KulturGeschichtsPfad
 

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Olympia-Reitanlage

In der Schichtlstraße, westlich der Galopprennbahn, wurde am 25. Juli 1937 die SS-Hauptreitschule eröffnet. Sie ging aus dem Gestüt Johann Fege - leins hervor. Dessen Sohn Hermann Fegelein (1906–1945), passionierter Turnierreiter und Schwager von Eva Braun, übernahm als SS-Kommandeur die Leitung der Schule. Die SS-Reiterei sollte hier für nationale und internatio - nale Turniere trainieren und sich auf die für 1940 in Tokio geplanten Olympi - schen Spiele vorbereiten. Nach Kriegs - beginn wurden Pferde und Reiter für den Kriegseinsatz eingezogen.

Im Februar 1943 wurde hier eines der ersten Außenlager des KZ Dachau eingerichtet. Bei Kriegsende waren hier mehr als 1.500 Gefangene inhaftiert; sie waren teilweise in Pferdeboxen untergebracht. Das Lager unterstand der Leitung der Organisation Todt. Die Häftlinge wurden zu lebensgefährli chen Räum- und Ausbesserungsarbeiten am Flughafen München-Riem eingesetzt, der wiederholt alliierten Luft an - griffen ausgesetzt war. Auf einem Todesmarsch wurden etwa 1.000 Häftlinge über Grünwald und Wolfratshausen nach Süden getrieben und am 2. Mai 1945 am Tegernsee befreit. Auf dem erweiterten Gelände der ehemaligen SS-Haupt - reit schule entstand die Olympia-Reitanlage von 1972 mit Reithalle, Reitstadion und Außengelände (Landshamer Straße 11). Die Anlage wird seit dem Jahr 2000 von der Olympia-Reitanlagen GmbH verwaltet. Auf dem Areal wer - den auch heute noch Pferdezucht und Pferderennen betrie - ben, aber auch eine große Bandbreite kommerzieller Veran - staltungen findet hier statt.

Landshamer Straße 0

TSV Maccabi München

In der Riemer Straße 300 befinden sich seit 1990 die Anlagen des jüdischen Sportvereins TSV Maccabi München. Der Verein wurde am 29. November 1965 von Überlebenden des Holocaust gegründet. Die Mitglieder der Gründergeneration stammten mehrheitlich aus europäischen Ländern, die während des Nationalsozialismus von der deutschen Wehrmacht überfallen worden waren. Viele von ihnen waren bereits wäh rend des Krieges nach München verschleppt worden. Die erste Vereinssitzung fand im »Maon Hanoar« (dem 1957 eröffneten »Heim der jüdischen Jugend«) in der Möhlstraße 14 statt. Zwanzig Jahre nach der Befreiung aus den Konzen - trationslagern wollte man vor allem den Kindern die Möglichkeit geben, im sportlichen Wettkampf soziale Kontakte innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu knüpfen, um so dem Leben im Land der Täter eine gewisse Normalität zu geben. Neben der Pflege jüdischer Identität und Zusammen ge hö rig keit setzt sich der Verein, der auch Nichtjuden offen steht, gezielt für Toleranz und Integration ein. Heute gehören dem Verein über 1.000 jüdische und nichtjüdische Mitglieder aus 15 Nationen an. Der TSV Maccabi München ist Mitglied des Dachverbandes Makkabi Deutschland (erstmals gegründet 1903, Wiederbegründung 1965), der jüdisch-deutsche Natio nalmannschaften in den Sportarten für die jüdische Olympiade (Maccabiaden) zusammenstellt. Am 25. April 2010 weihte der TSV Maccabi den Kurt-LandauerPlatz mit einem Spiel gegen die »FC Bayern Allstars« (da runter Paul Breitner, Giovane Elber und Lothar Matthäus) ein. Der Fußballplatz ist benannt nach Kurt Landauer, der von 1913 bis 1914, von 1919 bis 1933 und von 1947 bis 1951 Präsident des FC Bayern München war. Unter ihm gewann der Verein 1932 erstmals die Deutsche Meisterschaft. Die Sieger wurden auf ihrem Weg vom Mün chner Hauptbahnhof zum Marien platz von einer jubelnden Menge begleitet. Doch wenige Monate später, nach der »Machtergreifung« der Nationalsozialisten, verlor der Jude Kurt Landauer seinen Beruf als Anzeigenleiter der Münchner Neues ten Nachrich ten und musste am 22. März 1933 als Präsi dent des FC Bayern München zurücktreten. Mit ihm mussten zwei weitere Juden gehen: Meister trainer Richard Dombi und Jugendleiter Otto Beer. Im November 1938 wurde Landauer für 33 Tage im KZ Dachau interniert und emigrierte am 15. März 1939 in die Schweiz. Trotz der Ermor dung von vier Geschwistern durch die Nationalsozialisten kehrte er 1947 nach München zurück und wurde erneut Präsident des FC Bayern München.

