KulturGeschichtsPfad
 

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Ostbahnhof

1839/40 begann mit der Linie München–Augsburg das Eisenbahnzeitalter in der bayerischen Hauptstadt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts machte der Streckenausbau rasche Fortschritte. Insbesondere die Linien nach Österreich legten die Errichtung eines Bahn hofs im Münchner Osten nahe. Am 15. März 1871 wurde die Station eröff net. Über die im Süden Münchens geführte »Gürtelbahn« war sie mit dem Hauptbahnhof verbunden. In der Umgebung des Ostbahnhofs siedelten sich zahlreiche Gewerbebetriebe an, um vom günstigen Standort zu profitieren. Dazu gehörten der Kolonialwarenhandel »Franz Kathreiner’s Nachfolger« und das Eisenwerk Kustermann, die beide Gleisanschluss erhielten.

Am 23. Juli 1942 fuhren Hans Scholl und Alexander Schmorell zusammen mit einer Studentenkompanie vom Ostbahnhof an die Ostfront. Nach ihrer Rückkehr aus Russland nahm die »Weiße Rose« im November 1942 die Widerstandsarbeit wieder auf, erweiterte den Kreis der Mitverschworenen und versuchte, über München hinaus Kontakte zu knüpfen. Doch bereits am 18. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl bei der Verbreitung des sechsten Flugblattes in der Universität verhaftet. Vier Tage später verurteilte der Volksgerichtshof unter Roland Freisler die Geschwister Scholl und Christoph Probst zum Tode; sie wurden noch am gleichen Tag in Stadelheim hingerichtet. Für ihren mutigen Einsatz mussten auch Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber mit dem Leben bezahlen.

Der Ostbahnhof wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und nur teilweise wiederhergestellt. Erst in den 1970er Jahren begann man, die Restbestände der alten Ge bäude zu beseitigen und durch neue Bauten zu er setzen. Seit Mitte der 1980er Jahre erstreckt sich ein langer Gebäude komplex entlang der Orleansstraße, der auch Verwaltung, Schul- und Berufsbildungsstätten beherbergt.

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Orleansplatz

Vom halbkreisförmigen Orleansplatz gehen zentrale Achsen des Franzosenviertels wie Strahlen aus. Das Stadtviertel entstand seit den 1870er Jahren nach Planungen auf dem Reißbrett. Unter dem Eindruck des kurz zuvor zu Ende gegangenen Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wurden die Straßen nach Schlachtenorten be nannt. Die Erbauung des Franzosenviertels geht vor allem auf die Initiative Carl von Eichthals zurück, die planerischen Vor gaben lieferte der städtische Oberbau rat Arnold Zenetti. Im Viertel entstanden zahlreiche Mietskasernen, deren prunkvolle Neubarockfassaden die bedrängten und ungesunden Wohnverhältnisse der Unterschichten nach außen kaschierten. Die Sanierung dieser Wohnblöcke hat hundert Jahre später die »Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung mbH« (MGS) als städtischer Treuhän der übernommen. Dabei kommen auch öffentliche Mittel zum Einsatz, da Haidhausen 1976 als Sanierungs gebiet ausgewiesen wurde.

Zur städtebaulichen Aufwertung »rund um den Ostbahnhof« gibt es umfangreiche Planungen, die zum größeren Teil den angrenzenden Bezirk Berg am Laim betreffen. Zu Haidhausen gehört das alte Postgelände im Dreieck Orleans-, Kirchen- und Spicheren straße, in dem der zeit ein neues Wohn gebiet unter Einbin dung denkmalgeschützter Bauten entsteht. Hier befanden sich schon seit dem frühen 19. Jahrhundert die Farbenfabriken Michael Huber, deren »Karminrot« und andere Produkte legendär waren. Das Unternehmen verließ seinen Haidhauser Standort erst 1963.

Vom weiteren Pfad lohnt sich ein Ab stecher in die Lothrin ger Straße 13 – einem Zentrum für experimentelle Kunst, das die Stadt München seit 1980 in einer ehemaligen Motorenschleiferei betreibt. Die Fabrikhallen bieten nicht nur hervorragende Aus stellungsmöglichkeiten, sondern auch ein Forum für Austausch, Diskussion und ein innovatives Begleitprogramm.

