KulturGeschichtsPfad
 

KulturGeschichtsPfad

Einträge: 776

Friedensengel

Der Friedensengel ist Bestandteil des Friedensdenkmals, das 1896 bis 1899 als krönender Abschluss der Prinzregentenstraße auf der Prinzregent-LuitpoldTerrasse errichtet wurde. An lass war der 25. Jahrestag des »Frankfurter Friedens«, der den deutsch-französischen Krieg (1870/1871) beendete.

Der Friedensengel ist der griechischen Siegesgöttin Nike nachgebildet und somit eigentlich kein Engel im christlichen Sinne. Er wurde von den Bildhauern Heinrich Düll, Georg Pezold und Max Heilmeier geschaffen. In der ausgestreckten rechten Hand hält der Friedensengel einen Ölbaumzweig, in der linken eine kleine Statue der kriegerischen Göttin Athena, auf einer Weltkugel stehend. Letztere soll vor Unheil schützen. Die Prinzregent-Luitpold-Terrasse wurde 1894 nach Plänen des Hofgärtendirektors Jakob Möhl fertiggestellt. Die Anlage besteht aus symmetrischen Treppen und einem Freiplatz mit ovalem Wasserbassin und Springbrunnen.

Prinzregentenstraße 0

Maria-Theresia-Straße 17

1894 ließ Prinz Friedrich von Hohenzollern das Anwesen Maria-Theresia-Straße 17 errichten. Von 1939 bis 1945 wohnte hier der Münchner Polizeipräsident Karl von Eberstein (1894– 1979). Dieser war ab 1942 höherer SS- und Polizeiführer in Bayern, Baden, Württemberg, dem Sudetengau und Thüringen. Nach dem Krieg ging die Villa in den Besitz des Landes Bayern über. Heute ist hier das Generalkonsulat der Russischen Föderation untergebracht.

Maria-Theresia-Straße 17

Hildebrandhaus/Monacensia

Das Wohn- und Atelierhaus des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847– 1921) in der Maria-Theresia-Straße 23 entstand 1896 bis 1898 nach Plänen des Bauherrn; der Atelieranbau an der Siebertstraße ist von 1911. In der Künst lervilla mit dem italienischen Garten waren neben anderen Wilhelm Furtwängler, Prinzregent Luitpold, Wilhelm Röntgen, Richard Strauss, Ricarda Huch, Karl Wolfskehl, Werner von Siemens und Georg Kerschensteiner häufig zu Gast. Nach Adolf von Hildebrands Tod sorgten dessen Kin der Irene (verheiratet mit dem Hilde brandSchüler Theodor Georgii) und Dietrich von Hildebrand dafür, dass die Villa ein künstlerisch-intellektuelles Zentrum blieb. Dietrich von Hildebrand, seit 1918 Professor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität, war als wertkonservativer Katholik ein entschie dener Gegner des Nationalsozialismus; nach der Macht über nahme durch die Nationalsozialisten floh er aus Deutschland.

Im September 1934 verkauften Irene und Dietrich ihr Elternhaus an Elisa beth Braun. Die aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammende Schriftstelerin war 1920 zum Protestantismus konvertiert. Zwischen 1937 und 1941 ließ Braun »nichtarische« Verfolgte in ihrem Haus wohnen, weil NS-Behörden jüdische Bürger systematisch aus ihren Wohnungen vertrieben. Im Okto ber 1941 wurde das Haus der »Volljüdin« Elisabeth Braun beschlagnahmt; Elisabeth Braun wurde mit ihrer Stiefmutter Rosa Braun und ihren Mietern in das Barackenlager in der Knorrstraße 148 in Milbertshofen eingewiesen und am 20. November 1941 zusammen mit rund 1.000 Münchner Juden nach Kaunas deportiert. Keiner der »nicht arischen« ehemaligen Bewohner des Hildebrandhauses überlebte die Lager des NS-Regimes; seit November 2009 erinnert eine Gedenktafel am Hilde - brandhaus an Elisabeth Braun und ihre Mieter.

1941 bezog der Bildhauer Wilhelm Nida-Rümelin das Anwesen und übernahm das große Atelier im Erdgeschoss. Nach dessen Selbstmord im Mai 1945 wohnte (neben weiteren Mietern) dessen Sohn, der Bildhauer Rolf Nida-Rümelin, mit seiner Familie bis 1969 in der Künstlervilla, die Elisabeth Braun der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern vererbt hatte.

Öffentlicher Protest und die Aufnahme in die Denkmalliste verhinderten den geplanten Abriss des Gebäudes. Die Stadt München erwarb die Künstlervilla 1974 aus Mitteln des Bayerischen Denkmalfonds, ließ sie renovieren und brachte hier 1977 die Monacensia unter. Diese in den 1920er Jahren gegründete Einrichtung umfasst ein aus über 230 Nachlässen bestehendes Literaturarchiv (darunter die Nachlässe von Klaus Mann, Erika Mann, Ludwig Thoma, Franziska zu Reventlow, Annette Kolb und Oskar Maria Graf) und eine wissenschaftliche Forschungsbibliothek mit münchenspezifischer Literatur. Der Lesesaal befindet sich im großen Atelieranbau.

Maria-Theresia-Straße 23

Maria-Theresia-Straße

Da die westliche Straßenseite der Maria-Theresia-Straße bereits zu den Maximiliansanlagen gehört, durfte nur die östliche Straßenseite bebaut werden. Um die Wende zum 20. Jahrhundert ließen hier zahlreiche Berühmtheiten Villen errichten.

Die nicht erhaltene Villa in der MariaTheresia-Straße 26 gehörte dem jüdischen Landschaftsmaler Benno Becker (1860–1938), einem Gründungsmitglied der Münchner Sezession. Architekt Paul Ludwig Troost – der spätere Paradearchitekt des NS-Regimes – gestaltete die Straßenansicht im neoklassizistischen Stil, die Gartenseite im Stil der neuen Sachlichkeit. Nach Beckers Tod am 5. November 1938 wurde die Familie enteignet und der Hitler-Vertraute Martin Bormann bezog mit seiner zehnköpfigen Familie das geräumige Anwesen.

Die Jugendstilvilla in der Maria-Theresia-Straße 27 baute Martin Dülfer für den Ingenieur und Erfinder Clemens von Bechtolsheim (1852–1930). Der Bau wurde originalgetreu renoviert.

Der sozialkritische, vermögende Schriftsteller Josef Rue de - rer (1851–1915) baute 1907 die Villa in der Maria-Theresia-Straße 28; im selben Jahr erschien sein Buch »München«. Ruederer spottete darin über die Münchner Gesellschaft, so zum Beispiel über den früheren Intendanten des Prinzregententheaters, Ernst von Possart, der in dem (nicht erhaltenen) gigantischen Doppelhaus in der Maria-TheresiaStraße 25 wohnte. 1917 kaufte das Bankiersehepaar Martin und Auguste Aufhäuser das Anwesen; im selben Jahr hatte Martin Aufhäuser die von seinem Vater gegründete Privatbank Aufhäuser übernommen. Diese wurde von den Nationalsozialisten »arisiert« und Aufhäuser wurde im November 1938 ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Ihm gelang im März 1939 die Emigration. 1940 kaufte der Reichskolonialbund das Gebäude. Nach dem Krieg verkauften Aufhäusers Erben das Anwesen an die Bayerische Landesapothekenkammer.

Maria-Theresia-Straße 0

Rudolf Diesel

Rudolf Diesel (1858–1913) ließ 1899 bis 1901 die repräsentative Villa in der Höchlstraße 2 errichten. Der durch die Erfindung des Dieselmotors reich gewordene Bauherr beauftragte den Architekten Max Littmann (der die benachbarte Villa Höchlstraße 4 bewohnte) mit dem technisch aufwändigen Bau.

Herausragend war die zwei Stockwerke hohe Diele mit breiter Eichenholztreppe, umlaufender Galerie und einem gewaltigen Kamin, über dem ein Porträt des Hausherrn hing. Zur teuren Ausstattung gehörten fünf Badezimmer, ein Billard- und Jagdzimmer, ein prachtvolles Esszimmer mit Mahagonitäfelung und Marmorkamin.

1908 geriet Diesel, der die Patente an seinem Motor ver kauft hatte, durch riskante Immobiliengeschäfte in finanzielle Schwierigkeiten. Die in ihrem Unterhalt enorme Kosten verschlingende Villa empfand er zunehmend als Last. In seiner verzweifelten Lage beging Diesel vermutlich Selbstmord.

Höchlstraße 2

Ehemaliges Schloss Neuberghausen/ Beamtenreliktenanstalt

Im 15. Jahrhundert befand sich auf dem Anwesen Maria-Theresia-Straße 35 ein kleines Wohn- und Wirtschaftsgebäude, das im Laufe der Jahrhunderte durch Anbauten stattliche Dimensionen erreichte. Am 3. Juni 1740 kaufte Hofkammerrat Caspar Gregor von Lachenmayr das »Schlösschen«. Einen Monat später erhob Kurfürst Karl Albrecht das Anwesen zum Edelsitz Neuberghausen und stattete es mit einer Niedergerichtsbarkeit aus. 1761 bis 1763 ließ der neue Besitzer, August Joseph Graf von Törring-Jettenbach, die Anlage durch Ignaz Anton Gunetzrhainer und François de Cuvilliés den Älteren im Stil des Rokoko umgestalten. 1808 kaufte Finanzminister Johann Wilhelm Freiherr von Hompesch den Besitz. 1827 wurde im »HompeschSchlössl« die beliebte Ausflugsgaststätte »Neuberghausen« eingerichtet, von der Heinrich Heine in seinen 1841 erschienenen »Reisebildern« schwärmt.

