KulturGeschichtsPfad
 

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Rotkreuzplatz – das Herz Neuhausens

Der schon in den zwanziger Jahren als der »Stachus von Neuhausen« bezeichnete Platz ist der unbestrittene Mittelpunkt Neuhausens. Nachdem der Frauenverein vom Roten Kreuz 1892 dort den Krankenhausbetrieb auf genommen hatte, wurde die Institution 1903 Namenspatron für den Platz, der damit erstmals einen Namen erhielt. Seine Bedeutung als Zentrum reicht allerdings weit zurück: Hier stand in der frühen Neuzeit das Herrenhaus des »Edelsitz Neu hau sen«, das in der Barockzeit als Jagdschloss neu erbaut wurde. Im Zwei - ten Welt krieg wurde es ebenso zerstört wie die Winthirapotheke mit ihrem »Burgturm« und fast alle anderen Gebäude am Rot kreuzplatz. Zum Teil schloss man nach dem Krieg an den alten Namen und die Tradition an: So mit dem Kino »Schloßtheater« an der Nymphenburger Straße 166, das nach erfolgreichen Anfängen in den zwanziger Jahren im Kinoboom der fünfziger Jahre prosperierte. Schon in den zwanziger Jahren hatte auch Ludwig Sarcletti einen Eiskiosk am Rotkreuzplatz eröffnet, der nach dem Krieg wieder entstand. 1974 verschwand er zugunsten des Eiscafes, das sich 30 Jahre später unver minder ter Beliebtheit erfreut. Keinen Neuanfang gab es für das Kaufhaus Schott länder, dessen jüdische Besitzer in der NS-Zeit in die Emigration gezwungen wurden, während das Haus an der Südseite des Platzes »arisiert« wurde. 

War der Rotkreuzplatz schon seit der frühen Neuzeit eine bedeutsame Wegkreuzung, drohte ihm unter dem Verkehrsansturm der 1960er und 1970er Jahre der Kollaps.

Anlässlich der Eröffnung der U-Bahn-Station 1983 wurde der Rotkreuzplatz verkehrsbe ruhigt. Mit seiner Fußgängerzone lädt er heute zum Einkaufsbummel, zu Begegnungen, Veranstaltungen und anderen Formen der Kommunikation ein. In der Bildmitte ist der Brunnen mit dem Steinernen Paar von Klaus Schultze zu erkennen, der 1984 aufgestellt wurde.

Rotkreuzplatz 0

Nymphenburger Straße

Die Anfänge Neuhausens im Mittelalter wurden stark von seiner Lage an der Handelsstraße München-Augsburg geprägt. Während die Nymphenburger Straße jedoch seit der Barockzeit als »Fürstenweg« für die Kutschen und Equipagen, die zwischen der Residenz in München und dem Schloss in Nymphenburg verkehrten, reserviert war, musste der normale Personen- und Warenverkehr auf die Blutenburg- und Winthirstraße ausweichen. Entgegen Planungen im 18. Jahrhundert, die einen geradlinigen Verlauf der Nymphenburger Straße vom Schloss in südöstlicher Richtung vorgesehen hatten (spiegelbildlich zum in nordöstlicher Richtung verlaufenden Kanal), ist die Straße viel weiter östlich über die Südliche Auffahrtsallee angebunden und um rundet den alten Dorf kern Neuhausens. Die Nymphenburger Straße war die gegebene Verbindung zur Aufnahme des Trambahnbetriebs zwischen München und Neuhausen im 19. Jahrhundert. Die 1876 eröffnete Pferdebahn wurde seit 1883 durch eine Dampftrambahn ersetzt, seit Beginn des 20. Jahrhunderts durch die »Elektrische«.

