten Zeiten Münchens bestandenen, nun aber erst kurz abgebrochenen alten Schleifmühle (zwischen dem Wohnhaus des Hofbräuhauses und der Lederergasse), eine mit breiten Steinen gepflasterte lange Stelle (Straße?) bei den Aufgrabungen für den neuen Stadtkanal aufgefunden. Ober ihr befand sich ein fast drei Fuß tiefes Steingerölle, wie es sich nach Überschwemmungen des Isarflusses findet. Auf diesem Gerölle erst floss bisher der alte Stadtbach. Die gepflasterte Stelle konnte in einer Länge von fast 60 Schritten verfolgt werden, wurde aber dann nicht weiter für den im Baue begriffenen neuen Stadtkanal ausgegraben. Auch altes Gemäuer von Ziegelsteinen des ältesten Brandes wurde an ihr entdeckt.
Wenn uns nun zwar von allen diesen frühesten Bewohnern des Stadtgebietes Näheres urkundlich nichts bekannt ist, so dürfte doch angenommen werden können, dass auch sie, wie alle Bewohner des Bayerlandes vor der Umfassung des Bezirkes Münchens zu einer Stadt, dem germanischen Volksstamme im Allgemeinen angehört und dass die Hinrichtungen ihrer Verbrecher damals daher auch nach einer alten Volkssage von einem Schwertmagen, nämlich von einem männlichen Mitgliede der Familie des Verbrechers, vollzogen worden sind.
Als später die Wohnungen auf dem jetzigen Boden des Stadtgebietes München zu einer Stadt erhoben worden waren, und überhaupt sich die ehemaligen Familiengerichte zu öffentlichen Gemeinde-, Dorf-, Markt- und Stadt-Gerichten [...] ausgebildet, kam diese Verrichtung bekanntlich in die Hände besonders hiezu gewählter oder ernannter Richter (Geschworner), die nebst der Untersuchung und der Verurteilung auch die Vollstreckung des Urtheiles in eigener Person besorgten oder besorgen ließen. So wissen wir es von allen germanischen Stämmen und auch von unserem München erzählt eine Volkssage, dass in der ersten Zeit ihrer Erhebung zur Stadt die Hinrichtungen durch den jüngsten freien Bürger, später durch den jüngsten Beisitzer (Ratsherrn, Schöppen, Scabinus) des zu einem Gerichtshofe gebildeten Bürger-Ausschusses persönlich vollzogen worden seien. Hiezu aber soll Jeder nur einmal verpflichtet gewesen sein und deshalb die weißen Handschuhe, die ihm zu seinem Urtheils-Vollzuge gegeben worden waren, nach demselben seinem etwaigen Nachfolger auf dem Richtplatze noch feierlich überlassen haben.
Erst als im zwölften Jahrhunderte von Italien aus auch in Deutschland die Einführung des römischen Rechtes erfolgte, wurden eigene Männer für den Vollzug der Todesurteile angestellt, welche, bei den Römern einstmals aus dem Stande der Sklaven genommen, auch in München als auf der niedersten Stufe der bürgerlichen Gesellschaft stehend angesehen, der allgemeinen Zurücksetzung preisgegeben und als sogenannte „Unehrliche“ behandelt und betrachtet worden sind. Bekanntlich teilten mit ihnen im Mittelalter und selbst noch bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts Schergen, Abdecker, uneheliche Kinder u. s. w., früher auch bis in das 13. Jahrhundert Bader, Hirten und Andere das gleiche Verhältnis.
In München wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts erst ein eigener Bediensteter für den Vollzug der Todesurtheile angestellt. Er wird in den ältesten, lateinisch abgefassten Urkunden „carnifex“ d. i. „Fleischhauer“ benannt. Im Deutschen führte er den Namen „Scharfrichter, Henker oder Hacher“ (vom altdeutschen „hahen“ d. i. henken), – Freimann (wegen der angeblichen Vorrechte der Freileute), dann auch der Züchtiger. Vom Volke wurde er aus Höflichkeit als „Meister“ angesprochen und in der Ansprache Arbeit suchender Knechte seines Standes musste er „Meister Morgenstern“ genannt werden, weil nach dem Gebrauche schon der ältesten Völker die Hinrichtungen stets am frühen Morgen zum Vollzuge kamen, während man dem Wasenmeister den Namen „Abendstern“ gab, weil sein Geschäft bei Nacht zur Ausübung kam. Noch vor 50 Jahren betitelte man den Scharfrichter in München, wenn man sich bei ihm wegen Menschen- oder Pferde-Kuren empfehlen wollte, als „gestrengen Herrn“. Die Benennung „Nachrichter“ kam erst in neuester Zeit aus Norddeutschland nach Altbayern.
Die Bedienstung des Scharfrichters wurde ehemals als „Amt“ bezeichnet und es kommt daher auch die Benennung „Hachamt“, nämlich „Amt des Hachers“. Der zu diesem Amte Aspirierende (der Accessist des Hachamtes) musste gewisse Proben seiner Geschicklichkeit in verschiedenen Arten von Hinrichtungen ablegen. Er wurde dann durch die weitere Übung in diesem Geschäfte auch später derart für „juristisch gebildet“ angesehen, dass er vor der Versammlung der Richter das Gutachten abgeben musste, was für eine Art der Todesstrafe der Verurtheilte im gegebenen Falle für sein Verbrechen erhalten sollte, wie dieses besonders in Kaiser Ludwig des Bayern Rechtsbuch sich findet.
In München wurde er durch den Regenten des Landes angestellt, nämlich den Herzog, dessen bestellter „herzoglicher Richter“ bis 1294 sein einziger Vorgesetzter war. Bekanntlich erteilte aber in diesem Jahre Herzog Rudolph auch der Stadtgemeinde München das Recht, einen eigenen Stadtrichter zu halten, der auch die Kriminal-Jurisdiktion (jus gladii) besaß. Seit dieser Zeit war der Henker zugleich, nebst dem nur für das Hofpersonal verbliebenen Hofrichter, auch dem Stadtrichter zum Dienste verpflichtet. Er wurde deshalb bis zum Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts zur Hälfte vom Hof und zur Hälfte von der Stadt besoldet, was im Ganzen, bei der Gehaltsregulierung vom 29. Mai 1433, 40 Pfund Pfennige und infolge des steigenden Geldwerthes in neuester Zeit etwa 1000 fl. betragen dürfte. Als Gehilfen waren dem Scharfrichter einige Knechte zugeteilt, deren Zahl in früherer Zeit vier war.
Der Platz, wo in München die Hinrichtungen in den ältesten Zeiten vollzogen wurden, war nach einer alten Volkssage der öffentliche Marktplatz vor dem damaligen Rats- oder Gerichtshause. Das mit einem Türmchen jetzt noch versehene Eckhaus an der Dienersgasse gegen den Marienplatz wird in seinem untersten Stocke und Kellerräumen als Gefängnis sehr schwerer Verbrecher der damaligen Zeit benannt. In diesen Kellerräumen hat man mir als Knabe, da dieses Haus damals meinem mütterlichen Großvater, Kaufmann Lunglmaier, gehörte, die Ringe der eisernen Ketten und so manches Andere noch gezeigt.
In späteren Zeiten wollte man die Todesurteile nicht mehr in den Ringmauern der Stadt vollziehen. Sie, wie auch die Bestattung der Hingerichteten, wurden daher außerhalb der Umfassungsmauer und außer des dieselbe umgebenden Grabens verlegt. Es geschah dieses namentlich um die Zeit, als München unter Herzog Ludwig dem Strengen zur Residenz erhoben wurde. Welcher Ort aber damals für die Richtstätte und die Scharfrichters-Wohnung auserwählt wurde, darüber haben wir eine uralte Überlieferung des Volkes, die auf die Gegend der jetzigen sogenannten Hofstatt nächst dem Färbergraben hinweist.
Im Mittelalter wurde nämlich jede Richtstätte wegen den sie so häufig umschwärmenden Vögeln allgemein „Rabenstein“ genannt. Wenn wir nun diesen sogenannten Rabenstein für München außerhalb der damaligen ältesten Stadt suchen wollen, so machen wir einen Gang von der alten Hauptwache aus gegen Süd und Südwest hin. Zuerst kommen wir durch die Rosengasse an das Eck derselben links am Rindermarkt. Dort hieß ehemals das Haus Nr. 6, wo jetzt die Rosen-Apotheke ist, das Rabeneck, auch „inneres Rabeneck“, beim Volke auch im bayerischen Dialekte als „Rappeneck“ ausgesprochen. Von diesem Hause als Stammsitz hatte ein altes Patriziergeschlecht in München den Namen der „Rabenecker“.
Schreiten wir weiter fort durch das südliche Stadttor, so kommen wir über eine Brücke, die im Jahre 1434 überwölbt wurde. Diese Brücke hieß die „Teuferbrücke“ (auch Teyferpruck). Dieser Name wurde von einem Historiker mit „tiefer Brücke“ erklärt, allein in München bedeutete „Teuf“ oder „Teyf“ nach der altherkömmlichen Gerichtssprache Dieberei oder Diebstahl. Auf dieser Brücke war es nämlich, wo man einst kleinere Verbrecher, insbesondere Diebe, mit körperlichen Strafen belegte (Ohren- und Nasen-Abschneiden, Auspeitschen, Prangerstehen); daher man diese Brücke „die Teufer- oder Diebsbrücke“ nannte. Nicht weit davon hieß das Eckhaus an der Sendlingerstraße und dem Färbergraben das „äußere Rabeneck“.
Neben diesem Hause war vor Zeiten eine Höhlung im Boden mit einer Wasserlache, die man „bei der Hüll“ hieß. Als später im Hause dabei sich eine Garküche etablierte, nannte man es dort beim Koch „in der Hölle“ (eigentlich an der Hüll). Das Haus gegenüber im Färbergraben hieß der Volkswitz im Gegensatz zur Hölle – „im Himmel“. In ihm befand sich bis in unsere Zeit ein Schäffler, der sogenannte „Himmelschäffler“. Als dieses Haus am 29. Juni 1631 gegen das Erstere einfiel, sagte man scherzweise, „es sei der Himmel in die Hölle gefallen“.
An das bezeichnete Kochhaus (Sendlingerstraße Nr. 86) stößt das frühere Bräu- und Wirtshaus „zum Hascher“ an, von dem die Volkssage berichtet, dass es ehemals das Scharfrichterhaus gewesen sei. Im damit verbundenen vorspringenden Gebäude mit den Arkaden (dem jetzt noch sogenannten „Hascher-Bögel“) waren die Wohnungen der Knechte und Gefängnisse. Hinter demselben, gegen Süd zu im freien Felde, befand sich der Schindanger oder die Wasenstätte, wo die Hirten das gefallene Vieh vergraben hatten.
Hier ist besonders für unsere Forschung das Haus Nr. 28 am Färbergraben an der linken Ecke von Bedeutung, wo man zur Hofstatt hineingeht. Man nannte es ausdrücklich „am oder beim Rabenstein“. Dieser Name deutet gewiss bestimmt genug auf die Nähe der einstigen Richtstätte hin. Der besondere Platz, den man jetzt „auf der Hofstatt“ nennt, ist auch in der Volkssage die Lokalität, wo vor Zeiten die öffentliche Todesstrafe vollzogen worden sein soll. Die vielen menschlichen Knochenreste, die man auf diesem Platze noch erst vor wenigen Jahren ausgegraben hat, bestätigen dies, da man ehemals die Hingerichteten gleich am Richtplatze verscharrte. Ein Leichenacker ist an der Hofstatt nie gewesen.
Als in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts München immer mehr sich vergrößerte, beschloss man, alle Vorstädte (Haggen, Altheim, Konradshofen, Graggenau, Thal, Anger) mit der inneren Stadt zu vereinigen und eine neue Ringmauer mit Türmen und Graben zu bauen (1295 bis 1315). Infolge dessen konnte man die Richtstätte nicht mehr im Inneren der nunmehr vergrößerten Stadt belassen. Sie wurde daher außer die neu angelegten Thore verlegt. Den bisherigen Richtplatz schenkte Herzog Rudolf seinem damaligen Stadtrichter Hartwich dem Schleißbecken. Dieser verkaufte den ganzen Rabenberg an Bürger, die sich darauf Häuser erbauten. Daher nannte man es daselbst „auf des Schleißbecken Hofstatt“. Über die Jahrhunderte blieb nur mehr der Name „auf der Hofstatt“ übrig.
Die Wohnung des Scharfrichters kam nun dorthin, wo man an der Ringmauer vom neuen Sendlingerthore zum Anger hinabging. Man nannte die Gasse durch mehr als ein halbes Jahrtausend das „Henkergäßl“, bis ihr 1819 der Name „Glockenbachstraße“ beigelegt wurde. Dieses beim Volke durch mancherlei Sagen bekannte Haus wurde 1841, nach dem Tod des letzten Scharfrichters Martin Hörman, demolirt.
Es dürfte hier der Ort sein, auch des sogenannten Fausttürmchens zu gedenken, das sich an der Stadtmauer auf dem Wehrgange befindet und oben das steinerne Bild einer Faust zeigt. In der Neuzeit werden davon die mannigfaltigsten Ereignisse erzählt, die aber fast alle nichts Anderes sind als Umschreibungen fremder Volkssagen (wie die Sage vom „Blaustrumpf“ oder eingemauerten Hofnarren). Früher nannte man es „Knocker- oder Hocker-Thürmchen“. Man erzählte, wenn ein Henker ungeschickt gerichtet habe, sei er in dem engen Raume desselben, wo man nur stehen oder sich bücken (knocken) konnte, zur Strafe eingesperrt worden.
Dass das Volk über ungeschicktes Richten stets sehr aufgebracht war, ist bekannt. So wurden dem Scharfrichter Hörman jun. noch zu Anfang dieses Jahrhunderts die Fenster eingeworfen, nachdem er bei der Enthauptung des Franz Thaler (dem „silbernen Franzl“) am 26. November 1814 sieben Hiebe gebraucht hatte. Die Faust mit der Feige an der Turmspitze nannte man früher die „Schwedenfaust“; sie scheint zur Zeit des 30-jährigen Krieges als Drohung gegen den Feind angebracht worden zu sein. Meiner eigenen Ansicht nach ist das Gebilde am Ende der Spitze wohl eher ein Mauerfragment, das zufällig einer Faust ähnlich sieht.
Bei der Stadterweiterung um 1300 wurde die Richtstätte vor das Neuhauser-Thor (Karlstor) auf den Umfang des sogenannten „Unserer lieben Frauenfeldes“ (jetzige Max-Vorstadt) verlegt. Galgen und Köpfstätte waren hier getrennt. Die Köpfstätte war an der äußeren Schützenstraße, da wo jetzt der Vorderteil des Hauptbahnhofs ist. Es war dort eine gemauerte Terrasse. Im Jahre 1749 wurde dort die „rothe Kapelle“ (Armesünder-Kapelle) errichtet. Um 1772 demolierte man die Köpfstätte und die Kapelle. Die Enthauptungen wurden nun auf einer hölzernen, mit rotem Tuch überhangenen Bühne vollzogen, zuletzt außerhalb dem Abhang zum Marsfelde.
Der Galgen mit dem Rade kam aber noch weiter hinaus auf die Anhöhe an der Landstraße nach Pasing, den Platz, den jetzt der große Pschorr-Keller einnimmt (Theresienhöhe). Dort hieß es „am Galgenberge“ bis in unsere Zeit. Man ließ die Gehängten und Geräderten oft lange an den Strafpfählen, bis Kurfürst Max III. Joseph dies 1750 untersagte. Nach einer Volkssage mussten in früheren Zeiten die Müller die Leitern für den Galgen zufahren und die Weber dieselben anlehnen und die Stricke knüpfen. Wenn die Richtstätte repariert werden musste, wurden alle Zimmerleute angehalten, wenigstens einmal mit der Axt anzuschlagen, damit keiner „unehrlich“ werde. Der letzte Galgen-Palier war der Zimmermann Seidl († 1848).
Der letzte auf dem Galgenberge Gehenkte war 1804 ein 17-jähriger Dienstbube; der letzte Geräderte Ferdinand Bündel. Der letzte mit dem freien Schwerte auf dem Marsfelde Enthauptete war Christian Hussendörfer am 11. Mai 1854. Bekanntlich wurde noch am 15. Juni 1861 die Todesstrafe durch die Fallmaschine (Guillotine) an drei Personen vollzogen.
Es wird auch erzählt, es habe einstens Galgen in der Sendlinger- und Neuhausergasse gegeben (beim „Galgen-Kramerl“). Diese sollen aber nur als Schreckmittel der Österreicher in den Jahren 1705 und 1742 gedient haben. (Anmerkung: Hier wurden früher auch Bäcker, die zu leichtes Brot verkauften, in einem Korb in den Bach getaucht – die Vorrichtung nannte man „Bäcker-Galgen“).
Schließlich sei berichtet, dass Hinrichtungen der Verbrecher des Landgerichts München rechts der Isar (Au) außerhalb Haidhausen auf den sogenannten Ganzen (beim Kloster zum Guten Hirten) stattfanden. Die letzte Hinrichtung dort traf Anfang der 1820er Jahre den Maurer Georg Wengert, genannt „schwarzer Sachs“.
Der Scharfrichter hatte früher auch Einkünfte als „Platzmeister“ von Hazardspielen und ihm waren die öffentlichen Lustmädchen untergeben. Auch die Straßenreinigung war ihm übertragen; er benutzte dazu „die Fräulein“ aus den Frauenhäusern. Diese Bezüge hörten 1433 auf. Das letzte städtische Frauenhaus stand in der heutigen Mühlgasse beim Angerthore (daher die „Hurrenbrücke“). Später wurde dem Scharfrichter und Wasenmeister das Kurieren von Menschen und Tieren stillschweigend gestattet. Man glaubte, sie besäßen geheime Kräfte und könnten Hexen bannen. So erzählte man sich vom „alten Martin“ (um 1770), er habe die Hexen am Sendlingerthor so gebannt, dass sie mit dem Hinterteil an der Mauer anstießen, wodurch der schwarze Fleck an der Wand entstanden sei.
Bei der Ausführung zur Richtstätte ging der städtische Bettelrichter („der Putz“) voraus, gefolgt vom Obergerichtsdiener zu Pferd und Schergen in roten Röcken. Der Verurteilte wurde in einer „Schranne“ (einem hölzernen Gatter) geführt, bis später das Fahren auf dem Schinderwagen aufkam. Am Wege waren die Kirchentüren weit geöffnet, damit der Verurteilte, gelänge ihm die Flucht, darin Asyl finden könnte. Am Ratsturm wurde die „Armensünder-Glocke“ geläutet. Eine Glocke am „schönen Turm“ nannte das Volk die „Haller-Glocke“, gestiftet von einem gewissen Haller, der als erster selbst durch sie zum Tode geläutet wurde.
Soviel aus der Vergangenheit Münchens mit dem Wunsche, dass die Herren Verbrecher der Zukunft das Morden einstellen und mit Verachtung nur mehr zu den antiquirten Dingen zählen möchten.
Militär-Lazareth
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An seiner Ostseite liegt das neugebaute Militär-Lazareth. Dasselbe wurde zum dringenden Bedürfniss, als mit der allgemeinen Wehrpflicht die Zahl der pr senten Mannschaft sich vermehrt hatte und das bis dahin ausreichend grosse Militär-Lazareth No. 33 an der Müllerstrasse — erbaut 1773 bis 1776 — nur mehr dadurch genügte, dass alle transportablen Kranken nach dem nahen Fürstenfeldbruck evacuirt wurden. Auch hatte dasselbe mit der Erweiterung der Stadt seine frühere isolirte Lage verloren, wodurch es sich zum Hospital immer ungeeigneter erweisen musste, weshalb auch die Vorlegung beschlossen, und das alte Gebäude nach fast hundertjähriger Benützung anderen Zwecken, zum Theil dem Landwehr - Bezirks-Commando, überwiesen wurde. Das neue Militär-Lazareth ist diesem Uebelstande nicht ausgesetzt, weil es auf 2 Seiten von Militär-Eigenthum umgeben ist und das Privateigenthum auf den beiden andern Seiten bei der bedeutenden Entfernung vom Centrum der Stadt und den Bahnh fen nicht so bald überbaut werden wird. Bei den in München vorherrschenden Südwest- und West-Winden und der unerschöpflichen Menge eines noch reinen von Westen gegen die Isar ziehenden Grundwassers ist seine Lage eine seinem Zwecke sehr entsprechende. Der Entwurf wurde von dem Baurathe der Stadt München, Herrn Zenetti, gefertigt. Nach der Genehmigung desselben wurde am 21. Juni 1868 der Bau begonnen und der eine Flügel (d des beifolgenden Grundrisses Fig. 49), das Oeconomie-Gebäude (b) und das Verwaltungs
Gebäude (a), das Leichenhaus (f), Reserve-Gebäude (g) und zwei Sommer-Pavillons (e) hergestellt. Der Flügel diente sodann zur Aufnahme erkrankter Kriegsgefangenen. Der andere Flügel (c), mit den 2 anderen Sommer-Pavillons (e) wurde im Jahre 1872 begonnen und im August 1874 vollendet. Jeder Flügel nimmt in 3 Stockwerken (Erdgeschoss. I. u. II. Etage) circa 200 Kranke auf. In jedem Stockwerke sind: 4 grosse Krankens le, 8 Sepearat -Krankenzimmer. 4 Aborte, 2 Bade-Cabinete, 2 Theeküchen, 2 Warterzimmer und 2 Lokale zum Wäschewechsel.
Das Reserve-Gebäude (Blatternhaus) (g) enthält 1 grosses und mehrere kleine Krankenzimmer mit Warterzimmer dazwischen, dann Badelokal. Jeder der 4 Sommer-Pavillons fasst 30 Kranke. Dieselben sind aus Holz, mit Glaswänden an den Langseiten (Südost und Nordwest), die aussen noch Vorhänge erhalten, mit Schindeln eingedeckt und haben Dachreiter. Um sie zur Aufnahme der Cholera-Kranken im Winter 1873/74 benützen zu können, wurde der Fussboden verdoppelt, ein Bretterplafond angebracht, der Raum durch Scheidewände getheilt. der Luftzug durch Verkleidung der bezüglichen Oeffnungen mit Brettern vermindert und hierauf die nöthige Anzahl von Oefen aufgestellt. Diese Einrichtungen machten es möglich, auch bei ziemlicher Kälte die Pavillons als Krankensäle zu benützen und zu verhüten, dass ein Cholera-Kranker in das Hauptgebäude gebracht werden musste.
Das Oeconomie-Gebäude enthält die Kapelle — ein Betsaal für die Protestanten ist in dem zuletzt erbauten Flügel — die Koch und Wasch-Küche, Apotheke und Laboratorium, Dampf- und Douche-Bäder, Wohnungen für den Messner, die Köchin und den Maschinisten; in Keller und Dachraum sind Magazine. Ein Anbau bildet den Maschinenraum. — Das Verwaltungsgebäude enthält die Bureaux, ärztlichen Jourzimmer, die Wohnungen der Lazareth-Inspektoren, der Aerzte, des Pfarrers, der dienstfreien Krankenwärter und des Hausdieners. Keller und Dachräume enthalten Magazine. Das Leichenhaus enthält den Hörsaal für den Operations-Curs, Leichen- und Secir-Saal, Docenten-Zimmer und Präparaten-Cabinet.
Die Ausmaasse der Gebäude sind: Jeder Flügel hat 138,34 M. L nge, 11,07 M. Breite und 4.3 M. Höhe der Geschosse im Lichten. Das Verwaltungsgebäude ist 51,22 M. lang und 14,:ts M. breit. Das Oekonomiegebäude hat mit Einrechnung des 35,02 M. langen und 27,n M. breiten Hofes eine Länge von 53.41 M., eine Breite von 44,39 M. Diese Gebäude sind durch gedeckte Gänge mit einander verbunden, welche in obigen Maassen nicht in Betracht gezogen sind. Das Reserve-Gebäude ist 23.78 M. lang und 11,53 M. breit. Die Sommer-Pavillons haben 34,40 M. Länge, 6,"2 M. Breite und 5,13 M. Höhe bis zum Kehlbalken. Das Leichenhaus ist 22,i& M. lang und 14,39 M. breit.
Von sonstigen Anordnungen ist erwähnenswert: Die Krankenzimmer liegen gegen Südost, die Gänge gegen Nordwest; zu ebener Erde und in der I. Etage sind letztere gewölbt; die Treppen sind in dem einen Flügel alle, im andern nur eine von Eisen, die hölzernen aber unterwölbt; die 1,5 M. breiten Thüren haben ungleiche Flügel, wovon der 0,5 breite in der Regel nicht benützt wird; die Krankensäle haben Hannoveraner-Oefen, die mit Steinkohlen geheizt werden; die Abtritte haben Wasser Verschluss (der Wasserzufluss findet nur während der Bewegung der Deckel statt); eine Wasserleitung für kaltes und warmes Wasser mit Reservoirs auf den Speichern wird durch eine Dampfmaschine von 10 Pferdekraft mit Kesseln nach System Alban (24 M. Heizfläche) und 2 Vorwärmern bedient, welche eine Pumpe bewegt, die stündlich 12,900 Liter Wasser liefert.
Die Röhren verzweigen sich mit Ausnahme des Verwaltungsgebäudes in alle übrigen Gebäude. — Eine Abwasserleitung führt alles Abwasser mit Ausnahme des für Spülung der Abtritte benützten in einen städtischen Canal. — In dem Oeconomie Gebäude besteht eine Dampf- Waschanstalt mit Exhaustor-Spülc und Mange, dann durch Dampf erhitzter Trockenkammer. Die Maschinenbau-Gesellschaft Humboldt in Kalk bei Deutz am Rhein lieferte Dampfmaschine, Vorwärmer, Pumpe und Reservoir; die Dampf-Wascherei-Einrichtung ist von Oskar Schimmel & Comp. in Chemnitz.
Nachdem die Erbauung dieses Lazarethos in die Zeiträume vor und nach dem Kriege von 1870/71 fällt, dürfte die Vergleichung einiger Preise und Taglöhne von Interesse sein und sind desshalb die nachstehenden in der Note *) angefügt.
Adressbuch 1904 - Fußgängerverkehr
Adressbuch München 1904 (1904)
IX. Fußgängerverkehr.
§ 76. (Allgemeine Bestimmungen). Fußgänger haben sich soweit möglich und ganz besonders da, wo lebhafter Fährverkehr stattfindet, auf den Trottoirs und sonstigen Fußwegen zu halten und jedenfalls alles zwecklose Stehenbleiben auf den Fahrbahnen zu vermeiden. Auf den Trottoirs und sonstigen Fußwegen ist bei lebhaften: Verkehr tunlichst rechts zu gehen.
Das Ueberschreiten der Fahrbahnen hat soweit möglich unter Benützung der Traversen bezw. in senkrechter Richtung zu erfolgen. Nebeneinandergehen mehrerer Personen in der vollen Breite der Trottoirs und sonstigen Fußwege, sowie verkehrstörendes Stehenbleiben auf denselben ist verboten.
Soferne durch polizeilichen Anschlag das Rechtsgehen angeordnet ist, muß die vorgeschriebene Straßenseite eingehalten werden.
Den zur Regelung des Verkehrs, namentlich zur Vermeidung von Verkehrsstörungen an Ort und Stelle ergehenden Anordnungen der Polizeiorgane, auch wenn diese Anordnungen nur durch Hochheben der Hand oder durch Winke erfolgen, ist Folge zu geben.
Auf den Verkehr in den öffentlichen Anlagen finden außerdem die besonderen Vorschriften der 88 84 mit 90 Anwendung.
§ 77. (Begehen der Trottoirs und sonstigen Fußwege in geschlossenen Reihen oder Abteilungen). Das Begehen der Trottoirs und sonstigen Fußwege in geschlossenen Reihen und Abteilungen ist — unbeschadet der allgemeinen Bestimmungen in § 76 Abs. V — nur in Reihen von nicht mehr als 2 Personen nebeneinander und nur auf solchen Trottoirs und Fußwegen gestattet, auf welchen neben solchen Abteilungen noch genügender Raum für den ungehinderten Verkehr von mindestens 2 Personen nebeneinander erübrigt.
§ 78. (Tragen von Gegenständen ec.) Auf den Trottoirs und sonstigen Fußwegen, sowie vorbehaltlich besonderer Berechtigung durch die K- Residenz und deren Höfe ist das Tragen von Lasten und umfangreicheren Gegenständen, wie Tragkörben, größeren Handkörben, Kisten, Ballen und Mulden, ferner von Aexten, Hacken, Sensen und dergleichen schneidigen oder spitzigen Gegenständen, endlich von Rohren, Schienen, Stangen, Latten, Leitern und ähnlichen langgestteckten, leicht hin und her schwankenden Gegenständen verboten. Derartige Gegenstände dürfen nur auf der Fahrbahn und nur so getragen werden, daß der Verkehr weder gefährdet noch gehemmt wird.
Metallwaren oder sonstige Gegenstände, welche beim Tragen ein starkes Geräusch verursachen, müssen hiegegen entsprechend verwahrt sein. Das geräuschvolle Niederlegen solcher Metallwaren, sowie schwerer Gegenstände ist verboten.
Unreine und leicht beschmutzende Gegenstände, wie Farben, Pinsel und dergleichen dürfen nur in geschlossenen Behältnissen, bezw. vollständig umhüllt getragen werden, so daß hiedurch jede Beschmutzung anderer Personen ausgeschlossen ist. Verboten ist das Begehen der öffentlichen Straßen, Wege und Plätze mit blutbefleckter Schürze.
Das Tragen von Stöcken, Schirmen ec in einer die Passanten gefährdenden oder belästigenden Weise ist verboten.
Mit brennenden Fackeln jeglicher Art oder Lampions zu gehen oder Aufstellung zu nehmen, ist abgesehen von der herkömmlichen Begleitung bei Leichenkondukten von besonderer polizeilicher Erlaubnis abhängig.
§ 79. (Hundeführrn aus Trottoirs und sonstigen Fußwegen.)
Das Führen von Hunden an der Leine ist auf den Trottoirs und sonstigen Fußwegen bei lebhaftem Verkehr verboten.
§ 80. (Aufspringen auf Fuhrwerke ec.) Auf Fuhrwerke während der Fahrt unbefugt aufzuspringen oder aufzusitzen oder sich an solche anzuhalten, ist untersagt.
Verboten ist ferner, Führer von Fuhrwerken, von Wagen und Karren aller Art, Reiter, Radfahrer und Treiber von Tieren im Verkehr mutwillig zu hemmen oder ihnen die Befolgung der verkehrspolizeilichen Vorschriften zu erschweren.
§ 81. (Eisschleisen, Schlittschuhlaufen, Eisschießen, Tummeln von Kindern). Das Eisschleifen, Schlittschuhlaufen, Eisschießen, das Werfen mit Schneeballen, das Steigenlassen von sog. Drachen und Ballons ist untersagt. Das Tummeln der Kinder auf öffentlicher Fahrbahn ist verboten.
Für Einhaltung dieser Vorschriften durch Kinder sind die zu deren Beaufsichtigung verpflichteten Personen verantwortlich.
§ 82. (Truppenkörper, öffentliche Auszüge.) Geschlossene Truppenkörper, sowie öffentliche Aufzüge dürfen in ihrer Bewegung von Fußgängern nicht durchbrochen oder gehemmt werden
Adreß- und Anfrage-Bureaux
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Adreß- und Anfrage-Bureaux sind in der Salvatorgasse Nr. 20, und in der Gruftgasse Haus Nr. 14 der Weinstraße Wohnungs-Vermiethnngs-Bureau). Auch Commissions- und Geschäfts-Bureaux sind vorhanden.
