KulturGeschichtsPfad
 

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Pfarrkirche St. Quirin

Die erste Erwähnung als Quirinskirche – benannt nach einem römischen Märtyrer – stammt aus dem Jahr 1448. Aus dieser Zeit ist auch der 1489 vom Freisinger Weihbischof Ulrich geweihte Kirchenbau in der Ubostraße 6. Der Vorgängerbau war im »Bairischen Krieg« von 1422 zerstört worden. Lediglich der romanische Turm aus dem späten 13. Jahrhundert hatte die Verwüstungen überstanden, so dass das vier jochige Kirchenschiff direkt an den alten Turm angebaut werden konnte. Ihr fünftes Joch erhielt die Kirche erst im 20. Jahrhundert: Der starke Bevölkerungszuwachs hatte eine Erweiterung notwendig gemacht und die Kirche wurde 1936/1937 nach Westen hin verlängert.

2009 wurden der Dachstuhl und das Kircheninnere von St. Quirin renoviert. Aus dem 15. Jahrhundert stammen das gotische Netzrippengewölbe, der Altarschrein der Heiligen Ursula und ihrer Gefährtinnen und der Taufstein aus Rotmarmor. Der Hochaltar von 1668 zeigt eine Plastik des Heiligen Quirin. Den künstlerischen Höhepunkt der Ausstattung bildet eine Gruppe der zwölf Apostel mit Christus Salvator und seiner Mutter Maria. Diese schuf der Fürstenfeldbrucker Bildhauer Joseph Krenauer im Jahr 1712.

Die schmiedeeisernen Grabkreuze des einst die Kirche umgebenden Friedhofs sind verschwunden seitdem der Friedhof 1911 zu gunsten des neuen Friedhofs südlich der Bahnlinie aufgelassen wurde. Ein Kriegerdenkmal erinnert an die Aubinger und Freihamer Gefallenen der beiden Weltkriege.

Neben dem Westportal der Kirche befindet sich eine Erläuterungstafel. 28 weitere Emailletafeln in Aubing weisen auf geschichtlich interessante Gebäude und Situationen hin. Sie wurden im Jubiläumsjahr 2010 vom Förderverein »1000 Jahre Urkunde Aubing« geschaffen.

Der Aubinger Pfarrherr lebte in dem gegenüber der Kirche gelegenen Pfarrhof. Die Wirtschafts gebäude wurden Ende des 19. Jahrhunderts, das alte Pfarrhaus 1966 abgebrochen. Auf dem Grundstück des ehemaligen Pfarrhofs sind heute das Pfarramt mit Pfarrsaal und der Kindergarten untergebracht. Der Bildhauer und Maler Georg Müller-Mettnau (1909–1987) zog 1970 mit seiner Familie in den Giglweg 2. Hier betrieb er seine Werkstatt und eine Galerie für zeitgenössische junge Künstler, den »Kunst-Stadel«; er veranstaltete Kunstausstellungen (zum Beispiel mit dem Aubinger Maler Josef Wahl) und lud regelmäßig zu »Kunst-Stadel-Gesprächen« ein.

Ubostraße 0

Ehemalige Bahnhofswirtschaft Sedlmayr

Wie in den meisten oberbayerischen Dörfern üblich, befand sich auch in Aubing gegenüber der Kirche ein Gasthaus. Dieses wurde 1869 als großes Gasthaus mit Tanzsaal im ersten Stock errichtet. Zuletzt betrieben die Wirtsleute Georg und Anna Sedlmayr die Bahnhofswirtschaft mit idyllischem Biergarten. Seit 1969 stand das Gebäude weitgehend leer und verfiel zusehends. Die Stadt erwarb das Grundstück und ließ den Gasthof 1982 wegen Baufälligkeit abbrechen.

Im ehemaligen Sedlmaier-Hof befand sich von 1955 bis 1974 die Besamungsstation der Zuchtverbände Ober- und Niederbayerns. Hier wurden 24 Zuchtbullen gehalten, deren gekühltes Erbgut per Bahn an Rinderhalter im südbayerischen Raum verschickt wurde. Die künstliche Besamung diente der Optimierung der Rinderrassen, um höhere Milch-, Fleisch- und Arbeitsleistungen zu erzielen; zudem wurden Deckseuchen bekämpft. 1974 wurde die erfolgreiche Besamungsstation aus Platzgründen von Aubing in die Nähe der Bayerischen Landesanstalt für Tierzucht Grub verlegt.


Einstige Dorfschmiede

An der heutigen Verkehrsinsel Germeringer Weg/Ubostraße stand bis 1953 die einstige Dorfschmiede. Die Aubinger Schmiede wurde bereits in der Aubinger Ehaftordnung von 1530 erwähnt, da sie für die Versorgung der Gemeinde ein unverzichtbares Gewerbe war.

Germeringer Weg 0

Mariensäule

Die Mariensäule Ecke Ubostraße/Zwicklgasse wurde von den Bauern Widmann und Killi aus Dankbarkeit für ihre glückliche Heimkehr aus dem Krieg von 1870/1871 gestiftet. Sie stand ursprünglich an der Kreuzung Ubostraße/Spieltränkergasse. 1936 wurde sie als angebliches Verkehrshindernis entfernt und steht seither auf dem Privatgrundstück des Naßlhofs.

Zwicklgasse 0

Beim Neumaier

Die Ettaler-Madonna am Giebel des ehemaligen NeumaierHofs in der Ubostraße 21 erinnert daran, dass sich hier von Beginn des 18. Jahrhunderts bis 1803 das Amtshaus des Gerichtsdieners des vom Kloster Ettal bestellten und für Aubing zuständigen Richters befand. Der Richter selbst lebte nicht in Aubing und kam nur bei Bedarf ins Dorf. Noch heute haben sich in dem Gebäude Reste des Karzers erhalten, in dem die Abgeurteilten eingesperrt wurden. In der Ubostraße 19 befand sich der Zehentstadel (Kasten) des Klosters Ettal. Hier hatten die zu Ettal gehörenden Bauern ihre Abgaben abzuliefern. Letzter Ettaler Gerichtsdiener und Kastner war Joseph Windsberger. Mit der Säkularisation endete Aubings Zeit als Ettaler Hofmark und beide Anwesen wurden von Windsberger und dessen Nachfolgern wieder als »normaler« Bauernhof bewirtschaftet. An der Stelle des ehemaligen Zehentstadels steht heute ein Wohnhaus.

Ubostraße 21

Ehemalige Schule in der Ubostraße

Die Schule in der Altostraße konnte gegen Ende des 19. Jahrhunderts die steigenden Schülerzahlen nicht mehr bewältigen. 1893 baute daher die Gemeinde eine neue Schule (heute Ubostraße 23). Neben Klassenräumen waren darin eine Lehrerwohnung und ein Amtszimmer der Gemeindeverwaltung untergebracht. Der Lehrer, Schulleiter, Bezirksschulrat und Ortschronist Josef Steinbacher wohnte ab 1905 bis zu seinem Tod in der Uboschule; auch die 1905/1906 errichtete Neuaubinger Schule unterstand seiner Leitung.

1960 wurde die heutige Grundschule in der Gotzmann straße 19 eröffnet. Bis 1975 wurde auch die Uboschule für den Unterricht genutzt; heute ist im ehemaligen Schulhaus eine städtische Kindertagesstätte untergebracht.

Ubostraße 23

Kriegerdenkmal

Das Kriegerdenkmal an der Ecke Marzellgasse/Altostraße von 1900 erinnert an die Teilnehmer der Kriege von 1866 und 1870/ 1871. Kurios ist, dass der Soldat auf dem Denkmalsockel ein »Preußischer Krieger mit Fahne« ist, den die Galvanische Kunstanstalt der Württembergischen Metallwarenfabrik um 1890 in Serie produzierte. Diesem wurde ein für die bayerische Armeecharakteristischer Raupenhelm mit Gewehr und aufgepflanztem Bajonett beigefügt. Die Kosten trugen der Aubinger »Krieger- und Veteranenverein« (seit 1971 »Veteranen- und Kameradschaftsverein Aubing«) und die Gemeinde Aubing, die auch das Grundstück zur Verfügung stellte. An die Aubinger Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erinnert eine Tafel hinter dem Standbild.

Marzellgasse 0

Gast- und Tafernwirtschaft Grünwald

Auf dem Anwesen Altostraße 38 wurde 1875 eine Gaststätte eingerich - tet. 1899 ließen Johann und Anna Grünwald ein landwirtschaftliches Ökonomiegebäude und das Gasthaus mit Tanzsaal neu errichten. Sie führten es als »Gast- und Tafernwirtschaft Johann Grünwald«; später hieß es »Gasthof zum Kriegerdenkmal«. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten US-amerikanische Truppen das Gebäude als Funkzentrale. 1968 wurde die Viehhaltung aufgegeben, 1970 die Landwirtschaft verpachtet, sämtliche landwirtschaftliche Gebäude abgerissen und der Gasthof zum Hotel ausgebaut. Dieses befindet sich in Privatbesitz und wird auch heute noch von der Familie Grünwald betrieben.