Im September 1862 kaufte König Maximilian II. das Grundstück, ließ die Ausflugsgaststätte abreißen und die »Königliche Versorgungsanstalt für Beamtentöchter« errichten. Der 1863 bis 1865 von Eduard von Riedel errichtete Bau bildete den krönenden Abschluss der Maximiliansanlagen. Während der Kriege gegen Preußen (1866/1867) und gegen Frankreich (1870/1871) wurde das Gebäude als Militärspital genutzt.

Das Stifts-Gebäude wurde 1943/1944 von Bomben zerstört und abgetragen. Seit 1956 steht auf dem Grundstück ein Bau von Paul Schmitthenner, in dem einst die Hauptverwaltung der Frankona-Rückversicherungs-AG logierte und heute eine zweisprachige Grundschule untergebracht ist.


Ehemalige Bade- und Heilanstalt Bad Brunn

Die unterhalb der Isarhangkante gelegenen neoklassizistischen Villen Bad Brunnthal 2, 3 und 4 entstanden 1910 auf dem Areal der vormaligen Bade- und Heilanstalt Bad Brunnthal. Seit dem 17. Jahrhundert ist hier der Badebetrieb belegt; im 19. Jahrhundert wurde die Bade- und Kuranstalt zum Anziehungspunkt des Erholung suchenden Münchner Bürgertums.

Bad Brunntal 0

Kirche St. Georg und Bogenhauser Friedhof

Die Bogenhauser St. Georgskirche (Bogenhauser Kirchplatz 1) war die Mutterkirche des Münchner Ostens. Die Umgestaltung der ehemaligen Dorfkirche zum »Rokokojuwel« erfolgte 1766 bis 1771 nach Plänen von Johann Michael Fischer. Unter anderem wurde damals das Spitzdach des Turms durch die charakteristische doppeltgeschnürte Zwiebelhaube ersetzt.

Die Ausmalung des Innenraums gestaltete Johann Philipp Helterhof. Der viersäulige Hochaltar mit den Skulpturen des Hl. Georg, des Hl. Donat und der Hl. Irene stammt von Johann Baptist Straub; die Seitenaltäre und die Kanzel schuf dessen berühmter Schüler Ignaz Günther.

Wegen des starken Zuzugs nach Bogenhausen war das Kirchlein 1933 von Abrissplänen bedroht. Die NS-Führung inszenierte sich als Retter: Gauleiter Adolf Wagner spendete Geld für einen Neubau und Oberbürgermeister Karl Fiehler schenkte der Kirche den Bauplatz in der Scheinerstraße 12, wo 1934 die neue Pfarrkirche Hl. Blut errichtet wurde.

Berühmt ist der die Kirche umgebende Bogenhauser Friedhof. Wer nicht mindestens 30 Jahre im dazugehörigen Bestattungsbezirk gewohnt hat, muss laut Friedhofssatzung eine »besonders bekannte Persönlichkeit« gewesen sein, um hier ein Grab zu erhalten. Neben alteingesessenen Bogenhauser Familien, darunter die Großbauern und Ziegeleibesitzer Selmayr und Kaffl (Grabmale an der Südwand der Kirche), ruhen hier Berühmtheiten: so zum Beispiel die Schriftsteller Erich Kästner, Annette Kolb und Oskar Maria Graf, der Dirigent Hans Knappertsbusch, der Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder, der Filmproduzent Bernd Eichin - ger, der Musikmanager Monti Lüftner und die Schauspieler Liesl Karlstadt (eigentlich Elisabeth Wellano), Walter Sedl - mayer, Helmut Fischer (»Monaco Franze«) und Siegfried Lowitz. Auch berühmte Wissenschaftler, wie die Direktoren der Sternwarte Bogenhausen Johann Georg von Soldner, Johann von Lamont und Hugo von Seeliger sowie die Physikerin, Atomwaffengegnerin, Pazifistin und Frauenrechtlerin Freda Wuesthoff wurden hier beigesetzt.

Ein Gedenkstein an der Kirche und ein Denkmal von Klaus Backmund gegenüber dem barocken Pfarrhaus (Neuberghauser Straße 9) erinnern an den ehemaligen Kirchenrektor Alfred Delp. Der Jesuitenpater leistete als Mitglied des Kreisauer Kreises Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Er wurde nach dem Gottesdienst in der St. Georgskirche am 28. Juni 1944 verhaftet und am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet. Erinnert wird außerdem an Kaplan Hermann Joseph Wehrle, an die Berufsoffiziere Ludwig Freiherr von Leonrod und Franz Sperr, die ebenfalls im Zuge des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944 verhaftet und hingerichtet wurden.

Bogenhauser Kirchplatz 0

Lauer-Villa

Auf dem Anwesen Neuberghauser Straße 11 ließ die Actien-Löwen-Brauerei in den 1860er Jahren die Gastwirtschaft »Neuberghausen« errichten. Doch Bierausschank und Tanzveran stal - tungen vertrugen sich nicht mit der Nähe zu Damenstift, Kirche und Fried - hof: Beschwerden wegen Störung der Totenruhe nahmen zu, die Gäste blie - ben aus. 1911 kaufte der Maler und Unternehmersohn Friedrich Lauer das Grundstück und ließ eine prachtvolle Villa im deutschen Renaissancestil mit Atelierhaus und vorgelagertem parkartigen Garten erbauen. Der in finanzielle Schwierigkeiten geratene Lauer verkaufte das Anwesen 1925 an das Studentencorps »Suevia«, das es zum exklusiven Verbindungshaus umgestaltete. Im Frühjahr 1939 löste sich das Corps auf und verkaufte die Immobilie an die Stadt München. Während des Kriegs war hier eine Luftschutzschule untergebracht.

Ende 1946 wurde die Lauer-Villa dem »Zentralkomitee der befreiten Juden« überlassen. Hier entstand die erste Synagoge Münchens nach dem Krieg. Das Gebäude wurde nach dem Umzug in die neue Synagoge (Possartstraße 15) in den 1970er Jahren profaniert.

Seit 1993 wird das Gebäude von einem städtischen Kindergarten und von der »Städtischen Sing- und Musikschule« genutzt. Der große Saal wurde 2003 renoviert und dient als Musik- und Veranstaltungssaal.

Neuberghauser Straße 11

Bogenhauser Schule

Am Bogenhauser Kirchplatz 3 befand sich bis zur Errichtung der Gebeleschule 1914 die Bogenhauser Schule. Danach nutzten das Kindergarten-Seminar (später Fachbereich Sozialpädagogik der Fachhochschule München) und ab 1926 die soziale Frauenschule die vormalige Dorfschule. Das im Krieg zerbombte Gebäude von 1874/1875 wurde teilweise wieder aufgebaut und 1960 durch einen Neubau ersetzt. Heute ist hier die Städtische Berufsschule zur Berufsvorbereitung untergebracht.

Bogenhauser Kirchplatz 3

Georg Kerschensteiner

Die Doppelvilla Möhlstraße 39/41 errichtete Leonhard Romeis 1896 für den Reformpädagogen Georg Kerschensteiner und den Kunstmaler Ernst Ludwig Plaß im Stil der deutschen Renaissance. Kerschensteiner wurde 1854 in München geboren und stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Nach einer Ausbildung zum Volksschullehrer studierte er an der Technischen Hochschule München Mathematik und Physik und wurde 1883 promoviert. Anschließend war er Gymnasiallehrer in Nürnberg, Schweinfurt und München; begleitend studierte er Mineralogie, Zoologie und Botanik an der Würzburger Universität.

1895 wurde Kerschensteiner Stadtschulrat und Königlicher Schulkommissar und begann, das Münchner Schulsystem zu reformieren. Er zielte auf einen handlungsorientierten Unterricht durch die Einführung von Arbeitsunterricht und Arbeitsschulen mit Werkstätten – den Vorläufern der heutigen Berufsschulen. Diese Leitidee hatte Folgen für den Schulhausbau: Heute zeugen davon zum Beispiel die Gewerbeschulen am Elisabethplatz, in der Pranckhstraße 2 und in der Liebherrstraße 13; letztere benannte die Stadt München 1924 nach Kerschensteiner.

Seit 1995 verleiht die Stadt München die Kerschensteiner-Medaille an Persönlichkeiten, die sich besondere Verdienste um die Bildung von Kindern und Jugendlichen in München erworben haben.

Möhlstraß 39

Möhlstraße 35

In der Möhlstraße 35 befand sich von 1960 bis 1975 das Generalkonsulat des Kaiserreichs Iran. Am 4. August 1970 besetzten rund 70 persische Studenten das Generalkonsulat aus Protest gegen das Schah-Regime.

Möhlstraße 35

Eckvilla Möhlstraße 31

Die Eckvilla Möhlstraße 31 gehörte dem Bildhauer Heinrich Düll, der mit Pauline Selmayr, der Tochter des größten Grundbesitzers und letzten Bürgermeisters von Bogenhausen verheiratet war. Die von Hans Grässel entworfene Villa wurde 1971 abgerissen; einzelne Schmuckteile der historischen Villa wurden in den Neubau integriert.

Möhlstraße 31

Möhlstraße 37

Der Königliche Hofgärtendirektor a.D., Jakob Möhl, lebte von 1895 bis 1900 in der neubarocken Villa, Nr. 37, in der nach ihm benannten Straße. 

