KulturGeschichtsPfad
 

KulturGeschichtsPfad

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Pelkovenschlössl

Veranstaltungs- und Kulturzentrum ebenso wie ein Bindeglied zwischen dem historischen und dem gegenwärtigen Moosach stellt das Pelkovenschlössl dar. Der ursprünglich 1690, kurz nach der Hofmarkserhebung, von den Brüdern Pelkoven errichtete Bau wurde Mitte des 19. Jahrhunderts nach Westen erweitert und war zeitweise als »Neuwirt« oder »Schloßwirt« eine Gaststätte. Zwischen 1910 und 1925, in einer Zeit starken Bevölkerungs zuwachses in Moosach, brachte man Schulklassen und Kindergärten im Schloss unter, auch evangelische Gottesdienste fanden hier statt. Seit 1926 waren Mietwohnungen im Haus. Nach gescheiterten Plänen zum Neubau eines Bürgerhauses in Moosach, die vom 1981 gegründeten »Gesamtverein Moosach e.V.« mit Nachdruck betrieben wurden, rückte erst seit Mitte der 1990er Jahre das Schlössl in den Mittelpunkt der Planungen. Gemeinsam mit dem »Hackl-Anwesen«, einem ehemaligen Gärtnerhaus, das bereits seit 1982 von den Vereinen genutzt wird, ist das Schlössl heute mit einem reichen Veranstaltungs- und Vereinsangebot unbestrittener Mittelpunkt des Moosacher Kulturlebens.

Moosacher St.-Martins-Platz 2

Alte Kirche St. Martin

Die Ursprünge der ersten Moosacher Kirche sind aus einer Schenkungsurkunde von 815 bekannt, der zufolge Graf Cundhart dem Freisinger Bischof sein Eigenkirchlein übergab – ein damals verbreiteter Vorgang auf dem Dachauer »Gfild«. Der steinerne Bau indes stammt aus dem 12. oder 13. Jahrhundert und gehört damit zu den ältesten Kirchen auf Münchner Grund. Trotz erheblicher Umbauten im gotischen Stil während des 15. Jahrhunderts lässt St. Martin seine romanischen Ursprünge noch deutlich erkennen. Bis sie 1905 zur Expositur und 1909 zur Pfarrei erhoben wurde, war die St. Martinskirche Filialkirche von Feldmoching. Als kulturhistorische Besonderheit gilt die St. Martinskirche aufgrund ihres erhaltenen romanischen Charakters und der aus der Zeit der Gotik stammenden, 1979 –1982 rekonstruierten Architekturmalerei. Der Kircheninnenraum ist von der barocken Umgestaltung um 1760 geprägt.

An der Pelkovenstraße 60 steht der alte Pfarrhof von St. Martin, der 1880 als Armen- oder Gemeindehaus erbaut wurde. Hier wurde unlängst eine Stele aufgestellt, die an die Zeit Joseph Ratzingers, später Papst Benedikt XVI., als Kaplan in Moosach (1951) erinnert.

Moosacher St.-Martins-Platz 0

Pelkovenstraße I

Die Pelkovenstraße ist die alte Dorfstraße von Moosach, das im Mittelalter nur aus etwa zwei Dutzend Höfen zwischen der St. Martinskirche und der Dorftaferne bestand. Als Teil der alten Salzstraße führte die Dorfstraße den Handelsverkehr nach Augsburg mitten durch das Dorf. Das änderte sich aber mit der Gründung Münchens 1158 und der Verlegung der Isarquerung nach Süden. Neue Trassen berührten das Dorf nur noch an den Rändern. So verlief die (alte) Dachauer Straße von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts auf der Linie der heutigen Darmstädter, Batzenhofer- und Quedlinburger Straße. Wegen ihrer zentralen Bedeutung für die Dorfentwicklung wird die Pelkovenstraße am Ende des ersten Pfades noch einmal behandelt.

Pelkovenstraße 0

Der »Moosacher Stachus«

Der »Alte Wirt« an der Pelkoven-/Dachauer Straße bezeichnet den Standort der Tafernwirtschaft von Moosach, die im 15. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt wurde. Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Gründung des »Neuwirts« im Schlössl war sie die einzige Gastwirtschaft in Moosach.

