KulturGeschichtsPfad
 

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Max-Planck-Institut für Physik (Werner-Heisenberg-Institut)

Nicht weit entfernt von der U-Bahnstation Studentenstadt befindet sich am Föhringer Ring 6 seit 1958 das MaxPlanck-Institut für Physik. Die 1917 in Berlin als Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für Physik gegründete Forschungseinrichtung war seitdem an den Standorten in Berlin, Göttingen und München Wirkungsstätte zahlreicher herausragender Wissenschaftler. Albert Einstein leitete das Institut bis zu seiner Emigration 1933. Allerdings betrieb das KWI für Physik bis Mitte der 1930er Jahre keine eigene Forschung, sondern fungierte als Instanz zur Vergabe von Fördermitteln. Max von Laue (1879 –1960), der 1914 den Nobelpreis für Physik „für seine Entdeckung der Beugung von Röntgenstrahlen beim Durchgang durch Kristallgitter“ erhielt, wurde 1922 Vizedirektor der Einrichtung. Die nobelpreiswürdige Entdeckung machte Laue während er von 1909 bis 1912 an der LMU München als Privatdozent am Institut für theoretische Physik bei Arnold Sommerfeld tätig war. 

Eine Gedenktafel im Innenhof der LMU am Ort des ehemaligen Institutes von Sommerfeld erinnert an Laues Entdeckung 1912.

Werner Heisenberg (1901–1976) war in München aufgewachsen. Der Physik-Nobelpreisträger von 1932, wurde 1942 Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik in Berlin. Nach Kriegsende konnte das Institut unter dem Namen Max-Planck-Institut für Physik in Göttingen weitergeführt werden. Als Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik siedelte die Forschungseinrichtung 1958 nach München über. Den Neubau hatte der renommierte Münchner Architekt Sep Ruf (1908 – 1982) entworfen. 

Heisenberg wurde 1932 mit dem Nobelpreis für Physik für seine Begründung der Quantenmechanik geehrt, der physikalischen Theorie zur Beschreibung der Moleküle, Atome, Atomkerne, Elementarteilchen und ihrer Gesetzmäßigkeiten. Heisenberg besuchte in München das Gymnasium und studierte bis 1924 bei Arnold Sommerfeld Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität. Während des NS-Regimes leitete er von 1942–1945 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in Berlin und hatte dort die wissenschaftliche Hauptleitung des deutschen Uranprojekts inne, welches die Atomenergie zunächst auch für militärische Zwecke nutzbar machen sollte. Für diese Forschung und seine indifferente Haltung zum NS-Regime wurde Heisenberg wiederholt kritisiert. 1957 war er einer der 18 Unterzeichner des „Göttinger Manifests“, in dem sich führende deutsche Atomphysiker gegen die Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen wendeten. 

Von 1958 bis 1970 war Heisenberg Direktor am Max-Planck-Institut für Physik in München. 1960 war er entscheidend an der Gründung des Instituts für Plasmaphysik in Garching  beteiligt. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof in München. Zu Ehren Werner Heisenbergs erhielt das Institut in Freimann nach seinem Tod 1976 den Zunamen „Werner-Heisenberg-Institut“. Büsten, die an den Wissenschaftler erinnern, finden sich in München sowohl in der Ruhmeshalle an der Bavaria als auch in der Ehrenhalle des Deutschen Museums.

Zu den zahlreichen bekannten Wissenschaftlern, die unter Heisenberg am Föhringer Ring arbeiteten, zählen der Physiker, Philosoph und Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker (1912–2007) und Hans-Peter Dürr (1929–2014), der das Institut bis 1997 leitete. Dürr war über viele Jahre enger Mitarbeiter Heisenbergs und machte sich einen Namen als Kritiker sowohl der friedlichen als auch militärischen Nutzung der Kernenergie. 1987 erhielt er für sein Engagement den alternativen Nobelpreis (e S. 204) und 1995 wurde der Gruppe internationaler Forscher und Wissenschaftler „Pugwash Conferences of Science and World Affairs“, der Dürr angehörte, der Friedensnobelpreis „für ihre Anstrengungen, die Rolle von Atomwaffen in der internationalen Politik zu verringern“ verliehen.

Föhringer Ring 6

Ricarda Huch – Schriftstellerin, Dichterin und Historikerin

Ricarda Huch (1864–1947) wuchs in Braunschweig auf und ging 1886 nach Zürich. Dort immatrikulierte sie sich 1888 an der Universität, studierte Geschichte, Philosophie und Philologie, promovierte und erhielt das Diplom für das höhere Lehramt. Anders als im Deutschen Reich war es Frauen in der Schweiz seit den 1860er Jahren möglich, Geisteswissenschaften zu studieren. In Zürich lernte sie auch die Biologin Marianne Plehn (1863–1946) kennen, die ab 1898 an der Königlichen Tierärztlichen Hochschule München Fischkrankheiten erforschte. 1910 wurde Plehn als einziger Frau an der späteren Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-MaximiliansUniversität die Ehrendoktorwürde verliehen.

Huch verfasste Gedichte, Romane sowie historische Darstellungen. Während des Nationalsozialismus emigrierte sie nicht, sondern lebte bis zu ihrem Tod 1947 zurückgezogen in Jena.

1965 wurde die städtische Mädchenmittelschule an der Wilhelmstraße 29 in Schwabing in Städtische RicardaHuch-Realschule umbenannt. Seit 1983 erinnert dort außerdem ein Bronzeabguss, gestaltet nach einer Marmorbüste aus der Zentralbibliothek in Zürich, an Ricarda Huch. Seit 1974 ehrt die Ricarda-Huch-Straße im Münchner Norden ihr literarisches Wirken.

Wilhelmstraße 29

Schweinchenbau

Direkt an der U-Bahnstation Giselastraße findet sich an der Leopoldstraße 13 der aufgrund seiner rosa Farbe „Schweinchenbau“ genannte Gebäudekomplex. In den Bau der architektonischen Postmoderne zwischen der Mensa des Studentenwerk Münchens und der Leopoldstraße zog 1985 auch die Fakultät für Psychologie und Pädagogik ein.

Neben der Mensa findet sich das Studentenwerk München, in dem auch die Studierendenvertretung (StuVe) untergebracht ist. Nachdem die verfasste Studentenschaft (Allgemeiner Studenten Ausschuss/AStA) mit dem bayerischen Hochschulgesetz 1973 abgeschafft worden war, gab es bis 2007 an dieser Adresse weiter einen AStA als Parallelmodell zur offiziellen Studierendenvertretung.

Leopoldstraße 13

Institut für Soziologie

Der an die Mensa grenzende kleine Leopoldpark führt in die Konradstraße, in der im Haus Nummer sechs seit 1963 das Institut für Soziologie (IfS) der LMU seinen Sitz hat. Das IfS zählt zu den angesehensten Einrichtungen des Faches in Deutschland. Als Vordenker der Soziologie in München zählt Max Weber (1864–1920), der 1919 den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der LMU übernahm, aber schon im nächsten Jahr verstarb. Weber gilt als einer der bedeutendsten soziologischen Den - ker und u.a. als Begründer der Herrschafts-, Wirtschafts- und Religionssoziologie. An seinem letzten Wohnort in der Seestraße 16 in München ist eine Gedenktafel für Max Weber angebracht. Auf Initiative des renommierten Soziologen Ulrich Beck (1944–2015) wurde 1998 der Max-Weber-Platz in München-Haidhausen zusätzlich dem gleichnamigen Soziologen gewidmet. Im Gebäude des IfS erinnert eine „Bildergalerie“ an weitere international bekannte Soziologen.

In der Konradstraße 11 lebte 1903 der Schriftsteller und spätere Literaturnobelpreisträger Thomas Mann 

Konradstraße 6

Ludwig Quidde Historiker, Pazifist und Friedensnobelpreisträger

2011 wurde am früheren Wohnhaus von Ludwig Quidde (1858–1941) in der Gedonstraße 4 eine Gedenktafel enthüllt. Die Landeshauptstadt München ehrte damit den Friedensaktivisten, der sich schon um 1900 im Deutschen Kaiserreich gegen Krieg und Militarismus engagierte. Seit Anfang der 1890er Jahre lebte und arbeitete der 1858 in Bremen geborene Quidde in München. Der promovierte Historiker war seit 1887 außerordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und organisierte 1893 den ersten deutschen Historikertag in München.

Für die bürgerlich-demokratische Deutsche Volkspartei wurde der Pazifist 1907 erstmals in den bayerischen Landtag gewählt. Im gleichen Jahr organisierte er den 16. Weltfriedenskongress in München. 

1924 wurde Quidde wegen Landesverrats angeklagt und kurzzeitig inhaftiert, nachdem er in einem Artikel die nach dem Versailler Vertrag unerlaubte Aufrüstung der deutschen Reichswehr aufgedeckt hatte. 1927 erhielt er den Friedensnobelpreis zusammen mit dem Franzosen Ferdinand Buisson für sein pazifistisches Lebenswerk und seinen Einsatz für die deutsch-französische Verständigung. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 floh er in die Schweiz. Auf Grund seines Engagements gegen die Kriegs- und Annektionspolitik des NS-Regimes wurde er von diesem 1940 offiziell ausgebürgert. 1941 starb Ludwig Quidde in Genf.


Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften

Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (MPG) ist eine der weltweit führenden nichtuniversitären Forschungseinrichtungen. Die derzeit 83 MaxPlanck-Institute (Stand 2016) widmen sich vorrangig dem Bereich der ressourcen- und zeitintensiven Grundlagenforschung in den Natur-, Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie kooperieren mit den Universitäten, arbeiten aber unabhängig. Die Finanzierung der MPG erfolgt überwiegend aus öffentlichen Mitteln von Bund und Ländern. 

In und um München befinden sich folgende Max-PlanckInstitute:

 Max-Planck-Institute in München:

  • • Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb
  • Max-Planck-Institut für Physik
  • Max-Planck-Institut für Psychiatrie
  • Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik 
  • Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen

Max-Planck-Institute in Martinsried

  • Max-Planck-Institut für Biochemie 
  • Max-Planck-Institut für Neurobiologie

Max-Planck-Institute in Garching 

  • Max-Planck-Institut für Astrophysik 
  • Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
  • Max-Planck-Institut für Plasmaphysik
  • Max-Planck-Institut für Quantenoptik

Berühmte Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft Die Liste der Auszeichnungen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft für ihre Forschung erhalten haben, ist lang. Seit ihrer Gründung 1948 erhielten 18 Wissenschaftler_innen der MPG den Nobelpreis. Und zwischen 1914 und 1948 wurden 15 Wissenschaftler der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, der Vorgängerorganisation der MPG, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Den Leibniz-Preis, den höchstdotierten deutschen Forschungspreis, der seit 1985 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehen wird, erhielten bis zum Jahr 2015 insgesamt 55 Forscher_innen der MPG. Folgende Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft mit Bezug zu München erhielten den Nobelpreis:

  • Feodor Lynen (1911–1979), Medizin 1964
  • Konrad Lorenz (1903–1989) und Karl von Frisch (1886–1982), zusammen mit Nikolaas Tinbergen (1907–1988), Medizin 1973
  • Georges Köhler (1946–1995), Medizin, 1984
  • Klaus-Olaf von Klitzing (1943), Physik 1985
  • Ernst Ruska (1906–1988), Physik 1986 
  • Johann Deisenhofer (1943) und Robert Huber (1937), zusammen mit Hartmut Michel: Chemie 1988
  • Erwin Neher (1944) und Bert Sackmann, Medizin 1991
  • Theodor Hänsch (1941), Physik 2005
  • Gerhard Ertl (1936), Chemie 2007

Folgende Wissenschaftler der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft aus München erhielten den Nobelpreis:

  • Max von Laue (1879–1960), Physik 1914
  • Richard Martin Willstätter (1872–1942), Chemie 1915
  • Max Planck (1858–1947), Physik 1918
  • Albert Einstein (1879–1955), Physik 1921
  • Werner Heisenberg (1901–1976), Physik 1932
  • Richard Johann Kuhn (1900–1967), Chemie 1938 
  • Adolf Butenandt (1903–1995), Chemie 1939
  • Otto Hahn (1879–1968), Chemie 1944

Die am 26. Februar 1948 in Göttingen gegründete MaxPlanck-Gesellschaft gilt auf Grund der zahlreichen institutionellen und personellen Verflechtungen zwar nicht rechtlich, aber de facto und in ihrem Selbstverständnis als Nachfolgeorganisation der 1911 gegründeten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (KWG), deren Institute nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach von der MPG übernommen wurden.

Zum Erbe der KWG gehören aber nicht nur die Übernahme und Fortführung ihrer Institute und wissenschaftlichen Verdienste, sondern auch die Verantwortung für die Rolle der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus. Es dauerte jedoch bis in die 1990er Jahre, bis sich die MPG dieser Verantwortung annahm. Diese sehr späte Auseinandersetzung ist keinesfalls ungewöhnlich, sondern im Gegenteil symptomatisch für die im Bereich der Wissenschaften  weit verbreitete Verdrängung der eigenen Verstrickungen in nationalsozialistische Verbrechen (e S. 37). Oft wurde diese bis heute in vielen Fällen nicht abgeschlossene Aufarbeitung durch externe Forscher_innen angestoßen. So beispielsweise auch im Fall des tief in den Apparat der NS- „Euthanasie“ eingebundenen Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung in Berlin. 

Zwischen 1940 und 1945 waren dort – ebenso wie an der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie in München, der Vorgängerorganisation des heutigen Max-Planck-Instituts für Psychiatrie – hunderte Gehirne untersucht worden von Opfern des Massenmords an Menschen mit Behinderungen oder psychischen Krankheiten. Die Präparate, die über die beteiligten Forscher in die Sammlungen des Max-PlanckInstituts für Hirnforschung in Frankfurt gelangt waren, wurden 1990 auf Beschluss der MPG in einer neu errichteten Gedenkstätte am Münchner Waldfriedhof (e S. 183) beigesetzt. 1997 schließlich berief der damalige Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Hubert Markl eine Kommission unabhängiger Historiker_innen ein, die „Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus“ zu untersuchen. Die Kommission beschäftigte sich unter anderem mit der Rüstungsforschung und der biowissenschaftlichen, medizinischen und psychiatrischen Forschung in den Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft sowie mit der Politik der Generalverwaltung, der Rolle einflussreicher Wissenschaftler und der Vertreibung jüdischer Wissenschaftler_innen. 2005 wurde das Projekt abgeschlossen. Die Ergebnisse der Kommission wurden mit insgesamt 28 Vorabdrucken, 18 Forschungsbänden und einem Gedenkbuch zur Erinnerung an die 104 aus politischen und/oder rassistischen Gründen vertriebenen Wissenschaftler_innen dokumentiert. Auf der Homepage der MPG wird zusammenfassend festgehalten: „[...] dass viele Wissenschaftler der Kaiser-WilhelmGesellschaft und die Verantwortlichen in der Generalverwaltung in vielfältiger Weise am NS-System Anteil gehabt hatten. Oft kooperierten Forscher bereitwillig und ohne Zwang mit dem NS-Staat, indem sie eigene Forschungsinteressen mit den politischen und militärischen Zielen des Regimes zum beiderseitigen Vorteil verbanden. In den meisten Kaiser-Wilhelm-Instituten waren die Übergänge zwischen wissenschaftlichen Interessen und der Einbindung in Politik und Zielsetzungen des NS-Regimes fließend. Vor allem in den Biowissenschaften überschritten Wissenschaftler eindeutig ethische Grenzen. Die Kaiser-Wilhelm-Institute (KWI) für Hirnforschung und für Psychiatrie bezogen menschliche Präparate aus ‚Euthanasie‘-Tötungsanstalten. Wissenschaftler des KWI für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik, allen voran dessen Gründungsdirektor Eugen Fischer, bekannten sich bereits 1933 ideologisch zur nationalsozialistischen Rassenpolitik und unterstützten diese, indem sie an entsprechenden Gesetzesvorlagen mitarbeiteten und an der Vermittlung der Rassenideologie an Juristen, Ärzte und Pfleger aktiv mitwirkten. Der spätere Direktor des KWI für Anthropologie, Otmar von Verschuer, unterhielt ab 1942 gute Kontakte zum Lagerarzt von Auschwitz Josef Mengele und bezog über ihn gezielt Blutproben sowie Präparate von im KZ ermordeter Menschen.“ Außerdem wird festgestellt, dass die Vertreibung der jüdischen Wissenschaftlerinnen ab 1933 „ohne größeren Widerstand der Verantwortlichen in der Generalverwaltung und an den Instituten, aber auch der meisten Mitarbeiter“ erfolgt war. 

Einer der Wissenschaftler der KWG, dessen Verstrickung mit der NS-Ideologie und dem NS-Regime untersucht wurde, war der Nobelpreisträger und spätere Präsident der MPG Adolf Butenandt. Seine Rolle im Nationalsozialismus kann nicht abschließend geklärt werden – nicht zuletzt, weil er selbst wichtige Akten beseitigte. Gesichert ist, dass der national-konservative Butenandt 1936 der NSDAP beitrat und an medizinisch-militärischen Forschungsprojekten beteiligt war. Hinweise auf eine antisemitische Grundhaltung Butenandts dagegen gibt es nicht. Nach dem Krieg half er, Kollegen vom Nazismusvorwurf freizuwaschen. Robert N. Proctor kommt in Hinblick auf seine Haltung nach 1945 zu folgender Einschätzung: „Butenandt hat dazu beigetragen, eine neue Konzeption von Wissenschaft populär zu machen, der zufolge Wissenschaft a priori mit politischer Unschuld gleichzusetzen sei. In diesem Sinne hat er dazu beigetragen, die Bemühungen der Nachkriegszeit zu vereiteln, die Mittäterschaft der Wissenschaft bei den Verbrechen der Hitler-Ära aufzuklären, strafrechtlich zu verfolgen und ‚Wiedergutmachung‘ zu leisten.“

Obwohl die von der MPG in Auftrag gegebene Untersuchung der vielfältigen Verstrickungen der KWG mit dem NS-Regime und der NS-Ideologie als vorbildhaft gelten kann, ist sie nach wie vor nicht abgeschlossen. Dies zeigte beispielsweise das Auftauchen weiterer menschlicher Hirnschnitte im Archiv der MPG in Berlin im Frühjahr 2015, die im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programm stehen. Der Präsident der MPG veranlasste daraufhin eine erneute Untersuchung, die Direktoren des Max-PlanckInstituts für Hirnforschung bekannten sich in einer Stellungnahme zu einer Politik der „Umfassenden Transparenz im Umgang mit der eigenen Geschichte“ und veranlassten im Frühjahr 2016 eine Gesamtrevision ihrer PräparateSammlungen. 