Nymphenburger Straße 0

Bürgerhaus »Trafo«

In der Nymphenburger Straße 171 befindet sich das Bürgerhaus »Trafo«, ein ehemaliges Elektrizitäts-Unterwerk, das auch das Alten-und Servicezentrum und die »Geschichtswerkstatt Neuhausen« beherbergt. Anlässlich des zehnjährigen Wirkens der Geschichtswerkstatt für die Erforschung der Lokalgeschichte wurde dem früheren Vereinsvorsitzen den Günther Baumann im Jahr 2002 die Medaille »München leuchtet« verliehen. Die Stadt München plant, im »Trafo« eine neue Mittelpunktsbibliothek anstelle der Stadtteilbibliotheken in Neuhausen und Nymphenburg einzurichten. Die Umbau- und Erweiterungsarbeiten, die einen vierstöckigen Anbau vorsehen, haben im Sommer 2007 begonnen.

Nymphenburger Straße 171

Winthirstraße

Die Winthirstraße ist die alte Dorfstraße Neuhausens, die auch nach dem Großbrand von 1794 zunächst ihren ländlichen Charakter behielt. Der prominenteste Anwohner war der »Millionenbauer« Lorenz Hauser auf dem Strohmaier-Hof (heute befindet sich dort das Postamt), dessen ver schwenderisch ausgegebenes und mit vielen Legenden umwobenes Vermögen auf der Umwandlung bäuerlichen Besitzes in Bauland beruhte. Die Gaststätte Großwirt auf der anderen Straßenseite bezeichnet den Standort, an dem schon im Mittelalter die Dorftaerne war. Daneben steht die Dorfkirche – zu Anfang St. Nikolaus –, deren Ursprünge be reits im 13. Jahrhundert liegen. Ihr gotischer Chor ist noch erhalten. Erst seit 1970 tragen Kirche und Friedhof auch offiziell den Namen des seligen Winthir, eines lange Zeit als Dorfheiliger verehrten Laienpredigers, der sich im Mittelalter in Neuhausen niederließ und in der Kirche sein Grab hat. Als Ende des 19. Jahrhunderts die Dorfkirche zu klein erschien, wurde der Neubau der Herz-Jesu-Kirche etwas weiter nördlich an der Ecke Lachnerstraße errichtet. Nach der Zerstörung im Krieg improvisierte man einen Neubau mit Hilfe der Holzkonstru tion eines Kinos, das die SS-Wachmannschaften auf dem Obersalzberg genutzt hatten. 1994 verbrannte dieser Bau; seit kurzem steht an seiner Stelle ein imposantes Monument moderner Architektur. 

Die gigantischen Portale der HerzJesu-Kirche ermöglichen es, den Kirchenraum für Veranstaltungen über die gesamte Breite zu öffnen (Architekten: Allmann, Sattler und Wappner). 

Winthirstraße 0

Schlosskanal

Der Schlosskanal gehört zu den Erweiterungen, die Kurfürst Karl Albrecht an der Gesamtanlage Nymphenburgs vornahm (1728–30); sein ehrgeiziges Projekt, eine »Karlstadt« hier entstehen zu lassen, scheiterte aber. Auf der Gerner Brücke erschließen sich die reizvollen Blickbeziehungen: Vom Nymphenburger Schloss zu seinem Gegenüber, dem 1899 eröffneten Waisenhaus. Für den bürgerlichen Gegenpart zum Schloss wählte der Architekt Hans Grässel den opulenten Stil eines bayerischen Barockklosters.


Waisenhaus / Hubertsbrunnen

Das Gebäude wurde im Krieg weitgehend zerstört und später wiederaufgebaut. Seit 1954 steht vor dem Kessel des Kanals der Hubertusbrunnen als neuer »point de vue«. Der Brunnentempel Adolf von Hildebrands war 50 Jahre zuvor vor dem Nationalmuseum errichtet worden, musste aber schon 1937 dem Ausbau der Prinzregentenstraße zur nationalsozialistischen Aufmarschachse weichen.