Möhlstraße 37

Richard Willstätter

Die heute nicht mehr existierende Villa in der Möhlstraße 29 plante Oswald Bieber 1925/1926 für den Chemiker Richard Willstätter (1872–1942). Den Bauplatz hatte Willstätter im Februar 1925 zufällig entdeckt und war sogleich von der schönen Lage nahe den Maximiliansanlagen begeistert. Richard Willstätter entstammte einer jüdischen Familie. Er hatte in München Chemie studiert, in Zürich und Berlin als Pro fessor gearbeitet und war 1916 an die Ludwig-Maximilians-Universität berufen worden. Ein Jahr zuvor war ihm für seine Untersuchungen der Farbstoffe im Pflanzenbereich, vor allem des Chlorophylls, der Nobelpreis für Chemie verliehen worden.

Im Juli 1924 gab Willstätter seine Pro - fessur aus Protest gegen den zunehmenden Antisemitismus der Fakultäts - mit glieder auf, der sich besonders bei Berufungsverfahren zeigte. Er setzte seine Forschungen am Chemischen Institut fort und blieb Mitglied der Aka - demie der Wissenschaften und des Deutschen Museums. Auch nach der Macht über nahme durch die National so - zialisten war Willstätter ent schlos sen, »in München auszuharren«, wie er in seinen Erinnerungen schrieb. Die Natio - nalsozialisten raubten dem inter national angesehenen Wissenschaftler seinen Besitz und im März 1939 musste Will - stätter in die Schweiz fliehen. In Basel arbeitete er für die chemische Industrie und forschte als Privatgelehrter.

Richard Willstätter be wohnte das Haus mit seiner Tochter Ida Mar garete (1906–1964), die an der Münchner Ludwig-Maximilians-Univer - sität Physik studierte und 1931 von Arnold Sommerfeld promoviert wurde. Bis Sommer 1933 ar beitete sie am KaiserWilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin, verlor diese Position aufgrund rassistischer Bestimmungen und emigrierte 1936 mit ihrem Mann Ernst Bruch in die USA. Das Willstätter-Haus wurde 1957 abgerissen.

Möhlstraße 29

Möhlstraße 34

1927 erwarb Ferdinand Schreiber die heute stark veränderte Villa auf dem Eckgrund stück Möhlstraße 34 als Verlagshaus für den Schreiber-Verlag. Im Dachgeschoss wohnte ab 1928 Schreibers Freund und Mitarbeiter, der Religionsphilosoph und Kulturkritiker Theodor Haecker. Dieser hatte sich schon früh gegen den Nationalsozialismus gewandt; seine Gedanken beeinflussten auch die studentische Widerstandsgruppe »Weiße Rose«. 1936 wurde Haecker mit Rede- und 1938 mit Publikationsverbot belegt. Seine Aufzeichnungen aus dieser Zeit wurden posthum veröffentlicht und zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen der inneren Emigration deutscher Intellektueller in der NS-Zeit.

Möhlstraße 34

Möhlstraße

Bald nach der Eingemeindung Bogenhausens 1892 entstanden nahe dem Dorfkern die ersten Villen in der neu angelegten Möhlstraße. Deren Straßenführung und Bauplatzverteilung hatte der Königliche Hofgärtendirektor Jakob Möhl (1846–1916) geplant; nach ihm wurde die Straße bereits 1895 be nannt.

Die Villa mit der Hausnummer 27 kaufte 1928 der Bankier Baron August von Finck, Besitzer der Privatbank »Merck Finck & Co« und Finanzier des »Hauses der Deutschen Kunst«. Obwohl er zahlreiche jüdische Banken »arisiert« hatte und auch sonst vom NS-Regime finanziell profitierte, wurde Finck nach dem Krieg als »Mitläufer« eingestuft.

Die Villa Nr. 21 war 1901 für das vom Judentum zum Protestantismus konvertierte Bankiersehepaar Julius und Luise Kaufmann erbaut worden. Die Nationalsozialisten »arisierten« das Haus am 1. Februar 1938 und die Kaufmanns wurden bis zum Deportationsbefehl in die Jakob-Klar-Straße 7 um quartiert. Dort nahmen sie sich am 31. Oktober 1940 zusammen mit ihrem Sohn Bruno das Leben. In ihr Haus zog Wilhelm Freiherr von Leonrod mit seiner Frau ein; deren Sohn Ludwig wurde 1944 von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Heute nutzt die rechtsgerichtete Burschenschaft Danubia das Gebäude als Verbindungshaus.

Die Villen Nr. 30 und Nr. 9 gehörten einst Münchner Juden, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und als »Judenhäuser« genutzt wurden. Hier wurden enteignete Juden vor der Deportation zwangsuntergebracht.

Die vormals von Reichsführer SS Heinrich Himmler bewohnte Villa Nr. 12a nutzte nach dem Zweiten Weltkrieg das »Zentralkomitee der befreiten Juden in Bayern«; in der Nr. 14 befanden sich bis 2007 verschiedene jüdische Erziehungseinrichtungen.

Möhlstraße 0

Prinzregentenstraße

Der niederländische Konsul Friedrich Karl Meyer ließ 1899 die schlossartige Villa in der Prinzregentenstraße 61 errichten. Von 1900 bis 1919 wohnte der Nobelpreisträger Wilhelm Conrad Röntgen im ersten Stock; anschließend zog Prinz Alfons von Bayern ein, der das Anwesen 1903 gekauft hatte. Röntgen zog in die Maria-Theresia-Straße 11.

Prinzregentenstraße 61 61

Prinzregententheater

1899 plante die Immobiliengesellschaft des Architekten Jakob Heilmann einen Theaterbau und erhielt noch im selben Jahr die Genehmigung, diesen nach Prinzregent Luitpold zu benennen. Am 21. August 1901 wurde das von Heilmanns Schwiegersohn und Geschäftspartner, Max Littmann, geplante Theater (Prinzregentenplatz 12) mit Richard Wagners Oper »Die Meistersinger von Nürnberg« eröffnet. Das Haus veranstaltete regelmäßig Richard-Wagner-Festspiele. 1920 ging das Theater in staatlichen Besitz über. Neben dem Gebäude befindet sich das Wagner-Denkmal von Heinrich Waderé von 1913.

Während der NS-Zeit waren Hitler und andere Vertreter der NS-Prominenz häufig im Publikum; die NS-Organisation »Kraft durch Freude« (KdF) organisierte Theaterbesuche für ihre Mitglieder.

Das Prinzregententheater überstand den Krieg unzerstört und diente in der Nachkriegszeit auch unterschiedlichen Gruppierungen und politischen Parteien als Veranstaltungsort. Von 1944 bis 1963 beherbergte es die Bayerische Staatsoper, deren Stammhaus in Trümmern lag. Dirigenten wie Hans Knappertsbusch und Sir Georg Solti, Opernsängerinnen wie Astrid Varnay und Erika Köth und der Opern sänger Hans Hotter begründeten damals den Ruhm des Theaters.

1963 wurde das baufällige Haus geschlossen. Intendant August Everding setzte sich mit großem Engagement für die Instandsetzung des Theaters ein und veranlasste eine Privatspendenaktion, die 1988 eine Teilrestaurierung ermöglichte; 1996 wurde die Hauptbühne wieder hergestellt.

Das Prinzregententheater beherbergt die Bayerische Theaterakademie August Everding und dient dieser als Spielstätte. Auch die Bayerische Staatsoper und das Staatstheater am Gärtnerplatz nutzen das Haus. Darüber hinaus wird es an Konzertagenturen und weitere Veranstalter vermietet.

Prinzregentenplatz 12

Prinzregentenstadion

Am 16. Dezember 1933 wurde mit dem Prinzregentenstadion (Prinzregentenstraße 80) die erste Freiluft-Kunsteisanlage Süddeutschlands eröffnet. Betreiber war Fritz Krantz, der die Anlage auf seinem Privatgrundstück errichtete und sie 1936 um ein Freibad ergänzte.

Prinzregentenstraße 80

Musterbauten »Neue Südstadt«

Der von Bunkertürmen flankierte Wohnblock Prinzregentenstraße 99 –111 entstand 1942 bis 1944. Es handelt sich um Musterbauten, die einen guten Eindruck von der geplanten, aber nie verwirklichten »Neuen Südstadt« geben. Der Plan von Hermann Giesler, Generalbaurat der »Hauptstadt der Bewegung«, sah den Bau von 14.500 Wohneinheiten in rechteckigen Wohnblocks entlang schnurgerader Straßen vor. Um die Bewohner vor Luftangriffen zu schützen, wurden die Wohnblöcke mit Luftschutzbunkern verbunden. In den von meterdicken, fensterlosen Betonwänden um gebenen Hochbunkern befanden sich sechs übereinan der angeordnete Luftschutzräume mit einem Fassungsvermögen von 200 bis 250 Personen. Im Untergeschoss gab es Aborte, einen Waschraum und einen Gemeinschaftsraum. Der Hochbunker an der Ecke Wilhelm-Tell-Straße wird als »Kunstbunker Tumulka« genutzt und stellt in unregelmäßigen Abständen Kunst aus.

Prinzregentenstraße 99

Ehemalige Landesversicherungsanstalt Oberbayern

Das Anwesen Holbeinstraße 9/11 entstand 1903 bis 1905 als Dienst gebäude der Landesversicherungsanstalt Oberbayern. Der dreigeschossige Gruppenbau stammt von Heilmann & Littmann.

