Geschichte - Tirol

Zeitensprünge





  • München * Der Wein ist das dominierende „Volksgetränk“ in Baiern.

    • Auf dem Münchner Weinmarkt finden sich neben dem einheimischen „Baierwein“ die „Südtiroler Weine“, die man als „Welschweine“ oder auch „Etschweine“ bezeichnet.
    • Das nächstgrößere Einfuhrkontingent der „Fremdweine“ bilden die „Neckarweine“ aus Württemberg. Das liegt daran, weil hier als „Rückfracht“ Salz aus den Münchner „Salzstadeln“ in die Weinfässer gestoßen werden kann.
    • Für die „österreichischen Weine“ gilt die Bezeichnung „Osterwein“. Wegen fehlender „Rückfracht“ ist der Transport sehr kostspielig.
    • Aus Griechenland und Süditalien kommen die „Südweine“.

  • Tirol * Margarete von Tirol, später genannt „Maultasch“, die Erbtochter Herzog Heinrichs von Kärnten und Tirol und Titularkönigs von Böhmen, wird geboren.


  • Tirol * Die elfjährige Margarete von Tirol, später genannt „Maultasch“, wird mit dem siebenjährigen Johann Heinrich, dem Sohn König Johanns von Böhmen aus dem Hause Luxemburg, verheiratet.


  • Tirol * Die zwölfjährige Margarete „Maultasch“ von Tirol wird mit dem drei Jahre jüngeren Johann Heinrich von Luxemburg verheiratet. 


  • München * Wilhelm von Ockham trifft mit seinen Gefährten in München ein, wo er bis zu seinem Tod bleibt.

    Er kann seine Stellung als Berater des Kaisers festigen und hilft Kaiser Ludwig den Baiern auch im Ehestreit um Margarete von Tirol mit einem Gutachten.


  • Tirol * Die Ehe zwischen Herzog Ludwig „der Brandenburger“ und Margarete (von Dänemark) wird „vollzogen“.


  • Tirol * Johann Heinrich von Luxemburg übernimmt die Regentschaft in Tirol.


  • Tirol * Nachdem die elf Jahre andauernde Ehe zwischen Margarete von Tirol, später genannt „Maultasch“, und Johann Heinrich von Luxemburg kinderlos geblieben war, nimmt die 23-jährige Margarete ihr Schicksal selbst in die Hand. 

    Bei der Rückkehr von einem Jagdausflug findet ihr 20-jähriger Ehemann das Tor von Schloss Tirol verriegelt vor.


  • Tirol * Kaiser Ludwig der Baier erklärt die Ehe der Tiroler Gräfin Margarete und ihrem Gatten Johann Heinrich von Luxemburg für „nicht vollzogen“ und damit für ungültig. 

    Dass Margarete von Tirol ihren Ehemann Johann Heinrich von Luxemburg aus Schloss Tirol aussperrt, ist vermutlich mit Kaiser Ludwig dem Baiern abgestimmt gewesen, da sich dieser äußert, dass „sogleich die ganze Erde aussterben würde, käme die Fähigkeit zum Beischlaf abhanden“.


  • Freising - Tirol * Der Freisinger Gegenbischof Ludwig von Kammerstein verunglückt auf dem Weg nach Tirol und stirbt. Er sollte die erste Ehe der Margarete „Maultasch“ von Tirol mit Johannes von Böhmen auflösen und die neue mit dem Kaisersohn Ludwig V. den Brandenburger schließen.  

    Daraufhin erklärt Kaiser Ludwig IV. der Baier die Ehe der Tiroler Gräfin Margarete und ihrem Gatten Johann Heinrich von Böhmen (Luxemburg) für „nicht vollzogen“ und damit für ungültig.

    Der Nachfolger des Freisinger Gegenbischofs wird Leutold von Schaumburg-Julbach.


  • Tirol * Herzog Ludwig „der Brandenburger“, der älteste Sohn Kaiser Ludwigs „des Baiern“ und künftiger Ehegatte der Gräfin Margarete von Tirol, erlässt den „Großen Tiroler Freiheitsbrief“.

    Darin

    • bestätigt er den Tirolern die „Rechte des Landes“ und
    • verspricht ihnen, keine Steuern ohne Zustimmung der „Landstände“ zu erheben, sowie
    • die Regierung nur nach Rücksprache mit den „Landständen“ zu führen.
    • Außerdem darf er keine „Ausländer“ - auch keine Baiern - in Dienst nehmen und
    • ​Margarete nicht außer Land bringen.

