KulturGeschichtsPfad
 

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Kurfürstenplatz

Die ersten Häuser im Westen Schwabings entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts am ehemaligen Kanal »Türkengraben«, der späteren Kurfürsten-, Nordend- und Belgradstraße. Es handelte sich um eine niedrige Bebauung mit Gärtnereien, Handwerks betrieben und einfachen Arbeiterwohnungen. Um 1910 gab es westlich der Nordendstraße noch viele Wiesen und Baugruben. Bis Mitte der 1930er Jahre war die Westseite des Kurfürstenplatzes von niedrigen Gebäuden geprägt. Um 1935 begannen die Abbrucharbeiten und anstelle der sanierungsbedürftigen Altbauten entstand ein aus fünf Einheiten bestehendes Wohn- und Geschäftshaus. Auffälliges Merkmal der von Hanns Atzenbeck gestalteten Anlage ist der über dem Toreingang emporragende Erker, dessen sechseckiger Uhrenturm von einer langgezogenen Zwiebelhaube gekrönt ist. In dem 1938 fertig gestellten Gebäude ist seit her auch die Stadtsparkasse (Hohenzollernstraße 55) untergebracht.

Kurfürstenplatz 0

Jakob-Klar-Straße 7

Von 1921 bis zur Emigration im Dezember 1936 wohnte das jüdische Ehepaar Frieda und Moritz Frank mit seinen Kin dern Richard und Lieselotte in der Jakob-Klar-Straße 7. Auch den jüdischen Eheleuten Dorothea und Max Zucker, die seit Juli 1936 im Haus lebten, gelang im Oktober 1938 die Emigration. An der Hauswand des Gebäudes erinnert eine Gedenktafel daran, dass in diesem Haus während der Zeit des Nationalsozialismus Münchner, die aufgrund ihrer jüdischen Abstammung ihrer bürgerlichen Rechte beraubt wor - den waren, hier zwangsweise leben mussten. Den Hintergrund bildeten national sozialistische Vorschriften, die ab 1938 jüdische Mieter systematisch aus »arischen« Häusern verdrängten. Tausende verloren auf diese Weise ihre Wohnung; wer nicht in ein Lager eingewiesen wurde, kam mitunter vorüber gehend bei jüdischen Vermietern unter – wobei jüdisches Hauseigentum systematisch »arisiert«, also zwangsverkauft wurde. Das Haus Jakob-Klar-Straße 7 befand sich in ausländischem Eigentum und war damit von der »Arisierung« ausgenommen. In dem Gebäude gab es zwei Wohnungen, in die Juden zwangseingewiesen wurden. Auf diese Wohnungen verteilten sich die 32 Menschen, die die Gedenktafel nennt. Die dort Genannten wur den deportiert, manche starben auf dem Transport, die meisten aber wurden in Kaunas, Auschwitz oder in Theresien stadt ermordet. Die Gedenktafel erinnert auch an Luise, Julius und Bruno Kaufmann: die dreiköpfige Familie hatte sich bereits am 31. Oktober 1940, also deutlich bevor die ersten Deportationen aus München erfolgten, das Leben genommen.

Jakob-Klar-Straße 7

Werner Heisenberg

August Heisenberg (1869–1930), seit 1910 Professor für Byzantinistik an der Universität München, wohnte mit seiner Familie in dem Jugendstilbau in der Hohenzollernstraße 110. Seit 1989 erinnert eine Gedenktafel an dessen Sohn, den späteren Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg (1901–1976), der hier seine Jugendjahre verbrachte und das Maximiliansgymnasium besuchte.

Hohenzollernstraße 110

Olga Benario-Prestes

Das Mietshaus in der Jakob-Klar-Straße 1 ist das Elternhaus der Kommunistin und Widerstandskämpferin Olga BenarioPrestes (1908–1942). Ihr Vater, der Rechtsanwalt und Schriftsteller Leo Benario, hatte das Haus 1915 erworben. Als überzeugter Sozialdemokrat schickte Leo Benario seine Tochter in eine sozialdemokratische Kindergruppe. Mit 15 Jah ren schloss sich Olga der kommunistischen Jugendgruppe Schwabing an, brach das Gymnasium ab und begann eine Buchhändlerlehre im Georg-Müller-Verlag, der teilweise in der Jakob-Klar-Straße 1 untergebracht war. Zwei Jahre später ging sie nach Berlin und war dort für die Kommunistische Partei tätig. 1928 befreite sie ihren Lebens gefährten, den militanten Kommunisten Otto Braun, aus dem Gefängnis Moabit und floh mit ihm nach Moskau. Dort arbeitete sie für die Kommunistische Jugendinternationale, erhielt eine inten sive ideologische und militärische Ausbil dung. Sie lernte Fliegen und Fallschirmspringen und hatte das Ziel, mit der Sowjetarmee gegen Nazi-Deutschland zu kämpfen. 1935 begleitete Olga den brasilianischen Revolu tionsführer Luís Carlos Prestes nach Brasilien. Doch im November 1935 scheiterte der von Prestes geplante Militär putsch gegen das faschistische Regime des Diktators Getúlio Vargas. Prestes und viele seiner Anhänger wurden festge nommen. Olga wurde an Deutschland ausgeliefert, obwohl sie Prestes ge heiratet hatte und von ihm schwanger war. Am 27. November 1936 brachte sie die gemeinsame Tochter Anita Leocádia im Gestapo-Gefängnis in Berlin zur Welt. Während das Kind überlebte, weil es seiner brasilianischen Großmutter übergeben wurde, verbrachte Olga Jahre in KZ-Haft und wurde im Februar 1942 in Bernburg umgebracht.

Nachdem Leo Benario 1933 starb, erbte dessen Frau Eugenie das Haus in der Jakob-Klar-Straße 1. Ihr Sohn Otto wohnte hier und 1939 zogen ihr Bruder Artur Gutmann und dessen Frau Julie ein, die als Juden ihre Mietwohnung hatten verlassen müssen. Sie alle wurden am 10. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und im KZ ermordet. In den 1950er Jahren erhielt Anita Leocádia Prestes als Alleinerbin das Haus und verkaufte es.

Jakob-Klar-Straße 0

Agnespost

Das Postamt in der Agnesstraße 1–5 wurde 1925/1926 nach Plänen der stilbildenden Architekten der Postbauschule Robert Vorhoelzer und Franz Holzhammer errichtet. Der fünf - geschossige Walmdachblock mit Anklängen an den Expressionismus greift mit seinem Fassadenschmuck auch historisierende Elemente auf. Am 5. Juli 1955 wurde in der Schal terhalle des Postamts ein tödlicher Paketbombenan schlag auf den slowakischen Exilpolitiker Matuš Cernák (1903–1955) verübt. Die Hintergründe des Verbrechens, bei dem auch zwei unbeteiligte Personen ums Leben kamen und 20 Personen verletzt wurden, konnten nicht aufgeklärt werden.