Altostraße 38

Altostraße 35/33

Das Kleinhaus in der Altostraße 33 entstand um 1800 und steht unter Denkmalschutz. Im Nachbarhaus (»Beim Meier«, Altostraße 35, heute ein Neubau) lebte ab 1888 die Familie des Spenglers Athanasius Tausend; berühmt und berüchtigt war deren Sohn, der Alchemist Franz Tausend (1884–1942).

Auch die Kleinbauernhäuser in der Altostraße 56 (»Beim Schauer«) und in der Zwillergasse 1 stehen unter Denkmalschutz. Ebenso das stattliche Bauernhaus (»Beim Metz«) in der Altostraße 28. Aus dem Metzhof sind zwei Aubinger Bürgermeister hervorgegangen.

Altostraße 33

Leingärtner-Hof

Jedes größere Dorf beschäftigte einen Abdecker (Wasenmeister). Dessen Aufgabe war es, sämtliche Tierkadaver zu beseitigen. Wegen der dabei entstehenden starken Geruchsbelästigung stand das Haus des Aubinger Wasenmeisters am nördlichen Rand des alten Dorfes, weit entfernt vom Aubinger Dorfkern. Der Wasenmeister übernahm häufig auch tierärztliche Aufgaben. Trotz ihrer wichtigen Bedeutung für das bäuerliche Dorf, war die Tätigkeit des Wasenmeisters stigmatisiert und galt über Jahrhunderte als unehrliches Gewerbe.

Durch die Wasenmeisterordnung von 1862 wurde der Abdecker gesellschaftlich aufgewertet. Engelbert Leingärtner (1857–1931), dessen gleichnamiger Vater 1841 das Anwesen erworben hatte, gab die Abdeckerei 1911 auf und überließ diese Aufgabe einer thermischen Tierkörper-Vernichtungsanstalt. Die Aubinger schätzten Leingärt ners Fähigkeiten als Tierheiler. Als Naturheilkundiger und Wunderdoktor erlangte er regionale Berühmtheit; Münchner Städter reisten eigens mit der Bahn an, um seinen Rat einzuholen.

Altostraße 0

Ehemalige Hüthäuser

In der Sulzemooser Straße 1 wird an die zwei Hüthäuser erinnert, in denen von der Gemeinde beschäftigte Viehhüter untergebracht waren. Diese wurden Mitte des 19. Jahrhunderts in Armenhäuser umgebaut und 1870 beziehungsweise 1965 abgebrochen.

Sulzemooser Straße 1

Altes Schulhaus

Das Gebäude in der Altostraße 16 wurde 1820 bis 1822 als erstes Aubinger Schulhaus errichtet. Dem Schulbau voraus gegangen waren jahrelange Streitigkeiten über die Raumnot und den baulichen Zustand des bis dahin als Schule genutzten Hauses. Erst auf massiven Druck des für Aubing zuständigen Landgerichts München vergab die finanziell klamme Gemeinde den Bauauftrag. Die Hälfte der Kosten übernahm die Pfarrei Aubing, da im Schulhaus auch die Wohnung des Mesners von St. Quirin untergebracht war; den Rest trugen unter anderem die Gemeinde Aubing und die Gemeinde Lochhausen-Langwied. Architekt Gustav von Vorherr (1778–1847) war königlicher Oberbaurat und Leiter des öffentlichen Bauwesens im Innenministerium. Als leitender Staatsbeamter sah er sich der Schulreform des Grafen Montgelas verpflichtet. Anders als zu Zeiten des Kurfürstentums sollte im reformierten Bayern der Lehrer mit seiner Familie von der Unterrichtstätigkeit leben können und von Stall- und Feldarbeit befreit sein. Der Aubinger Schulbau war daher ausschließlich dem Lehrbetrieb verpflichtet:

Es waren Klassenräume und eine Lehrer- und Mesnerwohnung vorgesehen; auf landwirtschaftliche Betriebseinrichtungen war bewusst verzichtet worden. Wegen Überfüllung der Aubinger Schule wurde Lochhausen 1863 vom Aubinger Schulbezirk abgetrennt. Nach der Verlegung des Schulbetriebs in die Ubostraße 23 im Jahr 1893 wurde das alte Schulhaus zunächst als Gendarmeriestation, danach als Sozialstation der Dillinger Franziskanerinnen genutzt, die hier einen Kindergarten führten. Danach diente es als Außenstelle der Volkshochschule und als Rotkreuzstation.

Altostraße 16

Dorfbrunnen / Königslinde

Zwischen dem Dorfbrunnen und dem Burenwirt befindet sich die Königslinde. Sie wurde am 4. Dezember 1913 von Aubinger Bürgern gepflanzt, um die Thronbesteigung König Ludwigs III. am 5. November 1913 zu feiern. Auf dem Sockel der ehemaligen Dorfwaage, die hier von 1925 bis 1973 stand, wurde 1980 der von dem Aubinger Bildhauer Josef Hoh (1933–1990) geschaffene Dorfbrunnen errichtet.

Altostraße 0

Chemische Fabrik Aubing

An den ersten Industriebetrieb Aubings erinnern heute nur noch die Straßennamen Industriestraße und Fabrikstraße. Etwa an der Kreuzung dieser Straßen entstand 1894/1895 die von Julius Einhorn (1866–1929) gegründete »Landwirtschaftlich-chemische Fabrik München-Aubing«. 1905 erwarb der Chemiker Moriz Bloch (1877–1942) den Betrieb für seine neu gegründete Gesellschaft »Süddeutsche Ceresin-Werke München-Aubing GmbH«. Bloch ließ zahlreiche weitere Fabrikgebäude errichten; 1917 erfolgte die Umbenennung in »Chemische Fabrik Aubing Dr. M. Bloch«. Das Unternehmen, in dem Medikamente der Veterinär- und Humanmedizin sowie Klebstoffe hergestellt wurden, verfügte über ein weltweites Vertriebsnetz. Für sein soziales Engagement verlieh die Gemeinde Aubing dem jüdischen Firmeninhaber 1917 die Ehrenbürgerschaft. 1938 wurde der Betrieb »arisiert«: Moriz Bloch und sein Sohn Kurt (1905–1961) durften ihre Firma nicht mehr betreten; Kurt Bloch wurde in das KZ Dachau deportiert, 1939 konnte er nach England emigrieren, sein Vater emigrierte ein Jahr später nach New York. Zuvor mussten sie die Firma an die »Schering AG« und an die »Heyl & Co« in Berlin verkaufen. Während des Krieges wurden in der Chemischen Fabrik Kriegsgefangene eingesetzt. 1949 erhielt Kurt Bloch den väterlichen Betrieb zurück, den er bis zu seinem Tod im Jahr 1961 mit 121 Arbeitern und Angestellten führte.

1978 wurde die Firma stillgelegt, an einen Bauträger verkauft und schließlich abgebrochen. Bevor das ehemalige Fabrikareal mit Wohnhäusern bebaut werden konnte, musste der über Jahrzehnte belastete Boden gründlich gereinigt werden.

Fabrikstraße 0

Rumänische Orthodoxe Metropolie

Mit Unterstützung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Erzdiöse München-Freising erwarb die rumänisch-orthodoxe Kirche München ein Grundstück an der Kastelburg-/Industriestraße. Hier entsteht ab Sommer 2015 eine rumänisch-orthodoxe Kirche mit Bischofssitz, Nonnenkloster und einem Gemeindezentrum für die rund 30.000 rumänisch-orthodoxen Gläubigen Münchens.

Kastelburgstraße 0

Bahnhof Aubing

Der Aubinger Bahnhof war als ländliches Pendant zum Pasinger »Stadtbahnhof« gebaut und am 1. Mai 1873 mit der Bahnlinie von München nach Grafrath als Station der III. Klasse eröffnet worden. Das Bahnhofsgebäude war ursprünglich wesentlich kleiner und hatte nur ein Obergeschoss. Nach dem zweigleisigen Ausbau der Strecke München-Buchloe im Jahr 1899 wurde das Gebäude für einen Wartesaal der II. Klasse um acht Meter nach Westen verlängert und aufgestockt. Es beherbergte dann auch Dienstwohnungen für das Bahn hofspersonal und eine Telegraphen station. 1874 wurde im Bahnhof Aubing eine Postexpedition eingerichtet, die von den Eisenbahnbediensteten neben bei betreut wurde; ab 1897 erfolgte die Umwandlung in eine Postagentur.

1902 entstand die Straßenunterführung der heutigen Limes straße am östlichen Ende der Station Aubing; vorher war dort ein höhengleicher Bahnübergang mit technischer Sicherung durch eine nahbediente Schranke.

Georg-Böhmer-Straße 0

Dornier-Werk

Nachdem die Dornier-Werke die Fabrikanlagen der Internationalen Schlafwagengesellschaft (ISG) an der Brunhamstraße 1934 zunächst gepachtet hatten, kaufte der Flugzeughersteller 1937 das Werk und erweiterte das Gelände durch Grundstückskäufe und den Bau weiterer Werkshallen. Das Werksgelände an der Brunhamstraße gehörte bis zur Reform der Stadtbezirke 1991 zu Pasing, wurde aber seit jeher als Werk Neuaubing bezeichnet. 