Der Verwaltungsbau setzte Maßstäbe: Alle Diensträume waren durch ihre Anordnung und den Innenanstrich hell; es gab Wannen- und Brausebäder für das Personal sowie eine große Frühstückshalle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bezog das Bayerische Staatsministerium für Justiz das Gebäude. Außerdem arbeiteten hier die Behörde des »Staatskommissars für das Flüchtlingswesen« und die des »Staatskommissars für rassisch, religiös und politisch Verfolgte«. Während Wolfgang Jaenicke für die Versorgung und Unterbringung der infolge des Zweiten Weltkriegs nach Bayern gekommenen deutschstämmigen Flüchtlinge und Heimat vertriebenen zuständig war, hatte sich Philipp Auerbach unter anderem um die »Wiedergutmachung« und Wohnungsbeschaffung von KZ-Überleben - den und um ausreisewillige Displaced Persons zu kümmern. 

Auerbach, selbst Jude und Überleben der der Konzentrationslager, geriet wegen seiner unbürokratischen Hilfe für NS-Opfer und seiner chaotischen Amtsführung zunehmend in die Kritik. 1951 wurde er unter anderem wegen schwerer Amtsunterschlagung und Untreue angeklagt. Der AuerbachProzess wurde von schweren antisemitischen Ausfällen begleitet. Am 14. August 1952 wurde Auerbach zu zweieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt – von Richtern, die vormals der NS-Justiz gedient hatten. Zwei Tage nach der Urteilsverkündung nahm sich Auerbach das Leben. Im Abschlussbericht des infolge des Selbstmords eingerichteten Untersuchungsausschusses des Bayerischen Landtags wurde Auerbach 1954 posthum rehabilitiert.

Holbeinstraße 9

Ehemalige Gastwirtschaft Betz/Togal-Werk

In der Ismaninger Straße 105, zwischen Händel- und Törringstraße, befand sich die ehemalige Bogenhauser Tafernwirtschaft mit Biergarten. Etwa seit 1820 drehte sich hier auch ein Holzkarussell mit fünf Pferden, Dromedar, Steinbock, Widder und Wägen, das heute als herausragendes Zeugnis populärer Volkskultur in der Dauerausstellung des Münchner Stadtmuseums gezeigt wird. Die Wirtsleute Anna und Lorenz Betz verkauften 1921 das Areal der Firma Togal als neuen Firmensitz. In den Fabrikanlagen wurden bis 2008 Schmerzmittel hergestellt; zuletzt waren hier 150 Mitarbeiter beschäftigt. 2011 wurde das Grundstück an die Bayerische Hausbau verkauft, die hier 60 Luxuswohnungen errichtet. Die alten Fabrikationshallen wur den abgerissen, die denkmalgeschützten Teile blieben erhalten, einschließlich des alten Gasthauses und des 1901 von Heinrich Düll und Georg Pezold geschaffe nen Georgi-Brunnens.

Ismaninger Straße 105

Ehemaliger Edelsitz Stepperg/Reichsfinanzhof

1630 wurde ein Grundstück mit Garten aus dem Besitzstand des Zaichingerhofs, einem Lehen des Hochstifts Freising, herausgelöst und von der angesehenen Münchner Familie Schobinger erworben. Diese errichtete 1636 ein Schlösschen, das 1639 zum Edelsitz Stepperg erhoben und mit der niederen Gerichtsbarkeit ausgestattet wurde. 1803 kaufte Staatsminister Freiherr Maximilian von Montgelas das Anwesen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwarb der Kunstmaler und Fabrikant Ernst Philipp Fleischer die Liegenschaft. Er beauftragte 1909 die Baufirma Heilmann & Littmann mit der Errichtung eines Wohn- und Gesellschaftshauses inklusive Gemäldegalerie in Gestalt einer barockisierenden Schlossanlage. Bereits 1910 wurden die Bauarbeiten aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten eingestellt – zurück blieb eine gigantische Bauruine. Das Deutsche Reich kaufte diese 1919, um hier den im Jahr zuvor gegründeten Reichsfinanzhof unterzubringen, der 1924 das renovierte Gebäude bezog.

Während des Nationalsozialismus wirkte der Reichsfinanzhof durch die rassistisch motivierte Auslegung der Steuergesetzgebung und durch die Einführung von Sondersteuern (zum Beispiel die »Reichsfluchtsteuer« oder die »Judenvermögensabgabe«) entscheidend an der »Arisierung« jüdischen Vermögens mit. Eine Tafel im Innern des Gebäudes erinnert an das begangene Unrecht.

Seit 1950 nutzt der damals neu gegründete Bundesfinanzhof das Gebäude in der Ismaninger Straße 109.

Ismaninger Straße 109

Beamtenwohnhäuser

Für Beschäftigte des Reichsfinanzhofs wurden in der Ismaninger Straße 111, 113, 115 und in der Montgelasstraße 20 und 22 Beamtenwohnhäuser errichtet.

der Ismaninger Straße 111

Dreieinigkeitskirche

Mit der Dreieinigkeitskirche (Wehrlestraße 8) entstand 1936/1937 die erste evangelischlutherische Kirche Bogenhausens. Seit 2007 erinnert an einer Mauer vor der Dreieinigkeitskirche eine Gedenktafel an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Bogenhausen.

Wehrlestraße 8

Universitäts-Sternwarte

Östlich der Stadt München, auf einer kleinen Anhöhe gelegen und von Feldern umgeben, entstand ab 1816 die »Königliche Sternwarte zu Bogenhausen« (Scheinerstraße 1). Drei Jahre später begann man dort mit Instrumenten der damals weltberühmten optisch-feinmechanischen Werkstätten von Reichenbach und Fraunhofer zu forschen.

1836 machte Direktor Johann von Lamont mit einem Teleskop aus der Fraunhofer’schen Werkstätte Ortsbestimmungen des Kometen Halley, die bei der Wiederkehr des Kometen 150 Jahre später, wichtige Informationen für den Satellitenflug der Raummis sion Giotto lieferten. Das Teleskop wurde bis 1969 genutzt und ist noch heute in seinem historischen Gebäude im Park der Sternwarte untergebracht. 1840 wurde ein unterirdisches Observatorium für die Messung von Erd- und Telegrafenströmen und für meteorologische Messungen errichtet. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden alle amtlichen Uhren Bayerns nach Signalen der Bogenhauser Sternwarte gestellt. Mit dem Bau eines erdmagnetischen Observatoriums 1899 wurde die Messung geophysikalischer Aktivitäten intensiviert; eine Erdbebenwarte wurde eingerichtet.

Seit der Wende zum 20. Jahrhundert beeinträchtigten heranrückende Bebauung, verstärkte Straßenbeleuchtung und wachsender Straßenverkehr die Forschungen an der Sternwarte. In dem 1964 anstelle des historischen Hauptgebäudes errichteten modernen Institutsgebäude werden anderswo gewonnene Beobachtungen ausgewertet.

Scheinerstraße 1

Max-Josef-Stift

Auf dem Grundstücksdreieck zwischen Beetz-, Mühlbaur- und Röntgenstraße befindet sich das Max-Josef-Stift. Das staatliche Mädchengymnasium mit Internat und Tagesheim kann auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken. König Maximilian I. Joseph gründete die Anstalt am 27. Mai 1813 nach französischem Vorbild als Erziehungsinstitut für Töchter höherer Stände; dieses war ab 1840 in einem eigenen Gebäude in der Ludwigstraße/Ecke Veterinärstraße untergebracht. Knapp 100 Jahre später musste die Schule ihr angestammtes Gebäude zugunsten der neu gegründeten nationalsozialistischen »Akademie für Deutsches Recht« verlassen. Im Frühjahr 1939 bezog das Max-Josef-Stift den Neubau in der Mühlbaurstraße 15. Kurz nach Kriegsbeginn wurde der Schulbetrieb ausgelagert und das Schulhaus als »Hilfskrankenhaus Bogenhausen« genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die US-Armee das Gebäude. Am 20. Februar 1946 eröffnete die »United Nations Relief and Rehabilitation Administration« (UNRRA) hier ein Krankenhaus für Überlebende von Konzentrationslagern. Bis 1951 wurden hier mehr als 40.000 Patienten – meist körperlich und seelisch schwer verletzte Menschen – behandelt. Danach bezog das Max-Josef-Stift, das zwischenzeitlich in Beuerberg untergekommen war, wieder das Gebäude. 1969 bis 1976 erfolgte der Neubau von Internat und Doppelturnhalle.


Parkstadt Bogenhausen

Auf dem 22 Hektar großen Grundstück zwischen Richard-Strauss-Straße, Schreberweg, Gotthelf- und Stuntzstraße entstand 1955 bis 1956 die Parkstadt Bogenhausen. Die Großwohnanlage sollte die drängende Wohnraumknappheit in der Landeshauptstadt bekämpfen helfen: Die Hochhäuser, Zeilenbauten und Reihenhäuser bargen circa 2.000 Wohnungen für rund 6.000 Bewohner. Bauherr war die Gemeinnützige Wohnstättengesellschaft von 1910, Hamburg, als Maßnahme- und Bauträger fungierte die Neue Heimat Bayern, in deren Besitz die Siedlung 1967 überging. Die Gesamtplanung lag bei Franz Ruf. Ferner waren die Architekten Hellmuth von Werz, Matthä Schmölz, Johannes Ludwig und Hans Knapp-Schachleiter sowie der Garten architekt Alfred Reich beteiligt. Leitidee war die Schaffung gesunder Wohnverhältnisse mittels großzügiger Grünflächen und einer die Siedlung umgehende Verkehrsführung.