An der Kreuzung zwischen der Dorfstraße (Pelkovenstraße) und der Dachauer Straße, die ihren heutigen geraden Verlauf erst Mitte des 18. Jahrhunderts erhielt, münden zwei weitere Straßen ein, die historisch von Untermenzing (Bunzlauer Straße) bzw. Pasing (Baubergerstraße) nach Moosach führten. Mit der Errichtung der Straßenbahnlinie, die seit 1930 über die Dachauer Straße zum Moosacher Bahnhof verläuft, kam ein weiteres Verkehrselement auf dem »Moosacher Stachus« hinzu.


Moosacher Bahnhof

Als 1858 die Eisenbahnlinie von München nach Landshut eröffnet wurde, sah es zunächst nicht so aus, als ob Moosach davon profitieren könne. Die Gleise führten im Verlauf der heutigen Landshuter Allee gerade nach Norden und ließen Moosach westlich liegen. Durch die immer stärkere Beanspruchung des Bahnverkehrs im Industria li - sierungszeitalter wurden allerdings erhebliche Um- und Ausbauten der Strecken notwendig, die 1891 zu einer Verlegung der Landshuter Linie um den Nymphenburger Park herum führten. An der neuen Trasse erhielt Moosach einen eigenen Bahnhof, der den Ausbau zum Industrievorort beschleunigte. Nach der Jahrhundertwende trugen dazu der Anschluss des Militärbahngleises auf dem ehemaligen Landshuter Gleis, eines Industriegleises (zur Lokomotivfabrik Maffei in der Hirschau) und der Bau der Ringbahn zum Ostbahnhof (1909) bei.

Während der Eisenbahnverkehr in Moosach mit der Verlegung der Güterverladung nach Milbertshofen 1995 eingestellt wurde, gewinnt der Moosacher Bahnhof im Nahverkehr neue Bedeutung. Hier endet seit 2010 die Linie U3, die damit einen Anknüpfungspunkt an die Flughafen-Linie S1 bekommt.

Bunzlauer Platz 0

Siedlung Karlingerstraße

1941/42, als nur noch »kriegswichtige« Bauvorhaben realisiert wurden, entstanden 450 Wohnungen an der heutigen Bauberger-, Karlinger- und Gubestraße. Träger war die »Neue Heimat«, die Baugesellschaft der Deutschen Arbeitsfront. Der bereits seit 1936 forcierte »Arbeiterwohnstättenbau« löste die Kleinsiedlungen der frühen 1930er Jahre ab und sollte der Rüstungsindustrie zugute kommen. Vor allem Meister und Ingenieure des neuen BMW-Werks in Allach wurden in den Moosacher Wohnungen unter gebracht. Zur gleichen Zeit entstanden ganze Barackenstädte für die Arbeitssklaven der Allacher Rüstungsfabrik, die ausländischen Zwangsarbeiter und die KZ-Häftlinge.

Karlingerstraße 0

Heilig-Geist-Kirche

Nur wenige Protestanten ließen sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts in Moosach nieder; Mischehen oder Konvertiten waren die Ausnahme. Mit Moosachs Expansion Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Zahl der Protestanten schnell zu (von 40 1907 auf 135 1913). Sie bildeten 1920 den »Evangelischen Verein« als Keimzelle einer eigenen Gemeinde. Seit 1933 gab es auch rechtsförmig eine evang.- luth. Kirchengemeinde Moosach, die ab 1948 eine eigene Pfarrstelle erhielt.

In den 1950er Jahren gelang es dem Kirchen bauverein, die Errichtung einer protestantischen Kirche durchzusetzen. Ende 1958 wurde die von Christoph von Petz entworfene HeiligGeist-Kirche an der Hugo-TroendleStraße geweiht;.