Agnesstraße 1

Leonhard Frank

Der pazifistische Schriftsteller Leonhard Frank (1882–1961), der 1950 aus dem Exil in den USA zurück gekehrt war, verbrachte seine letzten Lebensjahre in dem 1911 von Otho Orlando Kurz und Eduard Herbert geplanten Jugendstilbau in der Tengstraße 26.

Tengstraße 26

Gisela-Gymnasium

In der Arcisstraße 65 wurde 1904 nach Entwürfen von Cajetan Pacher die »Kgl. Gisela-Kreisrealschule« erbaut und 1911 erweitert. Ursprüngliche Aufgabe der Schule war es, Buben über sechs Klassen auf das Berufsleben vorzubereiten. 1929 wurde die Schule zu einer der Vorbereitung auf die Hochschule dienenden »Vollanstalt« ausgebaut und zur »Gisela-Oberrealschule« erhoben. In den 1960er Jahren wurde die Schule zum naturwissenschaftlichen Gymnasium, im Schuljahr 1991/1992 kam ein neusprachlicher Zweig hinzu. Seit dem Schuljahr 1981/1982 werden in der ehemaligen Knaben Schule auch Mädchen unterrichtet. Als Integrationsschule führt das Gisela-Gymnasium seit 1984 hörgeschädigte Jugendliche von der 10. Jahrgangsstufe bis zum Abitur. Der integrative Unterricht erfolgt in eigens auf die Bedürfnisse von Hörbehinderten zugeschnittenen Klassenzimmern mit integrierten Audiosystemen.

Benannt wurde die Schule 1904 nach Prinzessin Gisela (1856– 1932), der zweiten Tochter des österreichischen Kaiserpaars Elisabeth und Franz Joseph I. Gisela war seit 1873 mit Prinz Leopold von Bayern verheiratet, mit dem sie das »Leopoldschlössel« in der Leopoldstraße 11/13 bewohnte.

Arcisstraße 65

Elisabethschule

Stadtbaurat Theodor Fischer hatte schon 1895 bei seinen städtebaulichen Planungen am Elisabethplatz ein Schulhaus vorgesehen, das dann 1901 bis 1903 nach seinen Plänen errichtet wurde. Die Volksschule am Elisabethplatz hatte 30 Klassenräume für Buben und Mädchen auf vier Ebenen. Der Flügelbau mit Giebeln entsprach dem von Carl Hocheder entwickelten Münchner Schulhaustyp. Der Uhrenturm, der hinter dem niedrigen Geschoss des einstigen Turnsaals emporwächst, verleiht dem mit Fassadenschmuck reich verzierten Gebäude einen burgähnlichen Charakter. Die Schule sollte nach dem Willen des Architekten Schmuck und Zentrum für das ganze Stadtviertel werden. In vier Räumen sollten besonders gute Lichtverhältnisse herrschen, da hier »Handfertigungsunterricht« vorgesehen war.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Schule am Elisabethplatz vom Militär belegt und eine Außenstelle der Infanteriekaserne eingerichtet. Unter den Rekruten, die sich im Musterungsbüro registrieren ließen, war Adolf Hitler, der sich im August 1914 hier als Kriegsfreiwilliger meldete. Heute ist in der einstigen Volksschule ein städtisches Berufsbildungszentrum (Berufsschulen für Kraftfahrzeugtechnik und für Fahrzeug- und Luftfahrttechnik) untergebracht.

Elisabethplatz 0

Elisabethplatz und Elisabethmarkt

Bis 1877 war die Nordendstraße entlang dem einstigen »Türkengraben« noch ein Feldweg. Am Elisabethplatz, der 1898 nach der zuvor ermordeten österreichischen Kaiserin Elisabeth (geboren 1837 in München) benannt wurde, standen vor 1900 erst wenige ländliche Häuser. Einen wichtigen architektonischen Akzent erhielt der Elisabethplatz durch das 1901 errichtete Schulhaus. Bereits am 1. Oktober 1903 wurde ein ständiger Lebensmittel markt mit 24 Pavillons eröffnet. 1905 kamen eine Markthalle mit Garagen und Kellerräumen sowie eine Freibank hinzu. Die Markthalle wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und durch gemauerte Ladengeschäfte ersetzt.

Den zur Nordendstraße gelegenen Pavillon im neoklassizistischen Stil, das »Milchhäusl« (später »Café Schöberl«), hatte der Arzt Carl Brendel angeregt, der persönlich darüber wachte, dass hier jeden Morgen ab 5 Uhr früh Milch ausgegeben wurde. Brendel hatte sich die »Eindämmung des Völkergiftes Alkohol« zum Ziel gesetzt; ironischerweise ist hier heute ein Lokal mit Biergarten untergebracht.

Die 1969 gegründete Bürgerinitiative Elisabethplatz erwirkte zusammen mit dem Bezirksausschuss eine der ersten Verkehrsberuhigungen in Schwabing. 1975 wurde der Platz nach einem Entwurf des Gartenarchitekten Gerhard Teutsch umgestaltet. Heute ist der Platz mit seinen Marktständen ein bevorzugter Erholungs- und Einkaufstreffpunkt.

Am Elisabethplatz befindet sich seit 1958 eine Münchner Burgfriedenssäule von 1460. Die Burgfriedenssäule markierte ursprünglich die Grenzen des städtischen Gerichts- und Herrschaftsgebiets.

Elisabethplatz 0

Schauburg

Am 19. Oktober 1926 wurde das Lichtspielhaus »Schauburg« in der Franz-Joseph-Straße 47 eröffnet. Zu den Premierengästen zählten Prinzessin Gisela und Prinz Leopold. Architekt des imposanten freistehenden Kino baus mit 1.020 Plätzen war Hanns Atzbeck. Vom Elisabethplatz führten drei Eingangsportale in das Gebäude; die Ausgänge lagen an der Franz-JosephStraße.

Nach einem Bombentreffer wurde die Schauburg 1944 geschlossen, um nach Reparaturarbeiten von November 1946 bis 1964 wieder als Kino zu dienen. Von 1967 bis 1972 betrie - ben die iranischen Brüder Anusch und Temur Samy hier die legendäre Großraumdiskothek »Blow up« – programmatisch benannt nach dem gleichnamigen Film von Michelangelo Antonioni über das »Swinging London« der 1960er Jahre. Rainer Langhans, Uschi Obermaier und Fritz Teufel feierten hier ebenso wie Peter Kraus, Johannes Prinz von Thurn und Taxis und Gunther Sachs. Danach verhinderte eine Bürgerinitiative den Umbau zu einem Supermarkt. Die Stadt München kaufte das Gebäude, restaurierte es und brachte hier das »Theater der Jugend« (vorher Reitmorstraße; private Gründung 1953, seit 1969 ein Teilbetrieb der Städtischen Münchner Kammerspiele) unter. Ab 1990 erfolgte der grundlegende Umbau in ein modernes Theater mit multifunktionalem Raumkonzept. 1991 wurde die Schauburg mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet.

