KulturGeschichtsPfad
 

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Pasinger Bahnhof

Die Einrichtung der Bahnlinie München – Augsburg und die Eröffnung einer Haltestation in Pasing im Jahr 1840 waren für die Entwicklung des Ortes von ausschlaggebender Bedeutung. Dadurch wurden die Voraussetzungen für Industrieansiedlungen, für den Pendel- und Naherholungsverkehr, für die Schulstadt und nicht zuletzt für den Erfolg der Villenkolonien als Wohngebiet geschaffen. 1847/48 baute der Münchner Bahnhofsarchitekt Friedrich Bürklein das erste richtige Bahnhofsgebäude Pasings, das noch heute östlich des 1873 entstandenen Neubaus steht. Es soll auch erhalten bleiben, wenn im Zuge der Umgestaltung des Bah hofsplatzes ein großes Terminalgebäude hinter der jetzigen Schalterhalle entsteht. Der Bahnhofsplatz ist Teil eines Ver kehrsberuhigungskonzep ts für das Pasinger Zentrum, das vom Stadtrat 2006 beschlossen wurde und in den kommenden Jahren umgesetzt wird. Von der Landsberger Straße bis zum Bahnhof ist eine Fußgängerzone vorgesehen, in der lediglich Tram und Bus verkehren. Passanten und Kunden in der Gleichmann- und Bäckerstraße sollen davon profitieren.

Pasinger Bahnhofsplatz 0

Pasinger Marienplatz

Der Pasinger Marienplatz ist das historische Ortszentrum, an dem die Handels straße München – Landsberg und die vom Starnberger See Richtung Norden verlaufende Straße sich kreuzten. Hier befand sich die erste Ortstaferne, die nach einem Brandunglück 1842 zwar auf die gegenüberliegende Straßenseite verlegt wurde, aber noch heute als »Hotel und Gasthof zur Post« besteht. Ein anderes Traditionshaus, das Textilkaufhaus »Kopfmiller«, musste dagegen 1992 nach 80 Jahren seinen Betrieb einstellen. Das Gebäude an der Ecke zur Gleichmannstraße steht unter Denkmalschutz und wird weiterhin als Geschäftshaus genutzt. 

An der Westseite des Marienplatzes gehört die »Pappschachtel«, ein nach dem Ersten Weltkrieg provisorisch errichteter Geschäfts- und Verwaltungsbau, inzwischen zum Traditionsbestand. Seinen ländlichen Charakter verlor der Marienplatz erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Einrichtung der Straßenbahnlinie und der Errichtung des Kopfmiller-Hauses. Auch heute noch kann man aber nur wenige Meter abseits dieses pulsierenden Verkehrs- und Geschäftsknotenpunktes seine Kartoffeln vom Bauernhof holen. 

Pasinger Marienplatz 0

Pasinger Rathaus

Das 1936/37 gebaute Rathaus an der Landsberger Straße zeugt vom Selbstbewusstsein der jungen Stadt. Während die Nationalsozialisten noch den imposanten Neubau zugelassen hatten, holten sie schon zum Schlag gegen die kommunale Selbstverwaltung Pasings aus. Die erst 1905 zur Stadt erhobene Gemeinde Pasing verlor 1938 ihre Selbstständigkeit und wurde nach München eingemeindet. Zu diesem Zeitpunkt war Pasing die fünftgrößte Stadt Oberbayerns. An ihrer Spitze stand Oberbürgermeister Dr. Alois Wunder, der schon seit 1914 die Geschicke der Stadt lenkte. Zunächst nicht in der NSDAP, trug er den nationalsozialistischen Umbruch von 1933 aber weitgehend mit, so dass er an der Stadtspitze blieb. Zur nationalsozialistischen »Machtergreifung« gehörten auch die Gleichschaltung des Stadtrats und die Zerschlagung der Parteien, deren Mitglieder häufig verfolgt wurden. 

