KulturGeschichtsPfad
 

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Dorfkern Großhadern

Südlich der dicht befahrenen, breiten Würmtalstraße liegt der ehemalige Großhaderner Dorfkern. Trotz der heranrücken den modernen Bebauung ist das alte Dorf bis heute gut erkennbar und steht unter Ensembleschutz. Entlang der Heiglhofstraße (früher Dorfstraße) befinden sich mehrere Bauernhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die teilweise unter Denkmalschutz stehen, wie zum Beispiel der Heiglhof (Heiglhofstraße 8). Inzwischen sind in die ehemaligen Höfe längst Büros, Praxen und Wohnungen eingezogen.

Wo einst die Dorfschmiede war, entstand im Jahr 1900 das Gasthaus Thalmair (heute Hotel, Heiglhofstraße 3); im ehemaligen Wirtshaus »Zur Wachau« (vormals »Alter Wirt«) befindet sich heute das »Erdinger Weißbräu« mit Biergarten (Heiglhofstraße 13). An das dörfliche Leben von einst erinnern der Wochenmarkt in der ehemaligen Dorfstraße und der 1986/1987 von Ernst Wirtl gestaltete Hahnen-Brunnen.


Villa in der Sauerbruchstraße 23

Die Villa in der Sauerbruchstraße 23 wurde 1897/1898 von Simon Priller erbaut. Sie ist der erste nicht-dörfliche Bau im Nahbereich des Großhaderner Dorfkerns. Der Bauherr war durch den Verkauf von Bauland an Immobilienfirmen zu Geld gekommen und demonstrierte dies mit dem standesgemäßen Neubau. Später bewohnte Georg Dietz (1934 bis 1938 stellvertretender Bürgermeister von Großhadern) das Gebäude mit seiner Familie, aus der die Bildhauer Lothar und Elmar Dietz hervorgingen; einige ihrer Werke sind in Hadern zu sehen.

Sauerbruchstraße 23

Weißes Bräuhaus

Das »Weiße Bräuhaus« in Großhadern wurde von Peter Widmann erbaut. Dieser hatte eigentlich das Schreinerhandwerk erlernt und als junger Geselle einige Jahre im Ausland gearbeitet. Die Freundschaft zu einem Braumeister in Lugano und seine Vorliebe für das damals noch recht seltene Weißbier waren wohl der Anlass für den Entschluss, nach der »Wanderschaft« eine Brauerei zu gründen. Zurück in Hadern begann er 1903 mit dem Bau des großzügigen Anwesens und eröffnete 1905 zuerst ein Café mit Flaschenbierausschank und 1908 die Weißbierbrauerei mit Brauereiausschank. Während im Keller gebraut wurde, richtete der Wirt im ersten Stock eine Schreinerwerkstatt ein, in der er die Inneneinrichtung seines Bräuhauses selbst anfertigte.

1926/1927 wurde das Gebäude mit einem Anbau an der Ostseite erweitert. Im Erdgeschoss des Neubaus fanden eine große Küche und die Schänke für den riesigen Biergarten Platz, der nach Zukauf des Nachbargrundstücks bis zur Rebholzstraße reichte. Im Obergeschoss entstand ein Veranstaltungssaal, in dem viele Haderner Feste gefeiert wurden.

Die Wirtsleute Peter und Maria Widmann führten die Gaststätte bis Anfang der 1960er Jahre. Bis zuletzt wurde Weißbier selbst gebraut, andere Sorten zugekauft. Aus Altersgründen wurde der Betrieb dann an die Hacker-Brauerei verpachtet, nach dem Tod von Peter Widmann 1963 an diese verkauft.

2011 erwarb die Augustiner-Brauerei das in die Jahre gekommene Anwesen. Die unerwartet aufwändigen Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten vom Keller bis zum Dach dauerten bis zur Wiedereröffnung im Juni 2013. Einiges konnte sogar erhalten werden, was der Erbauer selbst an gefertigt hatte, zum Beispiel Decken- und Wandvertäfelungen und der Original-Parkettboden des Saales im ersten Stock.

Alfons Kunz


Dorfkirche St. Peter

Ein Wahrzeichen des alten Dorfes Großhadern ist nach wie vor die Peterskirche in der Heiglhofstraße 10. Ursprünglich eine Peter- und-Paulskirche war sie eine Filialkirche Gräfelfings und wurde erstmals 1256 in einem Rechtsstreit zwischen Lochham und Gräfelfing um diese Pfarrzugehörigkeit erwähnt. Der bauliche Kern der ehemaligen Großhaderner Dorfkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert; um 1500 wurde das Kirchlein, ganz ähnlich der spätgotischen Mutterkirche in Gräfelfing, erweitert.

Das barocke Aussehen erhielt es um 1700, wobei das Langhaus und der rechteckige Unterteil des Turms gotisch blieben. 1914 erhielt Großhadern eine Expositur (Seelsorgebezirk). Die inzwischen stark ange wachsene Kirchengemeinde wurde am 1. Oktober 1918 selbstständige Pfarrei und erhielt mit dem Bau von St. Canisius 1926 eine neue Pfarrkirche.

Entsprechend dem Zeitgeschmack wurde St. Peter 1963 bis 1965 im Stil bereinigt, indem die gesamte Inneneinrichtung mit Altären, Kanzel, Beichtstuhl und Taufbecken entfernt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch die neuen Glasfenster, der Volksaltar und die Bankanordnung.

Die durch diese Veränderungsmaßnahmen entstandene Nüchternheit konnte in den vergangenen Jahren überwunden werden, als St. Peter wieder stärker ins Gemeindeleben einbezogen wurde; Wärme und Vertrautheit der bäuerlichen Dorfkirche sind zurückgekehrt.

Otto Gugger

Heiglhofstraße 10

TSV München-Großhadern von 1926 e.V.

1926 war die Einwohnerschaft Großhaderns auf rund 1.100 angewachsen und die Zeit reif für einen eigenen Turnverein. Zur Gründungsversammlung am 26. Juni 1926, die Polykarp Burghart (1. Vorstand 1931–1945 und 1955) einberufen hatte, erschienen 124 Sportbegeisterte. Anfangs fand der Turnbetrieb in der Gaststätte Thalmair und anschließend, von 1930 bis 1932, im Kleinhaderner Gasthof Stürzer statt. Bereits 1927 überließ der Gemeinderat dem TSV ein Grundstück zu sehr günstigen Pachtbedingungen für den Bau einer eigenen Turnhalle (Heiglhofstraße 25). Diese wurde von Vereins mit - gliedern überwiegend in Eigenleistung 1932/1933 errichtet.

1951 zählte der Verein 730 Mitglieder, 1976 waren es bereits 1.790 und 1994 wurde erstmals die Marke von über 3.000 Mitgliedern überschritten; zum 1. Januar 2013 gehörten dem Verein 3.030 Mitglieder an. Seit mehreren Jahrzehnten richtet die Fußballabteilung des TSV Großhadern traditionell das beliebte Haderner Dorffest aus.

Zu den erfolgreichsten Abteilungen zählt die 1949 gegründete Judoabteilung. Diese gewann 1968 erstmals den Deutschen Mannschaftsmeistertitel der Männer und konnte diesen Titel wiederholt erkämpfen. Gerd Egger erzielte 1967 den ersten internationalen Erfolg und wurde Judo-Europameister. Seit 1972 nehmen Judoka aus Großhadern an Olympischen Spielen teil; in München gewann Paul Barth 1972 die Olympische Bronzemedaille. Den Weltmeistertitel holten 1993 Johanna Hagn und zehn Jahre später Florian Wagner.