Der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann

Wilhelm Conrad Röntgen, Joseph von Utzschneider, Max von Pettenkofer, Joseph von Fraunhofer, Max Planck, Carl Friedrich Philipp von Martius, Karl Maximilian von Bauernfeind, Franz von Kobell, Albert Einstein, Max Weber – die Namen der Mitglieder der Bayerischen Akademie der Wissenschaften lesen sich wie das Who is Who der bayerischen und deutschen Wissenschafts- und Kulturgeschichte. 1759 von Kurfürst Maximilian III. Joseph gegründet, ist die Bayerische Akademie der Wissenschaften von Beginn an ein außeruniversitäres Forschungs- und Wissenschaftszentrum, das wissenschaftlichen Austausch, interdisziplinäre Zusammenarbeit und langfristig angelegte Grundlagenforschung in den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften ermöglicht. Die Mitglieder der Gelehrtengemeinschaft gehören vier Sektionen an:

  • Sektion I  – Geistes- und Kulturwissenschaften,  •
  • Sektion II – Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften,
  •  Sektion III – Naturwissenschaften, Mathematik, Technikwissenschaften,
  • Sektion IV – Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Medizin.

Die Zahl der Mitglieder ist auf 30 ordentliche (mit Dienstoder Wohnsitz in Bayern) und 30 korrespondierende Mitglieder (mit Wohnsitz außerhalb Bayerns) je Sektion begrenzt. Mitglieder, die das 70. Lebensjahr überschritten haben, werden hier nicht eingerechnet. 

Seit Gründung der Akademie erhielten zahlreiche Akademiemitglieder Auszeichnungen für ihre Verdienste um die Wissenschaft: 

  • Nobelpreis: 77 Akademiemitglieder
  • Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst: 247 Akademiemitglieder
  • Orden Pour le Mérite: 278 Akademiemitglieder
  • Gottfried Wilhelm Leibniz Preis: 27 Akademiemitglieder
  • Balzan-Preis: 11 Akademiemitglieder

Neben ihrem Hauptsitz in der Münchner Residenz betreibt die Bayerische Akademie der Wissenschaften das LeibnizRechenzentrum (LRZ) und das Walther-Meißner-Institut für Tieftemperaturforschung (WMI) in Garching. 

Im Münchner Stadtbild finden sich viele Hinweise auf die bekannten und auch auf die weniger bekannten Mitglieder der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Die MaxPlanck-Gesellschaft, die Fraunhofer Gesellschaft (e S. 18) und diverse Institute der Ludwig-MaximiliansUniversität sowie das Albert-Einstein-Gymnasium in Harlaching und das Max-Planck-Gymnasium in Pasing sind nach Akademiemitgliedern benannt. Ein weiterer Ort, an dem an zahlreiche Akademiemitglieder erinnert wird, ist die Ruhmeshalle oberhalb der Theresienwiese. 

Hier befindet sich auch die Portraitbüste ihres Gründungspräsidenten Sigmund Graf von Haimhausen.

Darüber hinaus erinnern Denkmäler, Gedenk- und Grabtafeln, Brunnen und etwa 220 der rund 6000 Münchner Straßennamen an Mitglieder der Akademie.

Am Maximiliansplatz stehen sich die Denkmäler zweier Akademiepräsidenten gegenüber.

  • Denkmal für Max von Pettenkofer (1818 –1901), Chemiker und Hygieniker, Präsident der Akademie von 1890 –1899, das Denkmal wurde 1909 von dem Bildhauer Wilhelm von Rümann fertiggestellt.
  • Denkmal für Justus von Liebig (1803–1873), Chemiker, Präsident der Akademie von 1859 bis 1873, das Denkmal wurde 1883 vom Bildhauer Michael Wagmüller geschaffen.

Seit April 2009 befindet sich eine Büste von Therese Prinzessin von Bayern (1850 –1925) in der Ruhmeshalle oberhalb der Theresienwiese. Bereits 1892 wurde sie auf Grund ihrer wissenschaftlichen Verdienste als Ehrenmitglied aufgenommen. Auf ausgedehnten Forschungsreisen hatte sie umfangreiche botanische, zoologische und ethnologische Sammlungen aufgebaut, die sich heute u.a. in der Zoologischen Staatssammlung und im Museum Fünf Kontinente befinden. 1897 wurde ihr von der Universität München – zu einem Zeitpunkt, zu dem Frauen das Studium an der Universität noch verwehrt wurde – als erster Frau die Ehrendoktorwürde verliehen. Therese Prinzessin von Bayern war und ist bis heute das einzige weibliche Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Um zu klären, ob eine Frau als Ehrenmitglied aufgenommen werden kann, wurde eigens ein Rechtsgutachten angefertigt. 1936 wurden mit der klassischen Philologin und Papyrologin Medea Norsa erstmals eine Frau als korrespondierendes Mitglied und 1995 mit der Linguistin Johanna Narten erstmals eine Frau als ordentliches Mitglied in die Akademie aufgenommen. Inzwischen (Stand Dezember 2016) gehören der Akademie 13 weibliche ordentliche Mitglieder (gesamt: 178) an, ebenfalls 13 der korrespondierenden Mitglieder (gesamt: 131) sind weiblich. Unter den 19 außerordentlichen Mitgliedern sind 11 Frauen. 

Von 1783 bis 1944 befand sich der Sitz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Wilhelminum, dem ehemaligen Kollegiengebäude des Jesuitenordens an der Neuhauser Straße 51 (Aufnahme o.J.). In der Nacht auf den 25. April 1944 wurden das Gebäude sowie weite Teile der Münchner Innenstadt während eines Bombenangriffes nahezu vollständig zerstört. Nach diversen Notunterkünften und Provisorien konnte die Akademie in ihrem Jubiläumsjahr 1959 schließlich ihr neues Domizil im Nordostflügel der Münchner Residenz beziehen.

 

Alfon-Goppel-Straße 0

Bayerische Staatsbibliothek

Über 10 Millionen Bände und rund 63.000 laufende gedruckte und elektronische Zeitschriften (Stand 2014) – die Bayerische Staatsbibliothek in der Ludwigstraße 16 ist die zentrale Archiv- und Landesbibliothek des Freistaates Bayern. Sie gehört zu den bedeutendsten Forschungs- und Universalbibliotheken in Europa. Zusammen mit der Staatsbibliothek Berlin sowie der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt und Leipzig teilt sie sich die klassischen nationalbibliothekarischen Aufgaben. Gemeinsam bilden sie die virtuelle Nationalbibliothek Deutschlands. 

Gegründet wurde die Bibliothek im Jahr 1558 von Herzog Albrecht V. als Hofbibliothek der Wittelsbacher durch den Ankauf der Privatbibliothek des österreichischen Kanzlers und Orientalisten Johann Albrecht Widmannstetter. 1571 konnte außerdem die Bibliothek des Augsburgers Johann Jakob Fugger erworben werden. In den kommenden Jahrzehnten folgten diverse weitere Ankäufe, so dass die Bibliothek, als sie im Jahr 1663 erstmals ein Pflichtexemplarrecht für bayerische Publikationen erhielt, bereits zu den größten Bibliotheken Europas zählte. Und als 1802/03 die Klöster und geistlichen Fürstentümer in Landeshoheit übergingen, wuchs der Bibliotheksbestand um 450.000 Bände und 18.600 Handschriften. 1803/04 wurde die 100.000 Bände umfassende kurpfälzische Hofbibliothek des Kurfürsten Karl Theodor von Mannheim nach München überführt. 

Diese im Zuge der Säkularisierung gewaltige Zunahme der Bibliotheksbestände musste in den folgenden Jahrzehnten bewältigt werden. Der Germanist und bayerische Sprachforscher Johann Andreas Schmeller (1785–1852) wurde 1829, dem Jahr, in dem er zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (e S. 81) gewählt wurde, zum Kustos der Bibliothek ernannt. Als Betreuer der Handschriftensammlung inventarisierte er in den folgenden Jahren 27.000 Handschriften. 