Die Au
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Au, oder München rechts der Isar, hat ihre eigene Geschichte, welche mit dem 1.1289 beginnt. Wir haben aber über die örtliche Entwicklung dieser Vorstadt in der topograph. Geschichte von München gehandelt, und verweisen den Geschichtsfreund darauf. Somit beschränken wir uns zunächst nur auf die neue Mariahilfkirche, nach deren Vollendung die ältere Kirche derselben Dedication weichen mußte. Der Grundstein wurde am 28. Nov. 1831 gelegt, und sofort begann der Bau nach dem Plane des 1839 verstorbenen Baurathes Joseph Daniel Ohlmüller. Die Einweihung fand den 23. August 1839 statt, der Baumeister ruhte aber bereits im Grabe. Nach zehn Jahren wurden seine Gebeine in der Kirche beigesetzt, und ein Denkstein bezeichnet die Stelle. — Diese im reinsten gothischen Style erbaute Kirche ist 235' lang und 81' breit. Das 95' hohe Gewölbe wird von 16 Säulen getragen, welche die Kirche in drei Schiffe theilen. Ueber dem Hauptportale ist eine Madonna von L. v. Schwanthaler, und darüber erhebt sich der 270' hohe Thurm mit seiner prachtvollen Fensterrose und seinem durchbrochenen Helme. Beim Eintritte richten vor Allem die neunzehn 52' hohen und 11—13' breiten gemalten Fenster den Blick auf sich. Sie sind ein Geschenk des Königs Ludwig aus der Münchener Glasmalerei-Anstalt. Die sämmtlichen Verzierungen sind von Ainmüller componirt, die Leitung über den historischen Theil hatte aber Professor Heinrich v. Heß.
Zur Linken anfangend zeigen sich folgende Darstellungen nach den Compositionen der in Parenthese genannten Künstler:
- Die Verkündigung der Geburt Mariens an Joachim (W. Röcke!);
- die Heimkehr Joachims zu Anna (I. A. Fischer, f 1860);
- die Geburt der Maria (I. A. Fischer);
- Mariens erster Gang nach dem Tempel (I. A. Fischer);
- die Vermählung Mariä (I. A. Fischer);
- die Verkündigung des Engels (I. A. Fischer);
- die Heimsuchung der Elisabeth (I. A. Fischer und Schraudolph);
- die Geburt Christi (I. A. Fischer);
- der Tod der Maria (I. A. Fischer);
- die Begräbniß und Himmelfahrt der Maria (Ch. Ruben).
Die Grablegung desselben Fensters, grau in grau, ist von W. Röckel. Rechts vom Eingänge zeigt sich
- die Anbetung der Könige (I. A. Fischer);
- Simeon im Tempel mit dem Kinde (I. A. Fischer);
- die Flucht nach Aegypten (I. A. Fischer);
- Christus als Knabe im Tempel (Schraudolph);
- die Hochzeit zu Cana (W. Rockel);
- der Abschied Christi von der Mutter (I. A. Fischer);
- die Kreuztragung sI. A. Fischer und Schraudolph);
- die Kreuzigung (CH. Ruben);
- die Grablegung (I. A. Fischer).
Die Altäre mit den Holzsculpturen sind von F. Schönlaub. Der Hauptaltar stellt die Kreuzigung vor, und dazu St. Ludwig und St. Theresia. Hinter dem ersteren bietet der Architekt das Kirchenmodell dar, und daneben steht der Bildhauer. Schönlaub fertigte auch die andern Altäre und die Lcidensstationen. Die Kanzel ist nach Ohlmüllers Zeichnung von I. M. Entrcs geschnitzt.
Das südlich von der Kirche gelegene Rathhaus wurde 1829 erbaut. Ueber das Strafarbeitshaus, ehedem Paulaner-Kloster, ist in der Geschichte der Au gehandelt, sowie über den Neudeckergarteu, früher herzogliches Schloß. Die Zacherl'sche Brauerei ist jene der Paulaner. Hier wird um Ostern acht Tage das Salvatorbier geschenkt. Es besteht seit 1737.
(Die vordere Ansicht der Auer-Kirche in Stahlstich n 12 kr. und eine Innenansicht a 24 kr. sind bei Gg. Franz zu haben. Die Gemälde der Kirche sind in Stein gravirt, und von F. Eckert hcrausgegcben, gr. Fol. Bergt, auch Paulhubers Beschreibung der Kirche. Mit 2 Stahlstichen, gr. 8. Preis so kr. Auch eine Uebersichrskarte zur Oricntirung in der Borstadt Au erschien ebendaselbst. Preis 20 kr.
Die Börse
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Börse befindet sich in der Kaufingergaffe No. 9. Vom Handelsstande 1832 eröffnet, steht sie dem Geschäftsverkehr an Werktagen von 11—12 Uhr offen.
Brunnthal
Nagler - Acht Tage in München (1963)
Brunnthal, eine Anlage des 18. Jahrhunderts, hat als Natur-Heilanstalt und als Vergnügungsort in der Nähe des englischen Gartens eine doppelte Bedeutung. Die Heilanstalt, welche bei der trefflichen Beschaffenheit seiner Quelle schon vor Jahren eine gewisse Berühmtheit erlangte, als noch ausschließlich das Prießnitz'sche Heilverfahren daselbst zur Anwendung kam, hat in neuerer Zeit einen wesentlichen Aufschwung genommen, seitdem sie unter ärztlicher Leitung die richtige Mitte zwischen dem Priesnitz- u. Schroth'schen Heilsystem z. Anwendung kommen läßt. Die Anstalt ist mit Allem, was zu dem Zwecke gehört, ausgerüstet. Jährlich finden Hunderte Heilung oder theilweise Besserung in dieser Anstalt. In einer reizenden Lage in der Nähe des englischen Gartens, ist dieser Platz aber auch an heißen Sommertagen stark besucht.
Die Bürgersänger-Zunft
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Bürgersänger-Zunft ging aus dem im Jahre 1840 im Bürgerverein gegründeten Liederkranz hervor, und 1842 nahm diese musikalische Gesellschaft den Namen der Bürgersänger-Zunft an. Der Zweck war und ist, nach dem Vorbilde der Singschulen des 15. Jahrhunderts auch unter Handwerkern die Poesie mit dem Gesänge zu verbinden. Von dieser Zeit an erfolgten öffentliche und Privatproduktionen, es wurden Sängerfahrten unternommen, und die Freunde des Männergesangs haben oft Gelegenheit, die Leistungen dieses Vereins zu bewundern.
Casernen
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Casernen bestehen fünf:
- am Hofgarten für das k. Inf.- Leibregiment;
- in der Türkenstraße Nr. 6 für die Infanterie-Regimenter König und Kronprinz;
- für das Cuirassierregiment Prinz Carl Zweibrückenstraße Nr. 18;
- für die Artillerie in der Kanal - und Pferdstraße; reitende Artillerie zwischen den beiden Isarbrücken, und
- die Maximilians-Caserne, ein Neubau, doch nur in einem Flügel vollendet, Salzstraße Nr. 23.
Außerdem hat auch die Gendarmerie eine eigene Caserne in der Weinstraße Nr. 10.
Der Cassations- und Revisionshof
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Cassations- und Revisionshof befindet sich im Akademiegebäude auf der Rückseite. Schon vor 1848 bestand dieser Gerichtshof, jedoch nur für die Rheinpfalz; als aber in jenem Jahre das Princip der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit zur Geltung
kam, wurde er zum obersten Gerichtshöfe des Reiches umgeschaffen. Er ist die letzte Instanz in allen Streitsachen, prüft die eingereichten Nichtigkeitsbeschwerden, und revidirt die schwurgerichtlichen Todesurtheile ex officio. Die Zeit der öffentlichen Sitzungen ist am Eingänge an der schwarzen Tafel abzulesen.
Das Conservatorium der Musik
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Conservatorium der Musik, seit 1846 bestehend, hat einen Direktor und 12 Lehrer für den Unterricht im Gesang, in der Harmonielehre, in der Composition und im Contrapunkt, im Clavier-, Orgel-, Violin- und Violoncellspiel, und in der italienischen Sprache. Direktor ist gegenwärtig Fr. Hauser.
Die Lokalität befindet sich in der II. Etage des k. Odeons, und besteht aus einem geräumigen Saal zu Produktionen mit einer vortrefflichen Orgel von Walker in Ludwigsburg, und sieben Lehrzimmern.
Die Hauptaufgabe dieses viele Zöglinge zählenden Instituts besteht in der Bildung von Sängern für Kirche, Concert und Theater. Der Zutritt zu dem Unterricht, wofür ein jährliches Honorar von 100 st. in vierteljähriger Vorausbezahlung entrichtet wird, ist In- und Ausländern ohne Unterschied des Geschlechtes gestattet, und die Vorbedingungen der Aufnahme sind die Nachweise eines Alters von mindestens 10, und für die höheren Klassen von mindestens 18 Jahren bei den Schülern, und von mindestens 16 Jahren bei den Schülerinnen, eine angemessene Schulbildung, entsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten in der Musik und untadelhafte Sittlichkeit.
Die Dauer der Studienzeit ist auf 3 Jahre festgesetzt, vor deren Ablauf kein Schüler ohne Erlanbniß des Direktors austreten darf. Das Schuljahr beginnt jährlich am 13. September und endet am 13. Juli.
Ungenügend Vorbereitete finden in der mit dem Institute verbundenen Borbereitungsklasse Gelegenheit, den zur Aufnahme erforderlichen Bildungsgrad zu erlangen.
Das adelige Damenstift
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das adelige Damenstift, an der Ludwigsstraße Nr. 14, wurde von 1834 —1836 nach dem Plane des Oberbaurathes F. von Gärtner erbaut. Die Fonds der Stiftung datiren aus dem Jahre 1787, dieselben haben sich aber durch die ansehnlichen Miethzinse des neuen Gebäudes bedeutend vermehrt. Es befinden sich in dessen Räumen die Bureaux des Genie-Corps-Commando, die Administration des Centralschulbücherverlags, und mehrere Privatwohnungen. Das Maximilians-Waisenstift im Hinterhause wird nach Neuberghausen verlegt.
Denkmale
Nagler - Acht Tage in München (1853)
Denkmale besitzt München viele, theils von ausgezeichnetem Kunstwerthe.
Aeltere:
1) Das Monument des Kaisers Ludwig des Bayern in der Frauenkirche, s. D.
2) Das Standbild Otto's von Wittelsbach in dem Brunnenhofe der alten Residenz, aus der Veste Albert IV.
3) Die Mariensäule auf dem Marienplatze, s. D.
Neuere:
4) Die Reiterstatue des Churfürsten Maximilian!., s. Wittelsbacher Platz.
5) Die Statue des Königs Maximilian I., s. Max-Josephs-Platz.
6) Standbild des Churfürsten Max Emanuel, s. Promenadeplatz.
7) Grabmonument und Statue des Herzogs von Leuchtenberg, siehe St. Michaelskirche.
8—12) Die Statuen von Orlando di Lasso, Gluck, Baron von Kreitmayer und Lorenz Westenrieder, s. Promenadeplatz.
13) Die Statue des Generals Dero i, s. Maximiliansstraße.
14) Die Statue des Philosophen Schelling, s. Maximiliansstraße.
13) Das Reiterbild des Königs Ludwig I., s. Ludwigs-Monument.
16) Das Standbild des Friedrich v. Schiller an derBriennerstraße und am Maximiliansplatz, s. Maximilians- od. Dultplatz.
17) Die Denkmäler auf dem Gottesacker, s. Gottesacker.
18) Der Obelisk, s. D.
Dreifaltigkeitskapelle
Nagler - Acht Tage in München (1963)
Die hl. Dreifaltigkeitskapelle, ehedem auf dem Gottesacker des heil. Geistspitals, s. Geschichte v. München S. 30.
Dulten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Dulten, oder Jahrmärkte finden jährlich zweimal statt, vom 6. Jänner und vom 23. Juli an immer 14 Tage. Die Jakobi-Dult nahm auf dem Anger vor der Kirche des hl. Jakob ihren Ursprung, und man glaubt das Wort Dult sei von Inäultus oder Inäulgentiu (Ablaß) herzuleiten. Die älteste Jndulgenz, welche die Kirche erhielt, datirt von 1257, eine spätere wurde bei Gelegenheit der Ausstellung der Reliquien des Klosters Andechs 1387 ertheilt. Die zu jener Zeit gehaltene Messe, oder Dult soll unserer Jakobi-Dult den Ursprung gegeben haben. Allein dieser Markt bestand schon früher aus dem Platze vor der St. Jakobskirche, und das Wort Dult ist gleichbedeutend mit „Patrocinium", wie aus Urkunden von 1402 und 1431 erhellet.
Dultstände - Magazin
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Dultstände - Magazin, (städtisches) an der Findlingsstraße vor dem Sendlingerthor. Es wurde in den Jahren 1830 und 1831 erbaut, um für die in den Zwingern und hinter den Mauern vom Einlaß bis zum Angcrthor untergebrachten Dultstände einen passenden Aufbewahrungsort zu schaffen, weil der bisherige durch den Bau der neuen Schrannenhalle verloren ging. In diesem Magazin werden auch diejenigen größeren Geräthschafteu aufbewahrt, welche zum Fluß- und Wasserbau nöthig sind, sowie auch die Requisiten und Holztheile zu den Schaugerüsten und Buden des Oktoberfestes.
Dultplatz
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Dultplatz, s. Maximiliansplatz.
Der englische Garten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der englische Garten ist ein beneidenswerther Park mit seinen Wiesen, Baumgruppen, Waldungen, schattigen Gängen, sonnigen Ruheplätzen, reizenden Partien, Straßen, Wegen, und Kanälen, Hütten, Tempeln und Wirthschaften. Er wurde 1793 dem Publikum geöffnet, erhielt aber erst später durch den Hofgarten - Intendanten Skell seine jetzige Anlage. Diejenigen, welche eine Wanderung durch diesen Garten unternehmen wollen, und des Weges unkundig sind, können sich eines niedlichen, bei G. Franz in der Perusagasse Nr. 4 erschienenen Tascheuplanes (Preis 20 kr.) bedienen. Der Garten ist l'/2 Stunde laug, und hat einen Flächeninhalt von 693 Tagwerk.
Aus dem k. Hofgarten gelangt man in die Königinstraße, und rechts au dieser erhebt sich auf einem Piedestale die Statue eines Jünglings, dessen Einladung zum Naturgenussie am Postamente steht. Sie beginnt mit dem Worte „harmlos", und daher nennt man diesen Jüngling häufig Harmlos. Er ist das Werk des älteren Schwanthaler.
Das erste Haus der Straße ist seit Jahren Palais des Prinzen Carl von Bayern. An seiner Stelle breitete sich der Garten der Theatiner aus, zu welchem auch der Wall gehörte, welcher an der Galleriestraße noch sichtbar ist. Das neue Palais wurde 18t 1 nach dem Plane des Architekten Karl von Fischer im Auftrage des Ministers Salabert erbaut, die Erweiterung gegen die Frühlingsstraße ließ aber der gegenwärtige Besitzer nach dem Plane des Baurathes F. Eichheim vornehmen. Links von diesem Palaste zieht sich am Westrande des englischen Gartens die Königinstraße mit einer Reihe von Villen hinab, und an diese schließt sich das Cafe Fritsch mit einem freundlichen Garten. Weiter unten erhebt sich das Gebäude der k. Central Veterinärschule, als solche seit 1810 bestehend. Der Bau datirt aber aus dem Jahre 1790, in welchem eine Thier- Arzneischule errichtet wurde.
Von da in den Garten hinein und über die Brücke gelangt man auf einem schattigen Wege nach, dem chinesischen Thurm, welcher in seiner Holzkonstruktiou den Porzellanthurm in Pecking gerade nicht zu Schanden macht. Auf diese Idee verfiel 1790 der Graf von Rumford, dessen Verdienste um die Anlage des Gartens übrigens die höchste Anerkennung verdienen.
Der Churfürst CarlTheodor verwirklichte in diesem Garten einen Liebtingsplan, und zierte ihn auch mit Gebäuden. Reben dem Thurme wurde das gegenwärtige Wirthsgebäude mit den Stallungen erbaut, und nicht ferne davon ist ein Garten-Salon errichtet, der heutige Rumfordsaal. Den Plan zu diesen Gebäuden, sowie zu einem Apollotempel fertigte der Ingenieur und
Hofkriegsrath Joh. Bapt. Lechner unter Einwirkung des Grafen Rumford. Im Jahre 1798 standen die Gebäude fertig da.
Vom chinesischen Thurme südwärts gelangt man nach dem Monoptcros, welchen König Ludwig I. nach dem Plane des L. v. Klenze auf einem künstlichen Berge erbauen ließ. Die Kosten beliefen sich auf 42,000fl., und als ein Werk des reinsten griechischen Styls ist er die erste Zierde der Anlage. König Ludwig setzte damit dem Begründer des englischen Gartens, dem Churfürsten Karl Theodor, und dessen Vollender, dem König Maximilian I., ein großartiges Monument.
Nördlich vom chinesischen Thurm breitet sich ein See aus, welcher 1802 angelegt wurde. Das Monument am jenseitigen Ufer, welches der Bildhauer Bandel aus Stein fertigte, ist dem Hofgarten-Inteudanten F. v. Skell geweiht, nach dessen Plan der Garten die Vollendung erhielt.
Auf der oberen Seite des Gartens, in gerader Linie vom Palais des Prinzen Karl herab, fand auch Graf Rumford ein Monument, die Inschrift ehrt ihn aber mehr, als der zopfige Gedenkstein. Er wurde unter der Regierung des Königs Maximilian I. gesetzt.
In der Nähe des Sees befindet stch die Wirthschaft Klein-Hesselohe, und weiter unten führt die über den Kanal gehende Brücke nach den Anlagen von Biederstein. Das freundliche Schlößchen war der Landaufenthalt des Königs Maximilian I., und nach dessen Tode (1828) bewohnte es häufig die Königin Karoline. Der jetzige Besitzer ist Fürst Theodor von Taxis, welchem das Schloß als Hochzeitsgeschenk von der Herzogin Louise Max in Bayern zufiel. Bei Biederstein führt ein Kanal in nördlicher Richtung nach Garching, und geht dann im rechten Winkel nach Schleißheim hinauf. Auf diesem Kanäle fuhren frühere Churfürsteu in Prachtgondeln nach dem erwähnten Lustschloße.
Am Ende des englischen Gartens, 1½ Stunde von München entfernt, liegt auf einem angenehmen Platze das Försterhaus mit
Wirthschaft, der Aumeister genannt.
Wenden wir uns nach der Südostseite des Gartens, so kommen wir zu dem großartigen Etablissement des Herrn v. Maffei, zu dessen Maschinenfabrik. In der Hirschau erbaut, mit ausgedehnten Werkstätten, liefert sie alle Arten von Maschinen, besonders Locomotiven. Aus dieser Fabrik ging 1884 die Semmering Preis-Locomotive „Bavaria" hervor. Den 4. Mai 1861 wurde die 400ste Locomotive im Festzuge nach dem Münchener Bahnhof gebracht, von welchem aus sie unter dem Namen „Maffei" die Schienen befährt. Diese Maschinenfabrik gehört zu den großartigsten technischen Etablissements Deutschlands. Es ist auch eine Eisengießerei damit verbunden. Je nach Bedarf kann sie 1200 Arbeiter beschäftigen.
Weiter aufwärts liegt das sogenannte Milchhäuschen, und seitwärts von diesem am Rande des Gartens die freundliche Wirthschaft Tivoli. Nicht weit davon, am Kanäle im Garten ist die Naturheilanstalt zum „Dianenbad", über welches wir oben einen eigenen Artikel geliefert haben.
Wer vom Dianenbad an den Waldweg nach der Stadt verfolgt, gelangt nach dem Paradiesgarten, dessen Areal außerhalb des englischen Gartens liegt, aber unmittelbar an denselben stößt. Ursprünglich ein Gartenhaus am Damme nach dem Lehel, welches aus der Zeit des Churfürsten Karl Theodor stammte, wurde das gegenwärtige Wirthschaftsgebäude vor ungefähr 30 Jahren errichtet, und seit dieser Zeit hatte der Paradiesgarten zahlreichen Zuspruch.
Im Verfolge der Straße nach der Stadt gelangt man an dem Palais des Prinzen Karl von Bayern an, wer aber aus dem Hofgarten kommt, und den englischen Garten besuchen will, wird sich am Palais besinnen, ob er die Wanderung am Westrande durch die Königinstraße, oder üben die Brücke nach dem Paradiesgarten, dem ^.ianenbad, dem chinesischen Thurm und weiter hinab nach den beschriebenen Localitäten machen will. Vom chinesischen Thurm südwärts nach Tivoli führt auch der Weg über die Jsarbrücke nach Brunnthal und Bogenhausen. Wir handeln darüber im Abschnitt über die Excursionen in die nächste Umgebung der Stadt.
Erziehungs-Institut für Studirende
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Erziehungs-Institut für Studirende, an der Karmelitengasse Nr. 1, nimmt das von Maximilian I. votirte, aber erst von seinem Sohne Ferdinand Maria erbaute, und 1660 eingeweihte Kloster der Karmeliten ein. Die von Hans Conrad Asp er erbaute Kirche erhielt 1802 durch den Baudirektor Nikolaus v. Schedel die jetzige Fayade, und bald darauf wurde im Kloster das Lyceum, Gymnasium und Erziehungsinstitut eröffnet. Für diese Kirche malte Peter v. Langer von 1814 —1816 ein kolossales Altarbild, welches Christus vorstellt, wie er die Kleinen zu sich kommen läßt. Dieses Gemälde enthielt mehrere weibliche Nacktheiten, welche des Anstosses wegen zuletzt bedeckt wurden. Als die Benediktiner von Metten das Institut übernahmen, wurde das Altarbild ganz entfernt. An der Stelle desselben ist jetzt wieder das frühere Altargemälde mit der heil. Jungfrau auf Wolken von Heiligen umgeben. Dieses Bild ist von Nikolaus Pfieger ( † 1688), und jenes der heil. Anna von Michael Gumpp.
Ethnographische Sammlung
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die ethnographische Sammlung, besonders reich an Gegenständen aus Brasilien, befindet sich im ehemaligen Jesuitengebäude, an der Neuhausergasse Nr. 81 im zweiten Stocke.
Die Feiertagsschule
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Feiertagsschule wurde 1793 durch den Professor der Militär-Akademie Franz Xaver Kefer gegründet, und der Bestand derselben war ein segensreicher. Kefer richtete die Schule in einem Privathause an der Angerbachgasse ein, der Churfürst Karl Theodor überließ aber bald darauf der Anstalt einen Theil des von Max Emanuel gegründeten Hof-Waisenhauses an der Kreuzstraße Nr. 28. Im Jahre 1803 wurde dieses Institut aufgelöst, und der damalige Churfiirst Maximilian Joseph ließ der Schule vollen Schutz angedeihen. Im Jahre 1808 richtete der Professor Mitterer eine lithographische Anstalt ein, da der Staat von Alois Senefelder das Geheimniß der neuen Kunst angekauft hatte. Aus dieser Anstalt gingen Tausende von Zeichnnngsvorlagen für die Schulen Bayerns hervor. Im Jahre 1815 erwarb sie Mitterer, und nach seinem Tode gelangte sie in den Besitz des Professors Schopf. In dem erwähnten Gebäude bestand bis 1816 auch die Realschule, an deren Stelle damals die höhere Bürgerschule trat, welche noch besteht.
Feste
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Feste. Mit besonderem Glanze werden die kirchlichen Feste gefeiert. In den letzten Tagen der Charwoche ist in jeder Kirche ein heil. Grab aufgerichtet, und in der St. Michaels- und Allerheiligen - Kirche hört man Meisterwerke alter Tonkünstler. Am Fronleichnamsfeste findet eine glänzende Prozession statt, welcher selbst der König mit großem Cortege beiwohnt. Es besteht seit dem Jahre 1394, und der Zug ging von der Mitte des 16. Jahrhunderts an durch den Zwinger. Am Allerseelenfeste schmückt die kindliche Pietät die Gräber der dahingeschiedenen Lieben. Die Geburt des Erlösers zu Weihnachten wird um Mitternacht mit einer Mette und einem Hochamte gefeiert.
Es fehlt auch nicht an Belustigungsfesten. Der Carneval hat überall seinen Mummenschanz und seine Balle. Der Faschings- Montag bringt aber den eigenthümlichen Metzgersprung in den Fischbrunnen. Der Ursprung dieses originellen Festes der Metzger ist nicht bekannt. Es datirt aus alter Zeit nach dem Aufhören der Pest, vielleicht von 1613. In der St. Peterskirche ist ein Gemälde, welches an die Pest in jenem Jahre erinnert; das Bild hat die Jahrzahl 1517. Ein altes Herkommen ist auch der Schäfflertanz, welcher aber nur alle sieben Jahre während des Carnevals stattfindet. Das großartigste Fest ist indessen das Oktober-Fest, welches den 18. Oktober 1810 bei der Vermählung des Königs Ludwig mit der Prinzessin Therese von Sachsen-Altenburg gegründet wurde. Es findet alljährlich auf der Theresien- Wiese statt, zieht Tausende von Menschen herbei und ist auch ein landwirthschaftliches Fest, s. Oktoberfest.
Das alte Franziskaner-Kloster
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das alte Franziskaner-Kloster von 1286—1294, siehe Geschichte von München S. 32.
Gabelsberger Stenographen-Central-Verein
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Gabelsberger Stenographen-Central-Verein. Weit über die Gränzen Deutschlands hinaus ist der Ruf des Erfinders der Stenographie, des Xaver Gabelsberger, gedrungen, und König Maximilian II. benannte unlängst eine Straße nach ihm. Wenige Tage nach seinem am 4. Jänner 1849 erfolgten Tod einigten sich seine Schüler zur Sttftung eines Vereins unter dem Namen: Gabelsberger Stenographen-Centralverein, und ihr Streben ging dahin, Einheit in der Erhaltung und Fortbildung der Stenographie und möglichste Verbreitung derselben durch Unterricht und Lehrmittel zu erzielen. Bis zum Jahre 1830 waren in München nur 60 Mitglieder, und 25 auswärtige korrespondirten. Gegenwärtig zählt der Verein 400 Mitglieder, und 53 Zweigvereine schließen sich an. Der Central-Verein in München hält jeden Monat eine Generalversammlung, und jede Woche ein Uebungskränzchen. In wie weitem Kreise jetzt die Stenographie verbreitet ist, und wie wohlthätig diese Kunst wirkt, ist bekannt. Als Lehrmittel an Schulen in Bayern dient vorzüglich die auf Veranlassung unsers Vereins herausgegebene Preisschrift.
Der Gasteig
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Gasteig wird schon in derfrühern Geschichte von München, im 13. Jahrhundert genannt, indem sich auf demselben das Leprosenhaus, eine Anstalt zur Aufnahme von Unheilbaren befand. Wir haben darüber in der Geschichte von München S. 30 berichtet. Die Spitalgebäude mußten Anfangs des Jahres 1863 weichen, da die Anlagen vom Maximilianeum aufwärts fortgesetzt werden. Den Unheilbaren ist jetzt das Irrenhaus in Giesing eingeräumt, die St. Nikolauskirche am Gasteige bleibt aber erhalten, sowie die angrenzende Lorettokapelle. Das alte Bersorgungshaus auf der Anhöhe gegenüber, früher Schloß Schwanenburg , wurde 1861 abgebrochen und für den Zweck neu und bedeutend vergrößert aufgebaut, s. Armenversorgungshaus.
Gedenk- und Geschichtstafeln
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Gedenk- und Geschichtstafeln sind unter der Regierung des Königs Maximilian II. an mehreren Häusern angebracht worden, um die Erinnerung an berühmte Männer und historisch-merkwürdige, aber verschwundene Lokalitäten fest zu halten. Sie halten indessen nicht alle die strenge Kritik aus.
Das kgl. General-Conservatorium
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das kgl. General-Conservatorium der wissenschaftlichen Sammlungen des Staates befindet sich im Jesuitengebäude an der Neuhausergasse Nr. 81. Ueber die einzelnen Zweige desselben handeln wir an den betreffenden Stellen. Wer über die diesem Conservatorium untergeordneten Attribute, Kabinete und Sammlungen sich genau unterrichten will, s. die Schrift: Die k. Akademie der Wissenschaften und das k. Gencral-Eonservatorium der wissenschaftlichen Sammlungen. München bei Georg Franz.
Das geognostische Cabinet
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das geognostische Cabinet, im ehemaligen Jesuitengebäude an der Neuhausergasse Nr. 81, bietet die geognostisch-oryktognostische Repräsentation des bayerischen Gebietes, die allgemeine Petrographie, die Nachbildung der vorzüglichsten thätigen und erloschenen Vulkane, die geognostischen Suiten der Lander Europas, Pflanzenformen der Steinkohlenbildungen ec.
Die Gewehr- und Sattelkammer
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Gewehr- und Sattelkammer befindet sich in dem alten Gebäude am Marstallplatze Nr. 8, links von der k. Reitschule. Neben den prächtigen neuen Krönungs- und Gallawägen sieht man hier auch sehr alte, historisch merkwürdige Carossen. Darin sind auch die Pferdegeschirre und die Sammlung von Gewehre Dolchen, Messern u. s. w. Die Zeit des Besuches ist aus dem Tages-Anzeiger zu entnehmen.
Gewerbeschule
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Gewerbeschule befindet sich im Damenstiftsgebäude an der Damenstiftsstraße Nr. 2. Wir werden unter „Polytechnische Schule daraus zurückkommen.
Giesing
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Giesing, auf der Isaranhöhe ober der Au, kommt schon 772 unter dem Namen Kyesinga vor, blieb aber immer ein einfaches Dorf. Jetzt ist es mit der Au, und Haidhausen unter „München rechts der Isar" begriffen. Das daselbst von 1800—1860 bestandene Irrenhaus bezogen die Unheilbaren vom Gasteigberge, indem aus den Lüften eine neue Kreis-Irrenanstalt eröffnet ist. Ausserdem befindet sich in Giesing die v. Eichthal'sche Lederfabrik, und wer nach einer guten Wirlhschaft sucht, findet auf dem Berge den sogenannten Weinbauer.
Der Glasgarten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Glasgarten, an der Blumenstraße Nr. 19, ist aus dem des ChurfürstenCarl Theodor. Die gegenwärtige Fasade erhielt aber
das Haus erst in neuester Zeit. Der Tanzsaal ist elegant eingerichtet, und die musikalischen Produktionen ziehen das Publikum an. Den Tag bestimmt der Tages-Anzeiger.
Der Gottesacker vor dem Sendlinger Thore
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Gottesacker vor dem Sendlinger Thore an der Thalkirchner - Straße wurde 1877 angelegt, und zum Unterschiede der noch an den Kirchen der Stadt bestehenden Friedhöfe der „ferrer Gottesacker" genannt. Im Jahre 1789 wurden alle
inneren Leichenäcker aufgehoben, und daher mußte der Raum des allgemeinen Gottesackers vergrößert werden. Die jetzige Gestalt erhielt er aber erst 1818 nach dem Plane des Baurathes Vorherr, welcher in den Umrissen die Form eines großen Sarges festhielt, und am breiteren Theile die Arkaden im Halbkreise einbaute.
Die Halle des daranstoffenden neuen Gottesackers wurde 1846 nach dem Plane des Oberbaurathes F. v. Gärtner erbaut. Die
B Gräber wurden bis 1790 ausschließlich mit Kreuzen geziert, und wer viel verwenden wollte, setzte ein grosses Kreuz von Eisen. Franz Schwanthaler, der Vater des Ludwig von Schwanthaler, war der erste, welcher eine trauernde weibliche Figur bei der Urne aufstellte, fand aber mit dieser Neuerung solchen Anstoß, daß die Statue zur Nachtszeit zerstört wurde. Allein von dieser Zeit an war die Bahn gebrochen, und Schwanthaler setzte nach und nach 80 Denkmale, welche aber bis auf wenige der Witterung erlagen. Dieser Künstler starb 1820, und von dieser Zeit an erhoben sich zahlreiche Monumente, so daß jetzt der Gottesacker reich an schönen Werken aller Art ist. Die Auswahl überlassen wir dem Wanderer, welcher nach dem, was
gesagt, keine alten Monumente suchen wird. Doch machen wir auf die alte Denksäule rechts vom Mittelgange des Kirchhofes aufmerksam. Sie stand ehedem an der Stelle der unter Albrecht IV. 1480 demolirten Kapelle Unsers Herrn beim Schwabinger Thore. Das colossale Krucifix auf dem neuen Gottesacker ist nach dem Modelle des Professors Halbig in Bronze gegossen. Die im mittelalterlichen Style erbauten Arkaden enthalten Prachtmonumente. Darunter sind die colossalen Figuren der berühmten Aerzte F. v. Walther und von Breslau von Halbig ausgeführt. Das schöne Freskobild mit der Erweckung der Tochter des Jairus ist von Professor Schraudolph gemalt.