Hugo-Troendle-Straße 0

Neue Kirche St. Martin

Der Bau einer neuen katholischen Kirche in Moosach fiel mitten in die Inflationszeit nach dem Ersten Welt krieg und gestaltete sich entsprechend schwierig. Nur mit der Unter - stützung der Bürgerschaft, insbesondere der Beförderung von Baumaterial durch Fuhrwerke der Moosacher Firmen und Bauern, gelang das Werk. Nach dem Ende der Infla - tion wurde die Kirche 1924 von Kardinal Faulhaber geweiht. Architekt des Sakralbaus ist Hermann Leitenstorfer, der über viele Jahre als städtischer Baurat und Planer aktiv war und 1927 das erste Hochhaus der Stadt an der Blumen - straße entwarf (Tech nisches Rathaus). Den Turm von St. Martin hatte Leitens torfer auf Wunsch von Pfarrer Josef Knogler dem Turm der bereits im 18. Jahrhundert zerstör - ten Stiftskirche Hersfeld in Hessen nachempfunden. Gelungen ist in jüngster Zeit die Modernisierung des katholischen Kindergartens an der Leipziger Straße, dessen ältere viergruppige Struktur um den »Aufsatz« eines Mehrzweck - saals ergänzt wurde. 

Leipziger Straße 0

Schule an der Jenaer Straße

Die Umgebung der St.-Martinskirche gibt Anlass zu einem Ausflug in die Moosacher Schulgeschichte. Am südlichen Abschnitt der Leipziger Straße liegt das mittlerweile älteste Schulgebäude von Moosach, das heute eine Hauptschule beherbergt. Die erste Schule am St.-Martins-Platz aus dem Jahr 1839/40 wurde 1980 abgebrochen. Die Schule an der Leipziger Straße entstand 1900/01 im Zuge der Expansion Moosachs und wurde schon 1913 und dann Mitte der 1920er Jahre erheblich erweitert. Die 1944 beträchtlich zerstörte und nach dem Krieg wiederaufgebaute Schule erwies sich in den 1960er Jahren erneut als zu klein und wurde durch Pavillonbauten an der Quedlinburger Straße ergänzt. Erst mit dem Bau der Schule an der Jenaer Straße in den 1990er Jahren wurde die Grundschulsituation nachhaltig verbessert. Eine Besonderheit ist das angeschlossene Tagesheim.

Das Schulgelände an der Jenaer Straße liegt zum Teil im ehe - maligen Garten des Hofmark schlössls. »Sienarotkennzeich net den Verwaltungstrakt (Architekt Jörg Bauer).

Jenaer Straße 0

Feldmochinger Straße

Die Feldmochinger Straße bezeichnet nicht den ältesten Weg nach Feldmoching, dieser verlief vielmehr von Sendling-Neuhausen kommend über die heutige Hanauer Straße. Aber schon im Mittelalter wurde diese Trasse im Moosacher Bereich durch eine neue Route über die heutige Feldmochinger Straße und Bingener Straße abgelöst. Als Verbindungs weg zwischen München, Moosach und Feldmoching wurde sie 1866/67 Distriktsstraße und in der Folgezeit verbreitert und gepflastert. 

Die Feldmochinger Straße und ihre Umgebung zeigen teilweise noch den ländlichen Charakter des alten Moosach, so in dem renovierten Anwesen auf Nr. 35a (Sölde Ney).

Auf Nr. 31 befindet sich das Moosacher Archiv von Volker D. Laturell und Georg Mooseder, die sich um die Erforschung der Ortsgeschichte in hohem Maße verdient gemacht haben. Georg Mooseder (Jg. 1922) ist im Mai 2008 verstorben

Feldmochinger Straße 0

Pelkovenstraße II

Der östliche Teil Moosachs – das Unterdorf – wird durch einige erhaltene alte Bauten an der Kreuzung Feldmochinger/Pelkovenstraße repräsentiert: das Gasthaus Spiegl, das seit 1876 die Wirtshaustradition pflegt, oder die hier gelegenen bäuerlichen Anwesen. Insgesamt weist die Pelkovenstraße die beachtliche Zahl von zwölf denkmalgeschützten Häusern auf, die alte (Klein-)Bauernanwesen, Gasthäuser oder die aufwändigen Bürgerhäuser der Zeit um 1900 reprä sentieren, wie die ehemalige Metzgerei Wendelin Kaiser auf Nr. 55.