Romanstraße

Durch die Montenstraße (mit dem Schlösschen auf Nr. 8) gelangt man zum Rondell Neuwittelsbach, dem Herz stück der gleichnamigen Villen anlage. Sie wurde in den 1880er Jahren errichtet und mit der Romanstraße als Erschließungsachse versehen – durch private Initiative und Finanzierung. Fährt man mit der Linie 12 Ric tung Romanplatz, gewinnt man einen Eindruck von den heute zum Teil denkmalgeschützten Villen. Einen Kontrast zur großbürgerlich-vornehmen Wohnqualität bildete der Volksgarten, der sich vom Romanplatz entlang der Ostseite der Notburgastraße erstreckte. Dieser Vergnügungspark mit seinen Bierschänken, Musikkapellen, Karussells, Schießbuden, Tiermenagerien und zahlreichen anderen Attraktionen war bis zum Ersten Weltkrieg ein Publikumsmagnet. Dann musste er weiterer Wohnbebauung in der Villenkolonie Nymphenburg weichen. Das Viertel beherbergt außerdem ungewöhnlich viele Krankenhäuser und Pflegestätten, wie die Betreuungseinrichtung für blinde Kinder im Maria-Ludwig-Ferdinand-Haus (Romanstraße 12), das Krankenhaus Neuwittelsbach (Romanstraße 11) und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder an der Romanstraße 93. Dieser ausgedehnte Krankenhauskomplex führt bis an das südliche Schlossrondell heran. Dort hatte der Orden während des Ersten Weltkriegs das älteste Gasthaus Nymphenburgs, den »Controlor«, aufgekauft und den Betrieb zunächst für Kriegsverletzte aufgenommen. 

 

Romanstraße 0

Hans Beimler

Kurz vor dem Romanplatz erreicht man die quer verlaufende Döllingerstraße. In der Döllingerstraße 5 wohnte 1918–1928 der 1895 in München geborene Hans Beimler. Beimler gehörte 1919 zu den Gründungsmitgliedern der KPD und gründete die KPD-Ortsgruppe München. Nach seiner Flucht aus dem KZ Dachau veröffentlichte er im August 1933 den Bericht »Im Mörderlager Dachau«. Beimler fiel am 1. Dezember 1936 im Spanischen Bürgerkrieg als Kommissar des deutschen »Thälmann-Bataillons«.

Döllingerstraße 5

Ludwig-Ferdinand-Brücke

Die Brücke über den Schlosskanal wurde 1892 nach Plänen des Architekten Friedrich von Thiersch erbaut und später u.a. für den Straßenbahnverkehr erweitert. Zuvor führte nur ein Fußgängersteg über den Kanal nach Gern, das sich als ruhiger Villenvorort entwickeln konnte. Die Gesamtanlage von Schloss und Park war bei Baubeginn 1664 durchaus nicht in den Dimensionen geplant, wie sie sich heute darbieten. Max Emanuel, der sich am Stil Ludwigs XIV. orientierte, nahm beachtliche bauliche Erweiterungen vor und ließ den Lustgarten nach französischem Vorbild anlegen. In seiner »Badenburg« konnte er sich, wie später auch seine Nachfolger, zu dem am Würmwasser erfreuen. Hundert Jahre später wurde der Park durch den Gartenbaumeister Sckell von seiner Strenge befreit und in einen englischen Landschaftsgarten verwandelt. Ihm schließt sich Richtung Norden der Botanische Garten an, der 1914 aus dem zu eng gewordenen Areal an der Elisenstraße verlegt und in großzügiger Weise neu angelegt wurde.

Ludwig-Ferdinand-Brücke 0

Die »Englischen Fräulein«

Die »Englischen Fräulein« führen die Mädchenschule an der MariaWard-Straße seit 1835. Zunächst im Nordflügel des Schlosses beheimatet, wurden mit der Ausdehnung des Instituts – das neben der höheren Mädchenbil dung bald auch eine Grund- und später eine Realschule betrieb – zahlreiche Erweiterungen notwendig. Das Internat fand im nördlichen Schlossrondell, im ehemaligen Kavaliersbau, Platz, wo es heute noch als Tagesheim betrieben wird. 1896 und 1912 kamen die Schulhaus bauten an der Maria-Ward-Straße dazu.