Ueber die Gottesacker-Kirche zum hl. Stephan werden wir unten handeln. (Bei G. Franz in München erschien ein Plan der beiden Gottesäcker;mit Nummerirung und Angabe der hervorragendsten Monumente (Preis 18 kr.). Auch Abbildungen von Denkmälern sind vorhanden: Auswahl der vorzüglichsten Denkmale der Münchener Kirchhofes von R. Gottgetreu. 3 Hefte, a Heft i fl. 18 kr., und von Berger 1 Heft zu 1 fi. 3« kr.)
Der Gottesacker der Israeliten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Gottesacker der Israeliten, eine Viertelstunde westwärts vom allgemeinen Gottesacker, wurde 1816 unter der Regierung des Königs Maximilian I. angelegt, da den Juden seit ihrer Vertreibung unter Albert III. 1442 nicht mehr gestattet war, einen eigenen Gottesacker zu benützen. Die Herzoge Ernst und Wilhelm hatten ihnen 1416 einen Platz an der Dachauerstraße überlassen, in der Gegend des sogenannten Wiesenfeldes, da wo jetzt das Anwesen Nr. 24 sich befindet. Der Platz war damals unwirthsam, und daher wurde in derselben Richtung auch dem Wasenmeister eine Stelle angewiesen. Die Juden mußten nach ihrer Verfolgung die Todten nach Kriegshaber bringen lassen, und somit war die Gestattung des Gottesackers eine Wohlthat. Man findet jetzt schöne Monnmente auf demselben.
Gymnasien
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Gymnasien mit obligaten Lateinschulen gibt es drei; das älteste ist aber das Wilhelms - Gymnasium an der Herzog - Spitalgafse. Herzog Albert derGroßmüthige stiftete den 21. Novbr. IRLS eine Gymnastisch-orthopäd. u. elektrische Anstalt — Haidhausen. 68 höhere lateinische Schule, und übertrug die Leitung und den Unterricht den Jesuiten. Im Jahre 1860 wurde dieses alte Gymnasium eröffnet, und 1860 feierte es das Jubelfest des dreihundertjährigen Bestandes. Mit dem Jesuiten-Gymnasium verband Herzog Wilhelm V. ein Seminarium, welches jetzt an der Karmelitengasse Nr. 1 von den P. P. Benediktinern versehen wird. Neuere Schöpfungen sind das Ludwigs- und das Maximilians-Gymnasium.
Haidhausen
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Haidhausen, mit der Au und Giesing jetzt München rechts der Isar, wird schon 808 urkundlich (Heidhusir) genannt, und besteht fortan als Dorf mit einer Kirche. Im Jahre 1685 erhielt Franz Pangratz von Leiblfing die Jurisdiktion über die Hofmark, welche nach mehrmaligem Besitzwechsel 1826 an den Staat überging. Im Jahre 1834 zogen die Frauen vom guten Hirten in das Schloß des Leiblfinger ein, und 1840 wurde dieses zum Kloster erweitert, wie die beigegebene Vignette zeigt. Die Frauen besorgen ein Institut für verwahrloste und arme Mädchen, welche in den Räumen des Klosters unter Aufsicht stehen. In Haidhausen ist auch eine Kinderbewahranstalt, ein Pfründnerhaus, und seit 1834 ein schönes und zweckmäßig eingerichtetes Krankenhaus. Eine Zierde der Vorstadt ist die neue von Mathias Berger im gothischen Style erbaute Pfarrkirche. Die ältere,
am Ostende des ehemaligen Dorfes erbaute St. Johannes-Kirche stammt in der jetzigen Gestalt aus dem 17. Jahrhundert, und
war schon lange zu klein für die wachsende Bevölkerung. Die 70 Handzeichnuugs-Cabinet — Heilanstalten. Kirche hatte aber zum Neubau nicht hinreichende Mittel, und daher ergriff der würdige Pfarrer, Herr Walser, den Wanderstab, um fromme Beiträge zum Baue zu sammeln. Die Kirche ist noch nicht vollendet, gegenwärtig ist aber die Spitze im Bau begriffen. Das Schiff der Kirche kann die Altäre aufnehmen, und schon ist der Hochaltar von Marmor mit Christus und Johannes am Jordan in Arbeit. Die am Maximiliane um vorbeiführende Straße verbindet jetzt Haidhausen mit der Stadt.
Oestlich von Haidhausen liegt Berg am Laim, mit einem Institut der englischen Fräulein und einer Kirche.
Die Hauptwache
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Hauptwache am Marienplatze wurde unter Maximilian III. (✝ 1777) eingerichtet. Früher war die ganze Reihe der Häuser bis in die Weinstraße hin mit Arkaden zum Gebrauche der Schranne versehen, und die Hauptwache halte ein auf dem Platze stehendes, vom Chursiirsten Ferdinand Maria 1686 erbautes Häuschen inne, welches Maximilian III. niederreißen ließ. Vor der Regierung des Ferdinand Maria bestand keine eigene Hauptwache, indem die Bürger und Stadtsöldner alle Posten versahen. Auch erwartet man noch gegenwärtig ein neues, der Hauptstadt entsprechendes Wachtgebäude. Jetzt spielt Mittags zur Ablösung die Militärmusik, sowie an den Vorabenden allerhöchster Namens- und Geburtsfeste. Am Charfreitage findet hier eine Trauermusik statt.
Heilanstalten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Heilanstalten. Äusser dem allgemeinen Krankenhause (s. d.) erwähnen wir:
1. Das Militär-Lazareth (s. d.)
2. Die Kreis-Irrenanstalt (s. d.)
3. Das Spital der Unheilbaren, bisher am Gasteig, aber jetzt in Giesing.
4. Or. Steinbacher's Naturheilanstalt, Ottostraße Nr. 3.
3. Das Kinderspital des Hofstabsarztes Dr. Buchner.
6. Das Kinderspital des Prof. vr. Haun er, Jägerstr. Nr. 9.
7. Die Augenheilanstalt von Dr. Rothmund, von Dr. Schlagintweit 1822 gegründet, Mathildenstraße Nr. 9.
8. Die Augen- u. Kinderheilanstalt, Viktualienmarkt Nr. 9.
9. Die von Or. Rain er gegründete Besuchsanstalt für Kinder, Augen- und Ohrenkranke, unter Leitung des Dr. Wimmer.
10. Das orthopädische Institut von Professor Schlotthauer, Frauenhoferstraße Nr. 2.
11. Die Sprachheilanstalt von dem Wundarzt Strobl, Windenmachergasse Nr. 3.
12. Das homöopathische Spital des Dr. Joseph Buchner, Wiesenstraße Nr. 6.
13. Die gymnastisch - orthopädische und elektrische Anstalt von Dr. M. Knorr, Rsidenzstraße Nr. 6.
14. Die gymnastische und orthopädische Anstalt von Ludwig Krieger, Nymphenburgerstraße Nr. 22.
15. Die Naturheilanstalt von Lindemann (Dr. Gleich), Müllerstraße Nr. 19.
16. Die Naturheilanstalten in Brunnthal und Dianenbad (s. d.).
Das Herbarium
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Herbarium befindet sich dermal noch als Attribut der Akademie der Wissenschaften im Jesuitengebäude au der Neuhausergasse Nr. 51. Es umfaßt auch das reiche brasilianische, und das an griechischen Pflanzen sehr vollständige Herbarium der Universität. Conservator Dr. v. Martins. Vgl. auch botanischer Garten.
Das k. Hof- und National-Theater
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das k. Hof- und National-Theater an der Ostseite des Max-Josephs-Platzes, wurde in der gegenwärtigen Gestalt von 1823—1825 hergestellt, da der frühere fast ähnliche Bau am 14. Jan. 1823 ein Raub der Flammen wurde. Den Plan dazu fertigte Carl von Fischer, der Vorgänger des F. von Gärtner in der Professur an der Akademie, und der Kronprinz Ludwig legte am 26. Oktober 1811 den Grundstein. Im Jahre 1818 wurde das Theater eröffnet, aber nach wenigen Jahren zerstörte der nächtliche Brand alles bis auf die Mauern. Diese wurden beibehalten, und somit hielt sich Leo v. Klenze im Wesentlichen an den alten Plan. Am 2. Jänner 1825 fand die feierliche Eröffnung statt. Das Theater hat eine Länge von 335 Fuß und eine Breite von 195 Fuß. Der Portikus mit seinen acht korinthischen Säulen erhebt sich auf einem 12 Fuß hohen Unterbau, und ist mit einem Giebelfelde versehen, welches man mit einer Attika vertauschen möchte, da auch der 150 Fuß hohe Hauptbau mit einem Giebelfelde geziert sehn muß. Die Entwürfe zu den Frescobildern in den Feldern fertigte L. v. Schwanthaler, und Professor Hiltensperger und Nilson führten sie polychromisch aus.
Durch die mit vier korinthischen Säulen gezierte Vorhalle gelangt man zu den rechts und links angebrachten Marmortreppen, welche zu den Sälen vor der großen Hofloge führen. In den Corridors stehen Statuen von Marmor, jene des Sophokles und Euripides von I. Haller, des Schiller und Goethe von Stiglmayer, und des Menander, Shakespeare und Calderon von L. Schwanthaler gefertigt. Die drei Flügelthüren führen in den Zuschauerraum, au den beiden Seiten zu den Logen und den Gallerie, durch den Mitteleingang in das Parterre, lieber diesem erheben sich sechs Logenreihen, und auch der übrige Raum macht noch einen kolossalen Eindruck. Im Jahre 1853 wurde das Innere in glänzender Weise restaurirt. Der vergoldete Kronleuchter hat 400 Gasflammen, und die Armleuchter an den Logenreihen zählen deren 296. Der Vorhang stellt die Aurora nach Guido Reni's Frescobild in der Villa Rospigliosi zu Rom vor.
Der ursprüngliche Bau hatte 1,920,000 fl. gekostet, der Neubau erforderte an Bau- und Einrichtungskosten 958,356 fl. 30 ½ kr. Die Ausgaben erliefen der Stadt, sie erhielt aber dafür einen Vierpfennig. (Ausführlicheres findet man in der Schrift: Das k. Hof- und Nationaltheater-Gebäude, seine innere Einrichtung, Maschinerie und Feuersicherheits-Maßregeln, von F. Meiser. Mit einer Ansicht, zwei Grundrissen und einem Durchschnitt. München bei Georg Franz, gr. 8. Cartonirt 1 fl. 30 kr. Zm Vorstoß des Einbandes ist ein lithographirter Grundriß des Zuschauerraumes mit Nummerirung der Sitze beigefügt. Der Tagesanzeiger macht das Weitere bekannt. Um die Einrichtung im Innern zu sehen, wendet man sich an den k. Theater-Inspektor.)
Das homöopathische Spital
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das homöopathische Spital wurde 1836 von Freunden der neuen Lehre gegründet, dann als Poliklinik fortgeführt, und seit 1889 wieder in ein Spital, Wiesenstraße Nr. 6, umgestaltet, damit Unbemittelte bei schwerer Erkrankung Gelegenheit finden, ihrem medicinischen Glauben getreu zu bleiben. Raum gibt's nur für 16 Kranke, weßhalb nicht alle Hilfesuchenden ausgenommen werden können.
Die freiwilligen Beitrage der Vereinsmitglieder betragen jährlich 1860 fl.
Die Hypotheken- und Wechselbank
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Hypotheken- und Wechselbank hat an der Residenzstraße Nr. 27, der alten Residenz gegenüber, das ehemalige
grafl. Preising'sche Palais inne, welches an die Feldherrnhalle stößt. Sie wurde 1838 unter dem Schutze des Staates von einer Aktiengesellschaft gegründet, welche nun Feuer-, eine Lebensversicherungs- und eine Rentenanstalt damit verbindet. Das Palais wurde um 1740 von J. Effner im Rococostyl erbaut.
Die St. Jakobs-Kirche
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die St. Jakobs-Kirche, an der unteren Angergasse Nr. 1, und das anstossende Kloster werden schon in der Urgeschichte von
München erwähnt, wie wir in der topographischen Geschichte der Stadt S. 28 gezeigt haben. Die innere, aber jetzt veränderte
Kirche wurde von 1220—1230 erbaut, die dem Publikum geöffnete äußere Kirche stammt aber aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die gegenwärtige Facade erhielt sie 1810 nach dem Plane des Professors Karl v. Fischer, welcher das gothische Gepräge gänzlich verwischt hatte. Alte Kunstwerke sucht man ebenfalls vergeblich darin. Ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes Steinbild der Madonna mit dem Kinde, welches wahrscheinlich durch Kaiser Ludwig den Bayer in das Kloster kam, da das Motiv der Madonna in Ettal zu Grunde liegt, befindet sich jetzt im k. Nationalmuseum. Das alte Refektorium mit Täfelwerk war bis 1842 erhalten, wurde aber damals ausgebrochen, da eine Abseite der inneren Kirche dazu eingerichte wurde. Zwei geschnitzte Pfeiler sind im zweiten Stocke des alten Hofes aufbewahrt. Die Gemälde und Altäre der innern Kirche sind verschwunden, die der äußeren stammen aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Das Bild der hl. Jungfrau, welches an die Stelle einer thronenden Maria kam, und das Bild der hl. Klara ist von Georg Desmares gemalt? Franz Joseph Winter führte die Altargemälde mit der mibefleckten Empfängniß, dem hl. Jakob und dem hl. Franziskus aus. Das damit verbundene, und von 1842—1843 erweiterte Kloster, ist seit 1841 Mutterhaus der armen Schulschwestern.
Das Institut für krüppelhafte Kinder
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Institut für krüppelhafte Kinder an der Staubstraße Nr. 13 a, wurde durch einen edlen Menschenfreund, I. R. von Kurz, im Jahre 1832 mit Privatmitteln gegründet, aber am 28. Februar 1844 zur Staatsanstalt erhoben. Die Zöglinge werden zum selbstständigen Betrieb einer freien Erwerbsart, als Holzschnitzerei, Graviren, mechanische Arbeiten re. vorbereitet, oder zum Uebertritt in ein ordentliches Gewerbe befähiget.
Das Institut für Pflanzen-Physiologie
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Institut für Pflanzen-Physiologie ist eine neue akademische Schöpfung des Königs Max II. von 1862. Es hat den Zweck, die Vorgänge der Entwicklung der Kulturgewächse einer experimentalen wissenschaftlichen Untersuchung zu unterwerfen. Die Leitung ist dem Professor Or. Nägele, dem Direktor des botanischen Gartens, übertragen.
Die Jubiläums-Stiftung
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Jubiläums-Stiftung, Kreuzstraße Nr. 2, ist eine Pfründe- Anstalt für das weibliche Geschlecht unter Leitung des Ordens der barmherzigen Schwestern. Durch freiwillige Beiträge (worunter 1000 fl. als Geschenk der Königin Marie) mit einem Dotationszuschuß des Magistrats von 6000 fl. gegründet, wurde die Anstalt den 7. Februar 1859 feierlich eröffnet.
Das Kinderhaus (Waisenhaus)
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Kinderhaus befindet sich an der Findlingstraße Nr. 3, in der Lokalität, welche 1784 für ein Findelhaus hergestellt wurde. Es ist zugleich auch das städtische Waisenhaus, s. d.
Das Kinderhospital
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Kinderhospital des vr. Hauner, Jägerstraße Nr. 9, ist ein wohlthätig wirkendes Institut, in welchem Kinder unentgeldlich geheilt werden. Auch außerhalb desselben werden Kinder ärztlich behandelt, und zum größten Theil unentgeldlich mit Medikamenten versehen. Im Jahre 1862 hatte das Institut einen Aktivfond von 36,431 fl.
Kleinkinder - Bewahranstalten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Kleinkinder - Bewahranstalten besitzt München links und rechts der Isar seit 1839 mehrere. In diesen werden Kinder von 3—6 Jahren des Tages beaufsichtiget und spielend für die Schule vorbereitet. Sie bekommen Mittags eine Suppe, theils unentgeldlich, theils für 1 kr. Solche Anstalten findet man: Theresienstraße Nr. 14, Louisenstraße Nr. 3, Westenriederstraße Nr. 2, Müllerstraße Nr. 7, Pfarrstraße Nr. 2½. In der Au: Hochstraße Nr. 8, Entenbachstraße Nr. 77. Haidhausen: St. Johannesplatz Nr. 3. Giesing: Kistlergasse Nr. 6. Die Prinzessin Alexandra ist Protektorin dieser Anstalten, welche größtentheils auf Schankungen und Vermächtnissen beruhen.
Klöster
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Klöster besaß München schon in der ältesten Zeit, und fortan bis zu der 1802 und 1803 erfolgten Säkularisation. Ueber die alten Klöster haben wir in der Geschichte von München gehandelt, und daher sollen nur diejenigen genannt werden, welche dem König Ludwig I. ihre Entstehung verdanken.
Die Abtei von St. Bonifaz, s. Basilika.
Die barmherzigen Schwestern, f. Krankenhaus.
Die armen Schulfchwestern, f. St. Jakob am Anger.
Die Franziskaner, f. Franziskaner-Klosterkirche-
Die Kapuziner, f. schmerzhafte Kapelle.
Die Frauen zum guten Hirten, s. Haidhausen.
Die Servitinncn, s. Herzog-Spital.
Die Niederbronnerschwestern zum allerheiligsten Erlöser am Lehel
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Niederbronnerschwestern zum allerheiligsten Erlöser am Lehel. Sie stammen aus dem Hause Niederbronn im Elsaß,- und widmen sich der Krankenpflege. Dieses Institut verdankt seine Entstehung dem Vincentius-Verein, und steht unter dessen Curatel. Im Oktober 1838 wurde das Klösterchen und das Oratorium eingeweiht. Das Altargemälde mit der heil. Jungfrau ist von A. Heß gemalt.
Die Krippenanstalten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Krippenanstalten in München, der Au und in Haidhausen stehen unter dem Protektorate der Prinzessin Adalbert. In denselben werden ganz kleine Kinder und Säuglinge armer Leute ausgenommen, welche ihrer täglichen Handarbeit nachgehen müssen. Für Aufsicht und Verpflegung wird ein geringer Ersatz gefordert.
Die Kunstfabrik kirchlich-plastischer Arbeiten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Kunstfabrik kirchlich-plastischer Arbeiten am Stiglmayer-Platz Nr. 1, wurde in der letzten Zeit von dem Inspektor der Beschäftigungs-Anstalt für krüppelhafte Kinder, I. G. Mayer, gegründet. Es gelang ihm, eine Masse zu erfinden, aus welcher Figuren in jeder Größe hergestellt werden können, die, wenn nach guten Modellen gefertiget und bemalt, eine Zierde von Kirchen und Zimmern seyn können. Die Anstalt beschäftigt viele Künstler und Former, da diese verhältnimäßig billigen Kunstsachen nach allen Richtungen verlangt werden. Auch Statuen in Holz werden geschnitzt. Dabei ist der Bildhauer I. Knabl betheiliget, einer der tüchtigsten Meister seines Faches. I. G. Kitzinger's Kunstanstalt für Oelfarbendruck auf Leinwand, hat alle Gattungen von Oelgemälden in großer Auswahl. Sonnenstraße Nr. 8, und Kaufingergasse Nr. 7. L. Schöning er 's galvanisch-Pholographische Kunst- Anstalt. Schwanthalerstraße Nr. 76.
Der Kunstverein
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Kunstverein, der erste dieser Art in Deutschland, fand 1820 seinen Anfang in einem Privathause, in jenem des Malers und Radirers Raphael Winter, und mehrere Künstler und Kunstfreunde nahmen an den Versammlungen Theil. Später öffnete der Kupferstecher und Kunsthändler Hermann seine Wohnung im sogenannten Himbselhause auf dem Maximilians-Platze, und den 26. November 1823 wählten 42 Künstler und Kunstfreunde den ersten Ausschuß. Von dieser Zeit an vermehrten sich die Mitglieder von Monat zu Monat, und daher wurde schon während des Baues des Bazar durch den Baurath Himbsel Anstalt getroffen, ein geeignetes Lokal in demselben zu erhalten. Himbsel bestimmte dazu den nördlichen Pavillon, in welchem sich der Verein seit vielen Jahren befindet. Er bezahlte anfangs für Miethe die Summe von 600 fl., dann 700, 900 und 1100 fl.,
eine Kleinigkeit für so lange Zeit. Der Verein besitzt auch noch ein Zimmer des Nachbars, so daß er vorläufig 1400 fl. Miethe bezahlt. In diesem Lokale findet eine beständige Ausstellung von Kunstwerken statt, und davon wird eine Anzahl zur Verloosung angekauft. Außerdem erhält jedes Mitglied jährlich die Nachbildung eines der angekauften Kunstwerke. Der Jahresbetrag ist für ein ordentliches Mitglied 12 fl., für ein außerordentliches 6 fl. Der Rechenschaftsbericht von 1862 weiset 3230 Mitglieder nach.
Fremde werden von einem Mitglied? eingeführt, und kann auch die Dauer des Zutrittes auf einen Monat ausgedehnt werden. Das Lokal ist täglich von 10 Uhr Morgens an bis Abends 6 Uhr, und im Sommer bis 7 Uhr offen.
Die Kunst-Zinkgießerei-Gesellschaft
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Kunst-Zinkgießerei-Gesellschaft, Karlsstraße Nr. 31, liefert Gußwaren aller Art, richtet aber ein Hauptaugenmerk auf Kunstprodukte. Aus dieser Anstalt ging die Bavaria auf dem bayerischen Nationalmuseum hervor. Auch die übrigen Gruppen wurden in Zink gegossen.
Künstler-Ateliers
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Künstler-Ateliers.
Bildhauer:
- Professor Halbig, im Damenstift.
- Professor Widnmann, Augustenstraße Rr. 4, und im Hofe des Akademiegebäudes.
- F. Brügger, Schwanthalerstraße Nr. 72.
- L. Schaller, Arcisstraße Nr. 8.
- Leeb, Briennerstraße Nr. 30.
- Lossow, Heustraße Nr. 4.
- Prof. I. Knabl, in der Mayer'schen Kunstfabrik, Stiglmayer-Platz Nr. 1.
- Entres, Herbststraße Nr. 3.
- Schönlaub, Schellingsstraße Nr. 26.
- Sickinger, Kasernstraße Nr. 15.
- Hautmann, im Schwanthaler-Museum.
- I. H. Ruf, Sendlinger Landstraße Nr. 17.
- K. Knoll, Schwanthalerstraße Nr. 1 u. s. w.
Maler:
- Direktor W. v. Kaulbach, im Lokale der Akademie der Künste.
- Professor M. v. Schwind, im Akademie-Gebäude.
- Professor Schraudolph, daselbst.
- Professor Hiltensperger, in der k. Residenz.
- P. v. Heß, Glücksstraße Nr. 10a.
- Professor Ph. Foltz, im Akademiegebäude.
- Professor Piloty, Louisenstraße Nr. 14, in der Akademie im Hofe, u. s. w.
Die Zahl trefflicher Maler jeden Faches ist hier groß. Weiteren Aufschluß erhält man im Kunstverein.
Die k. b. privilegirte Kunstanstalt von Piloty und Löhle befindet sich an der Louisenstraße Nr. 14, und ist durch großartige Unternehmungen bekannt. Das Werk der k. Pinakothek, das König-Ludwigs-Album, die Gallerie der Schönheiten in der k. Residenz u. s. w. erschienen in dieser Anstalt. Gegenwärtig werden diese schönen Lithographien durch die Photographie vervielfältiget.
Der Landwirthschaftliche Centralverein
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Landwirthschaftliche Centralverein ist eines der wichtigsten Organe zur Förderung des Landbaues. Im Jahre 1810 gegründet, und 1836 reorganisirt, erhielt derselbe 1849 eine jährliche Dotation von 18,000 fl. aus Staatsmitteln. Er ist in Bezirks- und Kreisvereine gegliedert, während das General-Comits mehr formell leitend, als maßgebend einwirkt. An der Türkenstraße Nr. 2 besitzt der Verein ein eigenes Haus mit Garten. In diesem Lokale befindet sich die Bibliothek, das Sekretariat, und die Sammlung von Modellen, Maschinen rc. Das Centralblatt des Vereins zeugt von dessen größter Thätigkeit. Ueber seine mit dem Oktoberfeste verbundene Ausstellung und Preisevertheilung s. Oktoberfest.
Leihhäuser
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Leihhäuser befinden sich an der Pfandhausstraße Nr. 7, Westenriederstraße Nr. 1 und in der Au, Lilienstraße Nr. 79. Das Entstehen eines Pfand- und Leihhauses datirt sich aus das Jahr 1784 zurück. Damals erhielt ein churfürstlicher Kammerdiener das Privilegium, und nach dessen Tod ging es 1783 an das hl. Geistspital über. Im Jahre 1802 überließ der Churfürst Maximilian Joseph der Anstalt das Kloster der Karmelitinnen an der Pfandhausstraße Nr. 7, wo sie sich seit dieser Zeit befindet. Das Pfandhaus im ehemaligen Isarthor-Theater an der Weslenrieder-Straße ist eine spätere Filiale (1844), und jenes in der Au wurde von einem Privaten gegründet, ist aber jetzt städtisch.
Das Darlehen von 1 —150 fl. trägt 8, 150 —199 6⅔, und 1000 fl. 5 Prozent. Alle Monat findet eine Versteigerung der nicht ausgelösten oder umgeschriebenen Gegenstände statt.
Lesevereine
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Lesevereine. 1. Der literarische Verein befindet sich im k. Odeon zu ebener Erde; täglich von früh 8 Uhr bis Abends 9 Uhr geöffnet. Hier ist eine große Auswahl deutscher, französischer, englischer und amerikanischer, italienischer, spanischer, griechischer und russischer Journale. Man kann durch ein Mitglied auf drei Tage unentgeldlich eingeführt werden. Nichteingeführte Fremde bezahlen für drei Tage 24 kr. Monatsbeitrag als außerordentl. Mitglied 1 fl. 12 kr. Jahresabonnement 8 fl. 2. Das Museum, siehe dieses.
Die Liedertafel
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Liedertafel, eine 1840 gegründete aus Chorsängern des k. Hoftheaters bestehende Gesellschaft, erfreut durch öftere Produktionen, wozu Einladungskarten ertheilt werden. Sie steht unter einer umsichtsvollen Direktion.
Lithographische Anstalten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Lithographische Anstalten bestehen mehrere, welche aufzuführen zu viel Raum wegnehmen würden. Jeder Fremde findet sie in dem Adreßbuch.
Das Ludwigs-Monument
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Ludwigs-Monument auf dem Odeonsplatze ist ein Zeichen des Dankes und der Verehrung, welche die Stadt München dem König Ludwig I. darbrachte. Schon L. v. Schwanthaler hatte die Idee zu einem Monumente des Königs gefaßt, doch liegt nicht das von ihm hinterlassene Modell zu Grunde. Das Reiterbild ist eine selbstständige Schöpfung des Professors M. Widnmann, dessen Meisterschaft auch die Schillerstatue beurkundet. Der König gab selbst die Genehmigung zur Ausführung dieses colossalen Werkes. Den 22. Februar 1862 Morgens 10 Uhr unternahm F. v. Miller in der Erzgießerei den Guß, und am 25. August 1862 wurde was Werk feierlich enthüllt. Mit derselben Stelle sollte 1833 der Obelisk des Karolinenplatzes errichtet werden, und es waren bereits die Fundamente gelegt, als sich mit Gewalt die Idee geltend machte, daß da zu seiner Zeit dem Gründer der Ludwigsstraße ein Denkmal errichtet werden müsse. Der Magistrat verwirklichte sie 1862.
Mannhardt'sche Maschinenfabrik
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Mannhardtsche Maschinenfabrik an der Amalienstraße Nr. 26 liefert verschiedenartige Maschinen, deren Construktion meist von Mannhardt selbst erdacht ist, wie denn auch die von ihm gefertigten großen Uhren und Schlagwerke ob ihrer sehr vereinfachten Zusammensetzung rühmlichst bekannt sind. Von ihm sind die neuesten konischen Thurmuhren, unter diesen auch die Uhren der Frauenkirche, der Theatinerkirche u. s. w.
Das Hotel Marienbad
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Hotel Marienbad, an der Barerstraße Nr. 4, zur Zeit Eigenthum des Herrn Kopp, inmitten eines großen Gartens mit Laubengängen, bietet alle Arten von Bädern, täglich frischbereitete Molken, jede Sorte von Mineralwässern und ermöglicht, da mit dieser Anstalt auch ein Rötel garni verbunden ist, so namentlich den aus Badeorten hieher Kommenden auf die bequemste und zeitersparendste Art den Gebrauch einer Nachkur.
Das neue Maschinenhaus an der St. Annastraße
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das neue Maschinenhaus an der St. Annastraße nimmt das Areal der alten Stadtmühle ein, wurde vom Münchener Gewerbeverein erbaut, und zum gewerblichen Zwecke eingerichtet. Anfangs Mai 1863 feierlich eröffnet, sind jetzt alle Maschinen im Gange, und können von jedem Vereinsmitgliede gegen mäßige Erläge benützt werden.
Die mathematisch-physikalischen Sammlungen
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die mathematisch-physikalischen Sammlungen befinden sich im ersten Stocke des ehemaligen Jesuitengebäudes an der Neuhauser-Gasse Nr. 31. Sie enthalten alle Apparate, Instrumente, Vorrichtungen und Maschinen, die dieser Zweig der Wissenschaft bedarf.
Das Maximilians-Waisenstift
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Maximilians-Waisenstift an der Ludwigsstraße Nr. 14 wurde von Sr. Majestät dem regierenden Könige gegründet, und aus höchsteigenen Mitteln reichlich dotirt. Es soll verwaisten unbemittelten Töchtern von Staatsdienern einen sorgenfreien Aufenthalts- und Zufluchtsort gewähren. Die erhabene Vorsteherin und Protektorin dieser wohlthätigen Anstalt ist I. K.H. Prinzessin Alexandra. Bisher war im Hintergebäude nur ein beschränkter Raum, gegenwärtig wird aber auf der Anhöhe bei Bogenhauseu, auf dem Areal der Wirthschaftsgebäude Neuberghausen, nach dem Plane des Hofbauinspektors E. Riedel ein neuer Bau geführt, welcher außer den Sälen hundert Zimmer enthält und den Ab- schluß der Anlagen auf der Isarhöhe bildet.
Die k. mineralogische Sammlung
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die k. mineralogische Sammlung befindet sich im Jesuitengebäude an der Neuhausergasse Nr. 51. Sie bewahrt die interessantesten Exemplare. Die frühere herzoglich Leuchtenberg'sche Sammlung ist damit vereiniget.
Die Ministerien des Staates
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Ministerien des Staates sind folgende: des k. Hauses und des Aeußeren, Promenadeplatz Nr. 22; der Justiz, Augustinergasse Nr. 2; des Inneren, Theatinerstraße Nr. 21/1; für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten, Theatinerstraße Nr. 21; der Finanzen, Theatinerstraße Nr. 21/1; des Handels und der öffentlichen Arbeiten, Neuhausergasse Nr. 51/1; des Krieges, Schönfeldstraße Nr. 1.
Die Münchner Künstlergesellschaft
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Münchner Künstlergesellschaft, in einem gothisch dekorirten Lokale im Cast Dosch an der Dienersstraße Nr. 20, bildete sich 1840 bei Gelegenheit des großen Künstler-Maskenzuges mit Kaiser Maximilian und Albrecht Dürer. Das erste Constitutionsfest feierte sie im Bräuhause zum Stnbenvoll, und wiederholte es bis 1852. Damals trennte sich die Gesellschaft, und ein Theil ging nach Altengland. Von dort wurde eine Vereinigung angestrebt, und diese neu constituirte Gesellschaft hauset im Cafe Dosch, ehemals Schafroth. Auch ein Künstler-Sänger-Verein besteht, welcher aber mit der erwähnten Gesellschaft nicht verbunden ist.
Der Münchner Sängerbund
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Münchner Sängerbund erstrebt die Verbindung aller Gesangvereine, und zieht daher ein weiteres Band.
Münz- und Medaillen-Cabinet
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Münz- und Medaillen-Cabinet, im ersten Stocke des Jesuitengebäudes an der Neuhausergasse Nr. 81, wurde von Herzog Albert V. gegründet, von dem Churfürsten Carl Theodor mit der Mannheimer Sammlung vereiniget, und von den späteren Königen durch mehrere Ankäufe vermehrt. Freunde der Numismatik finden reiche Schätze, welche auf vorherige Anfrage bei dem Conservator Professor Dr. I. Streber besichtiget werden können.