Auf dem Vereinsgelände entstand 1989 bis 1991 eine moderne Judohalle. Hier, in der »Siegi-Sterr-Judohalle«, sind ein Olympiastützpunkt und ein Landesleistungszentrum angesiedelt; es werden regelmäßig Wettkämpfe ausgetragen. Die Halle ist benannt nach dem damaligen Leiter der Judoabteilung, der die Planung und Erbauung der Halle wesentlich vorangetrieben hat.

Heiglhofstraße 25

Canisiusschule

Der massive Zuzug von Siedlern machte den Bau eines neuen Schulhauses notwendig. Auf einem bis dahin unbebauten Areal östlich des Dorfkerns entstand ab 1909 ein Schulhausneubau nach Plänen von Adolf Fraaß und Emil Löwenstein. Im Mai 1910 konnte die Schule in der damaligen Schulstraße (heute Canisiusplatz 2) die ersten Schüler aufnehmen. Zunächst gab es eine Unterstufe (1. bis 3. Klas se) und eine Oberstufe (4. bis 7. Klasse) in zwei Klassenzimmern. Die Schülerzahl lag bei 90 bis 100.

1937 unterrichteten zehn Lehrer bereits 480 Schüler. Wieder war die Schule zu klein und so wurde ein Erweiterungsbau (Südflügel) in Angriff genommen und 1938 eingeweiht. 1943 wurde das Schulgebäude durch eine Fliegerbombe beschädigt. Von Mitte 1944 bis Herbst 1945 konnte kein Unterricht stattfinden.

Nach dem Krieg drängten, bedingt durch den Zustrom von Ausgebombten und Heimatvertriebenen, über tausend Schüler in die Schule; im Schuljahr 1948/1949 waren es gar 1.326 Schüler. Diese große Zahl ließ sich nur in Schichtunterricht bewältigen. Entlastung für das Haderner Schulhaus erfolgte erst im Laufe der 1950/1960er Jahre durch den Bau zahlreicher Schulhäuser in angrenzenden Stadtteilen und Stadtbezirken.

Um dem wachsenden Bedarf an Ganztagsbetreuung und den wiederum steigenden Schülerzahlen (Siedlung am Max-Lebsche-Platz) Rechnung zu tragen, wird das Gebäude bis 2016 um einen Neubau-Trakt an der Süd- und Westseite erweitert. Der denkmalgeschützte Altbau bleibt erhalten und wird von Grund auf saniert. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird das von der Landeshauptstadt München geförderte Kunst-am-Bau-Projekt »der, die, das – Hauptwort-Baukasten« von Andreas Neumeister in und am Schulhaus installiert, das den Sprachschwerpunkt der Schule aufgreift.

Heike Kunz

Canisiusplatz 2

Pfarrkirche St. Canisius

Der rasche Zuzug spiegelte sich auch in einem rasanten Wachstum der katholischen Pfarrgemeinde wider, für deren Bedürfnisse die St.-Peters-Kirche bald nicht mehr ausreichte. Bereits Anfang 1916 hatte sich der »Katholische Kirchenbau-Verein St. Peter« gegründet, um Spenden für die bauliche Erweiterung der Dorfkirche einzuwerben. Die Veränderung oder gar der Abriss des alten Kirchleins konnte abgewendet werden. Denn im Dezember 1922 hatte eine Haderner Bürgerin dem Kirchenbauverein ein unbebautes Grundstück für den Bau einer neuen Pfarrkirche überlassen. Pfarrer Michael Batzer trieb die Neubaupläne in den wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeiten unermüdlich voran. Nach einem weiteren Grundstückszukauf beauftragte man Franz Rank mit der Planung einer »einfach ausgestatteten, geräumigen« Kirche für die rund 3.000 Seelen große Pfarrgemeinde. Mit ihrem Zwiebelturm erhielt die Kirche eine zum dörflichen Charakter passende Form mit gestalterischen Anklängen an Jugendstil und Neubarock.

Die Grundsteinlegung fand am 5. Juli 1925 statt; bereits am 29. August 1926 erfolgte die Weihe durch Kardinal Faulhaber. Als erste Pfarrkirche in Deutschland wurde sie dem ein Jahr zuvor heiliggesprochenen Petrus Canisius (1521–1597), einem führenden Vertreter der Gegenreformation, geweiht.

Die Altarfigur des Hl. Bonifaz stammt von Lothar Dietz, sein Bruder Elmar schuf die des Hl. Korbinian; die Bildhauer lebten zeitweise in Großhadern.

Canisiusplatz 0

Kleinhaus-Kolonie München-Südwest

Die Immobiliengesellschaft Jakob Heil - mann hatte 1897 große Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Großhadern erworben. Nach einer längeren Pla - nungs phase erfolgte 1906 die Geneh - migung der Baulinien für einen relativ kleinen Teilbereich des Gesamtareals. Südlich der Würmtalstraße, zwischen Sonnenblumenstraße (damals Parkstraße), Pfingstrosenstraße (damals Lindenallee) und Orchisweg (damals Kurze Straße) entstand ab 1908 die Kleinhaus-Kolonie München-Südwest. Die Häuser wurden als erschwinglich, in landschaftlich schöner und gesunder Umgebung gelegen und über Würmtalstraße und Straßenbahn gut erreichbar beworben.

Architekt Franz Böttge prägte das Erscheinungsbild der Siedlung, entwarf er doch neben seinem eigenen Haus in der Gartenstraße 2 (heute Magnolienweg) zehn weitere Gebäude, darunter das denkmalgeschützte Anwesen Pfingstrosenstraße 14. Die ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Häuser Pfingstrosenstraße 16 und Pelargonienweg 8 schuf der Architekt Rudolf Hoffmann; auch das Transformatorenhäuschen auf dem kleinen Platz am Pelargonienweg ist heute ein Baudenkmal. Wohl aufgrund der Bebauung mit schmucken Häusern auf großen Gartengrundstücken wurde die Siedlung bald bekannt als »Villenkolonie«.


Georg Hirschfeld

Im Februar 1908 beantragte die Heilmann’sche Immobiliengesellschaft einen Villenneubau im Magnolienweg 11 (damals Gartenstraße). Als erste Bewohner erwähnt das Stadtadressbuch die Kaufmannsgattin Elsa Roth und Wolfgang Roth, der in der Grafischen Anstalt beschäftigt war.

1916 kaufte der Schriftsteller Georg Hirschfeld das Anwesen und wohnte hier mit seiner zweiten Ehefrau Hedwig, geb. Hassel. Hirschfeld war 1873 in Berlin als Sohn eines jüdi - schen Fabrikantenehepaars geboren worden. Er war um die Jahrhundertwende ein erfolgreicher Schriftsteller, der unter anderem von Gerhart Hauptmann und Theodor Fontane gefördert wurde. 1892 zog er nach München und lebte zeitweise in der Dachauer Künstlerkolonie. In Großhadern führte der Schriftsteller, dessen Popularität allmählich schwand, ein zurückgezogenes Leben. Wohl aus wirtschaftlichen Gründen warb Hedwig Hirschfeld 1935 in der Bayerisch-Israelitischen Gemeindezeitung damit, »jungen jüdischen Menschen« in der Gartenstraße 11 Fertigkeiten des Alltags (zum Beispiel im Haushalt, Gartenbau und in der Kleintierzucht) beizubringen.