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St.-Wolfgangs-Platz

Die Verehrung des heiligen Wolfgang hat in Haidhausen Tradition, denn bis 1878 stand an der heutigen Wolfgang straße eine kleine Kapelle, die dem Bischof gewidmet war. Bau fällig geworden, wurde sie abgetragen. Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts bemühte sich ein Kirchenbauverein um die Errichtung einer neuen Wolfgangskirche. Erst 1920 konnte der Bau auf dem Gelände an der Balanstraße geweiht werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Kirche zerstört; die Ruine baute man provisorisch zur Notkirche aus. 1964–66 entstand der Neubau neben dem erhaltenen Turm der alten Kirche. Betreut wird die Pfarrei von der Gemeinschaft der Salesianer, die auch das große Jugendwohnheim am St.-Wolfgangs-Platz seit den 1920er Jahren unterhält. Aus der gleichen Zeit stammt die gegenüberliegende genossenschaftliche Kleinwohnungsanlage.

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TSV München-Ost

Das Sportgelände an der Sieboldstraße gehört dem TSV München-Ost, der seinen Ursprung in dem 1897 gegründeten Arbeiter-Turn-Verein MünchenOst hat. Zunächst mussten die Turner Nebenzimmer von Gaststätten und die Haidhauser Bierkeller für ihre Aktivitäten nutzen, bevor sie in den 1920er Jahren ein Vereinsgelände an der St.- Martin-Straße in Obergiesing erwerben konnten. Von den Nationalsozialisten aufgelöst, bezog der Verein das Gelände in der Au 1957 und hat sich seitdem zu einem der größten Münchner Vereine mit 2200 Mitgliedern entwickelt. Vom Sportgelände führt der Weg weiter über den Zita-Zehner-Platz. Er wurde im Jahr 1999 nach der Stadträtin Zita Zehner (1900–1978) benannt, die als Geschäftsfrau und CSU-Landtags abgeordnete durch ihr humanitäres Engagement in der Nachkriegszeit beeindruckte.

Mit etwas Verzögerung begannen die Frauen, sich die männlich dominierte Welt des Turnens zu erobern – so als erstes im Stadtbezirk im TSV Tur nerbund München 1905. Der TSV München-Ost gründete seine DamenTurnabteilung 1906. 

Sieboldstraße 0

Regerplatz

Das heutige Maria-Theresia-Gymna sium wurde 1899 als Kgl. Maria-The resiaKreisrealschule eröffnet. Sie war damit erst die dritte (Knaben-)Real schule in München. Die im 19. Jahrhundert aufkommenden Realschulen sollten das wachsende Bedürfnis nach höherer Bildung für breitere Schichten der Be völ kerung eher befriedigen, als es die humanistischen Gymnasien vermochten. Die Bewohner der Vorstädte rechts der Isar drängten auf die Einrichtung einer solchen Anstalt, für die am neuen Regerplatz schließlich ein geeigneter Standort gefunden wurde. Die Päda go gen der Real - schule sahen ihre Aufgabe auch darin, die zum Teil recht »rohe« Vorstadtjugend zu mehr bürgerlicher Sittsamkeit zu erziehen: »Kneipe reien und verbotener Kinemato gra - phen besuch am Abend« wurden mit »Karzer, Rektoratsverweisen und Demissionen geahndet«. 

Regerplatz 0

Adelgundenheim

 

Durch die Pöppelstraße führt der Weg weiter am Adelgundenheim an der Ecke Hochstraße vorbei. In dem 1898 eröffneten katholischen Kinderheim unter der Betreuung von Mallersdorfer Schwestern wurden im Dritten Reich jüdische Kinder vor der Gestapo versteckt. Heute betreut die Erziehungshilfeeinrichtung Jungen und Mädchen in verschiedenen pädagogischen Angeboten.


Auer Mühlbach

Der Auer Mühlbach, der in Harlaching von der Isar abzweigt, gehört zu den natürlich entstandenen Stadtbächen. Schon im Mittelalter begann man, den Bach zu regulieren und seine Wasser - kraft im Mühlenbetrieb zu nutzen. Später siedelten sich viele Gewerbe im Umfeld des Wasserlaufs an. Stoffe und Papier, Eisenklingen und Tabak wurden u.a. in diesem frühen Industrie - viertel produziert. Die gewerbliche Nutzung und die Abwasserentsorgung führten freilich auch zu gravierenden hygienischen Problemen. 