Das Museum
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Museum, ein Verein für gesellschaftliche Unterhaltung an der Promenadestraße Nr. 12, nimmt das ehemalige von F. Couvillier erbaute fürstlich Portia'sche Palais ein, und besitzt es eigenthümlich. Fremde können eingeführt werden und genießen einen Monat lang freien Eintritt; dann können sie für einen Monatsbeitrag von 2 fl. 43 kr. als außerordentliche Mitglieder beitreten. Eine eigene Abtheilung des Museums bildet der Leseverein, in welchen man ebenfalls als ausserordentliches Mitglied gegen einen Jahresbeitrag von 12 fl. oder einen solchen von 1 fl. 30 kr. monatlich sich aufnehmen lassen kann. — Man findet hier eine gute Auswahl der vorzüglichsten Zeitschriften Deutschlands, Frankreichs und Englands; auch Flugschriften und Werke belletristischen Inhalts. — Ebenso werden Vorlesungen, Concerte und Bälle veranstaltet.
Das k. Naturalien-Cabinet
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das k. Naturalien-Cabinet befindet sich an der Neuhausergasse Nr. 31, und ist Samstag Vormittags im Sommer dem Publikum geöffnet. Es entwickelt in drei Sälen einen großen Reichthum an Säugethieren, Vögel, Amphibien, Fischen, Conchylien u. s. w.
Das Oktoberfest
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Oktoberfest, das großartigste aller Feste in München und für ganz Bayern, wurde 1810 gegründet. Den 12. October dieses Jahres vollzog Kronprinz Ludwig seine, Vermählung mit der Prinzessin Therese von Hildburghausen, und diese freudig begrüßte Begebenheit sollte besonders gefeiert werden. Man beschloß, sie durch ein seit längerer Zeit nicht mehr gesehenes nationales Pferderennen zu verherrlichen, und die Einleitung traf der Major der Bürger-Cavallerie A. v. Dallarmi. Den 17. October war der erste Tag, an welchem Tausende von nahe und ferne herbeiströmten, um das Fest und den Kronprinzen mit seiner jungen Gemahlin Therese zu sehen. Auf der nach dieser benannten Wiese wurde für den König und die allerhöchsten Herrschaften ein Pavillon erbaut, und nach seiner Ankunft setzten sich die Züge in Bewegung; zuerst das zur Ehrenwache bestimmte Bürger-Militär mit fiiegenden Fahnen und Musikcorps, die Preisfahnenträger, und zuletzt die Rennpferde mit ihren Führern von der Landwehr-Cavallerie angeführt. Inzwischen spielten Musikchöre und wurden vaterländische Lieder gesungen. Neun in die Nationalfarben gekleidete Kinder brachten als die Kreise des Landes vor dem Königszelte ihre Huldigung dar. Endlich erfolgte das Zeichen zum Absprengen der Pferde, und in 18 Minuten war der Kreis von 11,368 Fuß dreimal umritten. Die Bürger-Cavallerie spielte damals die Hauptrolle. Es wurden sogar von Auswärts Reiteroffiziere mit Mannschaft abgesandt. Den Schluß des Festes machte die feierliche Preisevertheilung. Im Jahre 1811 fand wieder ein Pferderennen statt, diesmal betheiligte sich aber der landwirthschaftliche Verein, welcher auf den 14. October zur Ausstellung von Zuchtvieh verschiedener Art einlud. Die Besitzer des schönsten Viehes und die Sieger auf der Rennbahn erhielten ansehnliche Preise. So wurde es auch im folgenden Jahre gehalten, 1813 und 1814 unterblieb aber das Fest. Im Jahre 1818 war wieder großer Jubel, und im folgenden Jahre, jenem der großen Theuerung, wurde das Fest erweitert, um dem Volke bei den trüben Zeiten eine Aufheiterung zu geben. Aus dem Jahre 1816 datirt der Glückshafen und das Vogelschießen. Der 4. October 1818 wurde zu einem Central- feste des landwirthschaftlichen Vereins bestimmt, wie immer mit Pferderennen und feierlicher Preisevertheilung. Damals wurde statt des Vogelschießens das erste Scheibenschießen veranstaltet, wobei ein gesatteltes Pferd den ersten Preis bildete. Der landwirthschaftliche Verein veranstaltete auch 1819 ein Central-Landwirthschaftsfest, jetzt aber traf der Magistrat alle Anstalten, und es war zum Erstenmal ein Nachrennen mit Preisevertheilung. Im Jahre 1826 wurde das Decennium gefeiert, und sofort wie- derholte sich das Fest mit immer größerer Ausdehnung auf Kosten des Magistrates. Von 1827—1830 fanden auch Feuerwerke statt. Im Jahre 1836 galt das Oktoberfest zugleich auch zur Feier der 28jährigen Vermahlung des Königs Ludwig. Damals wurde ein Festzug veranstaltet, wie München nie einen solchen gesehen hatte. In anderer Weise wiederholte sich ein prachtvoller Festzug 1880 bei der Enthüllung der Bavaria, doch nicht bei Gelegenheit des Octoberfestes, sondern acht Tage später.
So ist also unser Oktoberfest auf der Theresienwiese als Nationalfest von kulturgeschichtlicher Bedeutung. Es zieht alljährlich viele Tausende aus allen Gauen des Landes heran, indem das Schönste zu schauen ist, was die Landwirthschaft hervorbringt und die Mechanik für dieselbe leistet. Nie fand ein Fest ohne Pferderennen statt, und seit vielen Jahren knallt die Büchse des Scheibenschützen. Der landwirthschaftliche Verein erwarb sich für dieses Fest den Dank des Landes.
Der Oratorien-Verein
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Oratorien-Verein, jetzt im k. Odeon, besteht aus Gesangs-Dilettantinnen und Dilettanten der gebildeten Stände, welche unter sich, sowie in einigen Jahresconcerten für die außerordentlichen Mitglieder, Compositionen im Fache älterer nnd neuerer Kirchenmusik, im classischen Opern- und im gediegenen Liederfache zur Ausführung bringen. Musikalischer Dirigent ist zur Zeit Frhr. v. Perfall.
Die k. Pagerie
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die k. Pagerie, im oberen Stocke des Hof-Feuerhauses an der Kapellenstraße Nr. 2, dastrt ihren Ursprung in die Zeit des Herzogs Albert V. hinauf. Er nahm 1377 Zöglinge in das adelige Convict unentgeldlich auf, und noch genießen Söhne aus dem Adel Freiplätze in der Anstalt. Der Aufenthalt erstreckt sich in der Regel auf fünf Jahre. Im unteren Geschosse sind die Feuer-Requisiten aufbewahrt.
Die paläontologische Sammlung
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die paläontologische Sammlung des Staates, zu ebener Erde des ehemaligen Jesuitengebäudes, ist unter allen derartigen Sammlungen in Deutschland die größte und merkwürdigste, da seit 1843 die Sammlung des Grafen Münster damit vereiniget ist. Der Ichthyosaurus, Mystriosaurus, Pterodactylus u. s. w. nehmen den ersten Rang ein. Die versteinerten Theile der Thiere sind hier zoologisch, nicht geognostisch geordnet, und in 7 Sälen ausgestellt.
Das Palais des Herzogs Maximilian in Bayern
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Palais des Herzogs Maximilian in Bayern gehört zu den geschmackvollsten Bauten an der Ludwigsstraße (Nr. 8). Es wurde von 1828 bis 1830 von L. von Klenze im Style der italienischen Renaissance erbaut, und im Inneren kunstvoll ausgeschmückt. Im Empfangssaal sind Fresken aus der Mythe des Herkules von Robert Langer, im Tanzsaale solche aus der Fabel von Amor und Psyche von W. von Kaulbach, und tanzende Figuren von Clemens von Zimmermann ausgeführt. Der plastische Fries mit dem Bacchuszug ist ein Werk des L. v. Schwanthaler. Es fehlt auch nicht an Kunstsammlungen verschiedener Art, Und die moderne Eleganz erstreckt sich bis auf das Kleinste.
Das Panorama von München
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Panorama von München kann in jeder Hinsicht großartig genannt werden. Um es zu übersehen, mag man den nördlichen Frauenthurm oder den St. Petersthurm besteigen, von wo aus sich die interessantesten Prospekte darbieten. Vom Petersthurme aus nahm A. Meermann das Panorama des Hochgebirges auf, welches in Kupfer gestochen bei Gg. Franz zu haben ist. Genußreiche Ansichten über die Stadt und das Isarthal hat man auch auf der Isaranhöhe, sowohl stromaufwärts nach Harlaching, oder vom Gasteigberg abwärts nach Bogenhausen. Die Wanderung auf dieser Bergstrecke ist genußreich, indem seit drei Jahren die Anlagen in reicher Fülle sich entwickelt haben.
Photographische Anstalten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Photographische Anstalten existiren hier sehr viele, davon sind nur einige zu nennen:
- Albert, k. Hofphotograph, Karlsstraße Nr. 10
- Hanfstängl, Schützenstraße Nr. 4
- Hohbach, Karlsplatz Nr. 4
- Löcherer, Karlsplatz Nr. 14
- Neumayer, neue Pferdstraße Nr. 2
- Reulbach, Sonnenstraße Nr. 5
- Reitmayer, Herrnstraße Nr. 1
- Bodo Winsel, Herrnstraße Nr. 14
Das physiologische Institut
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das physiologische Institut an der Findlingsstraße Nr. 3/c steht mit dem an der Schillerstraße Nr. 24 erbauten anatomischen Theater in Verbindung. Es wurde von 1833 bis 1834 nach dem Plane des Oberbaurathes Ä. v. Voit erbaut. Die da aufbewahrten Präparate können durch den Hausmeister gezeigt werden.
Das k. Kupferstich- und Handzeichnungs-Cabinet
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das k. Kupferstich- und Handzeichnungs-Cabinet befindet sich im Erdgeschosse der Pinakothek, und ist Dienstag und Freitag dem Publikum geöffnet. Die Thüre rechts in der Vorhalle führt dahin. Die Kupferstich-Sammlung enthält über 300,000 Blätter, welche von dem verstorbenen Inspektor F. Brulliot und seinem Nachfolger R. Brulliot nach Malerschulen geordnet sind. Man findet hier einen großen Reichthum von alten, neueren und neuesten Blättern, dann alle vorzüglichen Galeriewerke und eine gewählte Bibliothek. Die Handzeichnungs-Sammlung zählt ebenfalls an 9000 bedeutender älteren und neueren Blätter. Der Inspektor Robert Brulliot hat in den letzten Jahren einen vollständigen Catalog hergestellt, aber nur nach den vorhandenen unkritischen Aufzeichnungen, und ohne die Reserve von Zeichnungen zu benützen. Der gegenwärtige Conservator, Dr. I. H. von Hefner- Alteneck, richtet auf die Zeichnungsschätze älterer Zeit ein beson- deres Augenmerk. Hier werden auch die Zeichnungen des Cornelius zu den Bildern in den Loggien der Pinakothek, sowie jene des Malers Moriz Rugendas, welche er in Südamerika ausgeführt hatte, aufbewahrt. R. Brulliot hat seltene alte Kupfer- stiche und Holzschnitte, und dann auch Handzeichnungen durch Photographien bekannt gemacht.
Die Vasensammlung
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Vasensammlung des Königs Ludwig ist im Erdgeschosse des westlichen Flügels der Pinakothek in fünf mit Copien der Grabgemälde zu Cvrneto und altgriechischen Ornamenten geschmückten Sälen aufgestellt. Die großentheils mit Figuren und Arabesken gezierten Gefässe wurden in Grabkammern griechischer und alfitalienischer Städte gefunden, und wurden selbe bei den Todtenopfern gebraucht. Als Weih- und Festgeschenke dienten sie aber auch zum Schmuck der Wohnungen, und ein Theil selbst zum häuslichen Gebrauche. Die Zeit der Entstehung läßt sich nicht genau bestimmen, doch weist die Form der Buchstaben in In- schriften bis auf 600 Jahre vor Christus hinauf. Man findet hier aus allen Perioden der Vasenfabrikation die schönsten Exemp- lare. Eine Menge sind einzig, nicht nur was ihre Form, sondern auch was die bildliche' Darstellung betrifft. Mehrere hundert Gesässe kommen aus Griechenland, welche meistens schwarze oder braunrothe Figuren auf weißem Grunde zeigen. Ueber 1800 Vasen stammen aus den Gräbern von Tarquinii, Vulci, Corneto, Montalto, Girgenti, Canosa, Basilicata rc. Es sind die Sammlungen der Gräfin Lipona mit Prachlgefäsien aus neapolitanischen Museen, des Ciantes Paniteri von Girgenti u. s. w. vereiniget, im Ganzen mehr denn 3000 Stücke. Den Fußboden des großen Ecksaales ziert ein antikes Mosaikgemälde: Helios im Thierkreise mit der Gea und den Horen. Auch Wandgemälde aus Pompeji sind vorhanden. Der Eintritt wird nur ausnahmsweise mit Billeten gestattet, welche von den Herren Conservatoren der Pinakothek ausgegeben werden.
Die Sammlung von Porzellangemälden
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Sammlung von Porzellangemälden enthält vollkom- mene Nachbildungen der vorzüglichsten Kunstschätze der Pinakothek, ausgeführt von Adler, C. Heinzmann, Auer, Lefeubure, Werberger, Wustlich rc. Sie ist gleichfalls im Erdgeschosse aufgestellt.
Die k. Polizei-Direktion
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die k. Polizei-Direktion befindet sich an der Weinstraße Nr. 13. Dieses Gebäude, aus der Zeit von 1690—1694, war für das Institut der englischen Fräulein bestimmt. S. Geschichte von München S. 88. Die Polizeiverordnungen für Fremde s. Einleitung.
Die polytechnische Schule
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die polytechnische Schule nimmt mit der Gewerbsschule einen Theil des Danlenstiftes an der Damenstiftsgasse Nr. 1 ein. Sie wurde den 27. September 1827 gegründet, und ein Regulativ vom 7. Februar 1829 stellte das Verhältniß und den organischen Zusammenhang beider Anstalten fest. Damals gingen alle Real- schulen des Landes in Gewerbsschulen über. Den 16. Februar erhielt der Bestand dieser Schule eine neue Normirung, und sie hatte mit den landwirthschaftlichen und gewerblichen Anstalten dem Zwecke zu dienen, die Kunst in die Gewerbe zu übertragen. Den 4. April 1836 erfolgten Bestimmungen über die Gesammtorganisation der technischen Schulen, und 1861 wurden Einleitungen getroffen, die drei bayerischen polytechnischen Schulen in eine einzige technische Hochschule zu verwandeln.
Die k. Porzellan-Manufaktur
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die k. Porzellan-Manufaktur in Nymphenburg hat ihre Niederlage im Hause Nr. 9 an der Kaufingergasse. Diese Anstalt entstanv 1747 zu Neudeck in der Au, und wurde 1758 nach Nymphenburz verlegt. Bis 1856 war sie wesentlich eine Kunst- und Musteranstalt, welche in dem erwähnten Gebäude ihre Einrichtung hatte, aber als solche keinen Aktivrest abwarf. Bei der Reorganisation von 1856 wurde daher aus der Kunstanstalt eine Commissionsniederlage, und da zu gleicher Zeit die Inspektion und die Malerei nach Nymphenburg verlegt wurden, fand man es gerathen, das der Manufaktur gehörige Gebäude zu verkaufen, um die zur Wiederherstellung des technischen Betriebes erwachsenen Kosten zu decken. Der Commissions hat seit 1857 den Verkauf der Produkte der Nymphenburger Manufaktur. Diese Anstalt erfreute sich viele Jahre eines europäischen Rufes, und was sie theils geleistet hat, und noch leistet, ist in der erwähnten Niederlage ausgestellt. Die Manufaktur in Nymphenburg wurde 1861 verpachtet.
Der Prater
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Prater heißt eine kleine baumreiche Isarinsel mit einem besuchten Wirthshause. An bestimmten Tagen findet Musik und zuweilen auch ein Feuerwerk statt. Die zu dem Prater führende hölzerne Brücke wurde 1813 von Wiebeking erbaut, und sie ist die einzige, die ihn nach verschiedenen Reparaturen überlebt hat. In der Nähe führt die neue Maximiliansbrllcke nach dem Maximilianeum auf der Anhöhe.
Privatgebäude
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Privatgebäude, welche den höheren Anforderungen der Archi- tektonik entsprechen, besitzt München viele. Die'fürstlichen Paläste haben wir schon oben erwähnt, und auch die Erinnerung an einige Häuser der Maximiliansstraße ist durch Vignetten festgehalten. Hier wollen wir zeigen, wie einige Maler und Architekten bauten, bevor die Anlage der Maximiliansstraße die Anwendung eines freieren Styles gestattete. Von sehr gefälliger Form, und von glücklicher Anwendung des italienischen Rundbogen-Styl ist ein Haus an der Barerstraße Nr. 6, welches der Hofrath Baron von Bernhard erbaute, und dann in den Besitz des Grafen von Lippe- Weissenfeld überging. Nur durch den Garten getrennt ist ein prächtig ausgestattetes kleines Haus, welches 1848 eine gewisse Berühmtheit (Lola) erlangt hat. Jetzt ist es im Besitze der Wittwe Anna Brey.
Zu den schönsten früheren Gebäuden zählt auch das Palais des Grafen Schönborn-Wiese nthaid an der Ottostraße Nr. 9.
Die Villa der höchstseligen Königin Therese an der Schwabinger Landstraße gehört in dieselbe Categorie.
Das Haus des Direktors Wilhelm von Kaulbach an der oberen Gartenstraße Nr. 16'/, hatte der 1843 verstorbene Schlachtenmaler Dietrich Monten erbaut, und es wurde als Muster eines neuen Styls gepriesen.
Der Baurath und Professor Lud. Lange wich beim Baue seines Hauses an der Kasernstraße Nr. 16 von den stylistischen Zwangsregeln vollkommen ab, ohne daß seine Collegen diese Licenz streng tadeln zu müssen glaubten.
Zuweilen fand aber auch ein Künstler wieder Lust zur Anwendung der Formen der Gothik, und gefiel sich im Aeußern und Innern mit denjelben. Das Haus des Malers und Lithographen P. Herwegen an der Heustraße Nr. 21 erinnert uns au die Zeit des deutschen Mittelalters.
Gebäude ähnlichen freien, theils malerischen Styls findet man in den äußeren Straßen viele, und wir laden den Freund der Architektur ein, in denselben herum zu wandern, wenn ihm auch viele styllose Häuserkästen begegnen.
Die Privat-Gemäldesammlungen
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Privat-Gemäldesammlungen stehen den Kunstfreunden nach vorheriger Anmeldung bei ihren Eigenthümern freundlich zur Besichtigung offen. Wir erwähnen darunter jene der Gräfin Mathilde von Waldenburg (Ludwigsstraße Nr. 12), des Fräulein E. Linder (Karlsplatz Nr. 23), des Grafen L. von Arco (Wittelsbacher Platz Nr. 1), des Baron Rettberg (Landwehrstraße Nr. 10/2), des Grafen von Schönborn (Ottostraße Nr. 9), des Institutinhabers D. Lenoir (Sendlingerstraße Nr.,63/2), des Advokaten Hierneis (Promenadeplatz Nr. 13), des Bildhauers I. M. Entres (Herbststraße Nr. 3), des Senftfabrikanten I. K. Develey (Sonnenstraße Nr. 21/0), des Baron v. Schack (Briennerstraße Nr. 22). Merkwürdig ist auch die Hirschgeweihsammlung des Grafen M. v. Arco, Wittelsbacherplatz Nr. 1.
Promenaden oder Spaziergänge
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Promenaden oder Spaziergänge, im Bereiche der Stadt, bieten die Ludwigs- und die neue Maximiliansstraße. Besonders besucht ist letztere, da sich das Auge an Prachtbauten weiden kann. In weiterer Fortsetzung gelangt man über die Isarbrücke nach dem Prater, und über den Berg nach dem Maximilianeum. Von da aus laden die schönen Anlagen auf der Isaranhöhe zu einem weiteren Spaziergange nach Bogenhausen oder Brunnthal ein. Bei. minder günstigem Wetter nehmen die Arkaden des Hofgartens zahlreichen Besuch an, und von da aus gelangt man in den englischen Garten. Auch an dem linken Ufer der Isar auf- wärts sind herrliche Anlagen an den Dämmen. Wer äusser den genannten Straßen auch noch andere Straßen und Plätze der Max- und Ludwigs-Vorstadt besucht, findet viele schöne Häuser und Gärten.
Das k.Regierungsgebäude
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das k.Regierungsgebäude, am Marienplatz Nr. 9 und 10, ist ein alter gothischer Bau, dessen Facade im 16. Jahrhundert im Renaissancestyl hergestellt wurde. Das Eckhaus Nr. 10 kaufte zu Anfang des 15. Jahrhunderts der Magistrat, und richtete im Erdgeschosse eine Trinkstube ein, indem er bereits auch einen Weinstadel inne hatte, nämlich das Haus Nr. 20 an der Dienersgasse, das heutige Hotel „Dosch", dessen Parterre-Lokal die alte Weinschenke ist. Von 1514 an tagten im oberen Stocke der Trinkstube die Landstände, welche aber 1554 das anstossende, und 1565 auch die beiden folgenden Häuser käuflich erwarben. Das Nr. 9 gezeichnete Haus besteht also aus drei Complexen, und bildet mit Nr. 10 das Regierungsgebäude. Gegen 1570 wurde die.Fayade der Häuser geändert, um sie möglicher Weise in Uebereinstimmung zu bringen. Bei dieser Gelegenheit wurden die Flächen auch mit Gemälden geziert, welche aber längst verschwunden sind. Die Trinkstube vertauschte der Stadtrath 1807 an die Landstände, diese wurden aber 1808 aufgelöst. Jetzt nahm die k. Regierung Besitz, noch lange aber kannte das Volk die Häuser Nr. 9 und 10 als die der Landschaft. Das Haus Nr. 8 wurde als Wohnung des Regierungs - Präsidenten eingerichtet.
Das k. Reichs-Archiv
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das k. Reichs-Archiv befindet sich—im Erdgeschosse der k. Hof- und Staatsbibliothek. Es enthält in 26 Sälen einen staunenswerthen Reichthum an alten Urkunden und Akten, welche ans den landesfürstlichen Archiven, und dann aus den Archiven der Hochstifte und Reichsstädte zusammenflossen. Ueber den dreißigjährigen Krieg allein befinden sich hier 804 Foliobände und 74 Faszikel werthvoller Akten. Der Besuch dieser Anstalt ist beschränkt.
Renten- und Unterstützungs-Verein für Frauen und Mädchen
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Renten- und Unterstützungs-Verein für Frauen und Mädchen. Er ist berechnet, einerseits seinen Mtgliedern gegen verhältnißmäßige geringe Einzahlungen später eine Jahresrente zu gewähren, andererseits aber denselben Arbeit und damit Verdienst zu verschaffen, daher er einen Verkaufsladen, Löwengrube Nr. 1, hält. Er besteht erst seit Anfang September 1862, hat in der kurzen Zeit von 6 Monaten aus seinen Reservefonds bereits 12,000 st. auf Hypotheken fruchtbringend ausgeliehen, zählt dermal über 2300 ordentliche und mehr als 300 außerordentliche Mitglieder, hat Corporationsrechte, ist im Verband des St. Johannisvereins ausgenommen, und verspricht in der Folge eine weitgehende Thätigkeit mit großem sittlich-moralischen Einfluß.
Die k. Residenz
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die k. Residenz zerfällt in drei Theile: die alte Residenz, den Königsbau und den Saalbau.
Die alte, von Maximilian!, erbaute Residenz steht auf dem Areal der von Herzog Albert IV. erbauten neuen Veste, über welche wir in der Geschichte von München S. 48 gehandelt haben. Der ältere Theil ist jener, zu welchem das erste Portal vom Königsbau herführt. Dieser Bau, an welchen sich in schiefer Linie das Antiquarium im Brunnenhofe schließt, war mit der Hofkapelle 1601 vollendet. In das Antiquarium, einen großen tiefgelegenen Saal, über welchen wir unter „Anti- quarium" bereits gehandelt haben, gelangt man vom Grottenhofe aus. Letzterer enthält ein niedliches Gärtchen, und eine mit Malereien verzierte Halle. Das in der Mitte derselben eingebaute, ehedem mit Wasser reich versehene Grottenwerk verdeckt die eine Wand des Antiquariums, welches mit dem alten Residenztheile nicht in unmittelbarer Verbindung steht, sondern der 1597 noch vorhandenen, aber durch Brand beschädigten neuen Veste gegenüber als Kunst- und Antiquitäten-Saal erbaut, und 1600 vollendet wurde. Die in letzter Zeit von dem Conservator Eigner in Augsburg xestaurirten Gemälde 'der Halle sind von Friedrich Sustris und einem Padoanino ausgeführt. Die Darstellungen sind großentheils den Verwandlungen Ovid's entnommen, und in Fresco gemalt. Die Brunnenstatue des Theseus mit dem erhobenen Medusenhaupte ist nach der Zeichnung des Christoph Schwarz von Hubert Gerhard modellirt uud in Erz gegossen. Die auf der Südseite angebrachte Thüre im Grottenhofe führt zur k. Schatzkammer, welche mehrere Millionen an Werth enthält. Sie kann auf Anfrage gezeigt werden, und es wird darin der Kenner ebenso befriediget, als die staunende Neugierde.
Die alte Hofkapelle enthält keine Kunstmerkwürdigkeit. Das Altargemälde wurde 1600 von Hans Werle oder Wöhrl gemalt. Man schreibt es dem Christoph Schwarz zu, es ist aber aktenmäßig, daß Werle 300 st. dafür erhalten hat. Seit dem Baue der Aller- heiligenkapelle ist diese Kirche gewöhnlich geschlossen. Nur die hohen Ritterfeste werden darin gefeiert. Bei dieser Gelegenheit sind die Wände mit Hautelisse - Tapeten und mit Wappenschilden geziert. Besonders merkwürdig ist qber die im ersten Stocke befindliche, und 1607 von Maximilian I. eingerichtete reiche Kapelle. Man sieht hier überall Gold, Silber, Perlen, Edelsteine und Kunstwerke aller Art, unter welchen aber die kirchlichen vorherrschend sind. Auf Anfrage, und zu bestimmten Stunden wird der Besuch der Kapelle gestattet.
Dem alten Flügel gegenüber, und durch den Kapellenhof getrennt ist der Neubau des Churfürsten Maximilian I. Den Plan fertigte der churfürstliche Hofbaumeister Heinrich Schön, nicht der Maler Peter Candito, wie man angibt. Wir haben dieses in der Geschichte von München S. 73 nachgewiesen, wo überhaupt die Geschichte des ganzen Residenzbaues nachgelesen werden kann. Der Grundstein wurde 1612 gelegt, und 1619 war das Gebäude vollendet. Der ältere Bau ist durch eine gemeinschaftliche 130' lange Facade mit dem Neubau verbunden, und die ganze Anlage verkündet einen Meister , welcher im Renaissance-Styl noch wohl erfahren war. Zwei Portale führen in Höfe: den Kaiserhof, den Kapellenhof,- den Brunnenhof und den Küchenhof. Ueber den Portalen sind allegorische Figuren von Bronze, die Tapferkeit und Mäßigkeit, die Weisheit und Gerechttgkeit vorstellend, nach der Zeichnung des Peter Candito von Hans Krümper ausgeführt und in Erz gegossen. In Mitte der Faxade ist die Statue der hl. Jungfrau als Patrona Bavariae mit dem Kinde, ebenfalls von H. Krümper gegossen. Unter der Statue ist eine große Laterne von Bronze angebracht, in welcher Maximilian!. u. die späteren Churfürsten Samstags bei einttetender Dunkelheit ein Licht anzünden ließen. Vor der Residenz war eine Balustrade angebracht, welche bis 1731 bestand. Die auf Basen ruhenden Löwen mit Wappenschilden waren die Wächter derselben. Sie wurden von Carlo Pellago oder Pallagio nach den Modellen des Hubert Gerhard gegossen, und waren ursprünglich für den Jesuttenbau bestimmt. Deßwegen sind auf den Schilden symbolische Vorstellungen, und nicht das bayerische Wap- pen angebracht.
Den westlichen Flügel bewohnte Maximilian I., und es sind noch viele Erinnerungen an ihn vorhanden. Die alten Stuccaturen sind nach Modellen von Hans Krümper von Blasius Fistolator ausgeführt, und die Hautelisse-Tapeten stammen theils aus der von Maximilian I. im Jahre 1603 gegründeten und bis 1616 bestandenen Hautelisse-Manufaktur. Auch ältere Tapeten aus Arras und Brüssel sind vorhanden. Zu den letztern gehören Darstellungen aus dem alten und neuen Testamente nach den Cartons des Malers Jan Cornelis Vermeyen. Die Teppiche aus der Münchner Manufaktur haben das Monogramm des Churfürsten Maximilian I. und seiner Gemahlin, und dann jenes des Obermeisters Hans van Biest. Prachtvoll sind die zwölf Teppiche mit der Geschichte Otto's des Großen in Seide mit Gold durchwirkt. Sie befinden sich aber nicht an den Wänden, sondern werden eigens bewahrt. In Seide sind diese Vorstellungen im bayerischen National-Museum zu sehen. Die Zahl der noch vor- handenen Wandtapeten ist bedeutend, man muß aber die Zeit unterscheiden, in welcher sie entstanden sind. Ein Theil kommt aus der von Max Emanuel 1718 wieder in's Leben gerufenen Manufaktur. In den ersten Jahren herrschte eine große Thätigkeit,. da der Churfürst auch für das Schloß in Schleißheim Teppiche ausführen ließ. Im Jahre 1767 war nur mehr ein einziger alter Arbeiter vorhanden, der Churfürst Maximilian Joseph III. gewährte aber dem Institute wieder die größte Unterstützung, und es wurde in Zeit von 13 Jahren mehr gearbeitet, als früher in 43. Auch Carl Theodor ließ mehrere Tapeten ausführen, und die letzten stammen aus der Zeit des Königs Maximilian I. als Churfürsten. Diese Zeitverhältnisse sind bei der Betrachtung der Münchner Hautelisse- Arbeiten zu berücksichtigen. Die Plafond- gemälde der Maximilianischen Gemächer sind größtentheils von Peter Candito, und einige von Hans Werle ausgeführt. Die Stuccaturen fertigte Blasius Fistolator mit seinen Söhnen nach den Zeichnungen und Modellen des Hans Krümper. Dieß gilt aber nur von den alten Maximilianischen Gemächern, die Decoration in jenen der übrigen Flügel erlitt in verschiedenen Perioden eine Abänderung.
Im Kaiserhofe links führte eine prächtige Treppe in den Kaisersaal, welchen aber König Maximilian I. in zwei Stockwerke abtheilen ließ. Das untere Geschoß nahm er selbst, das obere die Königin Caroline ein. Beide haben noch das Meublement dieser hohen Herrschaften.
Von hier aus gelangt man in die Kaiserzimmer. Die Gemächer des Kaisers Karl VII. (s 1745) sind äusserst prächtig im Geschmacke der Zeit desselben ausgestattet. Das erste enthält den kaiserlichen Thron, das zweite war zur Audienz für die Gesandten, das dritte zu Conferenzen bestimmt. Von hier aus tritt man links in die an Gemälden reiche grüne Galerie, und das vierte Zimmer ist das Schlafzimmer, in welchem Napoleon I. wohnte. Das Paradebett unter dem Thronhimmel, welches demselben für zu kostbar erschien, soll mit dem Himmel in den Stickereien 800,000 st. Gold enthalten haben. Das fünfte Gemach nennt man das Spiegelzimmer, und hierauf folgt ein Cabinet mit schönen Gemälden und Miniaturen. Der Kronleuchter von Elfenbein ist eine eigenhändige Arbeit des Churfürsten Maximilian I.
Die sogenannten schönen Zimmer ließ der König Maximilian I. einrichten. Sie bestehen aus einem Audienz- und Thronzimmer, aus dem Speisesaal und Schlafzimmer.
