KulturGeschichtsPfad
 

KulturGeschichtsPfad

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Ehemaliges Parteizentrum der NSDAP

Mitte der neunziger Jahre rückte schließlich auch die Geschichte des ehemaligen Parteizentrums der NSDAP ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Zwischen 1933 und 1935 war der Königsplatz nach Plänen von Hitlers bevorzugtem Architekten Paul Ludwig Troost zum Aufmarschgelände und Kultort der „Bewegung“ umgestaltet worden. Hier hatte die NSDAP jedes Jahr ihren Gründungsmythos zelebriert und an die 1935 in den „Ehrentempeln“ bestatteten „Blutzeugen“ des 1923 gescheiterten Hitler-Putsches erinnert. Darüber hinaus waren in zahlreichen Gebäuden in der Umgebung zwischen Karolinen- und Königsplatz eine Vielzahl von NS-Organisationen und Verbänden untergebracht.

Ausschlaggebend für das zunehmende Interesse an der belasteten Vergangenheit des Areals war vor allem eine Ende 1995 vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte erarbeitete Ausstellung, die unter dem Titel „Bürokratie und Kult“ im Lichthof des ehemaligen „Verwaltungsbaus“ gezeigt wurde. Aber auch eine im Vorjahr im SZ-Magazin publizierte Fotostrecke über die unterirdischen Verbindungsgänge und Luftschutzkeller in den ehemaligen Parteigebäuden lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf das ehemalige Parteiviertel. 1996 wurde – im Kontext der Ausstellung und zunächst provisorisch – eine von den Architekten Piero Steinle und Julian Rosefeldt initiierte Schautafel an der Kreuzung Brienner Straße und Arcisstraße aufgestellt. Seit 2002 dauerhaft im öffentlichen Raum verankert, ruft die Tafel – sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache – die Geschichte und Topographie dieses für die NS-Bewegung zentralen Ortes in Erinnerung.

Nach 1945 wurden die Gebäude, in denen einst mehrere tausend Angestellte in bürokratischer Kleinarbeit die Basis für die menschenverachtende Politik der Nationalsozialisten leisteten, kurzerhand umgenutzt. Obwohl unübersehbar im Stadtbild präsent, fehlte lange Zeit ein Hinweis auf ihre historische Bedeutung. Erst spät sollte sich der Blick von Forschung und Öffentlichkeit auch auf diese „Täterorte“ ausweiten. Viele der Gebäude wurden seit den fünfziger Jahren von öffentlichen Institutionen, Banken und Firmen angemietet. Im „Verwaltungsbau“, der die Karteikarten von neun Millionen NSDAP-Mitgliedern beherbergte, befinden sich seit 1947 das Zentralinstitut für Kunstgeschichte sowie weitere Kulturinstitute. Der „Führerbau“ an der Arcisstraße, Schauplatz des Münchner Abkommens, ist seit 1957 Sitz der Hochschule für Musik und Theater. Seit August 2005 ist der Eingangsbereich der Musikhochschule auch Erinnerungsort für 25 „Stolpersteine“ . Doch das Projekt des Künstlers Gunter Demnig ist in München umstritten. 

Lediglich um die „Ehrentempel“ war bereits in der unmittelbaren Nachkriegs zeit eine Debatte entstanden, ob durch einen Abbruch oder eine Umgestaltung dieser zentralen Kultstätten des NS-Regimes die Last der Erinnerung beseitigt werden könnte. Schließlich wurden die Bauwerke 1947 auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung gesprengt, die verbliebenen Sockel im Oktober 1956 – nachdem die Planungen für eine Überbauung gescheitert waren und als das 800jährige Jubiläum der Stadt bevorstand – bepflanzt und als „Biotop“ der Natur überlassen. 1990 sollte – im Rahmen eines vom Freistaat Bayern ausgeschriebenen Wettbewerbs für die Erweiterung der Musikhochschule und der staatlichen Sammlungen – auch für das Gelände der erhaltenen Sockel der „Ehrentempel“ eine neue städtebauliche Lösung gefunden werden.

Jedoch keiner der Entwürfe, die nicht zuletzt die Unsicherheit der teilnehmenden Architekten im Umgang mit den NS-Bauten widerspiegelten und zu kontroversen Diskussionen führten, wurde realisiert. 2001 wurden die begrünten Sockel der „Ehrentempel“ schließlich unter Denkmalschutz gestellt.

Auch der Königsplatz wurde 1988 aufgrund eines Stadtratsbeschlusses vom Oktober 1986 nach langer Diskussion wieder begrünt und damit annähernd in den von seinem Schöpfer Leo von Klenze erdachten Ursprungszustand zurückversetzt. Seit 1995 sengt der Künstler Wolfram P. Kastner hier regelmäßig einen „Brandfleck“ in den Rasen – als Erinnerungszeichen an die Bücherverbrennung, bei der am 10. Mai 1933 auf der Wiese vor der heutigen Antikensammlung unter der Organisation der Deutschen Studentenschaft die Bücher von Lion Feuchtwanger, Berthold Brecht, Heinrich Mann, Anna Seghers und anderer unerwünschter Autorinnen und Autoren in die Flammen geworfen wurden. Kastners Kunstaktion wird von einer öffentlichen Lesung aus den „verbrannten Büchern“ begleitet. Die erste Lesung fand 1995 mit der Schauspielerin und Brecht-Tochter Hanne Hiob und Schülerinnen und Schülern des Münchner Luisengymnasiums statt. Mittler weile ist die Veranstaltung zu einem festen Bestandteil in der Erinnerungskultur der Stadt geworden. 

Im Juli 2007 entschied der Stadtrat mit Stimmen von SPD, Bündnis 90/ Die Grünen, Rosa Liste und PDS die Meiserstraße umzubenennen, die 1957 durch Umwidmung des südlichen Teils der Arcisstraße zu Ehren des im Jahr zuvor verstorbenen Landesbischofs Hans Meiser geschaffen worden war. Seit Mai 2010 heißt die Straße nun „Katharina-von-Bora-Straße“. Vorausgegangen war eine jahrelange Kontroverse, die sich vor allem an den antisemitischen Äußerungen des Theologen – der lange Zeit bei Zeitgenossen als Symbolgestalt des Widerspruchs gegen die Gleichschaltung der evangelischen Kirche galt – entzündet hatte und Presse, Öffentlichkeit sowie Historiker gleichermaßen beschäftigte.

Königsplatz 0

NS-Dokumentationszentrum

Eine wesentliche Rolle in der Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Nachwirkungen des Nationalsozialis mus wird künftig das NS-Dokumentationszentrum München übernehmen. Auf dem Gelände des 1943/45 zerstörten „Braunen Hauses“, wo sich seit 1931 die Parteizentrale der NSDAP befand, wird in den nächsten Jahren ein Lern- und Informationsort entstehen und damit Erinnerung am historischen Ort topographisch verankert werden. Erste Initiativen für den Bau des Dokumentationszentrums gingen bereits in den achtziger Jahren von engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus. Erst im Jahr 2001 fasste die Landeshauptstadt München den Grundsatzbeschluss, das Projekt zu realisieren. Der Freistaat Bayern folgte 2002. Nach mehrjährigen intensiven Diskussionen einigten sich Stadt, Freistaat und Bund schließlich über eine gemeinsame Finanzierung. Im Jahr 2008 konnte ein Wettbewerb für den Neubau des NSDokumentationszentrums ausgelobt werden, aus dem das Berliner Architekturbüro Georg Scheel Wetzel mit seinem Entwurf als Sieger hervorging. Geplant ist ein schlichter Kubus aus weißem Beton, der zu der umliegenden Architektur einen deutlichen Kontrapunkt setzt. Mit dem Bau wurde Mitte 2011 begonnen. 2014 soll das NS-Dokumentationszentrum München eröffnet werden.

 

Max-Mannheimer-Platz 0

Gedenktafeln für Pater Rupert Mayer und die Mitglieder der „Weißen Rose“

Mit Beginn der NS-Herrschaft war der Münchner Justizpalast an der Prielmayerstraße zu einem Ort des Unrechts gewor den. Zwischen 1933 und 1945 unterstützten hier zahlreiche Richter und Staatsanwälte die Vorgaben der NS-Justiz, indem sie den Schutz des Individuums aufgaben und die Ausschaltung der bürgerlichen Freiheitsrechte praktizierten.