Riemer Straße 0

St. Martin

Am Martin-Empl-Ring 15 in Riem befindet sich die älteste Kirche des Stadt bezirks: die katholische Kirche St. Martin. Ehe sie 1838 der damals neu gegründeten Pfarrei Trudering zuge schlagen wurde, war St. Martin eine Filialkirche von St. Georg in Bogen hausen. Bereits im 10. Jahrhundert soll eine hölzerne St. Martinskirche existiert haben, die im 12. Jahr hun dert durch einen Stein - bau ersetzt wurde. Diese wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgetragen und vergrößert wieder aufgebaut. 1893 wurde die Kirche renoviert, um ein Presby te rium und eine Sakristei erweitert und mit Fresken ausgeschmückt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das beschädigte Tonnengewölbe abgetragen und durch eine einfache Holzdecke ersetzt. Das große Fresko in der Apsis schuf 1946/1947 der Kirchenmaler Joseph Bergmann. Bis ins 20. Jahrhundert wurde in Riem nur an jedem dritten Sonntag und an Pfingsten eine Messe gelesen. Daher besuchten die Riemer an den meisten Sonntagen die Tru derin - ger Pfarrkirche. Eine Gedenktafel erinnert an den Dorffriedhof, der einst die Kirche umgab. Dieser wurde 1937 – im Jahr der Eingemeindung Riems nach München – aufgelöst. Die Riemer werden seither im Friedhof Riem Am Mitterfeld beigesetzt.

Martin-Empl-Ring 0

Friedhof Riem

Der Friedhof Riem besteht aus einem alten und einem neuen Teil, deren je - weilige Eingänge sich auf gegenüber liegenden Straßenseiten befinden (Am Mitterfeld 68). Der alte Teil entstand 1913 als Gemeindefriedhof südlich des Riemer Dorf kerns. Er löste den Dorf - friedhof an der Riemer Kirche St. Martin ab, auf dem noch bis 1937 Beisetzun - gen stattfanden. Im alten Teil befindet sich das denkmalgeschützte Leichen - haus aus den 1920/1930er Jahren.

Der auf der westlichen Straßenseite gelegene neue Fried - hofsteil entstand im Zuge der Planung des neuen Stadtteils Messestadt. Die Anlage bedeutet einen Platzgewinn für circa weitere 5.600 Grabstellen. Durch die Erweiterung wurde der Riemer Friedhof zum dringend benötigten Fried - hof für die östlichen Stadtbezirke. Die modernen Friedhofs - gebäude am Eingang sind aus unbehandelt belassenen Materialien wie Eiche, Cortenstahl, Beton und Naturstein gebaut. Das circa 13 Hektar große Areal ist in vier vonein - ander getrennte »Schollen« unterteilt, die von Trocken - mauern und Baum hai nen umgeben sind. Die Gestaltung mit Fuß- und Radwegen und die Bepflanzung mit blühen - den Magerwiesen und heimischen Baumarten entspricht der des benachbarten Riemer Parks. Auf dem Riemer Friedhof sind unter anderem die Riemer Gutsbesitzer Martin Empl (1882–1935) und Andreas Empl (1896–1983) mit ihren Familien beigesetzt. Ebenso Hans Schatz (1872–1970), der von 1919 bis 1923 Bürgermeister von Trudering war und dessen Amtsnachfolger Michael Keller (1874–1948), der als Truderinger Bürgermeister (von 1923 bis 1932) mit den Vertretern der Landeshauptstadt München über die Eingemeindung verhandelte. Ferner wurden hier der Schauspieler und Intendant des Münch ner Volksthea ters Willem Holsboer (1905–1959), der Film pro du zent Günther Stapenhorst (1883–1979), der Schlager sänger Gerhard Wendland (1921–1996) und der bayerische Volks schau spie - ler Peter Steiner (1927–2008) beerdigt.

Am Mitterfeld 0

Ehemaliger Flughafen München-Riem

Wo heute die Münchner Messe, die Messestadt-Riem und der Riemer Park angesiedelt sind, befand sich über ein halbes Jahrhundert (1939–1992) der Verkehrsflughafen München-Riem. Für den Bau des Flughafens mussten Riemer Bauern große Flächen zur Verfügung stellen. Die Verlegung des Flug - hafens nach Riem, das damals noch weit im Osten der Landeshauptstadt lag, war eine wesent liche Voraussetz ung für die Eingemeindung des Dorfes 1937. Bei der Planung der neuen Anlage waren militärische Überlegungen und Repräsentationsansprüche des NS-Regimes entscheidend: Der Architekt Ernst Sagebiel (1892–1970) hatte bereits das Reichsluftfahrtministerium in Berlin gebaut und plante die Flughäfen Berlin-Tempelhof und Stuttgart-Echterdingen. Sagebiel richtete die monumentale Anlage auf das Alpenpanorama aus und konzipierte sie als repräsentatives Tor der »Haupt stadt der Bewegung« und als »Stadion der Luftfahrt«. Von einer massiven Tribüne aus konnten bis zu 100.000 Zu schauer An- und Abflüge sowie Flugver an staltungen beob achten. Am 25. Oktober 1939 wurde der Zivilflugverkehr vom bisherigen Verkehrsflughafen am Oberwiesenfeld nach Riem verlegt. Da der Flughafen während des Krieges in erster Linie militärisch genutzt wurde, war er Ziel alliierter Luftangriffe. Bei Angriffen am 24. März und 9. April 1945 wurden die Flughafenanlagen zu 70 Prozent zerstört. Dabei kamen zahlreiche am Flughafen Beschäf tig te ums Leben, darunter auch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Ab Mai 1945 waren Einheiten der US-amerikanischen Luft - waffe auf dem Flughafengelände stationiert. Nach Repa ra - tur arbeiten wurde Riem als erster deutscher Flughafen nach dem Krieg am 6. Mai 1948 für den zivilen Luftverkehr geöff - net. Bis 1955 stand der Flughafen unter US-ameri ka nischer Verwaltung. Mit dem Ende des Besatzungs statuts erhielt die Bundes republik Deutschland 1955 die Lufthoheit zurück; am 1. April 1955 landete die erste Lufthansa-Maschi ne nach dem Krieg in Riem.