Ab 1935 produzierte das Neuaubinger Dornier-Werk im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums Flugzeugrümpfe für den Bomber Do23. Ab 1936 kam die Herstellung von Rümpfen der Do17 und Do217 hinzu. Bei diesen Kampfflugzeugen handelte es sich um Bomber, Nachtjäger und Fernaufklärer, deren massenhafte Produktion dem Aufbau der Luftwaffe und der Kriegsvorbereitung des NS-Regimes diente. Von November 1940 bis Mai 1944 wurden in Neuaubing 990 Exemplare der Do217 hergestellt. Außerdem wurden hier die Ju88 (Junkers 88) und die Me410 (Messerschmitt 410) produziert.

1938 beschäftigte das Neuaubinger Dornier-Werk 2.800 Mitarbeiter. Für die deutschen Werksmitarbeiter entstand da mals die Dornier-Siedlung. Um die Rüstungsaufträge des NS-Regimes zu bewältigen, wurden Zwangsarbeiter eingesetzt: Im Dezember 1941 waren es 855, im Frühjahr 1944 sogar 1.913. Diese waren in verschiedenen Lagern in Werksnähe untergebracht. Im Neuaubinger Dornier-Werk kamen auch mindestens 60 Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau zum Einsatz

Die Fabrikhallen wurden im Juli 1944 von Bomben schwer getroffen. Nach Kriegsende beschlagnahmte die US-Armee das Gelände. Bis zur Wiedererlangung der staatlichen Souveränität im Jahr 1955 war Deutschland der Bau von Flugzeugen verboten. Mit der Serienproduktion der Do27, eines leichten einmotorigen Mehrzweckflugzeugs, wurde Anfang 1956 die Flugzeugproduktion in Neuaubing wieder aufgenommen. Es folgten die Do28 und der erste experimentelle Senkrechtstarter der Welt, die Do 31. 1991 übertrug Dornier die Neuaubinger Fabrik an die Deutsche Airbus GmbH. 1993, kurz vor der Schließung des Werkes, bauten noch 1.161 Mitarbeiter Teile für Airbus. Das Werksgelände ist heute ein Gewerbepark und an verschiedene Pächter vermietet. Einer der Mieter ist der Luftfahrttechnik-Zulieferer GKN Holding Aerospace GmbH. Im Südteil des ehemaligen Dornier-Geländes soll auf 6,5 Hektar ein neues Wohnviertel entstehen, in dem ab 2018 rund 320 Wohnungen bezogen werden können.

Elvira Auer

Brunhamstraße 0

Ausbesserungswerk der Internationalen Schlaf- und Speisewagengesellschaft

Südlich der Bahnlinie München-Herr sching, an der heutigen Brunhamstraße, errichtete die Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express Européens (CIWL) beziehungsweise die Internationalen Schlafwagengesell - schaft (ISG) 1913 ein Ausbesserungswerk. Das ursprünglich zu Pasing gehörende Werk war neben dem 1905 in Berlin-Zossen errichteten Betrieb das einzige Ausbesserungswerk der ISG in Deutschland. Es diente der Wartung der luxuriösen Schlaf-, Speise- und Salonwagen des belgisch-französischen Unternehmens, das auch den legendären Orient-Express betrieb; auch München lag auf dessen Strecke.

Im Ersten Weltkrieg wurde die ISG bis 1918 von ihrem deutschen Konkurrenten, der Mitteleuropäischen Schlaf- und Speisewagen AG (Mitropa), übernommen. 1924 wurden im Neuaubinger ISG-Werk die letzten Schlafwagen mit Teakholz-Wagenkästen gebaut; damals waren hier noch über 600 Mitarbeiter beschäftigt. 1925 wurde das Werk aufgrund der schlechten Auftragslage geschlossen. Von 1930 bis 1934 wurde das Gelände von einem Versandhausunternehmen als Lager genutzt. Die Nationalsozialisten enteigneten die ISG und der Flugzeugbauer Dornier bezog das Werksgelände.

Durch einen Luftangriff wurden die Werkshallen im Juli 1944 schwer beschädigt. Bei Kriegsende wurden die Hallen von der US-amerikanischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Schon 1945 konnte die ISG den zwischen 1913 und 1921 errichteten Teil des Werksgeländes wieder übernehmen, um hier die technische Betreuung ihrer auf deutschem Gebiet eingesetzten Schlaf- und Speisewagen durchzuführen. Ab 1957 nutzten die ISG und die Deutsche Schlafwagen- und Speisewagengesellschaft (DSG) gemeinsam die Neuaubinger Werkstatt. Wegen des zurückgehenden Nachtreiseverkehrs schwanden die Aufträge und das unrentable Werk wurde im Jahr 2000 geschlossen. Seit 2014 steht die östlich gelegene Wagenhalle unter Denkmalschutz. Das ehemalige Werksgelände hat einen Käufer gefunden, der die Hallen für Veranstaltungen vermietet. Außerdem sind hier Werkstätten und ein Antikmarkt untergebracht.

Elvira Auer

Brunhamstraße 0

Ehemalige Gaststätte »Zur Hauptwerkstätte«

Zeitgleich mit der Entstehung der Arbeiter- und Beamtenwohnungen der Zentralwerkstätte hatte der geschäftstüchtige Hugo von Maffei, Besitzer des Gutes Freiham, 1902 in der Papinstraße die Gaststätte »Zur Hauptwerkstätte« mit Bäckerei und Metzgerei errichten lassen. Hier war während des Ersten Weltkriegs ein Lazarett untergebracht. In den 1980er Jahren eröffnete die Disco »Fantasy«. Gegen den Protest der Anwohner wurde das Gebäude im Jahr 2001 abgerissen und durch einen Lebensmitteldiscounter ersetzt.

Papinstraße 0

Eisenbahnersiedlung Papinstraße und ESV Sportfreunde MünchenNeuaubing e.V.

Für die Beschäftigten der »Central-Werkstätte Aubing der Kgl. Bayerischen Staatsbahnen« wurden Wohnhäuser entlang der Papinstraße angelegt. Die dreigeschossigen Ziegelbauten Papin - straße 9–43 waren für Arbeiter der Zentralwerkstätte bestimmt. Die sieben direkt an der Straße gelegenen Doppelblöcke dienten den einfachen Arbeitern, die beiden etwas zurückgesetzten Doppelblöcke wiesen größere Wohnungen auf und waren den Vorarbeitern vorbehalten. Die äußere und innere Ausstat tung der Beamtenwohnhäuser (Papinstraße 49 und 51) war deutlich aufwendiger. Während den Arbeitern nur Gemeinschaftswaschhäuser zur Verfügung standen, waren die Beamtenwohnungen von Anfang an mit Bädern ausgestattet. 

Die ehemalige Eisenbahnerkolonie steht unter Denkmalschutz. Ab 2010 wurden ehemalige Freiflächen der Anlage mit modernen Wohnblöcken bebaut.

In der Papinstraße 22 befinden sich das Vereinsheim und daran angrenzend einige Sportstätten des ESV Sportfreunde München-Neuaubing e.V.. Der ESV ging nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Zusammenschluss zweier 1921 gegründeter Vereine hervor: dem »Turn- und Sportverein Neuaubing« (ab 1926 »Reichsbahn Turn- und Sportverein«, ab 1933 »Reichsbahn Sportgemeinschaft Neuaubing«) und der SPD-nahen »Freien Turnerschaft Neuaubing«. Der einstige Leiter der Bergsportabteilung des damaligen Reichsbahn Turn- und Sportvereins, Willy Merkl (1900–1934), seit 1929 Ingenieur bei der Reichsbahn in Neuaubing, leitete 1934 die Expedition zum Nanga Parbat. Er verunglückte dort zusammen mit acht weiteren Expeditionsteilnehmern und Sherpas.

Heute ist der ESV mit rund 4.000 Mitgliedern einer der mitgliedsstärksten Münchner Sportvereine. Mehrere national und international erfolgreiche Sportler gingen aus dem ESV hervor. Darunter der Gewichtheber Manfred Nerlinger (geb. 1960), mehrfacher Olympiateilnehmer und Weltmeister im Superschwergewicht. Besonders erfolgreich ist die Taekwando-Abteilung mit der Vizeweltmeisterin Sonja Schiedt (geb. 1973).

Papinstraße 0

Eisenbahn-Ausbesserungswerk Neuaubing

Für die Reparatur von Fahrzeugen der Königlich Bayerischen Staatsbahn waren Ende des 19. Jahrhunderts Zentralwerkstätten in München, Nürnberg, Regensburg und Weiden vorhanden. Aufgrund des rasch wachsenden Eisenbahnverkehrs und dem damit einhergehenden zunehmenden Reparaturbedarf zur Instandhaltung der Züge beschloss die Abgeordnetenkammer des Bayerischen Landtags im November 1899 den Bau einer »V. Centralwerkstätte«. Reichsrat Hugo von Maffei verkaufte der Kgl. Bayerischen Staatsbahn 1901 ein bis dahin zum Gut Freiham gehörendes Grundstück. Im Gegenzug erhielt von Maffeis Gutshof Freiham 1903 einen eigenen Bahnhof. 1902 wurde das Waldstück gerodet, begra -digt und mit Werkshallen bebaut.