Am 2. November 1941 zog Georg Hirschfeld in das Krankenheim der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), wo er am 17. Januar 1942 aus unbekannten Gründen starb.

Von Juni 1939 lebte Gretel (Margarethe) Emilie Weiss für einige Monate in der Gartenstraße 11. Die Jüdin hatte in der Münchner Innenstadt die Parfümerie »Orchideengarten« betrieben, die in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 von nationalsozialistischen Schlägern zerstört worden war. Gretel Emilie Weiss wurde am 20. November 1941 zusammen mit rund 1.000 Münchner Juden nach Kaunas deportiert und dort am 25. November 1941 ermordet.

In der ehemaligen Gartenstraße 11 war von August 1940 bis Januar 1942 der aus Dresden stammende Jude Hugo Jacob gemeldet. Der Angestellte der IKG überlebte die Jahre des Nationalsozialismus und starb am 24. Januar 1949 in München.

Magnolienweg 11

Kurt Eisner

Das Anwesen in der Pfingstrosenstraße 8 (damals Lindenallee) wurde 1908 bis 1909 von der Heilmann’schen Immobiliengesellschaft als Wohnhaus mit sechs Zimmern errichtet. Das Stadtadressbuch von 1911 nennt die Schriftstellerin Else Belli unter dieser Adresse, ab 1912 außerdem Kurt Eisner. Dieser war 1910 aus Nürnberg nach München gezogen, um hier mit Belli zu leben, die er 1917 – nach der Scheidung von Elisabeth Hendrich – in Großhadern standesamtlich heiratete. Nachdem Kurt Eisner in Berlin und Nürnberg für die sozial de - mokratischen Parteiplätter »Vorwärts« und »Fränkische Post« gearbeitet hatte, schrieb er nun für die »Münchener Post« und belieferte die sozialdemokratische Presse mit Feuilletonartikeln über die von ihm gegründete Presse agentur »Arbei - ter-Feuilleton«.

Während des Ersten Weltkrieges wurde Eisner zum entschiedenen Pazifisten und im Frühjahr 1917 Mitbegründer der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), einer Abspaltung der SPD. Im Januar 1918 wurde Eisner als treibende Kraft des Münchner Munitionsarbeiterstreiks festgenommen und blieb bis Oktober 1918 in Haft. Als führender Kopf der Münchner Novemberrevolution rief Eisner am 8. November 1918 das Ende der Wittelsbacher-Monarchie und den »Freistaat« Bayern aus; am selben Tag wählte der Arbeiter- und Soldatenrat Eisner zum bayerischen Ministerpräsidenten. Am 21. Februar 1919, dem Tag, an dem Kurt Eisner im Parlament seinen Rücktritt verkünden wollte, der nach dem desaströsen Wahlergebnis der USPD bei den Landtagswahlen vom 12. Januar unausweichlich geworden war, wurde er von dem Studenten Anton Graf von Arco auf Valley, einem Mitglied der völkischen Thule-Gesellschaft, auf offener Straße ermordet.

Nach seinem Rücktritt als Beauftragter für Volksaufklärung der Münchner Räterepublik am 16. April 1919 hatte sich Gustav Landauer, den Eisner von Berlin nach München geholt hatte, nach Großhadern, in das Haus der Eisners zurückgezogen. Hier wurde er am 1. Mai 1919 von Freikorpsleuten verhaftet und einen Tag später ermordet. Heute ruhen die sterblichen Überreste Landauers und Kurt Eisners nebeneinander auf dem Neuen Israelitischen Friedhof. Nach der Niederschlagung der Räterepublik floh Else Eisner mit den Töchtern in ihre Heimatstadt Gengenbach in Baden; da der bayerische Staat der Witwe jegliche Bezüge verweigerte, war sie auf die finanzielle Unterstützung von Parteigenossen angewiesen. 1933 floh Else Eisner vor den Nationalsozialisten nach Frankreich und beging am 17. Juni 1940 aus Furcht vor der inzwischen nach Frankreich einmarschierten deutschen Wehrmacht in Dôle Selbstmord. Laut Stadtadressbuch von 1923 wohnte damals der Schriftsteller Alfred Sacher in der Lindenallee 8. Seit der Erbauung ist das Haus durch An- und Umbauten erheblich verändert worden.

Pfingstrosenstraße 8

Gastwirtschaft Waldschlösschen

Die Entstehung des denkmalgeschützten Gasthauses in der Würmtalstraße 2 (früher Würmtalstraße 1) ist eng mit der Schaffung des Waldfriedhofs verbunden. Bereits im April 1903 reichte der Kaufmann Eduard Rau, der in der Kaufingerstraße 9 seit 1879 eine »Cristallfabrik-Niederlage« der Glasfabrik Theresienthal führte, bei der Lokalbaukommission einen Plan für die Erbauung eines »Restaurationsgebäudes beim Waldfriedhof« auf seinem bis dahin unbebauten Eckgrundstück Würmtalstraße/Fürstenrieder Straße ein.

Doch statt des von der Baufirma Gebrüder Rank entworfenen großzügigen Gasthauses, wurde ab November 1904 das etwas kleiner dimensionierte »Waldschlössl« des Architekten Fritz Sedlmair errichtet. Bauherr war Alois Dichtl, der das Grundstück inzwischen gekauft hatte. Im Februar 1908 erhielt Dichtl die Genehmigung zum Bau einer Bierhalle, einer Stallung und eines Eiskellers mit Remise. Später wur den ein Schlachthaus und eine Metzgerei angebaut.

Aufgrund der guten Verkehrsanbindung wurde das Waldschlössl mit dem großzügigen Biergarten zu einem beliebten Ausflugslokal. Auch fanden hier zahlreiche Trauerfeiern statt. Die Nähe zum Friedhof führte aber auch immer wie der zu Klagen wegen Störung der Totenruhe.

Würmtalstraße 2

Münchner Textildruckerei Großhadern GmbH

Etwa auf der Höhe des Anwesens Würmtalstraße 2b (vormals Würmtalstraße 35 ½, später Würmtalstraße 2) entstand Anfang der 1920er Jahre die »Münchner Textildruckerei Großhadern GmbH«. Der Betrieb wuchs unter der Leitung Hugo Railings, der seit 1913 mit seinem Bruder Siegfried die Firma »Hahn & Bach«, ein exportorientiertes Spezialgeschäft für Möbelstoffe und Teppiche, führte. Unter anderem für diesen Betrieb, der in der Kaufingerstraße 14 ansässig war, arbeitete die Textildruckerei in Großhadern. So be gründete die Firmenleitung 1928 Erweiterungswünsche mit steigenden Aufträgen durch das Stammhaus »Hahn & Bach«.

Damals beschäftigte die Textildruckerei rund 50 ungelernte Arbeiter. Die Siedlervereinigung Waldschlösschen protestierte im Frühjahr 1926 gegen den kurz zuvor errichteten Schornstein. Mitte der 1930er Jahre wurde die Textildruckerei Großhadern an Ernst Hesse und Felix The Losen verkauft. Die Firma »Hahn & Bach« wurde »arisiert« und für den 31. Dezember 1938 abgemeldet. Bis etwa 2008 war am Standort der ehemaligen Textildruckerei die Reinigung Christ ansässig; anschließend wurden die Gebäude abgerissen.