Die Fürstenzimmer, gegen den Brunnenhof, bewohnte der Churfürst Carl Theodor (P1799), sie haben aber nicht mehr die frühere Decoration. Diese Zimmer nahm König Ludwig I. bis zur Vollendung des Königsbaues ein.
Hieran stößt der Herkules-Saal, welcher zu den kölnischen Zimmern führt. Sie haben von dem Churfürsten Clemens August von Cöln ihren Namen, uud sind mit Wand- und Deckengemälden geschmückt.
Nächst dem jetzt zu Hofconzerten und Bällen bestimmten Herkules-Saal hat die Residenz noch einen Hartschier-Saal, in welchem einst Tapeten von vergoldetem Leder waren. Aus diesem kommt man in die jetztigen Conferenz-Zimmer, und von da aus in die päpstlichen Zimmer, welche im Jahre 1782 Pius VI. bewohnte. Die ehemalige Pracht ist im Verbleichen.
Äusser diesen Gemächern befindet sich hier noch der kleine schwarze Saal, und die steinernen oder griechischen Zimmer, wo König Otto von Griechenland wohnte.
Wir müssen uns auch noch durch den Kapellenhof in den Brunnenhof begeben. Unter dem beide verbindenden Bogen ist links oben an der Wand eine Tafel, welche besagt, daß Herzog Christoph (1490) den unten liegenden Stein mit dem Fuße aufheben und wegschleudern konnte, und daß er im Sprunge den obersten der drei eingeschlagenen Nägel mit der Fußspitze erreichte. Das Factum ist wohl richtig, der Sprung geschah aber nicht an der bezeichneten Stelle, indem die Residenz des Herzogs Albert IV. beim Baue der jetzigen demolirt wurde. Sehenswerth ist auch der Brunnen mit Figuren in Erz im Brunnenhofe. Die Statue auf der Säule ist jene des Herzogs Otto von Wittelsbach, und die Erzbilder auf der Brüstung stellen die vier Elemente mit anderen phantastischen Bildungen vor. Man nimmt gewöhnlich an, daß die Bildwerke nach P. Candito's Zeichnungen von Hans Krumper modellirt und gegossen worden seien, die Hauptstatue kommt aber von dem alten Brunnen der Albertinischen Veste, und die übrigen Bildwerke auf der 1689 neu hergestellten Brunneneinfassung sind von gleichem Alter. Sie sind bis auf die stehenden weiblichen Figuren (von Hans Krumper) der Fontaine im alten Hofgarten (jetzt Marstallplatz) der neuen Veste entnommen. Diese Fontaine ließ Herzog Albert V. (+1379) herstellen, so wie den Neufestbrunnen mit der Statue Otto des Großen.
Der k. Saalbau
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der k. Saalbau. 1832 nach dem Plane des Leo oder der nördliche Residenzflügel, wurde v. Klenze begonnen, und am 12. Oktober 1842 eröffnet. Die Mitte der 800' langen Frome bildet ein dreifaches Portal im Style der spätitalienischen Re- und auf Attika stehen kolossalen Figuren der ehemaligen acht Kreise Bayerns von L. v. Schwanthaler in Marmor aus- ia enthalten Darstellungen aus der geführt, bayerischen Geschichte.
Am Ostende des Baues ist ein alter runder Thurm eingeschlossen, in welchem Herzog Christoph der Starke gefangen saß. Der Thurm wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts gebaut, gleichzeitig mit der Veste des Herzogs Albert IV.
Erdgeschoß. Es enthält sechs Säle mit großen Wandgemälden aus der Odyssee, theils nach Skizzen L. v. Schwanthaler's von Hiltensperger enkaustisch ausgeführt. Die nicht malerisch geordneten Zeichnungen des genannten Bildhauers bedurften jedoch in vielen Dingen einer Umbildung zur Erzielung des malerischen Effektes, und in den beiden letzten Sälen tritt Hiltensperger selbstständig auf. Die Gemälde bilden eine fortlaufende Reihe von Bildern, an deren Spitze im ersten Saale Homeros mit der Lyra in Begleitung der Calliope vorgestellt ist, mud sofort werden die Homerischen Gesänge illustrirt.
I. Saal. 1. Beschluß der Götterversammlung, den Odysseus von der Insel Ortygia in die Heimath zu führen. 2. Telemachos vor den Freiern der Penelope. 3. Penelope beim Trennen des Gewebes belauscht. 4. Telemachos besteigt mit Mentor das Schiff. 5. Telemach bei Nestor. 6. Teleniach bei Menelaos und Helena. 7. Die Hochzeit der Tochter der Helena. 8. Traum der Penelope vom Verrath der Freier an Telemachos.
II. Saal. 1. Merkur bringt der Kalypso die Botschaft, laß Odysseus die Insel verlassen müsse. 2. Die Abfahrt desselben. 3. Nausikaa bei der Wäsche. 4. Odysseus nach dem Schiffbruche vor Nausikaa. 3. Odysseus vor dem Palaste des Alkinoos. 6. Das Gastmahl im Palaste. 7. Odysseus als Diskuswerfer. 8. Deuodokos besingt den Fall Troja's.
III. Saal. 1. Odysseus erzählt dem Könige der Phäeken seine Abenteuer. 2. Die Flucht desselben vor den Lästrigoren. 3. Odysseus in Liebe entbrannt zur Cjrce. 4. Odysseus vor den Schatten in der Unterwelt. 8. Odysseus vor den Syrenen der Scylla. 8. Das Schlachten der Rinder des Phöbus auf Tnnakria. Ueber der Thüre gibt Aeolus dem Odysseus den Schlauch mit den Weiden.
IV. Saal. I. Odysseus schaut Ithaka. In der Ecke Telemachos. 2. Odysseus beim göttlichen Schweinhirten. In dec Ecke Penelope. 3. Theoklymenos deutet dem Odysseus den Flug der Vögel. 4. Telemachos gibt sich zu erkennen. 8. Seine Ermordung wird beschlossen.
V. Saal. Odysseus wird von dem Geißhirten Timantes beleidigt. 2. Odssens überwindet in Gegenwart der Freier den Jros. 3. Die Freier bringen der Penelope Geschenke. 4. Odysseus wird von der Schaffnerin Erykleia beim Fußbad erkannt. 8. Die Frauen schmücken sich zum Hochzeitsfeste, Theoklymenos verläßt den Saal. Ueber der Thüre ist Odysseus vorgestellt, wie ihn sein auf dem Misthaufen sterbender Hund noch erkennt.
VI. Uber der Thüre erscheint Penelope, wie sie, den Bogen über die Kniee gelegt, ihr Schicksal beweint. 1. Odysseus als Bettler im Saale der Freier, wie er den Bogen spannt. 2. Odysseus wie er im Saale die Freier erschießt. 3. Odysseus nach Erlegung der Freier, wie er den Saal räuchert, und vom Blute reinigen laßt. 4. Dessen Wiedervereinigung mit Penelope im Glanze seiner früheren Gestalt. Der Sänger greift in die Lyra und die Frauen schicken sich zum Tanze an. Ueber der Thüre der Herold und der Sänger um ihr Leben bittend. An der nördlichen Wand ist Hermes, wie er die Seelen der Erschlagenen in die Unterwelt führt, und Odysseus, wie er in das Landhaus des Laertes kommt. Ueber der zweiten Thüre sieht man das Ruhebett aus Oelbaumholz als Wahrzeichen der Erkennung. Die Malereien dieses Saales wurden 1861 vollendet.
Das obere Stockwerk.
Der Aufgang ist am Ostende, wo eine breite Doppelstiege nach den Vorzimmern führt, durch welche man in die Festsäle gelangt. Baalsaal. Mit Gruppen von Tänzern in Relief von L. von Schwanthaler.
Säle der Schönheiten. Mit Bildniffen junger Damen aus allen Ständen, von I. Stieler gemalt.
Bankettsaal. Mit 14 Schlachtbildern in Oel von Peter Heß, Wilh. von Kobell, A. Adam, General von Heideck und D. Monten. Kehren wir in den Baalsaal zurück, so führt uns die Thüre gegenüber in die drei großen Säle, wie folgt:
Saal Carl des Großen. Im oberen Friese sind zwölf Bilder mit Begebenheiten aus dem Leben dieses Kaisers, von A. Strähuber, Palme, Gießmann, G. Jäger gemalt. Die Anlage geht von Julius v. Schnorr aus, die genannten Künstler haben aber an den kleineren Bildern auch selbstständigen Antheil. Die Composition und Cartons zu den großen Gemälden sind von Schnorr, aber von den Künstlern in Parenthese in Farben ausgeführt, 1. Die Salbung Carls zum König der Franken durch Papst Stephan II. (Palme). 2. Der Einzug in Pavia nach der Besiegung des Langobarden Königs Desiderius. 3. Carl's Sieg über die Sachsen bei Fritzlar. (Gießmann). 4. Die Taufe der Sachsen. (Gießmann). 8. Die Synode zu Frankfurt a. M. (Jäger und Palme). 6. Die Krönung in Rom durch Papst Leo. (Jäger). Auch die kleineren Bilder beziehen sich auf Carl den Großen.
Saal des Barbarossa. Er enthält sechs große und vier kleinere Gemälde, alle in Composition und Cartons von I. von Schnorr. Die Ausführung in Farben ist von anderen Künstlern. 1. Friedrich der Hohenstaufe wird in Frankfurt zum deutschen Kaiser ausgerufen. 1182. (Gemalt von Schnorr und Jäger). 2. Sein Einzug in das erorberte Mailand 1162. (Jäger). 3. Die Zusammenkunft mit Papst Alexander III. in Venedig 1183. (Jäger). 4. Das große Volksfest in Mainz, bei welchem Friedrich als Schutzherr der Gedicht- und Gesangskunst erscheint 1188. (Gießmann). 8. Die Schlacht bei Jkonium. (Gießmann). 6. Sein Tod im Fluße bei Seleucia 1190. (Jäger). An der Fensterwand stellt: das eine Bild die Reichsachterklärung Heinrich des Löwen, das andere die Belehnung Otto's von Wittelsbach vor. In den Fenslerecken sind die allegorischen Figuren des Imperium und der JScclesia, der Kampf um die oberste Gewalt. Die Gemälde über 170 Residenz-Theater. Rindermarkt — Ruhmeshalle mit der Bavaria. 171 den Thüren sind von Schnorr ausgeführt: 1. Friedrich nimmt bei der Eroberung von Crema einen verwundeten Italiener auf. 2. Der Friede zu Coustanz. 3. Friedrich begrüßt nach der Schlacht von Jkonium seinen Sohn. — Der Fries mit Reliefs von Schwanthaler stellt den Kreuzzug des Kaisers Friedrich vor.
Saal des Rudolph von Habsburg. Mit vier Wandgemälden, und einem Fries nach den Compositionen des M. v o n Schwind. Letzterer schildert in einem Zuge von Kindern die Folgen des durch Rudolph geordneten öffentlichen Lebens, den Triumph der Künste, Wissenschaften und Gewerke. Die Wandgemälde sind in Composition und Cartons von Schnorr, und die beiden ersten auch von ihm gemalt. 1. Rudolph überläßt einem Geistlichen mit dem Sakrament das Pferd, nm über den Fluß zu setzen. 2. Rudolph erfährt im Lager zu Basel seine Wahl zum Kaiser 1273. 3. Rudolphs Schlacht gegen Ottokar v. Böhmen 1278 (Jäger). 4. Rudolph setzt den Landfrieden ein, verurtheilt die Raubritter rc. (Gießmann).
Der Thronsaal, in einer Länge von 112' und einer Breite von 77', mit von je zehn korinthischen Säulen getragenen Galerien» enthält als Kuustschmuck zwölf colossale vergoldete Erzstatuen von Fürsten aus dem Hause Wittelsbach, nach den Mo- dellen L. v. Schwanthalers, von I. Stiglmayer gegossen. Jede dieser Statuen wiegt 3V Centner und ist mit 300 Dukaten ver- goldet. Sie sind zwischen den Säulen in gtueeo lustro vom Eingänge links an in folgender Ordnung aufgestellt: 1. Otto der Erlauchte (ch 1233). 2. Ludwig der Bayer, Kaiser (st 1347). 3. Ruprecht von der Pfalz, Kaiser (ch 1410). 4. Friedrich der Siegreiche von der Pfalz (ch 1476). 3. Ludwig der Reiche (ch 1479). 6. Albert IV. der Weise (ch 1308). 7. Friedrich II. der Weise, von der Pfalz (1-1536). 8. Albert V. der Großmüthige (ch 1579). 9. Maximilian I. Churfürst (ch 1651). 10. Karl XI. König von Schweden (ch 1697). 11. Johann Wilhelm, Churfürst von der Pfalz (ch 1716). 12. Karl XII., König von Schweden (ch 1718). Diese beiden Könige waren Herzoge von Zweibrücken, und erscheinen daher in der Reihe bayerischer Fürsten.
Rumfordische Suppenanstalten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Rumfordische Suppenanstalten befinden sich am Anger, in der Au und am Lehel. Sie haben den Namen von dem Grafen Rumford, welcher zu Anfang dieses Jahrhunderts jene am Anger gründete. Im Jahre 1861/62 wurden 161,000 Portionen Suppen vertheilt. Die Königin verlieh das Protektorat.
Die k. vereinigten Sammlungen
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die k. vereinigten Sammlungen befinden sich in den Sälen über den nördlichen Arcaden des Hofgartens, und wurden 1844 auf Veranlassung des Königs Ludwig aufgestellt. Zu Grunde liegt die ältere bayerische, an Elfenbeinschnitzwerken reiche Sammlung, welche früher unter dem Namen „Elfenbein-Cabinet" bekannt, und auch dem Publikum zugänglich war. Damit ver- einigte der König Ludwig die neueren Erwerbungen, und somit sind über 16,000 Stücke vorhanden. Es sind alle Cultnrperioden der Völker vertreten.
Vorsaal. Altgriechische Terracotten, aus fer Sammlung des Bildhauers Fogelberg. In der Mitte steht Schiller's Arbeitstisch.
I. Saal. Die Birgelstein'sche Sammlung, bestehend in Goldschmuck, silbernen und irdenen Gesässen, Sculpturen verschie- dener Art, Waffen und Geschirren aus Eisen und Bronze, Gläsern k. Die Modelle des Hauses des Sallustius in Pompeji, und des Neptun-Tempels in Pästum sind aus Kork geschnitzt (phello- plastische Arbeiten).
II. Saal. Äusser den Nachbildungen der antiken Wand- gemälde aus der Villa Pamfili, und den Modellen antiker Bauwerke sieht man hier antiken Goldschmuck verschiedener Art, Geschirre von Silber, Alabaster, Glas und Bronze, Alterthümer aus Her- kulanum und Pompeji, Terracotten, Abraxe, Figuren verschiedenen Stoffes, Pateren, Spiegel, Instrumente, Helme, Harnische u. s. w.
III. Saal. Enthält nur chinesische und japanische Arbeiten: Götzenbilder, Gefässe, Geräthschaften, Sculpturen, Malereien u. s. w.
IV. Saal. Reich an indischen Sculpturen aus Brouze, Alabaster, Holz und Stein, Waffen, Geräthschaften, Menschen- und Thiergestalten u. s. w.
V. Saal. Äusser mehreren phelloplastischen Modellen sieht man hier Waffen, Schmucksachen, Götzen, Geräthschaften aus Brasilien, Terracotten und andere Bildwerke aus Mexico u. s. w.
VI. Saal. Schnitzwerke in Elfenbein und Holz, auch Bilder in Stein und Metall, aus verschiedenen Jahrhunderten, welche bereits im alten Elfenbein-Cabinet vorhanden waren. Es liegt ein gedruckter Catalog vor.
VII. Saal. Die Waffensammlung. Viele türkische Waffen, erbeutet von Max Emanuel, dann Waffen des 18. und 16. Jahrhunderts von bayerischen Herzogen, das Schlachtschwert des Churfürsten Maximilian I. rc. Auch der Rock des General Tilly, und ein Anzug Friedrichs des Großen ist vorhanden. In Mitte des Saales ist das große Modell des Heidelberger Schlosses, und im Glaskästchen an der Wand eine Feder, deren sich König Ludwig I. in den Märztagen 1848 bediente.
Schulhäuser
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Schulhäuser besitzt München mit Giesing, Au und Haidhausen dreizehn, und darunter sind solche von großartiger Anlage, wie jenes der protestantischen Schule (Glockenstraße Nr. 18), wel- ches nach dem Plane des Baurathes C. Muffat 1833 nach einem Kostenaufwand von 66,000 fl. vollendet wurde. Doch auch andere Schulhäuser sind sehenswerth, nämlich jene der Dompfarrmädchen- schule (Löwengrube Nr. 19), ein Neubau von 1860; der St. Anna-Vorstadt in der Straße dieses Namens Nr. 1, von Baurath Muffat von 1840—1841 erbaut; der St. Bonifacius - Pfarrei (Louisenstraße Nr. 8), von 1828—1829 von Baurath Himbsel erbaut; der Dompfarrknabenschule (Fingergäßchen Nr. 2) 1829 von Baurath Himbsel erbaut; der hl. Geistpfarre (Rosenthal Nr. 7), im Jahre 1823 aus dem ehemaligen gräflich Törring-Seefeld'schen Palais von dem Baurath Probst hergestellt, u. s. w. München hatte im Jahre 1772 nur 909 Schulkinder, und 1779 konnten unter 1400 Kindern kaum vier einen gemeinen Druck ohne Anstand lesen. Erst König Maximilian I. machte sich 1803 die Verbesserung des Schulwesens zur Aufgabe.
Die armen Schulschwestern
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die armen Schulschwestern am untern Anger Nr. 2 bewohnen einen Theil des ehemaligen Klosters der Klarissinnen, über welches wir in der Geschichte von München Seite 28 ge- handelthaben Nach der Auf Hebung des dens im Jahr • 1803 wurde das Gebäude der Armenbeschäftigungs-Anstalt eingeräumt, seit dem 28. Juli 1841 ist es aber Mutterhaus der armen Schulschwestern. Die Neubauten an der Westseite datiren von 1842—1843. Der Eingang ist neben der St. Jakobskirche. Das Frescogemälde über dem Portale Schüler des Professors Schraudolph ausgeführt. S. auch Jakobskirche.
Das Schwanthaler-Museum
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Schwanthaler-Museum, an der Schwanthaler-Straße Nr. 33, umfaßt den größten Theil der Modelle des im Jahre von München 1848 im 47. Jahre verstorbenen Professors Ludwig v. Schwanthaler. Sie sind ein Vermächtniß desselben au die k. Akademie der Künste, welche einen eigenen Conservator aufstellt, jetzt in der Person des Bildhauers Hautmann. Man findet hier monumentale Standbilder hoher Fürsten und berühmter Männer jeder Categoric, Büsten und Bildnißmedaillons, Statuen und Reliefs verschiedener Art, die Gruppen der Giebelfelder der Walhalla, und des Kunstausstellungsgebäudes, die Metopen der Ruhmeshalle, den kolossalen Kopf der Bavaria, das Modell zum Nibelungen-Tafelaufsatz des Königs Maximilian II. u. s. w. In diesem Museum bewundert man den erfinderischen Geist des großen, zu früh verschiedenen Künstlers.
Gegenüber ist das Atelier Schwanthalers, in welchem alle diese Werke, und noch andere geschaffen wurden. Auch in diesen Arbeitssälen sind noch viele Gypsmodelle vorhanden, und darunter solche von Cabinetsstatuen mythologischen Inhalts von höchster Schönheit. Bon allen diesen Werken sind Modelle in drei Größen vorhanden, und außerdem noch viele andere Statuen, Modelle und Reliefs, welche der Sammlung des Museums fehlen. Der äusserst produktive Künstler hatte Bestellungen für viele Jahre hinaus, und daher wurden sie nach seinem Tode im Atelier unter Leitung des im Jahre 1854 ebenfalls verstorbenen F. X. Schwanthaler ausgeführt. Es blieb aber auch jetzt noch vieles zu schaffen übrig, so daß noch gegenwärtig das Atelier reich an Kunstwerken ist, in welchen L. v. Schwanthalers Geist wirkt.
Einzig in ihrer Art ist die sogenannte Humpenburg im südlichen Theile des Wohnhauses, wo der große Künstler im geselligen Kreise von Freunden und Genossen seine vergnügtesten Abende zubrachte. Zu dem Hort der Burg ernannte er im Testamente den Dichter, Künstler und Oberstceremonienmeister Franz Grafen von Pocci.
Die Zeit, um sowohl das Museum, als das Atelier zu besuchen, ist im Tagesanzeiger angegeben.
Die städtische Sparanstalt,
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die städtische Sparanstalt, gegründet 1822, befindet sich am unteren Anger im Communalgebäude Nr. 13 und 14.
Springbrunnen
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Springbrunnen von monumentaler Bedeutung besitzt München noch nicht. Die großartigsten sind jene auf dem Universitätsplatz, über welche wir unter „Universität" handeln. Sehenswerth ist aber auch der schöne mit Erzbildern gezierte Brunnen in der k. Residenz, dessen wir in der Beschreibung derselben erwähnt haben. Sehr gefällig ist ferner der Springbrunnen in der Allee der Sonnenstraße. Eine kulturgeschichtliche Bedeutung hat der sogenannte Fischbrunnen auf dem Marienplatze. An diesem findet am Faschingsmontag der Metzgersprung statt, worüber unter „Feste" nachzulesen ist.a
Das Ständehaus
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Ständehaus, in der Prannersgasse Nr. 19, war einst Palais des Grafen von Seeau, und wurde Nachher als Redouten- und Concertsaal benützt. Seit 1818 tagen alle drei Jahre die Stände des Reichs in demselben. In der neuesten Zeit wurden die Lokalitäten erweitert und in eleganter Weise ausgeschmückt. Die Malerein sind in jeder Hinsicht sehenswerth. Die Prannersstraße, ehedem Prandasgasse, erhielt erst im 18. Jahrhundert größere Bauten, da bis 1803 die Communication nach Aussen abgeschlossen war. In jenem Jahre wurde das Max-Josephsthor eröffnet, da der Wall weichen mußte.
Steinheil's optische und astronomische Werkstätte
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Dr. C. A. Steinheil's optische und astronomische Werkstätte in der Landwehrstraße Nr. 15/a, 1835 gegründet, liefert ausgezeichnete Instrumente, und erfreut sich eines weit verbreiteten Rufes.
Das Taubstummen-Institut
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Taubstummen-Institut befindet sich in der Karlsstraße Nr. 17, wohin es erst 1861 aus dem neuen Flügel des Elisabethen-Spitals an der Mathildenstraße verlegt wurde. Das Institut ging aus einer zu Freising von Bernhard v. Ernsdorfer 1797 gegründeten, und 1804 von dem Chnrfürsten Maximilian Joseph unterstützten Freischule hervor. Bei ihrem Entstehen war nur ein einziger Zögling vorhanden, bald aber wurde der Besuch stärker. Am 23. August 1818 wurde diese Schule zu einer k. Anstalt erhoben, und am 22. September 1826 von Freising nach München gezogen. Damals waren Plätze für 80 Zöglinge vorhanden, bis 1861 zählte man deren 72, und als Centralanstalt kann das Institut jetzt einer größeren Anzahl Raum gewähren. Das Haus ist jenes des verstorbenen Prinzen Eduard, und besitzt einen mit Arkaden versehenen Garten, wie kein zweiter sich in München findet. Ueber 30 Jahre war Herr I. A. Weiß Lehrer und Vorstand des Institutes. Im Jahre 1863 wurde er in den wohlverdienten Ruhestand versetzt.
Die Theresienwiese
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Theresienwiese ist seit 1810 in den ersten Oktobertagen der bayerische Hippodrom, auf welchem sich oft mehr als 60,000 Menschen im bunten Gewimmel bewegten, besonders seitdem die Eisenbahnen das bayerische und schwäbische Gebirge, dann das Unterland der Hauptstadt annähern. Das Oktoberfest mit seinem freundlichen Dörfchen, mit seinem Reichthum an Produkten- und Vieh, seinem Freischießen und Pferderennen, trägt aus dieser Wiese einen patriarchalischen Charakter, und kündet die Einigkeit von Fürst und Volk an. Zugleich schaut die kolossale Bavaria auf das frohe Getümmel, und wer an ihr hin die Hügelreihe zur Promenade wählt, hat nicht nur die schönste Ansicht über die Wiese, sondern es liegt auch die herrliche Gebirgskette der Salzburger und bayerischen Alpen vor seinem Blick. Die neue Schießstätte nördlich von der Bavaria, und dann die Bierkeller weiter hin lassen Erfrischung für den Wanderer erwarten; s. Oktoberfest.
Die Thore der Stadt
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Thore der Stadt sind unter: Anger-, Isar-, Karls-, Max-Josephs-, Seudlinger- und Sieges-Thor erwähnt. Ueber die Zeit ihrer Entstehung mit den Mauern und dem Zwinger s. Geschichte von München S. 13 und 35 ff. Dazu kommt äusser dem Siegesthore noch ein anderes Prachtthor welches unter dem Namen der Propyläen bekannt ist.
Die Turnhalle
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Turnhalle in der Nähe der drei Linden an der Müllerstraße entstand aus Privatmitteln. Der Grundstein wurde am 8. September 1862 gelegt, und den 10. Mai 1863 fand die feierliche Einweihung statt. Es ist dies ein schöner und zweckmäßiger Bau mit einem Turnraum von 9300 Quadratfuß. Die Kunst des Turnens hat somit in München einen festen Sitz. Gut Heil !
1. Verkehr zwischen Römern und Barbaren im Standlager bei Grünwald im II. und III. Jahrhundert.
Spruner, Karl von - Die Wandbilder des Bayerischen National- (1868)
Die Besiegung der gallischen Völkerschaften in dem weiten Thule des Po unterwarf diesen Garten der Halbinsel und damit ganz Italien endlich den Körnern und breitete die Herrschaft des ersten Kriegervolkes der Welt bis an den Fuss jenes Riesenwalles der Alpen aus, der von der Natur bestimmt zu sein schien, eine unübersteigliche Grenze zu bilden zwischen dem üppigen Süden und dem rauhen Norden unseres Erdtheils.
So blieb es bis zum Jahre 15 vor Christus. Octavianus Augustus beherrschte, nachdem die alte Republik gesunken, das unermessliche Reich als Imperator. Er konnte — war es Vorwand, war es wirkliche Noth ? — nicht ferner so nahe den Thoren der ewigen Stadt die häufigen, stets erneuten Einfälle der kleinen aber tapferen rhätischen Alpenvölker in die römischen Gränzlande dulden. Ihre Unterwerfung bot den Wallen seiner Legionen willkommene Gelegenheit, auch nach dieser Seite hin die Gränzen des Reiches zu erweitern.
Da sandte denn August ein Heer unter seinem Stiefsohne Drusus gegen sie in s Feld. Am Südfusse der Alpen bei Trient kam es zum ersten blutigen Zusammenstösse mit den Bergvölkern, welche hier in einem grossen Heere vereinigt stunden, zu dem selbst vom Lech her Schaaren zur gemeinsamen Vcrtheidigung gestossen, und in welchem sogar Weiber, mit Streitäxten bewaffnet, kämpften. Die Rhäter unterlagen, und nun drang Drusus, ihre Pässe stürmend und ihre festen Burgen, in denen sie den Raub von Jahrhunderten geborgen, brechend, immer tiefer ins Land. Durch’s Vintschgau hinabsteigend, überschreitet er die Eisak bei Botzen, dessen alter Name „pons Drusi“ noch den des Feldherrn bewahrte, und gelangt so zu den Breonen am Brenner und den nördlich angränzenden Genaunen im Innthale. Auch diese, „die wilden und behenden,“ wie Horaz sie nennt, werden nach verzweifelter Gegenwehr besiegt, und über den Brenner, wohl dem ältesten und gewöhnlichsten Uebergange des Gebirges, hinabgestiegen, rücken die Legionen immer weiter vorwärts in dem weiten Thals des Innstromes. Während aber solches auf der östlichen Seite vorging, während Aller Augen auf den vom Süden her eindringeuden Feind gerichtet waren, erschienen plötzlich vom Lech her in ihrem Rücken die Adler des Tiberius, des zweiten Stiefsohnes Augusts. Dieser war durch Gallien an den Rhein und an den aeronischen (Boden-) See gerückt, hatte auf einer Insel desselben, der damals noch weit grösseren Reichenau, Schiffe gezimmert, die üferorte der Vindeliker erobert — aus dieser Zeit dürften wohl die zerstörten Pfahlbauten herrühren — und selbst auf dem Rücken des Sees Gefechte mit ihnen bestanden. Vergebens widersetzte sich ihm dieses Volk, vergebens alle jene Rhäter, die vor Drusus Schaaren gegen Norden gewichen waren. Der Vindeliker Hauptburg Damasia — wohl Hohenems? — ward erstiegen und es kam zur letzten, zur Entscheidungsschlacht. Wo diese geschlagen wurde, hat uns Keiner der Alten auf bewahrt, das aber melden sie, wie mit so beispielloser Wuth gekämpft ward, dass selbst die Weiber, nachdem sie von ihren Rüstwagen herab alle Geschosse verbraucht, ihre Kinder tödteten und deren Leichen den Römern in’s Antlitz schleuderten.
Im Sommer des Jahres 15 vor Christus war die Eroberung vollendet. Drusus zog nun entweder dem Innstrom entlang oder wahrscheinlicher auf der von den Römern schon damals angelegten Hauptstrasse durch die Pässe der Scharnitz und über Partenkirchen heraus in die Vorberge unseres Vaterlandes, wohl der erste Römer, dessen Blicke von den Höhen bei Ettal aus über die unermesslichen Waldebenen Bayerns schweiften und der die Sonne sch in den grossen Seebecken unseres Oljerlandes spiegeln sah.
Schwer mussten die unterworfenen Völker die Hand des Siegers fühlen. Nur die nöthigsten Kräfte blieben zur Bestellung des Ackerszurück; die krittlige, streitbare Jugend ward fortgeführt und in die römischen Legionen vertheilt. So geschah es, dass schon nach dreissig Jahren jene tapferen rhätischen und vindelikischen Kohorten in der Idistavisus-Schlacht im Kampfe gegen die Deutschen den wankenden Sieg wieder an Korns Adler fesselten.
Nach ihrer Weise hatten die Römer das eroberte Land in Provinzen abgetheilt, mit Heerstrassen durchzogen und mit Kastellen und Lagern bedeckt, auf deren Ueberresten sich viele der heutigen Süddonaustadte erhoben. In diese Pflanzstädte wurden Römer, meist Veteranen, übergesiedelt, das menschenleer gewordene flache Land aber allmählig wieder durch germanische Einwanderer von jenseits der Donau bevölkert. Auch der ganze Abschnitt des jetzigen deutschen Landes, von Kelheim an der Donau bis hinab über den untern Main wurde allmählig mit zum Reiche geschlagen, vollkommen zur Provinz gemacht und von spätem Imperatoren durch eine fortlaufende Gränzbefestigung gegen die jenseitigen Deutschen gedeckt. Ja so sicher fühlten sich deren Bewohner, dass sie es wagten, kaum eine Stunde diesseits des Gränzwalles prächtige Villen zu erbauen, um sich im fernen Barbarenlande in wehmüthiger Erinnerung ein schwaches Bild der heimischen Anlagen am Tiber oder an der wundervollen Bucht von Bajä herbeizuzaubern.1)
Von drei Hauptstrassen der Römer zogen sich aus Italien heraus in die neucrol>erten Provinzen die eine, westlichste, vom larischen See, dem Lago maggiore, über das altrhätische Clavenna und durch die schauerlichen Schluchten der via mala nach Chur und über die altena Tode, so lange noch lag die Hand der arianischen Barbaren nun doppelt schwer auf den Romanen des Donaulandes, zog Odovacer, nunmehr längst schon König Roms, über die Alpen heraus, Blutrache zu üben an Friedrich, den Neffen des Rugierkönigs, welcher seinen gleichnamigen Oheim, den Sohn König Fava’s, vom Throne gestossen und erschlagen hatte. Der Mörder floh zu den Ostgothen, und als er bald darauf wiederkehrte, kam Aonulf, der Bruder Odovacers, nochmals ins Land der Rugier, machte deren Reich vollends ein Ende und führte Alle, die römischer Zunge waren, unter seinen schützenden Waffen nach Italien heim. Severin’s Schüler zogen mit ihm und nahmen, dem Gebote des geliebten Lehrers folgend, seine sterblichen Reste mit hinüber, ihnen eine Stätte in Cucullanum bereitend, an derselben Stelle, wo sich heute die (lüstern Mauern des Castell Ovo bei Neapel erheben, und wo Odovacer dem letzten Römerkaiser Romulus A igustulus, seine Jugend grossmüthig schonend, ein Asyl angewiesen. Wegen der .Sarazenengefahr wurden sie im Jahre 910 in die Stadt Neapel selbst übergetragen, wo sie bis auf diesen Tag, hochverehrt vom Volke, ruhen. Hat der merkwürdige Mann auch nicht das Evangelium in unsern, Gegenden zuerst gepredigt, da Chroniken uni Legenden und selbst seine eigene Lebenslwschreibung vieler christlicher Priester und Bischöfe vor und mit ihm lebend, in den römischen Ländern diesseits der Alpen gedenken, so trägt er seines weitverbreiteten, segensvollen Wirkens wegen doch mit vollem Rechte den Ehrennamen des Apostels der Noriker, mit den ihn liewährte Autoren schmücken.2)
Das Bild, den Heiligen predigend im Kreise der Barbaren dar- stellend, ist von Frank gleich meisterhaft in Composition und Farbe in Fresko ausgeführt.