Schon bald offenbarten zahlreiche Un fäl le die Kapazitäts gren - zen des Rie mer Flughafens. Der Absturz der in Riem gestarteten US-amerikanischen Militär maschine am 17. Dezember 1960 an der Paulskirche, bei dem 52 Menschen starben, war ausschlaggebend für die Suche nach einem neuen Flughafen standort. Dieser war 1969 im Erdinger Moos gefunden. Während der langwierigen Planungsphase für dieses Großprojekt bei gleichzeitig steigen dem Luftverkehr musste der Riemer Flug ha fen bis zum Umzug nach Erding (1992) immer wieder erweitert werden.

Am 10. Februar 1970 verübten drei arabische Terroristen ein Attentat auf Passagiere einer in Riem zwischengelandeten Maschine der israelischen Fluggesellschaft EL AL. Im Transitraum und im Bus, der die Reisenden nach einem kurzen Aufenthalt zu ihrem Flug zeug zurück bringen sollte, detonierten mehrere Sprengkörper. Bei dem An schlag starb ein Ingenieur aus Tel Aviv, elf Passagiere wurden schwer verletzt, darunter die in Berlin geborene israelische Schau spi lerin Hanna Meron und der Schauspieler Assaf Dayan, Sohn des damaligen israelischen Verteidi gungs ministers, Moshe Dayan.

Am 17. Mai 1992 gelang eine logistische Meisterleistung: Über Nacht wurde der komplette Flughafen mit seinen beweglichen Teilen an den neuen Flughafen ins Erdinger Moos verlegt. Bis 1996 wurden die alten Flughafenanlagen für Floh märkte, Konzerte und Rave-Veranstaltungen genutzt. Am 1. März 1994 fand im Terminal 1 das letzte Konzert der Rockband »Nirvana« vor dem Selbstmord ihres Sängers Kurt Cobain statt. Im Juni 1994 wurde der legendäre TechnoClub »Ultraschall« im ehemaligen Küchengebäude des Flughafens eröffnet.

Von der ursprünglichen Flughafenanlage sind noch Reste der Zuschauertribüne mit anschließender Kassenhalle, die repräsentative ehemalige Empfangshalle (Wappenhalle) am Konrad-Zuse-Platz 8 und der Tower (Olof-Palme-Straße 11) erhalten.


Messestadt

Die Landeshauptstadt München beschloss 1987, das Messe gelände von der Theresienhöhe auf das frei werdende Flughafengelände in Riem zu verlegen. Mit dieser Entscheidung war der Name für den neuen Stadtteil gefunden, der auf dem ehemaligen Flughafenareal entstand; 1994 wurde die Namensgebung offiziell beschlossen. In der Messestadt sollten die Bereiche Wohnen, Arbeiten und Natur verknüpft werden. Die Bebauung des rund 555 Hektar großen Gebietes folgte diesen Vorgaben: Nördlich der Ost-West-Achse (Willy-Brandt-Allee) ist die gewerbliche Nutzung angesiedelt. Hier befinden sich die 1998 eröffnete Neue Messe München, der Technologiepark Messestadt West und das Gewerbegebiet Messestadt Ost. Südlich der Willy-Brandt-Allee liegen die Wohnquartiere mit der dazugehörenden familienfreundlichen Infrastruktur und das Kulturzentrum Messestadt. Direkt an die Wohnbebauung schließt der Riemer Park an. Bis zum Abschluss der Bauarbeiten 2015 sollen in der Messestadt Riem 13.800 Arbeitsplätze geschaffen und circa 6.100 Wohnungen für rund 14.500 Men schen entstanden sein.

Auf dem weitläufigen Messegelände finden internationale Fachmessen statt. Das Freigelände wird auch für Großveranstaltungen genutzt. So feierte Papst Benedikt XVI. hier am 10. September 2006 einen Gottesdienst und im Mai 2010 fand hier ein Großteil des Programms des Ökumenischen Kirchentages statt.

Die Bebauung der Messestadt ist dem Leitprinzip der Nachhaltigkeit und der ökologischen Verträglichkeit verpflichtet. Besonders gelungene Projekte zeichnet die Landes haupt - stadt mit dem »Bauherrenpreis« aus.

Von Beginn an wurden die Baumaßnahmen in der Messe - stadt mit Kunstprojekten im öffentlichen Raum begleitet: u. a. bis 2003 kunstprojekte_riem, 2005 BUGA Kunst. 2010 gewann der renommierte Künstler Panamarenko mit »Knikke beinen Ravens« den internationalen Kunstwettbewerb »Kunst in der Messestadt Riem«.