Zu den bekanntesten Prozessen gehören die Verfahren gegen den Jesuitenpater Rupert Mayer und gegen die Mitglieder der „Weißen Rose“, die mit ihrem öffentlichen Protest die deutsche Bevölkerung zum Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur aufrufen wollten. An sie erinnern seit 1988 und 1993 zwei Gedenktafeln im Eingangsfoyer des Gerichtsgebäudes. Beide Tafeln tragen Zitate aus den Verteidigungsreden der Angeklagten und sind Mahnrufe für Gerechtigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Am 23. Juli 1937 wurde Pater Rupert Mayer wegen angeblicher Hetzreden gegen Partei und Staat sowie Kanzel missbrauchs in einer öffentlichen Haupt verhandlung vor das Sondergericht München gestellt und zu sechs Monaten Haft verurteilt. Am 22. Februar 1943 fand unter dem Vorsitz des Präsidenten des Volksgerichtshofs Roland Freisler, der Tausende zum Tod durch das Fallbeil oder den Strang verurteilte, der erste Schauprozess gegen die Mitglieder der „Weißen Rose“ statt. Noch am selben Tag wurden Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim hingerichtet. 

Im Saal 253 des Justizgebäudes, wo am 19. April 1943 die Todesurteile über Professor Kurt Huber, Willi Graf und Alexander Schmorell gefällt wurden, wurde im Herbst 2007 die Dauerausstellung „Willkür ,Im Namen des Deutschen Volkes‘“ über die Prozesse gegen die Mitglieder der „Weißen Rose“ eingerichtet. Das Bedeutende an dieser Ausstellung, so sagte der Münchner Altoberbürgermeister Hans-Jochen Vogel bei der Eröffnung, sei nicht die Tatsache, dass mit ihr – zehn Jahre nach der Eröffnung der „DenkStätte Weiße Rose“ in der Münchner Universität – eine weitere Gedenkstätte entstehe, sondern viel mehr, „dass es in diesem Raum geschieht“. Die Dokumentation ist auch als Signal für eine zunehmende Auseinandersetzung der deutschen Justiz mit ihrer eigenen Vergangenheit und deren personellen Kontinuitäten in der Nachkriegszeit zu bewerten.

Prielmayerstraße 0

Bodendenkmal für Kurt Eisner

Auf einer Metallplatte im Gehsteig der KardinalFaul haber-Straße sind die Umrisse eines am Boden liegenden Mannes zu sehen.

Am 21. Februar 1919 wurde an dieser Stelle der erste bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner auf dem Weg zum Landtag von dem rechtsradikalen Offizier Anton Graf von Arco-Valley ermordet. Das Attentat – infolge dessen die Räterepublik ausgerufen und wenig später von antirepublikanischen Einheiten blutig niedergeschlagen wurde – gehört zu den Ereignissen, die eine radikale politische Polarisierung und schließlich das Aufkommen und den Aufstieg des Nationalsozialismus in München mit in Gang brachten.

Im Zuge der reichsweiten Novemberrevolution hatte Kurt Eisner, seit 1917 Führer der Unabhängigen Sozialdemokraten, am Abend des 7. November 1918 zum Sturz der Monarchie aufgerufen, den Freistaat Bayern proklamiert und das Land in die Demokratie geführt. In seiner nur 100 Tage dauernden Amtszeit führte er unter anderem das erste Frauenwahlrecht in Deutschland sowie den Achtstundentag und eine Arbeitslosenversicherung ein. Als Jude, Intellektueller und linker Politiker, der dem Rätegedanken nahestand, erfüllte Eisner nahezu alle damaligen Feindbild-Klischees. Auch nach dem Ende des „Dritten Reiches“ wirkte dieses Propaganda-Bild nach. 

Bis heute gehört Kurt Eisner zu den umstrittensten Persönlichkeiten der bayerischen Geschichte. So geriet auch das seit den siebziger Jahren von der Stadtratsfraktion der SPD initiierte Vorhaben, Eisner am Ort seiner Ermordung ein Denkmal zu errichten, zum Politikum. Erst 1989 konnte das Denkmal – nach einer langen und heftigen Debatte im Münchner Rathaus und in der Presse – eingeweiht werden. 

Da der Eigentümer des Palais Montgelas bereits 1976 die Anbringung einer Gedenktafel verweigert hatte, entwickelte die Bildhauerin Erika Lankes ein Bodendenkmal, für das sie sich von Polizeifotos und im Boden eingelassenen Grabplatten inspirieren ließ. Hinsichtlich der Inschrift kam es im Rathaus abermals zu einer Auseinandersetzung, da sich die konservativen Parteien vehement gegen die Titulierung Kurt Eisners als „Ministerpräsident des Freistaats Bayern“ stellten. So stimmte die CSU-Fraktion dem Denkmal erst zu, als auf der Gedenkplatte – statt des von ihr beanspruchten Begriffes „Freistaat“ – „Volksstaat“ eingraviert wurde. 

Knapp zwanzig Jahre nach der Debatte um das Bodendenkmal entschied der Stadtrat im Juni 2008, Kurt Eisner ein skulpturales Denkmal zu setzen, das seiner Persönlichkeit und historischen Rolle gerecht werden soll. Im Jahr darauf wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus dem der Siegerentwurf der Münchner Künstlerin Rotraut Fischer hervorging. Ihre dreieinhalb Meter hohe begehbare Glasskulptur, deren Mittelpunkt ein Zitat Kurt Eisners bildet, wurde 2011 auf dem Areal des neugestalteten Oberangers aufgestellt.

Kardinal-Faulhaber-Straße 0

Feldherrnhalle

Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ gehörte die Feldherrnhalle zu den Gebäuden, die am stärksten mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wurden. Hier war am 9. November 1923 der Putschversuch Adolf Hitlers und seiner Anhänger von der Landespolizei niedergeschlagen worden.

Nach Hitlers Macht antritt wurde die Niederlage von der NS-Propaganda – in Anlehnung an Mussolinis „Marsch auf Rom“ – zum „Marsch auf die Feldherrnhalle“ umgedeutet, das Bauwerk zu einer Stätte des Totenkults der für die „nationale Erhebung“ gefallenen Gesinnungsgenossen stilisiert. Bereits am 9. November 1933 ließ Adolf Hitler an der zur Residenzstraße gerichteten Ostseite ein „Ehrenmal“ einweihen, vor dem zwei SS-Posten Tag und Nacht Wache hielten. Wer das Denkmal passierte, hatte die Hand zum „Führergruß“ zu erheben.

Nicht zufällig artikulierten sich hier nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gegensätzliche Ansichten über die Schuld der Deutschen. Noch bevor das „Ehrenmal für die Gefallenen des 9. November 1923“ am 3. Juni 1945 von Münchner Bürgern im Rahmen einer Spontanaktion demontiert worden war, schrieben Unbekannte auf das Bauwerk: „KZ-Dachau – Velden – Buchenwald – ich schäme mich, dass ich ein Deutscher bin“. Kurz darauf war auf dem Sockel zu lesen: „Goethe, Diesel, Haydn, Rob. Koch. Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein!“ Als am 14. September 1947 eine Gedenkfeier für die Opfer des Faschismus an der Feldherrnhalle abgehalten wurde, war dies ein symbolischer Akt, um dem Bauwerk – im Sinne von Antifaschismus und Demokratie – eine „neue“ Bedeutung zu verleihen. Bis heute ist die Feldherrnhalle ein prominenter Demonstrationsort gegen Neonazismus, Rassismus und rechte Gewalt – aber auch Schauplatz von kulturellen Veranstaltungen und beliebte Touristenattraktion. 

Im Frühjahr 1990 montierten die Münchner Künstler Rudolf Herz und Thomas Lehnerer in Eigeninitiative an jener Stelle, an der Hitler die toten Putschisten hatte ehren lassen, eine Emailletafel, auf der zu lesen war: „Juden in aller Welt bitte kehrt zurück, wenn Ihr wollt“. Damit sollte nicht nur an die Folgen des Nationalsozialismus, der in München seinen Ausgang genommen hatte, gemahnt, sondern zugleich eine Botschaft für künftiges Handeln formuliert werden. Diese offensive Form des Gedenkens sowie der Vorschlag, das Schild – das bereits nach weniger als zwei Stunden von der Polizei entfernt worden war – als permanentes Denkmal an zubringen, lösten große Kontroversen aus und wurden schließlich mit dem Verweis auf den Denkmalschutz abgelehnt. 