Der Wohnstandard war für die damalige Zeit hoch: Alle Wohnungen hatten Bad, Zentralheizung, Balkon oder Loggia. Es gab zentrale Versorgungseinrichtungen, darunter Fernheiz werk, Zentralwäscherei, Kindergarten, Schule (Grund- und Mittelschule Stuntzstraße 55) und ein – heute denkmalgeschütztes – Ladenzentrum mit Gaststätte (Buschingstraße 2, 4 und 6). Auch die in Siedlungsnähe errichtete katholische Pfarrkirche St. Johann von Capistran von Sep Ruf (Gotthelfstraße 5) und die evangelisch-lutherische Nazarethkirche von Helmut von Werz und Johann-Christoph Ottow (Barbarossastraße 3) stehen unter Denkmalschutz. Unter den ersten Einwohnern waren viele »Zuagroaste«, darunter zahlreiche Flüchtlinge und Heimatvertriebene, weshalb die Siedlung auch »Preußensiedlung« genannt wurde. Die Parkstadt Bogenhausen steht als »qualitätsvolles Beispiel des fortschrittlichen Siedlungsbaus der fünfziger Jahre« unter Ensembleschutz.


Arabellapark

Der nach der Richard-Strauss-Oper »Arabella« benannte Stadtteil entstand ab 1966 zwischen Richard-Strauss-Straße, Effnerplatz, Englschalkinger Straße, Vollmannstraße und Denninger Straße. Den Baugrund hatte Josef Schörghuber ab 1958 sukzessive erworben, um durch sein Bauunternehmen Bayerische Hausbau ein modernes Quartier aus Wohnblöcken und Bürotürmen zu errichten. Zunächst entstand das 23-geschossige »Arabellahaus« (Arabellastraße 5). Ein Teil des anfangs als »Haremsgitter« beschimpften Hochhauses wurde für die Olympischen Spiele 1972 mit 467 Zimmern zum damals größten Hotel in München umgebaut; daneben sind dort Kliniken, Büros und circa 500 Mietwohnungen untergebracht. Zusammen mit dem gegenüber liegenden ehemaligen Sheraton-Hotel (Arabellastraße 6) bildet es als »Westin Grand München« das größte Tagungshotel in Süddeutschland.

1969 wurden das BayWa-Sternhaus (Arabellastraße 4) und das Bürogebäude am Rosenkavalierplatz 2 fertiggestellt; letzteres wurde im April 1971 vom neu gegründeten Bayerischen Umweltministerium bezogen. Noch immer spektakulär ist das 1975 bis 1981 errichtete »Hypo-Hochhaus« (Arabellastraße 12) mit seiner Aluminiumfassade. Der von den Architekten Walther und Bea Betz gestaltete Bau besteht aus drei Prismen und vier unterschiedlich hohen Rundtürmen. Das 114 Meter hohe Verwaltungszentrum der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank (heute HypoVereins bank) war damit das erste Gebäude in München, das die knapp 100 Meter hohen Türme der Frauenkirche überschritt. Walther und Bea Betz gestalteten auch den 1998 errichte ten Erweiterungsbau.

Nachdem die geplante »RichardStrauss-Konzerthalle« und das Museum für moderne Kunst nicht zustande kamen, wurde 1982 der Rosenkavalierplatz als kommunikatives Zentrum mit zahlreichen Läden und Restaurants, dem »Cadillac«-Kino und einer Stadtteilbibliothek mit dem »Kunstforum Arabellapark« gestaltet. Seit 1988 gibt es den U-Bahnanschluss »Arabella - park«. Zum Stadtteil gehören außerdem das 1973 eröffnete Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium (Elektrastraße 61) und die katholische Pfarrkirche St. Rita (Daphnestraße 29). 


Mae West

Am Effnerplatz befindet sich die nach der amerikanischen Tänzerin Mae West (1893– 1980) benannte Großskulptur der amerikanischen Künstlerin Rita McBride. Die Skulptur ist 52 Meter hoch und besteht aus 32 ineinander verdrehten Karbonrohren. Der Aufbau erfolgte im Januar 2011 nachts in zwei Etappen. Inzwischen fährt die Tram unter der Skulptur hindurch.

Effnerplatz 0

Mauerkircherstraße

Die Mauerkircherstraße ist die Erschließungsstraße des Herzogparks; sie reicht von der Montgelasstraße bis nach Oberföhring. Im südlichen Teil bis zur Poschingerstraße wurden ab 1906 vor allem Mietshäuser errichtet, nördlich davon entstanden Villen.

In den 1920er Jahren wohnte im ersten Stock der Mauerkircherstraße 12 die mit Henrik Ibsen, Adolf von Hildebrand und Paul Heyse befreundete Schriftstellerin Helene Raff (1865–1919). Im zweiten Stock lebte Erna Hanfstaengl (1885–1981), Mitbesitzerin des gleichnamigen Kunstverlags und Förderin von Adolf Hitler. Im vierten Stock war 1919 der Historiker Karl Alexander von Müller (1882–1964) eingezogen.

In dem Mietshaus Nr. 13 bewohnte Thomas Mann mit seiner Familie von 1910 bis 1914 zwei miteinander verbundene Wohnungen im zweiten Stock. Hier entstand unter anderem die Novelle Der Tod in Venedig.

In den ersten Stock des Etagenhauses Nr. 29 (abgerissen 1952) war 1919 der jüdische Kommerzienrat Isidor Bach (1849–1946) eingezogen. Bach war bereits für seine hochwertige Lodenbekleidung bekannt, als er 1903 in der Sendlinger Straße ein Kaufhaus für Knaben- und Herrenbekleidung eröffnete. Wegen der gezielten nationalsozialistischen Hetzkampagnen gegen jüdische Geschäftsinhaber verkaufte Bach 1936 sein Bekleidungsgeschäft an Johann Konen. 90jährig emigrierte Isidor Bach in die Schweiz und verstarb im Exil. Auch Bachs Sohn Alfred und sein Neffe Carl, die das Unternehmen bis 1936 leiteten, mussten ihre Häuser in der Mauerkircherstraße 55 beziehungsweise am Böhmerwald platz 2 zurücklassen und gingen ins Exil.

Mauerkircherstraße 0

»Drillingshäuser«, Mauerkircherstraße 39/41/43

Die »Drillingshäuser«, Mauerkircherstraße 39/41/43: In Nr. 39 lebte das Hofschauspielerehepaar Gustl Waldau und Herta von Hagen; in Nr. 41 der Historiker Erich Marcks und Nr. 43 wurde zunächst von dem Dirigenten Bruno Walter (1913 bis 1922 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper) und ab 1926 von dem Schriftsteller Bruno Frank bewohnt. 

Mauerkircherstraße 39

Thomas Mann

Der in Lübeck geborene Schriftsteller Thomas Mann (1875–1955) lebte seit 1894 in München. Er hatte in Miethäusern in der Maxvorstadt, in Schwabing und – zuletzt – im Herzogpark gewohnt. 1913 erwarb er das Eckgrundstück Poschingerstraße 1/Föhringer-Allee (seit 1956 Thomas-Mann-Allee 10) und ließ sich von den Architektenbrüdern Alois und Gustav Ludwig eine herrschaft - liche Villa errichten.

Das Haus der Manns war Treffpunkt für viele Schriftsteller und Künstler. Thomas Mann setzt dem Herzogpark mit der 1919 erschienenen Novelle Herr und Hund ein litera risches Denkmal. Er beschreibt darin die Spaziergänge mit seinem Hund Bauschan. 1929 erfuhr Thomas Mann hier von der Zuerkennung des Literaturnobelpreises.

Vollkommen unvorbereitet und unfreiwillig begann am 11. Februar 1933 Thomas und Katia Manns Exil mit einer Vortragsreise ins Ausland. Da die Nationalsozialisten dem Schriftsteller mit »Schutzhaft« drohten, war eine Rückkehr unmöglich. 1936 wurde Thomas Mann ausgebürgert, sein Haus und sein Besitz wurden von der Bayerischen Politischen Polizei beschlagnahmt, das Inventar zwangsversteigert. Zuvor war es dem Sohn Golo gelungen, die Tagebücher seines Vaters sicherzustellen.

Ab 1937 nutzte die von Heinrich Himmler gegründete Rasseorganisation »Lebensborn« die Villa. Am 10. Mai 1945 besichtigte Klaus Mann als amerikanischer Soldat sein kriegszerstörtes Elternhaus. Bald darauf wies die Stadt russische und ukrainische DPs in die Kriegsruine ein.

1952 wurde die einsturzgefährdete Villa abgerissen. 1953 verkauften Thomas und Katia Mann das Grundstück. 2005 wurde hier eine neue Villa errichtet, die der Mann-Villa nachempfunden ist.

Die sechs Kinder der Manns genossen die Freiheiten des Herzogparks. Um Erika und Klaus bildete sich die »Herzogpark-Clique«. Zu dieser gehörte auch Richard Hallgarten, der in der Pienzenauerstraße 15 wohnte. Seine Mutter, Constanze Hallgarten (1881–1969), leitete die Münchner Gruppe der »Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit«. Die Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin war eine frühe Kritikerin des Nationalsozialismus.

Poschingerstraße 1

Ehemalige Gaststätte Herzogpark

Der Architekt Martin Dülfer, Direktor der »Terrainaktiengesellschaft Herzogpark München-Gern«, plante 1903/1904 die Umgestaltung des vormaligen herzoglichen Ökonomiegebäudes in eine ganzjährig bewirtschaftete Gastwirtschaft. Diese wurde 1904 eröffnet und zum beliebten Ausflugslokal. Zur Anlagege hörten ein Wohnhaus, eine Metzgerei, diverse Wirtschaftsgebäude und ein weitläufiger Biergarten. In den 1920er Jahren wurde ein erster Tennisplatz angelegt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Wirtschaft und der große Tanzsaal zerstört und provisorisch wieder aufgebaut.

Heute befinden sich hier die Tennisplätze Herzogpark (Flemingstraße 16). Das umgebaute Wirtshaus dient als Club-Lokal.