Die Einweihung des neuen Pasinger Rathauses am 14. November 1937. Uniformierte beherrschen das Bild. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur noch eine Partei in der Stadtvertretung, die NSDAP. Als erste waren nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 die zwei kommunistischen Mandatsträger vertrieben und im Konzentrationslager inhaftiert worden, es folgten die SPD-Vertreter. Bekannte Exponenten der Arbeiterbewegungsparteien in Pasing wie der Kommunist Franz Stenzer und der Sozialdemokrat Hans Nimmerfall mussten für ihre Einstellung mit dem Leben bezahlen. Im Juni 1933 wurde auch die Bayerische Volkspartei aus dem Pasinger Rathaus vertrieben. Vertreter der katholisch-bürgerlichen Opposition wie der BVP-Stadtrat und Chefredakteur des »Bayerischen Kurier«, Josef Osterhuber, wurden in »Schutzhaft« genommen.

Landsberger Straße 0

Am Knie

Die Eröffnung der Straßenbahnlinie München – Pasing im Jahr 1908 bedeutete für die wirtschaftliche Entwicklung einen weiteren Aufschwung. Die Münchener Straße (heute Landsberger Straße) zwischen Marienplatz und Knie und ihr »Hinterhof« bis zu den Bahngleisen wurden zentraler Standort des gewerblichen Pasing. Dazu gehörten zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa das Telegrafenzeugamt, die Münchener Leistenfabrik, die Kuvertfabrik Pasing (Kupa), die Chemische Waschanstalt Arnold oder die Elektrische Schweißmaschinenfabrik PECO. Fast alle Firmen sind längst Geschichte; die branchenbekannten Namen wie PECO wurden von anderen Unternehmen gekauft.

Nach den vom Stadtrat beschlossenen Neuplanungen für das Gebiet Hauptbahnhof-LaimPasing wird am Knie die Nordumgehung abzweigen, die den Straßenverkehr auf eine neue, neben der Bahnlinie geführte Trasse bis zur Lortzingstraße leitet. Das ehemalige »Stückgutgelände« der Bahn wurde von der Stadt gekauft und soll zu einem Wohnquartier entwickelt werden.

 

Am Knie 0

Ebenböckhaus

Kehrt man zurück in Richtung Ortskern, ist die nächste Station das Ebenböckhaus, das ebenfalls für den Produktionsstandort Pasing steht. Es handelt sich um die ehemalige Wachszieherei Ebenböck, die vom letzten Mitglied der Familie – getreu der familiären Tradition des Mäzenatentums – der Stadt München für gemeinnützige Zwecke vermacht wurde. Heute sind hier das »Archiv der Münchner Arbeiterbewegung e.V.« und das »Pasinger Archiv e.V.« untergebracht. Letzteres widmet sich der Erforschung der Ortsgeschichte und weist eine rege Publikationstätigkeit auf. Seine Gründer Helmut Ebert und Thomas Hasselwander erhielten im Jahr 2000 die Medaille »München leuchtet«.

Ebenböckstraße 0

Altes Rathaus

Ein Stück weiter westlich an der Ecke Ebenböck-/Bäckerstraße befindet sich das alte Rathaus: Seine Geschichte ist eng mit der nationalsozialistischen Machtdurchsetzung in Pasing verknüpft, weil es im Dritten Reich seine Funktion als Rathaus verlor und seit 1938 als »Haus der Partei« den Zwecken der NSDAP diente. Stadträte, die als gewählte Mandatsträger hier am demokratischen Willensbildungsprozess in der Gemeinde teilgenommen hatten, waren mittlerweile im Exil, inhaftiert oder bereits ermordet. Das Haus beherbergt jetzt die Volkshochschule-West sowie das Alten- und Servicezentrum. 

Als »Haus der Partei« wurde das alte Rathaus 1938 von den Nationalsozialisten in Besitz genommen, nachdem die Stadtverwaltung in den Neubau an der Landsberger Straße umgezogen war. Eine Gedenktafel am Gebäude erinnert an seine Erbauung um die Jahrhundertwende. Es wurde gleichzeitig als Gemeindehaus und Feuerwache genutzt.