Während die frühen »Fabriken« längst nicht mehr existieren, konnte nur die Paulanerbrauerei am Nockherberg die Tradition der Bierherstellung aufrechterhalten. 

1627 siedelten sich Paulaner mönche in Kloster Neudeck (heute Landratsamt) an und begannen, Bier als wichtiges Nahrungsmittel im klösterlichen Fasten all tag zu brauen. Daraus entwickelten sich ein wachsender Braubetrieb und eine zu nächst inoffizielle Bierschänke, die unter Kurfürst Karl Theodor mit einer Konzession zum unbegrenzten Bieraus schank sanktioniert wurde. Berühmtester Braumeister war Frater Barnabas Still (1750–1795). Nach der Aufhebung des Paulanerklosters 1799 übernahm 1806 Franz Xaver Zacherl die Brauerei. 1861 wurde das Salvator-Starkbier erstmals im Zacherl-Keller auf dem Nockherberg ausgeschenkt. Im Zweiten Weltkrieg nutzte man den Keller als Befehls stand der Münchner Luftschutz stellen. 1999 brannte der alte Salvator-Kel ler nieder; er wurde inzwischen durch einen Neubau ersetzt.


Am Neudeck

Am Neudeck stand bis 1905 ein Jagdschlösschen, das Herzog Wilhelm V. um 1600 hatte erbauen lassen. An fang des 20. Jahrhunderts fanden hier grundlegende Umgestaltungen statt. Der Nockherberg wurde neu angelegt und für den Trambahnbetrieb verbreitert; das unterhalb gelegene Schlösschen und die dazugehörigen Bauten wurden ab gerissen. Gegenüber entstanden die für den Frauen- und Jugendarrest genutzten Strafanstalten (Am Neudeck 10 und 12). Auch das Gebäude der Polizeiinspektion (Am Neudeck 1) stammt aus dieser Zeit; es fungierte bis 1985 als Landesimpfanstalt. Im Zuge der Baumaßnahmen nach der Jahrhundertwende wurde der Auer Mühlbach am Neudeck überwölbt, vor kurzem wieder freigelegt und als »stadträumliches Element« entdeckt.

Am Neudeck 0

Mariahilfplatz

Auf dem Gelände des Landratsamts lag in der Barockzeit das Kloster der Paulanermönche, die Kurfürst Maximilian I. 1627 in die Au geholt hatte. Nach Aufhebung der Ordensniederlassung 1799 begann eine wechselvolle Geschichte für die Gebäude. Zunächst als Kaserne benutzt, wurde 1807 ein Zuchthaus im ehemaligen Kloster eingerichtet. 1829 entstand am Mariahilfplatz ein Rathaus für die Vorstadt Au; nach der Eingemeindung 1854 nutzte man es als Justizgebäude. 1902 schließlich wurden fast alle Reste des Klosters dem Neubau des Amtsgerichts München, der bewusst Element des Barockklosters wieder aufnahm, geopfert. 1956 bezog das Landratsamt den Standort am Mariahilfplatz.

Dieser Platz wurde aber nicht nur durch Justiz und Ver wal tung zum Herz der Au, sondern auch durch die Errichtung der neuen Mariahilfkirche (1831–1839). Der neugotische Monumentalbau von Daniel Ohlmüller nahm die Marienstatue mit Reliquien auf, die schon seit 200 Jahren hier verehrt wurde. 

Die Auer Dult schließlich macht den Mariahilfplatz regelmäßig zur Attraktion. 1796 erteilte Kurfürst Karl Theodor den Auern die Genehmigung, künftig zweimal jährlich einen Jahrmarkt abzuhalten. Die Auer Dult blieb kein Geheimtipp unter fliegenden Händlern und Antiquitätenjägern, sondern etablierte sich als feste Größe im Münchner Veranstaltungskalender. Auch die ursprünglich am St.-Jakobs-Platz und zuletzt in Haidhausen abgehaltene Jakobidult zog vor hundert Jahren in die Au um, so dass es dort seither neben der Frühjahrs- und der Herbstdult eine dritte Dult im Sommer gibt.