Maria-Ward-Straße 0

Dall’Armi-Bürgerheim

Das Altenheim geht auf eine private Stiftung des Tabakkaufmanns Heinrich von Dall’Armi zurück, der die soziale Verpflichtung für das Gemeinwesen nicht allein der Stadtverwaltung und den großen Wohlfahrts institutionen überlassen wollte. 1910 wurde der Grundstein zu dem Gebäude gelegt, das nach Plänen des Stadtbaurats Hans Grässel auf städtischem Grund errichtet wurde. Heute gehört das Haus zur städtischen »Münchenstift GmbH«. Hier befindet man sich bereits auf Gerner Flur, im Gebiet eines der vier großen Höfe, die bis ins 19. Jahrhundert hinein den ganzen Weiler Gern ausmachten. 

Dall'Armistraße 0

Nymphenburg-Biedersteiner-Kanal

Der Kanal wurde unter Kurfürst Max Emanuel zu Beginn des 18. Jahrhunderts angelegt. Die Wasserwege sollten die Landwege ergänzen und wurden in das barocke System der Blickachsen, Bezugspunkte und symmetrischen Perspektiven eingeordnet. Dabei wurde auf die landwirtschaftlichen Bedürfnisse der Bauern in Gern und anderswo keine Rücksicht genommen. Die Würmkanäle bereicherten das Bild ästhetisch und eigneten sich zudem für Badevergnügungen. Eine der ältesten Freizeiteinrichtungen war das 1856 eröffnete Bad Gern an der Klug- (Nederlinger) Straße. Der Kanal zog nicht nur Badegäste an, sondern eignete sich auch als Standort für Gastbetriebe.

Auf dem Ge lände des Oswald-Hofes, einer der vier »Urzellen« Gerns, errichtete der Besitzer 1876 eine Brauerei mit Biergarten. Die Gerner Brauerei war eine der für den Stadtbezirk typischen Kleinbrauereien, die es mit ihren beliebten Biergärten eine Zeit lang schafften, den Großen erfolgreich Konkurrenz zu machen. 1919 wurde sie jedoch von der Löwenbräu AG übernommen. Das Bier lokal blieb noch bis 1970 erhalten; danach baute die Neue Heimat auf dem Gelände an der Klugstraße eine Wohnanlage. Gleich gegenüber an der Gerner Straße 33 steht das älteste erhaltene Haus Gerns, das früher Sitz der königlichen Jagdverwaltung war.


Villenkolonie Gern

Der Wandel Gerns vom Bauerndorf in klösterlichem Besitz zur Villenvorstadt Münchens begann Anfang des 19. Jahr hunderts mit der Säkularisation. Auf den ge schlossenen Arealen der ehemaligen Höfe setzten sich allmählich neue Nutzun gen durch. Auch die vom Bau un ternehmer Jakob Heilmann in den 1890er Jahren begonnene Fami - lien häuser-Kolonie hat ihren Ursprung auf dem Holz bauern-Anwesen, das Heil mann erworben hatte. Die Par zellierung der Bauplätze, Anlage der Straßen, Er schlie ßung durch Kanali sa tion über - nahm er als priva ter Unter nehmer. Interessenten für die »Fami lien häuser« kamen vor allem aus dem gebildeten Mittelstand. 