Flemingstraße 16

Erich Kästner

Der Schriftsteller, Drehbuchautor und Kabarettist Erich Kästner (1899–1974) lebte – mit Unterbrechungen – von 1953 bis zu seinem Tod in dem Reihenhaus Flemingstraße 52. Kästner stammte aus Dresden, hatte in Leipzig studiert und von 1927 bis 1945 in Berlin gelebt. Hier entstanden viele seiner beliebten Kinderbücher, darunter Emil und die Detektive (1929), Pünktchen und Anton (1931) und Das fliegende Klassenzimmer (1933). Die Nationalsozialisten verbrannten seine Bücher; gleichwohl schrieb Kästner – wenn auch unter Pseudonym – Theaterstücke und Filmdrehbücher. So verfasste er das Drehbuch für den Ufa-Prestigefilm Münchhausen (1943).

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Kästner nach München und war von Herbst 1945 bis 1948 Feuilletonchef bei der von der amerikanischen Besatzungs macht herausgegebenen »Neuen Zeitung«. Kästner gehörte als Generalsekretär dem Präsidium des 1948 neu gegründeten deutschen PEN-Zentrums an; von 1951 bis 1962 war er Präsident des westdeutschen PEN-Zentrums. Nach dem Tod seiner langjährigen Lebensgefährtin, der Journalistin Luiselotte Enderle (1908–1991), erbte das »Erich-Kästner-Kinderdorf« in Oberschwarzach das gesamte Inventar des Hauses Flemingstraße 52, einschließlich der Bibliothek. Die »Erich-KästnerBibliothek« ist öffentlich zugänglich und nutzbar.

Flemingstraße 52

Grüntal

Im nordöstlichen Teil des Herzogparks liegt das Grüntal. Hier tritt der Brunn - bach, ein Grundwasser führender Bach - lauf, zutage. Dieses unterhalb des Oberföhringer Isarhochufers verlau - fende Gewässer trieb vom 10. bis ins 19. Jahrhundert Mühlen an. Nach deren Stilllegung entstanden kleinere Wohn - häuser. 1913 lebten im Grüntal 22 Fa - milien beziehungsweise 95 Personen. In einem 1894 erbauten Wohnhaus mit Stallung wurde 1914 das »Wirts haus im Grüntal« (Grüntal 15) als Kaffee haus mit Bierausschank eingerichtet. In dem Ausflugslokal wurden von 1948 bis 1959 Kinofilme in einem Kinosaal mit 185 Plätzen gezeigt. Am 22. Oktober 1950 fand hier die Feier des 1200-jährigen Bestehens Oberföhrings statt.

Aufgrund ungünstiger Wirtschaftlichkeit wurde das Gasthaus 2010 geschlossen. Eine Bürgerinitiative konnte den Abriss, der 2011 vollzogen wurde, nicht verhindern; hier entstehen Wohnungen.

Grüntal 0

Zwischen 1976 und 1978 ließ die Stadt München das Areal zwischen Isarwehr Oberföhring und Herzog-Heinrich-Brücke als Erholungs- und Freizeitgelände gestalten. Neben geschützten Biotopen gibt es Kinderspielplätze sowie ausgewiesene Grill- und Nacktbadeplätze. Etwa da, wo sich einst vermutlich die Brücke befand, die Heinrich der Löwe um 1157 abreißen ließ, wurde 1978 die St.-Emmeram-Brücke als Verbindung zum Englischen Garten errichtet. Die Holzbrücke wurde 2002 durch Brandstiftung zerstört; 2005 wurde die neue Brücke eingeweiht.

Eine von Rolf Nida-Rümelin geschaffene Bronzestatue erinnert seit 1979 an den Heiligen Emmeram, der am Ende des 7. Jahrhunderts etwa an dieser Stelle zur Isar transportiert wurde, auf dem Weg zu seiner endgültigen Grablege in Regensburg.


St. Emmeram

Der Ortsteil St. Emmeram ist nach dem aus Poitiers in Frank reich stammenden Bischof Emmeram benannt. Laut der Aufzeichnungen des Freisinger Bischofs Arbeo war dieser in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts auf dem Weg nach Rom aufgrund falscher Anschuldigungen ermordet worden. Nachdem seine Unschuld wenig später erwiesen war, wurde Emmerams Leichnam von Aschheim über die alte Römerstraße nach Oberföhring gebracht. Der Sage nach wurde der bald als Märtyrer verehrte Emmeram die Isar abwärts über die Donau nach Regensburg geschifft. Hier ließ ihn Herzog Theodo I. feierlich beisetzen.

In Erinnerung an den Heiligen errich tete man um 884 die St.-Emmeram-Kapelle mit Emmerams-Reliquien aus Regensburg. 1663 entstand eine Eremitenklause samt Noviziat mit Schule und Lehrerbildungsstätte (ab 1721). Von circa 1670 bis zur Säkularisation bestand eine Wallfahrt. 1742 wurde die Kapelle zur Filialkirche ausgebaut.

1820 wurden Kirche, Eremitenklause und Schule abgetragen. An der Stelle von Schule und Klause entstand eine Villa (Spervogelstraße 12). Diese ist heute im Besitz der Stadt München und wird als Kindertagesstätte genutzt.

1711 wurde die »Neue Mühle St. Em meram« (St. Emmeram 41) errichtet. Ab 1873 betrieb der Müller eine kleine Bierwirtschaft. 1903 wurde die Mühle zu einer Wirtschaft umgebaut; die »St. Emmeramsmühle« ist heute noch ein beliebtes Ausflugslokal.

1866 errichteten die Wirtsleute der Emmeramsmühle gegenüber ihrer Gastwirtschaft eine private Feldkapelle (St. Emmeram 40) und ließen die Wallfahrtstradition wieder aufleben.


Dorfkern Oberföhring

Entlang der Muspillistraße gruppiert sich der alte, unter Ensembleschutz stehende Dorfkern von Oberföhring. In dessen Mitte steht die katholische Kirche St. Lorenz (Muspillistraße 14) aus dem Jahr 1678. Vom mittelalterlichen Vorgängerbau blieb zunächst der Turm erhalten. 1893 wurde er abgerissen und durch den heutigen, schlankeren und höheren Turm ersetzt; dieser erhielt (wie schon der alte Turm) wieder ein Satteldach.

Auf dem die Kirche umgebenden Friedhof sind unter anderem die Gräber der Ziegeleibesitzer Haid, Deck, Grimm eisen und Hartl; auch der Bildhauer Adolf von Hildebrand und der Architekt Alexander von Branca sind hier bestattet.

In der Muspillistraße 31 befindet sich das 1896 errichtete Pfarrhaus.

Von 1824 bis 1959 war die Oberföhringer Schule in der Muspillistraße 27. Ein Anbau erfolgte 1874; ab 1911 wurde der angrenzende ehemalige Kreppenschneider-Hof als Schulnebengebäude genutzt. Von 1900 bis 1962 stand im Schulgarten ein weithin sichtbarer Wasserturm. 1940 bezog die »Arno-Fischer-Forschungsstätte GmbH« das Areal. In einer unterirdischen Anlage erprobte Fischers Team im Auftrag des nationalsozialistischen Regimes Unterwasserturbinen. Heute unter hält der Kreisjugendring München-Stadt in der alten Schule den Kinder- und Jugendtreff »Muspilli«.

Im ehemaligen »Bichlbauer«-Hof (Muspillistraße 5) wurde 1919 eine kirchliche »Kleinkinderbewahranstalt« eingerichtet; seit 1939 Kindergarten der Kirchenstiftung St. Lorenz.

Die Muspillistraße wurde 1930 nach einem althochdeutschen Stabreimgedicht aus dem 9. Jahrhundert benannt. »Muspilli« bedeutet vermutlich Weltuntergang.


Bernheimer Schlösschen

Die schlossartige Villa in der Muspillistraße 19 entstand 1900 bis 1901 nach einem Entwurf von Andreas Holzinger für den Bildhauer Johann Parzinger. 1906 kaufte der persische Diplomat Mirza Reza Khan Geranmayeh Moayyedossaltaneh die Villa. Nach dessen Tod ersteigerte Ernst Bernheimer (1875– 1956) das Anwesen. Die Nationalsozialisten zwangen die international renommierte Kunst- und Antiquitätenhändlerfamilie Bernheimer zur Emigration. Daraufhin bezogen die »Arno-Fischer-Forschungsstätte GmbH« und das SS-Liegenschaftsamt das Anwesen.

Nach der Rückerstattung 1950 verkaufte Bernheimer die Villa an die Stadt München, die hier das »Städtische Altenheim Oberföhring« einrichtete. Heute ist im Bernheimer Schlösschen eine therapeutische Wohngemeinschaft für Jugendliche untergebracht.


Ziegelei

Die Stichstraße »Zur Alten Ziegelei« führt von der Oberföhringer Straße zu dem Gelände der vormaligen Ziegelei Haid (beziehungsweise Deck). Diese war 1899 auf dem Grundstück eines aufgelassenen Bauernhofes errichtet worden. 1914 erwarb Josef Haid den aus Ziegelbrennofen und Kamin, Ziegeltrockenstadeln und Lagerplätzen, Arbeiterwohnhaus, Stadel, Abort und Hofraum bestehenden Betrieb. 1928 baute er ein neues Maschinenhaus mit Werkstätte. Die Ziegelei wurde 1964 stillgelegt. Nach dem Tod von Haids Tochter, verheiratete Deck, wurde die Umwandlung in Bauland beantragt.