Elisabethplatz 0

Frank Wedekind

Der in Hannover geborene und in der Schweiz aufgewachsene Frank Wedekind kam 1889 zunächst als Jura student nach München und wohnte hier mit zahlreichen Unterbrechungen bis an sein Lebensende. Wedekind verbrachte viel Zeit in Caféhäusern in Schwabing und in der Maxvorstadt. Hier traf er auf Kulturschaffende, wandte sich bald selbst dem Schreiben und der Schauspielerei zu und wurde zu einer zentralen Gestalt der Schwabinger Boheme.

In der 1896 von Albert Langen gegründeten politischen Satirezeitschrift Simplicissimus veröffentlichte er zahlreiche Texte. Wegen eines Schmähgedichts, das 1898 in der berüchtigten Oktober-Nummer er schienen war, wurde Wedekind wegen Majestätsbeleidigung zu sieben Monaten Festungshaft verurteilt. 

Nach der Haftentlassung bezog er eine einfach eingerichtete Wohnung in dem neubarocken Satteldachbau in der Franz-Joseph-Straße 42. Hier lebte er, als er 1901 mit Gleichgesinn - ten das politische Kabarett »Die Elf Scharf rich ter« gründete. Nach der Hochzeit mit der Schauspielerin Tilly Newes 1906 zog er in die Prinzregentenstraße. Im gleichen Jahr wurde sein von den Behörden bekämpftes, bereits 1891 im Eigenverlag veröffentlichtes Drama »Frühlings Erwachen« von Max Reinhardt in Berlin uraufgeführt. Der vielseitige Künstler starb am 9. März 1918 infolge einer Blinddarmoperation.

Franz-Joseph-Straße 42

Luise Kiesselbach

Luise Kiesselbach (1863–1929) zog 1912 von Erlangen in die Münchner Kurfürstenstraße 30, um als designierte Nachfolgerin von Ika Freudenberg 1913 den Vorsitz des »Vereins für Fraueninteressen und Frauenarbeit« zu übernehmen. Als verwitwete Professorengattin war sie finanziell unabhängig, engagierte sich zunächst auf Verbandsebene und – sobald dies nach Einführung der Demokratie 1919 für sie als Frau möglich war – auch als Politikerin für die Rechte und Interessen sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen. So gründete sie 1914 den »Stadtbund Münchner Frauenvereine«. 1919 wurde sie als Vertreterin Bayerns Mitglied des Gesamtvorstands des »Bundes Deutscher Frauenvereine«. Im Winter 1922 kam es unter ihrer maßgeblichen Mitwirkung zur Gründung des Münchner Paritätischen Wohlfahrtsverbands, einem Vorläufer der 1924 gegründeten Paritätischen Wohlfahrtsverbände und Dachorganisation der freien, gemeinnützigen Organisationen der Wohlfahrtspflege.

Luise Kiesselbach war eine von acht Frauen, die nach Ausrufung des Freistaates Bayern am 8. November 1918 in den Provisorischen Nationalrat berufen wurden, der insgesamt 256 Mitglieder zählte. Im Juni 1919 wurde sie als Vertreterin der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) in den Münchner Stadtrat gewählt, dem sie bis 1927 angehörte.

Kurfürstenstraße 30

Ainmillerstraße

In der Ainmillerstraße lebten zahlreiche namhafte Persönlichkeiten. Im Haus Nr. 36 wohnte von 1908 bis 1914/1915 das Künstlerpaar Gabriele Münter (1877–1962) und Wassily Kandinsky (1866–1944). Da Frauen damals noch nicht an der Kunstakademie zugelassen waren, studierte Münter an der avantgardistischen Malschule »Phalanx«, die Kandinsky 1901 zusammen mit anderen Künstlern in der benachbarten Hohenzollernstraße 21 eröffnet hatte. Münter und Kandinsky verbrachten mit Malerkollegen viel Zeit in ihrem Haus in Murnau und zählten zu den Gründern der »Neuen Künstlervereinigung München« und des »Blauen Reiters«.

In Haus Nr. 34 im vierten Stock lebte vom 8. Mai 1918 bis zum 11. Juni 1919 der aus Prag stammende Dichter Rainer Maria Rilke (1875–1926), der damals sehr erfolgreich und umschwärmt war. Er wurde hier nach der Räterevolution von Vertretern der »Weißen Garden«, die die Revolution blutig niedergeschlagen hatten, bedroht und verließ daraufhin Deutschland für immer.

In Haus Nr. 32, im zweiten Stock, Gartengebäude lebte von 1906 bis 1921 Paul Klee (1879–1940) mit seiner Frau Lily, einer Pianistin, die Klavierstunden erteilte und auf diese Weise anfangs die Familie ernährte. Nach dem Einzug in die Ainmillerstraße 32 klagte Paul Klee in einem Brief an einen Freund, seine neue Wohnung befände sich »leider nicht in bester Lage, sondern in Schwabing«. 1911 lernte Klee den in der Nachbarschaft lebenden Kandinsky kennen und schloss sich dem Blauen Reiter an.

In der Ainmillerstraße 28 wohnte die promovierte Zoologin Marianne Plehn (1863–1946). Diese forschte ab 1898 an der Kgl. Tierärztlichen Hochschule München (heute Tiermedizinische Fakul tät der Ludwig-MaximiliansUniver sität) und gilt als Begründerin der Fischpathologie.

Ainmillerstraße 0

Wilhelm Hoegner

1928 zog Wilhelm Hoegner von der Schellingstraße in das Haus Römerstraße 4. Bereits als Abiturient war Hoegner 1906 der SPD beigetreten. Von 1924 bis 1932 war er Mitglied des Bayerischen Landtags, von 1930 bis 1933 Reichs - tagsabgeordneter. Als Mitberichterstatter im Landtagsuntersuchungsausschuss über den »Hitler-Putsch« und Verfasser einer anonym veröffentlichten Schrift über die Rolle der bayerischen Justiz im Hitler-Ludendorff-Prozess machte er sich Feinde im rechten Lager. 1933 entging Hoegner der drohenden Verhaftung durch die Nationalsozialisten durch die Flucht in die Schweiz. In seinen autobiographischen Aufzeichnungen »Flucht vor Hitler« schildert Hoegner seine Erlebnisse und die Stimmung dieser Zeit. Am 28. September 1945 wurde Hoegner von der amerikanischen Besatzungsmacht als Bayerischer Ministerpräsident eingesetzt und prägte entscheidend die Verfassung des Freistaates. Hoegner gilt als »Vater der Bayerischen Verfassung«.