  • Schloss TirolHerzog Ludwig V. der Brandenburger“ der älteste Sohn Kaiser Ludwigs des Baiern, heiratet auf Schloss Tirol die Gräfin Margarete von Tirol, später genannt „Maultasch“. Das Paar lebte - kirchenrechtlich gesehen - 17 Jahre in wilder Ehe.


  • Meran * Kaiser Ludwig der Baier belehnt Herzog Ludwig den Brandenburger und dessen Ehefrau Margarete im Hof des Trienter Bischofs in Meran mit der Grafschaft Tirol und dem Herzogtum Kärnten.


  • Landshut * Herzog Meinhard III. wird in Landshut geboren.

    Er ist der Sohn von Herzog Ludwig „dem Brandenburger“ und dessen Ehefrau Margarete von Tirol.


  • München * Herzog Ludwig „der Brandenburger“ teilt seine Länder.

    Die „Markgrafschaft Brandenburg“ übergibt er seinen jüngeren Halbbrüdern Ludwig „den Römer“ und Otto. Er selbst behält sich Oberbaiern.

    Damit reicht das baierische Herrschaftsgebiet von der Donau im Norden bis nach Trient.

    Seine Regierungssitze sind der „Alte Hof“ in München und „Schloss Tirol“.


  • Tirol - Rom-Vatikan * Die Ehe zwischen der Gräfin Margarete Maultasch von Tirol und dem Markgrafen Johann Heinrich von Mähren, die Kaiser Ludwig der Baier anno 1341 „für ungültig“ erklärt hatte, wird nun auch vom Papst „annulliert“

    Erst damit wird die 17 Jahre andauernde „Wilde Ehe“ von Herzog Ludwig dem Brandenburger mit Margarete von Tirol kirchenrechtlich sanktioniert. 


  • Passau * Der 15-jährige baierische Herzog Meinhard III. wird in Passau mit der 13-jährigen Herzogin Margarete von Österreich verheiratet.


  • Zorneding - München-Kreuzviertel * Herzog Ludwig „der Brandenburger“ stirbt in der Nähe von Zorneding.

    Seine Grabstätte befindet sich in der Münchner „Frauenkirche“.


  • Schloss TirolHerzog Meinhard III. stirbt auf Schloss Tirol.

    Herzog Stephan II., der Bruder Herzog Ludwig des Brandenburgers, übernimmt das Teilherzogtum Baiern-München und die Grafschaft Tirol.


  • Tirol * Herzogin Margarete von Baiern-München überträgt die Grafschaft Tirol an ihren habsburgischen Vetter Herzog Rudolf IV. von Österreich.


  • Tirol * Margarete „Maultasch“ von Tirol, die Witwe des baierischen Herzogs Ludwig V. der Brandenburger, verzichtet endgültig auf ihre Besitzungen und überlässt sie ihren habsburgischen Verwandten. 


  • München - Tirol * Der oberbaierische Herzog Stephan II. nimmt den Verlust der „Grafschaft Tirol“ nicht so ohne weiteres hin.

    Es kommt zum „Tiroler Erbfolgekrieg“.


  • Tirol * Herzog Rudolf IV. von Österreich wird von seinem Schwiegervater, Kaiser Carl IV., offiziell mit der „Grafschaft Tirol“ belehnt.

    Die Belehnung wird von Baiern jedoch nicht zur Kenntnis genommen.
    Der Krieg geht weiter.


  • Tirol * Nach mehr als sechs Jahren Krieg und trotz zäher Gegenwehr muss Herzog Stephan II. die Grafschaft Tirol gegen eine Entschädigung von 116.000 Gulden an die Habsburger abtreten. Die Grenzgerichte Schärding, Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel bleiben bairisch und werden in der Folgezeit dem Teilherzogtum Baiern-Ingolstadt zugeteilt.


  • Wien * Herzogin Margarete von Baiern-München und Gräfin von Tirol stirbt in Wien.

    Ihre Grabstätte befindet sich in der dortigen „Minoritenkirche zum Heiligen Kreuz“.

    Margaretes Beiname „Maultasch“ taucht erst seit dem späten 14. Jahrhundert auf. 
    Von Zeitgenossen wird sie als schöne Frau beschrieben. 
    Es ist wohl mehr die luxemburgische und päpstliche Propaganda, die mit diesem abwertenden Beinamen das „wenig rollenkonforme Verhalten“ der Herzogin brandmarken und sie in ein schiefes Licht bringen soll.


  • Bozen * Herzog Sigmund von Tirol lässt auf dem „Bozener Markt“ 130 venezianische Kaufleute verhaften und erklärt darüber hinaus der „Republik Venedig“ den Krieg.