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Likörfabrik Meyer & Hirsch

Unweit des Mariahilfplatzes am Bereiteranger 15 stand die Likörfabrik Meyer & Hirsch. Als erfolgreiches Familienunternehmen produzierte sie verschiedene Spirituosen, so die bekannten Magister Liköre und Weinessig. 1938/39 wurde die Firma »arisiert«, ihre jüdischen Besitzer mussten emigrieren. Sie erhielten später nur eine teilweise Rückerstattung, weil der neue Besitzer 1949 hoch verschuldet starb.

Bereiteranger 15

Zeppelinstraße

Das Geburtshaus Karl Valentins steht an der Zeppelinstraße 41, dort, wo sie auf das Isarufer stößt. Das Haus, in dem Valentins Familie ein Möbeltransportgeschäft betrieben hatte, war lange Zeit dem Verfallpreis gegeben, bevor schließ lich durch den Bezirks aus schuss eine Sanierungslösung gefunden wurde. Das Anwesen wurde zum valetinesken Preis von 888 888,88 DM verkauft und der Erwerber zur Renovierung verpflichtet. Dafür durfte er auf dem dazu gehörigen Grund Neubauten errichten. Im Erdgeschoss der Zeppelinstraße 41 hat heute der Verein »Freunde der Vorstadt Au e.V.« seinen Sitz, der sich seit 20 Jahren mit vielen Aspek ten der Auer Geschichte be schäf tigt und sich nachhaltig für die Renovierung des Valentinhauses eingesetzt hat.

Valentin Ludwig Fey wurde am 4. Juni 1882 in der Au geboren. Statt dem erlernten Schrei nerhand werk nachzugehen, machte er als Karl Valentin eine Karriere als Volksschau spie ler und Komiker. Seine kongeniale Bühnen partnerin war Liesl Karlstadt, eigentlich Elisabeth Wel lano (im Bild bei der Aufführung des Stückes »An Bord«, 1930 im Kolosseum). Der materiell nie gut gestellte Künstler erholte sich 1948 nicht mehr von einer Erkältung und starb.

Zeppelinstraße 41

Franz-Prüller-Straße

Die nach dem Dichter und Stückeschreiber Franz Prüller (1805–1879) benannte Straße zeigt exemplarisch die Strukturen der Herbergen und Gewerbebetriebe, die das Viertel einst prägten. Der Auer Mühlbach versorgte das vor 300 Jahren entstandene Gewerbegebiet an der Franz-Prüller-Straße 15 mit Wasser und Energie. Etwas weiter nördlich, am Kegelhof 3, stehen die Gebäude der bis 1928 in der Au ansässigen »München-Dachauer Papierfabrik«. Die umgebaute Papiermühle wird in zwischen als Jugendtreff genutzt. 

Eines der ältesten Herbergsanwesen ist das aufwändig renovierte »Pesthaus« an der Franz-Prüller-Straße 12. Hier kann man ein Pestkreuz sehen, wie es zur Kennzeichnung verseuchter Häuser während der Pestepidemien benutzt wurde. Die Bewohner der Herbergen waren Tagelöhner, kleine Handwerker oder Krämer. Mit herzoglichem Privileg arbeiteten die »Haderlumper«, die die gesammelten Stoffreste bei der Papiermühle ablieferten. 

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Waisenhaus

An der Sammtstraße 3 richtete Johann Michael Pöppel um 1750 ein Waisenhaus ein. Der Sohn eines Fassbinders in der Au und ausgebildete Theologe hatte das Gründungskapital durch private Sammlungen eingebracht. Die Kinder erhielten einen Basis unter richt und eine Vorbereitung auf das Berufs leben. 1808 wurde das Haus staatlicher Verwaltung unterstellt und ging einige Jahre später im Münchner Waisenhaus auf.