Ursprünglich war das Werk für die Ausbesserung von Güterwagen bestimmt, doch schon 1908 kam die Ausbesserung von Personenwagen hinzu.

Erweitert wurde die Anlage ab 1907 um eine Weichenwerkstätte. 1921 bis 1926 folgte eine neue Personenwagenreparaturhalle, 1930/1936 entstand eine Kantine, 1940/1941 eine Lehrwerkstätte. Im Ersten Weltkrieg wurde in der Zentralwerkstätte Kriegsmaterial hergestellt. 1913 lag die Zahl der Beschäftigten bei 539, 1919 bei 1.535; 1932 waren 1.159 Personen beschäftigt.

Mit Gründung der Reichsbahn wurde die Zentralwerkstätte zum Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW) Neuaubing. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Neuaubinger RAW zum kriegswichtigen Betrieb: Neben den Instandsetzungs arbei ten kriegsbeschädigter Wagen mussten »Kriegssonderleistungen« erbracht werden, darunter die Einrichtung und Ausbesserung von Sonderfahrzeugen aller Art für die Reichsbahn und die Wehrmacht wie zum Beispiel der Bau von Lazarettzügen und von Werkstattzügen für den Kriegseinsatz im Osten. 1942 waren im RAW Neuaubing insgesamt 2.480 Personen beschäftigt, darunter erstmals auch mehrere hundert Frauen; 1943 lag die Zahl ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener bei über 800. Die Künstlerin Michaela Melián erinnert in ihrem virtuellen Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus (MemoryLoops) an das Leiden eines niederländischen Zwangsarbeiters. Im Juli 1944 wurde das Werk bei Luftangriffen schwer getroffen, doch bereits im September 1944 hatte der Betrieb seine bisherige Leistung wieder erreicht. 

Die drohende Werks schließung wurde 1969 durch Beschränkung auf Reisezugwagenausbesserung, Modernisierung und Personalabbau abgewendet. 1972 brannte die östliche Wagenreparaturwerkstätte aus und musste teilweise abgebrochen werden. Zu Beginn des Jahres 2001 waren hier noch 530 Mitarbeiter beschäftigt, doch im Juni 2001 beschloss der Vorstand der Deutschen Bahn AG die Schließung des Ausbesserungswerks Neuaubing bis Jahresende.

2008 wurden zahlreiche Objekte des ehemaligen RAW-Neuaubing unter Denkmalschutz gestellt. Die denkmalgeschützten Werkshallen werden mittlerweile gewerblich genutzt; so wurde die »Halle 5« in eine moderne Kletterhalle umgebaut. Auf dem Gebiet der sogenannten »Gleisharfe« zwischen Papinstraße und Kravogelstraße entstehen ab 2017 circa 500 Wohneinheiten für etwa 1.200 Einwohner. Bei den anstehenden Umbaumaßnahmen sind auch Belange des Artenund Naturschutzes zu beachten, denn westlich des Ausbesserungswerkes befindet sich ein bedeutendes Stadtbiotop. Dieses bildete sich dort, wo 1937 ein Weichenlager angelegt worden war. Bis zur Verlegung der Weichenwerkstätte im Jahr 1967 wurden hier auszubessernde Weichen und Baustoffe gelagert. Bis 1980 diente das Areal als Gleislager, danach wurde ein Großteil der Gleisanlagen teilweise oder vollständig abgebaut. Das 13 Hektar große Gelände blieb über Jahrzehnte weitgehend sich selbst überlassen, so dass sich eine reiche Artenvielfalt an Flora und Fauna entwickeln konnte.


Gut Freiham

Das denkmalgeschützte Gut Freiham erstreckt sich entlang der Freihamer Allee. Das Ensemble besteht aus mehreren Einzeldenkmälern, ausgedehnten Wirtschaftsgebäuden und den Alleen am Streiflacher Weg und an der Freihamer Allee.

Das Freihamer Schloss wurde 1680 durch den vormaligen Besitzer Freihams, Achilles von Hermannsreuth, Kammer diener und kurfürstlicher Hofmusiker, errichtet. 1865 veran lasste Carl Theodor von Yrsch die grundlegende und äußerst kostspielige neugotische Umgestaltung des Baus. Seit 2007 gehört das von einem Parkumgebene Schloss einer US-amerikanischen Kosmetikfirma, die es renovieren ließ.

Die katholische Kirche Hl. Kreuz wurde bereits 1315 erstmals erwähnt. Bis zur Umpfarrung im Jahr 1929 war Hl. Kreuz eine Filialkirche von St. Michael in Lochhausen. Das einschiffige Bauwerk entstammt dem 15. Jahrhundert und wurde im 17. und 18. Jahr hundert umgebaut. Den äußerlich schlichten Bau schmückt im Innern eine reiche Rokoko aus - stattung. Die Kirche ist von einem Friedhof mit Grabsteinen des 17. bis 20. Jahrhunderts umgeben. Hier befinden sich Gräber der ehemaligen Be sit zer familien Yrsch und Maffei, die Freiham mittels fortschrittlicher landwirtschaftlicher Methoden zu einem Mustergut machten.

In dem gegenüberliegenden, im 17./18. Jahrhundert errichteten Verwaltungsgebäude befindet sich die von Johann Eduard von Yrsch eingerichtete Schlosswirtschaft. Der Biergarten ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Vom ehemaligen Schlossgut Freiham aus kann man zu den Gütern Moosschwaige und Streiflach (letzteres gehört heute zur Stadt Germering) spazieren, die westlich der Autobahn A 99 liegen und einst zu Freiham gehörten.

Östlich von Gut Freiham befindet sich seit 2005 ein neues Gewerbegebiet. Nördlich der Bodenseestraße wird ab 2015 das Wohngebiet Freiham errichtet, zu dem auch ein Land - schaftspark und ein Schulcampus gehören wer den. Der neu entstehende Stadtteil Freiham ist das derzeit größte Siedlungsentwicklungsprojekt der Landeshauptstadt München. Auf einer Fläche von 350 Hektar werden hier einst bis zu 20.000 Menschen leben und 7.500 arbeiten.

Freihamer Allee 0

Zwangsarbeiterlager Ehrenbürgstraße

Während des Zweiten Weltkrieges ent - standen in München etwa 400 Zwangsarbeiterlager. Nahezu alle sind im Laufe der Nachkriegsjahrzehnte aus dem Stadtbild verschwunden. Lediglich das 1942/1943 erbaute Barackenlager in der Ehrenbürgstraße 9 (vormals Lehmannstraße) ist bis heute baulich weitgehend unverändert erhalten. Laut den Originalplänen des Reichsbahnneubauamtes sollte es elf Baracken umfassen, erhalten sind acht. Zu der von der Reichsbahn errichteten Anlage gehörten sechs Lagerbaracken, eine Sanitätsbaracke mit Entbindungsraum, eine Wasch-, eine Wirtschafts- und eine Wachmannschaftsbaracke.

In den sechs Wohnbaracken waren jeweils 52 Schlafplätze vorgesehen, was zu einer Gesamtbelegungszahl von rund 300 Personen geführt hätte; nach Angaben des Internationalen Suchdiens tes lassen sich im Reichsbahnlager bis 1945 jedoch mehr als 1.000 Personen belegen. Die Sammelunterkunft beherbergte Zwangsarbeiter und eventuell auch Kriegsgefangene, die im nahege lege nen Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW) eingesetzt, aber offenbar auch an zumin dest einen anderen ortsansässigen Betrieb ausgeliehen wurden. Die größte Gruppe stellten Russen, Weißrussen und Ukrainer; danach folgten zahlenmäßig Polen, Italiener und Niederländer sowie Franzosen. Die soge nannten »Ostarbeiter« lebten oft in Familienverbänden im Reichsbahnlager. Mehrere Kinder kamen in dieser Zeit dort zur Welt, und es soll einen Kindergarten gegeben haben. Eine Wachmannschaft führte die Kolonne der Arbeiter zum RAW und zurück ins umzäunte Lager. Ein ehemaliger ukrainischer Zwangsarbeiter berichtet, wie elend man in den Baracken in zweistöckigen Betten hauste. Körperliche Misshandlungen kamen sowohl bei der Verschleppung nach Deutschland als auch im Lager selbst vor.

In der Nachkriegszeit waren zunächst deutsche Kriegsgefangene, dann Flüchtlinge in den Lagerbaracken untergebracht; danach Lehrlinge der Bahn, später auch Lokführer. Seit den 1980er Jahren werden die Gebäude von Handwerkern und Künstlern als Werkstätten und Ateliers sowie von einem Kindergarten und der Münchner Kinder- und Jugendfarm e.V. genutzt. Die aktuellen Mieter haben sich zum Verein »Freie Ateliers und Werkstätten Ehrenbürgstraße e.V.« (FAUWE) zusammengeschlossen und setzen sich für eine angemessene Nutzung des Areals unter Berücksichtigung seiner Geschichte ein. Aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung wurde die gesamte Anlage 2009 unter Ensembleschutz gestellt. Der westlich gelegene Bau 5 steht wegen seines noch weitgehend originalen Erhaltungszustands als Einzelbauwerk unter Denkmalschutz; ebenso die beiden Kleinbunker am Gelände, die den Wachposten Schutz bieten sollten. Die Landeshauptstadt München hat bereits die Baracke 5 angekauft; auf dem Areal soll nach Beschluss des Stadtrats ein historischer Erinnerungs- und Lernort des NS-Dokumentationszentrums München eingerichtet werden.