Auch als der Stadtrat 1993 – auf Vorschlag des Münchner Rechtsanwalts Otto Gritschneder – für eine Gedenktafel für die Mitglieder der Bayerischen Landespolizei, die beim Einsatz gegen die Nationalsozialisten 1923 ums Leben gekommen waren, plädierte, sprach sich der Freistaat als Eigentümer des Gebäudes wie schon zuvor aus Gründen des Denkmalschutzes gegen eine Anbringung an der Feldherrnhalle aus. Stattdessen wurde 1994 von der Stadt eine Bodenplatte mit den Namen der vier getöteten Polizisten im Pflaster des Odeonsplatzes vor dem Bauwerk eingelassen. 

Am 9. November 2010 enthüllte schließlich der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann zusammen mit Oberbürgermeister Christian Ude eine Gedenktafel an der Münchner Residenz (Zugang zum Kaiserhof). Die Bodenplatte wurde daraufhin im Februar 2011 ausgebaut und der historischen Sammlung des Stadtmuseums übergeben.

Odeonsplatz 0

Walter-Klingenbeck-Weg

Von der Ludwigstraße zweigt auf der Höhe der Bayerischen Staatsbibliothek der Walter-Klingenbeck-Weg ab, der an das Schicksal eines jungen Widerstandskämpfers erinnert. Um Walter Klingenbeck bildete sich in den späten dreißiger Jahren eine Gruppe Jugendlicher, die verbotene Radiosender hörte und mit einem eigenen experimentierte, um antifa schistische Propaganda verbreiten zu können. Auf Münchner Hauswänden brachten die Freunde Graffiti mit großen V-Zeichen – dem Kürzel für das englische Wort „victory“ – an, die den baldigen Sieg der Alliierten verkünden sollten. 

Im Januar 1942 wurde der damals 18jährige Walter Klingenbeck bei der Gestapo denunziert, wegen „Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim hingerichtet.

Die Benennung des Weges – der sich in der Nähe der Kirchengemeinde St. Ludwig, der Klingenbeck als gläubiger Katholik angehörte, befindet – erfolgte 1998 auf Initiative des Bezirksausschusses Maxvorstadt.

Walter-Klingenbeck-Weg 0

Denkmäler für die „Weiße Rose“

Über die Ludwigstraße führt der ThemenGeschichtsPfad weiter zum Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität. Hier wurden am 18. Februar 1943 die Studenten Hans und Sophie Scholl beim Verteilen des sechsten Flugblattes der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ von dem Hörsaaldiener und SA-Mann Jakob Schmid beobachtet, denunziert und von der Gestapo verhaftet.

Ein Bodendenkmal im Pflaster vor dem Haupteingang erinnert an die mutige Tat der Geschwister Scholl und ihrer Mitstreiter. Die auf Keramikplatten reproduzierten Flugblätter, Portraitfotos und historischen Schriftstücke wirken so, als seien sie zufällig fallengelassen und festgetreten worden. Sie regen die vorbeikommenden Passanten an, innezuhalten und den Spuren der „Weißen Rose“ zu folgen.

Das Denkmal wurde von dem Berliner Bildhauer Robert Schmidt-Matt konzipiert und entstand 1988 im Rahmen des von der Münchner Großbäckerei Rischart ausgeschriebenen dritten „RischArt-Preises“. Ursprünglich als temporäres Projekt installiert, wurde die Arbeit – dank der Initiative der „Weiße Rose Stiftung e.V.“ und einer Unterschriftenaktion des Medizinstudenten Gregor van Scherpenberg – 1990 von der Landeshauptstadt München und der Ludwig-Maxi - milians-Universität angekauft und konnte so im öffentlichen Raum erhalten bleiben.

Das Bodendenkmal ist nicht das einzige Erinnerungszeichen, mit dem im Bereich des Hauptgebäudes der Ludwig-Maximilians-Universität das Andenken an die „Weiße Rose“ wachgehalten wird. Bereits im November 1945 – noch bevor der westliche Vorplatz der Universität in Geschwister-Scholl-Platz umbenannt wurde – gab der damalige Kultusminister Franz Fendt bekannt, der Widerstandsgruppe an diesem Ort ein Erinnerungsmal setzen zu wollen. Die von Theodor Georgii entworfene schlichte Tafel aus Jura-Marmor wurde im Jahr darauf neben dem Eingang der Großen Aula angebracht. Ihre inlateinischer Sprache verfasste Inschrift gedenkt der sieben hingerichteten Mitglieder der „Weißen Rose“ als Märtyrer, die wegen ihrer „Menschlichkeit“ in „einen unmenschlichen Tod“ gehen mussten. Nur die angegebenen Jahreszahlen verweisen auf den historisch-politischen Kontext des NS-Regimes. Der Text endet mit einem Zitat aus den „Epistulae morales“ des römischen Philosophen Seneca: „So wird die echte Seelenstärke, die sich einer fremden Willkür nicht fügen wird, unter Beweis gestellt.“ Seit 1957 befindet sich die Tafel in der Wand der nördlichen oberen Galerie – an jener Stelle, von der aus Hans und Sophie Scholl ihre Flugblätter in den Lichthof fallen ließen. 

Im Jahr 1958 wurde – anlässlich der Feierlichkeiten zur Wiederherstellung des Lichthofes – ein weiteres Denkmal eingeweiht. Das von Lothar Dietz geschaffene Bronzerelief an der Westseite des Lichthofes zeigt die sieben Widerstandskämpfer als stilisierte Figuren, die in der Art eines stillen Opferzuges dargestellt sind. 

Außerdem wurde am 28. Juni 1997 in einem Raum unterhalb des Lichthofes die „DenkStätte Weiße Rose“ er - öffnet, die das Leben und Wirken so wie das geistige Umfeld der Widerstandsgruppe eindrucksvoll dokumentiert. Die von der „Weiße Rose Stiftung e.V.“ gegründete DenkStätte besuchen jährlich mehrere tausend Interessierte, darunter auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus dem In- und Ausland.

In unmittelbarer Nähe der DenkStätte, an der nordwestlichen Ecke des Lichthofes, befindet sich auch eine von Nicolai Tregor angefertigte Bronzebüste von Sophie Scholl , deren Aufstellung und Finanzierung ebenfalls die „Weiße Rose Stiftung e.V.“ initiierte. Die Porträtskulptur wurde von der Schauspielerin Julia Jentsch, Hauptdarstellerin in Marc Rothemunds preisgekröntem Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, am 22. Februar 2005 – am Jahrestag der Hinrichtung der Geschwister Scholl und Christoph Probsts – enthüllt. 

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gehören die Mitglieder der „Weißen Rose“ und insbesondere Hans und Sophie Scholl zu den bekanntesten und am meisten beachteten Mitgliedern des deutschen Widerstands. Mittlerweile halten allein in München fast dreißig Orte der Erinnerung – in Form von Denkmälern, Straßennamen und Einrichtungen – ihr Vermächtnis lebendig. Zudem wird seit 1980 vom Bayerischen Landesverband des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München der „Geschwister-Scholl-Preis“ in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität verliehen.

Geschwister-Scholl-Platz 0

1. Mahnmal am Platz der Opfer des Nationalsozialismus

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Bildrechte: © Gerhard Willhalm, Platz der Opfer des Nationalsozialismus, CC BY-NC 4.0

Im März 1946 – knapp zehn Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ – hatte der damalige Oberbürgermeister Karl Scharnagl anlässlich des „Tages der Opfer des Faschismus“ bekannt gegeben, dass das Rondell zwischen Brienner Straße und Maximiliansplatz künftig den Namen „Platz der Opfer des Nationalsozialismus“ erhalten werde. Seine Lage inmitten der Stadt, „vor allem aber die Tatsache, dass er das Denkmal des großen deutschen Dichters Friedrich von Schiller trägt, der Freiheit und Menschenwürde in seinen Werken feierte“ ließen diesen Ort, nach den Worten Scharnagls, „als Erinnerungsstätte besonders geeignet erscheinen“. Der – wesentlich konsequentere – Vorschlag aus den Reihen der ehemals politisch Verfolgten, die Brienner Straße beziehungsweise den Königsplatz, der während der NS-Zeit als Parteiforum und Aufmarschgelände gedient hatte, in Gedenken an die zahllosen Opfer rassistisch und politisch-ideologisch motivierter Verfolgung umzubenennen und dort eine Gedächtnisstätte zu errichten, hatte hingegen im Stadtrat nur seitens der SPD-Fraktion Befürworter gefunden und wurde mehrheitlich abgelehnt. Andererseits gab es seit den sechziger Jahren Planungen, auf dem gegenüber liegenden Areal des Wittelsbacher Palais, dem ehemaligen Sitz der Münchner Gestapo, ein „Volksbildungshaus“ mit einem zentralen Denkmal für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung zu erbauen. Dieses Bauvorhaben – das 1985 als „Kulturzentrum“, jedoch am Standort Gasteig und ohne Gedenkort realisiert wurde – führte dazu, dass der Platz der Opfer des Nationalsozialismus lange Zeit eine von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, verkehrsumtoste Fläche blieb. 