Römerstraße 4

Karl Wolfskehl

In dem 1903/1904 errichteten Jugendstilbau in der Römerstraße 16 wohnte von 1909 bis 1921 der Schriftsteller Karl Wolfskehl (1869–1948); in dessen Wohnung lebte bis 1914 auch der von Wolfskehl und einer großen Anhängerschaft als »Meister« verehrte Stefan George (1868–1933).

Römerstraße 16

Erwin Oehl

Erwin Oehl (1907–1988) mietete 1931 ein Zimmer mit Atelier in dem neubarocken Wohnhaus Pündterplatz 1. Seine kommunistische Haltung brachte der Maler in seinen Kunstwerken deutlich zum Ausdruck. 1932 lernte er die Münchnerin Louise Brod (1907–1999) kennen, die sich im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands engagierte. Beide wurden 1933 verhaftet; während Erwin Oehl bald wieder entlassen wurde, blieb die politisch aktivere Louise Brod bis Dezember 1933 in Haft. 1936 emigrierten beide nach Paris, wo sie 1938 heirateten. Dort wurde das Paar nach dem 1940 erfolgten Einmarsch der deutschen Truppen erneut festgenommen, nach München verbracht und dort wegen Hochverrats ange klagt. Louise Oehl verbüßte ihre Haftstrafe in Stadelheim und wurde anschließend in das Konzentrationslager Ravens brück überstellt. Erwin Oehl wurde in dem damals von der Gestapo genutzten Wittelsbacher Palais festgehalten, musste ab 1942 an die Front, wo er in amerikanische Gefangenschaft geriet. Nach dem Krieg lebte das Paar zunächst in Nürnberg, ab 1947 in München. Erwin Oehl schloss sich der KPD an, engagierte sich gewerkschaftlich für die Interessen von Künstlern und war weiterhin als Künstler tätig.

Pündterplatz 1

Lenin

Der Revolutionsführer Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin, 1870–1924) wohnte 1900 für mehrere Monate unter falschem Namen in der Kaiserstraße 46 (vormals 53) im Gasthaus »Zum Onkel« des SPD-Mitglieds Georg Rittmeyer.

Kaiserstraße 46

Carry Brachvogel

Carry Brachvogel (eigentlich Karoline) wurde 1864 in München geboren und am 20. November 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. In ihren zahlreichen Schriften und Romanen setzte die heute fast vergessene Schriftstellerin ihrer Heimatstadt ein literarisches Denkmal. Nach Jahren in Berlin, wohin sie nach dem frühen Tod ihres Mannes Wolfgang Brachvogel (1854–1898) gezogen war, um als Schauspielerin an verschiedenen Bühnen zu wirken, bezog Carry Brachvogel 1910 eine Wohnung in der Herzogstraße 55. Hier führte sie einen viel beachteten literarischen Salon und wurde zu einer viel gelesenen Schriftstellerin. Sie schloss sich dem Verein für Fraueninteressen an und gründete 1913 mit Emma Haushofer-Merk den Verein Münchner Schriftstellerinnen. Als Jüdin erhielt sie 1933 Berufs- und Publikationsverbot. Im Dezember 1936 nahm sie ihren Bruder, den Historiker Siegmund Hellmann (1872–1942), in ihrer Wohnung auf. Dieser war aufgrund seiner jüdischen Herkunft als Universitätsprofessor in Leipzig entlassen worden und 1934 nach München zurückgekehrt. Am 22. Juli 1942 wurden Carry Brachvogel und Siegmund Hellmann nach Theresienstadt deportiert, wo beide wenige Monate später umgebracht wurden.

Herzogstraße 55

Otto Falckenberg

Eine Gedenktafel in der Viktoriastraße 11 erinnert daran, dass im vierten Stock dieses gediegenen Jugendstilhauses von 1916 bis 1937 der Theaterintendant und Autor Otto Falckenberg (1873– 1947) lebte, der das Münchner Theaterleben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägte. 1901 gründete er mit Frank Wedekind und anderen das politisch-literarische Kabarett »Die Elf Scharfrichter«, dem er bis 1903 als Texter, Darsteller und Regisseur angehörte. 1915 wurde er Oberspielleiter und Dramaturg der Münchner Kammerspiele (die bis 1923 in der Augustenstraße angesiedelt waren), von 1917 bis 1944 war er Direktor und künstlerischer Leiter der Kammerspiele, ab 1939 deren Intendant. Falckenberg war kein Mitglied der NSDAP, verhielt sich aber systemkonform und wurde durch die NS-Machthaber vielfach geehrt: So wurde er 1939 zum Staatsschauspieldirektor und 1943 zum Professor ernannt; Adolf Otto Falckenberg Hitler verlieh ihm die »Goethe Medaille für Kunst und Wissenschaft« und sorgte 1944 für die Aufnahme Falckenbergs in die exklusive »Gottbegnadeten Liste«. Aufgrund seiner privilegierten Stellung in der NS-Zeit belegte die amerikanische Besatzungs macht Falckenberg 1945 mit Berufsverbot; dieses wurde im Mai 1947 durch einen Entscheid der Spruchkammer aufgehoben. Die eng mit den Münchner Kammerspielen verbundene Otto-Falckenberg-Schule für Schauspielkunst ist nach ihm benannt.

Viktoriastraße 11

Hermann-Frieb-Realschule

In der Hohenzollernstraße 140 entstand 1906 eine Volksschule im Stil der deutschen Renaissance mit geschweiftem Giebel und Jugendstil-Elementen nach Entwürfen des Architekten Robert Rehlen. Ab 1910 ließ Stadtschulrat Georg Kerschensteiner hier mehrere Klassen nach dem pädagogischen Konzept der Arbeitsschulen unterrichten. Durch Anschauungsunterricht und praktisches Arbeiten im handwerklichen Bereich sollten Schüler ein hohes Maß an Selbständigkeit erlernen. Von 1939 bis 1945 wurde das Schulhaus als Reservelazarett genutzt; anschließend befand sich hier bis 1960 das »Chirurgische Krankenhaus München-Nord«.