Elvira Auer

Ehrenbürgstraße 0

Siedlung am Gößweinsteinplatz

Von 1938 bis 1939 errichtete die Heimbau-Bayern am westlichen Ortsrand Neuaubings eine Siedlung für Mitarbeiter des Neuaubinger Dornierwerks. Die Siedlung gilt als typisches Beispiel einer nationalsozialistischen Werksiedlung, die im Zusammenhang mit dem Aufbau der Rüstungsindustrie in Bayern konzipiert wurde. Entsprechend ihrer Bewohner wurde sie als »Dorniersiedlung« bekannt. Der offizielle Name während der Zeit des Nationalsozialismus war »Ludwig-Siebert-Siedlung«, benannt nach dem damaligen nationalsozialistischen Bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert (1874–1942). Der Münchner Architekt Franz Ruf (1909–1997) entwarf die Siedlung. Entlang der geschwungenen Straßenverläufe wurden acht verschiedene Haustypen errichtet, darunter Ein- und Zweifamilienhäuser und zweigeschossige Blockbauten. Von den ursprünglich rund 800 geplanten Wohneinheiten auf 300 bis 600 Quadratmeter großen Grundstücken wurden nur 406 Wohneinheiten des Südabschnitts verwirklicht.

Am Gößweinsteinplatz, der das Zentrum der Siedlung bildet, lässt sich das ursprüngliche siedlungspolitische Konzept der Anlage noch heute ablesen: Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der von Ladenzeilen und einer Gaststätte umgebene Hauptplatz als Appell- und Aufmarschplatz genutzt. Anstelle einer Kirche wurde ein Uhrturm mit Zeltdach errichtet.

Gößweinsteinplatz 0

Siedlung Neuaubing-West

Die Siedlung Neuaubing-West entstand 1965 bis 1969 entlang der Riesenburgstraße und der Wiesentfelser Straße. Sie ging hervor aus dem »Münchner Plan zur Beseitigung der Wohnungsnot« von 1962. Auf einer Fläche von 477.000 Qua dratmetern entstanden rund 2.200 öffentlich geförderte Wohnungen durch die Heimbau Bayern und im geringen Umfang durch die Eisenbahner-Baugenossenschaft. Die städtebauliche Planung lag bei den Architekten Hans Knapp-Schach leiter und Franz Ruf sowie der Stadtplanungsbehörde. Umgesetzt wur den viergeschossige Zeilenbauten und neungeschossige Punkthäuser.

Riesenburgstraße 0

St. Markus

In der Wiesentfelser Straße 49 wurde am 4. Februar 1968 die Behelfskirche St. Markus mit einem Eröffnungsgottesdienst geweiht. Ein Jahr später wurde der Kindergarten und 1970 das Pfarrzentrum eröffnet. Im Sommer 1972 wurde die hölzerne Notkirche abgebaut, um an derselben Stelle einen dauerhaften Kirchenbau zu errichten. Die modern gestaltete St. Markuskirche wurde am 3. Februar 1974 von Weihbischof Ernst Tewes geweiht. Auf einen Turm wurde verzichtet, da er die umstehenden Hochhäuser nicht hätte überragen können.

Wiesentfelser Straße 49

Eisenbahner-BaugenossenschaftsSiedlung

Mitarbeiter der Zentralwerkstätte gründeten 1909 die »Baugenossenschaft Hauptwerkstätte Aubing GmbH«. Bis 1929 entstanden entlang der heutigen Limesstraße (Nr. 46–46b, 48–48c, 50– 50c, 52, 54–54d und 56–56b), Wiesentfelser Straße (4–10) und Plankenfelser Straße (Nr. 1) 163 Wohnungen und eine Gaststätte mit einem Saal für Veranstaltungen. Gebaut wurde auf Grund stücken, die die Reichsbahn im Rahmen des Erbbaurechts zur Verfügung stellte.

1941 wurde die Baugenossenschaft Aubing mit der »Eisenbahner Baugenossenschaft München-Hauptbahnhof GmbH« verschmolzen (heute ebm). Während des Zweiten Weltkriegs wurden in der Wiesentfelser Straße drei Genossenschaftshäuser durch Bomben beschädigt. In den 1960er und 1970er Jahren errichtete die ebm weitere Häuser in der Wiesentfelser- und in der Freienfelsstraße. Die bestehen den Häuser der Siedlung wurden modernisiert. 

Limesstraße 0

Evangelisch-lutherische Adventskirche

Durch den Zuzug von Eisenbahnern wuchs die Zahl der Aubinger Protestanten. Diese mussten den Gottesdienst anfangs in der Münchner Matthäuskirche, später in der Pasinger Himmelfahrtskirche (errichtet 1903/1904) besu chen. 1924 wurde der »Evangelische Verein Aubing und Umgebung e.V.« gegründet. Die Grundsteinlegung für das Neuaubinger Gotteshaus (heute Limesstraße 85) erfolgte am 1. Advent 1938; so erhielt die Kirche ihren Namen. Geweiht wurde der von Architekt Horst Schwabe geplante Bau am 29. September 1940 von Oberkirchenrat Oskar Daumiller.

1949 wurde die Tochtergemeinde Neuaubing zur Pfarrkirchen gemeinde erhoben. Heute zählt die Adventskirche rund 4.200 Gemeindemitglieder – mit steigender Tendenz, bedingt durch den stetigen Zuzug von Neubürgern in den Stadtbezirk. Das am 26. April 1970 eröffnete Gemeindehaus soll in den nächsten Jahren durch einen Neubau ersetzt werden.

Limesstraße 85

Zwangsarbeiterlager der Firma Dornier

An der Kreuzung der heutigen Hohenstein-/ Hoheneckstraße befand sich ein Zwangsarbeiterlager der Firma Dornier, auch »Russenlager« beziehungsweise »Lager Sommer« genannt. Das bereits 1941 errichtete Lager bestand aus etwa neun Baracken, in denen Russen, Ukrainer, Franzosen und Italiener leben mussten. Insgesamt sollen es 833 Personen, darunter 144 Frauen gewesen sein. Bei einem Bombenangriff am 21. Juli 1944 wurde es zerstört. Die Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Die wiederaufgebauten Baracken wur den nach dem Krieg mit deutschstämmigen Flüchtlingen belegt. In den 1980er Jahren entstand an der Stelle des ehemaligen Lagers eine moderne Wohnsiedlung.

Hohensteinstraße 0

Pfarrkirche St. Konrad von Parzham

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Aubinger Pfarrer Georg Böhmer eine eigene Pfarrei für den rasch wachsenden neuen Gemeindeteil beantragt: Zu groß erschienen ihm die Unterschiede zwischen der alteingesessenen Bevölkerung des alten Dorfs und den aus unterschiedlichen Regionen nach Neuaubing zuziehenden Eisenbahnern und Ziegeleiarbeitern.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wurde eine hölzerne Barackenkirche errichtet. Am 29. Mai 1921 weihte Kardinal Faulhaber die erste Kirche Neuaubings dem Heiligen Joachim und der Heiligen Anna – gemäß dem Wunsch des Abtes vom Kloster Scheyern, das das Bauholz gestiftet hatte. Den direkt neben der Schule gelegenen Baugrund an der Limesstraße (damals Lochhamer Straße) hatten die Bayerischen Staatsbahnen gestiftet. Die Innenausstattung der »Eisenbahner-Kirche« war zum Teil in der Schreinerei des Reichsbahnausbesserungswerkes gefertigt worden. 1922 wurde Neuaubing zur Pfarrei erhoben, 1929 erfolgte die Einpfarrung Freihams, das bis dahin zur Pfarrgemeinde Lochhausen gehört hatte.

Wegen des anhaltenden Zuzugs nach Neuaubing wünschte man einen größeren Kirchenbau. 1937 wurde der Architekt Georg Maria Kronenbitter mit dem Entwurf einer neuen Kirche beauftragt; die 1938 eingereichten Pläne konnten wegen Rohstoffmangels und des Zweiten Weltkriegs nicht verwirklicht werden. 1955 wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Am 4. November 1956 weihte Kardinal Wendel die von Kronenbitter geplante Kirche dem Heiligen Konrad von Parzham (Freienfelsstraße 5). Die Glasgemälde der Apsis und der Westfassade gestaltete Albert Burkart. Anfangs nutzte die Pfarrgemeinde den Keller als Versammlungsraum. 1965 wurde neben der Kirche ein Pfarrheim eröffnet. Am einstigen Standort der Notkirche entstanden die Sportanlagen der Limesschule.