Der jüdische Unternehmer Hugo Railing (geboren 1886 in München) wurde im Juli 1938 vorübergehend inhaftiert, am 4. April 1942 nach Piaski deportiert und im Vernichtungslager Sobibor ermordet. 

Würmtalstraße 2

Waldfriedhof

Die Stadt München erwarb 1898 ein südlich der Stadt gelegenes Waldgebiet, um hier einen dringend benö tig ten Friedhof für die wachsende Groß stadt zu errichten. Stadtbaurat Hans Grässel ging ab 1905 konzeptionell neue Wege: Statt durch Rodung des Waldes einen – wie bis dahin bei Friedhofsanlagen üblich – geometrisch streng gestalteten Fried - hofspark anzulegen, ließ Grässel die meisten Bäume stehen, arrangierte Gräberfelder malerisch auf Lichtungen und unter Baumgruppen, legte geschwungene Wege an und wählte für Sitzgelegen heiten, Wasserstellen und Grabsteine Mate - rialien, die sich in die umgebende Wald landschaft harmonisch einfügten.

Der 1907 eröffnete Friedhof gilt als erster originärer Waldfriedhof Deutschlands. Allerdings fiel der ursprüngliche Fichtenwald in den 1950er Jahren dem Borkenkäfer zum Opfer; die Wiederaufforstung erfolgte durch widerstandsfähigeren Mischwald. Seit jeher bietet der Waldfriedhof Lebensraum für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten, teilweise in geschützten Biotopen.

Der Waldfriedhof wurde 1957 bis 1966 um einen neuen Teil erweitert; diesen erreicht man über den Eingang Lorettoplatz 3. Der neue Teil erhielt eine moderne Aussegnungs halle und wurde von Gartenarchitekt Ludwig Roemer als großzügiger Landschaftspark mit einem eigenen See gestaltet. Mit 161,32 Hektar Fläche und Platz für circa 64.500 Grabstätten ist der Waldfriedhof Münchens größter und Deutschlands zweitgrößter Friedhof. An Persönlichkeiten, die einst in Hadern lebten, sind hier unter ande ren der Fabrikant Ludwig Hunger, Braue reibesitzer Peter Widmann, Bildhauer Elmar Dietz, Kunst - maler Max Lacher (der die AnastasiusKapelle im Wald friedhof ausgemalt hat), Volksschau spie ler Georg Blädel und der frühere Leiter des städtischen Bestat - tungs amtes, Erich Scheibmayr, beige - setzt. Ferner finden sich hier die Gräber zahl reicher Berühmtheiten der Münch - ner Stadt geschichte, von denen nur eine kleine Auswahl genannt werden kann. So befindet sich das Ehrengrab Hans Grässels gegenüber der Aussegnungs - halle im alten Friedhofsteil. Auch die Architekten Theodor Fischer und Jakob Heilmann, Maler fürst Franz von Stuck, die Komponisten Karl Amadeus Hart mann und Max Reger, Generalmusik direktor Felix Mottl, Kammersänger Fritz Wunderlich sowie der Volksliedforscher Kurt Huber, der der antinationalsozialistischen Widerstandsgruppe »Weiße Rose« angehörte, sind hier bestattet. Die Schriftstellerin Lena Christ beging am 30. Juni 1920 auf einem Grab im Waldfriedhof Selbstmord und wurde anschließend selbst dort beigesetzt. Ferner der Literaturnobelpreisträger Paul Heyse sowie die Schriftsteller Otto Julius Bierbaum, Frank Wedekind, Joseph Ruederer und Michael Ende. Bemer kens wert ist die Grabstätte der Zirkusfamilie Carl Krone mit der Skulptur des Lieblingselefanten Assam.

Auch der Erfinder Carl von Linde und die Nobelpreisträger für Chemie, Adolf von Baeyer und für Physik, Werner Heisenberg haben hier ihr Grab. Ebenso der einstige Münchner Oberbürgermeister Wilhelm Ritter von Borscht, die SPDPolitiker Georg von Vollmar und Waldemar von Knoeringen und der einstige bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel. 1923 war die Urne Gustav Landauers vom Schwabinger Friedhof zum Waldfriedhof verlegt worden; Anhänger des ermordeten pazifistischen Publizisten hatten Gelder für einen würdigen Grabstein, einen Obelisken, gesammelt. Zehn Jahre später zerstörten Nationalsozialisten das Grab des ein - stigen Volksbeauftragten für Volksaufklärung der Münchner Räterepublik. Landauers Urne wurde an die jüdische Gemeinde geschickt und zunächst, zusammen mit der Urne Kurt Eisners (die am Ostfriedhof exhumiert worden war), im jüdischen Friedhof bestattet. 1946 erhielten die vormaligen Weggefährten Landauer und Eisner ihre heutige Grabstätte am Neuen Israelitischen Friedhof; als gemeinsamer Grab - stein dient ein Fragment des von den Nazis zerstörten Obe - lisken von Landauers Waldfriedhof-Grab. Bereits 1929 hatte die Stadt München die »Husarengrabanlage Geiselopfer« eingerichtet, in der Mitglieder der Freikorps Lützow und Epp und des 8. Husarenregiments zusammengelegt wurden, die während der bürgerkriegsartigen Kämpfe Ende April 1919 umgekommen waren; 1975 wurden die sterblichen Überreste von drei Geiseln hierher umgebettet, die am 30. April 1919 im ehemaligen Luitpoldgymnasium von Rotarmisten erschossen worden waren.

Ferner gibt es zahlreiche bemerkenswerte Gräberfelder: So ließ die Max-Planck-Gesellschaft als Rechtsnachfolgerin des an der Euthanasie beteiligten Kaiser-Wilhelms-Instituts für Hirnforschung 1990 Hirnpräparate von über 700 Ermordeten auf dem Waldfriedhof bestatten und einen Gedenkstein für die »Opfer der Euthanasie« aufstellen. Die Anatomische Anstalt der LMU unterhält eine Grabanlage zur Urnenbei - setzung von Verstorbenen, die ihren Körper der Ausbildung von Medizinern überlassen haben.

Bereits 1955 wurde im Waldfriedhof das erste islamische Gräberfeld Deutschlands angelegt. Im neuen Teil des Friedhofs wurde um 2000 auch ein jüdischer Friedhof ausgewiesen.

Das monumentale italienische Kriegsgräberfeld für rund 3.250 italienische Soldaten, die im Ersten und im Zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft starben, befindet sich ebenfalls im neuen Friedhofsteil.

Seit 2006 gibt es eine Grabanlage für Föten und Totgeborene. Im selben Jahr wurde auch die Urnenbestattung unter Bäumen möglich; ein Baumgrab wählte zum Beispiel der Schauspieler Hans-Jörg Felmy. Auf einer Wiese ist außerdem die anonyme Urnenbestattung möglich.