Sammtstraße 3

Paulanerplatz

Vom vorindustriellen Gewerbeviertel nördlich des Paulanerplatzes ist nichts erhalten geblieben. Kurfürst Max Emanuel errichtete 1679 eine Tuchfabrik (Lilienstraße 19–27) für die Produktion von Uniformen – der »blaue Kurfürst« machte den hellblauen Rock zum Markenzeichen. 1789 gründete der Berater am kurfürstlichen Hof Benjamin Thompson (seit 1792 Graf Rumford) in der brachliegenden Tuchfabrik ein Arbeitshaus und Armeninstitut. Bettler und verwahrloste Kinder wurden zwangs eingewiesen. Sie produzierten für den Armeebedarf, erhielten dafür geringen Lohn und Nahrung, so die nach ihrem Erfinder benannte Rumford-Suppe. Im Komplex des ehemaligen Arbeitshauses entstand Mitte des 19. Jahr hunderts ein Brauereibetrieb. Später kam die Gaststätte Wagnerbräu dazu. Ihre hundertjährige Tradition wird heute vom Wirtshaus in der Au fortgeführt. Etwas weiter nördlich am Auer Mühlbach lag seit dem Mittelalter die Schobingermühle. Im 15. und 16. Jahrhun dert war ihr eine bekannte Waffenschmiede angeschlossen. 1786 richtete Kommerzienrat Fleischmann dort die erste bayerische Rauchtabakfabrik ein, in der vor allem Frauen und Kinder für niedrige Löhne arbeiteten.

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Lilienstraße

Die Lilienstraße ist die alte Haupt straße der Au, auf der der Postweg von der Ludwigsbrücke zum Tegernsee führte. Am nördlichen Ende befinden sich die »Museums-Lichtspiele«, die seit fast 30 Jahren die skurrile »Rocky Horror Picture Show« zeigen. Hier gab es einst Spektakel anderer Art zu bewundern. Im 1830 eröffneten Schweigerschen Volkstheater, einem grün angestrichenen Holzgebäude, wurde abseits des elitären Kulturbetriebs volksnahe Unterhaltung geboten. Stammvater der Theaterfamilie war Franz Maria Schweiger, der schon um 1770 erfolgreich die Figur des »Lipperl«, eines Münchner »Urviehs«, in der Au präsentierte. Seit 1850 gab es zwei konkurrierende Theaterbetriebe der Schweigers: Max Schweiger be trieb in der Müllerstraße das Isarvorstadttheater und Johann Schweiger an der Lilienstraße das »Neue Volkstheater in der Vorstadt Au«. Beide mussten 1865, als das Gärtnerplatztheater eröffnet wurde, ihre Pforten schließen. Die Volkstheatertradition wird heute auf mehreren kleinen Bühnen im Stadtbezirk fortgesetzt.

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Kulturzentrum Gasteig

Am Hochufer der Isar erhebt sich der gewaltige Backsteinbau des Gasteig Kulturzentrums. Hier sind wichtige Kulturträger der Stadt seit 1985 vereinigt: die Zentralen der Münchner Volkshochschule und der Stadtbibliothek, das Richard-Strauss-Konservatorium und die Münchner Philharmoniker. Die Philharmonie ist in der Form einer Riesenmuschel aus Holz konstruiert und bietet alle Möglichkeiten für große konzertante Aufführungen. Daneben gibt es kleinere Bühnen wie den Carl-Orff-Saal und die Black Box. Musikprogramm, Ausstellungen, das Münchner Filmfest, Vortragsreihen der Volkshochschule, aber auch der alltägliche Betrieb in der Bibliothek und im Konservatorium sorgen für eine lebendige Atmosphäre. 

Am Gasteig 0

Rosenheimer Berg

Am Rosenheimer Berg befand sich im 19. Jahrhundert die Kellerstadt der Münchner Brauereien. Die Isarterrasse war für die Anlage kühler Lagerkeller bestens geeignet. Erst mit der Erfindung der Kältetech nik in den 1870er Jahren – der Münchner Carl von Linde war hier führend – wurden die Keller allmählich überflüssig. Im Brauereiwesen setzte außerdem ein starker Konzentrations prozess ein, der zum Absterben vieler kleiner Bräus führte. Die neuen Aktien gesellschaften errichteten dafür große Bierpaläste, wie etwa den Festsaal der Münchner-KindlBrauerei und den Bürgerbräukeller, beide an der Rosen heimer Straße.

Rosenheimer Straße 0

Am Gasteig

Der Name »Gasteig« kommt vom »gachen Steig« zwischen Ludwigsbrücke und der Kirche St. Nikolai auf der Anhöhe. Er war Teil der alten Salzstraße, die von Reichenhall oder Hallein über Feldkirchen nach Haidhausen und schließlich über die Wiener Straße hin unter zur Isar und nach München hinein führte. Das Gebiet am Gasteig gehörte wegen seiner wichtigen strategischen und wirtschaftlichen Bedeutung zum Münchner Burgfrieden, dessen Grenze nach Haidhausen zwischen Wiener und Rosenheimer Platz verlief. Der exponierte Gasteig berg war ein wichtiger Brückenkopf, in kriegerischen Ausein andersetzungen der ideale Aufmarschplatz für das Militär. Mit seinen Hang quellen diente er bis zur Erschließung der Mangfall 1883 zur Wasserversor gung der Stadt. 