In der Georg-Kerschensteiner-Straße 55 befindet sich das 2005 errichtete »Haus der Gegenwart«. Der öffentlich zugängliche Bau ist die Umsetzung eines Beitrags für den vom Magazin der Süddeutschen Zeitung ausgelobten Architekturwettbewerb für ein zeitgemäßes Einfamilienhaus.


Riemer Park

Auf einem Teil des ehemaligen Flughafengeländes München-Riem entstand von 1997 bis 2005 der Riemer Park. Die Pla nung erfolgte im Rahmen des Ent - wick lungskonzepts der Messestadt Riem, die unter dem Motto »nachhaltige Entwicklung eines neuen Stadt teils« stand. Der Landschaftspark wurde von dem französischen Landschafts archi tekten Gilles Vexlard gestaltet. Der Riemer Park erstreckt sich etwa vier Kilometer von Ost nach West und bis zu 1.000 Meter von Nord nach Süd. Mit einer Größe von circa 210 Hektar ist er nach dem Englischen Garten und dem Nymphenburger Park der drittgrößte Park der Landes haupt stadt. Er dient als Naherholungsgebiet und ist mit ortstypischen Pflanzen, wie Magerrasen pflan - zen, Eichen- und Kiefernwäldern bepflanzt. Die beiden Hauptwege an der Parkterrasse erinnern in ihrer Geradlinigkeit an die ehemalige Start- und Landebahn; sie liegen jedoch nicht auf deren ehemaligem Verlauf. Zu den Attraktionen des Parks gehören der Riemer See und zwei künstliche Aussichtsbeziehungsweise Rodelhügel, die aus Abbruchmaterial des ehemaligen Flughafens aufgeschüttet wurden. Da hier 2005 die Bundes gartenschau stattfand, ist der Park auch als BUGA-Park bekannt.

 


Manchesterplatz

2008 erhielt der Manchesterplatz seinen Namen in Erinnerung an das Flug zeug - unglück, das sich am 6. Februar 1958 an dieser Stelle ereignete. Damals raste eine zweimotorige Charter ma schi ne der British European Airways im Schnee matsch über die Startbahn und den anschließenden Sicherheits streifen in den Begrenzungszaun, wurde in ein Haus geschleudert und geriet in Brand. Von den 44 Menschen, die sich an Bord befanden, starben 21 am Unfallort, zwei weitere erlagen später ihren Ver - letzungen. Unter den Toten waren acht Stammspieler der Fußballmannschaft Manchester United, die sich mit Betreuern ihres Fußball clubs und mit zahlrei chen Sportreportern auf dem Rückflug von Belgrad befanden. Dort hatte die Mannschaft tags zuvor den Einzug in das Halbfinale des Europapokals erlangt. Am Flughafen München-Riem war nur ein kurzer Tankstopp geplant, doch dichter Schneefall zwang zum Abbruch zweier Starts; der dritte Startversuch endete in der Katastrophe.

Die große Anteilnahme der deutschen Öffentlichkeit und die gute medizinische Versorgung der Überlebenden trug 13 Jahre nach dem Krieg (in dessen Verlauf die deutsche Luftwaffe auch das legendäre Old Trafford Stadion in Man - ches ter in Schutt und Asche gebombt hatte) zur deutsch-englischen Versöhnung bei. Die Queen empfing den behan - delnden Chefchirurgen Georg Maurer am 5. März 1958 und ernannte ihn zum Ehrenkommandeur des Britischen Empire. Am 22. September 2004 ließ der Verein Manchester United am Absturzort einen Gedenkstein aufstellen, der an die Opfer erinnert und der Stadt München, ihren Bürgern und dem FC Bayern München für die entgegengebrachte Anteil - nahme dankt. Ein ähnliches Mahnmal wurde im Old Trafford Stadion in Manchester angebracht.

Der Mannschaftstrainer Matt Busby, der bei dem Absturz schwer verletzt wurde, stellte eine neue Mannschaft um den überlebenden jungen Stürmer und späteren Fußball welt - meis ter Bobby Charlton zusammen. Mit dieser errangen Busby und Charlton zehn Jahre nach dem Unglück von Riem am 29. Mai 1968 den Europapokal.

Manchesterplatz 0

Gasthof Göttler

In der Kirchtruderinger Straße 17 befand sich einst der Han - sen hof. Dessen Besit zer Franz Großmann erhielt 1864 eine Wirtshauskonzession und eröffne te hier Kirchtruderings erste Wirtschaft – den »Hansenwirt«. Bis dahin muss ten die Kirchtruderinger zum Bier trin ken nach Straßtrudering. Ein eigenes Gast haus wurde vor allem nach dem Kirch gang und bei kirchlichen Festen vermisst. Daher hatte sich Joseph Holzer, dem der gegenüber der Kirche liegen de Wolfbauern - hof gehörte, bereits 1848 um eine Wirtshauskonzession auf Kirchtruderinger Grund bemüht. Doch es sollte noch 16 Jahre dauern, bis diese erteilt wurde.