Auch die bekannte bayerische Schriftstellerin Lena Christ (1881–1920) wohnte zeitweise in der Künstlerkolonie. In der Wilhelm-Düll-Straße 5 erlebte sie 1912 das Erscheinen ihres Erstlingswerks »Erinnerungen einer Überflüssigen«, das unter dem Einfluss ihres zweiten Ehemannes Peter Benedix entstanden war. Die vielen Wohnungswechsel der Schriftstellerin, die schon 1914 in die Pilar straße weiterzog, sind symptomatisch für ein ruheloses und immer wieder von wirtschaftlicher Not geprägtes Leben. Auch die Ehe mit Benedix, von dem sie mehr und mehr künstlerische und emotionale Unabhängigkeit suchte, bescherte ihr nicht die seit ihrer unglücklichen Kindheit erhoffte Geborgenheit. 1920 beging Lena Christ Selbstmord. Das Gift erhielt sie von Benedix.

 


Taxisgarten

Der »Erholungspark für Kriegs- und Körperbeschädigte e.V.« fußte auf einer Selbsthilfeinitiative von Kriegsversehrten nach dem Ersten Weltkrieg. Sie pachteten das Grundstück an der Taxis straße 1920 von der Krongutsverwaltung und richteten die Erholungsstätte mit einem Park, Sport flächen, Ruheplätzen, einem Bad und einem Glashaus für Schwitzkuren ein. Außerdem wurde 1924 das große Vereinsheim mit einem Saal, einer Bibliothek, einer Gaststätte und vor allem einem schönen Wirtsgarten eröffnet, der sich noch heute großer Beliebtheit erfreut. Als »Kriegsopfer« wurden die Versehrten von der Nazipropa ganda zunächst umworben und dann gleich geschaltet. Die Erholungsstätte wurde zum »Park der nationalen Front« und erlebte als solcher die Zerstörungen durch den Bombenkrieg.

Der Haupteingang zum Vereinsheim der Kriegs be schädigten mit der Inschrift Eugen Roths von 1924 überstand den Zweiten Weltkrieg: »Ihr gabt in heiligem Opfermut für unser Deutschland Gut und Blut. Mög dieses Heim nach Müh und Pein Euch Stätte der Erholung sein.«

Taxisstraße 0

Dom-Pedro-Platz

Das Ensemble vom DomPedro-Platz bis zum Schlosskanalkessel markiert in eindrücklicher Weise den Aufschwung der städtischen Leistungsverwaltung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Gebäude liegen auf städtischem Grund, der zum Teil schon im Vorgriff auf die Eingemeindung Gerns 1899 von der Stadt erworben wurde. Neben der protestantischen Christuskirche entstanden als städtische Bauten das Waisenhaus am Kanalkessel, die Schule am Dom-PedroPlatz und der Altenheimkomplex des Heiliggeistspitals. Planender Architekt war Stadtbaurat Hans Grässel, der auch für die Anlage der großen städtischen Friedhöfe, so des nahegelegenen Westfriedhofs, verantwortlich war. 

Dom-Pedro-Platz 0

Fußgängerbrücke Braganzastraße

Zwischen 1858 und 1892 führte die Bahnlinie vom Hauptbahnhof nach Landshut über die Trasse der heutigen »Landshuter Allee«. Nach der Verlegung der Bahnstrecke nach Westen (um den Nymphenburger Park herum) entstand hier eine ruhige Lindenallee, an die allenfalls noch die verbliebenen Bäume erinnern. Seit die Landshuter Allee Anfang der 1970er Jahre zu einem Teil des Mittleren Rings ausgebaut wurde, müssen die Neuhauser die negativen Seiten eines modernen und doch offenbar nie zureichenden Verkehrskonzepts ertragen: Der Mittlere Ring durchschneidet das Stadtviertel und belastet die Bewohner bei bis zu 140 000 Fahrzeugen täglich durch Stau, Abgase und Lärm. Dazu kommt die übermäßig hohe Feinstaubkonzentration.

Braganzastraße 0

Dachauer Straße

Im Viertel »Ebenau« kann eines der frühen Beispiele des gemeinnützigen Woh nungsbaus in München besichtigt werden: Der »Verein für Verbesserung der Wohnungsverhältnisse«, an dem Mäzene aus dem Bürgertum und engagierte Wohnreformer beteiligt waren, errichtete hier vor dem Ersten Weltkrieg eine Kleinwohnanlage: zwischen Dachauer, Triva -, Heideck- und Erhard-Auer-Straße. 