Bäckerstraße 0

Institut der Englischen Fräulein

Gegenüber dem westlichen Ende der Ebenböckstraße an der Planegger Straße steht das Institut der Englischen Fräulein, das mit seinem im 19. Jahrhundert errichteten Mädchenpensionat ein bekanntes Beispiel für die Schulstadt Pasing ist. Das Internat zeugt bereits von dem durch die Industrialisierung veränderten Charakter Pasings. Es war auf die Bedürfnisse des Bildungs bürgertums ausgerichtet, das seit der Errichtung der Eisenbahnlinie und stärker noch durch den Bau der Villenkolonien Ende des 19. Jahrhunderts die bäuerlichen Bevölkerungs strukturen abzulösen begann. Symptomatisch für diesen Strukturwandel ist auch die Planegger Straße selbst, an der manche Gebäude noch die giebelständigen Bauernhäuser erkennen lassen, andere wiederum den modernen Stadthäusern des 19. und 20. Jahrhunderts entsprechen.

Planeggerstraße 0

Kirche Mariä Geburt

Auf der Würminsel im Klostergarten der Englischen Fräulein sind die Überreste des ersten Schlosses (wohl einer Fluchtburg) zu finden: ein Kellergewölbe, das nicht öffentlich zugänglich ist. Das daneben gelegene zweite Pasinger Schloss aus dem 14. Jahrhundert hatte mit dem Ende der bischöflichen Lehnshoheit über Pasing in der Säkularisation ausgedient und wurde 1817 restlos abgerissen. Für den Wittelsbacher Prinzen Carl entstand weiter südlich ein modernes Landschlösschen. Es ging 1869/70 im Neubau von Schloss Gatterburg auf. Dazwischen liegt die alte Pasinger Pfarrkirche Mariä Geburt, die gotischen Ursprungs ist.

Klostergarten 0

Steinerweg

Über die Würm führt die kleine Brücke am Steinerweg. Auf der gegenüberliegenden Seite steht flussabwärts das zum Appartementhaus umgebaute Gebäude der Hallermühle, in der es einen modernisierten Mühlenbetrieb noch bis in unsere Zeit gab. Flussaufwärts beginnt der große Komplex des Pasinger Kreiskrankenhauses, heute Klinikum München Pasing. Dort war bis 1959 auch das hundert Jahre zuvor errich tete Steinerbad – eines der populärs ten Würmbäder. 

Der Mühlenbesitzer Blasius Steiner errichtete 1853/54 das erste Würmbad, das unter seinem Sohn Joachim in den 1870er Jahren erheblich modernisiert wurde. Hauptkonkurrent war das Reichlbad nur wenig entfernt fluss abwärts.

Steinerweg 0

Avenariusplatz

Am Rand des Stadtparks liegt der Avenariusplatz. Der Platz wurde gleich nach der »Machtergreifung« in Pasing angelegt und auf Beschluss des nationalsozialistischen Stadtrats »Adolf-Hitler-Platz« genannt. Die Nationalsozialisten nutzten das weiträumige Gelände mit der »erzieherisch« günstigen Lage vor der Lehrerbildungsanstalt für Feiern und Aufmärsche, die ihre ganze Stärke demonstrieren sollten.

Avenariusplatz 0

Schulstadt Pasing

Die ehemalige Lehrerbildungsanstalt, spätere Pädagogische Hochschule und jetzige Fachhochschule, am Stadtpark sowie das gegen überliegende Gymnasium (seit 1963 Karls gym na - sium) bilden Schwerpunkte der Schul stadt Pasing. Ihre Anfänge gehen auf das Jahr 1910 zurück, als man nach der Stadterhebung mit qualitätvollen pädagogischen Einrich tun - gen die Attrak ti vi tät Pasings weiter steigern wollte. Bis dahin hatten nur die Engli schen Fräulein höhere Schulbildung in Pasing vermittelt.

Als Sitz der zweiten Kgl. Bayerischen Lehrerbildungsanstalt (nach Freising) etablierte sich Pasing als Standort für die Volksschullehrerausbildung, vollzog auch deren Akademi sie - rung nach dem Zweiten Weltkrieg und Eingliederung in die Universität 1972 noch mit. Erst 1985 brach die Pasinger Tradition mit dem Umzug des erziehungswissenschaftlichen Fachbereichs an die Leopoldstraße ab. 