Limesstraße 0

Schule in der Limesstraße

Die Gründung der Zentralwerkstätte bewirkte einen anhaltenden Zuzug von Arbeitern und Beamten der Eisenbahn nach Aubing. Dies machte die Errichtung eines Schulhauses im entstehen - den Gemeindeteil Neuaubing notwendig. Die Gemeinde Aubing scheute den mit hohen Kosten verbundenen Bau und Unterhalt einer zweiten Schule. Erst als die Kgl. Bayerische Staatsbahn den Bau mit 50.000 Mark unterstützte und die Pfarrgemeinde St. Quirin der Gemeinde für den Schulbau das Grundstück am Lochhamer Weg (heute Limesstraße 38) zur Verfügung stellte, konnte die Schule errichtet werden. Die Staatsbahn knüpfte ihre Unterstützung an die Bedingung, dass die Gemeinde den Lochhamer Weg in eine zweispurige Straße mit befestigtem Fußweg ausbaue, was mit Hilfe des Verschönerungsvereins Aubing auch geschah.

Am 2. Oktober 1906 wurde die »Schule Aubing-Freiham« eröffnet. Das zweigeschossige Schulgebäude bestand aus vier Klassenzimmern, einem Konferenzzimmer und drei Lehrerwohnungen. 1929 wurde die Schule auf acht Klassenzimmer für 321 Schüler vergrößert. 1956 entstand der sogenannte Neubau, 1960 kamen eine zweite Turnhalle und ein Lernschwimmbecken hinzu. 1976 wurde die Schule in eine Grundschule mit Tagesheim umgewandelt.

Limesstraße 0

Wasserturm

Über Jahrhunderte erfolgte die Wasserversorgung Aubings über Brunnen, die sich bei fast jedem Anwesen befanden. Um in Aubing und im rasch wachsenden Gemeindeteil Neu aubing eine flächendeckende Versorgung mit Trinkwasser zu erreichen, beschloss der Aubinger Gemeinderat 1908 den Bau eines Wasserwerks. Den Bauauftrag erhielt der Aubinger Baumeister Josef Fischer. Das Wasserwerk ging 1910 mit dem Brunnen I in Betrieb; Brunnen II wurde 1934 geschlagen. Auf dem rund 13.000 Quadratmeter großen Grundstück wurden das Brunnenhaus mit der Pumpenanlage und der in zwei Speicherkammern 120 Kubikmeter Wasser fassende Hochbehälter gebaut. Die äußere Gestaltung des knapp 40 Meter hohen Wasserturms erinnert an einen mittelalterlichen Stadtturm. An den Turm angelehnt stand das Wohnhaus für den Wasserwart, außerdem gab es ein gemauertes Werkstattgebäude und ein hölzernes Lagerhaus. Das Herzstück der Anlage bildeten zwei elektrisch angetriebene Hochdruckzentrifugalpumpen, die aus fast 20 Metern Tiefe in der Sekunde 27 Liter (Brunnen I) und 33 Liter (Brunnen II) Wasser förderten.

Nach der Eingemeindung fiel das Wasserwerk an die Stadt München. Nachdem die Münchner Stadtwerke Aubing an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen hatten, wurde das Aubinger Wasserwerk 1954 stillgelegt.

Der denkmalgeschützte Wasserturm (Am Wasserturm 39) ist ein Aubing-Neuaubinger Wahrzeichen und befindet sich heute in Privatbesitz. In dem sanierten Denkmal befindet sich seit 2012 die Kunstgalerie »Wasserturm 39«.

Am Wasserturm 0

Ziegelei Aubing

Etwa an der Ecke Pretzfelder Straße/Streitbergstraße entstand um das Jahr 1900 eine Ziegelei. Der Abbau von Lehm erfolgte zwischen Pretzfelder Straße, Wiesentfelser Straße, Neideckstraße und Limesstraße. Der auf dem etwa 48 Hektar großen Areal gewonnene Lehm wurde mit Pickeln und Schaufeln abgebaut, mit Rollwagen zu den Trocknungshallen transportiert und in Brennöfen zu Ziegeln gebrannt. Die mühsame Arbeit wurde zu einem großen Teil von italienischen Saisonarbeitern ausgeführt. Bis zum Ersten Welt krieg be - schäftigte die Ziegelei etwa 50 bis 60 Arbeiter; da nach sank die Zahl auf 30 bis 40. Aus Arbeitskräftemangel wurde die Produktion kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs eingestellt. Nach dem Krieg wurden in Aubing bis zur Betriebsstilllegung im Jahr 1962 Ziegel produziert.

Das ehemalige Gasthaus »Zur Lüfte« (Pretzfelder Straße 22) ist das letzte Gebäude, das heute noch an die Aubinger Ziegelei erinnert. Es wurde 1906 errichtet und diente mitunter als Kantine der Ziegeleiarbeiter. Hier wurde Toni Böck (1915–1994) geboren. Böck war ein führendes Mitglied der katholischen Laienbewegung und gehörte von 1949 bis 1984 dem Münchner Stadtrat an. Nach ihm ist die Anton-Böck-Straße im Gewerbegebiet Freiham benannt.

Pretzfelder Straße/ 0

Friedhof Aubing

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war absehbar, dass der alte Dorffriedhof an der katholischen Pfarrkirche St. Quirin die Toten der immer größer werdenden Gemeinde langfristig nicht bergen konnte. Die wachsende Zahl zuziehender Protestanten erforderte zudem einen überkonfessionellen Gemeindefriedhof. Dieser entstand südlich der Bahnlinie am Freihamer Weg 73; die Leichenhalle wurde 1908 errichtet. Hier ruhen zahlreiche Persönlichkeiten der Ortsgeschichte, wie der Buchdrucker und Gründer der Aubing-Neuaubinger-Zeitung Josef Heinrich Jeup (1862–1947) und der einstige Stadtrat Anton Böck (1915–1994). Nationale Aufmerksamkeit erhielt der Friedhof bei dem Begräbnis des aus einer Neuaubinger Eisenbahnerfamilie stammenden Philipp Müller (1931–1952). Müller hatte im Reichsbahnausbesserungswerk Neuaubing eine Schlosserlehre absolviert. Er war während der Zeit des Nationalsozialismus aufgewachsen und hatte als Arbeiterkind den Zweiten Weltkrieg und die entbehrungsreiche Nachkriegszeit erlebt. Diese Erfahrungen politisierten ihn und führten zu einer Ablehnung der Westbindungspolitik Konrad Adenauers. Müller schloss sich 1948 der FDJ (Freie Deutschen Jugend) und 1950 der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) an. Bei einer Demonstration gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland wurde der junge Neuaubinger am 11. Mai 1952 in Essen von einem Polizisten erschossen. Zu Müllers Begräbnis reisten mehrere tausend Menschen nach Aubing. Während Müllers tragischer Tod in der Bundesrepublik Deutschland in Vergessenheit geriet, wurde Müllers Schicksal in der DDR vor allem durch die FDJ instrumentalisiert.

Freihamer Weg 73

Siedlung »Am Westkreuz«

Bis in die 1960er Jahre war das Gebiet zwischen Neuaubing und Pasing Ackerland. Im Rahmen des 1960 verabschiedeten »Gesamtplans zur Behebung der Wohnungsnot in München« sollte auf einem etwa 56 Hektar großen Areal die Großsiedlung Neuaubing-Ost entstehen. Schon bald setzte sich der Name Siedlung »Am Westkreuz« durch – in Anlehnung an die geplante, letztlich aber nie verwirklichte Kreuzung von Bodenseestraße und Staatsstraße 2345, die westlich der Siedlung verlaufen sollte. Bauträger der Siedlung war die Südhausbau GmbH, die Planung lag bei den Architekten Helmut von Werz und Johann Christian Ottow.

Zwischen 1964 und 1984 entstanden rund 3.500 überwiegend öffentlich geförderte Miet- und Eigentumswohnungen für rund 12.000 Einwohner. Die in lockerer Bebauung errichteten Zeilen- und Punktwohnhäuser mit gestaffelten Geschossen wurden in Fertigteilbauweise errichtet. Die Siedlung ist von Grünflächen durchzogen.

Am 12. Juni 1969 wurde die Siedlung in Anwesenheit des damaligen Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel eingeweiht. Gleichzeitig fand die Grundsteinlegung für das 138 Meter lange und 55 Meter hohe Wohnhochhaus statt, das die städtebauliche Dominante der Siedlung bilden sollte. Von Paul Ottmann, dem damaligen Geschäftsführer der Südhausbau GmbH, erhielt es den Namen »Ramses«, in Erinnerung an den Pharaonenkönig und Baumeister Ramses II.. Der »Ramses« fasste 343 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe, die noch vor Fertigstellung des Gebäudes als Eigentumswohnungen verkauft wurden. Das Hochhaus lockte mit luxuriösen Gemeinschaftseinrichtungen: einem Hallenschwimmbad und einer 600 Quadratmeter großen Sonnenterrasse, die einen einzigartigen Blick über München und Umgebung gewährte. 1974 erhielt der Bau den Ehrenpreis für guten Wohnungsbau der Landeshauptstadt München.