Der NordOstKulturVerein setzte sich erfolgreich dafür ein, dass zumindest ein Teil der historischen Ziegeleibauten in das neue Wohngebiet integriert wurde und sorgte für die Verlegung eines Trockenstadels und die grundlegende Sanierung des baulich desolaten Maschinenhauses, die 2014 abgeschlossen wurde. Auf dem Gelände des auf diese Weise entstandenen Ziegeleidenkmals informieren mehrere Informationstafeln über die einzelnen Schritte der Verarbeitung von Lehm zu Ziegeln. Von zentraler Bedeutung ist dabei das Maschinenhaus mit dem nahezu vollständig erhaltenen Maschinenbestand. Auch der bedeutende Beitrag der italienischen Saisonarbeiter und die Arbeitsleistung von Frauen und Kindern werden dargestellt.

Auf dem vormaligen Ziegeleigelände wurden im Juni 2012 neu angelegte Straßen nach den Schriftstellerinnen Else Lasker-Schüler, Marie Luise Kaschnitz und Carry Brachvogel benannt.


Bürgerpark Oberföhring

In der Oberföhringer Straße 156 befindet sich der Bürgerpark Oberföhring. Fritz Grünwald hatte hier 1898 eine Ziegelei errichtet; 1920 war der Grund abgeziegelt und die Ziegeleigebäude wurden abgebrochen. 1939 musste die jüdische Familie Grünwald ihren Grundbesitz dem Deutschen Reich verkaufen, das hier ein Luftwaffenlazarett errichtete. Unter der Bauleitung der Architekten Höfflin und Fischer wurden 27 Baracken aus Fertigbau teilen für 300 Betten zusammengefügt. 1942 kamen ein Bunker und ein unterirdischer Operationssaal hinzu.

Ende 1945 stellten die Amerikaner die Baracken als »Städtisches Krankenhaus Oberföhring« unter deutsche Verwaltung. 1983 zählte es 228 Betten, 40 Ärzte und 128 Schwestern. Nach der Eröffnung des Städtischen Klinikums Bogenhausen (Englschalkinger Straße 77) wurde das Oberföh rin - ger Krankenhaus im Frühjahr 1984 geschlossen.

Gegen den geplanten Abriss der Baracken und den Verkauf des Baugrundes formierte sich örtlicher Widerstand. Nachdem die »Vereinsgemeinschaft 29 e.V.« im Juni 1984 zwei Baracken besetzte, lenkte der Münchner Stadtrat ein und überließ das parkartige Gelände mit zwölf Baracken Verei - nen und Künstlergruppen zur Miete. Mit Unterstützung des städtischen Kulturreferats entstand ein kulturelles Biotop. Neben zahlreichen Vereinen, örtlichen Parteigruppen und Künstlern sind hier das »Kafé Kult«, ein Montessori-Kinder - garten und das »Kleine Theater im Pförtnerhaus« untergebracht.

Oberföhringer Straße 156

Stiftung Pfennigparade

In der Oberföhringer Straße 150 unterhält die Stiftung Pfennigparade seit 2004 ein Konduk - tives Förderzentrum für spastisch gelähmte Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Förderschule, Krippe, Kindergarten, Internat und heilpädagogischer Tagesstätte. Ferner gibt es einen auf Inklusion zielenden Regelkindergarten.

Oberföhringer Straße 150

Sammlung Goetz

Der von Herzog & de Meuron geplante Museumsbau in der Oberföhringer Straße 103 beherbergt die Sammlung Goetz. 2014 schenkte die Sammlerin Ingvild Goetz einen beträchtlichen Teil der Sammlung sowie das Ausstellungsgebäude dem Freistaat Bayern und übergab weitere Werke als Dauerleihgaben an bayerische Museen. Die Sammlung Goetz gilt als eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst mit den Schwerpunkten Fotografie und Medienkunst.

Oberföhringer Straße 103

Ehemalige Prinz-Eugen-Kaserne

Östlich der Cosimastraße (in etwa zwischen Salzsender - weg und der Fortsetzung der Wahnfriedallee) errichtete die Reichs wehr ab Juli 1938 eine Nachrichtenkaserne für die Luftwaffe. Die »Lohengrin-Kaserne« wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern als »Peterson-Kaserne« besetzt und zeitweise als UNRRA-Flüchtlingslager für die Unterbringung von bis zu 2.000 Displaced Persons genutzt. 1956 übernahm die Bundeswehr das Areal und richtete eine Pionierschule ein. In Erinnerung an den österreichischen Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen erfolgte 1964 die Umbenennung in »Prinz Eugen-Kaserne«. 1972 wurden Pioniere bei der Vorbereitung und Durchführung der XX. Olympischen Sommerspiele in München eingesetzt.

Im Januar 2009 wurde die Pionierschule an ihren neuen Stand ort in Ingolstadt verlegt. In den 53 Jahren ihres Bestehens sind circa 238.000 Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften und Zivilbeschäftigte der Bundeswehr sowie Soldaten verbündeter und befreundeter Streitkräfte als Lehrgangs teilnehmer ausgebildet worden. Die Stadt München erwarb das ehemalige Kasernenareal. Auf einer Fläche von rund 30 Hektar entsteht ab 2014 ein neues Quartier mit circa 1.800 Wohnungen, einer Grundschule, einem Kulturbürgerhaus und Einzelhandelsgeschäften; weite Grünflächen und ein großer Teil des alten Baum - bestands bleiben erhalten.


Katholische Kirche St. Johann Baptist

In einer Urkunde des Hochstifts Freising wird 815 erstmals eine Johannes dem Täufer geweihte Kirche als »ecclesia sancti Johannis baptiste in loco Feringas« erwähnt. Diese gilt als die erste Pfarrkirche der Urpfarrei Föhring. Die romanische Chorturmkirche in der Gleißenbachstraße 2 stammt aus dem 13. Jahrhundert. Über Jahrhunderte war die auf einem Lehmhügel stehende Dorfkirche weithin über die gerodete Schotterebene sichtbar.

Ursprünglich war die Kirche von einer hohen Ringmauer mit Wehrgang umgeben und diente der Bevölkerung als Wehranlage und Zufluchtsort. 1688 wurde der einst etwa doppelt so hohe Mauerring auf seine heutige Höhe reduziert und der Kircheninnenraum erhielt eine Stuckierung in frühbarocken Formen. Im 19. Jahrhundert wurde ein Hochaltar des Rokoko-Bildhauers Ignaz Günther eingebaut. Bei Renovierungsarbeiten entdeckte man 1938 an der Langhausnordwand Reste spätromanischer Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert.

Die Kirche ist von einem Friedhof umgeben; an der Kirchenmauer wird an die Gefallenen beider Weltkriege erinnert. Heute gehört die Kirche zur Pfarrkirche St. Thomas in Ober - föhring.

Johanneskirchner Straße 0

Ortskern Daglfing

Inmitten des Dorfs Daglfing befindet sich die Kirche St. Philipp und St. Jakob (Kohlbrennerstraße 21). Die Kirche wurde erstmals am 28. Juli 850 in einer Schenkungsurkunde des aus Daglfing stammenden Bischofs Kunihoh an den Bischof von Freising erwähnt. Seit 1424 werden die Apostel Philipp und Jakob als Kirchenpatrone genannt. Nach 300 Jahren wurde die spätgotische Kirche durch den barocken Neubau ersetzt. Die 1724 errichtete Kirche ist von einem Friedhof umgeben, der im 20. Jahrhundert beträchtlich erweitert wurde. 1939 weihte Kardinal Faulhaber die Kirche erneut, nachdem das Kirchenschiff vergrößert und Orgelempore, Beichtstuhl und Lourdesgrotte neu gestaltet worden waren.


Kunihohstraße

An der Kunihohstraße 19 befindet sich ein denkmalgeschützter ehemaliger Bauernhof mit Wohnstallhaus aus dem Jahr 1908. Auch das um 1891 errichtete »Gasthaus zur Post« (Kunihohstraße 5) steht unter Denkmalschutz. Bis zum Abriss im Jahr 1960 befand sich in der Kunihohstraße 12 der einstige Zehetmayr-Hof, wo die Englschalkinger und Daglfinger Bauern bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Zehnt abzuliefern hatten. Ab 1864 wurde hier Bier ausgeschenkt. Die Kunihohstraße ist benannt nach dem aus Daglfing stammenden Bischof Kunihoh, der zwischen 839 und 850 urkundlich erwähnt wird und dessen Wirkungskreis unbekannt ist. Kunihoh war ein Sohn des in Daglfing begüterten Edlen Ratolt und schenkte am 24. Januar 845 und am 28. Juli 850 dem Bistum Freising Besitz am Ort.

Kunihohstraße 19

Trabrennbahn Daglfing

Daglfing verdankt seine Bekanntheit der Trabrennbahn (Rennbahnstraße 35). Diese wurde am 19. Oktober 1902 in Anwesenheit von Prinz Ludwig eröffnet.

Erste Trabrennen hatten ab 1847 zunächst auf der Theresienwiese, später in Friedenheim stattgefunden. Die wach sende Popularität des Reitsports führte gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Gründung des Münchner Trabrenn- und Zuchtvereins (MTZV). Unweit der 1895 bis 1897 geschaffenen Galopprennbahn in Riem erwarb der Verein 1902 das Grundstück in Daglfing. Nach der Eröffnung des Daglfinger Bahnanschlusses 1909 wurde die Rennbahn zum beliebten Ausflugsziel; im selben Jahr wurde eine Tribüne für 1.000 Zuschauer errichtet. Der MTZV wurde zum wichtigsten Steuerzahler der bis 1930 selbstständigen Gemeinde Daglfing.