Auf der anderen Seite der Dachauer Straße beginnt das Oberwiesenfeld, das seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert militärisch genutzt wurde und in den 1920er Jahren Münchens ersten Verkehrsflughafen beherbergte. Das traditionelle Militärgelände wird heute auf dreierlei Weise neu genutzt: durch das Olympiagelände, das sich nach dem Ende der Spiele von 1972 als riesiges Sport-, Veranstaltungs- und Erholungsgebiet für München fest etabliert hat, durch Wohnnutzung etwa im Olympischen Dorf oder in der Siedlung am Olympiaberg; schließlich im Bereich der Kulturförderung durch das GoetheInstitut an der Dachauer Straße 122. Die militärische Nutzung wurde gleichwohl nicht aufgegeben, wie der große Komplex des Bundeswehrverwaltungszentrums an der Dachauer Straße 128, auf dem Gelände des ehemaligen Eisenbahnbataillons, zeigt

Dachauer Straße 0

Leonrodstraße

Das Eckgebäude Fasanerie-/ Leonrodstraße, das heute zum Kriegsarchiv gehört, ist einer der wenigen erhaltenen Militärbauten in diesem Quartier, für das sich im 19. Jahrhundert der Begriff Kasernenviertel etablierte. Auf der anderen Seite der Leonrodstraße (früher Kasernstraße) lag seit 1877 die größte Kaserne Mün chens, die Max-II-Ka ser ne, die sich mit ihren Übungsplätzen und Wirtschaftsgebäuden auf das ganze Geviert zwischen Dachauer und Albrecht-, Leonrod- und Lazarettstraße erstreckte. Sie war das größte Bauwerk in diesem Kom plex militärischer Infrastruktur, zu dem weitere Kasernen wie die Eisenbahn- und Luftschifferkaserne, die Telegraphenkaserne, Versorgungseinrichtungen wie das Militärlazarett (heute Deutsches Herz zent rum an der Laza - ret tstraße) oder das Militär gericht und Militär ge fängnis an der Artil le rie straße gehörten. Auch das Straßenbild wurde durch die vielen Militärangehörigen geprägt. Während das Kriegsarchiv eine Abteilung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs bildet, ist das gegen überliegende Institut für Zeitgeschichte eine unabhängige Forschungseinrichtung, die 1949 aus dem Impuls geboren wurde, die Ursachen und Hintergründe des gerade erst beendeten nationalsozialistischen Unrechtsregimes zu erforschen. Als weitere kulturelle Einrichtung im ehemaligen Kasernenviertel ist die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung an der Lazarettstraße 33 zu erwähnen, die sich der politischen Bildungsarbeit widmet.

Im Kasernenviertel (an der Neustätter Straße 6) wuchs auch der Schriftsteller Alfred Andersch (1914–1980) auf: »Meine damals schon bebrillten Augen blickten in eine Landschaft verwaschener Häuserfronten, toter Exerzier plätze, aus roten Ziegelwänden zusammengesetzter Kasernen …«. Mit der Welt des Militärs freundete sich Andersch zeit seines Lebens nicht an. Dazu mag auch beigetragen haben, dass er 1919 miterlebte, wie gefangene Rotarmisten nach dem Ende der Räterepublik durch die Leonrodstraße zur Hinrichtung geführt wurden. Als Fünfjähriger konnte er das Geschehen freilich nicht reflektieren, noch Jahre später aber beschäftigte ihn die absurde Grausamkeit dieser politischen Strafaktion. Andersch wurde in jungen Jahren Kommunist und gehörte 1933 zu den ersten Häftlingen im Konzentrationslager Dachau. Er überlebte das Dritte Reich und prägte als bewusst linker Schriftsteller die deutsche Nachkriegsliteratur mit.