Seit dem Großumbau durch die Architekten Friedrich und Helmut Lämmle wird das Gebäude als städtische Realschule genutzt. Diese ist seit 1964 nach dem sozialdemokratischen Widerstandskämpfer Hermann Frieb (1909–1943) benannt, der am 16. April 1942 festgenommen und nach Verurteilung durch den nationalsozialistischen Volksgerichtshof am 12. August 1943 im Strafgefängnis Stadelheim enthauptet wurde.

Hohenzollernstraße 140

Evangelisch-lutherische Kreuzkirche

Da der evangelisch-lutherische Bevölke rungsanteil Schwabings durch Zuzüge rasch anwuchs, wurde 1930 in der Hiltenspergerstraße 57 eine erste hölzerne Kirche errichtet. Eigenständige Gemeinde wurde die »Kreuzkirche« 1933. Der Name war ein religiöses und politisches Bekenntnis zu Christus in einer Zeit, in der die Kämpfe zwischen (nationalsozialistisch orientierten) »Deutschen Christen« und der (im Widerstand arbeitenden) »Bekennenden Kirche« ausbrachen. 1935 wurde neben der Kirche ein Pfarrhaus errichtet, in dessen Keller sich Anhänger der Bekennenden Kirche trafen. Bei einem Luftangriff brannten Pfarrhaus und Kirche 1944 nieder. 

1946 erhielt die Gemeinde als Geschenk des Weltkirchenrats eine ausgediente Schweizer Militärbaracke mit einem zierlichen hölzernen Glockentürmchen, die ihr in den folgenden Jahren als Notkirche diente. 1950 wurde der Kirchenbau von Otto Bartning errichtet. 1968 wurde schließlich der von Theodor Steinhauser entworfene moderne Kirchenbau in der Hiltenspergerstraße 57 fertiggestellt. Ein davor stehender, weithin sichtbarer Glockenturm verweist auf das evangelisch-lutherische Kirchenzentrum. 2009 benannte die Gemeinde ihren großen Gemeindesaal nach dem ehemaligen Gemeindemitglied Albert Lempp (1884–1943). Dieser hatte 1911 den Christian-Kaiser-Verlag und dessen Buchhandlungen übernommen und wurde zum wichtigen Verleger der Bekennenden Kirche. Dem »Lempp’schen-Kreis«, in dem Lempp mit Gleichgesinnten theologische Fragen diskutierte, gehörte auch Pfarrer Hermann Diem an, der 1943 die Vorlage der »Osterbotschaft Münchner Laien« an Landesbischof Hans Meiser formulierte und diesen aufforderte, sich öffentlich gegen die Judenverfolgung auszusprechen.

Die Kreuzkirche stellt ihren Gemeindesaal für die Bürgerversammlungen sowie für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

Hiltenspergerstraße 57

Ackermannbogen

Zwischen Ackermannstraße, SchwereReiter-Straße und Winzererstraße entstand auf ehemaligem Kasernengelände ab 2004 in mehreren Bauabschnitten eine moderne Wohnanlage. Diese wird umgangssprachlich »Ackermannbogen« genannt, nach der an dieser Stelle bogenförmig verlaufen den Ackermannstraße. Die 1931 errichtete Kradschützen-Kaserne an der Schwere-Reiter-Straße wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der US-Armee als »Indiana Depot« für Lagerungszwecke genutzt und später von der Bundeswehr von-Stetten-Kaserne genannt.

Die 1934 errichtete Korpsnachrichten-Kaserne wurde von der US-Armee als »Jensen Barracks« genutzt; hier befand sich eine Unteroffiziersschule der 7th Army. Die Bundeswehr nutzte die Gebäude bis 1994 unter der Bezeichnung Waldmann-Kaserne. Nach dem Auszug der Bundeswehr erwarb die Stadt München das Areal und schrieb 1998 einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb aus, den der Architekt Christian Vogel und die Landschaftsarchitek tin Rita Lex-Kerfers gewannen. Neben Sozial- und Genossenschaftswohnungen wurden Wohnungen für Staats bedienstete sowie hochwertige freifinanzierte Eigentumswohnungen errichtet. Bemerkenswert sind außerdem die abwechslungsreichen Grünanlagen (Große Wiese, Stadtwald). Im nordwestlich gelegenen Rodelhügel ist ein Wärme speicher eingebaut, der mit den Solardächern in den umliegenden Häusern in ein Nahwärmenetz eingebunden ist.

Die Straßen des neuen Stadtquartiers wurden nach bedeutenden Persönlichkeiten benannt, wobei vor allem Frauen geehrt wurden, darunter die jüdische Rechtsanwältin Elisabeth Kohn (1902–1941), die katholische Frauenrechtlerin Agnes Neuhaus (1854–1944) und die Grünen-Politikerin Petra Kelly (1947–1992).

Ackermannbogen 0

Barbarasiedlung

Im Dreieck zwischen Barbarastraße, Infanteriestraße und Schwere-Reiter-Straße wurde 1909 bis 1918 nach Plänen von Georg Besold eine Kleinwohnungsanlage (ursprünglich Militärwohnanlage Barbarastraße) für Bedienstete mit Familien des benachbarten militärischen Bekleidungsamts errichtet. Der Architekt kombinierte die städtebaulichen Prinzipien Theodor Fischers mit Prinzipien der Gartenstadtidee und des Heimatschutzgedankens. Die Barbarasiedlung besteht aus Ein- bis Vierfamilienhäusern im Heimatstil mit wechselnden Dachformen; einzelne Häuser sind mit Fachwerk geschmückt. Die Häuser sind mit Vor- und Nutzgärten zur Selbstversorgung der Bewohner ausgestattet. Die in sich geschlossene Kleinwohnungsanlage steht als einziges Dokument ihrer Art unter Ensembleschutz, ist sie doch ein Zeugnis des vor dem Ersten Weltkrieg durch die Bayerische Armee geförderten sozialen Wohnungsbaus. In der Barbarasiedlung befindet sich heute Münchens letzter Pferdedroschkenbetrieb.


Katholische Kirche St. Barbara

Durch die zahlreichen Kasernen und militärischen Einrichtungen auf dem Oberwiesenfeld wurde ein Gotteshaus für die hier lebende Militärgemeinde benötigt, da die seelsorgerische Betreuung der Soldaten ausschließlich Militärpfarrern oblag. 1914 wurde eine einfache Lagerhalle des militärischen Bekleidungsamts (Infanteriestraße 11a) für gottesdienstliche Zwecke bereitgestellt. Der Umbau zur schlichten Saalkirche mit Mansarddach und Fresken an den Giebeln erfolgte 1922/ 1923 durch Erich Goebel. Die Umbaukosten von einer Notkirche zu einer Garnisonskirche betrugen rund neun Millionen Mark, wovon Papst Pius XI. aus einem päpstlichen Fonds eine Million gespendet hat. 1923 weihte Kardinal von Faulhaber St. Barbara, die bis 1945 als Garnisonskirche diente. 1940 wurde sie durch die Nationalsozialisten enteignet und nach Kriegsende der Pfarrei zurückgegeben. 