Das Brunnhaus lag zunächst oben auf dem Berg und wurde von Stadtbaurat Karl Muffat 1836 auf die Kalkofeninsel verlegt. Ende des 19. Jahrhunderts entstand hier das erste Elektrizitätswerk Münchens, das Muffatwerk. Der ehemalige Industriebetrieb mit dem markanten Kamin ist nun Veranstaltungszentrum. Als attraktiver Jugend stilbau erhebt sich daneben das Müllersche Volksbad.

Am Gasteig 0

Preysingplatz

Die Preysingstraße war, wie man noch erkennen kann, ursprünglich eine Allee, die vom Preysingschloss im alten Haidhausen zum Gasteig führte. Sie durchschnitt militärisches Gelände, das zu nächst als Exerzierplatz und im 19. Jahrhundert in seinem südlichen Teil als »Militärholzgarten« für die Brennstoffversorgung genutzt wurde. Der Preysingplatz war lange Zeit eine Kiesgrube, bevor dort 1889 die erste protestantische »Notkirche« in Haidhausen entstand.

Der »protestantische Kirchenbauverein« setzte den Bau der neoromanischen St. Johanneskirche durch, die 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, geweiht wurde und die frühere Notkirche ersetzte.

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Johannisplatz

Wir erreichen den Johannisplatz von der Südseite, wo auf Nr. 10 das frühere Wohnhaus der Haidhauser Schriftstellerin und Schauspielerin Carlamaria Heim (1932–1984) steht. Als Künstlerin wurde sie vor allem durch ihre »Josefa Halbinger« bekannt; im Stadtteil erinnert man sich auch ihres politischen Engagements.

Der Johannisplatz wird dominiert vom imposanten neugotischen »Dom von Haidhausen«. Von der Grundsteinlegung der neuen katholischen Pfarrkirche 1852 bis zur Einweihung 1879 verging eine so lange Zeit, weil die Eingemeindung Haidhausens einen Streit um die Besitzrechte an der Kirche auslöste und die Stadt München die Bau arbeiten zeitweise einstellte. Ermöglicht wurde der Bau durch das Engagement des Stadtpfarrers (1848–1871) Johann Georg Walser, der sich aufgrund seiner unermüdlichen Sammeltätigkeit den Titel »Bettler von Haidhausen« erwarb. Den Baugrund für die Pfarrkirche lieferte der so genannte Metzgeranger, der – zeitweise im Besitz eines Metzgermeisters – eigentlich der zur Hofmark gehörige Schlossanger war.

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Kirchenschule

1874/75 entstand direkt neben der Schlossschule der erste große Schulhausbau in Haidhausen, die Kirchenschule. Das alte Schulgebäude wurde 1893 abgerissen und durch ein neubarockes Feuerwehrhaus und das daneben gelegene Wannen- und Brausebad ersetzt. In der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges brachten Bombengefahr und Kinderland ver - schickung den Unterrichtsbetrieb in der Kirchenschule zum Erliegen. Sie wurde, ebenso wie andere Schulen, als Unterkunftslager für ausländische Zwangsarbeiter verwendet.

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Wiener Platz

Am Wiener Platz verlief vor der Eingemeindung Haidhausens die Burg frie densgrenze. Während von der Südwestseite her die Kellerstadt der Münchner Brauereien an den Platz reichte, war seine Haidhauser Seite mit Herbergsanwesen bebaut. Ein solches großes Anwesen mit verschiedenen Handwerksbetrieben stand mitten auf dem Platz und wurde erst 1899 abgerissen. Um diese Zeit begann der Ausbau mit repräsentativen Miethäusern im Stil der Neurenaissance und des Neubarock. Zudem etablierte er sich als fester Marktplatz für Haidhausen. In einem »Konsensverfahren« mit den Bürgern wurde vor einigen Jahren die Umgestaltung zur Fußgängerzone beschlossen.