Leonrodstraße 0

Platz der Freiheit

Schon 1946 war der »Platz der Freiheit« zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus so benannt worden. Aber erst 40 Jahre nach Kriegsende wurde der Gedenkstein, der »Den Opfern im Widerstand gegen den Nationalsozialismus« gewidmet ist, an dieser Stelle aufgestellt. Zuvor hatte das von Karl Oppenrieder geschaffene Granitmonument 20 Jahre am heutigen »Platz der Opfer des Nationalsozialismus« gestanden, wo es aber von vorneherein als Provisorium gedacht war.

Platz der Freiheit 0

Donnersbergerstraße

Die Donnersbergerstraße hat eine lang zurückreichende Bedeutung für Neuhausen als Verbindungsachse nach Süden. Auf diesem Weg (der entsprechend »Kirchweg« oder »Sendlinger Weg« genannt wurde) musste bis 1871 der sonntägliche Kirchgang nach Sendling angetreten werden, weil Neuhausen keine eigene Pfarrei war. Erst 1895 – nach der Eingemeindung Neuhausens – erhielt die Straße ihren heutigen Namen nach dem obersten Hofbeamten des Kurfürsten Maximilian I., einem Freiherrn von Donnersberg. Die Donnersbergerstraße entwickelte sich nicht nur zu einer Verkehrs- und Geschäftsader, sondern aufgrund ihrer zahlreichen Gaststätten und Kneipen zu einer regelrechten Vergnügungsmeile. Heute ist »Neuhausens Reeperbahn« eine Einkaufsstraße, deren kleine Läden eine behaglich-nachbarschaftliche Atmosphäre ausstrahlen.

Donnersbergerstraße 0

Richelstraße

Die Eisenbahnzentralwerkstätte, die in den 1870er Jahren entstanden war und sich über mehr als 500 Meter westlich der Donnersbergerbrücke erstreckte, wurde schon seit Mitte der zwanziger Jahre außer Betrieb genommen und durch das Reichsbahnausbesserungswerk in Freimann ersetzt. Seit 1902 arbeitete der Schlosser Anton Drexler an der Richelstraße. Als bekennender Antisemit und Antimarxist wurde er während des Ersten Weltkriegs politisch aktiv. Nach verschiedenen Anläufen gründete er zusammen mit dem Journalisten Karl Harrer am 5. Januar 1919 die »Deutsche Arbeiterpartei«.

Ihre frühe Anhängerschaft konnte sie zu einem guten Teil in Drexlers Umgebung, dem »Mettinghviertel«, rekrutieren. Auch viele Arbeiter waren durch Krieg, Niederlage und das Ende der Monarchie traumatisiert und suchten Heil in einfachen Schuldzuweisungen an die »Novemberverbrecher«, die »Bolschewisten« und »Juden«. Hitler fand in der DAP, die zunächst nur eine kleine Gruppierung in einem breiten völkisch-extremistischen Lager war, das Forum, um sich als Redner zu exponieren und eine Gefolgschaft hinter sich zu sammeln.

Richelstraße 0

Renatastraße

Im »Clemensviertel« (so benannt nach der Kirche St. Clemens) finden sich mehrere Beispiele für den »sozialen Wohnungsbau«, der seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Reaktion auf die neue Wohnungsproblematik der Arbeiterbevölkerung entstand. An der Arnulfstraße, der »gelben Meile« Münchens, schuf die Post in den zwanziger Jahren nicht nur bemerkenswerte Verwaltungsbauten im Stile der neuen Sachlichkeit, sondern auch eine »Versuchssiedlung«. Hier sollten neue Maßstäbe für rationelles Bauen gesetzt werden. Die Wohnanlage, die der Renatastraße gegenüber liegt und einen großflächigen Innenhof umschließt, hob sich in ihrem schnörkellosen Charakter vom zeitgenössisch immer noch dominierenden Heimatstil deutlich ab. Dieser Stil kennzeichnete z.B. das allerdings schon 50 Jahre früher entstandene »Arbeiterheim« zwischen Schluder- und Hirschbergstraße für die Eisenbahn arbeiter der Zentralwerkstätte. 