Bereits 1827 erhielt Friedrich von Gärtner von Ludwig I. den Auftrag zur Planung eines repräsentativen Gebäudes für die Bibliothek. Nachdem verschiedene Standorte wie beispielsweise die Ludwigstraße 1 oder der Königsplatz verworfen und die Planungen 1831 abgeschlossen worden waren, erfolgte die Grundsteinlegung am 8. Juli 1832. Nach gut zehn Jahren Bauzeit konnte der Bibliotheksbau 1843 fertiggestellt werden. Er galt lange als modernstes Bibliotheksgebäude der Welt. Um 1900 schließlich öffnete sich die Bibliothek zunehmend dem Publikumsverkehr – die Zugänge wurden liberalisiert und die Öffnungszeiten verlängert. Im Revolutionsjahr 1919 wurde die Münchner Hofbibliothek in Bayerische Staatsbibliothek umbenannt. 

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude zu 85 Prozent zerstört. Obwohl ein Teil der Bestände zuvor ausgelagert worden war, wurden 500.000 Bände vernichtet. Bereits 1946 wurde mit dem Wiederaufbau und der Rückführung der ausgelagerten Bestände begonnen. Der Erweiterungsbau an der Ostseite konnte 1966 fertiggestellt und der wiederaufgebaute Südflügel 1970 eingeweiht werden. 

In den 1970er Jahren begann allmählich die elektronische Katalogisierung der Bestände. 1993 wird der elektronische Benutzerkatalog (OPAC) über das Internet bereitgestellt. Seit 2005 ist der gesamte Druckschriftenbestand der Bayerischen Staatsbibliothek online abfragbar. Seit 2007 besteht eine Kooperation zwischen der Bayerischen Staatsbibliothek und Google zur Digitalisierung des gesamten urheberrechtsfreien Bibliotheksbestandes. Inzwischen sind über eine Million Bände digitalisiert (Stand 2014).

Mit mehr als 90.000 Handschriften verfügt die Bayerische Staatsbibliothek (Aufnahme von 2013) über eine der größ- ten und wichtigsten Handschriftensammlungen. Ihre 20.000 Inkunablen (Wiegendrucke; im 15. Jahrhundert mit beweglichen Lettern gedruckte Bücher und Einblattdrucke) umfassende Sammlung ist die weltweit größte ihrer Art.

An der Freitreppe vor dem Eingangsportal der Bayerischen Staatsbibliothek (Aufnahme von 1998) befinden sich vier von Ludwig von Schwanthaler entworfene überlebensgroße Statuen. Die ursprünglichen Figuren wurden während des Zweiten Weltkrieges so schwer beschädigt, dass es sich heute um Nachbildungen verschiedener Künstler handelt. Von den Münchner_innen werden sie „Die vier heiligen Dreikönige“ genannt. Von links: Thukydides – der Begründer der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung, Homer – der Dichter der Ilias und der Odyssee, Aristoteles – der griechische Philosoph und Lehrer Alexanders des Großen und Hippokrates – der berühmteste Arzt der Antike. Sie sollen die Vielfalt der Wissenschaften symbolisieren, deren Literatur in der Bibliothek, vor deren Türen sie sitzen, gesammelt wird.

Ludwigstraße 0

Ludwig-Maximilians-Universität

Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ist mit rund 50.000 Studierenden und etwa 200 Studiengängen eine der größten Universitäten Deutschlands (Stand 2016). Etwa 750 Professor_innen lehren an 18 Fakultäten. Das wissenschaftliche Spektrum der LMU reicht von den Geistes- und Kulturwissenschaften, den Naturwissenschaften sowie der Medizin bis zu den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 

Gegründet wurde die LMU 1472 in Ingolstadt durch Herzog Ludwig den Reichen als erste Universität Altbayerns. Im Jahr 1800 veranlasste Kurfürst Max IV. Joseph die Verlegung der Universität nach Landshut. Bei der Installationsfeier 1802 bekam die Universität ihren heutigen Namen: Ludovico Maximilianea beziehungsweise Ludwig-Maximilians-Universität – nach ihrem Gründer Herzog Ludwig IX. und nach dem für den Umzug verantwortlichen Kurfürsten, dem späteren ersten König Bayerns Maximilian I. Joseph. 

Kurz nach seinem Amtsantritt 1825 veranlasste König Ludwig I. die Verlegung der Universität nach München. Bereits im November 1826 konnte die LMU ihr vorübergehendes Domizil, die Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs – St. Michael und Wilhelminum – in der heutigen Neuhauser Straße beziehen. 14 Jahre später, am 25. August, dem Geburts- und Namenstag von König Ludwig I., bezog die Universität ihr neues Hauptgebäude, das von 1835 bis 1840 nach den Plänen von Friedrich von Gärtner errichtet worden war. 

Der wachsende Bedarf an Akademikern begünstigte im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts ein Klima, in dem sich die Wissenschaften auch mit Hilfe staatlicher Förderung ausdifferenzieren und entfalten konnten. Bedeutende Wissenschaftler wie der Historiker Joseph Görres (1776 –1848), der Philosoph Friedrich Schelling (1775 –1854), der Hygieniker Max von Pettenkofer (1818 –1901) oder der Chemiker Justus von Liebig (1803 –1873) wurden an die LMU berufen, zahlreiche Seminare und Lehrstühle eingerichtet und neue Institute und Kliniken gegründet. Verteilt über das Stadtgebiet entstanden diverse neue Standorte, unter anderem das Klinikviertel am Sendlinger Tor und die Chemischen Institute an der Sophienstraße. Die Geisteswissenschaften blieben im Hauptgebäude der Universität unter - gebracht, das um 1900 in mehreren Schritten ausgebaut und erweitert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Großteil der Gebäude der LMU schwer beschädigt oder vollständig zerstört. 

Kurzfristige Überlegungen, die Universität am Stadtrand Münchens vollständig neu zu errichten, wurden jedoch verworfen und die Gebäude in der Innenstadt wieder aufgebaut. Im Zuge der Erweiterung und des zunehmenden Platzbedarfs wurden in den folgenden Jahrzehnten allerdings verschiedene Bereiche und Fakultäten der Universität an den Stadtrand verlegt oder dort neu aufgebaut. So entstand ab 1967 an der südwestlichen Stadtgrenze Münchens das Klinikum Großhadern. 1972 eröffnete das Beschleunigungslabor der Sektion Physik in Garching (e S. 47), das aus einer Kooperation mit der TU München hervorgegangen war. In Garching befinden sich inzwischen auch verschiedene Institute und Labore der Fakultät für Physik der LMU. 2009 wurde das Biozentrum der LMU in Martinsried fertiggestellt. Dort auf dem HighTechCampus Großhadern/Martinsried ist der Großteil der Natur- und Lebenswissenschaften der LMU angesiedelt – in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Max-Planck-Instituten für Biochemie und Neurobiologie sowie dem Helmholtz Zentrum München.

Herausragende Wissenschaftler_innen an der LMU
Niemand wurde so oft – insgesamt 81 mal – für den Nobel - preis vorgeschlagen wie der Physiker Arnold Sommerfeld (1868 –1951), erhalten hat er ihn allerdings nie. Folgende Nobelpreisträger führt die LMU auf ihrer Internetseite auf: 

  • Wilhelm Conrad Röntgen (1845 –1923), Physik 1901
  • Adolf von Baeyer (1835 –1917), Chemie 1905
  • Wilhelm Wien (1864 –1928), Physik 1911
  • Max von Laue (1879 –1960), Physik 1914
  • Richard Willstädter (1872 –1942), Chemie 1915
  • Heinrich Wieland (1877 –1957), Chemie 1927
  • Werner Heisenberg (1901 –1976), Physik 1932
  • Adolf Butenandt (1903 –1995), Chemie 1939
  • Feodor Lynen (1911 –1979), Medizin 1964
  • Karl Ritter von Frisch (1886 –1982), Medizin 1973
  • Ernst Otto Fischer (1918 –2007), Chemie 1973
  • Theodor W. Hänsch (1941), Physik 2005 
  • Gerhard Ertl (1936), Chemie 2007

Entwicklung der Studierendenzahlen an der LMU
Von wenigen Ausnahmen abgesehen stieg die Zahl der Studierenden der Universität kontinuierlich an. Im Jahr ihrer Gründung 1472 in Ingolstadt waren rund 800 Studenten eingeschrieben. In der folgenden Zeit studierten jährlich etwa 300 bis 500 Studenten an der Universität. Während der 26 Jahre in Landshut lag die Zahl der Studierenden im Schnitt zwischen 500 und 600 und nach dem Umzug nach München 1826 bei etwa 1000 Personen. Im Zuge der Cholera-Epidemien Mitte des 19. Jahrhunderts sank die Zahl der Studierenden vorübergehend. 1900 waren rund 4600 Personen und 1914 etwa 7000 Studenten eingeschrieben. Nach Ende des Ersten Weltkrieges stieg die Zahl der Studierenden weiter an und erreichte im Wintersemester 1921/22 mit über 9000 eingeschriebenen Student_innen einen vorübergehenden Höhepunkt. 

In Folge der Machtübergabe an die Nationalsozialisten und deren Eingriffe in die Universität sank die Zahl der Studierenden deutlich. 1935 waren rund 5500 Personen an der LMU eingeschrieben und nach einem kurzfristigen Anstieg zu Kriegsbeginn auf rund 6700 Studierende waren zwischen 1941 bis 1944 durchschnittlich zwischen 3000 und 4000 Personen eingeschrieben. 