Der Wiederaufbau des im Krieg beschädigten Gotteshauses erfolgte durch einheimische und polnische Katholiken, unter denen sich ehemalige Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge befanden. Angehörige einer polnischen Militär - einheit, die sich der US-Armee angeschlossen hatten, stifte - ten der Kirche 1948 eine Glocke. Die polnischen Katholiken Münchens weihten die Kirche ihrem Patron, dem Hl. Andreas Bobola, und feierten hier bis 1978 Gottesdienste in polnischer Sprache, die vom Sender »Radio Free Europe« regelmäßig nach Polen übertragen wurden. Seit 1998 erinnert eine Gedenktafel daran, dass im Sep tem ber 1974 Kardinal Karol Józef Wojtyla, der damalige Erz bischof von Krakau und spätere Papst Johannes Paul II. die Kirche besuchte. Am 9. November 2014 wurde die Gemeinde St. Barbara in die Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry aufgenommen.

Infanteriestraße 11a 11

Prinz-Leopold-Kaserne

Im Rahmen der Verlagerung von Kaser nen aus dem Münchner Stadtzentrum auf das neue Militärareal am Oberwiesenfeld wurde das 1. Schwere-ReiterRegiment 1902 in die neu gebaute Prinz-Leopold-Kaserne verlegt. Die von Georg Zeiser errichtete Anlage im neubarocken Stil galt zum Zeitpunkt ihrer Erbauung als eine der modernsten Kasernen in Bayern. Die erhaltenen Gebäude, wie die ehemaligen Mannschaftsgebäude (Schwere-Reiter-Straße 39 und Winzererstraße 45), das ehemalige Stabsgebäude (Schwere-ReiterStraße 41) und die ehemalige Offiziersspeiseanstalt (Winzererstraße 41) stehen unter Denkmalschutz; ebenso das auch zur ehemaligen Kaserne gehörende Gebäude Winzererstraße 43, das heute vom Staatlichen Bauamt Freising genutzt wird. 


Stadtarchiv München

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Militärgelände am Oberwiesenfeld ließ die Stadt München 1912/1913 das neue Städtische Wehramt errichten. Im Ersten Weltkrieg wurden hier Rekruten gemustert und für den Einsatz an der Front ausgestattet. Die ursprüngliche Nutzung entfiel mit der Auflösung der Bayerischen Armee infolge des Ersten Weltkriegs und das Gebäude stand leer. Ab 1926 verlegte das Stadtarchiv München, das seinen Hauptsitz in der Innenstadt neben dem Alten Rathaus hatte, einen Teil seiner Bestände hierher. Nachdem das Gebäude des Stadtarchivs im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, wurde das Stadtarchiv München vollständig in die Winzerstraße 68 verlegt. Da die räumlichen Kapazitäten bald ausgeschöpft waren, mussten große Aktenbestände ausgelagert werden, wodurch die Benutzung von Akten des Stadtarchivs oftmals mit erheblichem Zeitaufwand verbun den war. Abhilfe schaffte der 1989 errichtete großzügige Magazinbau an der Schleißheimer Straße 105 für rund 34 Kilometer »Aktengut« und einer Rotunde für Veranstaltungen.

Das Stadtarchiv München ist eine Dienststelle des städtischen Direktoriums und gehört damit zum engeren Aufgabenbereich des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München. Es hat die Aufgabe, wichtiges Registraturgut aus städtischen Ämtern zu übernehmen, dauerhaft zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Circa 90.000 Urkunden (davon 2.381 aus dem Mittelalter) sowie circa 20 Regalkilometer Akten und Amtsbücher bilden den Grund stock des Stadtarchivs München. Hinzu kommen circa 30.000 Kar ten und Pläne, etwa 1,8 Millionen Fotos, rund 42.000 Plakate und 3.000 Film- und Tondokumente sowie circa 160.000 Bücher und Zeitschriften.

1989 entstand der von Hans-Busso von Busse geplante Magazinbau an der Schleißheimer Straße. Der Neubau wurde 1990 zusammen mit dem gegenüber liegenden Nordbad zu einem neuen Platzensemble mit Skulpturen von Anne und Patrick Poirier gestaltet. Finanziert wurde die Maßnahme durch den Kulturbaufonds München. Die beiden quaderförmigen monumentalen Skulpturen aus Marmor, das oculus memoriae (Auge des Erinnerns) und das oculus oblivionis (Auge des Vergessens), blicken vom Nordbad aus auf das korrespondierende goldene oculus historiae (Auge der Geschichte), das in die Fassade des Stadtarchiv-Magazins ein gelassen ist. Das Ensemble wird ergänzt durch eine 8,5 Meter hohe silbern glänzende, in sich gebrochene Säule vor dem Stadtarchiv, die oben von einem aufgeschlagenen Buch abgeschlossen wird.

Das Gebäude in der Winzererstraße 68 überstand den Krieg nahezu unzerstört. Daher wurden hier vorübergehend diverse städtische Einrichtungen untergebracht. Zeitweise befand sich im Rückgebäude eine Mütterberatungsstelle des städtischen Gesundheitsamtes.

Winzerstraße 68

Nordbad

Vor allem aus Gründen der Hygiene und der Volksgesundheit plante die Stadt München bereits in den 1920er Jahren die Errichtung eines Hallenbads im Münchner Norden. Aufgrund der schlechten Haushaltslage wurden diese Pläne zurückgestellt. Das Nordbad in der Schleißheimer Straße 142 entstand 1936 bis 1941 als zweites städtisches Hallenbad. Der zweigeschossige Drei - flügelbau mit dem von vier dorischen Säulen getragenen Eingangsportal entstand nach Plänen von Stadtbaurat Karl Meitinger. Wie die Chronik der Stadt München vermerkt, führte die nationalsozialistische Stadtspitze für die Errichtung des Schwimmbads ideologische Argumente ins Feld. So sollte die neue Sportstätte der »körperlichen Ertüchtigung« zur »Wiedergewinnung der Wehrhaftigkeit« des deutschen Volkes dienen.

Das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Schwimmbad wurde in der alten Form wieder aufgebaut und 1951 eröffnet. Heute bietet das 1997 grundlegend modernisierte Bad den Badegästen neben dem Hallenbad eine Saunalandschaft und ein beheiztes Außenbecken mit Liegewiese.