1) Der Werterhofer Fussboden, ein.· der schönsten Mosaiken diesseits der Alpen, wurde kaum eine Stunde vom Gränzwalle gefunden. Ihn bewahrt das National-Museum.
2) Wäre zu erweisen, was bisher zur grössten Wahrscheinlichkeit gebracht, dass nämlich die alten Markomannen die Stammväter 4er Bajuvaren sind, so lütte unser Volk bereits im Ausgange des IV. Jahrhunderts in Fridigild, der markomannischon Fürstentochter, die begeistert von der Lehre dos Heilandes durch den heiligen Ambrosius die Taufe einplangen, die erste Christin zu verehren, welche diesen Glauben auch unter ihrem Volke verbreitete.
Der Verein zur Ausbildung der Gewerke
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Verein zur Ausbildung der Gewerke wurde 1850 gegründet, um in Verein mit den bildenden Künsten das Handwerk auf eine volksthümliche Weise zu fördern, es zu einer künstlerischen Thätigkeit, und somit zum selbstständigen Schaffen zu bringen. Der Verein wirkt außer den permanenten Ausstellungen auch durch eine eigene Zeitschrift, welche heftweise mit Musterblättern verschiedener Art erscheint. Das Ausstellungslokal befindet sich im Erdgeschosse der nördlichen Arkaden des Hofgartens.
Der historische Verein
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der historische Verein wurde von Freunden der Geschichte und des Alterthums gegründet, und seit 1830 erscheint als Organ desselben das oberbayerische Archiv für vaterländische Geschichte. Im Jahre 1837 erfolgte die förmliche Constituirung durch k. Genehmigung mit dem Beizwecke der Erhaltung, Wiederherstellung und Veröffentlichung vorhandener Kunstdenkmale. Der Verein kam diesem Zwecke mit allen Kräften nach, legte. eine Sammlung und eine Bibliothek an, und publizirte eine Menge von Abhandlungen und Beiträgen zur oberbayerischen Geschichts- und Alterthumskunde. Am ersten Wochentag eines jeden Monats findet eine Plenarversammlung statt, seit etlichen Jahren im Akademiegebäude. Am 26. Mai 1863 feierte der Verein sein 25jähriges Bestehen.
Der c
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der literarische Verein befindet sich im Erdgeschosse des k. Odeons, und ist von Morgens 8 bis Abends 9 Uhr geöffnet. Hier ist eine große Anzahl von Journalen in den Sprachen der gebildeten Nationen. Man kann durch ein Mitglied auf drei Tage eingeführt werden, nicht eingeführte Fremde bezahlen für diese Zeit 24 kr. Das Jahresabonnement beträgt 8 fl., außerordentliche Mitglieder bezahlen einen Monatsbeitrag von 1 fl. 12 kr. Oratorienvercin, s. das.
Der philharmonische Verein
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der philharmonische Verein ist eine von dem im Jahre 1860 verstorbenen Hofmusikus Schönchen gegründete Gesellschaft, in welcher sich einheimische und auch fremde Künstler sowie Dilettanten zu musikalischen Produktionen versammeln, welche in der Regel einen Sonntag um den andern stattfinden. Das Lokal ist im k. Odeon.
Der polytechnische Ccntralverein
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der polytechnische Ccntralverein richtet seine Thätigkeit auf Kunst- und Gewerbsfleiß, und alle einschlägigen Erfindungen und Verbesserungen. Er wurde 1814 von den Herren v. Utzschneider und v. Schlichtegroll als Privatgesellschaft gegründet, und ist durch Rescript vom 22. August desselben Jahres bestätigt worden. Am 18. Mai 1813 erschien die erste Nummer seiner Zeitschrift unter dem Titel: Wöchentlicher Anzeiger für Kunst- und Gewerbsfleiß im Königreiche Bayern. Später wurde der Titel geändert in „Kunst und Gewerbeblatt des polytechnischen Vereins", und als solches besteht es noch. Die Bibliothek und das Sekretariat befinden sich auf der Hundskugel Nr. 7. Versammlungsort ist der Augsburgerhof.
Die k. Central-Veterinärschule
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die k. Central-Veterinärschule an der Veterinärstraße Nr. 6 wurde 1790 als Thierarzneischule gegründet, und dem Hofgerichtsrath untergeordnet. Als Central-Veterinärschule besteht sie seit dem 1. Febr. 1810. Das Haus, im Jahre 1790 von N. v. Schedel erbaut, erhielt unter König Ludwig eine Erweiterung. Merkwürdig sind die vorhandenen Sammlungen u. die Einrichtung für künstliche Fischzucht.
Der Viehmarkt
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Viehmarkt war in München von jeher nicht auf einem und demselben Platze, und wir haben daher noch die romantischen Straßennamen „Rindermarkt und Saumarkt." Ersterer hieß in früheren Jahrhunderten Watmanger-Straße, weil an der alten Stadtmauer Loden- und Tuchmacher ihre Werkstätten und Verkaufslokale (Watgadem) hatten. Der Name Saumarkt datirt aus dem vorigen Jahrhundert. Ursprünglich ist da Althaim, die Altham-Gasse, und davon hat sich das Althamer-Eck erhalten. Viehmarkt war in alter Zeit aus dem Anger, und dann bis zur Erbauung der Maximilians-Getreidehalle vor dem Angerthore im Graben. Die größeren Pferdemärkte werden jetzt auf dem Dultplatze abgehalten. Der Kälbermarkt ist seit 1830 im alten Stadtgraben von der Herrenstraße hinab. Hier ist noch eine Strecke der alten Stadtmauer und des Zwingers aus der früheren Zeit des 14. Jahrhunderts erhalten.
Die Villa der Königin
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Villa der Königin an der Schwabinger Landstraße ist mit dem Garten eine Zierde der Strecke vom Siegesthor bis nach Schwabing. Den Plan fertigte 1845 F. v. Gärtner, und die Herstellung kostete 100,000 st. An dieser Straße sind auch noch andere Gebäude nach Art der italienischen Landhäuser.
Wachtparaden
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Wachtparaden sind täglich zwei, etwas vor 12 Uhr, an der Residenzwache in der Feldherrnhalle, und auf der Hauptwache am Marienplatz. Die Regimentsmusiken spielen gewöhnlich drei Stücke, worauf die abgelöste Mannschaft mit klingendem Spiel in ihre Kaserne zurückkehrt.
Das städtische Waisenhaus
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das städtische Waisenhaus vor dem Sendlinger-Thore an der Findlingsstraße Nr. 3 wurde 1784 im sogenannten „Kiengarten" als Findelhaus erbaut. Die Gebär- und Kindsstube befand sich vom 13. Jahrhundert an bei dem hl. Geistspitale, und es wurden auch arme Waisen ausgenommen. Das eigentliche Stadt-Waisenhaus, dessen Begründung in's Jahr 1625 fällt, blieb aber immer nothdürftig ausgestattet, so daß der Magistrat erst 1774 das an der St. Johanniskirche gelegene Haus des Baron Maximilian von Alt- und Neufrauenhofen kaufen konnte. Nach der Centralisation 1808 wurde ein Theil der Kinder in das erwähnte Findelhans gebracht, welches seit dieser Zeit Waisenhaus genannt wird. Der Kaiser Dom Pedro von Brasilien schenkte bei seiner Vermählung mit der Prinzessin Amalie von Leuchtenberg der Anstalt 40,000 st. zur jährlichen Ausstattung von vier Mädchen. Die Stiftungsrechnung von 1861/62 weiset an Einnahmen 77,391 fl. und an Ausgaben 77,631 fl. nach.
Die Wasserleitungen
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Wasserleitungen znr Versorgung der Stadt mit Trinkwasser durch Brunnhäuser in gegenwärtiger Anlage datiren aus neuer Zeit. Die Stadt war im 17. Jahrhundert und noch später voll von Schöpfbrunnen, und nur wenige Brunnen gaben laufendes Wasser. Von einer eigentlichen Wasserleitung war erst unter dem Churfürsten Maximilian I. die Rede, welcher den berühmten Simon Reifenstuel damit beauftragte. Im Jahre 1820 waren nur noch vier alte verfallene Brunnwerke vorhanden, und der Magistrat mußte daher für gesundes Trinkwasser sorgen. Im Jahre 1821 wurde das Brunnhaus am Glockenbach gebaut, und 1834 gab er jenem am Katzenbache eine geeignete Einrichtung. Damit war das bestandene allerdings verbessert, er wollte aber durch Fassung der vorhandenen Quellen am Gasteigberge der Stadt ein vollends gutes Trinkwasser liefern, und stellte von 1836—1837 mit einem Aufwande von 113,483 fl. 11 kr. das Brunnhaus auf der Kalkinsel vor der äusseren Isarbrücke her. Der Erbauer dieses trefflichen Brunnhauses ist der städtische Baurath Carl Muffat. Durch die genannten Anlagen gewann die Hälfte der Stadt bis hinaus an die Süd - Westgränze derselben hinreichend Wasser. Der Hauptwasserbehälter war aber auf dem Berge bei Haidhausen im Brunnthal in der Nähe des Maximilianeum, von welchem schon Reifenstuel Wasser nach dem Restdenztheile leitete. König Ludwig ließ ein neues Brunnhaus erbauen und in demselben zwei Dampfmaschinen aufstellen, welche im Februar 1836 zu arbeiten anflngen, nach allen Richtungen treffliches Quellwasser abgaben, und besonders die Residenz reichlich versahen. Im Jahre 1833 wurde das Brunnhaus demolirt, und das Wasser in eine große Brunnstube gesammelt, welches nun durch eigene Schwere durch eiserne Röhren in das Hofbrunnhaus neben der Hospfisterei strömt, von welchem aus es durch Dampfkraft durch die Straßen getrieben wird. Das neue Brunnhaus erbaute 1854 der Hofbauinspektor F. Jodl. Andere Brunnhäuser um den nördlichen Theil der Stadt kamen dadurch in Quieszenz, aber wir hatten seit der neuen Einrichtung im Brunnthal nicht immer gutes Wasser. Es mußte daher in neuester Zeit in Haidhausen ein Abzugskanal erbaut werden, um das Wasser vor beuureinigeuden Stoffen zu sichern. Uebrigens ist eine zweite Hoffnung der Realisirung nahe. Der Magistrat läßt das kostbare Quellwasser bei Thalkirchen hereinleiten, und schon ist die provisorische Brunnstube in Angriff genommen.
Eine mächtige Wassermasse liefert durch Dampfkraft der Wasserthurm am Wasserfalle im englischen Garten nach der Ludwigsstraße. Von da aus kommt das Wasser der Brunnen auf dem Universitätsplatz, deren Strahl seit dem ersten Mai 1844 hoch empor braust. Jener Stadttheil ist wasserarm, und somit sind diese Brunnen eine Wohlthat, wenn sie auch nicht Quellwasser geben.
Die Wieskapelle
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die Wieskapelle hinter der St. Peterskirche auf dem alten Stadtwalle, soll nach der an der Aussenseite angebrachten Stein- tafel um 1280 erbaut sehn. Ueber die Unrichtigkeit dieser Angabe haben wir in der Geschichte von München S. 15 gehandelt. Der Bau ist nicht vor 1315 zu setzen, und daher fällt der Glaube, daß dieß die älteste Kirche der Stadt sei, vollkommen zusammen. Die Kapelle auf dem Widem — irrig Wieskapelle — wurde 1804 in eine magistratische Registratur verwandelt, und der daselbst verehrte Christus an der Säule, ein Werk des Andreas Wunhart um 1415, befindet sich in der St. Peterskirche.
Der Wittelsbacher-Platz
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der Wittelsbacher-Platz erhielt seinen Namen 1827, und begrenzt von herrlich en Palästen, ist seine Hauptzierde die Reiterstatue des Chursürsteu Maximilian I. in Feldherrnrüstung, 17 ½ Fuss hoch auf einem eben so hohen Piedestal. Die Statue wurde nach dem Modelle Thorwaldsen's von Stiglmayer in Erz gegossen. An der Vorderseite des Postamentes steht der Name des gefeierten Wittelsbachers,, an der Rückseite liest man: Errichtet von Ludwig I., König von Bayern, XII. Oct. MDCCCXXXIX. Die Statue des großen Churfürsten hat Portraitähnlichkeit, indem Thorwaldsen das große von Nikolaus Prucker gemalte Bildniß desselben im Saale der Stifter der Pinakothek vor sich hatte. Dieses Monument hat eine eigene Literatur, welche sich vom Hufe des Pferdes bis zum bloßen Haupte des Helden im dreißigjährigen Kriege erstreckt. Er ist nach der Schlacht am weißen Berge (1620) gedacht, wie er sich das Vorwärts zuruft.
Das Zacherl-Bräuhaus
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das Zacherl-Bräuhaus an der Ohlmüllerstraße Nr. 11 in der Au gehört zu den sehenswürdigen Etablissements dieser Art. Der verstorbene Bräuer N. Zacherl gab derBierfabrikation die größte Ausdehnung, und legte auf dem Isarraine einen entsprechenden Keller an. Die Braugerechtsame ist jene, welche der Churfürst Maximilian I. den Paulaner Mönchen verliehen hatte. Sie brauten das erste Salvatorbier, dessen Ruf noch jetzt auf dem Zacherl-Bräuhause ruht. Das Salvatorbier und der Bock reichen sich in den Monaten April und Mai die Hände, uud erfreuen sich einer Legion von Anhängern. In dem geräumigen Garten, welcher an die ausgedehnten Kellergebäude stößt, finden oft musikalische Produktionen statt. Die gegenwärtigen Brauereibesitzer sind die Gebrüder Heinrich und Ludwig Schmederer.
Das königliche Zeughaus
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Das königliche Zeughaus befindet sich in einem provisorischen Zustande an der Frauenhofer-Straße Nr. 8. Das alte Militär-Zeughaus rechts in der Tiefe der Maximiliansstraße wurde 1862 geräumt.
Der zoologische Garten
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Der zoologische Garten ist eine Schöpfung der neuesten Zeit, und zwar aus den Mitteln eines patriotischen Mannes, des Ban- quier Benedikt. Er erwarb 1862 rechts vor dem Siegesthor das ehemalige Maillot-Schlößchen mit dem großen Garten, und be- nützte diesen zu seinem Zweck. Die Gebäude, Behältnisse und Umzäunungen für die Thiere, und alle neue Pflanzungen und Wege wurven 1863 vollendet. Der Eingang ist vom englischen Garten unterhalb der Veterinärschule.
Die zoologisch-zootomische Sammlung
Nagler - Acht Tage in München (1863)
Die zoologisch-zootomische Sammlung befindet sich im ersten Stocke des Jesuitengebäudes, ist sehr reich an Skeletten, ausgestopften Säugethieren und Vögeln ec. Es ist damit auch die ausgezeichnete Sammlung europäischer Schmetterlinge des Freiherrn von Mulzer vereinigt.
Gerstenhaus zum Löwenbräu
München und seine Bauten (1912)
Das Gerstenhaus der Aktienbrauerei zum Löwenbräu wurde 1910 nach den Entwürfen der Architekten Gebrüder Rank ausgeführt. Die Kostensumme betrug M. 175000, pro edm M. 13.70. Um bei verhältnismäßig niederen Stockwerken von nur 2,80 m i. L. möglichst viel Grundfläche zu gewinnen, wurden sogar die Speicher in Eisenbeton ausgeführt, damit sie zur Lagerung von Gerste benützt werden können. Die ganze Fassade bis in die Dacherker ist als Eisenbetonkonstruktion ausgeführt und zwar derart, daß die Säulen mit vorher hergestellten Betonhohlkörpern ausgeführt und nachträglich ausgestampft wurden. Ein kleiner Dachreiter dient zur Anbringung von Telephondrähten.
Haus Ostenrieder
München und seine Bauten (1912)
Dieses Haus wurde von Architekt Max Ostenrieder 1896/97 zu Wohn- und Geschäftszwecken errichtet. Erdgeschoß, Er ker, Fensterumrahmungen und Giebelbekrönung bestehen aus Muschelkalk, während die übrigen Mauerflächen in Rauhputz gehalten sind. Die Erdgeschoßdecke ist massiv, die Stockwerksdecken dagegen sind einfache Holzbalkendecken.
Haus Kaut
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Kaut am Platzl entstand in den Jahren 1896/97 nach den Plänen des Architekten Max Ostenrieder. Die Fassade zeigt eine einfache Putzarchitektur mit Muschelkalkumrahmung. Das Erdgeschoß besitzt eine Massivdecke, die anderen Stockwerke Holzbalkendecken.
Haus Gautsch „zum Meteck"
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Gautsch wurde im Jahre 1902 nach den Plänen des Baugeschäftes Heilmann & Littmann errichtet. Die Fassade, ausgeführt in Kalkputz und Muschelkalkstein, ist architektonisch reich gegliedert, unter Verwendung von Glasmosaikbildern und Plastik. Die Erker und Vordächer sind mit Kupferblech eingedeckt. Das Gebäude steht an ex ponierter Stelle, weshalb Wert darauf gelegt wurde, es in die Umgebung glücklich einzugliedern und so ein gutes Straßenbild zu schaffen. Mitarbeiter: Architekt E. Goebel.
Haus Roiger
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Roiger wurde in den Jahren 1904/05 zu Wohn- und Geschästszwecken nach den Plänen des Architekten Max Ostenrieder erstellt. Die Mauerflüchen zeigen nur einen ein fachen Rauhverputz, unter Verwendung von Muschelkalk.
Haus Böhler
München und seine Bauten (1912)
Antiquar Julius Böhler ließ 1904 05 an Stelle des Baron Hirschschen Anwesens an der Briennerstraße ein Geschäfts- und Wohnhaus errichten. Den Entwurf hierzu lieferte Professor Dr. Gabriel von Seidl. Das Haus enthält im Erdgeschoß Ausstellungs- und Geschäftsräume, in den beiden oberen Geschossen die Privatsammlung des Besitzers und dessen Wohnung. Die Fassade ist dem ruhigen italienisierenden Charakter der Straße entsprechend gehalten. Der plastische Schmuck stammt von Professor J. Seidler.
Geschäfts- und Wohnhaus
München und seine Bauten (1912)
Das Geschäfts- und Wohnhaus Rosental 15 wurde 1909/10 nach dem Entwürfe des Architekten Max Neumann erbaut. Die Bausumme betrug M. 240 000, pro e1)m M. 28.50. Die Hofumfassungsmauern sind in Zementmauerwerk, die Fundamente, Pfeiler und Decken über Erdgeschoß und 1. Stock in Eisenbeton, die Decken der oberen drei Etagen in Holzbalken ausgeführt. Erdgeschoß und 1. Stock enthalten Verkaufsräume, die übrigen Etagen Wohnungen. Bei der äußeren Gestaltung des Gebäudes war neben der Betonung der inneren Einteilung die Umgebung und die geringe Straßenbreite mitbestimmend. Der figürliche Schmuck an der Fassade stammt von Bildhauer M. Gasteiger.
Geschäfts- und Wohnhaus
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Pettenbeckstraße 5, erbaut im Jahre 1909/10 nach den Plänen des Architekten Ludwig von Weckbecker, dient im Erd- und ersten Obergeschoß Geschäfts-, in den anderen Geschossen Wohnungszwecken. Die Wirkung derFassade ist durch den Gegensatz der vertikal gerichteten Erker und Lisenen zu der im übrigen stark betonten Horizontale zu beleben versucht. Der plastische Schmuck ist auf das Einfahrtstor und auf die Erkerfelder beschränkt. Kosten pro edm umbauten Raumes rund M. 20.
Neubau der alten Stadtkommandantur
München und seine Bauten (1912)
Die Immobilienhandelsgesellschaft ließ im Jahre 1910 nach den Plänen des Architekten Georg Meister in der Theatinerstraße, an Stelle des alten Kommandanturgebäudes, einen modernen Geschäfts- und Bürohausneubau errichten, wobei Verkehrsverhältnisse eine Zurücksetzung der Baulinie erforderten. An der in Muschelkalk ausgeführtenFassade ist wegen Unterbringung der Firmenschilder die Horizontale stark betont. Teils zur verstärkten Horizontalwirkung, teils zur scheinbaren Minderung der Höhe des Gebäudes ist über dem 3. Stock vor dem terrassenartig zurückgesetzten 4. Stock ein durchlaufendes Balkongitter angebracht. Künstlerische Mitwirkung: Architekt O. E. Bieber.
Geschäftshaus Hage & Poelt
München und seine Bauten (1912)
Im Jahre7l911 mußte ein charakteristischer Bau der Altstadt am Marienplatz, das alte d'Orvillehaus am Schleckergäßchen, einem dem neuen Geschäfts- und Verkehrsleben angepaßten Neubau weichen, der nach den Plänen des Architekten Georg Meister errichtet wurde. Der cbm umbauten Raumes kam auf M. 32.70 zu stehen. Das Aeußere ist ein Putzbau, einzelne Partien sind dagegen in Werkstein hervorgehoben. Künstlerische Mitwirkung: Architekt D. E. Bieber.
Wohn- Maximiliansplatz und Geschäftshaus A. S. Drey
München und seine Bauten (1912)
Das Wohn= und Geschäftshaus A. S. Drey am Maximiliansplatz wurde 1911 nach dem Entwurf des Professors Dr. (Gabriel von Seibl erbaut. Die Fassadendekoration besteht aus Friefen und Gliederungen, welche in Terrakotten von der Kgl. Porzellanmanufaktur Nymphenburg nach Modellen von Professor Frz. Naager hergestellt sind. Der Fassadenputz ist in Terranova ausgeführt. Die Steinfiguren schufen die Bildhauer Düll und Pezold. Als Hausteinmaterial wurde Donaukalkstein verwendet.
Haus Apotheker Erhard
München und seine Bauten (1912)
Das Haus des Apothekers Erhard wurde im Jahre 1888 als eines der ersten Häuser am Bavariaringe nach den Plänen des Professors Dr. Gabriel von Seidl erbaut. Die Ausführung war dem Baumeister O. Strelin übertragen. Die Plastik stammt von Professor Anton Pruska. Als Hausteinmaterial wurde Donaukalkstein von C. A. Lang in Kelheim verwendet.
Wohnhaus
München und seine Bauten (1912)
Das Wohnhaus Widenmayerstraße wurde im Jahre 1909 durch den Architekten Ludwig Grothe erbaut.
Miethausgruppe
München und seine Bauten (1912)
Die im Jahre 1896 entstandene Miethausgruppe am Isartorplatz sollte einen wirksamen Abschluß dieses Platzes gegen Osten bilden. Die Häuser sind von Baumeister Kalb auf eigene Rechnung erbaut und als verputzte Backsteinbauten mit Ziegeldach durchgeführt worden. Die architektonische Durchbildung stammt von Professor Carl Hocheder.
Wohnhaus
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Ferdinand-Miller-Platz 2 wurde 1898/99 nach den Plänen des Professors Leonhard Romeis (†) erbaut.
Wohnhaus Reinemann
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Reinemann wurde 1898/99 nach den Plänen des Architekten Geh. Hofrat Professor Dr. Friedrich von Thiersch erbaut. Im Hauptgebäude sind drei herrschaftlich ausgestattete Wohnungen, im rückwärtigen Flügelbau Bureauräumlichkeiten, Hopfenlager, Remisen, Stallungen enthalten. Die Baukosten betrugen M. 200 000, das sind pro qm überbauter Fläche M. 507 oder pro cbm überbauten Raum M. 23. Die Ausführung derMörtelstuckfassade nach Skizzen des Architekten lag in den Händen des Professors E. Pfeifer.
Haus Kreiller
München und seine Bauten (1912)
DasHausKreiller an derWienerstraße wurde imJahre 1900 als geputzter Backsteinbau mit Ziegeldachung nach den Plänen des Baumeisters Hans Hartl errichtet. Die Fassadengestaltung erhielt es durch Professor Carl Hocheder.
Wohnhaus
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Franz-Josephstraße 34, em Teil einer großen Gruppe, welcher sich vom Habsburgerplatz bis zur Römerstraße erstreckt, wurde 1900 nach den Plänen des Architekten Max Lang Heinrich erbaut. Der Hofraum konnte wegen der anstoßenden großen freibleibenden Flächen auf das zulässige Minimum von einem Drittel der Gesamtfläche beschränkt werden. Durch die spmmetrischeAnordnung derWohnungen und durch das Bestreben, jedem einzelnen Raum genügend Belichtung zu schaffen, entstand die eigentümliche Grundrißform, welche sich gut bewährt hat. Das Haus ist den Münchner Verhältnissen entsprechend als verputzter Backsteinrohbau ausgeführt und hat im Innern eine besseren Ansprüchen genügende Durchbildung erfahren. Baukosten M. 180000.
Herrschaftliches Mietwohnhaus
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Hiltensbergerstraße 3 am Josephsplatz wurde im Jahre 1903 nach den Plänen der Architekten Stengel und Hofer erbaut. Die Fassade, in einfachster Putztechnik gehalten, wird durch Erker belebt, von denen derjenige an der Ecke in Muschelkalk ausgeführt ist.
Haus Brend'amour, Simhart & Co.
München und seine Bauten (1912)
ImJahre 1906 ließ dieFirma Brend'amour, Simhart Co. durch den Architekten Georg Meister an der Nymphenburgerstraße einen Neubau errichten, der in seinem vorderen Trakt Wohnungen, in seiner mittleren und rückwärtigen Anlage geschäftliche Lokale enthält. Puttenbekrönte Pfeiler flankieren den Eingang zum Wohnhaus. Der cbin umbauten Raumes kam auf M. 21.30 zu stehen. Künstlerischer Mitarbeiter: Architekt O. E. Bieber.
Baugruppe
München und seine Bauten (1912)
Die Baugruppe Kapuzinerstraße 65/67 wurde im Jahre 1906 nach den Plänen der Architekten Stengel und Hofer errichtet. Beide Gebäude kamen über den Glockenbach zu stehen, weshalb sich Konstruktion, Fundierung und Aufbau ziemlich schwierig gestalteten. Es mußte bei schlechtem Baugrunde ein großer Wasserandrang bewältigt werden. In einer Tiefe von zirka 5 in unter dem Wasserspiegel wurde mit der 2 m breiten Fundamentsohle begonnen. Die Fundamentmauern erhielten zur Sicherung gegen ein Abreißen oder einseitiges Setzen starke, der ganzen Länge nach durchgehende Eiseneinlagen. Beide Bauten enthalten kleine Mietwohnungen, im Erdgeschoß jedoch Läden.
Wohnhaus
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Tengftraße 31 wurde im Jahre 1910 nach den Plänen der Architekten O. O. Kurz und E. Herbert erbaut. Die Bausumme betrug rund M. 140 000, wobei zu erwähnen ist, daß in der Innenausstattung großer Wert auf vornehm gediegene Ausführung gelegt wurde.
Häuserblock
München und seine Bauten (1912)
Der Häuserblock an der Nymphenburgerstraße, zwischen Alfons- und Hedwigstraße, enthält herrschaftliche Mietwohnungen von vier bis acht Zimmern und allen modernen Nebenräumen für die Wirtschaft. Die Bebauung und Ausführung der Fassaden erfolgte im Jahre 1911 nach den Plänen des Professors Richard Berndl, während die Ausarbeitung der Grundrisse, gleichzeitig mit der Ausführung des Blockes, von der Firma Heilman & Littmann übernommen wurde. Als Material diente Backstein mit Kalkmörtelputz, zu den Terrassen und Vorgarteneinfriedungen Beton.
Wohnhaus Spranger
München und seine Bauten (1912)
Das Wohnhaus „Spranger" an der Renatastraße Nr. 5 in München-Neuhausen wurde 1894 nach den Plänen des städtischen Baurates Dr. Hans Grässel erbaut. Es ist ein freistehender verputzter Backsteinbau mit rotem Ziegeldach, in der Villenkolonie Neuwittelsbach. Der Bau ist ein Beispiel des selbstlosen Eingreifens des Stadtbauamtes München zu jener Zeit, um eine sonst mißglückende Sache im Interesse der Stadt und des erwähnten Villenviertels so weit als möglich zu retten.
Kleinhäuser
München und seine Bauten (1912)
Gern an der Kratzerstratze
Die Kleinhäuser an der Kratzerstraße in Gen wurden im Jahre 1897 durch die Architekten Heilmann & Littmann erbaut. Die Gesamtgröße des einzelnen Anwesens beträgt ca. 220 qm, wovon 65 qm überbaut siud. Ein Haus enthält fünf Zimmer, Küche, Kammern und Nebenräume.
Haus Professor Toni Stadler
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Professor Toni Stadler wurde im Jahre 1899 nach den Plänen des Professors Dr. Gabriel von Seidl erbaut. Das Gebäude ist als verputzter Backsteinbau ausgeführt. Das Portal und einzelne wichtige Bauteile sind aus Douaukalkstein. Die Bildhauerarbeiten schuf Professor Joseph Rauch.
Haus Professor Toni Stadler
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Professor Toni Stadler wurde im Jahre 1899 nach den Plänen des Professors Dr. Gabriel von Seidl erbaut. Das Gebäude ist als verputzter Backsteinbau ausgeführt. Das Portal und einzelne wichtige Bauteile sind aus Douaukalkstein. Die Bildhauerarbeiten schuf Professor Joseph Rauch.
Haus Klopfer
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Klopfer wurde im Jahre 1901 nach den Plänen des Professors Dr. Gabriel von Seidl erbaut. Die Fassaden sind in Terranova geputzt. Als Hausteinmaterial des Portales wurde Donaukalkstein verwendet. Der plastische Schmuck des Hauses stammt von Professor A. Pruska. Die Ausführung erfolgte durch die Firma Heilmann & Littmann.
Villa Kustermann
München und seine Bauten (1912)
Das Haus, als herrschaftlicher Wohnsitz des Konsuls und Fabrikbesitzers Hugo Kustermann dienend, wurde 1901/02 vom Baugeschäft Heilmann & Littmann (Architekt Professor Max Littmann) erbaut. Die Kosten betrugen ohne Nebenarbeiten und teilweise Innenausstattung M. 188000, pro cdm rund M. 31. Die Ausführung erfolgte in Massivbau mit Deckenkonstruktionen aus Beton mi tBimsmaterial. Der Bodenbelag ist teils Parkett, teils Linoleum. Das Haus besitzt Niederdruckdampfheizung und Warmwasserbereitungsanlage. Die Fassaden haben Putzarchitektur mit teilweiser Verblendung von Kunst- und Haustein. Als Übergang zum Garten ist im Süden eine geräumige Terrassenanlage vorgelegt.
Villa Lindenhof
München und seine Bauten (1912)
Die Villa Lindenhof wurde 1902/03 als Eigenheim des Professors Max Littmann in Bogenhausen erbaut. Bei der künstlerischen Ausstattung der Räume galt der Grundsatz, Ersatzstoffe vollständig auszuschließen und nur echtes Material zu verwenden. Das Haus enthält Warmwasserheizung, Ventilation, elektrisches Licht, Gas für Küche, Herd, Rost, Waschküche und Bügelofen, Warmwasser für Bad, Wasch und Spültische und Ausgüsse.