Nach der Wiedereröffnung der Universität am 23. Juli 1946 stieg die Zahl der eingeschriebenen Student_innen rasch an. 1949 waren es bereits rund 10.000 Student_innen und 1973 rund 28.500. Im Wintersemester 2009/10 waren über 45.000 und im Jahr 2015 über 50.000 Student_innen an der LMU immatrikuliert. 

Frauen an der LMU
Bis 1903 durften Frauen nur in Ausnahmefällen an der Ludwig-Maximimilians-Universität studieren. Die Satzung der königlich-bayerischen Universitäten bezog sich allgemein auf Studierende und bot damit keine Handhabung, Frauen grundsätzlich vom Studium auszuschließen. Wollte eine Frau eine Vorlesung besuchen, musste sie allerdings eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Sie erhielt dann den Status einer Hörerin. 1897 wurde der Forschungsreisenden Therese Prinzessin von Bayern, die seit 1892 auf Grund ihrer wissenschaftlichen Verdienste Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften war, als erster Frau die Ehrendoktorwürde der LMU verliehen. Wenig später wurden im Jahr 1900 mit der Schottin Maria Ogilvie-Gordon und der Australierin Agnes Kelly zwei Naturwissenschaftlerinnen, die beide zuvor in England studiert hatten, an der philosophischen Fakultät der Universität promoviert. Seit 1903 wurde es Frauen schließlich erlaubt, sich als Studentinnen an der LMU voll zu immatrikulieren. 

Die ersten Studentinnen, die sich ab 1903 an der LMU immatrikulieren, stammten vor allem aus dem gehobenen oder mittleren Bürgertum. Im Wintersemester 1905/06 sind 53 Studentinnen an der LMU eingeschrieben – rund ein Prozent aller Studierenden der Universität. Im Wintersemester 1918/19 sind es knapp 14 Prozent weibliche Studierende. Heute liegt der Anteil der Studentinnen bei etwa 60 Prozent aller Studierenden (Stand 2015), wobei dieser Anteil je nach Studienrichtung stark schwankt. Unter den an der LMU beschäftigten Professor_innen sind Frauen mit einem Anteil von etwa 20 Prozent nach wie vor stark unterrepräsentiert. Bei den am höchsten eingruppierten W3/C4-Professuren liegt der Frauenanteil sogar nur bei knapp 16 Prozent (Stand 2014). 

Maria Ogilvie-Gordon (1864–1939, Aufnahme von 1900) war eine schottische Geologin und Paleontologin. 1890 schloss sie ihr Studium der Geologie, Botanik und Zoologie in London und Edinburgh ab. In Berlin und München war ihr ein reguläres Studium verwehrt worden. Mit ihrer Arbeit „Die Geologie der Wengener und St. Cassianer Schichten in Südtirol“ wurde sie schließlich an der Universität London promoviert. Im Jahr 1900 waren sie und die Australierien Agnes Kelly die ersten Frauen, die an der LMU promoviert wurden.

Die Ludwig-Maximilians-Universität in den Jahren 1933–1945
Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 hatte unmittelbaren Einfluss auf die Universitäten, die rasch nach nationalsozialistischen Vorstellungen umgestaltet wurden. Der Anteil jüdischer Studierender wurde stark reglementiert, der Zugang von Frauen zum Studium begrenzt und die Lehre gemäß der NS-Ideologie ausgerichtet. Jüdische und politisch unliebsame Personen wurden aus dem Lehrkörper entfernt – bis 1939 wurde etwa die Hälfte der Lehrstühle an der LMU neu besetzt. Bis 1945 wurden über 150 von der Universität verliehene Doktortitel jüdischen Wissenschaftler_innen und Gegner_innen des NS-Regimes entzogen. All diese Maßnahmen stießen auf keine grundsätzliche Gegenwehr. Reaktionäre, antisemitische und völkische Vorstellungen waren an der LMU sowohl im Lehrkörper als auch unter den Studierenden schon vor 1933 weit verbreitet. Bereits 1919 weigerte sich der Senat der Universität, die neue Reichsverfassung mit einer Feier zu ehren. Die erste außerordentliche Professur für „Rassenhygiene“ in Deutschland wurde 1923 an der LMU eingerichtet und 1933 in ein Institut umgewandelt. Wegen des zunehmenden Antisemitismus trat 1925 der Chemiker und Chemie Nobelpreisträger Richard Willstädter als Ordinarius zurück, u.a. weil einige Professoren, insbesondere der Physiker Wilhelm Wien in Berufungsfragen rassistischen Gesichtspunkten einen höheren Stellenwerk einräumten als wissenschaftlichen Erwägungen. 1927 gestaltete Rektor Karl Vossler, anders als in den vorangegangenen Jahren, die Reichsgründungsfeier als eindeutiges Bekenntnis zur Verfassung der Weimarer Republik, woraufhin Teile des Lehrkörpers und der Studierenden die Feier boykottierten. Wiederholt kam es in diesen Jahren zu Auseinandersetzungen und Tumulten. Nach dem Vorbild von Polizei und Justiz reagierte der Senat der Universität mit Härte gegen linksgerichtete Studierende und Nachsicht gegenüber rechtsextremen Straftätern. Die Vorlesungen des jüdischen Professors und Staatsrechtlers Hans Nawiasky wurden beispielsweise 1931 so heftig angegriffen und Studierende zusammengeschlagen, dass die Universität nach der Räumung durch die Polizei eine Woche lange geschlossen blieb. 

Eine der treibenden Kräfte dieser gewaltätig aufgeladenen Stimmung war der bereits 1926 gegründete Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB), der ab 1930 den ersten Vorsitzenden des Allgemeinen Studenten Ausschuss (AstA) stellte. Am 10. Mai 1933 war die LMU Ausgangspunkt für die öffentlich inszenierte „Bücherverbrennung“ auf dem Königsplatz, die maßgeblich vom NSDStB organisiert worden war. 

Wenige Wochen nach der Bücherverbrennung erklärte der Senat der Universität im Juli 1933 offiziell seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem NS-Regime. Am 3. April 1935 traten die „Richtlinien zur Vereinheitlichung der Hochschulverfassung“ in Kraft, mit denen das „Führerprinzip“ an den Universitäten festgeschrieben wurde. 1941 wurde der Indologe und Präsident der nationalsozialistischen „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ Walther Wüst zum „Führer-Rektor“ ernannt. In Folge dieser Ernennung wurden Forschung und Lehre noch stärker als bereits in den vorangegangenen Jahren von der nationalsozialistischen Ideologie durchdrungen. 

Nur vereinzelt regte sich an der LMU Widerstand gegen das NS-Regime. Das bekannteste Beispiel ist die Widerstandsgruppe „Weisse Rose“*, ein Freundeskreis um die Studenten Hans Scholl und Alexander Schmorell. Insgesamt verfasste und verteilte die Gruppe sechs Flugblätter. Während die ersten vier Flugblätter noch mit „Flugblätter der Weissen Rose“ betitelt waren, sollte das sechste und letzte Flugblatt, das mit „Kommilitoninnen! Kommilitonen!“ überschrieben war, gezielt die Studentinnen und Studenten der Münchner Universität mobilisieren. Den Text verfasste Kurt Huber, Professor für Philosophie an der LMU. Dort heißt es: „Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den Parteigliederungen, in denen man uns politisch weiter mundtot halten will! Heraus aus den Hörsälen der SS-Unter- oder -Oberführer oder Parteikriecher! Es geht uns um wahre Wissenschaft und echte Geistesfreiheit! Kein Drohmittel kann uns schrecken, auch nicht die Schliessung unserer Hochschulen. Es gilt den Kampf jedes einzelnen von uns um unsere Zukunft, unsere Freiheit und Ehre in einem seiner sittlichen Verantwortung bewussten Staatswesen.“ 

Am 18. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl beim Verteilen des Flugblattes an der Universität verhaftet. Die Mitglieder der „Weissen Rose“ wurden vor dem Volksgerichtshof angeklagt und zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Christoph Probst, Hans und Sophie Scholl wurden im Februar 1943, Kurt Huber und Alexander Schmorell im Juli 1943 und Willi Graf im Oktober 1943 hingerichtet. 

Bereits seit 1946 erinnert eine Gedenktafel an den Widerstand der „Weissen Rose”. Es folgten u.a. die Benennung des Geschwister-Scholl-Platzes und des Professor-Huber-Platzes, ein BronzeRelief, in den Boden eingelassene Flug - blätter und 1997 die Eröffnung der „DenkStätte Weiße Rose”. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der LMU in der NS-Zeit dagegen dauerte deutlich länger. 2002 initiierte die LMU ein Forschungsprojekt zur systematischen Untersuchung der Geschichte der LMU im National - sozialismus. Inzwischen liegen zwei Aufsatzbände zur „Universität München im Dritten Reich“ vor. 