Der S-Bahnhof Westkreuz wurde 1971 er öffnet. Zur Infrastruktur der Siedlung gehören die Grundschule am Ravensburger Ring 37, die Mittelschule in der Reichenaustraße 3, mehrere Kindergärten, ein Laden- und ein Fitnesszentrum.

1975 wurde in der Radolfzeller Straße erstmals ein Maibaum aufgestellt. Da es sich beim Westkreuz um eine verdichtete Großsiedlung handelt, wurden statt der sonst üblichen Zunftsymbole die Wappen der damals elf Bundesländer montiert. Da viele Bewohner Deutschstämmige aus Osteuropa waren erhielt der Maibaum auch sechs Wappen der sogenannten deutschen Ostgebiete.


Katholische Pfarrkirche St. Lukas

In der Aubinger Straße 63 befindet sich die katholische Pfarrkirche St. Lukas mit angrenzendem Pfarrzentrum. Die Kirche wurde am 16. Juli 1972 geweiht. Architekt Hans Hofmann verzichtete auf einen Kirch turm. Am 31. Dezember 1999 wurde das Wahrzeichen der Kirche, das Lukaskreuz, eingeweiht. Das 9,25 Meter hohe und 4,65 Meter breite Kreuz aus Edelstahl ist ein Werk der Bildhauerin Gabriela von Habs - burg. Im Pfarrhof steht noch das alte Wegkreuz von 1858.

Aubinger Straße 63

Spielhaus

In der Aubinger Straße 57, befindet sich das 2010 eröffnete Spielhaus, das kostenlose spiel- und kulturpädagogische Projekte für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren anbietet. Träger ist der 1991 gegründete Verein Spiellandschaft Westkreuz. Dieser betreibt neben dem Spielhaus, das bis 2010 in einer Baracke untergebracht war, einen mobilen Spielbus.

Aubinger Straße 57

Aubing-Ost

Ursprung und Entwicklung der Siedlung Aubing-Ost waren maßgeblich von der Eisenbahn bestimmt. 1913 gründeten zwanzig kleinere Beamte und Arbeiter der Eisenbahn die »Freie Vereinigung Aubing-Ost« (heute Siedlergemeinschaft Aubing-Ost e. V.«). Diese erwarb in den folgenden Jahren Grundstücke, die bis dahin landwirtschaftlich genutzt wurden oder brachlagen. Das Gebiet wurde parzelliert, an Vereinsmitglieder verkauft, Wege angelegt und Brunnen geschlagen. Die mit großem Gartenanteil ausgestatteten Grundstücke dienten der Selbstversorgung der Siedler. An die Gründung der Siedlung erinnert das Aubing-Ost-Kreuz, das ursprünglich an der Ecke Aubing-Ost-Straße/Hellensteinstraße stand. Heute steht das restaurierte Kreuz am Sponeckplatz.

1926 wurde die Siedlung an das Stromnetz der Isar-Werke angeschlossen; 1930 erfolgte der Anschluss an die Wasserversorgung der Gemeinde Aubing. Im Dezember 1928 zählte Aubing-Ost 22 Häuser und 102 Einwohner, im August 1933 waren es 50 Häuser und 250 Einwohner. Die Siedlung versorgte sich über mehrere kleine Läden und die Gaststätte »Merkur« (Aubing-Ost-Straße 88). Wegen der von den Nationalsozialisten geplanten Verlegung des Münchner Hauptbahnhofs und des damit einhergehenden Baus des Abstellbahnhofs Pasing West an der heutigen Hellensteinstraße wurden die Bewohner des nordöstlichen Teils der Siedlung 1938 zwangsabgesiedelt und zahlreiche Siedlerhäuser abgerissen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich die Siedlung nach Norden und nach Westen aus. 1961 wurde die Bezirks sport - anlage an der Aubing-Ost/Kronwinkler-Straße eröffnet; hier ist auch der Sportverein SV Aubing beheimatet. Mit der Eröffnung der Haltestelle Leienfelsstraße wurde die Siedlung 1972 an das S-Bahnnetz angeschlossen.

In der Aubing-Ost-Straße 66 entstand 1938/1940 die Fernmeldewerkstätte der Reichsbahn als Ersatz für den bisherigen Standort an der heutigen Richelstraße, der dem geplanten Neubau des Münchner Hauptbahnhofs weichen sollte. Kriegsbedingt wurden die Gebäude 1940 zunächst vom Flugzeugbauer Dornier bezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die US-Besatzer die bombenbeschädigte Anlage. Im Frühjahr 1947 wurde die Aubinger Fernmeldewerk stätte ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben und um die Bahn-Fernmeldeschule erweitert. Von hier aus wurden sämtliche Signal-, elektrischen und funktechnischen Einrich tungen der Bundesbahn technisch betreut. 1961/1962 zog die Bundesbahnschule in die AubingOst-Straße 68; ein Neubau entstand 1970. Nach der Schließung der Einrichtungen durch die Deutsche Bahn AG wurden die Gebäude abgerissen. Auf dem ehemaligen Bahnareal entsteht derzeit ein Wohngebiet mit rund 450 Wohneinheiten.


Lager Winter

1941 ließ die Reichsbahn ein Lager für ausländische Zwangsarbeiter der Hochbaubahnmeisterei München-Pasing errichten. Das »Lager Winter« lag an der heutigen Hellensteinstraße. Nach dem Krieg wurden dort deutschstämmige Flüchtlinge und Vertrie bene untergebracht.

Hellensteinstraße 0

Bahnbetriebswagenwerk mit Heizkraftwerk

Die Nationalsozialisten planten den repräsentativen Ausbau Münchens zur Hauptstadt der Bewegung. Kernstück war die Verlegung des Hauptbahnhofs auf Höhe der Friedenheimer Brücke. Um Raum zu schaffen, erfolgte ab 1936 der Abbruch der alten Betriebswagenwerkstätten in Laim und deren Verlegung nach Aubing. Nordwestlich des heutigen S-Bahnhofs Langwied entstand das Betriebswagenwerk, südöstlich wurde der Abstellbahnhof Pasing West errichtet. Ab 1941 wurden im Betriebswagenwerk Eisenbahnwagen auf Mängel untersucht, ausgebessert und gereinigt. Kernstück des Betriebswagenwerks ist die 345 Meter lange und 80 Meter breite Wagenhalle aus roten Mauerziegeln; Architekt des beeindruckenden Industriebaus war Karl Roßmann. Ab 1940 erfolgte die Errichtung des Heizkraftwerks (heute Rupert-Bodner-Straße 3); 1942 wurden die Arbeiten eingestellt. Erst 1957/1958 wurde das Gebäude fertiggestellt und in Betrieb genommen. Der monumentale kubische Sichtziegelbau versorgte bis 1988 das Betriebswagenwerk Pasing West, die Fernmeldewerkstätte und die Bundesbahnschule und steht seit 2007 unter Denkmalschutz.


Geschichtspfad zur Aubinger Ortsgeschichte

Über dem Autobahntunnel der A 99 gestalteten Aubinger Schulkinder 2010 einen Geschichtspfad mit Stationen zur Aubinger Ortsgeschichte. Die Planung für die Trassenführung der A 99 durch Aubing geht auf das Jahr 1938 zurück. Die konkrete Planungsphase mit dem Aubinger Tunnel, an der sich Aubinger Bürger und Mandatsträger intensiv beteiligten, dauerte von 1975 bis zum Baubeginn 2002. Am 18. Februar 2006 wurde der 1.911 Meter lange Tunnel als längster Autobahntunnel Bayerns eröffnet.


Aubinger Lohe

Auf einem Hügel nordwestlich des Aubinger Dorfkerns befindet sich die von einem Fichtenwald bewachsene Aubinger Lohe. Der an seiner höchsten Stelle rund 525 Meter über dem Meeres spiegel liegende Hügel überragt sein flaches Umland um etwa 20 Meter. Entstanden zum Ende der Risseiszeit ist er die einzige nennenswerte natürliche Erhebung in der Münchner Schotterebene. Auf dem Lehmboden der Aubinger Lohe finden sich zahlreiche Siedlungsspuren. Im Süden und Südosten wurden Spuren aus der Bronze-, keltischer und römischer Zeit gefunden sowie zwei »Keltenschanzen«. Im Nordosten liegt ein mittelalterlicher Burgstall. Dieser beschäftigte die Phantasien und wird als sagenumwobener »Teufelsberg« verklärt. Tatsächlich war die Turmburg aus dem 12. Jahrhundert wohl eine Fluchtburg.

Mit der Säkularisierung ging das ehemalige »Ettalische Klosterholz« 1803 in Staatsbesitz über. Die Gemeinde Aubing wollte den Wald 1806 kaufen, konnte aber die verhältnismäßig geringe Summe nicht aufbringen, weshalb die Aubinger Lohe weiterhin ein Staatsforst ist. Mit dem Schlittenbergl und ausgedehnten Spazierwegen ist die artenreiche Aubinger Lohe ein beliebtes Naherholungsgebiet im Münchner Westen.