    Aus diesem Grund schlagen die venezianischen Händler ihre Kaufstände seither im bischöflich-freisingischen Mittenwald auf.


  • München * Nach einer Vorschrift dürfen zu einer Mahlzeit im Gasthaus nur zwei Sorten guten Weines ausgeschenkt werden.

    Bei „Bauernhochzeiten“ ist der Ausschank teuerer „Südweine“ untersagt.

    Tiroler, österreichischer, oberländischer und fränkischer Wein ist dagegen erlaubt.


  • Wien - Oberösterreich * In das von Kaiser Ferdinand II. an das Herzogtum Baiern verpfändete Oberösterreich soll eine Reformkommission die evangelisch gewordenen Untertanen wieder katholisch machen.

    Durch ein Patent Kaiser Ferdinands II. wird die Ausweisung aller evangelischen Schulmeister und Prediger im Lande ob der Enns verfügt.

    Da die freigewordenen Pfarrstellen nicht mit einheimischen Pfarrern besetzt werden können, holt man italienische Priester aus dem italienischen Teil Tirols. Diese sprechen kaum deutsch und können deshalb die Messe, wie es zuvor üblich war, nicht in der Landessprache halten. 


  • Natternbach - Oberösterreich * Der Dechant Blasius de Livo und der von ihm eingesetzte italienische Pfarrer von einigen Hundert Bauern mit Steinen beworfen und verjagt.

    Das bleibt zunächst ohne Konsequenzen, bringt aber eine Reihe von Ereignissen in Gang die im Oberösterreichischen Bauernkrieg enden. 


  • München * Kurfürstin Elisabeth Renata und ihr Schwager, Herzog Albrecht VI. mit Familie, verlassen aus Angst vor den Schweden München, um sich in Salzburg in Sicherheit zu bringen.

    Die kurfürstliche Schatzkammer, kirchliche Schätze und die städtische Barschaft im Wert von 32.449 Gulden werden im Ausland, im „Erzbistum Freising“, in Sicherheit gebracht.

    Münchner Bürger und Adelige, die es sich finanziell leisten können, suchen Schutz in Tirol oder Italien.


  • München * Die schwedische Schutzgarde wird nach München verlegt und nimmt Einquartierungen in den „Klöstern und Häusern der Vornehmen in München, deren Insassen meist nach Tirol oder Italien geflohen waren“.

    Die innerhalb der Stadtummauerung lebenden Münchner kommen wieder einmal glimpflich davon. Die Soldateska plündert, verwüstet, drangsaliert und vergewaltigt dafür um so stärker in den Vororten - besonders in der bevölkerungsreichen Au und in Haidhausen.


  • Meran - Trient * Wolfgang Holzer, den späteren Abt der im „Lehel“ beheimateten „Ordensgemeinschaft der Hieronymiten“, geht von seiner Einsiedelei bei Meran nach Trient, wo er bei den „Karmeliten“ das Kleid ihres Dritten Ordens und den Namen „Frater Onuphrius vom heiligen Wolfgang“ erhält.  

    Schon sehr früh zieht es ihn zum Leben eines Einsiedlers, zunächst in die Wälder bei Zorneding und Tegernsee, dann nach Tirol. 


  • Kufstein * Kurfürst Max Emanuel und seine Armee überschreiten bei Kufstein die Grenze nach Tirol.


  • Kufstein - Mittenwald * Im Juli und August 1703 erhebt sich das Volk gegen die Besetzung durch die baierische Armee.

    Max Emanuel und seine Truppen ziehen sich rasch über Mittenwald zurück.


  • Oberköllnbach * Ernestine Rupertina Walburga Gräfin von Arco, die spätere Ehefrau von Maximilian Joseph Freiherr wird von Montgelas, wird in Oberköllnbach geboren. 

    Ihr Vater, Ignatz Graf von Arco, ist der Sprecher der Baierischen Landschaft, mit dem Montgelas bereits vor seinem Weggang von München zusammengearbeitet hat. Ihre Mutter, Antonia Rupertina Gräfin von Trauner, ist eine Nichte seiner Mutter, Maria Ursula Gräfin von Trauner. Sie ist die Schwester von Carl Graf von Arco, dem Hof- und Generalkommissär in Tirol sowie Ludwig Graf von Arco, der die Witwe Carl Theodors, Maria Leopoldine von Österreich-Este heiraten wird. 