Lorettoplatz 3

Kriegsgräberstätte in der Tischlerstraße

3.543 Opfern beider Weltkriege ist die Kriegsgräberstätte in der Tischlerstraße gewidmet, die 1960 bis 1964 vom Landesverband Bayern des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Zusammenwirken mit dem Bayerischen Staatsministerium des Innern und der Landeshauptstadt München geschaffen wurde. Durch Umbettung von Weltkriegsopfern aus sieben Münchner Friedhöfen und aus Friedhöfen zahlreicher bayerischer Gemeinden entstand ein Ehrenfriedhof mit Gedenkhalle zur Erinnerung an die hier beigesetzten deutschen und europäischen Weltkriegsopfer. Die feierliche Einweihung erfolgte am 20. Juni 1965 im Beisein von rund 1.300 Hinterbliebenen aus der Bundesrepublik Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Italien.

Tischlerstraße 0

Waldheim

Die beliebte Ausflugsgaststätte mit der Adresse Waldheim 1 geht auf den »Deutschen Kriegerbund« (gegründet 1872 als »Kriegerbund der Haupt- und Residenzstadt München«, Umbenennung 1874) zurück. Dessen Zweck war die finanzielle Unterstützung ehemali ger Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/1871. Als Vereinslokal diente zunächst das Gasthaus »Höger« im Tal; ab 1908 strebte der Verein die Erbauung eines eigenen Heimes an. Zu diesem Zweck kaufte der Kriegerbund mit tatkräftiger Unterstützung der Großhaderner Vereinsmitglieder Filser und Westermair 1911 ein etwa 1,7 Hektar großes Waldstück aus dem Besitz des Planegger Gutsbesitzers Rudolf Freiherr von Hirsch. Unter großer Beteiligung der Bürger Großhaderns, die ihre Häuser feierlich geschmückt hatten, wurde am 2. Juni 1912 das »Waldheim« eröffnet. Zunächst durfte nur Wein und Likör ausgeschenkt werden; 1913 wurde die allgemeine Schankerlaubnis erteilt. Im selben Jahr wurde das Heim vergrößert und ein großer Spielplatz angelegt. Der Verein zählte damals 2.141 Mitglieder. Da auch Ausflügler bewirtet wurden, lag der jährliche Bierverbrauch bei rund 400 Hektolitern. 1927 wurde das Gasthaus modernisiert und ein Ergänzungsbau errichtet.

Während des Krieges hatte die Wehrmacht auf dem Terrain des Waldheims eine Hundezwingeranlage von der Hundeersatzstaffel bei der Nachrichtenabteilung VII untergebracht. Die Unterkunftsverwaltung der Luftgau-Kommandantur VII hatte den großen Saal und Teile des Kellers zu Unterbringungszwecken und als Lager angemietet. Trotz dieser Einschränkungen betrug der Bierverbrauch 1941 noch rund 281 Hektoliter.

Zum 1. Januar 1942 ging das Waldheim vom Deutschen Kriegerbund in das Eigentum der Pschorr Bräu AG München über. Diese unterstrich gegenüber der Stadt München die Notwendigkeit für das Fortbestehen des Wirtschaftsbetriebes »zur Versorgung der Wehrmachtsangehörigen und auch der Siedler«, zumal »sich im großen Umkreis keine Verpflegungsstätte mehr« befinde.

Der Betrieb wurde nach dem Krieg weitergeführt und für Tanz, Theater, Konzerte und ähnliche Veranstaltungen genutzt. Heute noch ist das Waldheim ein beliebter Biergarten.

Waldheim 1

Kleine private Lehrinstitut Derksen

Seit 1989 befindet sich das »Kleine private Lehrinstitut Derksen« in der Pfingstrosenstraße 73. Dreißig Jahre zuvor war die Schule in der Privatwohnung von Dieter und Barbe - rina Derksen in der Würmtalstraße gegründet und betrieben worden. Das staatlich anerkannte Gymnasium ist vielfach ausgezeichnet und bemüht sich besonders um die Inklusion behinderter Schüler

Pfingstrosenstraße 73

Seniorenwohnheim

In der Heiglhofstraße 54 ist das Seniorenwohnheim »Margarete von Siemens-Haus« (Münchenstift) untergebracht. Im Garten befindet sich eine Plastik (»Kentaur«, 1973) der Bildhauerin Marlene Neubauer-Woerner (1918–2010).

Heiglhofstraße 54

Klinikum Großhadern

Das alte Klinikviertel nahe dem Sendlinger Tor wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau zeigten sich die räumlichen Kapazitätsgrenzen, so dass 1954 ein Ideen - wettbewerb für einen Neubau außerhalb des Stadtzentrums ausgeschrieben wurde. Den ersten Preis erhielt ein Entwurf der Architektengemeinschaft Schwethelm-Schlempp (später erweitert durch Eichberg). Im August 1955 beschloss der Bayerische Ministerrat, den Neubau auf einem etwa 70 Hektar großen Gelände in Großhadern zu errichten. Neben der vor Lärm und Abgasen geschützten Lage waren hier Erweiterungsmöglichkeiten gegeben. Nach einer schwierigen Planungsphase konnte schließlich 1961 mit dem Bau begonnen werden, der 1977 einen vorläufigen Abschluss fand.

Bald festigte sich der hervorragende Ruf des Klinikums, etwa 1983 durch die erste Herz-Lungen-Transplantation Deutschlands durch den Herzchirurgen Bruno Reichart. Der Klinik - komplex wurde ständig erweitert und die Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende. Erwähnt seien der Neubau des größten OP-Zentrums Europas (Fertigstellung voraussichtlich 2014) und die Verlegung des renommierten »Dr. von Haunerschen Kinderspitals« aus der Innenstadt in ein modernes Klinikgebäude (»Neues Hauner«, voraussichtlich bis 2021). Das Klinikum Großhadern ist seit der Fusion mit dem Innenstadt-Klinikum im Jahr 1999 Teil des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität; dieses ist mit insgesamt rund 2.300 Betten (davon 1.418 Betten in Großhadern) eine der größten Kliniken Deutschlands.

So hat das anfangs mit einiger Skepsis betrachtete Universitäts klinikum den Namen Großhadern weit über Bayern hinaus bekannt gemacht und ist mittlerweile ein fester Bestand - teil Haderns geworden.

Dr. Kurt Einhellig

Marchioninistraße 15

Ehemaliges Rathaus Großhadern

Das Wachstum der Gemeinde führte dazu, dass die Gemeindeverwaltung, die im alten Schulhaus in der Großhaderner Straße untergebracht war, weitere Räumlichkeiten benötigte. Auch ein Sitzungssaal fehlte, weshalb der Gemeinderat zu Sitzungen im Gasthof Thalmair beziehungsweise im Alten Wirt zusammentraf. Seit 1925 erwog die Gemeinde den Bau eines den Erfordernissen angemessenen Verwaltungsneubaus. Der Baubeginn verzögerte sich aufgrund der damit verbundenen erheblichen Kosten.

Schließlich wurde das Rathaus nach nur einem halben Jahr Bauzeit am 23. August 1931 eröffnet. Der Bau in der Würmtalstraße 126 entstand nach Plänen der Architekten Georg Schuller aus Großhadern und Ludwig Zwingmann aus Laim. Das Gemeindehaus barg einen Sitzungssaal, Räume für die Verwaltung, die örtliche Polizeistation mit Arrestzellen und die Löschgeräte der Freiwilligen Feuerwehr. Im Keller gab es drei öffentliche Wannen- und sechs Brausebäder. In den oberen Stockwerken befanden sich neun Wohnungen; die Mieteinnahmen sollten die knappe Gemeindekasse aufbessern helfen.