Renatastraße 0

Künstlerhof

Folgt man der Arnulfstraße weiter in Richtung Steubenplatz lohnt es sich einen Blick auf das Briefzentrum (Nr. 195) zu werfen. Die in den Jahren 1965–69 gebaute Paketposthalle war zum Zeitpunkt ihrer Entstehung die größte freitragende Betonfertigteilhalle der Welt und beeindruckt durch ihre schwungvolle Bogenkonstruktion. Gegenüber liegt zwischen Arnulf und Wendl-Dietrich-Straße die GEWOFAG-Siedlung Neuhausen. Sie war Teil des Plans, Ende der zwanziger Jahre der schon damals notorischen Wohnungsnot in München mit einem städtischen »Gesamtbauprogramm« zu begegnen. Planer der Siedlung war Hans Döllgast, der das gerade erst in Mode gekom mene Zeilenbaukonzept in ansprechend-abwechslungsreicher Form verwirklichte. Eine Besonderheit ist der Künstlerhof zwischen Arnulf- und Karl-Schurz-Straße. Hier liegen mehrere Künstlerateliers an einem schmalen Innenhof – eine kleine, »malerische« Idylle in der Großstadt.

Zum Künstlerhof 0

Steubenplatz

Am Steubenplatz endete bis 1957 nicht nur die GEWOFAG-Siedlung, sondern auch die Arnulfstraße. Durch die Kleingarten an lage zum Romanplatz führten nur Trambahngleise. Zum Steubenplatz hin läuft auch der Hirschgarten in einem spitzen Winkel aus. Seine Geschichte reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück, als Kurfürst Karl Theodor einen 45 Hektar großen Teil des sich weit nach Nordwesten erstreckenden Forstenrieder Parks als Wildgehege abzäunen ließ. Der Hirschgarten wurde schon 1790 der Allgemeinheit zugänglich gemacht, so dass auch die Einrichtung einer Gastwirtschaft interessant wurde. Daraus entstand der bis heute größte Biergarten Münchens mit rund 8 000 Plätzen. Das Waldareal wurde dagegen im Lauf der Zeit immer wieder für andere Nutzungen verkleinert. Die Nationalsozialisten planten, auf Höhe des Hirschgartens ihren neuen gigantischen Hauptbahnhof anzulegen und holzten im Vorfeld schon einmal 14 Hektar Wald ab. Durch die Umnutzung ehemaliger Bahnflächen als Grün- und Erholungsgebiete soll der Hirschgarten nun wieder eine Erweiterung erfahren. Am Birketweg ist außerdem die Errichtung eines neuen Wohn- und Gewerbequartiers in Planung.

Steubenplatz 0

Winthirplatz

Zurück zum Ausgangspunkt am Rotkreuzplatz gelangt man auf der Wendl-Dietrich-Straße, die von alters her den Hirschgarten mit dem Dorf Neuhausen verband. Auf dieser Achse stand auch die »Winthirsäule«, eine Art Feldstein aus dem 15. Jahrhundert, den man 1911 aus verkehrs technischen Gründen auf dem Winthirplatz aufgestellt hat. Die Sandsteinsäule ist stark verwittert, die an den «seligen Winthir» gerichtete Gedenktafel nicht mehr vorhanden.

An der Wendl-Dietrich-Straße 20 trifft man schließlich noch einmal auf eine Adresse von überregionaler Bedeutung. Hier steht die 1927 eröffnete Jugendherberge. In der Epoche der Jugendwanderbewegung war sie zu einer dringenden Notwendigkeit für München geworden. Bis dahin waren Jugendliche «auf Fahrt» nur in provisorischen Unterkünften untergebracht worden.

Winthirplatz 0