Anna Croissant-Rust

Die pädagogischen Einrichtungen liegen bereits am Eingang der Waldkolonie, der südlichen Pasinger Villenkolonie, die allerdings wegen ihrer schlechteren Verkehrsanbindung nicht so erfolgreich wie ihre beiden nördlichen Schwestern (vgl. S. 42) war. Den Endpunkt unseres Pfades bildet das Wohnhaus der Schriftstellerin Anna Croissant-Rust in der Maria-Eich-Straße 49, die einen Künstlerkreis um sich bildete und stellvertretend für eine Generation von Schriftstellern stehen kann, die zu Anfang des 20. Jahrhun derts in den Pasinger Villenkolonien die richtige Atmosphäre für ihre Arbeit fand. Zu ihrem Kreis gehörten u.a. Otto Julius Bierbaum, Hans Brandenburg und Waldemar Bonsels, Autor der von Generationen von Kindern geliebten »Biene Maja«.


Pasinger Fabrik

Auf dem Gelände der Haushaltsmaschinenfabrik Franz Ritter stand bis 1939 die markante, im neoromanischgotischen Stil gebaute »Storchenburg« von August Exter, die die Nationalsozialisten im Zuge ihrer Bahnerweiterungspläne abreißen ließen. Ritter gründete die Fabrik 1905, um seinem Erfindergeist und seiner Innovationsfreudigkeit eine Produktionsstätte zu geben. Es scheint, als würde der Genius loci in ver änderter Form im Kulturzentrum »Pasinger Fabrik« weiterleben. Wo einst Flaschenreinigungs- und Messerputzmaschinen entwickelt und hergestellt wurden, hat sich heute ein produktiver und experimentierfreudiger Kulturbetrieb herausgebildet. Theater, Musik, bildende Kunst, Literatur, historische und gesellschaftskritische Ausstellungen, ein Kinder- und Jugendprogramm und Angebote für Senioren finden hier ihren Platz.

Dem nationalsozialistischen Planungswahn fiel die »Storchenburg« auf dem Gelände der Fa. Ritter 1939 zum Opfer. Ihre Nähe zu den Bahnanlagen, die völlig umgebaut werden sollten, wurde ihr zum Verhängnis.


Villenkolonie I

In den 1890er Jahren begann der Architekt August Exter mit der Errichtung der ersten Villenkolonie in Pasing. Der relativ kostengünstige Grund ermöglichte eine großzügige gartenstädtische Anlage, die den zeitgenössischen Vorstellungen des Bürgertums vom gesunden Wohnen entsprach. Der zweite Standortvorteil war die durch die Eisenbahnstation unterstrichene Nähe zu München. Pasing nördlich der Bahnlinie wurde erst durch Exters Villenkolonien entwickelt. Das erforderte umfangreiche Erschließungsarbeiten, z.B. durch eine eigene Kanalisation, die eine Verunreinigung des Nymphenburger Kanals verhindern sollte. Sozialer Mittelpunkt der Villenkolonie I waren der Wensauer Platz (früher Marktplatz) und die Gaststätte »Luisengarten« an der Orthstraße.

Eine Mädchenschule besonderer Art entstand 1920 in dem von Richard Riemerschmid erbauten Gebäude an der Oselstraße 21. Die Balten deutsche Martha von Grot (1867–1962) gründete und leitete das sechsklassige Privatlyzeum bis 1927. Christliche Werte ebenso wie Liberalität und Toleranz prägten dort die Mädchenerziehung. Es entstand eine vertrauensvolle Gemeinschaft von Lehrerinnen und Schülerinnen, die beiden Seiten half, die Anfechtungen durch das nationalsozialistische Regime zu überstehen. In den 1950er Jahren wurde die Grotschule in das neue Elsa-Brandström-Gymnasium an der Ebenböckstr. 1 integriert. Im Gebäude an der Oselstraße ist jetzt eine Grundschule.

In der Oselstraße 14, die bis 1947 Richard-Wagner-Straße hieß, lebte zeit seines Lebens der Pasinger Künstler Hans Osel (1907–1996). Zu Osels bekanntesten Werken zählen die Brunnenfiguren von Liesl Karlstadt auf dem Münchner Viktualienmarkt und der Fischbrunnen auf dem Pasinger Viktualienmarkt. Sowohl die Pasinger Oselstraße als auch die Oselschule sind benannt nach dem Vater des Bildhauers. Heinrich Osel (1863–1919) war 1905–1907 Abgeordneter des Zentrums im Berliner Reichstag und 1918 Gründungsmitglied der Bayerischen Volkspartei, für die er im Bayerischen Landtag saß. Am 21. Februar 1919 wurde er dort von aufgebrachten Anhängern des kurz zuvor ermordeten Kurt Eisner erschossen.