Die Wandmalereien mit bäuerlichen Motiven am Erkerturm gestaltete Günther Graßmann. Die Mutter-Kind-Figur des Bildhauers Hans Wesselmann an der östlichen Gebäudeseite symbolisiert das Fürsorgewesen der Gemeinde.

Der stattliche Bau mit der mittigen Kuppel verlor mit der 1938 erfolgten Eingemeindung seine ursprüngliche Bestimmung und ging in den Besitz der Stadt München über. Heute sind in den ehemaligen Amtsräumen eine städtische Kindertagesstätte und die Freiwillige Feuerwehr untergebracht; die städtischen Wohnungen sind geblieben.

Würmtalstraße 126

Ludwig Hunger Werkzeug- und Maschinenfabrik GmbH

Der gelernte Mechaniker Ludwig Hunger gründete am 12. Dezember 1922 die nach ihm benannte Firma an der Gräfelfinger Straße 146. Das Unternehmen spezialisierte sich auf Werk - zeuge zur Reparatur von Moto ren. Insbesondere durch die von Hunger entwickelten verstellbaren Handreibahlen erlangte die Firma überregional bald einen hervorragenden Ruf. Mit der zunehmenden Motorisierung entwickelte sich der Betrieb rasch zum größten Arbeitgeber im ansonsten industriearmen Großhadern. In den 1930er Jahren waren hier über 100 Mitarbeiter beschäftigt, 30 Jahre später waren es etwa doppelt so viele.

Anfangs wurde in den Kellerräumen des elterlichen Hauses produziert, die 1928 errichteten Fertigungshallen wurden mehrfach vergrößert und bei einem Großbrand im Jahr 1942 zerstört. Die heutige Fabrikhalle entstand 1952 zwischen Haderun- und Eichenstraße. Am dortigen Standort war die Erweiterung der Betriebsfläche wegen der umgebenden Wohnbebauung nicht möglich. Daher wurde 1967 ein Teil der Produktion in ein neues Werk nach Kaufering ausgelagert.

Die Firma Ludwig Hunger wird inzwischen in der dritten Generation geführt und stellt vor Ort Präzisionswerkzeuge und -maschinen zur Instandsetzung von Motoren her.

Mit seinem Vater, Josef Hunger, gründete Ludwig Hunger 1919 die »Siedlungsgesellschaft Großhadern e.V.«, deren erster Vorstand Josef Hunger wurde. Daraufhin entstand zwischen Würmtal-/Waldhüter-/Gräfelfinger-/ Haderun-/Eichen- und Großhaderner Straße die »Gräfelfinger Kolonie«, auch »Hunger-Siedlung« genannt.

Der Firmengründer Ludwig Hunger (1898–1977) war ein sozialer Arbeitgeber und engagierte sich in der Gemeinde Großhadern. Er gehörte bis 1933 dem Großhaderner Gemeinderat an und war Gründungsmitglied des »TSV Großhadern von 1926«, dessen Vorstand er von 1948 bis 1955 war. 1996 wurde eine Straße in Großhadern nach ihm benannt.

Gräfelfinger Straße 176

Altes Schulhaus

Im November 1877 beschloss die Gemeinde Großhadern den Bau eines eigenen Schulhauses auf einem Gemeindegrundstück in der Heiglstraße (heute Großhaderner Straße 9). Bis dahin waren die Haderner Kinder in Gräfelfing, Planegg und zwischenzeit - lich in Fürstenried unterrichtet worden. Zur Finanzierung erhob die Gemeinde von Januar 1881 bis Dezember 1890 einen Bier aufschlag von 65 Pfennig je Hektoliter Bier – dies erbrachte pro Jahr rund 600 der jährlich zu tilgenden 700 Mark.

Im Schulhaus waren die Lehrerwohnung, das Gemeindebüro, eine Kammer für die Magd und der Schulsaal (im ersten Stock) untergebracht. Im Jahr der Eröffnung, 1881, waren 25 bis 30 Jungen und Mädchen zu unterrichten. Das Schulhaus wurde bald zu klein; für eine Erweiterung war das Grundstück nicht geeignet. In dieser Situation schenkte die Immobilienfirma Heilmann – die durch ihre Erschließungstätigkeit für den raschen Zuzug wesentlich mitverantwortlich war – der Gemeinde eine Wiese von etwa 0,34 Hektar östlich des Großhaderner Dorfkerns. Nach Fertigstellung der Canisiusschule verblieb die Gemeindeverwaltung bis zum Bau des neuen Rathauses im alten Schulgebäude.

Im September 1937 erhielt das Gebäude den Namen »Otto-Nippold-Haus« (benannt nach dem damaligen stellvertretenden Gauleiter von München-Oberbayern) und diente als Ortsgruppenheim der NSDAP. Hier (und nicht im Großhaderner Rathaus) fand am 30. März 1938 die letzte Gemeinderatssitzung vor der Eingemeindung statt.

Bis 2004 war die Bezirksinspektion im alten Schulhaus untergebracht; heute befinden sich hier Wohnungen und Büros.

Großhaderner Straße 9

Ehemalige Brennerei

1890 gründeten fünfzehn Haderner Bauern eine Brennereigenossenschaft. Dadurch konnten die bis dahin bestehenden Kartoffelbrennereien in Großhadern (beim Fischerhof und Heiglhof) und in Kleinhadern (beim Gelbhof und Spitzweghof) aufgelöst und in einen zentralen Brennereibetrieb überführt werden. Auf einem großen Grundstück an der ehemaligen Dorfstraße (heute Großhaderner Straße) errichteten Genossenschaftsmitglieder unter hohem finanziellen Aufwand und Risiko die notwendigen Gebäude: Dazu zählten walter und das markante Brennereigebäude mit Maschinenhaus und dem hohen Schlot. Bereits ab Sommer 1891 lieferten die Bauern ihre Kartoffelernte hier ab. In den folgenden Jahrzehnten wurden jährlich etwa 50.000 bis 80.000 Zentner Kartoffeln zu Industriealkohol verarbeitet, wobei die Brennerei bald auch von Bauern aus der weiteren Umgebung beliefert wurde. Lange galt die Großhaderner Brennerei als eine der modernsten und größten in Deutschland. Durch die Einführung eines neuen Verarbeitungsverfahrens konnte der durch Lagerung und Verarbeitung entstehende Geruch auf ein Minimum reduziert werden.

Da Industriealkohol aus dem Ausland sehr viel billiger eingeführt werden kann, wurde die Großhaderner Industrieanlage in den 1990er Jahren zunehmend unrentabel und 2001 stillgelegt. Die Anlage wurde 2002/2003 abgerissen. Auf dem Grundstück entstand die Wohnanlage Guardinipark mit einer städtischen Kindertagesstätte. An die ehemalige Brennerei erinnert dort heute nur noch die Brennereistraße. Die Dampfmaschine (erbaut 1911 von der Maschinenfabrik »Richard Raupach« in Görlitz), die die Genossenschaft 1932 zur Stromerzeugung gekauft hatte, wurde 2003 in den »Bahnpark Augsburg« verbracht und kann dort besichtigt werden.