Der denkmalgeschützte Wirtshausbau, der sich heute hier befindet, entstand um 1900 als »Gasthof Göttler«, benannt nach dem Gastwirt Max Göttler (1875–1940). Der Gasthof entwickelte sich zu einem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Trudering. 1902 wurde hier beispielsweise die »Schützen gesellschaft Gemütlichkeit Trudering e. V.« gegrün - det und der »Truderinger Burschenverein von 1895 e. V.« verDie ehemaligen Bauernhöfe in der Emplstraße anstaltete hier Faschings bälle.

Kirchtruderinger Straße 0

Kriegerdenkmal

Das Truderinger Kriegerdenkmal befindet sich seit 1920 neben der Kirche St. Peter und Paul. Anders als die meis ten Denkmale, die damals zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Bürger aufgestellt wurden, ist das Motiv nicht martialisch. Stattdessen schuf der Münchner Bildhauer Paul Hänisch eine auf einer Säule stehende Madonna mit Kind. Der Opernsänger Maximilian Reischl hatte sich mit einer großzügigen Spende für die Schaffung des Denkmals eingesetzt. Das Denkmal erinnert heute auch an die zwischen 1939 und 1945 gefallenen Truderinger.

Kirchtruderinger Straße 0

Pfarrkirche St. Peter und Paul

Die Kirche St. Peter und Paul (Lehrer-Götz-Weg 23) wurde 1315 erstmals urkundlich erwähnt und war bis 1838 eine Filial kirche der Pfarrei von Bogen hausen. Sie ist damit Trude - rings älteste Pfarrei und betreut heute noch St. Martin in Riem. Da die 600 Jahre alte Dorfkirche für die wachsende Pfarrgemeinde zu klein geworden war, wurde sie 1935 ab ge - rissen. Der Archi tekt Hans Döllgast plante den Neubau, der dreimal so groß wie die alte Kirche ist. Kardinal Faulhaber weihte die neue Kirche bereits am Pfingstsonntag 1936. 1991 wurde ein Bronzerelief des Künst lers Max Faller im Kirchen - innern angebracht, das an den Nazi-Gegner und Wider standskämpfer Pater Rupert Mayer (1876–1945) erinnert, der im Jahr 1937 achtmal in der Kirche St. Peter und Paul predigte. Während die Kirche von Kriegszer stör un gen weitgehend ver schont blieb, wurde das benachbarte Pfarrhaus am 13. Juni 1944 von einer Luftmine zerstört. Dabei kamen 29 Men schen, die hier Zuflucht gesucht hatten, ums Le ben. Unter den Opfern waren zahlrei che Kinder und drei Seel - sorger. An sie erin nert eine Gedenktafel im Durchgang zwi - schen dem 1957 errichteten neuen Pfarrhaus und der Kirche.


Truderinger Bahnhof

Westlich des Ortskerns wurde am 1. Oktober 1870 die Station Trudering an der Hauptbahn München–Rosenheim eröffnet. Auf diese Weise war Trudering an die Verbindung Innsbruck/Brenner angeschlossen und somit mit der »weiten Welt« verbunden. Städte baulich folgenreich sollte die nunmehr bestehende direkte Verbindung zur Landes hauptstadt werden. Um die Jahrhundertwende begannen Truderinger Geschäftsleute und Arbeitnehmer nach München zu pendeln und Münchner Ausflügler entdeckten Trudering. In der Folge entstanden Aus flugs lokale und Kolonien, in denen zunächst ein fache Wochenendhäuschen, später Wohnhäuser errichtet wurden. Geschäftsleute aus Haidhausen, Au und Giesing sie del ten sich in Trudering an, sodass neben traditionellen Bauernhäusern zunehmend auch städtische Haustypen zu sehen waren.

Seit 1972 ist Trudering an das Münchner S-Bahnnetz ange - schlossen und entwickelt sich zum wichtigen Knoten im Öffentlichen Personennahverkehr, den alle Truderinger Buslinien ansteu ern. 1999 wurde die U-Bahnstation Trudering eröffnet.

Am 20. September 1994 brach die Straßendecke ein und ein Bus der Linie 192 stürzte in die U-Bahnbaustelle. Bei dem Unfall kamen zwei Fahrgäste und ein Bauarbeiter ums Leben, weitere 36 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Ein Gedenkstein am Unglücks ort erinnert seit 1999 an die Katastrophe.

Der Bahnhof Trudering spielt auch eine Rolle in Ludwig Thomas Bauern schwank »Erster Klasse« (uraufgeführt 1910). Nach einem Stopp in Trudering stimmt ein Chor das »Truderinger Lied« an, in dem auch das Fingerhakeln besungen wird. Dies inspirierte die Künstlerin Sophie Kaiser: Ein von ihr gestaltetes Wandbild im U-Bahnhof zeigt eine bearbeitete Fotografie vom Fingerhakeln.