Villa (Fichtenhof 1)

Die repräsentative Villa (Fichtenhof 1) am Osthang der Aubinger Lohe wurde 1911/1912 von Otto von Faber du Faur gebaut. Die ursprünglich aus Burgund stammende Familie von Faber du Faur hat bedeutende Militärs und Künstler hervorgebracht. Der Bauherr war in den 1920er Jahren Geschäftsführer der nachmaligen Universitäts-Reitschule an der Königinstraße in München.

Fichtenhof 1

Ziegelwerke Lochhausen

Der Ausläufer des Hochterrassenschotters war am Lochhausener Hügel, im Norden der Aubinger Lohe, von einer mächtigen Lehmschicht bedeckt. Zahlreiche Scherbenfunde belegen, dass bereits die Römer hier Ziegelsteine herstellten. Auf einer Karte von Maximilian Anhaus aus dem Jahr 1795 ist im nördlichen Teil der Aubinger Lohe ein Ziegelstadel eingezeichnet.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert verlangte die zunehmende Bautätigkeit in Dörfern und Städten nach immer mehr Baumaterial. Damals rückte der lehmhaltige Boden Lochhausens in den Blick der Ziegelindustrie: 1880 entstand die erste moderne Ziegelei. Diese wurde 1903 an die Portland-Zementwerke Heidelberg AG verkauft, die den Betrieb im Laufe der Jahre gewaltig ausdehnten. Eine weitere Ziegelei errichtete der Kaufmann Georg Goetz 1888. Lochhausens dritte Ziegelei wurde 1891 von dem Münchner Kaufmann Karl Schmitt gegründet. Die beiden letztgenannten Betriebe gingen schließlich in den Süddeutschen Ziegelwerken Lochhausen auf, die zur Werksgruppe der Portland-Zementwerke Heidelberg AG gehörten. Die Ziegelindustrie Lochhausens wurde zu einem bedeutenden Steuerzahler und beschäftigte um 1927 über 250 Arbeiter und Angestellte, darunter traditionell zahlreiche italienischstämmige Saisonarbeiter.

1969 wurde das letzte Lochhauser Ziegelwerk stillgelegt. An der Ziegeleistraße sind noch Reste der einstigen Ziegelindustrie erhalten: die Straße aus Betonplatten mit eingelassenen Schmalspurgleisen, die die Ziegelei einst mit dem Lochhausener Güterbahnhof verbanden, eine Mauer mit Muster ziegeln und das ehemalige Direktionsgebäude der Ziegelei, das inzwischen als Kindergarten genutzt wird (Ziegeleistraße 10).

Zigeleistraße 0

Bahnhof Lochhausen

Am 25. August 1839 wurde die Bahnstrecke München-Lochhausen feierlich eröffnet. Als Endpunkt der zweiten Eisenbahnstrecke Deutschlands schrieb Lochhausen Eisenbahngeschichte. Für die Entwicklung und das Wachstum des Ortes hatte der Eisenbahnanschluss, der ab 1840 ein Haltepunkt auf der Strecke München-Augsburg war, kaum Auswirkungen. Abgesehen von der Ziegelindustrie ließen sich in Lochhausen keine weiteren Industriebetriebe nieder. Das Bahnhofsgebäude wurde erst um 1850 errichtet. Es stand etwa 100 Meter westlich vom heutigen S-Bahnhof. Da es dem Bau von S-Bahngleisen im Weg stand, wurde es 1976 abgerissen.

Lochhausener Straße 0

Katholische Pfarrkirche St. Michael und Ortskern Lochhausen

Bereits im Jahr 1315 wird Lochhausen als selbständige Pfarrei erwähnt. Chor und Sattelturm von St. Michael sind die ältesten erhaltenen Teile der Kirche und stammen aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Langhaus wurde 1735 bis 1739 erweitert; etwa aus dieser Zeit stammt auch die barocke Innenausstattung. 1926/1927 wurde das Langhaus durch einen größeren Neubau von Franz Xaver Boemmel ersetzt, um die Gottes dienstbesucher der wachsenden Gemeinde zu fassen. Am 11. September 1927 weihte Kardinal Faulhaber die erneuerte Kirche (Schussenrieder Straße 6). Die Freihamer Heiligkreuzkirche war bis 1929 eine Filialkirche Lochhausens; bis zur vollständigen Einpfarrung Langwieds im Jahr 1889 wurde ein Teil der Ortschaft von der Pfarrei Aubing betreut.

Schussenrieder Straße 6

Evangelisch-Lutherisches Gemeindezentrum Bartimäus

Bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg fand in Lochhausen Christenlehre statt; zunächst in der Wohnung des damaligen Ziegeleibesitzers Nikolaus, später im alten Lochhausener Schulhaus. Durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen infolge des Zweiten Weltkriegs wuchs die Evangelische Gemeinde in Lochhausen und Langwied stark an. Regelmäßige Gottesdienste fanden im Speisesaal des Kinderheims der Inneren Mission (Ranertstraße 1) statt, später in einer Baracke neben dem Kinderheim.

1961 musste die Notkirche einer Straßenverbreiterung weichen. Nach dem Verlust ihres Versammlungsraums ging die Gemeinde mit großem Engagement daran, ein Grundstück zu finden und mit dem Kirchbauamt einen neuen Kirchenraum zu planen und zu errichten. Am 11. Oktober 1964 wurde der Grundstein für das Gemeindehaus an der Giggenbacherstraße 20 gelegt; die Einweihung wurde am 3. Oktober 1965 gefeiert. Das Fest zur Namensgebung fand am 10. Oktober 1982 statt: Das »Evangelisch-Lutherische Gemeindezentrum Bartimäus« ist benannt nach dem Mann, den Jesus von seiner Blindheit heilte und der daraufhin Nachfolger Jesu wurde (Markusevangelium 10, 46-52).

Der freistehende Glockenturm trägt die älteste Glocke einer Münchner evangelischen Kirche: Sie entstammt dem Geläut der alten Matthäuskirche, die in der Schwanthalerstraße stand und 1938 von den NS-Machthabern abgerissen wurde. Die Glocke wurde 1830 V(on) N(icolaus) RE(nault) aus Lothringen gegossen.

Die Gemeinde in Lochhausen/Langwied ist ein Sprengel der Pasinger Himmelfahrtskirche. Das Gemeindezentrum wird von Leben erfüllt durch Gottesdienste, Gruppen (zum Beispiel den Frauenkreis), geistliche, musikalische und ökumenische Veranstaltungen. Der Lochhausener Singkreis mit Ensemble (gegründet 1981) und der Lochhausener Kinderchor leisten einen engagierten Beitrag zum kirchenmusikalischen, gemeindlichen und kulturellen Leben in Lochhausen.

Dieter Birmann

Giggenbacherstraße 0

Ortskern Langwied

Der den Ortskern durchfließende Langwieder Bach wurde 1900/1901 regu liert. An der Ecke Alprichstraße/Waidachanger steht eine Kapelle, die zum Andenken der im Ersten Weltkrieg Gefallenen der Gemeinde errichtet wurde und auch an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erinnert. Der Landgasthof Langwied (bis 1996 »Gasthaus Böswirth«, Waidachanger 9) entstand um 1900.

Einzelne bäuerliche Anwesen des 19. Jahrhunderts in den Straßen Waidach anger und Im Stocket stehen unter Denkmalschutz.


Langwieder See und Lußsee

Im Norden des Stadtbezirks kann man den Langwieder See und den direkt daneben liegenden Lußsee genießen. Diese sind Teil des im August 2000 eröffneten Naherholungsgebiets »Langwieder Seenplatte«, zu der auch der etwas nördlich gelegene Birkensee zählt. Letzterer gehört bereits zum Landkreis Dachau. Alle drei Seen entstanden durch Kiesaushub.

Der Langwieder See liegt direkt neben der A 8. Der See ent - stand in den 1930er Jahren als Nebenprodukt des Autobahnbaus. Rund 60 Jahre später entstand der Lußsee im Zuge des Baus der Eschenrieder Spange, einem Teilstück der A 99.

Das Dreiseengebiet bietet Erholungssuchenden unter anderem Kies- und Sandstrände, Spielplätze, Beachvolleyballanlagen, ausgewiesene Grillplätze, einen Biergarten und einen Campingplatz. Im Sommer pendelt ein Badebus vom S-Bahnhof Lochhausen zu den Seen.


Eisenkapelle

Östlich des Lußsees, am sogenannten Tipiplatz (Goteboldstraße/Ecke Kreuzkapellenstraße), hat der Kunstglaser Sebastian Weiss zwischen 2003 und 2010 eine Eisenkapelle aus ausgewählten Schrottteilen errichtet. Diese »Schrottkapelle« soll an die einstige Wallfahrtskapelle Heilig Kreuz erinnern, die etwa einen halben Kilometer entfernt auf einem Hügel lag. Die auf dem Adelsberg, im einstigen Allacher Moos, gelegene Heiligkreuzkapelle hatte der 15jährige Erbprinz und spätere Kurfürst Maximilian II. Emanuel (1662–1726) 1677 errichten lassen. Sie war im Volk sehr beliebt. Trotzdem ordnete der Aubinger Pfarrer – gegen den Protest der von der Wallfahrt profitierenden Aubinger, Menzinger und Langwieder Wirte – 1795 den Abbruch des Pilgerziels an.