Schleißheimer Straße 142

Katholische Kirche St. Sebastian

Durch den anhaltenden Zuzug von Katholiken entstand der Bedarf für ein neues Gotteshaus. Daher wurde am 9. Dezember 1928 in der Schleißheimer Straße 212 der Grundstein zur Sebastianskirche gelegt, die 1929 durch Kardinal von Faulhaber geweiht wurde. Aus einem Wettbewerb waren die Architekten Eduard Herbert und Otho Orlando Kurz als Preisträger hervorgegangen. Sie schufen aus unverputzten Klinkersteinen eine dreischiffige Basilika mit einem seitlich versetzten Westturm. Die Kirche wurde im Juli 1944 samt den Wandgemälden von Ernst Kozics durch Bomben zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte in veränderter Form bis 1949 durch Josef Höhne. Der jetzige Altar und Ambo sind Werke des Münchner Bildhauers Roland Friederichsen von 1966. An der Stelle des rechten Seitenaltars steht der Tabernakel vor einem Mosaik Wilhelm Brauns. Den Mosaikkreuzweg gestaltete der in St. Ulrich im Grödnertal geborene Siegfried Moroder 1966. Die Gemeinde St. Sebastian ist in der Chormusik sehr aktiv: ein Kinderchor und der von Jugendlichen und Erwachsenen gebildete »Patchworkchor« helfen bei der Gestaltung der Gottesdienste; überregionale Aufmerksamkeit erzielen die Konzerte des »Sebastians-Chors«, die auch im Rundfunk übertragen werden.

Die Architekten Eduard Herbert und Otho Orlando Kurz wurden auch mit dem Bau der die Kirche umgebenden Wohnblöcke beauftragt, die um 1930 ebenfalls im Stil der Neuen Sachlichkeit entstanden. Die die Sebastianskirche umgebende Gebäudegruppe steht unter Ensembleschutz.

Schleißheimer Straße 212

Luitpoldpark

1909 beschloss der Magistrat der Stadt München, mit Bürgerspenden einen »Nordpark« zu errichten. Stadtgartendirektor Jakob Heiler gestaltete die Anlage im Stil eines englischen Parks. Um einen von Heinrich Düll und Georg Pezold entworfenen Obelisken wurden 90 Linden gepflanzt. Am 11. März 1911, anlässlich des 90. Geburtstags von Prinzregent Luitpold, wurde diese Aktion feierlich abgeschlossen. Eine erhöhte Terrasse, ein »Schmuckplatz« und ein Laubengang führten zum Park. Im Südteil (nahe der Karl-TheodorStraße) wurde 1913 das Denkmal für den Geographen Wilhelm Götz (1844–1911) aufgestellt. Südlich der Karl-Theodor-Straße entstand 1925 die Parkanlage Bayernplatz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mit Dampfzügen auf Feldbahngleisen enorme Mengen an Bombenschutt aus der Maxvorstadt und aus Schwabing herangefahren und am Scheidplatz daraus ein Hügel geformt. Der aus den Trümmern der Stadt gebildete Schuttberg wurde im Zuge der Olympiabauten gärtnerisch an den Luitpoldpark angegliedert und ist heute die höchste Erhebung Schwabings. Der »Luitpoldhügel« (auch »Luitpoldberg«) ist im Winter ein beliebter Rodelhügel und sogar ein Skihang. Bei gutem Wetter kann man von hier aus über die Stadt bis zu den Alpen sehen.

Das »Bamberger Haus« an der Westseite des Luitpoldparks stattete der Schwabinger Bauunternehmer Franz Rank mit historischem Fassadenschmuck des Bamberger Böttingerhauses aus. In dem 1983 restaurierten Gebäude befindet sich ein schönes Gartenlokal.


Freibad Georgenschwaige

Im Norden des Luitpoldparks befindet sich das Freibad Georgenschwaige; hier am Nymphenburg-Biedersteiner-Kanal gab es bereits um 1826 ein erstes Freibad. In der Belgradstraße 169 ist die von einem gemeinnützigen Verein getragene Jugendfreizeitstätte »Haus am Schuttberg e.V.« mit Abenteuerspielplatz.


Petuelpark

Nach der Untertunnelung des Mittleren Rings entstand 2004 auf der neu entstandenen Freifläche über dem Petueltunnel der von den Landschaftsarchitekten Jühling & Bertram geplante Petuelpark. Der neue Stadtpark verbindet die lange durch eine große Verkehrsschneise voneinander getrennten Stadtbezirke Milbertshofen-Am Hart und Schwabing-West. Im Rahmen von QUIVID, dem Kunst-am-Bau-Programm der Landeshauptstadt München entstand ein von Stephan Huber konzeptionell zusammengestellter Skulpturen-Parcours mit Werken von Pia Stadtbäumer, Bogomir Ecker, Rodney Graham, Hans van Houwellingen, Harald Klingelhöller, Rai - mund Kummer, Aribert von Ostrowski, Roman Singer und Dietmar Tanterl. Zum Park gehören ferner mehrere Spiel plätze und zwei Pavillons: Der »Treffpunkt der Generationen« entstand im Rahmen des Städtebauförderprogramms »Soziale Stadt« und wird als Begegnungsstätte vom Verein Stadtteilarbeit betreut. Im Zentrum des Parks, am Fontänen platz, befindet sich ein Café, in dem Kunstwerke von Barbara Blom, Alexander Ranner und Kiki Smith gezeigt werden. Auf der unteren Ebene des Cafés zeigt ein Schaufenster wechselnde Kunstausstellungen; der Ausstellungsraum wird als »Kubus im Petuelpark« von der Städtischen Galerie im Lenbachhaus betreut.

Petuelring 0

Stiftung Pfennigparade

Die Pfennigparade war 1952 als eingetragener Verein gegründet worden, um bayernweit bei der Finanzierung der Schluckimpfung gegen Polio (Kinderlähmung) zu helfen und Polioerkrankte und deren Familien zu unterstützen. Daraus entwickelte sich die Stiftung Pfennigparade, eines der größten Rehabilitationszentren für körperbehinderte Menschen mit 13 Tochtergesellschaften. 1969 erfolgte der Spatenstich für die ersten Gebäude der Pfennigparade auf einem Grundstück an der Barlachstraße, das die Landeshauptstadt München dem gemeinnützigen Verein überlassen hatte, um die bisher im Schwabinger Krankenhaus behandelten poliokranken Kinder in barrierefreien Wohnunterkünften unterzubringen, sie medizinisch optimal zu betreuen und ihnen Schulbildung zu ermög lichen. Die Pfennigparade und ihre Tochtergesellschaften betreiben Kinderkrippen, Kindergärten, Schulen, ambulante und stationäre Wohneinrichtungen, Pflege dienste, Werkstätten und eine Firma zur Integration von Körperbehinderten in die Arbeitswelt. Weiter gibt es spezielle Förderangebote, zum Beispiel für schädelhirnverletzte Menschen. Ziel ist die Integration körperbehinderter Menschen und deren Teilhabe am gesellschaftlichen wie am wirtschaftlichen Leben. Die Pfennigparade und ihre Tochtergesellschaften beschäftigen rund 2.000 Mitarbeiter und fördern mehr als 1.500 körperbehinderte Menschen.