Stürzerhof

Der ehemalige Bauernhof in der Großhaderner Straße 54 ist einer der ältesten Höfe Kleinhaderns. Diesem Hof entstammte der spätere Brauereigründer Joseph Pschorr (1770–1841).

Die heutigen Gebäude des stattlichen Dreiseithofs entstanden, nachdem der alte Spitzweghof Mitte des 19. Jahrhunderts niedergebrannt war. 1868 übernahm Mathias Stürzer aus Rotten ried den Bauernhof, der seither im Besitz der Familie Stürzer ist. Diese stellt seit mehreren Jahren den Stadel ihres Hofes (südlicher Flügelbau) für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen zur Verfügung.

Die benachbarte Leonhardskapelle (auch Stürzerkapelle) in der Großhaderner Straße 52 entstand 1894/1895 an der Stelle eines Vorgängerbaus. Der einzige Kleinhaderner Andachts raum ist dem Heiligen Leonhard gewidmet, dem Schutzpatron des Viehs, und wurde 2012 renoviert. Zusammen mit dem denkmalgeschützten Stürzerhof ist die Leonhardskapelle der letzte erhaltene Rest der ehemals dörflichen Bebauung im Ortskern von Kleinhadern.

Großhaderner Straße 54

Blumenau

Immer wieder bedarf es der Erklärung, dass die Blumenau zu Hadern gehört und viel älter ist als die ab Mitte der 1960er Jahre entstandenen Wohnblocks. Dabei wurde bereits 1927 die »Interessengemeinschaft Siedelung Blumenau« gegründet. Auf den Gartengrundstücken entlang der Senftenauerstraße und der damaligen Blumenauer Straße (heute Eisenhutstraße) entstanden – fast ausschließlich in Eigenleistung – Ein- und Zweifamilienhäuser, von denen noch etliche existieren. Bis dahin hatten die Grundstücke Klein- und Großhaderner Bauernfamilien gehört, die diese sukzessive verkauften.

Heute gibt es nur noch den Haderner Bauern Leitner am Luzernenweg, der die Felder in und um die Blumenau bewirtschaftet.

Ab 1964 entstand die mit vielen Bäumen und Grünanlagen geplante Großwohnanlage Blumenau. Straßennamen erinnern an die Volksschauspieler Wastl Witt, Xaver Terofal und Rolf Pinegger sowie an den Volkssänger Karl Flemisch.

Seit dem Bau der Autobahn 96 nach Lindau, die in Vorberei ung auf die Olympischen Spiele 1972 entstand, wird zwischen der Blumenau Nord und Blumenau Süd unterschieden.

Wurde früher die Versorgung der Bevölkerung durch einige Kramerläden und ein Milchgeschäft gesichert, so kauft man heute auf dem Wochenmarkt oder im Einkaufszentrum für den täglichen Bedarf ein. Mussten früher die Gläubigen bis Großhadern zum Kirchenbesuch, so erhielt 1970 die Blumenau eine eigene katholische Kirche, »Erscheinung des Herrn«, mit Pfarrzentrum und Kindergarten. Ferner sind städtische und private Kinderbetreuungseinrichtungen, eine Grund- und Mittelschule, ein Jugendzentrum, ein Nachbarschaftstreff, ein Familienzentrum und ein modernes Gotteshaus der religiösen Bewegung »Die Christengemeinschaft« in der Blumenau angesiedelt. Der im Westen angrenzende Lochhamer Schlag sorgt für gute Luft und bietet ein Naherholungs gebiet vor der Haustüre.

Inge Wiederhut


Siedlung Kleinhadern und Pfarrkirche Fronleichnam

Bereits im März 1920 gründeten 18 Siedlungswillige die »Heimstättenvereinigung Kleinhadern«. Die aus einfachen Verhältnissen stammenden Siedler kauften den Grund von Haderner Bauern und legten zunächst Heimgärten an. In mühsamer Eigenarbeit wurde das bis dahin im Kataster schlicht als »Mitterfeld« bezeichnete Gebiet nördlich des Kleinhaderner Ortskerns in drei Abschnitten bebaut: Dem ältesten, westlich der Willibald- bis zur Silberdistelstraße, dem mittleren zwischen Willibald- und der Kleinhaderner Straße und dem östlichen von der Kleinhaderner- bis zur Alpenveilchenstraße. Der Lochhamer Feldweg (jetzt Senftenauerstraße) bildete die nördliche, die heutige Langbehnstraße (damals ein namenloser Feldweg) die südliche Grenze.

Die Gemeinde verpflichtete die Siedler des neu entstehen - den Viertels, die Straßen im Rohbau selbst herzustellen. 1926 wurde die Siedlung an das Stromnetz angeschlossen, 1928 bis 1930 an die öffentliche Wasserversorgung.

Der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wurde 1936 durch den Bau einer Barackennotkirche erfüllt. Zum 1. Januar 1938 erhielt die Kirche Fronleichnam den Status einer Pfarrkirche. Kriegsausbruch und die Entbehrungen der Nachkriegs zeit verzögerten die Errichtung eines dringend benötigten Kirchenneubaus, der die drängende Raumnot beheben sollte. 1956 bis 1957 entstand die stattliche Pfarrkirche in der Senftenauerstraße 111 nach Plänen des Architekten Karl Jantsch. Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Für den Neubau hatte sich Stephan Wellenhofer (1895–1980) eingesetzt, der 1948 bis 1966 das Amt des Stadtpfarrers versah. Wegen seines Engagements für Jugendliche und Körperbehinderte wurde die Prälat-Wellenhofer-Straße beim Klinikum Großhadern nach ihm benannt.


Kurparksiedlung

Zwischen Ammerseestraße, Guardinistraße und Fürstenrieder Straße (einschließlich des östlichen Teils, der be - reits zum 7. Stadtbezirk gehört) entstand ab Mitte der 1930er Jahre die »Kurparksiedlung«. Vor allem Handwerker, einfache Angestellte und Kaufleute, für die die Grundstückspreise in München unerschwinglich hoch waren, erwarben das günstige Bauland, das bis dahin zum weitläufigen Park des Sanatoriums Neufriedenheim gehört hatte#

Die Grundstücke waren 600 bis 1.000 Quadratmeter groß und wurden zur Selbstversorgung bepflanzt. Die Siedler errichteten die kleinen Häuser überwiegend in Eigenleistung. Da der Kelleraushub mühsam von Hand erfolgte, wurden diese nicht sehr tief angelegt; aus diesem Grund ist die Eingangstür der alten Siedlerhäuser oft nur über eine Treppe zu erreichen.

Seit den 1990er Jahren wurden etliche Siedlerhäuser durch Neubauten ersetzt und zahlreiche Freiflächen bebaut.

Bereits 1932 eröffnete Anni Rink ein Café mit großem Festsaal (Fürstenrieder Straße 198). Dort erinnert noch heute eine alte Laterne mit den Buchstaben »CR« an das »Café Rink«, den einstigen gesellschaftlichen Mittelpunkt der Siedlung.

In der Kurparksiedlung wohnten zeitweise die Schauspielerin und Schlagersängerin Heidi Brühl, die Volksschauspieler Willi Schultes und Hansi Löscher, der Leichtathlet Karl Brunner und die Eiskunstläuferin Erika Kraft.