Technische Universität München

Die Technische Universität München (TUM oder TU Mün - chen) ist die einzige technische Universität in Bayern und eine der größten Technischen Hochschulen Deutschlands. 528 Professor_innen lehren und forschen an den 14 Fakultäten der Universität. Im Wintersemester 2015/16 waren über 39.000 Student_innen eingeschrieben.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Voraussetzungen für eine akademische Ingenieursausbildung geschaffen. In Bayern waren 1833 „Polytechnische Schulen“ in Augsburg, Nürnberg und München eingerichtet worden, eingruppiert als „Lyzeen“ zwischen Mittel- und Hochschule. Nachdem eine an der wenige Jahre zuvor nach München umgesiedelten Ludwig-Maximilians-Universität eingerichtete „Technische Hochschule“ wenig erfolgreich war, wurde 1840 an der Polytechnischen Schule München ein weiterführender Ingenieurskurs angeboten. Damit war die Grundlage der späteren Technischen Hochschule München gelegt. 1868 schließlich gründete König Ludwig II. die als Hochschule reorganisierte „Polytechnische Schule München“. 1877 wurde ihr der Rang einer „Technischen Hochschule“ zuerkannt und knapp 100 Jahre später wurde sie 1970 in „Technische Universität“ umbenannt.

In Bayern hat die TUM mit München, Garching und Weihenstephan drei große Standorte. International hat die TUM Vertretungen in Brüssel, Peking, Kairo, São Paulo, Mumbai und San Francisco. Als erste deutsche Universität eröffnete die TUM 2002 eine eigene Dependance im Ausland: die TUM Asia in Singapur. Hinzu kommen unzählige internationale Kooperationen. 

Innerhalb von München ist die TUM an drei Standorten präsent: Der Innenstadt-Campus auf dem historischen Stammgelände an der Arcisstraße beheimatet das Hochschulpräsidium sowie die Fakultäten für Architektur, für Bau Geo Umwelt, für Elektrotechnik und Informationstechnik und für Wirtschaftswissenschaften. In unmittelbarer Nähe befindet sich außerdem die Fakultät für Lehrerbildung und Bildungsforschung, die TUM School of Education.

Am Olympiapark befindet sich die Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften und zu den Universitätskliniken der TUM gehören das Klinikum rechts der Isar, wo auch die Fakultät für Medizin angesiedelt ist, sowie das Deutsche Herzzentrum München und die Klinik am Biederstein. 

Herausragende Wissenschaftler an der TUM

Die TU München hat eine Reihe namhafter Wissenschaft - ler_innen, Architekt_innen, Ingenieur_innen und Unterneh - mer_innen hervorgebracht. Unter ihnen Ingenieure und Erfinder wie Rudolf Diesel und Carl von Linde, der Architekt und Maler Friedrich von Thiersch, der Bauingenieur und Begründer des Deutschen Museums ( e S. 19f.) Oskar von Miller. Aus dem Professorenkollegium und den Alumni der Technischen Universität München sind bisher 13 Nobel - preisträger hervorgegangen: 

  • • Heinrich Otto Wieland (1877 –1957), Chemie 1927
  • Hans Fischer (1881 –1945), Chemie 1930 ( e S. 58) 
  • Rudolf Ludwig Mößbauer (1929 –2011), Physik 1961
  • Konrad Bloch (1912 –2000), Medizin 1964
  • Ernst Otto Fischer (1918 –2007), zusammen mit Geoffrey Wilkinson: Chemie 1973
  • Klaus-Olaf von Klitzing (* 1943), Physik 1985 • Ernst Ruska (1906 –1988), Physik 1986
  • Robert Huber (1937) und Johann Deisenhofer (1943), zusammen mit Hartmut Michel, Chemie 1988
  • Wolfgang Paul (1913 –1993), zusammen mit Professor Hans G. Dehmelt, Physik 1989
  • Erwin Neher (* 1944), zusammen mit Professor Bert Sackmann, Medizin 1991
  • Wolfgang Ketterle (* 1957), zusammen mit Eric A. Cornell und Carl E. Wieman, Physik 2001
  • Gerhard Ertl (* 1936), Chemie 2007

Frauen an der TU München

„Innerhalb der Ingenieurwissenschaften hat der Frauenanteil bei den Studierenden dieses Jahr erstmals die 50 ProzentMarke erreicht, wobei nach wie vor die Architektinnen und Bauingenieurinnen den Löwenanteil ausmachen. In der Elektrotechnik studieren derzeit 35 Prozent Studentinnen, im Maschinenwesen sind es 31 Prozent. Der Anteil der Professorinnen hat sich seit 2007 verdreifacht. Die paritätische Verteilung unter den Studierenden spiegelt sich auch in den Gremien und Ämtern der TUM wider. Das Präsidium besteht zur Hälfte aus Frauen, viele Fakultäten haben seit Jahren Dekaninnen und 2019 wurde erstmals eine Frau an die Spitze der TUM gewählt.“ Im Jahr 2022 – so die Vision der Verfasser_innen dieses Textes, der im Jahr 2007 in einer Broschüre der Universität veröffentlicht wurde – hat die TU München ihr Ziel erreicht, „Deutschlands frauenfreundlichste technische Universität zu werden“. Diese Vision ist im Jahr 2017 zwar noch nicht umgesetzt, dennoch konnte der Frauenanteil unter den Studierenden und Professor_innen in den letzten Jahren zum Teil deutlich gesteigert werden. Während 1995 nur 3 Wissenschaftlerinnen im Professorenkollegium waren, sind es heute fast 90 Professorinnen, also 17 Prozent des Kollegiums. Unter den Studierenden waren im Wintersemester 2015/16 34 Prozent der insgesamt mehr als 39.000 Studierenden an der TUM weiblich. Der Anteil der Studentinnen  ag im Fach Architektur bei 55 Prozent und im Fach Mathematik bei 32 Prozent. In Informatik waren es 18 Prozent weibliche Studierende und im Maschinenwesen ebenso wie in Elektrotechnik und Informationstechnik 15 Prozent. 

Die erste dokumentierte Hörerin an der Technischen Hochschule München war 1899 für zwei Semester im Fach Mathematik Thekla Freytag aus Berlin. Frauen durften zu diesem Zeitpunkt nur mit persönlicher Befürwortung eines Professors an den Vorlesungen teilnehmen. Erst im Jahr 1905 erlaubte das Königreich Bayern eine reguläre Immatrikulation von Frauen an einer technischen Hochschule. Die erste regulär immatrikulierte Studentin der THM war Agnes Mackensen, die 1915 als erste diplomierte Architektin ihr Studium mit Auszeichnung abschloss. Im Fach Elektrotechnik war Anna Helene Boyksen die erste eingeschriebene Studentin an der THM. 1908 bestand sie das Vordiplom, studierte Volkswirtschaft und Jura und promovierte in Erlangen. Die TU München hat das Anna Boyksen Fellowship nach ihr benannt, ein Forschungsstipendium, „das an herausragende internationale Wissenschaftler/innen vergeben wird, die zusammen mit Forschern und Forscherinnen der TUM genderund diversity-relevanten Fragestellungen nachgehen wollen.“

Im Jahr 1910 studierten insgesamt 17 Frauen an der THM und 1931 waren im Wintersemester 101 Studentinnen immatrikuliert. 1941 schließlich habilitierte sich Liesel Beckmann (1914–1965) als erste Frau an der THM im Bereich Handwerkswirtschaft. 1946 wurde sie zur ersten außerplanmäßigen außerordentlichen Professorin der THM ernannt. Die TU München erinnert an sie mit dem jährlichen LieselBeckmann-Symposium, das neue Aspekte und Inhalte für die Gender- und Diversityforschung an der TUM generieren und die interne und externe Vernetzung fördern soll. 

Die Technische Hochschule zwischen 1933 und 1945

Ab 1930 war der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund zur stärksten Fraktion an der Technischen Hochschule aufgestiegen. Unter den Ordinarien der THM gab es zu dieser Zeit allerdings nur ein einziges Mitglied der NSDAP. Bis zum Mai 1933 trat jedoch beinahe jeder fünfte Hochschullehrer der THM in die NSDAP ein. Gegner_ innen des NS-Regimes und alle, die nicht in die Volksgemeinschaft passen wollten oder sollten, bekamen dies deutlich zu spüren. Am 1. April 1933, dem reichsweit organisierten Boykott gegen Jüdinnen und Juden, stellten sich auch vor der Technischen Hochschule uniformierte Studenten auf und hetzten gegen eine „Verjudung der Hochschulen“. Gut einen Monat später, am 10. Mai riefen sie mit auf zur Bü- cherverbrennung auf dem Königsplatz (e S. 37). Im selben Jahr wurden mehrere Kundgebungen in München und Weihenstephan organisiert und gegen „rote“ und „schwarze“ Professoren an der Technischen Hochschule gehetzt. 

Einschneidende Änderungen vollzogen sich auch für den Lehrkörper mit Hilfe des neu erlassenen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933. Noch 1933 wurden sechs „nichtarische“ Dozenten entlassen und 1937 zwei weitere Dozenten, die mit Jüdinnen verheiratet waren. 