Als Reminiszenz an die Bierstadt ist lediglich der Hofbräukeller am Haidhau ser »Platzl« erhalten. Im Biergarten spielte sich am 5. Mai 1919 ein Drama ab, als Angehörige des Freikorps Lützow noch nach dem Ende der Räterepublik zwölf Perlacher Arbeiter erschossen.

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Max-Weber-Platz

Namensgeber des Platzes war 1905 nicht der bekannte Sozio loge, sondern ein hoher Beamter der Gemeinde Haidhausen bzw. nach 1854 der Stadt München. Der »Haidhau ser Stachus« war und ist eine bedeutende Wegekreuzung, besonders seit die Maximilianstraße und die gleichnamige Brücke angelegt wurden. König Maximilian II. wollte mit »seiner Achse« auch die eingemeindeten Vorstädte rechts der Isar anbinden. Das Maximilianeum von Friedrich Bürklein beherbergte zunächst nur eine Begabten-Stiftung des bayerischen Staates; seit 1949 dient es aber auch als Sitz des Bayerischen Landtags.

Um zur Stuck-Villa an der Prinzregen tenstraße zu gelangen, kann man mit der Trambahn durch die Ismaninger Straße fahren. Sie führt am großen Komplex des Krankenhauses Rechts der Isar vorbei, das 1834 in einem alten Kaffeehaus an der Ismaninger Straße einen bescheidenen Anfang nahm und inzwischen ein ganzes Viertel beherrscht. Schon bevor das Krankenhaus mit der Eingemeindung in den Besitz der Stadt München kam, wurde der erste Neubau errichtet. Es schlossen sich etliche weitere Bauperioden an, bis das Haus im Zweiten Weltkrieg erhebliche Bombenschäden erlitt. Auf den Wiederaufbau folgte 1967 die Übernahme als Klinikum für die medizinische Fakultät der Technischen Universität.

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Villa Stuck

Die Jugendstilvilla entstand als Wohnund Atelierhaus des Münchner Malerfürsten Franz von Stuck (1863–1928). Seit 1992 ist sie neben dem Stadtmuseum und dem Lenbachhaus das dritte städtische Museum in München. Schwerpunkt sind die Werke Stucks und seiner Zeitgenossen, die im Zusammenhang mit dem Durchbruch der Moderne in Europa gezeigt werden. Nach 13jähriger Planungs-, Bau- und Renovierungstätigkeit ist die neue Villa Stuck seit März 2005 wieder geöffnet.

Prinzregentenstraße 60

Trogerstraße - Judenhaus

In der Trogerstraße 44 wurde im Zusammenhang mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich ein so genanntes »Judenhaus« eingerichtet. Das »Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden« vom April 1939 erlaubte es »arischen« Hausbesitzern, jüdische Mieter jederzeit zu kündigen. Im nächsten Schritt wurden sie bei jüdischen Vermietern einquartiert und mussten in höchst bedrängten Verhältnissen ihr weiteres Schicksal abwarten: in aller Regel die Deportation. Besitzer des Hauses in der Trogerstraße war der Jude Benno Maier, der im Rückgebäude seine »Süddeutsche Goldleisten- und Rahmenfabrik« betrieben hatte; die Firma wurde schon 1938 »arisiert«. In das Haus wurden bis 1941 45 Personen zusätzlich einquartiert, die bei drei jüdischen Familien unterkommen mussten. Seit November 1941 rollten die Deportationszüge in die Vernichtungslager. Aus der Au und Haidhausen wurden, soweit belegbar, 290 Juden deportiert und ermordet.

Trogerstraße 44

Einsteinstraße

Die Einsteinstraße ist Teil der historischen Salzstraße und hieß vor dem Krieg noch Äußere Wiener Straße. Bei Nr. 42 lag die Unionsbrauerei, die 1895 von Joseph Schülein erworben wurde. Der Spross einer jüdischen Familie aus Franken, der in München zunächst im Hopfenhandel tätig war, brachte die daniederliegende Unionsbrauerei zu neuer Blüte. Der erste wichtige Fusionspartner war 1905 die Münchner-Kindl-Brauerei; 1921 fusionierte dann die renommierte Löwenbrauerei mit der Union. Das neue von Hermann Schülein geführte Unternehmen übernahm den bekannteren Namen Löwenbräu. In Haidhausen engagierte sich die Brauereifamilie für soziale und kulturelle Zwecke, bis die Nationalsozialisten sie vertrieben. Hermann Schülein, der 1935 emigrierte und fortan in New York lebte, blieb München nach dem Krieg dennoch eng verbunden. 