Genossenschaftssiedlung

Ein Abstecher nach Südosten bringt uns in die Genossenschaftssiedlung: Zum bürgerlichen Wohnen in den Villen ko lo nien bot das Wohnen in der nahegelegenen Genossenschafts sied - lung an der Friedrich-Ebert-Straße (im Dritten Reich Horst-Wessel-Straße, heute Nimmerfall straße) einen Kon trastpunkt. Die 1920er Jahre waren überall die Auf schwung zeit des gemeinnützigen Woh nungsbaus. In der Arbeiter - bevölkerung des »Sporer-Blocks« fand die sozialistische Arbeiter bewegung Unterstützung. Die National sozialisten leisteten nach der »Macht er greifung« auch in der »roten« Genos sen schaft »Gleichschal tungs arbeit«. Der ehemalige Vorsitzende der Genos sen schaft Hans Nimmerfall starb an den Folgen der Misshandlungen im Konzen tra - tions lager Dachau.


Nymphenburger Kanal

An der Stelle, an der sich nach dem Bau des Nymphenburger Schlossparks die Wege von Pasing nach Moosach und von Obermenzing nach Laim kreuzten, lag früher das Nymphenbad. Über den Anfang des 18. Jahrhunderts angelegten Kanal ist Obermenzing mit dem Schloss in Nymphenburg verbunden. Er stellte die sichtbare Achse zu St. Wolfgang in Pipping her. Für die Anlage von Kanal und Schlosspark mussten die Obermenzinger Bauern Grund abtreten. Andererseits hatte die Nähe zur Nymphenburger Residenz immer einen hohen ideellen Wert in Pasing und Obermenzing. Rücksichtnahme auf die Belange der Wittelsbacher war Pflicht. So durften die Bauarbeiten an der Villenkolonie I erst fortgesetzt werden, als klar war, dass der Kanal, in dem Prinzregent Luitpold zu baden pflegte, nicht verunreinigt würde.


Durchblickpark

Von den barocken Blickbeziehungen zwischen Nymphenburg und Obermenzing kann man im Durchblickpark noch einen Eindruck erhalten. Freilich liegt nur noch der Blick auf Schloss Blutenburg frei, während er Richtung Nymphenburg durch den Bahndamm verbaut ist. Auch diese Grünschneise war mehrfach gefährdet – so durch Planungen für ein neues Dorfzentrum Obermenzing in den 1920er Jahren, die aber nicht realisiert wurden. Zehn Jahre später wollte Hitler hier eine Verbindungsstraße zwischen der Stuttgarter Autobahn und dem Ende seiner »Großen Achse« am Pasinger Knie anlegen lassen. Die gesamte Achsenplanung kam im Krieg nicht zur Ausführung.

Nördlich des Durchblickparks liegt die Siedlung der »Baugenossenschaft mittlerer Verkehrsbeamten e.G.«. 1909 begonnen und 1912 im wesentlichen fertiggestellt, galt die Bauform und die Ausstattung dieser Ein- und Zweifamilienhäuser nach damaligen Maßstäben als vorbildlich. 


Dorfkern Obermenzing

Über die Dorfstraße gelangt man zum alten Zentrum Obermenzings, das vor allem durch die St. Georgskirche, den traditionellen Maibaum und das Gasthaus »Zum Alten Wirt« geprägt wird. Es zählt zu Bayerns ältesten Wirtshäusern und geht in seiner heutigen Gestalt auf das 16. Jahrhundert zurück. Auch die Schmiede, der Zehentstadel und die um liegenden Höfe gehören zum ensemblegeschützten Dorfkern. Die steinerne Kirche wurde wohl schon Ende des 14. Jahrhunderts im gotischen Stil erbaut und hat noch ältere romanische Ursprünge. Im 17. Jahrhundert erfuhr sie durch den barocken Turmbau eine grundlegende Umgestaltung.