Weinkelterei Neuner

Unweit des Truderinger Bahnhofs, in der Truderinger Straße 265 befindet sich ein denkmalgeschützter Gewerbebau. Das stattliche Gebäude wurde 1895 von Josef Lutz erbaut. Auftraggeber war das traditionsreiche Münchner Weinhaus Neuner, das den Bau als Weinkeller und -kelterei nutzte. Die Voraussetzung hierfür war die Genehmigung eines von der Firma Neuner 1894 beantragten Industriegleises, das den Betrieb an das Bahnnetz anschloss. Damit begann die ge - werb liche Nutzung der Bahn in Trudering. Über den eigenen Gleisanschluss wurde der Truderinger Weinkeller bis 1940 mit Trauben aus Südtirol, Norditalien und Burgund beliefert. Die Trauben, die in der Regel nur einen Tag auf der Bahn unterwegs waren, wurden hier umgehend gepresst und ihr Saft in Fässer gefüllt. Der Weinhändler entschied sich für dieses Vorgehen, da der Import von Flaschenwein wesentlich teurer war, als der Import von Trauben.

Bis 1972 wurde das Gebäude von einem Großhändler für Haushaltswaren genutzt (Firma Wilhelm Gurris). Inzwischen sind hier unter anderem ein Fitness Studio und eine Spielhalle untergebracht.


Ehemalige Gemeindeverwaltung

In der Truderinger Straße 288, wo heute eine Rettungswacht des Bayerischen Roten Kreuzes untergebracht ist, befand sich einst der Loherhof. Die Namen der Loherhofbauern lassen sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. 1930 verkauft der letzte Loherhofbauer, Joseph Seidl, das Anwesen mit dem großen Gartengrundstück an die Gemeinde Trudering. Bis zur Eingemeindung 1932 war hier die Ge meinde verwal tung ansässig, anschließend zog die Bezirksin spektion ein (bis 2006). Die Gemeinde richtete eine Volksküche für bedürftige Tru de ringer ein. Auch die Nationalsozialisten führten die Volksküche weiter. In dem Gebäude war bis zur Eröffnung des eigenen Parteiheims 1938 auch die Leitung der NSDAP-Ortsgruppe untergebracht. Auf dem damals zum Grundstück gehörenden Spiel- und Sportplatz fanden in den 1930er Jahren Sonnwendfeiern und Lagerfeuerabende der Truderinger Hitler Jugend (HJ) und des Bundes Deutscher Mädel (BDM) statt.

Truderinger Straße 288

Gasthof Obermaier

Da Trudering an der vielbefahrenen Salz straße zwischen München und Wasserburg lag, erhielt das Bauerndorf bereits im 12. Jahrhundert eine Tafernwirtschaft. Diese war auch Ehafttafern, was bedeutete, dass Truderinger Hochzeiten, Tanzveranstaltungen, Leichenschmaus und dergleichen nur hier stattfinden durften. Von 1635 bis zur Säkularisation 1803 gehörte die Tafern zum Kloster Dietramszell. 1848 wurde sie vom Staat an einen Privateigentümer verkauft, 1863 erwarben Joseph und Theresia Obermaier den Gasthof. Der erhaltene Gasthof, zu dem auch ein Hotel und eine Metzgerei gehören, stammt im Kern aus dem 18./19. Jahrhundert und befindet sich in der Truderinger Straße 306. Eine Bronzetafel über dem Eingang erinnert an Wilhelm Busch (1832–1908), der von 1854 bis 1878 in München lebte und am 4. September 1859 im damaligen »Großen Wirt« übernachtete. Der berühmte Zeichner und Dich ter, der sich auf der Durchreise befand, besuchte die Truderinger Kirchweih und beschrieb daraufhin Stimmung, Brauchtum und Tracht der Truderinger. 

Die Lage des Gasthofs im Truderinger Ortskern machte das Anwesen für die NSDAP-Ortsgruppe attraktiv. Sie baute die ehemalige Scheune des Gasthofs zum Parteihaus mit 13 Räumen aus. Die Ortsgruppe, die bis dahin im Truderinger Gemeindehaus ansässig war, weihte ihr neues Heim am 6. März 1938 ein.

Truderinger Straße 306

Wasserturm und Feuerwehr

In den Anfangsjahren der Kolonie war die Wasser versor gung nur notdürftig gelöst: Die Siedler schleppten das Wasser von den zahlreichen Pump - brunnen in ihre Häuser. 1922 entstan - den ein Pumpwerk (auf dem Nachbar - grund stück der 1933 errichteten Kirche »Christi Himmelfahrt«) und ein Wassert urm in der Wasserburger Landstraße 204. Das Pumpwerk pumpte das Grundwasser in die Kammern des Wasserturms. Sobald diese gefüllt waren, wurde das Wasser mit großem Druck an die Haushalte verteilt.

Aufgrund der regen Siedlungstätigkeit war der Wasservorrat oft schon am Vormittag erschöpft. Erst durch den Anschluss an das Münchner Wassernetz war Waldtrudering ausreichend versorgt.

Gleich neben dem Wasserturm entstand 1922 die Gastwirtschaft »Turmwirt«. Hier wurde 1924 der TSV Waldtrudering gegründet, dessen Vereinslokal der »Turmwirt« blieb, bis die Gaststätte 1970 geschlossen wurde.