2013 zogen die Grund- und Hauptschule und die Fachoberschule in den neu errichteten Schulbau in der Ernst-BarlachStraße; Träger der Integrationsschulen sind die seit 2001 als gemeinnützige GmbH organisierten Ernst-Barlach-Schulen der Pfennigparade.

Barlachstraße 0

Max-Planck-Institut für Psychiatrie

Emil Kraepelin (1856–1926), seit 1903 Ordinarius für Psychiatrie an der Universität München, regte 1912 die Gründung eines Forschungsinstituts zur Untersuchung der Ursachen von psychiatrischen Krankheiten an. Mit finanzieller Hilfe eines wohlhabenden Patienten, des deutsch-amerikanischen Bankiers James Loeb und einer erheblichen Spende des Industriellen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach wurde 1917 die »Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie« (DFA) gegründet. Für die Errichtung eines eigenen Gebäudes überließ die Stadt München der DFA ein Grundstück beim Schwabinger Krankenhaus in kostenlosem Erbbaurecht. Wegen der Inflation verzögerte sich der Baubeginn, weshalb das Institut zunächst in der Münchner Universitäts-Nervenklinik in der Nußbaumstraße untergebracht war. 1924 wurde die DFA der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften angegliedert. Vier Jahre später wurde der mit Mitteln der Rockefeller-Foundation finanzierte Institutsneubau in der Kraepelinstraße 2 eingeweiht – die Straße war nach dem mittlerweile verstorbenen Initiator der Forschungsanstalt benannt worden.

In der NS-Zeit spielte die DFA, deren geschäftsführender Direktor seit 1931 der »Rassenhygieniker« Ernst Rüdin (1874–1952) war, eine unrühmliche Rolle: Mit seiner psychiatrisch-populationsgenetischen Forschung und seinem rassenhygienischen Programm gehörte Rüdin zu den Forschern, die die pseudowissenschaftliche Legitimation für die von den Nationalsozialisten massenhaft durchgeführten Zwangs sterilisationen und Zwangsabtreibungen sowie für die Ermordung von Menschen mit psychischer, geistiger und körperlicher Behinderung lieferten. Im Institut wurden die Gehirne von Opfern der »Euthanasie« beziehungsweise der sogenannten »T4-Aktion« untersucht.

Seit 1954 gehört das Institut der Max-Planck-Gesellschaft an und nennt sich »Max-Planck-Institut für Psychiatrie (Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie)«. Zum Institut gehört auch die Forschungsklinik in der Kraepelinstraße 10, die 1966 eröffnet wurde. Durch die enge Verbindung von Grundlagenforschung, klinischer Forschung und Patientenversorgung ergründet das Max-Planck-Institut für Psychiatrie die Ursa chen von psychiatrischen Erkrankungen, um daraus neue diagnos tische Möglichkeiten und Behandlungsund Präventionsansätze zu entwickeln.

Kraepelinstraße 2

James-Loeb-Straße

Seit 1984 erinnert die James-Loeb-Straße als südliche Fortsetzung der Kraepelinstraße an James Loeb. Der Sohn deutscher Auswanderer war 1867 in New York geboren worden. 1906 siedelte er nach München um, um in der Nähe des weltweit anerkannten Psychiaters Emil Kraepelin zu sein, der Loebs behandelnder Psychiater wurde. Loeb war äußerst vermögend und wurde zum wichtigsten Finanzier der DFA. Obwohl Loeb mit seiner Familie ab 1921 hauptsächlich in Murnau lebte, blieb er der Stadt München und deren wissenschaftlichen Einrichtungen durch großzügige Schenkungen verbunden. In Anerkennung seiner Leistungen verlieh ihm die Landeshauptstadt München 1929 ihre Goldene Ehrenmünze; 1929 wurde Loeb außerdem zum Ehrenbürger der Ludwig-Maximilians-Universität ernannt. Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten starb der Jude James Loeb am 27. Mai 1933 in seinem Haus in Murnau.

James-Loeb-Straße 0

Schwabinger Krankenhaus

Der auf öffentliche Bauten speziali sierte Architekt Richard Schachner (1873–1926) plante das städtische Krankenhaus München-Schwabing, das zwischen 1904 und 1913 errichtet und in späteren Jahren und Jahrzehnten erweitert und ausgebaut wurde. Schachner setzte hier die Erkenntnisse von Robert Koch über die Entstehung und Übertragung von Krankheiten architektonisch um. Lange Gänge und dezentrale Gebäude waren als Hygienemaßnahmen erkannt worden, die zusammen mit medizinischen Maßnahmen zur Bekämpfung von ansteckenden Krankheiten wie Diphterie, Scharlach und Tuberkulose beitragen sollten. Die Bettenhäuser waren strikt nach Süden ausgerichtet, Kamine über den Dächern waren Teil eines aus getüftelten Lüftungssystems. Um im Umkreis des Krankenhauses eine möglichst reine Luft zu gewährleisten, durften sich hier keine Gewerbetriebe niederlassen. Zu den bekannten Patienten der Anfangszeit zählt Lena Christ (1881–1920), die 1910 mit einer schweren Lungentuberkulose eingeliefert wurde und im Schwabinger Krankenhaus mit der Niederschrift ihrer Lebensgeschichte begann. Diese erschien 1912 unter dem Titel »Erinnerungen einer Überflüssigen« und markiert den Beginn von Christs Schriftstellerkariere.

1945 beschlagnahmte die amerikanische Besatzungsmacht das Krankenhaus für die Versorgung der eigenen Truppen; erst 1957 wurde das Krankenhaus wieder vollständig an die Stadt München zurückgegeben. 2005 wurden die städtischen Krankenhäuser als »Städtisches Klinikum München GmbH« zusammengefasst; das Krankenhaus München-Schwabing wurde zum »Klinikum Schwabing«, dessen 18 Fachabteilungen mit insgesamt 1.044 Betten eine nahezu vollständige medizinische Versorgung gewährleisten.

Die US-Armee nutzte das Schwabinger Krankenhaus von 1945 bis 1957 als »98th General Hos - pital« beziehungsweise als »2nd Field Hospital«. Während dieser Zeit kamen am Kölner Platz zahlreiche amerikanische Kinder zur Welt.

Kölner Platz 0