1965 wurde – zunächst nur als Provisorium – ein von Karl Oppenrieder gestalteter zweieinhalb Meter hoher Stein aus Flossenbürger Granit mit der Inschrift „Den Opfern des Nationalsozialismus“ aufgestellt. 

Nachdem in den achtziger Jahren vermehrt Einwände gegen diese provisorische Lösung laut wurden, beschlossen 1983 die Fraktionen des Münchner Stadtrats, einen Wettbewerb für den Entwurf eines neuen Mahnmals ausloben zu lassen. Am 8. November 1985 wurde schließlich das zweite und heutige Denkmal eingeweiht. Das sechs Meter hohe Monument von Andreas Sobeck bringt mit seiner Ewigen Flamme hinter einem zeichenhaften Kerker sowohl den totalitären Charakter des NS-Regimes als auch die Hoffnung und Sehnsucht nach Freiheit symbolisch zum Ausdruck. 

Der Granitstein wurde 1985 – nachdem das Mahnmal von Andreas Sobeck errichtet wor den war – mit einer neuen Inschrift versehen und zur Erinnerung an die Opfer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus auf dem Platz der Freiheit in Neuhausen aufgestellt. 

Knapp drei Wochen nach der Einweihung sollte indessen im Münchner Stadtrat beschlossen werden, die Ewige Flamme nur an besonderen Gedenktagen beziehungsweise nur nachts brennen zu lassen. Diese „Sparmaßnahme“, die die wesentliche Symbolik des Mahnmals außer Kraft gesetzt hatte, wurde im November 1986 aufgehoben. 

Als zentraler Gedenkort Münchens konnte der Platz der Opfer des Nationalsozialismus bis heute nicht befriedigen. Im Dezember 2008 sprach sich der Ältestenrat des Münchner Stadtrats einstimmig dafür aus, den Platz würdiger zu gestalten. Es bestand Einvernehmen darüber, dass dieser Ort die zentrale Gedenkstätte bleiben müsse. Die im März 2010 vorgestellten konzeptionellen Überlegungen schaffen eine zusammenhängende Platzfläche, die ein ungestörtes, zur Besinnung anregendes Verweilen ermöglicht. Den Schwerpunkt des Platzes bildet eine nahezu quadratische Fläche, in deren Zentrum das bestehende Denkmal neu platziert ist. Durch zusätzliche Inschriften wird das Gedenken an alle Opfergruppen sowie der Hinweis auf den örtlichen Bezug zur Gestapo-Zentrale und dem zukünftigen NS-Dokumentationszentrum stärker hervorgehoben. Der Ältestenrat begrüßte das vorgelegte Konzept und empfahl die Beauftragung des Baureferates durch den Stadtrat mit der weiteren Planung und Realisierung. 2012 wurde mit den umfangreichen Bauarbeiten begonnen. Bis Anfang 2014 soll der Platz der Opfer des Nationalsozialismus umgestaltet sein.

Platz der Opfer des Nationalsozialismus 0

2. Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma

Wenige Meter von Andreas Sobecks Basaltstele entfernt, erinnert ein in den Rasen eingelassener Gedenkstein an die ermordeten Münchner Sinti und Roma. Das von Toni Preis entwor fene Mahnmal wurde auf Antrag des Holo caust- Überlebenden Hugo Höllen reiner errichtet und am 20. De - zem ber 1995 der Öffentlichkeit übergeben. Als ursprünglicher Standort waren die Wohnhäuser in der Deisenhofener Straße 64 und 79 in Giesing vorgesehen, wo mehrere Sintiund Roma-Familien bis zu ihrer Deportation gelebt hatten. Doch die Anbringung einer Gedenktafel scheiterte am Einspruch der Hauseigentümer. Auch die Errichtung eines Gedenksteins an der Ecke Neuhauser Straße und Ettstraße – in unmittelbarer Nähe zum Polizeipräsidium, wo die Erfassung und Verhaftung der Sinti und Roma erfolgt war – konnte nicht realisiert werden, da das Bayerische Innenministerium diesen Aufstellungsort nicht billigte.

Eine halbe Million europäischer Sinti und Roma wurden durch Massenerschießungen, in den Gaskammern, Arbeitslagern und medizinischen Versuchslabors der Nationalsozialisten ermordet. In München wurden am 13. März 1943 insgesamt 141 Männer, Frauen und Kinder in das Polizeipräsidium in der Ettstraße verbracht und eine Woche später in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Nur wenige überlebten.

Erst seit den siebziger Jahren gelang es den Interessen ver bänden der Sinti und Roma, allmählich auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Auch in München setzte erst spät eine Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer Ausgrenzung, Entrechtung und planmäßigen Vernichtung ein, bei der die ehemalige „Hauptstadt der Bewegung“ eine unrühmliche Rolle gespielt hatte. Nach Hitlers Machtantritt wurde hier die zentrale „Zigeunerpolizeistelle“ eingerichtet, die als reichsweite Erfassungs- und Verfolgungsstelle fungierte. 1938 wurde sie nach Berlin verlegt, wo sie den Kern der neuen „Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ bildete. Die Münchner Dienststelle wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in „Landfahrerzentrale“ umbenannt und unter Verwendung von NS-Aktenmaterial bis 1965 als eine Einrichtung des Bayerischen Landeskriminalamts fortgeführt.

Platz der Opfer des Nationalsozialismus 0

3. Areal ehemaliges Wittelsbacher Palais

Es ist allein die Nähe zum einstigen Wittelsbacher Palais in der Brienner Straße, die den Platz der Opfer des Nationalsozialismus als Gedenkort an dieser Stelle erklärt. Ab Herbst 1933 war dieses Gebäude Sitz der Bayerischen Politischen Polizei, der späteren Gestapo. Schon bald wurde der neugotische Bau zum Synonym für bürokratische Willkür und physische Gewalt. Hier inhaftierte und verhörte man Widerstandskämpfer wie Georg Elser, den Jesuitenpater Rupert Mayer und die Mitglieder der „Weißen Rose“ – aber auch unzählige andere, die in die Fänge der Gestapo und ihrer Handlanger geraten waren, wurden hier schwer misshandelt und gefoltert. Ende 1933 beantragte Reinhard Heydrich, der Leiter der Bayerischen Politischen Polizei, den Bau eines „Gefangenenhauses“ im rückwärtigen Teil der Parkanlage. Noch Mitte 1944 richtete man im Keller des Palais ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau für circa 50 Häftlinge ein, die zur Trümmerbeseitigung und Bombenentschärfung herangezogen wurden. Die Gestapo-Beamten waren auch für die Befehle zur Erstellung der Deportations- und Todeslisten verantwortlich. 

Heute ist von diesem Gebäude nichts mehr zu sehen. Im Zweiten Weltkrieg teilweise stark beschädigt, wurde 1950 mit den baulichen Überresten auch die nationalsozialistische Vergangenheit des Palais aus dem Stadtbild getilgt. Seit 1982 erstreckt sich hier der moderne Glaskomplex der Bayerischen Landesbank, die das Grundstück in den siebziger Jahren erworben hatte. Ledig lich eine schmale, unauffällig platzierte Bronzetafel an der Ecke Brienner Straße und Türkenstraße erinnert an das Wittelsbacher Palais und seine Geschichte. Die Anbringung einer Tafel am historischen Ort war 1984 auf Antrag des Bezirksausschusses Maxvorstadt nach vielen Widerständen durchgesetzt worden. Damit wurde erstmals in München eine Stätte des nationalsozialistischen Herrschafts- und Verbrechensapparats öffentlich markiert. 

Allerdings enthält die Inschrift nur einen stark verkürzten Hinweis auf die ehemalige Gestapo-Zentrale und ist im Vorbeigehen kaum zu bemerken.