Wohnhaus Dr. v. Hößlin
München und seine Bauten (1912)
Das Wohnhaus Prinzenstraße 8 wurde nach den Plünen des Architekten Peter Birkenholz 1903/04 als Arztwohnung für die Privatheilanstalt Neuwittelsbach erbaut. Das Baumaterial wurde zum größten Teil aus dem Abbruch eines alten Wohnhauses, das auf dem gleichen Areal stand, gewonnen. Die Baukosten betrugen als Pauschalsumme M. 40000, pro cbm umbauten Raumes M. 13.
Haus Gutsbesitzer Paul Lautenbacher
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Lautenbacher wurde im Jahre 1905/06 nach den Plänen des Professors Emanuel von Seidl erbaut. Es ist bezüglich der Wohnräume nach der Himmelsrichtung und Gartenseite orientiert und so im wesentlichen von innen herausgebaut, wobei auf eine gute Gruppierung Wert gelegt wurde. Die Wandflächen in Putz mit rotem Kunststein stehen gegen ein tiefbraunes, altes Ziegeldach. Baukosten M. 175000.
Haus Gebhardt
München und seine Bauten (1912)
Ecke Großhesseloher- und Fridastraße
Das mit Zentralheizung versehene Einfamilienhaus Gebhardt, Prinz-Ludwigshöhe, wurde 1906 auf Wunsch des Bauherrn von Architekten Th. Veil in einem den Bauten um 1800 verwandten Sinne erbaut und enthält außer den erforderlichen Wohnräumen im Erdgeschoß eine hinter der Säulenvorhalle gelegene Wohnhalle, im Dachgeschoß ein Atelier mit Nebenräumen. Der plastische Schmuck der Säulen und des Architraves ist ein Werk des Bildhauers I. Rauch in Berlin. Die Baukosten betrugen M. 80000, pro cbm umbauten Raumes M. 26.
Einfamilienhäuser
München und seine Bauten (1912)
Cuvilliesstraße 27 und Lamontstraße 30
Die Einfamilieuhüuser Cuvilliesstraße 27 und Lamontstraße 30 wurden 1907 durch die Architekten Brüder Ludwig erbaut. Das erstere Objekt kam auf M. 127000, das letztere auf M. 98000 inklusive Einfriedung und Gartenanlage zu stehen, was einem Preis pro cbm umbauten Raumes von M. 26, bezw. M. 24 entspricht. Beide Häuser sind mit roten Biberschwänzen gedeckt und besitzen im Innern Warmwasserheizung und Warmwasserleitung. Die beibeii Anwesen bilden mit ihren gegen Süden vorgelagerten Gärten gleichsam die nördliche Platzwand der hierzu einem kleinen Platz erweiterten Euvilliösstraße. Deshalb sind die Einfriedungen der beiden Anwesen als hohe Mauer mit darauf lastenden Gartenhäusern an den Ecken und einer Pergola auf massiven Pfeilern dazwischen durchgebildet.
Einfamilien Kolbbergstraße
München und seine Bauten (1912)
Das Einfamilienhaus Kolbergerftraße 16 wurde 1907/08 nach den Plänen des Architekten Karl Jäger erbaut. Baukosten M. 48000 oder M. 25 pro ebm. Das Grundstück grenzt an eine öffentliche Parkanlage, deshalb wurden die Hauptwohnräume nach der Gartenseite gelegt.
Wohnhaus Christmann
München und seine Bauten (1912)
Das Wohnhaus Christmann, Nenatastraße 29, wurde im Jahre 1909 als Putzbau mit gestocktem Betonsockel und Ziegeldach nach den Plänen der Architekten Honig und Söldner erbaut. Das äußerlich einfache Haus hat innen den Charakter eines feinen Bürgerhauses mit ausgedehnter Verwendung von Holztäfelung an den Wänden und Decken. Nach Süden ist ein architektonisch ausgebildeter Garten mit mittlerem Brunnen vorgelagert. Im Erdgeschoß sind Schiebefenster mit Spiegelglas verwendet. Das Untergeschoß enthält u. a. eine Kegelbahn mit Kneipzimmer. Durch die im 1. Stock eingeschobene Separatwohnung ist der Charakter als reines Einfamilienhaus verwischt. Die Gesamtbaukosten betrugen M. 110000, pro ebm umbauten Naum M. 31.
Haus Gritzner
München und seine Bauten (1912)
Das Einfamilienhaus Julius Gritzner wurde 1909/10 durch Architekt Ludwig Grothe erbaut. Die Hauptfassaden sind größtenteils in Kunststein ausgeführt; zur Ausstattung des Innern wurden nur echte und wertvolle Materialien verwendet. Das Haus, welches nur aus dem Erdgeschoß besteht, enthält in diesem mit Ausnahme von einigen Nebenräumen sämtliche Räume. Die Wohnrüume sind nach dem Garten zu gelegen, der dem Hause in beträchtlicher Ausdehnung vorgelegen ist, und dessen Abschluß letzteres bildet. Künstlerischer Beirat war Ehristian Seebach.
Kgl. Hofgartendienstgebäude
München und seine Bauten (1912)
Das Dienstgebüude ist durch die Vermögensadministration S. M. des Königs Otto von Bayern im Jahre 1910 nach den Plänen des kgl. Hofoberbaurates E. Drollinger erbaut worden. Es enthält in dem vorderen, den Anlagen zugewendeten Teil im Erdgeschoß eine Dienstwohnung für den Kgl. Hofgartenverwalter und im Obergeschoß zurzeit eine Wohnung für den Oberinspektor der Kgl. Hofgärten. Im anstoßenden eingeschossigen Flügelbau sind das Bureau, Wohnung für Bedienstete, Räume für Sämereien und Magazine für die Gärtnerei untergebracht. Im rückwärtigen Anbau befindet sich die Stallung mitHeuboden. DasAeußere des Baues ist der landschaftlichen Umgebung inmitten hoher Baumanlagen angepaßt und trägt der Zweckbestimmung des^Hauses entsprechenden gärtnerischen Schmuck. Die Gesamtbaukosten betrugen M. 92300, d. i. pro ebm umbauten Raumes M. 22.
Einfamilienhaus
München und seine Bauten (19121)
Das Einfamilienhaus Aiblingerstratze Nr. 9 wurde 1910 nach den Plänen des Architekten Emil Leykauf erbaut. Die Baukosten betrugen inkl. Einfriedung M. 41000, pro cbm umbauten Raumes rund M. 19.50. Das Gebäude besteht aus Souterrain, Erd- und Obergeschoß, sowie teilweise ausgebautem Dachgeschoß. Es ist auf betoniertem Sockel in Backsteinwerk mit glatten Putzfassaden ausgeführt. Das Dach ist mit Biberschwänzen doppelt eingedeckt. DieKellerdecken sind zwischen ^-Trägern ausbetoniert und teils mit Hartholz- teils mit fugenlosen Fußböden belegt. Die übrigen Decken sind Holzbalkendecken mit Linoleumbelag. Das Gebäude besitzt eine Zentralwarmwasserheizung, eine vollständige Wasserzu- und ableitung, Gas- und elektrische Beleuchtung. Außer den in den Grundrissen ersichtlichen Räumen enthält das Gebäude im Souterrailn Hausmeisterwohnung,Waschküche,Heizraum,GarageundKellerräume.
St. Ulrichsapotheke
München und seine Bauten (1912)
Die St. Ulrichsapotheke wurde 1910/11 uach dem Entwürfe des Professors Theodor Fischer mit einem Kostenaufwande von M. 93400, pro cbm umbauten Raumes M. 19, erbaut. Die Kellermauern sind in Beton, die Fassaden in Kalkputz ausgeführt. Den Keller überspannt eine flache Betondecke, alle Stockwerksdecken sind Balkendecken.1912
Wohnhaus Kunstmaler Böninger
München und seine Bauten (1912)
Das Wohnhaus für Kunstmaler Robert Böninger wurde 1910/11 nach den Plänen des Architekten Paul Ludwig Trooft erbaut. Die eigenartige Lage des Grundstückes gestattete eine besonders malerischeGestaltung der Bauanlage. Der Fassadenputz ist im primitiven, ländlichen Charakter ausgeführt und hell getönt. Die Dächer sind mit schwarzen 8-Ziegeln ausgeführt.
Haus Freundlich
München und seine Bauten (1912)
Das Haus Freundlich wurde 1911 nach den Plänen des Professors Dr. Gabriel von Seidl umgebaut und aufgebaut. Die Fassaden des Hauses sind mit Terranova verputzt, während die Architekturteile, wie Säulen und Balustraden in Donaukalkstein ausgeführt sind. Der Bildhauerfries in Betonguß stammt von Professor Anton Pruska.
Kleinwohnungsbauten
München und seine Bauten (1912)
In den Jahren 1909,1910 und 1911 errichtete die Terraingesellschaft Neuwestend, Aktiengesellschaft in München, auf ihrem ausgedehnten Grundbesitze in München-Laim, welcher sich durch seine gesunde Lage mrd vor allem durch seine ganz vorzügliche Verbindung bei Tag und bei Nacht mit dem Stadtinnern, sowohl durch Straßenbahn wie Vorortszüge, auszeichnet, 20 Neubauten nach Plänen von Professor Dr. Theodor Fischer und zwar in der Perhamerstraße die vier Miethäuser Nr. 1, 3, 4 und 6, welche aus Parterre und zwei Stockwerken bestehen und 2-, 3- und 4-Zimmerwohnungen mit Küche, Kammer und Bad enthalten, mit gut bürgerlichem Komfort ausgestattet uud mit Gas uud elektrischem Licht versehen sind. Die Mietpreise dieser Wohnungen stellen sich gegenwärtig für2-Zimmerwohnungen aufM.45, 3-Zimmerwohnungen aufM. 60,4-Zimmerwohnungen auf M. 85 pro Monat. Im Hause Perhamerstraße Nr. 3 bebefinden sich die Amtslokale der Postsiliale München W. 42. In der Stadtlohnerstraße sind die Häuser Nr. 2,5,7,9 und 16 Miethäuser in gleicher Ausstattung wie die Häuser der Perhamerstraße, auch hier sind 2-, 3- und 4-Zimmerwohnungen und diese zu den Mietpreisen der Häuser in der Perhamerstraße vermietet. Die Anwesen Stadtlohnerstraße Nr. 4, 6, 8, 10, 12 und 14, sowie 1 und 3 sind herrschaftliche Einfamilienhäuser mit 7, resp. 6 und 5 Zimmer mit Küche, Kammern,Bad, sehr gut ausgestattet, durchwegs mitWarmwasserheizung versehen, ebenso mit Gas und elektrischem Licht, Speisenaufzug, sowie zu jedem Hause ein eigener Garten mit Sommerhaus. Die Einfamilienhäuser sind bereits aus dem Besitze der Terraingesellschaft Neuwestend A.-G. in dritteHünde übergegangen. Die drei Häuser in der Camerloherstraße Nr. 62, 64 und 66 enthalten nur 2-Zimmerwohnungen; es kosten in diesen Häusern 2 Zimmer mit Küche durchschnittlich M. 30 pro Monat. Auch diese Häuser, deren Innenausstattung eine einfachere ist, haben Gas und elektrisches Licht.
Wohnhausgruppe
München und seine Bauten (1912)
Die Terrain-Aktiengesellschaft Bavaria ließ in den Jahren 1910/11 durch das Baugeschäft Heilmann&Littmannan der Valleystraße und ihren Seitenstraßen insgesamt 40 Wohnhausneubauten ausführen. Der Baublock enthält hauptsächlich Kleinwohnungen mit 2 bis 3 Wohnräumen und Küche. Für die Wohnungen jedes Stockwerks wurde ein gemeinschaftliches Bad angeordnet, was sich sehr bewährt hat. Die Ausstattung ist einfach, aber solid: Parkettböden, Doppelfenster und Rolläden. Die Fassade ist in Kalkmörtel ausgeführt und durch Giebel, Erker, Loggien und Balkone belebt. Durch die großen Durchfahrten gewinnt man von der Straße aus einen Einblick in den Hof mit den gärtnerischen Anlagen.
Kleinwohnungsanlage
München und seine Bauten (1912)
Die Häuser wurden in den Jahren 1909/10 an der ThalKirchner- und Dreimühlenstraße von den Architekten Heilmann & Littmann errichtet. Bemerkenswert ist die Eingruppierung der Anlage in die schon vorhandenen älteren Bauquartiere. Besondere Rücksicht wurde auf die Ausstattung der Höfe genommen, damit diese nicht nur genügend Licht für die Wohnräume, sondern auch einen behaglichen und freundlichen Eindruck gewähren. Die Häuser enthalten nur 2- und 3-Zimmerwohnungen mit Küche, teilweise auch Kammern. Für sämtliche Bewohner der Häuser wurde im Souterrain jedes Hauses eine gemeinschaftliche Badeeinrichtung ausgeführt. Die überbaute Fläche beträgt 4030 qm, derKubikinhalt 6400 cbm, die nutzbare Fläche einschließlich der Gänge und Klosetts 11225 qm, die Größe des Bauplatzes 7390 qm.
Kleinwohnungshäuser
München und seine Bauten (1912)
Der Verein zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse in München E.V. ließ in den Jahren 1909—11 an derAeußeren Dachauerstraße nach den Plänen des Architekten Johann Mund einen Kleinwohnungsblock erstellen. Das rechteckige Grundstück ist 140 m lang und 68 m breit. An den vier Straßenfronten, die einen sehr großen Gartenhof umschließen, liegen insgesamt 24 Kleinhäuser. In den Kleinhäusern, die durchschnittlich eine Breite voit 13 m und eine Tiefe von 11,60 m haben, liegen in einem Stockwerk entweder zwei Wohnungen mit drei Räumen von rund 15 bis 17 qm oder dreiWohnungen mit je zwei solchenRäumen. Kammern sind dabei nicht mitgezählt. In einem normalen Kleinhaus mit Erdgeschoß, zwei Obergeschossen und halbausgebautem Dachgeschoß sind nur 7—9 Wohnungen untergebracht. Die lichte Stockwerkshöhe beträgt 2,75 m, im Dachgeschoß 2,60 m. Sämtliche Wohnungen sind für sich abgeschlossen, haben eigenen Vorplatz und Wasserklosett in der Wohlmng. Jedes Koch- und Wohnzimmer hat einen möglichst wettergeschützten Balkon oder Loggia. Die Beheizung geschieht durch Einzelöfen, in den Wohnküchen mittels Kachelsesselöfen oder mittels eiserner Regulierfüllöfen. Die Koch- und Wohnzimmer sind mit Eichenriemenparkett versehen, Wände und Decken durchwegs in gebundener Kalkfarbe gestrichen. Der Wert sämtlicher Anwesen inklusive Grundstück, Straßenherstellung, Pflasterung usw. beträgt nach Abschlußrechnung ziemlich genau M. 1400000.
Tanzpavillon
München und seine Bauten (1912)
Altmünchen war reich an behaglichen Hausgärten und an öffentlichen Erholungsgärten (siehe die Aufnahmen von Gustav Steinlein nach dem im Nationalmuseum befindlichen Stadtmodell vom Jahre 1571, Heft 5,6. und 7. Jahrgang 1910 der Monatsschrift des Bayerischen Vereins für Volkskunst und Volkskunde in München, Damenstiftstraße Nr. 5, und die Stadtplüne Münchens vom Anfang des 19. Jahrhunderts).
Ein Hausgarten mit plätscherndem Brunnen und einem „Salettl" war früher ein notwendiger Bestandteil jedes besseren Bürgerhauses. Infolge Vergrößerung der Einwohnerzahl und der damit verbundenen Steigerung der Grundstückpreise, besonders im Innern der Stadt, verschwanden diese Hausgürten immer mehr. Der hohe Grundstückpreis führte zum Abbruch der älteren Gebäude und zur größtmöglichsten rentierlichen Ausnützung für Geschüftszwecke. Vorhanden sind u. a. noch der Hausgarten, Hackenstraße Nr. 7, und die früheren Klosterhausgürten beim Damenstift, Damenstiftstraße Nr. 2, beim Herzogspital, Herzogspitalstraße Nr. 9, beim Iosephspital, Josephspitalstraße Nr. 11, beim ehemaligen Iohannisspital, Sendlingerstraße Nr. 64 und im ehemaligen Jesuitenkollegium, Neuhauserstraße Nr. 52, anschließend an den Chor der Michaelskirche.
Bei den zu Wohnzwecken errichteten neueren Gebäuden ist meist nur eine kleine, das baupolizeiliche Mindestmaß erfüllende, kahle Hofraumflüche oder ein Vorgarten oder Pavillonzwischenraum mit einiger Anpflanzung vorhanden. Die Zwecke eines Hausgartens können hierdurch natürlich nicht erfüllt werden. Nur einzelne neuere Wohnsitze Münchener Künstler und Kunstfreunde haben Hausgürten im Sinne der alten erhalten. Schöne Beispiele dieser Art sind der Garten beim Hause v. Lenbach, Luisenstraße Nr. 33 (Abb. Seite 446), beim Hause v.Kaulbach, Kaulbachstraße Nr. 15, beim Hause v. Stuck, Aeußere Prinzregentenstraße Nr. 4 (Abb. Seite 446), beim Hause Littmann, Höchlstraße Nr. 2 (Abb. Seite 447).
Gartenanlagen
München und seine Bauten (1912)
Gute Beispiele von größeren, den örtlichen Geländeverhältnissen gut angepaßten Gartenanlagen befinden sich beim Hause v. Hildebrand, Perfallstraße Nr. 4, beim Hause Frhr.v.Karg-Bebenburg,JensenstraßeNr. 1 und beimHause v. Borscht, Heilmannstraße Nr. 33 in Prinz Ludwigshöhe. Letzterer Garten ist besonders bemerkenswert durch seine Lage am steilen Jsarufer und durch die Ausbildung desselben zu Terrassen, Grotten usw.
Hier anzuführen sind sodann auch die Ergebnisse der Bestrebungen derStadtgemeinde,inneuenBauquartieren durch Gewährung gewisser Gegenleistungen auf dem Wege des Übereinkommens, durch Erlaß ortspolizeilicher Vorschriften oder durch Ziehung einer rückwärtigen Baulinie innere Höfe mit Anpflanzungen und Erholungsplätzen zu schaffen. Am besten gelingt dieses Vorhaben, wenn das betreffende Bauquartier im Einzelbesitze oder in Händen einer Baugesellschaft sich befindet. Die Gebäude des Vereins für Verbesserung der Wohnungsverhültnisse an der Aberleund Alramstraße (Architekt: städtischer Oberingenieur S. Langenberger bezw. Gebrüder Rank), des Kleinwohnungsblockes Thalkirchnerstraße Nr. 117—123 (Architekt: städticher Baurat R. Rehlen), an der Peißenbergstraße (Baugechäft Jos. Kalb) und der Wohnhausneubauten Nymphenburgerstraße Nr. 120—126 (Architekt: Professor R. Berndl) sind Ergebnisse dieser Bestrebungen.
Zu erwähnen sind endlich noch eine besondere Art neuerer Hausgürten,nämlich die Bierwirtschaftsgürten. Schöne solche Beispiele befinden sich beim Ausschank der Augustinerbrauerei, Neuhauserstraße Nr. 16 (Architekt Professor Emanuel v. Seidl), der Pschorrbrauerei, Neilhauserstraße Nr. 11 und im K. Hofbrüuhaus am Platz! Nr. 9 (beide von Heilmann & Littmann)
Grabdenkmale
München und seine Bauten (1912)
Wie die Kunst im allgemeinen seit Jahrhunderten in Münchens Mauern gepflegt worden ist, so ist dies auch hinsichtlich der Grabmalkunst der Fall gewesen. Dies zeigt sich jedem in raschem und hochinteressanten Ueberblick bei der Betrachtung der alten Grabdenkmale, welche ringsum in die Umfassungsmauern der Domkirche zu Unserer lieben Frau und der Pfarrkirche St. Peter als Reste der aufgelassenen ehemaligen Kirchhöfe dieser Gotteshäuser eingelassen und dadurch der Nachwelt erhalten geblieben sind. Aber auch in späteren Zeiten ist die Grabmalkunst in München immer bemerkenswert gewesen. Von den vielen Denkmälern, die davon Kunde geben, können wir hier aus Raummangel nur einige seit dem Jahre 1870 errichtete typische Beispiele bringen, wie selbe die Abbildungen (Seite 449 mit 452 darstellen.
Trotz dieser schönen Einzelbeispielen zeigten die Münchener Friedhöfe in der Gesamtheit der Denkmäler aas bekannte gleich unerfreuliche Bild wie anderwärts infolge des in ganz Deutschland aufgetretenen kaufmännischen Vertriebes fabrikmäßig hergestellter unkünstlerischer Dutzendware und infolge des Tiefstandes der künstlerischen Allgemeinkultur. Im letzten Jahrzehnt ist dieser barbarische Zustand unserer Friedhöfe allgemein erkannt worden und es wurde von den verschiedensten Seiten insbesondere angestrebt, dem einzelnen Denkmal künstlerisch befriedigende Gestalt zu verleihen. Auch wurden Gruppen von solchen Denkmalen in kleinen Musterfriedhöfen zusammengestellt.
In keiner deutschen oder außerdeutschen Stadt ist jedoch eine durchgreifende Reform vollzogen worden außer in München in dem im Jahre 1907 in Betrieb genommenen Waldfriedhof.
Die Grundzüge dieser von Baurat Dr.H. Grassel 1907 vorgeschlagenen und seitdem mit großem Erfolge durchgeführten Reform gründen sich auf das Bestreben nach harmonischer Gesamtwirkung und dem hieraus folgenden Verlangen
der gegenseitigen Rücksichtnahme der nebeneinander be-sindlichen Einzelgrabdenkmäler in Material, Form und Höhe sowie auf das Verbot jeder Art von Einfriedung. Das Nähere hierüber ist enthalten in der von Baurat Grassel für den „Dürerbund" verfaßten 60. Flugschrift desselben: „Ueber Friedhofanlagen und Grabdenkmale." (Verlag von D. W. Gallwey, München.)
Der vorgenannten Reihe von Abbildungen neuerer Einzeldenkmale fügen wir daher auch einige solche an, welche harmonische Gesamtheiten von Grabdenkmalen darstellen. (Abb. Seite 453 und 454.)
Infolge des allgemein ersichtlich gewesenen großen Erfolges auch für die beteiligten Grabmalfirmen, hat mit Verordnung vom 22. März 1911 der Magistrat der Stadt München die Grabmalreform auch auf die vou da ab zu belegenden neuen Gräberfelder der übrigen drei städtischen Hauptfriedhöfe ausgedehnt, bei welchen es bisher nur in der Umgebung der dort errichteten Neubauten gelmigen war, einigermaßen befriedigende Grabdenkmalgruppen zu erreichen. Der Waldfriedhof ist der bevorzugteste Friedhof der Münchener Bevölkerung geworden und selbst von auswärts werden dort Familienbegrübniffe erworben.
Dieses Einverständnis sowohl der Allgemeinheit wie insbesondere auch der näher Beteiligten mit der im Münchener Waldfriedhof durchgeführten Reform ist eine der bedeutendsten kulturellen Errungenschaften der Neuzeit.
Flurbereinigungskommission
München und seine Bauten (1912)
Das Gebäude der Flurbereinigungskommission wurde 1905/06 vom Landbauamte München nach Entwurf und unter Leitung des Bauamtsassessors Bestelmeyer erbaut und durch den Bauamtsassessor C.Voit vollendet. Der Bau ist ein verputzter Backsteinbau. Die Dächer sind mit Biberschwänzen, die Erker mit Kupfer gedeckt, die Terrassen mit Asphaltbelag auf Korkplattenunterlage versehen. Das Gebäude hat Niederdruckdampfheizung und elektrische Beleuchtung. Gesamtbaukosten rund M. 288000; hiervon entfallen auf das Gebäude M. 240 590 (pro ebm M. 13.65) auf die Nebenanlagen M. 21019.
Baumagazin des Straßen- und Flußbauamtes
München und seine Bauten (1912)
Ausgeführt 1906/1907 vom Landbauamt München nach Entwurf und unter Leitung des Bauamtmannes Schulze. Die Gebäudegruppe, etwas unterhalb derMax-Iosephbrücke auf dem linken Jfarufer gelegen, besteht aus dem Wohngebäude für den Flußwart und Magazinsaufseher, sowie den eigentlichen Magazinsbauten, die 3 m tiefer liegen als das an der Straße erbaute Wohnhaus. Das Mauerwerk ist bis Sockeloberkante aus Beton, im übrigen aus Backsteinen hergestellt; die Ansichten sind mit Kalkmörtel rauh verputzt, die Dächer mit roten Biberschwänzen eingedeckt. Gesamtbaukosten rund M. 56000; hiervon treffen auf die Gebäude M. 46157, d. i. M. 13.58 auf 1 cbm. Die Nebenanlagen erforderten M. 4431.
Zentral-Turnlehrerbildungsanstalt
München und seine Bauten (1912)
Das Gebäude wurde 1899/1900 nach dem Entwurf und unter der Leitung des Oberbaurates Stempel erbaut. Verputzter Backsteinbau auf Betonfundamenten. Das Hauptportal erhielt einige Plastik in Muschelkalk. Die Dachbinder der großen Halle sind als Eisenfachwerk konstruiert, die Dächer mit Biberschwänzen eingedeckt; Zimmer und Hallen haben eichene Riemenböden, die Gänge Tonplattenbelag, Aborte und Waschraum Asphaltpflaster. Die große Halle überspannt ein Tonnengewölbe in Rabitzkonstruktion. Das Gebäude hat elektrisches Licht und wird durch irische und Kachelöfen geheizt. Gesamtbaukosten M. 148048; Kosten des Gebäudes M. 129 555, pro edm M. 12.80. Kosten der Nebenanlagen M. 18493.
Zentral-Taubstummeninstitut
München und seine Bauten (1912)
Das Zentral-Taubstummeninstitut an der Goethestraste wurde 1895 unter der-Oberleitung des Bauamtsassessors Stauffer des Landbauamtes München von der Firma Heilmann & Littmann (Architekt Max Littmann), die auch den Entwurf fertigte, erbaut. Die Anstalt gewährt taubstummen Kindern Volksschulunterricht und erzieht sie zu brauchbaren Handwerkern. — Das Kellermauerwerk besteht bis Sockeloberkante aus Beton, das aufgehende Mauerwerk aus Backsteinen; die Fassaden sind in Kalkmörtel rauh verputzt uud ockergelb getönt. Das Hauptportal ist in Muschelkalk hergestellt, das Dach mit roten Biberschwänzen, das Türmchen mit Kupfer gedeckt. Die Läufe der Haupttreppe ruhen auf steigenden Bögen und Kreuzgewölben, die Stufen bestehen aus Granit. Im Keller hat die Küche Mettlacher Plattenbelag; die übrigen Räume sind betoniert. Die Gänge im Erdgeschoß haben Steinterrazzo, die Lehrsäle Linoleumbelag, die Obergeschosse durchweg eichene Riemenböden. Im südlichen Flügel befindet sich die Knaben-, im nördlichen die Mädchenabteilung; Erd- und 1. Obergeschoß enthält die Lehr- und Aufenthaltsräume, und das Direktorat, das Obergeschoß die Schlafsäle und im Mittelbau die Hauskapelle und den protestantischen Betsaal. Zahlreiche Bilder aus den Depotbeständen der Schleißheimer Galerie schmücken Gänge und Haupttreppenhaus. Die Baukosten betrugen M. 393 000, pro edm umbauten Raumes M. 16.44.
Landwirtschaftliches Versuchsfeld der Technischen Hochschule
München und seine Bauten (1912)
Das Entstehen umfangreicher Häuserquartiere in der Nähe des an der Ruffinistraße gelegenen landwirtschaftlichen Versuchsfeldes der Technischen Hochschule zwang zur Verlegung und Neuherstellung der Anlage. Diese erfolgte 1907 durch das Landbauamt München unter Leitung des Bauamtsassessors C. Voit nach den Entwurfsskizzen des Bauamtsassessors G. Bestelmeyer. Die Fundamentmauern bestehen bis Sockeloberkante aus Beton, ebenso die Terrassenbrüstungen; das Backsteinmauerwerk erhielt rauhen Kalkmörtelputz, das ausgemauerte Fachwerk eine Verkleidung mit Allgäuer Schindeln. Die Dächer find mit roten Biberschwänzen gedeckt. Die Böden bestehen im Erdgeschoß aus Linoleum, im Obergeschoß ausFöhrenlangriemen, während das Nebengebäude Tafelböden erhielt. Die Aborte haben Wasserspülung unter Anschluß an eine Kläranlage und Versitzgrube. Die Gesamtbaukosten betrugen M. 81500, wovon das Hauptgebäude M. 38499 (1 ebm M. 22.81) erforderte.
Rentamtsgebäude
München und seine Bauten (1912)
Das Gebäude bildet einen Teil der, die Bezeichnung „Alter Hof" führenden ehemaligen Residenz der Wittelsbachischen Herzöge. Nach dem Umbau des Nordflügels und dem Neubau des Ost- und Südflügels auf den alten Grundmauern diente das Gebäude den Zwecken der Rentämter München I und II und des Katasterbureaus. Durch die Verlegung des letzteren in einen Neubau konnte mit einem umfassenden Umbau, dem durch die damalige Reorganisation der Rentämter veranlassten Bedarf nach Schaffung geeigneterer Räume Rechnung getragen werden. Dieser Umbau erfolgte 1902/1903 durch die Firma Heilmann & Littmann unter Leitung des Bauamtmannes Schulze vom Landbauamt München. Es waren vor allem Nord-, Oft- und Südbau in richtige Verbindung zu bringen, durch Abgleichen der verschiedenen Stockwerkshöhen, Neuaufführen sämtlicher Jnnenmauern undHeben des Dachstuhles. Die beim Nordbau allein noch erhaltenen Formen der Renaissance wurden auch auf den Ostflügel übertragen, während der Südbau mit der Gotik des anstoßenden ehemaligen Wohnungstraktes Kaiser Ludwigs des Bayern in Übereinstimmung gebracht wurde. Die Fassaden sind verputzt, Sockel und Hauptgesims betoniert, die Hauptportale in gestocktem Feinbeton ausgeführt, die Dächer mit Biberschwänzen gedeckt. Sämtliche Treppen bestehen aus Eichenholz. Das Gebäude hat Niederdruckdampfheizung und Gasbeleuchtung. Gesamtbaukosten M. 630000, Kosten für den Ebm M. 13.30.
Baugenossenschaft des Eisenbahneroerbandes
München und seine Bauten (1912)
Die Baugenossenschaft des Eisenbahnerverbandes München- Ost wurde im Jahre 1899 gegründet. Im Jahre 1900 wurde mit dem Bau der Wohnungskolonie in Berg am Laim, an der Ampfinger-, Münchener- und Welserstraße, begonnen. Die Anlage hat zehn Häuser mit insgesamt 102 Wohnungen, vier Läden und zwei Wirtschaften. Die kleinste Wohnung hat ein Zimmer und eine Küche oder ein Kochzimmer und ein Abort mit insgesamt 32,50 qm, die größte Wohnung hat zwei Zimmer, Küche oder Kochzimmer, Kammer und Abort mit insgesamt 62,20 qm. Die Preise für monatliche Miete bewegen sich zwischen M. 13 und M. 20. Der edm umbauten Räume kostete M. 12. Die Häuser sind in Backsteinmauerwerk mit Kalkmörtelverputz auf Sockel von Portlandzementstampfbeton hergestellt. Die Dächer sind mit Biberschwänzen eingedeckt.
Baugenossenschaft des Verkehrspersonals
München und seine Bauten (1912)
Die Kleinwohnungsanlage der Baugenossenschaft des Verkehrspersonals München-Südbahnhof an der Thalkirchnerstraße hat sechs Typen von Wohnungen zu 1—2 Zimmern, Küche oder Kochzimmer,Kammer und Abort mit einem Flächeninhalt von 39—56 qm zu einem Mietpreis von M. 12 bis 25.50monatlich.DieHerstellungskostenfürdieimJahre1909 begonnenen Gebäude betrugen pro ebm umbauten Raumes M. 14.70, bei den im Jahre 1911 ausgeführten Gebäuden M. 13.35. Die Gebäude sind in geputztem Backsteinmauerwerk hergestellt, die Umfassungssockelmauern in Beton. Der Entwurf zum ersten Teil der Gebäude stammt von Regierungsbaumeister Allwang, der zur Erweiterung der Kolonie vom technischen Sekretär Schindler unter jeweiliger Oberleitung des Regierungsrates Dr. Gröschel.