Ein Abstecher lohnt sich in jedem Fall zu den ältesten Anwesen Moosachs: Auf Nr. 69 liegt der so genannte Schuster-Eberl, eine vor 1580 erbaute Sölde, die zu den ganz wenigen erhaltenen Profanbauten in München aus dieser Zeit gehört. Die daneben gelegene Sölde, der »Blasidoni«, ist eben - falls schon 1612 nachgewiesen. Beide Häuser weisen zeittypische »Froschmaul«-Einfahrten auf.

Pelkovenstraße 0

Arbeitserziehungslager Moosach

Wie bei fast allen Zwangsarbeiterund Kriegsgefangenenlagern aus dem Zweiten Weltkrieg sind auch vom Arbeitserziehungslager Moosach (AEL) keine Spuren mehr im Stadtbild zu erkennen. Dort befindet sich heute das Schulzentrum Gerastraße. Das AEL war eine verschärfte Form des Arbeitslagers, in dem durch ein besonders hartes Strafregiment »Bummelanten« und andere in nationalsozialistischen Augen »Arbeitsunwillige« im Sinne des NS-Regimes »zur Raison« gebracht werden sollten. Es stand direkt unter Aufsicht der Gestapo und übernahm die von Unternehmern oder der Polizei angezeigten Arbeitskräfte, vor allem ausländische Zwangsarbeiter. Im AEL Moosach wurden die Häftlinge ausgehungert, gefoltert oder in brutalen Arbeitseinsätzen häufig bis zum Tod gequält.

Feldmochinger Straße 0

Olympia-Einkaufszentrum

Eröffnet zu den Olympischen Spielen 1972 in München ist das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) an der Hanauer Straße eine der ältesten »Shopping-Malls« amerikanischen Typs in Deutschland. Obwohl sich solche Einrichtungen mittlerweile an vielen Standorten etabliert haben, ist das OEZ nach wie vor das größte Einkaufszentrum in Bayern, gemessen an seinen 135 Geschäften und den 56 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Aufgewertet wurde es jüngst durch den Weiterbau der Linien U1 und U3 zum U-Bahnhof »Olympia-Einkaufszentrum«.

Hanauerstraße 0

Olympia-Pressestadt

Beim Bau der Pressestadt für die zu den Olympischen Sommerspielen 1972 erwarteten Journalisten war von vorneherein der Gedanke bestimmend, bleibenden Wohnraum zu schaffen. Deshalb beteiligten sich verschiedene Bauherren unter der Federführung der »Neue Heimat Bayern« an der Erstellung der Miet- und Eigentumswohnungen. Sie wurden für die Zeit der Spiele durch temporäre Einbauten zum Teil in kleinere Einheiten zerlegt. In kurzer Zeit entstand eine völlig neue Wohnstadt in Moosach, die heute 1650 Wohnungen, gruppiert in großen Blöcken um drei Höfe, umfasst. Sie war ebenso wie das Olympische Dorf und die Siedlung Neuperlach eines der letzten Groß projekte in Beton-Fertigbauweise, bevor der Ölpreisschock und die Einbrüche im Wohnungsmarkt ein nachhaltiges Umdenken in der Städte planung bewirkten.

Riesstraße 0

Uptown München

In einer Stadt, die sich schwer tut mit Hochhäusern, ist »Uptown München« eine Ausnahme. Mit 146 Metern Höhe hält das Gebäude derzeit den Höhenrekord in München. Nach dreijähriger Bauzeit war der Wolkenkratzer der Architekten Ingenhoven und Overdiek 2004 fertiggestellt. Hauptnutzer des Hochhauses und der umgebenden Campus-Bauten ist die Deutschland zentrale von Telefónica O2.