Nur einer der beiden Löwen, die der Bildhauer Johann Halbig 1848 für das Eingangsportal des Wittelsbacher Palais schuf, überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Die Figur befindet sich seit 1970 vor der Katholischen Akademie in der Mandlstraße 23 und wurde 1994 zu einem Denkmal für den im Konzentrationslager Dachau ermordeten katholischen Publizisten Fritz Gehrlich „umfunktioniert“. Bei dem steinernen Löwen vor dem Nordeingang der Bayerischen Landesbank an der Gabelsberger Straße handelt es sich hingegen um eine Nachbildung, die 1980 aufgestellt und mit der Inschrift „Neuschaffung des AD 1944 zusammen mit dem Wittelsbacher Palais durch Bomben zerstörten Löwen“ versehen wurde. „Nicht nur ist dieser Löwe“, so schreibt der Historiker Gavriel D. Rosenfeld, „ein sinnfälliges Beispiel für die Gleichgültigkeit der Postmoderne gegenüber Fragen historischer Authentizität, die Skulptur sollte offensichtlich jedes weitere Ansinnen, mit einer Gedenktafel an die NS-Vergangenheit des Ortes zu erinnern, unterbinden.“

Brienner Straße 0

11. Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten jüdischen Rechtsanwälte

Am 30. November 1998 wurde eine weitere Gedenktafel im Inneren des Justizpalastes enthüllt. 60 Jahre zuvor waren an diesem Tag jüdische Rechtsanwälte mit einem allgemeinen Berufsverbot belegt und damit schlagartig aus der Anwaltschaft verdrängt und ihrer sozialen Existenz beraubt wor den. Bereits seit April 1933 durfte auf eine Weisung des bayerischen Justizministers Hans Frank das Gerichts gebäude von jüdischen Anwälten nur mit einem gesondert zu beantragenden Passierschein betreten werden. Die von der Münchner Anwaltskammer initiierte Tafel gedenkt namentlich der wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgten, vertriebenen und ermordeten Münchner Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte.

Prielmayerstraße 0

12. Gedenkstein für die zerstörte Hauptsynagoge

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Bildrechte: © Gerhard Willhalm, Gedenkstein - Hauptsynagoge, CC BY-NC 4.0

In der Nähe des Karlsplatzes, an der Herzog-Max-Straße, befindet sich der Gedenkstein für die ehemalige Münchner Hauptsynagoge , die im Juni 1938 – noch vor der Pogromnacht – dem Zerstörungswillen der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Das 1969 eingeweihte Denkmal ist eines der ersten Mahnmale, mit dem die Stadt im öffentlichen Raum an das gewaltsam zerstörte jüdische Leben erinnert.

1883/87 in Sichtweite des Liebfrauendoms errichtet, war die Hauptsynagoge für vier Jahrzehntestädte bauliches Symbol für die Bedeutung und Anerkennung der jüdischen Gemeinde im gesellschaftlichen und politischen Leben der Stadt. Das weiträumige neoromanische Bauwerk verfügte über 1.800 Betstühle und war eines der größten jüdischen Gotteshäuser in Europa. Der von Hitler persönlich an - geordnete Abriss aus „verkehrstechnischen Gründen“ war ein Fanal für die kommenden Geschehnisse.

Nach 1945 wurde das während der NS-Diktatur zum Parkplatz degradierte Grundstück an die Israelitische Kultusgemeinde zurückerstattet, die es mit der Auflage, eine Teilfläche als Gedenkplatz umzugestalten, an die Landeshauptstadt München verkaufte. Ende 1967 ließ der Stadtrat einen Wettbewerb unter Bildhauern aus Israel und Deutschland durchführen, bei dem der Münchner Herbert Peters mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde. 

Das Denkmal erinnert in seiner massiven Form an einen Eckstein des abgerissenen Gotteshauses und stellt somit dessen Präsenz sinnbildhaft dar. Seine Rückseite wurde mit Nischen gestaltet, die Symbole des Judentums wie den siebenarmigen Leuchter (Menora), Zeichen des ewigen Lichts und des Fortlebens, schützend bergen. Die hebräischen Inschriften zitieren Auszüge aus dem 74. Psalm, der Klage vor dem entweihten Heiligtum, sowie aus den Zehn Geboten. 

Seit 1998 ist der Gedenkstein am 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht, Ort einer eindrucksvollen Veranstaltung, die unter dem Leitmotiv „Jeder Mensch hat einen Namen“ das Andenken an die deportierten und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger Münchens wachhält. Jugendliche, Prominente aus Kultur und Gesellschaft und Münchner Bürgerinnen und Bürger verlesen zu diesem Anlass über viele Stunden die Namen, außerdem das Alter, das Todes- oder Deportationsdatum und den Sterbeort der Frauen, Männer und Kinder, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Von den ehemals rund 11.000 Münchner Jüdinnen und Juden haben mehr als 4.500 die NS-Herrschaft nicht überlebt. Im Jahr 2008, anlässlich des 70. Jahrestages der Pogromnacht, fand die Lesung erstmals an verschiedenen Orten im gesamten Stadtgebiet statt.

Herzog-Max-Straße 0

13. Bürgersaalkirche

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Bildrechte: © Gerhard Willhalm, Bürgersaalkirche, CC BY-NC 4.0

Die Bürgersaalkirche inmitten der Fußgängerzone führt zurück zum Schicksal Pater Rupert Mayers. Der Bet- und Versammlungssaal der Marianischen Männerkongregation war nicht nur eine seiner Wirkungsstätten – hier befindet sich auch sein Grab, das für zahlreiche Gläubige zu einer Pilger- und Gedenkstätte geworden ist.

Nach mehreren Verurteilungen und Haft im Konzentrationslager Sachsenhausen war der unbeugsame Pater bis Kriegsende im oberbayerischen Kloster Ettal unter Arrest gestellt worden. Nach Kriegsende kehrte er nach München zurück, wo er an Allerheiligen 1945 während einer Predigt einen Schlaganfall erlitt und wenig später verstarb. Seine Bestattung erfolgte zunächst auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach. Drei Jahre später wurden seine sterblichen Überreste – im Beisein von 120.000 Menschen – in die Unterkirche des Bürgersaals überführt.

Seit 2008 beherbergt der rückwärtige Teil der Kirche ein Museum zum Leben und Wirken des im Volke verehrten Seelsorgers, der zur Symbolfigur für den katholischen Widerstand gegen das NS-Regime wurde. 

Neuhauser Straße 0

14. Inschrift zur Befreiung Münchens am 30. April 1945

Das Alte und das Neue Rathaus am Marienplatz zählen zu den berühmtesten Wahrzeichen der Stadt.

Gleich im Durchgang zum Innenhof des Neuen Rathauses treffen Passanten auf eine Reihe von Inschriften, unter denen die wichtigste der Mitglieder der USStreitkräfte gedenkt, „die München am 30. April 1945 von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft befreiten“ . Die Inschrift wurde im Jahr 1992, anlässlich des Abzugs der US-Streit kräfte aus München, auf Vorschlag des damaligen Oberbürgermeisters Georg Kronawitter als Danksagung an die US-Armee angebracht.

Marienplatz 0

15. Gedenktafel an die erste Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger

Wenige Schritte davon entfernt, am Treppenaufgang zum ersten Stock, errichtete die Stadt im November 2000 eine Gedenktafel für die 1941 im litauischen Kaunas (Kowno) ermordeten Münchner Jüdinnen und Juden , die „die Trauer und Scham der Münchner Bevölkerung sowie das Entsetzen über das damalige Schweigen“ zum Ausdruck bringen soll.

Am 20. November 1941 waren 1.000 Männer, Frauen und Kinder von Mün chen nach Kaunas deportiert und dort fünf Tage später von einem Erschießungskommando ermordet worden. Die Deportation nach Kaunas war der Beginn der systematischen Ermordung der noch in München verbliebenen Jüdinnen und Juden. Bis Februar 1945 gingen mindestens 43 Transporte nach Kaunas, Piaski, Theresienstadt und Auschwitz. An der Organisation und Durchführung der Deportationen waren zahlreiche Personen und Institutionen, darunter auch Mitarbeiter städtischer Behörden, beteiligt.