Das Preisgeld des 1922 erstmals ausgelobten »Großen Preises von Bayern« lockte Traber aus ganz Deutschland nach Daglfing – bis die Weltwirtschaftskrise diesem Boom ein Ende bereitete. Die Nationalsozialisten förderten den Reitsport: 1937 wurde das »Silberne Pferd von Deutschland« als Ehrenpreis für das »größte internationale Trabfahren Europas« ausgelobt.

Die amerikanische Besatzungsmacht richtete auf dem Gelände der kriegszerstörten Rennbahn ein Kriegsgefangenenlager ein. Bereits im Frühjahr 1946 wurde der Rennbetrieb wieder aufgenommen. 1949 kamen wieder internationale Stars zum neu geschaffenen »Preis der Besten«. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Daglfing zur umsatzstärksten deutschen Trabrennbahn; 1981 wurde zum umsatzund preisgeldstärksten Jahr. Die Anlage hatte damals drei (heute nur noch zwei) verglaste Tribünenhäuser mit eigenen Wettannahmestellen und Restaurantbetrieben.

Fallende Wettumsätze und Verschuldung veranlassten den Verein 2005, die gesamte Anlage zu verkaufen. Nach dem Umzug der Traber ins Münchner Umland soll auf dem Gelände ein Wohngebiet entstehen.

Rennbahnstraße 0

Zamilapark

Von 1983 bis 1991 errichtete die Woh - nungsbaufirma Bayerische Hausbau zwischen Lüderitzstraße, Eggen felde - ner Straße und S-Bahntrasse die Wohn - anlage Zamilapark. In den charakteris - tisch geschwungenen zwei- bis viergeschossigen Häuserblöcken befinden sich 1.224 Wohneinheiten. Nördlich der Wohnanlage ist die Grünanlage Zamila - park, die als schönste Grünanlage Bayerns ausgezeichnet wurde: Hier gibt es einen See, eine Bezirkssportanlage und den Geologiegarten an der Fried - rich-Eckart-Straße. Bei der 1993 fertiggestellten Parkanlage handelt es sich um den Ostabschnitt des Denninger Angers.

Im Geologiegarten wurden Gesteins pro - ben aus bayerischen Steinbrüchen und Kiesgruben gruppiert. Die räumliche Anord - nung der Steine entspricht den geografischen Landschaftszonen Bayerns und vermittelt einen Über - blick über die bayerische Erdgeschichte.


Afrikasiedlung

Auf bis dahin unbebauter Zamdorfer Flur wurden ab Herbst 1934 circa 140 einfach ausgestattete Kleinhäuser errichtet. Mit ausgebautem Dach betrug die Wohnfläche jeweils circa 53 Quadratmeter. Die 200 Quadratmeter großen Gärten dienten der Selbstversorgung durch Gemüseanbau und Kleintierhaltung. Die Wohneinheiten wurden für 28 Reichsmark im Monat an »befürsorgte« Familien vermietet. In der ursprünglich »Erwerbslosensiedlung Zamdorf« genannten Siedlung lag die durchschnittliche Kinderzahl 1942 bei 5,1.

Ab 1962 wurden die Häuser für 5.000 bis 9.600 DM an ihre Bewohner verkauft. Inzwischen sind die einstigen Kleinhäuser durch An- und Aufbauten vergrößert beziehungsweise durch moderne Neubauten ersetzt worden.

Wegen der Straßennamen bürgerte sich die Bezeichnung »Afrika-« beziehungsweise »Kolonialsiedlung« ein. Die Straßenbezeichnungen waren in den 1930er Jahren ausge - wählt worden, als man den durch den Versailler Vertrag be - dingten Verlust der deutschen Kolonien beklagte und die Taten deut scher Kolonisten glorifizierte. Im Juni 2000 wurde die Karl-Peters-Straße (benannt nach dem Gründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika) in Ida-Pfeiffer-Straße umbenannt. Statt an den Rassisten Karl Peters wird seither an die österreichische Reiseschriftstellerin Ida Pfeiffer (1797– 1858) erinnert. Im Bemühen um Entkolonialisierung von Straßennamen stimmte der Münchner Stadtrat im Februar 2009 für die Anbringung erklärender Zusatzschilder (»Kolonialgeschichte offenlegen«). Auf diese Weise soll an die kaum bekannte und oft verharmloste Epoche der deutschen Kolonialzeit mahnend erinnert werden.


Hartl-/Theen-Villa

Versteckt hinter hohen Bäumen und am Rande der Wohnsiedlungen Cosima- und Fideliopark befindet sich in der Englschalkinger Straße 229 die Villa des vormaligen Ziegeleibesitzers Josef Hartl. Dieser hatte die Villa 1897 auf dem Grundstück seiner Ziegelei erbauen lassen – direkt neben Holzlege, Trockenstädeln und Brennofen. Die stattliche, zweigeschossige Villa ist die letzte noch vorhandene Villa eines Ziegeleibesitzers in Englschalking. Noch vor dem Ersten Weltkrieg geriet Hartl in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1913 wurde seine Villa zwangsverkauft, 1915 erfolgte die Stilllegung der Ziegelei. 1918 erwarben Auguste und Heinrich Theen aus Denning die Villa und betrieben auf dem Grundstück bis 1959 eine Schweinemästerei mit einem Bestand von bis zu 700 Tieren.

Englschalkinger Straße 229

In der Englschalkinger Straße 166 befindet sich seit 2001 das Ökologische Bildungszentrum (ÖBZ). Gemeinsamer Träger sind der Verein Münchner Umwelt-Zentrum e.V. und die Münchner Volkshochschule. Das ÖBZ vermittelt Umweltbildung unter Einbeziehung des 6,5 Hektar großen Außengeländes: Neben Hecken, Wiesen und Feuchtbiotopen befinden sich hier urbane Gemeinschaftsgärten und ein von Kindern geplanter Naturspielraum.

Englschalkinger Straße 166

Grundschule an der Ostpreußenstraße

Durch die starke Bau- und Siedlungstätigkeit wurde die Dorfschule an der Schnorr-von-Carolsfeld-Straße 9 in den 1930er Jahren zu klein: Alle Kinder ab der fünften Klasse mussten 1934 bis 1936 auf die benachbarten Schulen in Bogenhausen, Haidhausen und Berg am Laim verteilt werden; der Rest erhielt Schichtunterricht in Englschalking.

Hermann Leitenstorfer, damals Leiter des Stadtbauamts, plante 1935 das großzügig angelegte neue Schulhaus in der Ostpreußenstraße 88. Es hatte 23 Klassenzimmer, Turnhalle, Schulbrausebad, Filmsaal, Schulhof mit Schulgarten, Aschenbahn und Sprunggrube. Ferner waren im Gebäude ein öffentliches Brause- und Wannenbad, eine Mütterberatungsstelle, das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr und eine Volksbücherei untergebracht; auch Räume für die Hitlerjugend und ein Luftschutzkeller waren vorgesehen.

Die Schule wurde am 14. Juni 1937 in Anwesenheit des nationalsozialistischen Münchner Oberbürgermeisters Karl Fiehler als Gemeinschaftsschule eröffnet. In Erinnerung an die Schlacht bei Tannenberg in Ostpreußen im Jahr 1914 erhielt sie den Namen »Tannenbergschule«.

Von 1957 bis 1964 war Fritz Lutz (1917–1995) Lehrer und Rektor an der Ostpreußenschule. Der ehemalige Kreisheimatpfleger im Landkreis München wurde für seine Grundlagenforschung zur Geschichte des Münchner Nordostens mit dem Bundesverdienstkreuz und der Medaille »München leuchtet« ausgezeichnet. Nach ihm wurden 1997 die Fritz-Lutz-Straße und die Fritz-Lutz-Schule in Denning benannt.

Ostpreußenstraße 88

Katholische Kirche St. Nikolaus

Wenn man von den modernen Wohnsiedlungen her in die Flaschenträgerstraße 1 kommt, fühlt man sich unvermittelt einige Jahrhunderte in die Zeit des alten Dorfs zurückversetzt. Jenseits der hohen Wohnblöcke und der belebten Verkehrsstraßen befindet sich die im 13. Jahrhundert errichtete und äußerlich nahezu unveränderte Englschalkinger Dorfkirche. Seit der Gründung der Kuratie St. Emmeram im Jahr 1930 ist das dem Hl. Nikolaus von Myra geweihte Kirchlein eine Filialkirche der 1931 erbauten Kirche St. Emmeram (Putziger Straße 31).

Der einschiffige Bau im romanisch-frühgotischen Stil wurde im 13. Jahrhundert errichtet. 1659 wurden die Fenster der Kirche vergrößert und das Kircheninnere barockisiert. Aus dieser Zeit stammt auch der Aufbau des Hochaltars – die Altaranlage ist auf Münchner Gebiet eine der ältesten. Noch älter ist das Holzrelief, das die Heilige Anna (die Mutter Marias) zusammen mit dem Jesuskind und Maria darstellt; diese »Anna Selbdritt« entstand um 1520. 1969 wurde die direkt auf den Lößlehm errichtete Kirche trocken gelegt und mit einem Fundament versehen. Damals wurden auch orna mentale Fresken im Chorbogen freigelegt.

St. Nikolaus ist von einem Friedhof umgeben. Hier ruhen unter anderem der Ziegeleibesitzer Josef Hartl und Bayerns erster Landwirtschaftsminister nach dem Zweiten Weltkrieg, Ernst Rattenhuber. Auch Wilhelm Flaschenträger, der letzte Bürgermeister der Gemeinde Daglfing, der sich für die Eingemeindung eingesetzt hatte, liegt hier begraben. 1930, nach der Eingemeindung, wurde die Flaschenträgerstraße nach ihm benannt.

Flaschenträgerstraße 0