Aufgrund „nichtarischer“ Abstammung entlassene Hochschullehrer der TH München (1933):

  • Dr. Arthur Cohen, Privatdozent mit Titel und Rang eines a.o. Professors für Nationalökonomie
  • Dr. Robert Emden, Privatdozent mit Titel und Rang eines a.o. Professors für Physik und Meteorologie
  • Dr. Guido Zerkowitz, Privatdozent mit Titel und Rang eines a.o. Professors für Maschinenbaukunde 
  • Dr. Paul Busching, Honorarprofessor für Kleinwohnungswesen
  • Dr. Leo Jordan, Honorarprofessor für die französische Sprache 
  • Dr. Heinrich Rheinstrom, Honorarprofessor für Steuerwesen 

Aufgrund „jüdischer Versippung“ entlassene Hochschullehrer der TH Müchen (1937):

  • Dr. August Albert, Privatdozent mit Titel und Rang eines a.o. Professors für organisch-chemische Technologie
  • Dr. Manfred Schröter, Lehrbeauftragter für Geschichte

Parallel zur Entlassung von Dozenten wurde der Zugang von Studierenden zur Hochschule nach rassistischen und politischen Gesichtspunkten reguliert. Die nationalsozialistische Durchdringung der Hochschule umfasste darüber hinaus vor allem die „Gleichschaltung“ und Reorganisation der Hochschule sowie die Neubesetzung von Schlüsselpositionen. Der letzte frei gewählte Rektor war Anton Schwaiger, der 1933 der NSDAP beitrat, aber auf Grund seiner Versuche, die Unabhängigkeit der Hochschule zumindest in Einzelfällen zu bewahren, sein Amt aufgeben musste. 1935 wurden der nationalsozialistische Wunschkandidat Wolfgang Schmidt und 1938 Lutz Pistor zum „Führerrektor“ der THM ernannt. 

Unter den Dozent_innen und Studierenden gab es, abgesehen von vereinzelten kleinen Aktionen wie die Störung einer NS-Propagandaveranstaltung mit Stinkbomben, so gut wie keinen nennenswerten Widerstand gegen die nationalsozialistische Durchdringung der Hochschule. Was es jedoch gab, war der mehr oder weniger erfolgreiche Versuch einzelner regimekritischer Ordinarien wie beispielsweise Hans Fischer (e S. 58), die Hochschule oder den eigenen Wirkungskreis gegen NS-Einflüsse weitgehend abzuschirmen.

Nach Kriegsende ließ die US-Militärregierung alle Hochschulen vorübergehend schließen und entließ alle Mitglieder von NS-Organisationen. Die THM verlor auf diese Weise 73 der zu diesem Zeitpunkt insgesamt 119 Hochschullehrer – bis 1953 wurden 31 von ihnen wieder eingestellt. Eine Auseinandersetzung mit der Rolle der THM während der NS-Zeit blieb – wie an nahezu allen Universitäten – lange Zeit tabu und erfolgte erst in den 2000er Jahren auf ausdrücklichen Wunsch ihres Präsidenten Wolfgang A. Herrmann. Auf seine Initiative wurden außerdem zum 140jährigen Gründungsjubiläum 2006 den Betroffenen ihre unrechtmäßig entzogenen akademischen Titel posthum wieder zuerkannt. Dies trug wesentlich zur weiteren Erforschung des Themas in München bei. 

 


Paul-Heyse-Villa

Von einer alten, hohen Mauer teilweise verborgen und von einem Garten mit altem Baumbestand umgeben, grenzt die Paul-Heyse-Villa direkt an die Glyptothek und liegt schräg gegenüber dem Lenbachhaus. Nachdem Paul Heyse das Grundstück erworben hatte, ließ er das bestehende Haus ab 1872 von dem Architekten Gottfried von Neureuther im Stil der Neorenaissance umbauen. Um 1900 war die Villa Paul Heyses Treffpunkt für Münchner Künstler_innen und Intellektuelle, wie Franz von Lenbach oder Thomas Mann Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude teilweise zerstört und anschließend zwar im gleichen Stil, aber in etwas vereinfachter Form wieder errichtet. 2013 setzte sich eine Bürgerinneninitiative für den Erhalt des Anwesens ein, nachdem der damalige Eigentümer den Denkmalschutz aufheben lassen wollte. Die zukünftige Nutzung ist noch nicht bekannt.

Paul Heyse erhielt 1910 den Nobelpreis für Literatur für sein „vollendetes und von idealer Auffassung geprägtes Künstlertum als Lyriker, Dramatiker, Romanschriftsteller und Dichter von Novellen“. Im selben Jahr wurde er in den Adelsstand erhoben und zum Ehrenbürger von München ernannt. Seit er 1854 eine Professur in romanischer Philologie erhalten hatte, lebte er in München. Er verfasste eine Vielzahl von Werken in allen literarischen Gattungen. Schon 1867 bezeichnete ihn Theodor Fontane in der Zeitschrift „Gartenlaube“ als „Liebling der Musen“.

Sein Nachlass mit der Nobelpreis-Urkunde befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek (e S. 97), die anlässlich des hundertjährigen Todestages 2014 mit einer Ausstellung an den Schriftsteller erinnerte. Sein Grab befindet sich auf dem Münchner Waldfriedhof.

Ebenfalls dem Schriftsteller gewidmet ist die Namensgebung der Unterführung zwischen Arnulf- und Bayerstraße unter dem Münchner Hauptbahnhof. Der Sanierungsbedarf des Tunnels beschäftigt seit Jahren immer wieder die Stadtöffentlichkeit.

 

Luisenstraße 22

Palais Pringsheim

Alfred Pringsheim (1850–1941), der aus einer schlesischjüdischen Familie stammte, war Professor für Mathematik an der Ludwig-Maximilians-Universität, Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Pringsheim kam 1875 nach München und heiratete 1878 Gertrude Hedwig Anna Dohm (1855–1942). Als Mathematiker veröffentlichte Pringsheim zahlreiche wissenschaftliche Artikel und galt als ausgezeichneter Lehrer.

Im Wohnhaus des Ehepaars Hedwig und Alfred Pringsheim lernte der spä- tere Nobelpreisträger für Literatur Thomas Mann Katia, die Tochter des Ehepaars, kennen, die er 1905 heiratete.

Die Nationalsozialisten zwangen im August 1933 die deutsch-jüdische Familie, das Palais Pringsheim an die NSDAP zu verkaufen. Anschließend wurde das Gebäude abgerissen, um Platz für den „Verwaltungsbau“ der NSDAP zu schaffen. 1938 raubte die Gestapo Pringsheims wertvolle Goldschmiedesammlung und genehmigte erst 1939 die Ausreise in die Schweiz, nachdem er seine Kunstsammlungen weit unter Wert zwangsversteigern lassen musste. Viele Objekte aus Pringsheims Sammlungen sind heute weltweit in Museen zerstreut. Seit Jahrzehnten kämpfen die Nachkommen um eine Entschädigung und Restitution.

Katharina-von-BoraStraße 10

Chemische Institute an der Sophienstraße (1815–2004)

Noch bevor die Universität 1826 von Landshut nach München verlegt wurde, entschied die königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften, ein Chemisches Laboratorium zu errichten. 1815 wurde nördlich des 1809 neu angelegten (Alten) Botanischen Gartens an der Ecke Sophien- und Arcisstraße (heute Katharina-von-BoraStraße) mit dem Bau begonnen. Der erste „Konservator“ wurde der Chemiker Heinrich August Vogel (1778– 1867), der dem Laboratorium bis 1852 vorstand. Nach dem Umzug der Universität wurde Vogel von der philosophischen Fakultät zum Professor der Chemie ernannt und das Chemische Laboratorium in die Universität eingegliedert.

Ab 1852 lehrte der Chemiker Justus von Liebig (1803–1873) in München. Für den berühmten Gießener Forscher ließ König Maximilian II. noch im selben Jahr einen Institutsneubau westlich des alten Hauses an der Sophienstraße errichten.

Liebig gilt als einer der erfolgreichsten Chemiker des 19. Jahrhunderts, nicht nur als Theoretiker, sondern auch als Erfinder und Unternehmer. Besonders die Entwicklung eines Fleischextraktes machte ihn weit über Europa hinaus bekannt. Von 1859 bis zu seinem Tod war Liebig Präsident der Akademie der Wissenschaften in München. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof. Die Stadt München benannte ihm zu Ehren eine Straße im Lehel und 1883 wurde ein Denkmal am Maximiliansplatz eingeweiht (e S. 85). Im Deutschen Museum gibt es seinen Verbrennungsapparat zur Elementaranalyse Kohlenstoff und Wasserstoff enthaltender organischer Substanzen und im Ehrensaal des Museums seine Büste zu sehen.

Die Stelle Liebigs übernahm der später geadelte Adolf Baeyer, der für seine Arbeiten über organische Farbstoffe 1905 den Nobelpreis für Chemie erhielt. Von 1875 bis zu seiner Emeritierung 1915 leitete er das Chemische Laboratorium der LMU. Baeyer ließ Liebigs Wohnhaus und Teile des alten Laboratoriums abreißen und ab 1876 einen Neubau errichten.