Die Sirene der 1923 gegründeten Waldtruderinger Feuerwehr befand sich bis 1972 auf dem Wasserturm, die Handpumpe war in einem angrenzenden Schuppen untergebracht. Nach der Eingemeindung stellte die Münchner Berufsfeuerwehr ein automobiles Löschgerät zur Verfügung und neben dem Wasserturm wurde das Feuerwehrhaus erbaut (Wasserburger Landstraße 202). Während des Zweiten Weltkrieges musste die Waldtruderinger Feuerwehr vor allem Brände am Riemer Flughafen und entlang der Bahnlinie löschen, die infolge der alliierten Luftangriffe entstanden.


Gasthaus Phantasie

Bezeichnenderweise entstand 1905 als eines der ersten Steinhäuser des einstigen Ausflugsortes eine Gaststätte: die »Waldrestauration Phantasie« in der Wasserburger Landstraße 209. Die Phantasiestraße erinnert an dieses einst sehr beliebte Ausflugsziel. Neben Bierhalle und Biergarten bot die »Phantasie« ihren Gästen eine Kegelbahn und eine im Sommer und Winter nutzbare Rodelbahn. Im Sommer fand hier jeden Sonntag ein Volksfest mit Musik, Tanz, Schieß- und Schaubuden statt. Bei Münchner Radvereinen war die Waldwirtschaft ein beliebtes Ziel ihrer Fahrten.

1924 erwarben Fritz und Katharina Baerlein das Gasthaus »Phantasie«. Als der Druck auf jüdische Gewerbetreibende immer stärker wurde, sah sich der jüdische Gastwirt Fritz Baerlein gezwungen, die »Phantasie« am 29. November 1940 zu verkaufen. Am 18. Juni 1942 wurde die damals 25jährige Tochter des Gastwirtspaares, die Kontrabassistin und Geigerin Elisabeth Baerlein, nach Theresienstadt deportiert. Zwei Jahre später wurde sie in Auschwitz ermordet.

Am 1. März 1952 erhielt die Witwe Katharina Baerlein den Besitz zurück – laut Wiedergutmachungsbescheid bestand der restituierte Besitz von 5,1 Hektar Grund und 2,1 Hektar Garten aus dem Wohnhaus mit Gasthaus, Metzgerei, Schlachthaus, Eiskeller, Stall, Scheune und Hofraum.

Phantasiestraße 0

Lachenmeyrstraße

Auf dem Grundstück Wasserburger Landstraße/Ecke Lachenmeyrstraße befand sich das Restaurant »Waldes - ruh«. Dazu gehörte von 1911/1912 bis 1915 eine große Festhalle, die bis zu 700 Personen fasste. Etwa zeitgleich mit der Eröffnung der Gastwirtschaft entstand ab 1911 die Siedlung in der Lachenmeyrstraße. Das Wohnviertel ist somit eines der ältesten in Waldtrudering.

Die Lachenmeyrstraße erhielt ihren Namen 1933 in Erinnerung an Ignaz Lachenmeyr (1862–1914), der von 1886 bis 1914 Schulleiter an der Schule am Lehrer-Götz-Weg war und als Gemeindeschreiber der damals selbständigen Gemeinde Trudering wirkte.

Lachenmeyrstraße 0

Kolonialviertel

1925 erwarb der Kolonialkriegerverein ein Grundstück in Waldtrudering und betrieb dort ein Vereinslokal. Großen Einfluss hatte der Verein, dem Rückkehrer aus den ehemaligen deutschen Kolonien angehörten, bei der Umbenennung von Straßennamen in Waldtrudering. Die Neubenennungen waren nach der Eingemeindung notwendig geworden, um Doppelungen zu vermeiden. Der Kolonialkriegerverein setzte ab 1932 zahlreiche Straßennamen durch, die an die Kolonialzeit des Deutschen Kaiserreichs zwischen 1880 und 1919 erinnern.

Das Waldtruderinger »Kolonialviertel« war von der Entmilitarisierung von Straßennamen nach dem Zweiten Weltkrieg kaum betroffen. Erst fünf Jahrzehnte nach Kriegsende entbrannte die Debatte, da man die problematischen Straßennamen nicht mehr kommentarlos hinnehmen wollte. Nach intensiver Abwägung entschied der Münchner Stadtrat gegen den Austausch der belasteten Straßennamen. Es erfolgte lediglich eine Umbenennung. Statt eines vollständigen Austausches wurde im Februar 2009 die Anbringung erklärender Zusatzschilder beschlossen. Auf diese Weise soll an die in der Bevölkerung kaum bekannte und oft verharmloste Epoche der deutschen Kolonialzeit mahnend erinnert werden.

Im Stadtbezirk 15 finden sich vier weitere problematische Straßennamen: Seit 1936 gibt es in Kirchtrudering die Deike-, Linnenbrügger und Teuchertstraße sowie die Hella-von-Westarp-Straße. Die Nationalsozialisten benannten die Straßen nach Mitgliedern der völkischen Thule-Gesellschaft, die am 30. April 1919 im Luitpold-Gymnasium von Rotgardisten erschossen worden waren. Die Grünfläche In der Heuluss ist benannt nach einem alten Flurnamen. Heuluss nannte man eine Allmende-Wiese, die durch Los einem Bauern zugesprochen wurde (Heulos). Der Graf-Spee-Platz ging aus einer zugeschütteten ehemaligen Kiesgrube hervor, von denen es in dieser Gegend zahlreiche gab. Im Birkhahnweg finden sich noch heute einige Anwesen mit prächtigem Baumbestand, die die einstige Idylle der Kolonie Waldtrudering erahnen lassen.