Die von Beate Passow entworfene Gedenktafel entstand auf Initiative des Münchner Stadtarchivs. Gleichzeitig stiftete die Landeshauptstadt München für die Gedenkstätte in Kaunas ein Erinnerungszeichen, das Beate Passow auch als Vorlage für das Münchner Pendant verwendete: „Die Glasscheibe“, so beschreibt die Künstlerin ihre Arbeit, „zeigt ein Foto der Gedenktafel in Kowno sowie Portraits jüdischer Bürger aus München, die deportiert wurden. So ist das Verbrechen, das in Kowno geschah, in angemessener Weise auch in München präsent.“

Marienplatz 0

16. Gedenkraum im Neuen Rathaus

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Bildrechte: © Gerhard Willhalm, Gedenkraum im Neuen Rathaus, CC BY-NC 4.0

Bereits 1951 stellten die damaligen Stadtratsfraktionen der CSU, SPD und Bayernpartei gemeinsam den Antrag, im Rathaus eine Gedenktafel für die Opfer des „Dritten Reiches“ und der Weltkriege aus den Reihen der Stadtverwaltung anzubringen. Als geeigneter Ort wurde der kapellenartige Sechseckraum im ersten Stock des zum Marienplatz gelegenen Traktes bestimmt, der in den zwanziger Jahren als Gedenkstätte für die im Ersten Weltkrieg gefallenen städtischen Beamten, Lehrer, Angestellten und Arbeiter umgestaltet, jedoch 1944 durch Bomben zerstört worden war.

1958 – zum 800. Geburtstag der Stadt – konnte der neugestaltete Raum der Öffentlichkeit übergeben werden. Sein Zentrum bildet ein altarähnlicher Steintisch, auf dem ein in Leder gebundenes Buch mit den Namen der Toten beider Weltkriege ruht. Inschriften an den Wänden gedenken ihrer sowie der während der NS-Diktatur politisch Verfolgten. Eine im Boden eingelassene Steinplatte ist den „im Dienst verunglückten Mitarbeitern“ der Stadt gewidmet. 

Der Gedenkraum mit seinem sakral anmutenden Arrangement und den umfassenden Widmungen kann als typisches Beispiel für die Erinnerungsarbeit der ersten Jahre der Bundesrepublik angesehen werden, die die Toten beider Weltkriege mit den Opfern der NS-Herrschaft gleichermaßen „schicksalhaft“ vereinte. Fragen nach den Todesumständen, nach moralischer und politischer Mitverantwortung blieben hingegen ausgeblendet. 

Marienplatz 0

17. Kriegsgefangenen-Denkmal

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Bildrechte: © Gerhard Willhalm, Denkmal für Krieggefangene, CC BY-NC 4.0

Das Schicksal der eigenen Kriegsgefangenen gehörte in der Nachkriegszeit zu den drängendsten Fragen der deutschen Bevölkerung. 1954 wurde im Bogen unter dem Alten Rathaus ein Denkmal enthüllt, das den damals noch in Gefangenschaft lebenden Münchnern gewidmet ist. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 12.500 Münchner, viele von ihnen in der Sowjetunion, als vermisst gemeldet. 

Das von Franz Mikorey bewusst zurückhaltend gestaltete Relief spiegelt die in der deutschen Nachkriegsgesellschaft dominierende Sichtweise wider. Es zeigt drei trauernde Frauengestalten, die – so die Inschrift – auf die Heimkehr der Kriegsgefangenen warten, deren Leiden unvergessen bleiben sollen.

Ausschlaggebend für die Wahl des Standortes war seine zentrale Lage, da das Alte Rathaus am verkehrsreichen Marienplatz ein hohes Maß an Aufmerksamkeit garantierte.

Marienplatz 0

18. Gedenktafel an die Pogromnacht vom 9. November 1938

Erst knapp fünf Jahrzehnte nach Kriegsende sollte indessen die nationalsozialistische Vergangenheit dieses Ortes markiert und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Am Abend des 9. November 1938 hatte im gotischen Saal des Alten Rathauses die von Joseph Goebbels inszenierte „Reichskristallnacht“ ihren Ausgang genommen. Von hier gingen wesentliche Impulse für die systematische Entrechtung und Verfolgung der Juden in Deutschland aus, die mit Beginn des Zweiten Weltkrieges in die Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden mündeten.

Noch in der Nacht vom 9. auf den 10. November setzten Angehörige der SS, SA und der Hitlerjugend vor den Augen der Öffentlichkeit in ganz Deutschland die Synagogen in Brand, plünderten und verwüsteten unzählige Geschäfte und misshandelten jüdische Bürger. Allein in München wurden 1.000 Männer verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verbracht.

Die Gedenktafel, die auf die zentrale Funktion hinweist, die die Versammlung im Alten Rathaus bei der Vorbereitung dieses Verbrechens gespielt hatte, wurde von Münchens Altoberbürgermeister Hans-Jochen Vogel initiiert und im November 2000 im Foyer des Gebäudes enthüllt. Da dieser Raum jedoch nur im Rahmen bestimmter Veranstaltungen öffentlich zugänglich ist, wurde im Mai 2009 eine Replik an der Eingangsfassade des Gebäudes angebracht.

Marienplatz 0

19. Gedenktafel und Lichtinstallation für das zerstörte Kaufhaus Uhlfelder

Unweit des Alten Rathauses, an der Ecke des überdachten Eingangs am Rosental 16, erinnert eine kleine Steintafel daran, dass hier „bis zum Jahr 1938 das Kaufhaus Uhlfelder“ stand. Damit folgte die Stadt 1964 dem testamentarischen Wunsch Max Uhlfelders, der sechs Jahre zuvor im Alter von 72 Jahren in München gestorben war. Doch nur wenigen dürfte heute die Geschichte des Kaufhauses und dessen Inhaber bekannt sein. Ein Schicksal, das exemplarisch für viele jüdische Geschäftsleute steht, die in der Zeit des Nationalsozialismus Opfer von Antisemitismus und Rassismus wurden.

Das 1878 gegründete Handelsgeschäft für Haushaltsgegenstände und Galanteriewaren hatte sich seit Anfang der zwanziger Jahre zu einem der modernsten und beliebtesten Warenhäuser der Stadt entwickelt. Die Einrichtung einer drei Stockwerke umfassenden Rolltreppe ließ das Kaufhaus ebenso zum Stadtgespräch werden wie die sozialen Leistungen, die Max Uhlfelder seinen rund 550 Angestellten bot. 

Wie alle im NS-Staat als jüdisch deklarierten Geschäfte wurde auch das der Uhlfelders, das bereits seit 1933 wiederholt Angriffsziel der Nationalsozialisten war, in der Pogromnacht geplündert, nahezu vollständig demoliert und in Brand gesteckt. Anfang Dezember 1938 wurde das Unternehmen schließlich liquidiert, das Warenlager zu Spott preisen veräußert. Den Grundbesitz schlug man 1942 der Löwenbräu AG als Ersatz für den zwangsweise an die NSDAP veräußerten Bürgerbräukeller zu.

Max Uhlfelder, der wie sein Sohn nach der Pogromnacht im Konzentrationslager Dachau inhaftiert war, konnte 1939 mit seiner Familie zunächst nach Indien und später in die USA emigrieren. Seine Schwester Grete Mayer, ihr Mann Josef und ihr Sohn Alfred hingegen standen am 20. November 1941 auf der ersten Deportationsliste nach Kaunas, wo sie ermordet wurden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Max Uhl felder in seine Heimatstadt zurück, wo er in mehr als 100 Gerichtsverfahren um die Rückerstattung seines Besitzes kämpfte. Nachdem sein Vorhaben, das 1944 durch Bomben zerstörte Kaufhaus wiederaufzubauen, gescheitert war, verkaufte er das Grundstück an die Stadt.

Heute befindet sich an dieser Stelle ein Erweiterungsbau des Münchner Stadtmuseums, das hier seit Mitte 2003 die Dauerausstellung „Nationalsozialismus in München – Chiffren der Erinnerung“ eingerichtet hat. Im Rahmen dieser Ausstellung wurde dem Kaufhaus Uhlfelder ein weiteres Erinnerungszeichen gesetzt: der Namenszug „Uhlfelder“ in blauer Leuchtschrift an der zum Oberanger gerichteten Längsseite des Museums erinnert an die Vergangenheit des Ortes und an seine einstigen Besitzer.

Rosental 16

21. Gang der Erinnerung

Vom Oberanger gelangt man direkt zum Jüdischen Zentrum am St.-JakobsPlatz. Mit der feierlichen Einweihung der neuen Hauptsynagoge Ohel Jakob und des Gemeindehauses der Israelitischen Kultusgemeinde am 9. November 2006 kehrte wieder jüdisches Leben in die Mitte Münchens zurück. Das architektonische Ensemble – zu dem auch das im Jahr darauf eröffnete Jüdische Museum gehört – steht symbolisch für Heimkehr und Zukunft. Es ist aber auch ein Ort, der der Trauer und dem Andenken der Toten gewidmet ist. 