Als Obermenzing in den 1920er Jahren eine selbstständige Pfarrei wurde, galt die alte Dorf kirche als zu klein und verlor nach dem Bau der Pfarrkirche Leiden Christi für den religiösen Alltag an Bedeutung. Die historische Bedeutung des Dorfkerns wird durch Ausgrabungsfunde untermauert, die bei der Bebauung der Maibaumwiese 2004 gemacht wurden. Die Skelette, Hauspfosten und Scherben stammen von einer seit dem zehnten Jahrhundert nach Christus existierenden Ansiedlung.


Carlhäusl

Beim Carlhäusl an der Würm handelt es sich um ein Tagelöhnerhaus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Direkt gegenüber stand zuvor eine Tuchmanufaktur und Färberei, deren Abbruchmaterial wohl für das Haus verwendet wurde.

Der Heimat- und Volkstrachtenverein »D’Würmtaler« Men - zing e.V. unternahm es von 1996 bis 1998, das Haus von Grund auf zu renovieren und richtete es als sein Vereinsheim ein. Auf dem Gelände war bis 1974 das Familien bad Obermenzing, das wegen der schlechten Wasserqualität der Würm aufgelassen werden musste. Inzwischen gibt es intensive Bestrebungen, die Würm zu renaturieren und auch ihre Wasserqualität wieder entscheidend zu verbessern.

An der Würm 0

Schloss Blutenburg

Das alte Zentrum der Hofmark Menzing ist das gotische Schloss Blutenburg. Von Herzog Albrecht III. wurde die ältere Wehranlage um 1430 zu einem Jagdschloss ausgebaut. Unter seinem Sohn Sigismund entstand Ende des 15. Jahrhunderts die Schlosskapelle, die als eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler der Spätgotik im Münchner Raum gilt. Insbesondere der Figurenzyklus des »Blutenburger Meisters« sowie die Altartafeln von Jan Polack schmücken den Innenraum. 1980– 83 wurde die Blutenburg für die Zwecke der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) grundlegend renoviert und ausgebaut. Heute beherbergt sie neben der IJB den »Verein der Freunde Schloß Blutenburg e.V.«, der, unter Leitung von Wolfgang Vogelsgesang, die Initiative zur Renovierung maßgeblich mittrug.

An Schloss Blutenburg führte im April 1945 auch der Todesmarsch der Dachauer KZ-Häftlinge vorbei. Die Zahl seiner Opfer ist nicht genau belegt, liegt aber bei mehreren Tausend. Das Denkmal des Bildhauers Hubertus von Pilgrim erinnert daran. 


Pipping

Die Kirche St. Wolfgang ließ Herzog Sigismund Ende des 15. Jahrhunderts im Weiler Pipping, der zur Hofmark Menzing gehörte, errichten. Eine kleine Kapelle in einem der Schlosstürme war kein adäquates Gotteshaus für den Schlossherrn von Blutenburg. Bis zur Erbauung der Blutenburger Schlosskapelle etwa zehn Jahre später nutzte Sigismund St. Wolfgang als »Hofkirche«. Der Bau ist deshalb stattlicher angelegt als eine Dorfkirche. Während Fresken und Hochaltar aus der Spätgotik dort zu bewundern sind, wurden die Figuren einer Kreuzigungsgruppe, die Erasmus Grasser zugeschrieben werden, in das Bayerische Nationalmuseum verbracht.

Pippinger Straße 0

Villenkolonie II

Die Rundfahrt endet in Pasing am Eingang zur Villenkolonie II. Hier steht das frühere Baubüro August Exters, das jetzt als SPD-Bürgerbüro genutzt wird. Auch das Gelände, auf dem die protestantische Himmelfahrtskirche gelegen ist, wurde von Exter und dem Fabrikbesitzer Riemerschmid gestiftet, dessen Spiritusbrennerei neben der Kolonie II lag. Das Bedürfnis nach einer protestantischen Kirche entstand erst mit dem Zuzug vieler »Auswärtiger« in die Villenkolonien. 1904 wurde der neubarocke Bau von Carl Hocheder eingeweiht.