Georg-Brauchle-Ring 50

Gaswerk Moosach

Eines der großen Versorgungszentren der neuen städtischen Leistungsverwaltung entstand mit dem Gaswerk in Moosach. 1909/10 wurden sieben riesige Ofenblöcke in Betrieb genommen; Kohlenmagazine und -lagerplätze, Werkhallen, Gasbehälter und Verwaltungsgebäude kennzeichneten die weitere Infrastruktur des Werksgeländes. Ein letzter, fast 100 Meter hoher Gaskessel entstand 1958 am Georg-Brauchle-Ring. Seit den 1960er Jahren aber stellte man die Stadtgasproduktion zugunsten einer umweltfreundlicheren Erdgasversorgung über Pipelines ein.

Auf dem ehemaligen Gaswerksgelände sind heute der Abfallwirtschaftsbetrieb München und das Verwaltungszentrum der Stadtwerke München untergebracht. Eine moderne Lichtskulptur aus 400 Verkehrsampeln, »Traffic Light Flower« von Johannes Brunner und Raimund Ritz, sorgt für künstlerische Belebung.

In den 1970er Jahren wurde das Gaswerk nach und nach abgebrochen. Geblieben und immer noch sehenswert sind die Zählerhalle und der Wasserturm.


Borstei

Mitte der 1920er Jahre ließ der Bauunternehmer Bernhard Borst an der Dachauer Straße eine Anlage mit 772 Wohnungen errichten, die überwiegend für ein mittelständisches Publikum gedacht war. Er verzichtete auf den soeben in Mode gekommenen streng parallelen Zeilenbau und setzte Häuserzeilen unterschiedlicher Länge in verschiede nen Winkeln gegeneinander, so dass Innenhöfe indivi duellen Charakters entstanden. Die geschlossene Rand bebauung mit ihren niedrigen Bogentoren vermittelte zudem das Bild einer autarken, von der Außenwelt abgegrenzten Einheit, das auch durch eigene Versorgungseinrichtungen und Geschäfte unterstrichen wurde. Nicht eine Arbeiterburg wie in den zeitgleichen Wiener Gemeindebauten, son dern ein stark auf die Persönlichkeit des Sena tors Borst ausgerichtetes Gemeinwesen entstand hier. Noch heute symbolisiert die Borstei eine über die Norm hinausgehende Wohnqualität in München.

Über die Geschichte der Borstei informiert das Borsteimuseum in der Löfftzstraße 10.


Westfriedhof

Der 1897 bis 1902 angelegte und danach bis 1988 erweiterte Friedhof gehört in die Reihe der großen städtischen Friedhofsanlagen, die unter Stadtbaurat Hans Grässel um 1900 entstanden.

Der Bau des »Neuen Moosacher« oder »Nordwestlichen« Friedhofs auf Nymphenburger und Moosacher Flur beschleunigte die Eingemeindung Nymphenburgs (1899), während sich Moosach zunächst nur die Grundstücke abnehmen ließ. Die Gemeinde erhielt eine eigene Sektion für ihre Toten (Nr. 15 an der Baldurstraße).

Auf dem Friedhof liegen bekannte Persönlichkeiten wie der Maler Franz Ritter von Lenbach (1836–1904), der Senator Bernhard Borst (1883–1963), der Erbauer der Borstei, die Schlagersängerin mit dem Künstlernamen Alexandra (1942–1969), der Quizmaster Robert Lembke (1913–1989) und die Kabarettistin Ursula Herking (1912–1974) und Soraya, ehem. Kaiserin von Persien (1933–2001).

Das jüngste Erweiterungsgelände an der Dachauer Straße wird durch ein Kunstwerk an der Friedhofsmauer, »Die Lebenden und die Toten« von Gerhart Nikolaus, gekennzeichnet.

Baldurstraße 0

Nederling

Der Weiler Nederling, 1362 erstmals erwähnt, bestand bis ins 19. Jahrhundert aus zwei Höfen, die im Mittelalter dem Kloster Dießen bzw. der Kirche St. Peter in München gehörten. Häufige Besitzerwechsel prägten die Geschichte Nederlings in der frühen Neuzeit. Bei der Gemeindebildung Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Nederling Moosach zugeschlagen. Bald darauf setzte der Verkauf des landwirtschaftlichen Grundes ein, etwa für die Schulhausbauten der »Englischen Fräulein« und später für den Westfriedhof. Die Restbestände vereinigte der Bankier Salomon Gutmann zum »Gut Nederling«, das 1920 zu einem Versuchsgut für Pflanzenbau und Pflanzenschutz der Technischen Hochschule ausgebaut wurde. Der Besitz wurde im Dritten Reich durch die »Hauptstadt der Bewegung« enteignet und »arisiert«. Nach dem Krieg behielt die Stadt die Anwesen, leistete aber »Wiedergutmachung«.