Katholische Pfarrkirche Christi Himmelfahrt

Durch den Zuzug von Städtern nach Trudering wurde die da mals einzige Kirche der Gemeinde, St. Peter und Paul, zu klein. Die Siedler der wachsenden Kolonie Waldtrudering wünschten sich ein eigenes Gotteshaus und gründeten im September 1929 einen Kirchenbauverein. Die Gemeinde Trudering stiftete am 7. März 1932 ein Waldgrundstück. So konnten im Frühjahr 1933 die Bauarbeiten beginnen. Am 12. November 1933 weihte Kardinal Faulhaber »Christi Him - mel fahrt« (Waldschulstraße 4) und nannte den Kirchenbau ein »Heiligtum im Wald«. Aus Kostengründen verzichtete man auf einen Kirchturm zugunsten eines wenige Meter hohen Dachreiters.

Erster Seelsorger der Gemeinde wurde Otto Lederer (1905 –1977). Da der junge Kurat Gruppenstunden mit Jugendlichen veranstaltete, wurde Lederer vom 27. Februar bis zum 13. März 1934 in Schutzhaft in Stadelheim genommen; der Vorwurf lautete: »Abhaltung verbotener Versammlungen«. Eine weitere vorübergehende Inhaftierung Lederers erfolgte 1941. Am 1. Juli 1941 wurde die Kuratie zur Stadtpfarrei erhoben und Lederer erster Stadtpfarrer von Waldtrudering. 1975 wurde der Kindergarten eröffnet; 1964 entstand das erste Pfarrhaus, das 1990 durch einen Neubau ersetzt wurde.


Turnerschule

Die 1930 eröffnete Waldschule wurde schon bald zu klein. Daher nutzte man ab 1932 die Turnbaracken des ArbeiterSportvereins München-Ost für den Schulunterricht. Auf dem Gelände entstand 1938 ein neues Schulhaus (Turnerstraße 46). Im Hinblick auf den im März 1938 erfolgten »Anschluss« Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurde die am 12. Juli 1939 eröffnete Schule »Ostmark - schule« genannt. Dementsprechend wurden die Türblätter mit Trachtenfiguren der österreichischen Landschaften be - malt. Ab 29. August 1943 wurde das Schulhaus als Hilfs - krankenhaus genutzt; der Schulunterricht fand in der Wald - schule und beim »Kuchlbauern« (Togostraße 46) statt. Erst ab April 1948 wurden in der Schule an der Turnerstraße wie - der Kinder unterrichtet.


1. Galopprennbahn Riem

1895–1897 ließ der Münchener Renn - verein (gegründet 1865) auf Riemer Gemeindeflur eine moderne Galopp - rennbahn errichten (Graf-LehndorffStraße 36). Die Pläne entwarf der Hamburger Garteningenieur Rudolph Jürgens (1850–1930), der bereits Reitsportanlagen in Berlin, Hamburg und Köln gebaut hatte. Bis zum Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Galopp - rennbahn zum attraktiven Ausflugsziel der Münchner Gesellschaft: Neben Pferderennen wie dem Bayerischen Zuchtrennen und dem Bayern-Preis, die den nationalen und internationalen Ruf der Riemer Rennbahn begründe - ten, wurden auch Modenschauen und Flugtage veranstaltet. Als die Einnah - men infolge des Ersten Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise ausblie ben, schien der Verkauf der Anlage unaus - weichlich. Doch am 23. März 1934 machte der verschuldete Rennverein Christian Weber (1883 –1945) zum Präsidenten. Weber, National sozia list der ersten Stunde, erweiterte den Grund besitz des Vereins mitunter mit skrupellosen Methoden und machte ihn zum reichsten Rennverein Deutschlands.

Ab 1934 wurde in Riem alljährlich bis zum Kriegsende das »Braune Band von Deutschland« gelaufen – damals das höchstdotierte Rennen Deutschlands. Im Juli 1936 insze - nier te Weber im Vorfeld der Olympischen Spiele einen zwei wöchigen Veranstaltungsmarathon als »Olympia des Pferdes« mit einem Internationalen Reitertag und Rennen in Riem. Damals fand auch erstmals die »Nacht der Amazo nen« statt. In seinem gleichnamigen Roman schildert Herbert Rosendorfer die Karriere des korrupten Pferdenar ren Weber, auf den die bizarre Veranstaltung maßgeblich zurückgeht. 1946 wurde das Deutschland-Derby einmalig in Riem gelaufen. Der Rennverein stellte sein Areal für die Olympischen Spiele 1972 zur Verfügung und erhielt dafür eine neue Tri - bünen- und Stallanlage. Aus der Gründungszeit der Anla ge sind noch Parkbänke, Sattelboxen und das Waaghaus erhalten. Im Sommer findet in Riem alljährlich der Große Dallmayr-Preis statt – eines von sieben in Deutschland gelaufenen Gruppe I-Rennen. Seit einigen Jahren wird die Galopprennbahn auch als Golfanlage genutzt.