So wurde der 32 Meter lange, unterirdische Gang zwischen Synagoge und Gemeindehaus als Mahnmal gestaltet, dem, einem begehbaren Memorbuch gleich, auf gläsernen Tafeln die Namen der Münchner Jüdinnen und Juden eingeschrieben sind, die während des NS-Regimes deportiert und ermordet wurden. Weiß hinterleuchtete Flächen lassen die Namenszüge hell und tief hervortreten und befreien sie gleichsam aus ihrer Anonymität. Auf der gegenüberliegen - den Wand lenkt das Licht den Blick auf die Wortfolgen „erinnern – trauern – gedenken – mahnen“ sowie „lernen – versöhnen – sprechen – leben“ – Begriffe, die im Zusammen hang mit Geschichte, Tradition und Glauben stehen und zugleich auf die Gegenwart verweisen. Ihre Mitte bildet ein Davidstern zum Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Juden. 

Der von Georg Soanca-Pollak konzipierte „Gang der Erinnerung“ ist eine der eindringlichsten Arbeiten, mit denen in jüngster Zeit an die Opfer der Shoa erinnert wurde. 

Das Denkmal kann nur im Rahmen der Synagogenführungen, die von der Israelitischen Kultusgemeinde regelmäßig angeboten werden, besichtigt werden.

Jakobsplatz 0

24. Bronzespur

Dagegen ist die „Bronzespur“ des Münchner Bildhauers und Erzgießers Bruno Wank bewusst als Bodendenkmal gestaltet worden. Helle Pflastersteine aus Bronze markieren den schmalen Pfad in der Viscardigasse, die im Volksmund „Drückebergergasse“ genannt wurde. Viele Münchnerinnen und Münchner hatten diesen Weg hinter der Feldherrnhalle einst genommen, um der von den Nationalsozialisten auferlegten „Grußpflicht“ zu entgehen. Zunächst als temporäres Projekt installiert, ist dieses Erinnerungszeichen an die stille Resistenz der Bürgerinnen und Bürger seit 1996 dauerhaft im Stadtbild verankert. Leider gibt es bislang keinen öffentlichen Hinweis, der über die Bedeutung der „Bronzespur“ und die Funktion der Viscardigasse in der NS-Zeit informiert.

Viscardigasse 0

25. Kriegerdenkmal

Auch das Kriegerdenkmal im Hofgarten vor dem ehe maligen Armeemuseum (heute: Bayerische Staatskanzlei) gehörte in der NS-Zeit zu den Schauplätzen nationalistischer und militaristischer Propaganda. Seit 1934 fand hier der jährliche „Heldengedenktag“ statt, der von Wehrmacht und Partei ausgerichtet wurde. 

1924/25 als zentrales Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Münchner errichtet, war die einem Hünengrab nachempfundene Anlage schon in der Weimarer Republik eines der meistbesuchten Kriegerdenkmäler in Deutschland. Ihren Mittelpunkt bildet ein Kryptaraum, in dem Bernhard Bleekers idealisierte Liegefigur des „Toten Soldaten“ aufgebahrt ist – stellvertretend für die 13.000 gefallenen Münchner Soldaten, deren Namen einst in einem erweiterten Umgang eingemeißelt waren. 

Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde das Kriegerdenkmal auf Geheiß der amerikanischen Militärregierung wiederhergestellt, jedoch ohne die Namen der 13.000 Toten. In den fünfziger Jahren brachte man zudem eine Inschrift an, die der Gefallenen und der zivilen Opfer der Jahre 1939 bis 1945 gedenkt. Diese Widmung entspricht dem, auch nach 1945, unabweisbaren Bedürfnis nach der Erinnerung an die Kriegstoten. Letztlich wurde damit jedoch auch ein sehr eindimensionales Bild geschaffen, das die Stadt und ihre Bewohner ausschließlich als Opfer darstellt.

Bis heute finden am Kriegerdenkmal militärische Zeremonien und Totenehrungen statt, so zum Beispiel am Volkstrauertag.

Hofgarten 0

26. Mahnmal für den deutschen Widerstand

Ein weiteres Denkmal im Hofgarten ist das Mahnmal für den deutschen Widerstand am Arkadeneingang zur Bayerischen Staatskanzlei. Das Denkmal wurde 1994 – zum 50. Jahrestag des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 – vom Freistaat Bayern beschlossen und zwei Jahre später, nach Durchführung eines Künstlerwett bewerbs, der Öffentlichkeit übergeben.

Der von Leo Kornbrust entworfene Granitkubus zeichnet sich durch eindringliche Schlichtheit aus. Auf zwei Flächen des schwarzen polierten Gesteins sind in der Handschrift des Künstlers Texte von Widerstandskämpfern, die vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurden, eingraviert. So ist aus dem fünften Flugblatt der „Weißen Rose“ und aus dem „Aufruf für den 20. Juli 1944“ von Erwin von Witzleben zitiert. Außerdem ist ein Textauszug aus dem Abschiedsbrief des westfälischen Bauern Josef Hufnagel angebracht, der wegen Abhörens feindlicher Sender am 5. Juni 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet wurde. 

Trotz seiner Definition als zentrale bayerische Gedenkstätte für alle Opfer des Widerstands gegen das NS-Regime vermittelt das Denkmal nur ein unvollständiges Bild. So bleibt beispielsweise die Erinnerung an den Widerstand aus den Reihen der Sozialdemokraten und Kommunisten oder an Einzelkämpfer wie Georg Elser an diesem offiziellen Gedenkort nur eine Leerstelle. Vor allem Bürgerinitiativen leisten für diese Widerstandskämpfer mit ihrem Engagement seit den neunziger Jahren eine ebenso wesentliche wie notwendige Gedächtnisarbeit.

Hofgarten 0

27. Entartete Kunst

Der Hofgarten war überdies Schauplatz der Femeausstellung „Entartete Kunst“, die am 19. Juli 1937 in den Räumen der Hofgartenarkaden in der Galeriestraße eröffnet wurde. In entstellen der Aufmachung und von wandgroßen Schmähungen kommentiert, wurden in dieser Schau rund 600 Kunstwerke der heutigen klassischen Moderne und deren Schöpfer als „entartet“ vorge führt und an den Pranger gestellt. Als „entartet“ galt nahezu jeder Künstler, der mit der herrschen - den Ideologie nicht mehr vereinbar war. Mit dieser rigoros betriebenen Kulturpolitik, deren Richtlinien Adolf Hitler im September 1934 auf dem Nürnberger Parteitag vorgegeben hatte, wurde praktisch das gesamte Spektrum der modernen Kunst in Deutschland liquidiert und deren Vertreter aus dem kulturellen und sozialen Leben ausgestoßen. Allein in München sahen – amtlichen Berichten zufolge – über zwei Millionen Besucher die Ausstellung, die in zwölf weiteren Städten gezeigt wurde.

In den Räumen des nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebauten Galeriegebäudes befinden sich heute der Kunstverein München und das Deutsche Theatermuseum. Ein Erinnerungszeichen gibt es nicht.

Galeriestraße 0

28. Historische Dokumentation Haus der Kunst

Wenige Meter vom Hofgarten entfernt, wurde einen Tag vor Eröffnung der Femeschau „Entartete Kunst“ im Beisein der NS-Führungsriege und der Münchner Stadtgesellschaft das „Haus der Deutschen Kunst“ eingeweiht. Von Hitlers Lieblingsarchitekten Paul Ludwig Troost entworfen und von Spenden der deutschen Wirtschaft und Industrie finanziert, war der neoklassizistische Bau an der nördlichen Seite der Prinzregentenstraße das zu Stein gewordene Symbol von Münchens Rolle als „Hauptstadt der Deutschen Kunst“ und zentraler Ort nationalsozialistischer Propaganda. Mit Ausstellungen von zeitgenössischen Künstlern sollte das Gebäude einer deutschen „artreinen“ Kunst den Weg weisen, während die künstlerische Moderne der Ächtung und Vernichtung preisgegeben wurde. Gleichzeitig fanden die „Großen Deutschen Kunstausstellungen“, die bis 1944 hier jährlich veranstaltet wurden, in der breiten Masse Akzeptanz und zogen Jahr für Jahr mehrere hunderttausend Besucher an. 