Einsteinstraße 0

Kirchenstraße

Die Kirchenstraße ist die alte Dorfstraße Haidhausens. Auf einer Anhöhe, die den Rand der lehmhaltigen Hochterrasse im Osten Haidhausens kennzeichnet, liegt die frühere Pfarrkirche St. Johann Baptist. Von ihren spätmittelalterlichen Ursprüngen ist aufgrund mehrerer Umbauten kaum noch etwas zu erkennen. Um 1700 hat die Kirche ihre heutige Form erhalten. Auf dem Friedhof findet man bekannte Haidhauser Namen, aber auch Gedächtniskreuze für die Toten der Choleraepidemien im 19. Jahrhundert.

Haus Nr. 24 beherbergt das Haidhausenuseum, das vor fast 30 Jahren in privater Initiative gegründet wurde. Im Museum finden regelmäßige Ausstellungen zu Themen der Haid hauser Geschichte statt, begleitet von zahlreichen Publikationen des »Gründungsvaters« Hermann Wilhelm.

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Preysingstraße

An der Preysingstraße bemerkt man eine augenfällige Diskrepanz zwischen stattlichen Gründerzeitbauten und vorindustriellen Kleinhäusern. Ein solches ist das »Üblackerhäusl« aus dem 18. Jahrhundert, das die Stadt 1966 erwarb. Hier befindet sich ein »Herbergenmuseum« als Abteilung des Münchner Stadtmuseums. In zwei Räumen kann das bedrängte Wohnen in den Haidhauser Herbergen im 19. Jahrhundert nachempfunden werden. Am Aufbau des Museums arbeitete der Verein der »Freunde Haidhausens« mit, der sich unter der gegenwärtigen Leitung von Johann Baier der Geschichtsarbeit widmet. Im ehemaligen Ziegen stall des Häuschens werden schwerpunktmäßig Ausstellungen von Gegenwarts künstlern gezeigt.

Dem Üblackerhäusl gegenüber steht der Kriechbaumhof, der 1976 von seinem historischen Standort an der Wolfgangstraße weichen musste. Das hölzerne Herbergsanwesen wurde in den 1980er Jahren wieder aufgebaut und wird heute vom Deutschen Alpenverein genutzt. 

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Kloster zum Guten Hirten

Am Ende der Preysingstraße lag eine Sommer residenz der Adelsfamilie Preysing aus dem 17. Jahrhundert. 1840 ließen sich die aus Frankreich kommenden »Frauen vom Guten Hirten« mit Genehmigung Ludwigs I. auf dem alten Adelssitz nieder. Sie errichteten neue Klostergebäude und eine Kirche. In ihrer bis 1965 bestehenden Erziehungsanstalt für Mädchen unterrichteten sie nach einem strengen Reglement. Der ehemalige Preysingbesitz ist nun ein Zentrum der Erzdiözese München-Freising, in dem u.a. das Edith-Stein-Gymnasium, die Katholische Stiftungsfachhochschule und das erzbischöfliche Jugendamt untergebracht sind.

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Wörthstraße - Max Reger

In der Wörthstraße 20 lebte 1902 bis 1903 der Komponist Max Reger (1873– 1916). Er war in dieser Zeit auch als Organist in der Pfarrkirche am Johannisplatz tätig, fand hier aber keine Anerkennung. Überhaupt hatte er es in München schwer, Verständnis für seine Musik zu wecken, und nahm daher 1907 eine Stelle in Leipzig an. Das Haus an der Wörthstraße gehörte schon seit 1897 dem Protestantischen Kirchenbauverein, der im Hinterhof ein Rückgebäude errichtete. Hier fand eine »Kinderbewahranstalt« für 200 Kinder ihren Platz. Die betreuenden Diakonissinnen konnten über einen geschlossenen Verbindungsgang im ersten Stock, der noch zu sehen ist, das Rückgebäude erreichen. Das Haus Wörthstraße 20 wurde im Lauf der Zeit für zahlreiche soziale und seelsorgerische Zwecke der evangelischen Kirchengemeinde genutzt und ist weiterhin Gemeindezentrum. 

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