  • München * Eine Anfang August erschienene Schrift wendet sich an die „Bewohner Baierns, Schwabens, Frankens, Tyrols und Salzburgs“ und fordert dazu auf,

    • „daß wir diesem Unwesen einmal ein Ende machen und von dem alten verderblichen Reichsverbande uns loslösen,
    • uns nach dem Drange aller politisch- und natürlichen Verhältnisse in einen freien, mächtigen Staatskörper [...] zusammenschließen [...] und uns so
    • eine eigene, auf die natürlichen Rechte der Menschheit, auf die reine Religion, und den allgemeinen Wohlstand gegründete Konstitution geben“.  

    Alle Soldaten aus der Koalitionsarmee sollen zurückgerufen werden und anschließend Vertreter aus den Gemeinden und Distrikten „zu einer allgemeinen süddeutschen Nationalversammlung oder süddeutschem Landtage“ gewählt werden. 


  • Kurfürstentum Baiern * Napoleon Bonaparte fördert bis 1810 den Gebietszuwachs Baierns. Er will die deutschen Mittelstaaten, allen voran Baiern, Württemberg und Baden, so vergrößern, dass sie als Puffer gegenüber österreichischen Angriffen dienen können.

    Gleichzeitig sollen die so Geförderten natürlich auf Dauer von der französischen Gunst abhängig bleiben. 


  • München-Angerviertel - Wien * In der Haupt- und Residenzstadt München gibt es nur ein ständisches Kloster: das Klarissen-Kloster zu Sankt Jakob am Anger, dessen Äbtissin Mitglied der Landschaft ist. Es ist eines der siebzig Landsässigen Klöster in Altbaiern, das durch den verfassungsrechtlichen Schutz erst im Jahr 1803 aufgehoben werden kann.

    Auch Österreich zieht - damals noch als baierischer Verbündeter - einen erheblichen Gewinn aus der Aufhebung der baierischen Klöster. Diese haben ihre Aktiva - aufgrund der in Baiern nicht vorhandenen Bankhäuser - bei der Wiener Bank angelegt. Nach der Klosteraufhebung kassiert Österreich diese Guthaben ein und beschlagnahmt deren Grundherrschaften, vor allem Weingüter in Südtirol und in anderen habsburgischen Gebieten. Baiern muss dagegen die Schulden der Klöster übernehmen.


  • Petersburg - Berlin * Zar Alexander I. schließt ein „Defensivbündnis“ mit Preußen.


  • Paris * Napoleon Bonaparte krönt sich zum Kaiser von Frankreich


  • München * Das Kurfürstentum Baiern führt die Wehrpflicht ein. Diese gilt jedoch nicht für alle Baiern, denn die Gesetze zur Ergänzung des stehenden Heeres aus den Jahren 1805 und 1812 gestatten dem städtischen Bürgertum „großzügige Befreiung vom Wehrdienst“.


  • Frankreich - Österreich * Napoleon Bonaparte lässt seine Große Armee in Richtung Österreich abmarschieren. Ende September will er in Baiern ankommen.


  • Salzburg - Kufstein * Die baierischen Truppen unter der Führung von General Bernhard Erasmus von Deroy nehmen Salzburg ein und dringen über Reichenhall und Lofer nach Kufstein vor.


  • Scharnitz - Innsbruck * Französische Truppen erobern die „Festung Scharnitz“ und Innsbruck.


  • Kufstein * Die baierischen Truppen nehmen die Festung Kufstein ein.


  • Tirol * Baierische Truppen übernehmen die „Besetzung“ Tirols.


  • Tirol * Der baierische General Siebenbein zieht in Tirol ein.


  • Znaim * Der „Waffenstillstand von Znaim“ wird geschlossen.


  • Tirol - Wien * Die „Ständische Aktivität“ bittet den österreichischen Regenten um den weiteren Verbleib Tirols beim Kaiserhaus.


  • München - Tirol * Ein Schreiben Königs Max I. Joseph an die Tiroler „Landstände“ sichert ihnen die „Beibehaltung der Landesverfassung“ zu. 

    Diese Zusicherung ist den Tiroler „Deputierten“ bereits bei ihren Audienzen in München schriftlich gegeben worden.

    Im „Besitzergreifungspatent“ vom 22. Januar wird sich allerdings kein Hinweis auf die Tiroler „Landesverfassung“ und andere Sonderrechte finden lassen. 


  • Tirol * Das „Königreich Baiern“ übernimmt die ehemals „gefürstete Grafschaft Tirol“

    • Im „Besitzergreifungspatent“ findet sich kein Hinweis mehr auf die gegebenen Zusagen zur Beibehaltung der Tiroler „Landesverfassung“ und andere Sonderrechte.
    • Dagegen wird die „Gleichbehandlung aller Untertanen im Königreich“ hervorgehoben.