Im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört geblieben, entwickelte sich das 1946 zum „Haus der Kunst“ umbenannte Gebäude seit den fünfziger Jahren zu einer der renommierten Stätten des internationalen Ausstellungsbetriebs. In großen Einzelausstellungen widmete man sich vorwiegend Künstlern, die in der NS-Zeit als „entartet“ verfolgt und verfemt worden waren. Diese Form der „Wiedergutmachung“ bestimmte bis weit in die neunziger Jahre den Umgang mit dem historisch belasteten Gebäude. 

1996 wurde die lange Zeit weitgehend verdrängte Geschichte des Hauses erstmals dauerhaft ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Seit diesem Zeitpunkt besteht für alle Besucher das Angebot, sich im Flur des Gebäudes durch eine historische Dokumentation über den Ort zu informieren. Zudem wurden 2004 die Bestände des Historischen Archivs erstmalig erschlossen und für die wissenschaftliche Forschung zugänglich gemacht.

Vor diesem Hintergrund ist auch das von Chris Dercon – der 2003 die Leitung des Hauses der Kunst übernahm – initiierte Projekt des „Kritischen Rückbaus“ zu sehen. Als in den fünfziger Jahren mit dem Einzug der Moderne das Gebäude als „entnazifiziert“ galt, nahm man im Inneren bauliche Veränderungen vor, die die Erinnerung an das unliebsame Erbe verschwinden lassen sollten. In der einstigen „Ehrenhalle“, dem Zentrum des Gebäudes und ehemaligen Schauplatz von Hitlers hasserfüllten Reden, wurden Wände und Decken eingezogen, die rote Marmorverkleidung der Säulen weiß übertüncht. Diese nachträglichen Veränderungen wurden nunmehr sukzessive rückgängig gemacht, um den Blick auf die Ursprünge freizulegen und eine offensive Auseinandersetzung mit diesem Raum und seiner Geschichte sowie mit der Funktion und Bedeutung von Architektur zu ermöglichen. 

Prinzregentenstraße 1

29. Wunden der Erinnerung

Auf eine nur scheinbar banale Hinterlassenschaft von Krieg und Zerstörung verweist die Skulptur „Wunden der Erinnerung“ an einer Säule auf der Rückseite des Hauses der Kunst. Die Arbeit ist Teil des gleichnamigen europaweiten Projekts der Künstler Beate Passow und Andreas von Weizsäcker. 

Mittels seriell gefertigter, quadratischer Glasscheiben machten sie 1994/95 – fünfzig Jahre nach dem Ende des Zwei ten Weltkrieges – auf Straßen und Plätzen, Gebäuden und Kunstwerken in insgesamt sieben europäischen Ländern Einschussnarben von Bombensplittern und Granaten kenntlich – Kriegsnarben, die im alltäglichen Umfeld heute kaum mehr wahrnehmbar sind und erst durch diesen subtilen künstlerischen Eingriff als offene Wunden sichtbar werden.

In München wurden an der Ziegelfassade der Ludwig-Maximilians-Universität, der ehemaligen Salinenhauptverwaltung, an der Ecke Schellingstraße und Ludwigstraße sowie an der Bronzeskulptur des „Rossebändigers“ seitlich der Alten Pinakothek noch zwei weitere „Wunden der Erinnerung“ installiert.

 

Schellingstraße 0

30. Gedenktafel für die „Freiheitsaktion Bayern“

Die nächste Station des ThemenGeschichtsPfades führt vom Haus der Kunst über die Von-der-TannStraße zum heutigen Landwirtschaftsministerium in der Ludwigstraße. 

In dem 1938 bis 1942 als „Zentralministerium“ errichteten Baubefand sich unter anderem die „Befehlsstelle des Gauleiters“. Wenige Tage vor Kriegsende wurden hier, im nördlich gelegenen Wirtschaftshof, auf Befehl des fanatischen Gauleiters Paul Giesler Mitglieder der Widerstandsgruppe „Freiheitsaktion Bayern“ durch Erschießung hingerichtet. An sie erinnert eine Gedenktafel im südlichen Innenhof des Gebäudes.

In der Nacht zum 28. April 1945 war es der Widerstandsgruppe um den Hauptmann der Dolmetscherkompanie Rupprecht Gerngroß gelungen, die Radiostationen in Freimann und Erding zu besetzen. Von dort rief Gerngroß die Bevölkerung Südbayerns auf, Widerstand gegen das NS-Regime zu leisten, Befehle zur Zerstörung von Brücken und Industrieanlagen zu verweigern sowie eine kampflose Übergabe der Städte und Dörfer an die amerikanischen Truppen vorzubereiten. Bereits am Nachmittag des darauf folgenden Tages brach die Aktion zusammen, nach dem einige Mitglieder der Widerstandsbewegung verhaftet worden waren. Noch am selben Abend wurde das erste standrechtlich verkündete Todesurteil im Hof des Zentralministeriums vollstreckt. 

Die Gedenktafel wurde 1984 auf Initiative des Bezirksausschusses Maxvorstadt errichtet. Der ursprüngliche Antrag, die Tafel an der Straßenseite des Gebäudes anzubringen, war indessen beim Bayerischen Landwirtschaftsministerium auf vehemente Ablehnung gestoßen.

Auch die in Schwabing gelegene „Münchner Freiheit“ erinnert an die „Freiheitsaktion Bayern“. Bereits im Dezember 1946 wurde der ehemalige Feilitzschplatz zum Andenken an die Widerstandsgruppe umbenannt.

Die dort auf Initiative von Oberbürgermeister Karl Scharnagl an gebrachte Erinnerungstafel ging beim U-Bahnbau verloren. Auf Antrag von Stadträtin Edith von Welser konnte 1981 eine neue Gedenktafel eingeweiht werden.

Ludwigstraße 0

38. Kunstdenkmal für Georg Elser

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Bildrechte: © Gerhard Willhalm, Denkmal für Georg Elser, CC BY-NC 4.0

Hingegen sollte Georg Elser, der am 8. November 1939 versuchte, Hitler durch ein Bombenattentat im Münchner Bürgerbräukeller zu töten, und am 9. April 1945 im Konzentrations lager Dachau erschossen wurde, erst spät Anerkennung im offiziellen Gedenken der Stadt finden. Ihm ist die letzte Station des ThemenGeschichtsPfades gewidmet.

Nachdem seit Ende der sechziger Jahre mehrere Versuche, eine Straße nach ihm zu benennen, gescheitert waren, erinnert schließlich seit Januar 1997 ein kleiner Platz an der Türkenstraße an ihn. Georg Elser hatte diesen Platz jeden Tag auf seinem Weg zum Bürgerbräukeller passiert. Die symbolische Namensgebung ist besonders dem beharrlichen Engagement der Münchner Georg-Elser-Initiative zu verdanken. 

Anlässlich des 70. Jahrestages des Attentats wurde 2009 an diesem Platz, an der Fassade des angrenzenden Schulgebäudes an der Türkenstraße, Georg Elser eine permanente Kunst installation gewidmet. Die Neonarbeit „8. November 1939“ von Silke Wagner ist das Ergebnis eines vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München ausgelobten Wettbewerbs. „Georg Elser“, so Silke Wagner, „hat sich durch seine Tat einen Platz in der Geschichte der Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische Diktatur erworben. Ziel des Denkmals kann es nur sein, dies in Erinnerung zu rufen. Die Arbeit lenkt den Blick auf das Wesentliche – das Attentat.“ Täglich um 21.20 Uhr, dem Zeitpunkt der Explosion, werden die einzelnen Elemente aus roten Neonröhren nachein ander zum Leuchten gebracht und ergeben das historische Datum des 8. November 1939. Punkt 21.21 Uhr erlischt das Licht wieder und die Arbeit „verschwindet“ aus dem urbanen öffentlichen Raum. Somit beschränkt sich das abstrakte Denkmal konsequent auf seine zentrale Information. Gleichzeitig wird durch diese bewusste Reduzierung die gewohnte Wahrnehmung des Platzes durchbrochen und die Aufmerksamkeit des Betrachters auf diese eine Minute, die der Geschichte des 20. Jahrhunderts eine andere Wendung hätte geben können, gelenkt.

Ein weiteres, früheres Denkmal für Georg Elser befindet sich seit 1989 im Pflaster vor dem heutigen GEMA-Gebäude auf dem Gelände des 1979 abgerissenen Bürgerbräukellers im Stadtteil Haidhausen.

Türkenstraße 0