Der spätere herausragende Wissenschaftler und „Vater der Kernchemie“ Otto Hahn war 1900 einer seiner Studenten (Nobelpreis für Chemie 1944). Richard Willstätter, ein Schüler Baeyers, hatte auch in München studiert und wurde 1916 an die LMU berufen, wo er den Lehrstuhl von Baeyer und die Leitung des Laboratoriums übernahm. Noch während des Ersten Weltkrieges zwischen 1916 und 1918 wurde ein neuer großer Hörsaal errichtet und das Laboratorium umgebaut. Bei Willstätter promovierte 1922 Richard Kuhn (1900–1967), der 1938 „für seine Arbeiten über Carotinoide und Vitamine“ den Nobelpreis für Chemie erhalten sollte. 1924 legte der aus einer jüdischen Familie stammende Richard Willstätter seine Professur an der LMU aus Protest gegen den zunehmenden Antisemitismus bei Personalentscheidungen an der Universität nieder (eS. 117). Am Chemischen Staatslaboratorium forschte er dagegen weiter und blieb auch Mitglied in der Akademie der Wissenschaften. 1939 musste Willstätter aufgrund der Verfolgung durch die Nationalsozialisten aus München in die Schweiz fliehen. Heinrich Wieland (1877–1957) wurde 1926 der Nachfolger Willstätters am Chemischen Staatslaboratorium. 

Wieland leitete das Institut auch während der NS-Zeit. Durch seine Reputation als Nobelpreisträger gelang es ihm, die Freistellung junger Wissenschaftler vom Militärdienst zu erreichen. Auch bot er Angestellten jüdischer Herkunft die Möglichkeit, bei ihm weiter zu studieren und zu forschen. 

1943 waren noch 25 Studierende jüdischer Herkunft im Laboratorium beschäftigt, darunter die spätere FDP-Politikerin Hildegard (Hamm-) Brücher. Es herrschte dort eine „aufgeschlossene Atmosphäre, die viel Raum für – regimekritische – Gespräche bot”, erinnerte sich Marie-Luise Schultze-Jahn (1918 –2010), die 1940 ihr Studium am Chemischen Staats - laboratorium begann. Am Institut lernte sie auch den durch die Rassengesetze der Nationalsozialisten als „Halbjuden“ ausgegrenzten Hans Leipelt kennen, der ebenfalls in Mün - chen Chemie studierte. Marie-Luise Jahn bewegte sich im Umfeld der Widerstandsgruppe der „Weissen Rose“und tippte gemeinsam mit Hans Leipelt 1943 nach der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst das 6. Flugblatt der Gruppe ab. Im gleichen Jahr ver - haftete die Gestapo sie beide und fünf weitere Studenten des Instituts. Hans Leipelt wurde am 13. Oktober 1944 zum Tode verurteilt, Marie-Luise Jahn zu 12 Jahren Zuchthaus. Am 29. Januar 1945 wurde Hans Leipelt in MünchenStadelheim hingerichtet. Beim Prozess 1944 war Heinrich Wieland als Entlastungszeuge aufgetreten. Im Jahr 2000 brachte die LMU zusammen mit der Weiße Rose Stiftung e.V. eine Gedenktafel in einem Hans Leipelt gewidmeten Seminarraum an der Fakultät für Chemie und Pharmazie auf dem „HighTech Campus” in München-Großhadern an. 

Im Spätsommer 1944 zerstörten Bomben große Teile des Instituts an der Sophienstraße. Nach Ende des Krieges 1945 konnten die Lehre und Forschung vorerst nur behelfsmäßig wieder aufgenommen werden. In den 1950er Jahren wurden auf dem Areal zwischen Karl- und Sophienstraße verschiedene Institute neu erbaut (organische, anorganische, physikalische Chemie und Biochemie, Pharmazie und Lebensmittelchemie, pharmazeutische Arzneimittellehre). Die Leitung des Instituts für Biochemie wurde Feodor Lynen übertragen. Lynen hatte an der LMU Chemie studiert und promoviert. 1942 hatte er nach seiner Habilitierung die Leitung der Abteilung Biochemie am Chemischen Laboratorium übernommen. Lynen war mit Eva Wieland, der Tochter von Heinrich Wieland verheiratet. 

1964 erhielt Feodor Lynen zusammen mit Konrad Emil Bloch den Nobelpreis für Physiologie/Medizin für seine Forschungen auf dem Gebiet des Stoffwechsels von Cholesterin und Fettsäuren. 

Nachdem 1999 die Fakultäten für Chemie/Pharmazie und Biologie auf den neuen „HighTech Campus” der LMU nach München-Großhadern verlegt worden waren, wurden die Gebäude der Chemischen Institute 2004 abgerissen. Heute befindet sich auf dem Areal das Luxusquartier Lenbachgärten.

Nach der Zerstörung des Chemischen Staatslaboratoriums der Universität München im Zweiten Weltkrieg wurden am gleichen Ort nach 1945 die Chemischen Institute der LMU  errichtet. 


Klinikum Großhadern

Das Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) im Südwesten Münchens zählt mit etwa 1400 Betten zu den größten Krankenhäusern Deutschlands. Das Klinikum ist mit dem Campus Großhadern und dem Campus Innenstadt ein selbstständiger Teil der LMU.

Im Klinikum sind eine Vielzahl von medizinischen Abteilungen vom Allergie- bis zum Zelltherapiezentrum angesiedelt, angegliedert sind auch verschiedene wissenschaftliche Institute und Beratungsdienste. Das Transplantationszentrum des Uniklinikums gilt seit vielen Jahren sowohl auf dem Gebiet der Transplantationen als auch der Forschung als eines der angesehensten in Deutschland und umfasst alle Organe. 1983 wurde hier etwa die erste Herz-Lungen-Transplantation in Deutschland durchgeführt. 2014 wurde ein neues interdisziplinäres Operationszentrum mit u.a. fünf Intensivstationen und 32 OP-Sälen eingeweiht.

Die ersten Überlegungen in München für ein „Klinikum auf der grünen Wiese“ begannen Mitte der 1950er Jahre. Seit 1959 setzten die konkreten Planungen für die Klinik an der südwestlichen Stadtgrenze ein. Errichtet wurde der Klinikkomplex ab 1967 und dann stufenweise in Betrieb genommen. Die erste Aufnahme von Patient_innen erfolgten 1974. 1977 war der Gesamtkomplex endgültig fertig gestellt. Der Bau mit 14 Stockwerken war mit allen technischen Errungenschaften der Zeit ausgestattet und wurde aufgrund seiner Dimensionen auch als „Gesundheitsfabrik“ bezeichnet.

 

Marchioninistraße 0

Campus Großhadern

Mit dem Umzug des Genzentrums der LMU nach Groß - hadern 1994 begründete sich neben dem Klinikum der neu benannte „HighTechCampus Großhadern“. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Genzentrum im Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried untergebracht. 1999 folgte die Fakultät für Chemie und Pharmazie der LMU. Das ehemalige Institut für Physiologische Chemie der Medi - zinischen Fakultät der LMU, das 1995, nach dem im gleichen Jahr verstorbenen Nobelpreisträger, in Adolf-ButenandtInstitut (e S. 96) umbenannt wurde, wechselte 2003 aus dem „Klinikviertel“ am Sendlinger Tor nach Großhadern. Zusammen mit weiteren universitären Einrichtungen wie dem Zentrum für Neuropathologie und Prionenforschung oder dem Pathologischen Institut der LMU und dem außer - universitären des Helmholtz-Zentrum bilden sie heute den Campus Großhadern.

An den beiden benachbarten Forschungsstandorten Mar - tinsried und Großhadern wird in erster Linie wissenschaft - liche Grundlagenforschung, Lehre und klinische Forschung in den Bereichen Biologie und Medizin geleistet.


Campus Martinsried

Auf einem ehemaligen Erdbeerfeld im Ortsteil Martinsried der Gemeinde Planegg im Südwesten Münchens begann 1973 die Entwicklung zum heutigen internationalen Forschungszentrum. Der Neubau des „Biochemischen Zentrums“ (Max-Planck-Institut für Biochemie) der Max-Planck-Gesellschaft vereinte mehrere Institute der Gesellschaft vor den Toren der Stadt. Von 1984 bis 1994 war in Martinsried auch das Genzentrum der LMU.

Heute steht Martinsried für einen europaweit einflussreichen Standort für Bio-Technologie und Biotech-Industrie. Vom Klinikum und Campus Großhadern nur durch einen Streifen Grün getrennt findet sich auch hier, neben diversen Biotech-Firmen, eine Reihe von uni - versitären und nicht-universitären For - schungseinrichtungen: die Institute für Biochemie und Neurobiologie der MaxPlanck-Gesellschaft sowie die Fakultät für Biologie/Biozentrum und das Biomedizinische Centrum (BMC) der LMU. Das BMC auf dem Campus der LMU in Martinsried wurde 2015 eingeweiht. Acht Lehrstühle der LMU, die zuvor auf mehrere Standorte verteilt waren, werden hier zusammengefasst. Im BMC mit dem Zentrum für angewandte Zellforschung steht biomedizinische Grundlagenforschung und Lehre im Mittelpunkt. Mit 950 Plätzen findet sich hier der größte Hörsaal der LMU.