Neben Kleingärten und Wohnanlagen, die heute das Bild Nederlings prägen, ragt das »Theater Gut Nederling« heraus, das sich als neuer Kulturort seit 2003 im Dießener Hof etabliert hat.

Erwähnenswert ist die »Röthlinde« an der Nederlinger Straße (hinter der Zufahrt zum Gut), ein mit über 600 Jahren wahrlich geschichtsträchtiger Baum, der bereits dem Landschaftsmaler Philipp Röth (1841–1921) als Quelle der Inspiration diente.

Nederlinger Straße 0

Hartmannshofen

Über das Kapuzinerhölzl, ein Eichenwäldchen, das die Grünanbindung zu Nymphenburg herstellt und nach den beim Schloß im 18. Jahrhundert angesiedelten Mönchen heißt, geht es weiter in den Hartmannshofer Park. In Hartmannshofen richtete Kurfürst Max Emanuel 1717 eine Fasanerie ein, die bis zum Ersten Weltkrieg in Betrieb war. Solche Fasanengärten waren in der höfischen Jagdszene in Mode gekommen und wurden etwa auch in der Fasanerie Moosach, im heutigen Taxisgarten, in Nymphenburg, in der Hirschau und bei Perlach und Schleißheim eingerichtet.

In den 1920er Jahren entstanden in Hartmannshofen und in Neulustheim die ersten gartenstädtischen Siedlungen auf baugenossenschaftlicher Grundlage, die nach dem Krieg fortgesetzt wurden.

An der Moosacher Stadtbezirksgrenze liegt die Kirche St. Raphael, die nach Plänen des bekannten Architekten Hans Döllgast 1932 erbaut wurde.

Hartmannshofer Straße 0

Trinkl-Siedlung

Die Trinkl-Siedlung heißt nach dem Untermenzinger Bauern und Gastwirt Josef Trinkl, dem vormaligen Eigentümer des Siedlungsgrundes. Er gestattete die Errichtung von rund 100 kleinen Siedlungshäusern durch Batschka-Deutsche aus Jugoslawien. Baugenehmigungen lagen allerdings nicht vor. Aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte wird die abseits des Moosacher Kerngebiets liegende Siedlung auch »Mondscheinsiedlung« genannt. Sie ist freilich mittlerweile legalisiert.

Mondscheinweg 0

Reigersbach

Kaum mehr bemerkbar machen sich Moosachs Gewässer. Lediglich südlich der Max-Born-Straße lässt sich noch ein Blick auf den Reigersbach werfen, der dort mit den Resten des Dorfbachs zusammenläuft. Weiter nördlich mündet er in den Feldmochinger Mühlbach. Der Reigersbach ist der Oberlauf des Flüsschens Moosach, das auf der Abbildung von Apian  so deutlich zu sehen ist. Fast überall ist der Wasser lauf verfüllt und unterirdisch verrohrt worden. Am Spielplatz Haylerstraße markieren die Eschen noch den einstigen Verlauf der Moosach.


Rangierbahnhof

Ein neuer Rangierbahnhof in Moosach war bereits Teil der nationalsozialistischen Planungen für München. Das über Jahrzehnte schwer umkämpfte Projekt wurde schließlich erst in den 1980er Jahren verwirklicht. Mit der Eröffnung 1991 wurde der 100 Jahre alte Rangierbahnhof in Laim abgelöst und dort Raum für neue städtebauliche Planungen geschaffen. Seit der Neugliederung der Stadtbezirke 1992 bildet der Rangierbahnhof die nördliche Grenze des 10. Stadtbezirks (Moosach). Hier ist auch ein beliebter Grünzug zur Naherholung entstanden.