Baugenossenschaft des Bayer. Postund Telegraphenverbandes
München und seine Bauten (1912)
Mit der Erbauung der Wohnuugskolonie der Baugenossenschaft des Bayer. Post- und Telegraphenverbandes an der Arnulf-, Birker- und Weiglstraße wurde 1909 begonnen. Die Wohnungen haben durchschnittlich je 1—2 Zimmer, Küche oder Kochzimmer, ferner hat jede Wohnung ihren eigenen Abort, Keller- und Speicheranteil. Eine große Waschküche ist im Keller jeden Hauses untergebracht. Der Mietpreis bewegt sich zurzeit zwischen 42'/- und 54 V- Pfennig pro gm und Monat. Der gm überbauter Fläche kam auf M. 295 zu stehen. Die Gebäude sind in Backsteinmauerwerk mit Kalkmörtelverputz hergestellt, die Umfassungsmauern bis Erdgeschoßfensterbrüstung in Beton. Die Pläne sind von Baumeister Ferchel entworfen.
Baugenossenschaft München-Hauptbahnhof
München und seine Bauten (1912)
Die Arbeiterhäuserkolonie der Baugenossenschaft München-Hauptbahnhof an der Donnersbergerstraße bietet billige Wohnungen mit durchschnittlich je zwei Zimmern, Küche oder Kochzimmer und Kammer. Der Mietpreis beträgt für eine Wohnung mit 38 qm Bodenfläche M. 12.50, für eine Wohnung mit 60 qm Bodenfläche M. 20.40. Mit der Anlage wurde im Jahre 1909 begonnen. Die Herstellungskosten für den ersten Teil der Gebäude betrugen pro cdrn umbauten Raumes M. 12.28, für die im Jahre 1911 hergestellten Gebäude M. 13.50. Die Gebäude sind in Backsteinmauerwerk mit altdeutschem Fassadenputz in Kalkmörtel hergestellt, die Fundamente und Umfassungssockelmauern in Portlandzementstampfbeton. Die Entwürfe wurden von Regierungsbaumeister Eisenrieth unter Leitung von Regierungsrat Dr. Gröschel ausgearbeitet.
Elektrizitäts- und Fernheizwerk
München und seine Bauten (1912)
Jeder Kessel ist mit einer Kettenrostfeuerung System Babcock & Wilcox von je 6,65 qm Rostfläche ausgestattet, ferner sind noch acht Ekonomiser von je 160 qm aufgestellt, die das Speisewasser auf etwa 90» C. erwärmen. Die Kohlenbeschickung der Kessel ist durchwegs mechanisch. Auf einem eigenen Zufuhrgleise werden die Kohlenwagen an den neben dem Elektrizitätswerk erbauten Kohlensilo herangefahren, auf ein Wagenkipper gestellt, durch ein Hebewerk gehoben und sodann schräg gestellt, so daß der Inhalt durch einen Rost von 8 cm Maschenweite in eine Grube fällt. Bon dieser aus werden die Kohlen vermittelst einer Becherkette emporgefördert und gelangen über eine selbsttätige Kohlenwage entweder auf das zu den Kesselbunkern oder auf das zum Kohlenspeicher führende Förderband, wo sie durch Abwurfwagen an den gewünschten Stellen abgeladen werden. Der Kohlenspeicher ist nach der gesetzlich geschützten Schrügtaschenbauart der Gebrüder Rank hergestellt. Er ermöglicht die Lagerung von ziemlich bedeutenden Kohlenvorrütew auf einem verhältnismäßig knappen Platze. SollenKohlen aus dem Speicher zu den Kesseln befördert werden, dann wird ein drittes unter dem Speicher angebrachtes Förderband benützt, das die Kohlen wieder in die Füllgrube der vorerwähnten Becherkette zurückbringt, um von hier aus von neuem gehoben und zu den Kesselbunkern gebracht zu werden. An das Kesselhaus schließt sich der Hauptschaltraum für die Fernheizanlage an; von hier aus führt ein begehbarer Heizkanal zum Berkehrsministerialgebüude (Hauptkanal, 1400 m Länge) und ein kleinerer Kanal zum Hauptzollamt (470 Hl lang). Der stündliche Wärmebedarf sämtlicher angeschlossener Gebüudeheizungen betrügt bei —25° C. etwa 25000000 Wärmeeinheiten in der Stunde. Der Dampf wird mit einer Ueberhitzung von etwa 225° in den Hauptkanal durch drei Rohrleitungen von 253 mm, 216 illm und 156 nun lichten Durchmesser mit einem Druck von 8 Atm. zu den einzelnen Druckverminderungsstationen geschickt, in denen die Dampfspannung auf h-o Atm. für die Gebüudeheizungen erniedrigt wird. In jeder Station sind Wasserbehälter aufgestellt, in denen sich das Niederschlagwasser sammelt. Sobald die Behälter gefüllt sind, wird das Wasser durch selbsttätig sich einschaltende, elektrisch angetriebene Pumpen in das Elektrizitätswerk zurückgepumpt. Die Niederschlagswasserleitung hat einen -Durchmesser von 131 mm im Lichten. Zur Ermöglichung einer sicheren Durchführung des Betriebs ist eine ausgedehnte Fernmeldeanlage eingerichtet, welche gestattet, an bestimmten Stellen der Fernleitung den Dampfdruck und die Dampftemperatur sowie die Ueberhitzung im Elektrizitätswerk an Instrumenten abzulesen. Ferner wird durch Lärmoorrichtungen im Elektrizitätswerk gemeldet, wenn sich ein Rohrbruchventil ausgelöst hat und wenn die Pumpen in den Druckverminderungsstationen trotz der Füllung der Behälter nicht anlaufen. Um über alle Einzelheiten des Betriebes unterrichtet zu sein, sind noch zahlreiche Kontrollinstrumente, wieManometer, Thermometer,Dampfmengenmesser, selbsttätige Kohlensäuremesser, Zugmesser, Pyrometer, sämtliche Instrumente selbstschreibend und von einer Normaluhr aus augetrieben, im Elektrizitätswerke aufgestellt. Die Aulage ist seit etwa zwei Jahren in Betrieb und hat bis jetzt zu keinerlei Beanstandung Anlaß gegeben.
Mannschaftsgebäude für das Telegraphenbataillon
München und seine Bauten (1912)
Das Mannschaftsgebäude für das Telegraphenbataillon wurde 1909/10 vom k. Militärbauamtmann Sigismund Göschel entworfen und ausgeführt. Gesamtbaufummeführen Inneneinrichtung) M. 662000, 1 cbm umbauter Raum M. 14.50. Die Fassaden sind in rauhem Kalkmörtelputz unter Verwendung von Quetschsand hergestellt. Der Sockel ist aus gestocktem Beton, das Portal und die Hoheitszeichen in den Giebeln aus Ettringer Tuff. Das Dach ist mit Neufahrner Dachplatten gedeckt. Die Decken sind fast durchwegs massiv, System Secura. Die Fußböden der Gänge, Aborte, Wasch- und Putzräume haben Fliesenbelag, die Kompagniekammern Linoleum. Die Wohnräume besitzen Kachelöfen, die Mannschaftsräume eiserne Kasernöfen, die Unteroffizierszimmer und Lehrsäle Reguliersüllöfen. Das Gebäude enthält außer den Räumen für die Unterbringung von 540 Mann zwölf Lehrsäle für Telegraphie und eine funkentelegraphische Station. Der Mittelbau ist von einem 40 m hohen Turm bekrönt, der in Eisenbeton ausgeführt und mit Kupfer verkleidet, als Antennenträger für die funkentelegraphische Station dient. Der plastische Schmuck des Gebäudes stammt von Bildhauer Professor Julius Seidler.
Wirtschaftsgebäude für das Telegraphenbataillon
München und seine Bauten (1912)
Das Wirtschaftsgebäude für das Telegraphenbataillon wurde 1909/10 vom k. Militärbauamtmann Sigismund Göschel entworfen und ausgeführt. Gesamtbausumme (ohne Inneneinrichtung) M. 120000, l cbm umbauter Raum M. 17. Die Fassade: sind in rauhem Kalkmörtelputz mit Zementzusatz hergestellt. Der Sockel und einzelne Architekturteile sind aus gestocktem Beton. Das Dach ist mit Neufahrner Dachplatten gedeckt. Die Decke:: sind massiv, Sytem Westphal. Der Futzbodenbelag besteht in den Speiseölen und Nebenzimmern aus imprägnierten Buchenriemen in Asphalt, in den Küchen, Speisekammern, Aborten und Gängen aus Tonfliesen. Die Heizung erfolgt durchwegs durch Regulierfüllöfen.
Werkstättengebäude für das Telegraphenbataillon
München und seine Bauten (1912)
Das Werkstättengebäude für das Telegraphenbataillon wurde 1909/10 vom k. Militärbauamtmann Sigismund Göschel entworfen und ausgeführt. Gesamtbausumme (ohne Inneneinrichtung) M. 75 000, 1 cbm umbauter Raum M. 13.60. Die Fassaden sind in rauhem Kalkmörtelputz unter Verwendung von Quetschsand hergestellt. Der Sockel ist aus gestocktem Beton. Die Zwischendecken sind aus Eisenbeton. Das Dach ist mit Neufahrner Dachplatten auf Lattung, Schalung und Pappunterlage eingedeckt. Der Fußbodenbelag der Vorplätze und Gänge, sowie der Fahrzeugrüume und der Schmiede besteht aus Großhesseloher Klinkern, in der Schlosser-, Schreiner- und Büchsenmacherwerkstätte aus Holzstöckelpflaster, in den übrigen Räumen aus imprägnierten Buchenriemen in Asphalt. Die Treppen sind vollständig in Eisenbeton hergestellt.
Familienwohngebäude 1. Fußartillerieregiment
München und seine Bauten (1912)
Das Familienwohngebäude für das 1. Fußartillerieregiment wurde 1909/10 vom k. Militärbauamtmann Sigismund Göfchel entworfen und ausgeführt. Gesamtbausumme (ohne Inneneinrichtung) M. 99 000,1 ebm umbauter Raum M. 18.80. Die Fassaden sind in rauhem Kalkmörtelputz unter Verwendung von Quetschsand hergestellt. Der Sockel besteht aus gestocktem Beton. Das Dach ist mit Neufahrner Dachplatten gedeckt. Das Kellergeschoß besitzt eine massive Decke, System Siegwart, die Decken über den anderen Geschossen sind Holzbalkendecken.
Mannschaftsgebäude der Prinz-Leopold-Kaserne
München und seine Bauten (1912)
Als Beispiel für die Mannschaftsgebäude möge die Doppeleskadronskaserne der Prinz-Leopold-Kaserne behandelt werden. Die übrigen Mannschaftsgebäude sind in ähnlicher Weise ausgestattet. Die Kaserne wurde 1900/02 durch Baurat Zeiser entworfen und ausgeführt. Gesamtbausumme M. 168 677, 1 cbm umbauter Raum M. 11.20. Die Fassaden haben Verputz in verlängertem Zementmörtel, die Sockel sind gestockt. Das Dach ist mit Biberschwänzen eingedeckt. Ueber dem Kellergeschoß wurden Klein'sche Decken, über den Gängen im Erd-, 1. und 2. Geschoß Betondecken, sonst Hourdisdecken verwendet. Der Keller besitzt Klinkerpflaster. Im Erd- und den beiden Obergeschossen haben die Aborte, Waschräume und Hauptgänge Asphaltboden, alle anderen Räume Eichenschrägriemen. Die Montierungskammern im Dachgeschoß haben Linoleum- sonst rauhen Bretterbelag.
Stabsgebäude der Prinz-Leopold-Kaserne
München und seine Bauten (1912)
Das Stabsgebäude der Leopold-Kaserne wurde während der Jahre 1900 bis 1902 erbaut. Das Gebäude wurde vom Baurat Zeiser entworfen und ausgeführt. Gesamtbausumme M. 586O7, 1 cbm umbauter Raum M. 12.72. Die Fassaden sind in verlängertem Schlackenzementmörtelputz, die Sockelansichtsflüchen in gestocktem Portlandzementbeton ausgeführt. Das Dach ist mit Biberschwänzen eingedeckt. UeberdemKellersindHötz'sche Decken, sonstBalkendecken verwendet. Die Keller haben Klinkerpflaster, Erdgeschoßvorplatz und Vestibül Mettlacher Platten, Wache und Aborte Asphalt als Bodenbelag. Zu den sonstigen Räumen sind Eichenschrägriemen verwendet. Das Dachgeschoß hat Gipsestrich. Die Geschäftszimmer besitzen Kachelöfen, die Mannschaftszimmer Säulenösen.
Bekleidungsamt, Kleinwohnungshäuser
München und seine Bauten (1912)
Die Kleinwohnungshäuser des Bekleidungsamtes enthalten die Wohnungen für die Werkmeister, Unterbeamten usw. des Bekleidungsamts. Es find 12 Gebäude, von welchem in 5 je 4, in 2 je 3 und in 5 je 2 Wohnungen untergebracht find. Von den 36 Wohnungen bestehen 29 aus je 1 Wohnstube und 2 Kammern, die übrigen aus je 1 Wohnstube und 1 Kammer; außerdem hat jede Wohnung 1 Küche, 1 Waschküche mit Badeeinrichtung, eigenen Abort, Keller und Speicherräume. Zu jedem Hause gehört ein Vor- und einNutzgartenmitObstbäumen. DieHäuser wurden 1909/10 nach dem Vorentwurfe des Geh. Baurates Beetz von Baurat Besold erbaut. Gesamtbausumme für ein Vierfamilienhaus rund M. 35000, 1 cdrn umbauter Raum M. 17.84. Gesamtbausumme für ein Dreifamilienhaus M. 25900, 1 cbm umbauter Raum M. 17.60, Gesamtbausumme für 1 Zweifamilienhaus M. 17 200, 1 cbm umbauter Raum M. 18.90. Die Fassaden haben verlängerten Portlandzementmörtelputz, auf den Wetterseiten Wunnerschen Putz. Die Sockel sind aus gestocktem Beton. Die Dächer sind mit Biberschwänzen eingedickt. Die Küchen haben eiserne Sparkochherde, je 1 Zimmer und 1 Kammer einer Wohnung einen gußeisernen Regulierfüllofen.
Die Baitätigkeit der Bauabteilung des K. Obersthofmeisterstabes
München und seine Bauten (1912)
Die umfangreichen Auswechslungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Hauptfassaden der übrigen Trakte der K. Residenz; die Restauration verschiedener reicher Innenräume; der Neubau der Schatzkammer. Die vollständige Restauration des Inneren desK. Residenztheaters, der ein Anbau zur Erweiterung des Bühnenhauses vorausging. Die Restauration des Krongutes Blutenburg samt Kirche. Die Restaurierung der reichen Stuckfassaden der Schlößchen Amalienburg, Badenburg und Pagodenburg im Parke zu Nymphenburg sowie die Instandsetzung des Schlößchens Lustheim in Schleißheim.
Die Restauration der sämtlichen Fassaden und der Neubau der beiden großen Terrassen samt den Freitreppen des K. Schlosses Nymphenburg. DieRestaurierung de rsänttlichen Monumente im Englischen Garten einschließlich des Monopteros. Der Neubau der Brücken und der Umbau der Kaskaden im Park von Nymphenburg und Schleißheim. Die Instandsetzung der Vierungskuppel samt Laterne der Theatinerkirche, die Erneuerung der Abdeckung des Hochschiffdaches; die Restaurierung des nördlichen Turmes. (In Aussicht genommen ist die Fortsetzung dieser Arbeiten durch Iuangriffuahme zunächst des südlichen Turmes und dann der Hauptfassade.)
Die Neubauten erstreckten sich in München und Umgebung auf die Neuherstellung von Ergänzungsbauten, von Betriebs-, Dienst- und Oekonomiegebäuden. Fertiggestellt wird zurzeit der Neubau des Restaurations- gebäudes zum Chinesischen Turm im Englischen Garten, durch den unter Wahrung der Verhältnisse des alten Gebäudes ein den heutigen Ansprüchen entsprechendes Garten- restaurant in einfacher aber gediegener Ausstattung gewonnen werden soll.
Stadtarchiv
München und seine Bauten (1912)
Marienplatz 16 und Petersplatz 3 und 4
Erbaut 1890/92. Architekt Dr.-Jng. h. c. Hans Grassel, städtischer Baurat. Neubau Marienplatz: Gliederungen aus Muschelkalk. Einrichtungen aus Eichenholz mit Flachschnitzereien. Umbau Petersplatz: Gliederungen aus Bettinger rotem Mainsandstein, Bild „Ritter Gollier" in Keim'schen Mineralfarben. Neu- und Umbaukosten mit Einrichtung M. 70000 (Münchens Stadtarchiv von Ernst v. Destouches, Verlag G.D. W. Callwey, München 1908).
Zollstationsgebäude
München und seine Bauten (1912)
Erbaut 1891. Architekt Dr.-Ing. k. c. Hans Grässel, städtischer Baurat
Zollstationsgebäude
München und seine Bauten (1912)
Erbaut 1891. Architekt Dr.-Ing. h. c. Hans Grässel, städtischer Baurat
Zollstationsgebäude
München und seine Bauten (1912)
Erbaut 1899. Architekt Dr.-Ing. h. c. Hans Grässel, städtischer Baurat
Wachgebäude f. d. städt. Wasserbau
München und seine Bauten (1912)
Erbaut 1899/1900. Architekt Dr.-Jng.k.e. Hans Grassel, städtischer Baurat. Verputzter Backsteinbau inmitten der schönen Jsaranlagen. Grüne Fensterläden und Ziegeldeckung. Enthält im Keller vier Geräte- und Werkzeugräume, eine Waschküche und zwei Wohnungskeller; im Erdgeschoß: zwei Amtszimmer, ein Zeichnungs- und ein Schreibzimmer, zwei Wachräume, eine Kammer und eine Abortanlage; im ersten Stock die Dienstwohnung des Wasserbaumeisters, bestehend aus fünf Zimmern mit Zubehör, Holzbalkendecken, Parkettböden, elektrische Beleuchtung. Baukosten einschließlich 24x6 in großer Remise in Holzkonstruktion M. 66 700.
Wohngebäude für Beamte und Bedienstete der K. Zollverwaltung
München und seine Bauten (1912)
Durch den Neubau einer Obstzollhalle und einer städtischen Großmarkthalle in der Nähe des Südbahnhofes wurde die Erbauung eines Dienftwohngebüudes für Beamte der K. Zollverwaltung an der Thalkirchnerstraße nötig. Aus verwaltungsrechtlichen Gründen wurde das Gebäude durch die Stadtgemeinde errichtet und nach Fertigstellung an das K. Zollürar käuflich abgegeben. Die Ausführung erfolgte auf Grund des von der Staatsbauverwaltung angegebenen Raumbedarfes, als Doppelwohnhaus mit acht Wohnungen durch den städtischen Baurat Robert Rehlen im Jahre 1910. Die Baukosten betrugen M. 183 629 bei M. 18.60 für den cbm umbauten Raumes.
Volksschule
München und seine Bauten (1912)
Die Gebäudegruppe wurde durch den damaligen Bauamtmann Carl Hocheder in zwei Bauperioden errichtet. Der größere Bauteil an der Ecke der Columbus- undHumboldtstratze kam 1894, der kleinere doppelreihige Teil 1896 zur Ausführung. Das Schulhaus enthält 27 Lehrfüle und die erforderlichen Nebenräume. Die beiden Turnsäle wurden hier erstmals in einem terrassenartigen Vorbail vereinigt, welcher an der spitzwinkeligen Straßenkreuzung eingefügt ist. Der die Gebäudegruppe beherrschende Turm enthält eine Haupttreppe. Ebenso wie beim später oft wiederholten Turnsaalmotiv kam in der Außenarchitektur hier erstmals in ausgesprochener Form die in Süddeutschland einheimische Putztechnik zur Anwendung. Baukosten M. 610000 bei M. 16.42 für den cbm umbauten Raumes.
Direktorwohnhaus beim Krankenhaus l. d. Isar
München und seine Bauten (1912)
Das Direktorwohnhaus wurde 1893/94 durch den damaligen städtischen Bauamtmann C. Hocheder mit der Hauptfront gegen die Lindwurmstraße erbaut. Das zweigeschossige Gebäude ist vollständig unterkellert und hat eine durch das erste Obergeschoß reichende Diele mit der Haupttreppe. Das Erdgeschoß enthält ein Warte-, ein Diener-, ein Sprech- und ein Speisezimmer sowie die Bibliothek. Im ersten Obergeschoß befinden sich Wohn- und Schlafzimmer, ein Salon mit Balkon, ein Musikzimmer mit daranstoßender offener Veranda und ein Badezimmer. Im Dachgeschoß sind die Räume für die Dienerschaft, ein Fremdenzimmer und ein Trockenraum für Wüsche, im Kellergeschoß die Kochküche mit Vorratsrüumen untergebracht. Eine Nebentreppe mit Eingang für Lieferanten verbindet sämtliche Stockwerke untereinander. Das Gebäude ist in Ziegelmauerwerk hergestellt. Die Fassaden sind verputzt und in Barockstil gehalten. Eine reichere Ausgestaltung hat die Diele, durch iu die Wände eingelassene Gemälde erhalten. Die Baukosten betrugen M. 82000.
Das Krankenhaus liegt im Norden der Stadt am Kölnerplatz und ist vom Stadtzentrum in der Luftlinie ungefähr 4 km entfernt. Das Areal hat ungefähr die ^orm eines Rechteckes, dessen Langseiten zirka 550111 und dessen Schmalseiten zirka 330 in messen. An der Südseite gegen die Stadt zu ist eine große Baugruppe am Kölnerplatz angelegt, deren Mittelpunkt das dreigeschossige Hauptgebäude mit dem Hauptzugang zum Krankenhause bildet. Mit dem Hauptgebäude ist die katholische Kirche durch einen zweigeschossigen Zwischenbau verbunden. Die Kirche ist weiterhin durch eine kleine, geschlossene Hofanlage (Klosterhof) mit dem Schwesternhaus der katholischen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in Verbindung gebracht. Westlich schließt sich an das Hauptgebäude das Buchhaltungs- uud Apothekengebäude an, das jedoch vom Hauptgebäude durch eine kleine Hofanlage, in die die Krankentransportwagen einzufahren haben, getrennt ist. Durch das Hauptgebäude geht die in der Nord-Südrichtung verlaufende Hauptachse der Bauanlage. In dieser liegen dasOperationsgebäude, dasZentralbad und das Kochküchengebüude. Zur Linken und Rechten sind zurzeit je zwei größere Krankengebäude erbaut. Die beiden ersten bienen zur Aufnahme von chirurgisch Kranken, die beiden folgenden sowie die zurzeit im Bau befindlichen zwei weiteren Bauten für Aufnahme innerlich Kranker. In der Mitte zwischen den beiden Bauten für chirurgisch Kranke ist das Operationshaus angeordnet. Zwischen den beiden folgenden Gebäuden für innerlich Kranke liegt das Zentralbad. Die Bauten auf der linken, westlichen Seite gehören zur Mäunerabteilung, jene auf der rechten, östlichen Seite zur Frauenabteilung. Durch eingeschossige, unterkellerte, geschlossene und heizbare Gänge sind alle vorgenannten Bauten miteinander in Verbindung gebracht. Die Unterkellerung der Gänge dient zum Transport der Leichen und aller unreinen Sachen. Die in der Nord-Südrichtung verlaufenden Hauptverbindungsgünge schließen mit dell ül der Mittelachse gelegeneil Gebäuden (dem Hauptgebäude, deni Operationshaus, dem Zentralbad und dem Kochküchengebüude) drei größere Gartenhöfe eill. Die 99 m langen, in der Ost-Westrichtung gelegeneil Krailkeilgebüude, die durchAbzweiggünge mit dell erwühntenHauptverbindungsgüilgell verbunden sind, bestehen aus drei Geschossen und haben eille Froilthöhe von rund 15 in über dem umgebendell Terraül. Ihr Abstalld voneinander betrügt zwischeil dell Mauerll derLallgbauteil gemessell 57 m,zwischeil dell Flügelbauteil 37 ui. Das Operationsgebüude uild das Badehaus silld in der Hauptmasse eingeschossige Bauten, die ilur in deli Mittelteilell Aufbauteu eines Obergeschosses erhalten haben. Das Kochküchengebüude hat dllrchweg zwei Stockwerke. Auf denl ltördlichen Teile des Gelältdes sind die eiugeschossigen Bauten der Desillfektioilsallstalt und der Waschanstalt mit eitlem dreigeschossigen Altbau für Wohllungen des Personals, das zweigeschossige Werkstüttenund Gärtnereigebäude, das Gebäude für die Regulieruug der Heizungs- lmd Warmwafferversorguugsanlage mit angebautem kleinem zweigeschossigen Dienstwohngebäude, das zweigeschossige ailatonlisch-pathologische Institut (Prosektur), das Stallgebäude fürVersltchstiere, sowie das zweigeschossige Absonderuugshaus nebst einem kleinen zugehörigell Sektions- uild Leichelthaus errichtet. Das Anstaltsareal ist mit einer gemauerteil Umfriedung umgeben. Das Maschinen- tlndKeffelhaus ulld ein zugehörigesDieitstwohltgebälide liegen außerhalb dergenlauertellUmfriedung. Diese Anlage bildet eilte Betriebsstation der städtischen Elektrizitätswerke. Das Areal der Krankenhausanlage hat ausfchließlich des Gelältdes, auf dem sich das Kessel- und Maschinenhaus befindet, eine Flüche von 178000 qm. Da das Krankenhaus für eilte Aufitahme vou 1300 Kraltkeit ausgebatlt werdeli soll, treffen auf das Krankenbett rund 137 qm Geländeflüche. Die Kosten für delt gesamtelt Ausbau uitd die Einrichtung sind aus rund M. 14 000000 veranschlagt; sottach treffen auf das Krankenbett rund M. 10700 an Kosten für Bau und Eiltrichttmg. Zurzeit kann das Kraltkeithaus in Müitcheit-Schwabiitg in den vier großen Krankengebütlden 600 Kranke (in jedem 150 Kranke) aufnehmen; das Absoltderungsgebüllde ist zur Aufitahme voll 70 Kränkelt bestilttint. Gegenwärtig siitd eilt Erweiterungsbau an das Schwesternhaus, zwei große Gebäude für innerlich Kraitke, ein Gebäude für Iitfektioltskrallkheiteit uitd das Wohlthaus für delt Direktor der Aitstalt iit Ausführuitg.
Bezüglich der Baukonstruktionen ist zu bemerken, daß alle Bauten aus Stampfbeton und Ziegelmauerwerk errichtet wurden und fast durchweg Eisenbetondecken erhalten haben. Die großen Krankenbauten und ein Teil des Operationshauses find mit Eisenbetondachstühlen versehen; die Dachungen der Bauten wurden mit Biberschwänzen eingedeckt. Als Bodenbelag kam in den bewohnten Räumen und Gängen meist Linoleum, in den der Krankenbehandlung dienenden Räumen und in den Neben- und Betriebsräumen Fliesenbelag, im Absonderungshause und in einigen Räumen des Waschküchengebäudes fugenloser Bodenbelag (Pyrofugont) zur Verwendung. Der Anstrich der Wandund Deckenflächen erfolgte fast durchweg mit Kalkfarben. Die Ausgestaltung der Bauten und ihrer Einrichtung ist sehr einfach gehalten. An technischen Einrichtungen im Krankenhaus sind besonders zu nennen: die Fernheizungsund Warmwasserversorgungsanlage, die Aufzugsanlage sowie die Einrichtung des Kochküchen-, des Waschküchengebäudes nebst Desinfektionsanstalt, sowie des anatomischen Institutes. Die vier Krankengebäude sind mit Warmwasserheizung, die übrigen Gebäude mit Dampfheizung ausgestattet; das warme Wasser zu Heiz-, Bade- und Waschzwecken sowie der Dampf für Heizung der Gebäude und für medizinische Zwecke wird im Kessel- imd Maschinenhaus der städtischen Elektrizitätswerke teils direkt erzeugt, teils durch Ausnützung des Abdampfes der Maschinen gewonnen. Von dort aus führen Rohrleitungen in unterirdischen, begehbaren Kanälen von insgesamt 1'/2 km Länge nach dem Zentralregulierraum und weiter nach den einzelnen Gebäuden; die Gesamtlänge der in diesen unterirdischen Kanälen verlegten Rohrleitungen beläuft sich auf 12 km. Die Aufzugsanlage besteht zurzeit aus 14 mehrgeschossigen und 13 eingeschossigen elektrisch-hydraulischen Aufzügen für Personen- respektive Lastenförderung, die mittelst einer l1/2 km laugen Druckrohrleitung für 15 Atm. Betriebsdruck an eine ihnen gemeinsame Druckzentrale mit Wasserförderung aus eigenem Brunnen angeschlossen sind. Die Zubereitung der Speisen geschieht durch Dampf und Gas, eine maschinelle Kühlanlage dient gleichzeitig zur Eisbereitung. Im Wäschereigebäude haben außer den Wasch- und Spülmaschinen sowie Zentrifugen ein Kettentrockenapparat und eine Dampfmangel Aufstellung gesunden; die Bügeleisen sind ausschließlich elektrisch geheizt. Zur Seifenersparnis ist eine Wasserenthürtungsanlage mit eigenem Brunnen eingerichtet. Die Desinfektionsanstalt weist eine Reihe von Sterilisier-, Koch- und Waschapparaten auf, die in die Trennungswand zwischen reiner und unreiner Seite eingebaut sind. Das anatomische Institut birgt neben anderen mannigfachen Apparaten in seinem Kellergeschoß eine maschinelle Leichenkühl- und Gefrieranlage, an welche Einzelgefrierschränke für Präparate angeschlossen sind. Die elektrischen Einrichtungen in den ausgeführten Bauten des Krankenhauses umfassen eine Beleuchtungsanlage mit etwa . 3500 Glühlampen, 1000 Steckkontakten und 64 Bogenlampen, eine Kraftübertragungsanlage für den Betrieb der Druckzentrale der hydraulischen Aufzüge, der Kühlanlagen, der verschiedenen Wirtschafts- und Werkzeugmaschinen und der Ventilatoren, ferner eine Uhrenanlage, eine Kontrolleinrichtung für den Wächterdienst, eine Feuermeldeanlage, ein Haustelephonnetz, eine Temperaturfernmeldeanlage für die Dauerbäder, sowie eine Signal- und Kontrollanlage für die Fernheizung.
Rotes Kreuz
München und seine Bauten (1912)
Die Anstalt wurde im Jahre 1893 vom „Bayerischen Frauenverein untermrotenKreuz" nach den Plänen desProfessors C. Hocheder errichtet und besteht aus einem Schwesternhaus und einem Krankenflügel für chirurgische Kranke. Das Gebäude, ausgeführt als verputzter Backsteinbau mit Ziegeldachung, Sockel und Portalbauten aus Haustein, hat späterhin mehrfach Erweiterungen erfahren.
Wohnhaus des Stadtgärtendirektors
München und seine Bauten (1912)
Durch die Erbauung des Volksbades mußte ein nächst der Ludwigsbrücke gelegener städtischer Kulturgarten mit Wohnhaus des Stadtgarteninspektors aufgelassen werden. Das Wohnhaus wurde in den Kulturgarten an der Frühlingstraße verlegt; das durch den damaligen städtischen Bauamtmann Carl Hocheder 1896 erbaute Haus enthält in einem Erdgeschoß und ausgebautem Dachgeschoß fünf Zimmer mit Nebenräumen. In einem Anbau sind die Geschäftsräume der Abteilung für Gartenbau untergebracht. Die Baukosten des Wohnhauses betrugen M. 27911 bei M. 21 pro cbm umbauten Baumes.
Spielhütte auf dem Hirschanger
München und seine Bauten (1912)
Nachdem Se.Kgl.Hoheit Prinzregent Luitpold den Hirschanger den Kindern der Volks- und Mittelschulen als Turnpielplatz überlassen hatte, ließ die Stadtgemeinde auf demselben eine Spielhütte nach dem Entwürfe des städtischen Baurates Wilhelm Bertsch mit einem Kostenaufwand von rund M. 30000 errichten.