Die Bewohner der Kurparksiedlung pflegen das nachbarschaftliche Miteinander und sind traditionsbewusst. 2005 haben Anwohner das Feldkreuz am Neufriedenheimer Platz zum 70-jährigen Bestehen des Siedlervereins gestiftet. Mit Bläsern und Böllerschützen findet hier alljährlich eine ökumenische Feldmesse statt.


Wohnstift Augustinum

1955 war das »Evangelische Studienheim Augustinum« für männliche (später auch für weibliche) Schüler in Pasing eröffnet worden. Der Gründer des Internats, Pfarrer Georg Rückert, hatte es nach dem Kirchenvater Augustinus benannt, dessen Geburtstag sich 1954 jährte. 1957 wurde auf Rückerts Initiative der Trägerverein »Evangelisches Stift Augustinum« für ältere Menschen gegründet. Das für die Altenpflege revolutionäre Konzept sah vor, dass die Bewohner selbstständig im eigenen Appartement leben und im Fall der Pflegebedürftigkeit dort umfassend versorgt wer den. Der Verein kaufte ein städtisches Grundstück auf der Gemarkung »Neufriedenheim«. Im August 1961 wurde das Richtfest für das Gebäude gefeiert, in dem schon bald 400 Appartements, ein Theater- und Konzertsaal, ein Hallenbad, ein Café, zahlreiche Geschäfte und eine Bank untergebracht waren. In den folgenden Jahren wurde das Wohnstift vergrößert, das medizinische Angebot und die Freizeitmöglichkeiten wurden verbessert. 2006 zog der frühere Münchner Oberbürgermeister und Bundespolitiker Dr. Hans-Jochen Vogel mit seiner Frau Liselotte in das Augustinum-Neufriedenheim.

1963 wurde die Stiftsklinik Augustinum eröffnet, die eng mit der Münchner Universitäts-Klinik zusammenarbeitet und seit 1995 eine Herzchirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität beherbergt.

Bereits 1962 hatte Gertrud Rückert den »Philadelphischen Dienst« (»Philadelphia« = Nächstenliebe) gegründet, der Abiturientinnen zur Ableistung eines freiwilligen Pflege jahres aufrief – noch bevor es die Einrichtung des »Freiwilligen Sozialen Jahres« überhaupt gab. Das am Augustinum angebrachte griechische Zeichen »Phi« erinnert an dieses Motto.

Nach dem Vorbild des Münchner Hauses gibt es inzwischen deutschlandweit über 20 Augustinum-Wohnheime. Zusammen mit weiteren medizinischen und pädagogischen Einrichtungen gehören diese zur Augustinum-Gruppe, die seit 2002 die gemeinnützige Augustinum GmbH bildet.


Siedlung Neuhadern

Zwischen Wohnstift Augustinum und Gräfelfinger Straße, wo sich bis dahin Felder und das »Quetsch- und Walzwerk Josef Weinberger« befanden, entstand in den frühen 1970er Jahren die Großsiedlung Neuhadern.

Das Wohn-, Einkaufs- und Dienstleistungszentrum »Haderner Stern« bildet das Zentrum des Quartiers und hat seit 1993 eine eigene U-Bahnhaltestelle. Seit langem sind Volkshochschule und Stadtteilbibliothek in der Guardinistraße 90 untergebracht. 2013 erwarb die Lan deshauptstadt München das Gebäude, das zum Stadtteilkulturzentrum ausgebaut werden soll. Zur Siedlung Neuhadern gehören ferner die Grund- und Mittelschule in der Guardinistraße 60, die 1972 eröffnet wurde und die Bezirkssportanlage (Wolkerweg 17); daneben sind der Jugendtreff »pfiffTEEN« und das Kinderhaus Wolkerweg an gesiedelt. Die Einrichtungen des Kreisjugendrings München-Stadt richten sich an Kinder zwischen sechs und achtzehn Jahren. Benannt ist der Weg nach Prälat Ludwig Wolker (1887–1955), Generalpräses des katholischen Jungmänner-Verbandes beziehungsweise der Katholischen Jugend Deutschlands, der sich in der NS-Zeit für die katholische Jugend einsetzte.

Mit Blick auf die geplante Großsiedlung Neuhadern gründete die zu ständige Mutterkirche St. Canisius 1969 eine Kirchenstiftung zur Errichtung eines Kirchenneubaus. Ab 1972 be gann der Aufbau einer eigenen Kirchengemeinde, die ihre Gottesdienste zu nächst in der evangelischen Simeonskirche (Wolkerweg 14) feierte, bevor 1973 eine kleine Holzkirche gebaut wurde. Am 1. Dezember 1974 wurde »St. Ignatius« durch Kardinal Döpfner zur selbständigen Kuratie erhoben. Ignatius von Loyola hatte 1534 den Jesuitenorden (Societas Jesu) gegründet, in den 1549 Petrus Canisius aufgenommen wurde. Architekt Josef Wiedemann plante den Kirchenneubau in der Guardinistraße 83 in Gestalt eines zentralen Rundbaus mit zeltartigem Dach; im Januar 1979 erfolgte die Weihe durch Erzbischof Kardinal Josef Ratzinger, den späteren Papst Bene dikt XVI. Durch Neubauten auf dem ehemaligen Brennereigelände und am Stiftsbogen mit dem Studentenwohn heim (Schröfelhofstraße 6) ist die Kirchengemeinde weiter gewach sen.


Reformations-Gedächtnis-Kirche

Angesichts des anhaltenden Zuzugs wuchs auch die Zahl der Protestanten in der Gemeinde Großhadern stark an. Zuständig für die Betreuung der evangelischen Gemeindemitglieder war die Himmelfahrtskirche in Pasing. Für Gottes dienste stellte die Gemeinde Großhadern den Protestanten Räumlichkeiten im alten Schulhaus an der Großhaderner Straße zur Verfügung. 1929 schlossen sich die ansässigen Protestanten zu einem Evangelischen Kirchenbauverein zusammen, um ein eigenes Gotteshaus zu errichten. Die Gemeinde Großhadern stellte zu diesem Zweck unentgeltlich ein Grundstück zur Verfügung. Am 24. Juni 1935 fand der erste Gottesdienst in dem bescheidenen Kirchenbau statt, der 1953 erweitert wurde. Im November 1935 wurde die evangelische Gemeinde Großhadern zunächst der Himmelfahrtskirchen gemeinde in Sendling und ab Dezember 1938 der Paul-Gerhardt-Kirche in Laim als Tochterkirchengemeinde angegliedert.

Neben der Notkirche wurde am 31. Oktober 1967 der Grundstein für einen modernen Kirchenbau gelegt (Holzapfelkreuther Straße 8a). Da sich an diesem Tag der Thesenanschlag des Reformators Martin Luther zum 450. Mal jährte, trägt die am 23. Mai 1969 geweihte Kirche den Namen Reformations-Gedächtnis-Kirche. Architekt war wieder Gustav Gsaenger; dessen Tochter, die Künstlerin Angela Gsaenger, gestaltete das dreieckige Giebelfenster. Das schlichte Messingkreuz schuf der Großhaderner Goldschmied August Hartle.

Am 4. Adventsonntag 1993 erfolgte die feierliche Einweihung der neuen Euler-Orgel mit 1.326 Pfeifen. Die Musik wird in der Kirchengemeinde besonders gepflegt: es gibt einen Kinderchor, einen Frauenchor und seit 1964 einen Posaunenchor.

Holzapfelkreuther Straße 8