  • Schönbrunn * Im Vertrag von Schönbrunn erhält das Königreich Baiern weitere Gebietserweiterungen:

    • Als Ersatz für das Herzogtum Berg erhält Baiern das Markgrafentum Ansbach,
    • dazu sieben Herrschaften in Vorarlberg,
    • die Grafschaften Hohenems und Königsegg-Rothenfels,
    • die Herrschaften Tettnang und Argen am Bodensee sowie
    • die ehemals „gefürstete Grafschaft Tirol“, die Baiern samt Trient und Brixen bekommt.
    • Dafür müssen sie allerdings auf Würzburg verzichteten. 

  • Innsbruck - Tirol * Der österreichische General Chasteler trifft in Innsbruck ein, hat aber nichts mehr zu „befreien“.


  • München * Der Rheinbund als Konföderation von zunächst 16 Staaten wird als Militärbündnis gegründet. Die Unterzeichner verpflichten sich zum gegenseitigen Beistand im Kriegsfall. Baiern muss mit 30.000 Mann das stärkste Kontingent stellen.

    Mit dem Beitritt zum pro-französischen Rheinbund verlässt das Königreich Baiern endgültig und offiziell das Heilige Römische Reich Deutscher Nation.

    Im Gegenzug erhalten die Bundesgenossen enorme territoriale Zuwächse. Das junge Königreich Baiern erhält die Reichsstadt Nürnberg und deren Territorien, darüber hinaus die bislang reichsunmittelbaren Herrschaften der Fürsten Hohenlohe, Öttingen, Fugger, Thurn und Taxis, der Grafen von Vastell, Pappenheim, Stadion und Schönborn sowie fränkische und schwäbische Reichsrittergüter.


  • Bozen * Bozen befindet sich in französischer Hand.


  • München * Das „Mandat über die Uniformierung und Organisation des bürgerlichen Militärs in den Städten, Flecken und Märkten des Königreichs“ wird erlassen. 

    Es bildet eine allgemein verbindliche Rechtsgrundlage für den Wach- und Sicherheitsdienst des „Bürgermilitärs“, denn bisher hatten die Bürger diese Aufgabe ja freiwillig erfüllt. 

    Wichtigster Punkt für den Staat ist die neue allgemeine Musterungspflicht aller Bürger zum „Bürgermilitär“.
    Untaugliche müssen eine „Wehrersatzgebühr“ bezahlen.
    Als Gegenleistung gesteht der Staat den „Offiziers- und Unteroffizierskorps“ der einzelnen Waffengattungen des „Bürgermilitärs“ ihre Ergänzung und Beförderung zu höheren Chargen zu.

    Über die Aufgabe des „Bürgermilitärs“ sagt das „Mandat“ folgendes:
    „[...] Nie kehrt der Bürger seine Waffen gegen den äusseren Feind.
    Seine Bestimmung bleibt ausschliessend, den friedlichen, rechtlichen Einwohner zu beschützen, und die Wirkungen des Gesetzes gegen polizeiliche Vergehungen und das Verbrechen zu unterstützen.
    Er übernimmt demnach bei dem Abzuge der Feldregimenter aus den Garnisonen den Dienst daselbst, besorgt denselben in jenen Städten, wo keine gewöhnliche Garnison liegt, für beständig, um durch auszusendende Sicherheits-Patrouillen die Umgebungen vor allem, der öffentlichen Ruhe und Sicherheit gefährlichen Gesindel rein zu halten“
    .

    Das unmittelbare Kommando über das „lokale Bürgermilitär“ hat der jeweils ranghöchste beziehungsweise rangälteste „Bürgeroffizier“.
    Dieser untersteht wiederum in einer „Garnisonsstadt“ der „militärischen Stadtkommandantschaft“, ansonsten dem zivilen „Landrichter“ oder „Polizeidirektor“.

    Der Vorschlag für ein „Pferderennen“ aus Anlass der „Kronprinzenhochzeit“ (1810) kommt aus den Reihen der „Königlich-Baierischen Nationalgarde III. Klasse“
    Diese entwickelt sich aus dem „Städtischen Wehrwesen“
    Dieses „Münchner Bürgermilitär“ gehört nicht im eigentlichen Sinne zur „Münchner Garnison“

    Die traditionelle Abgrenzung von „Armee“ und „Bürgertum“ beziehungsweise von „Garnison“ und „Bürgerwehr“ bleibt bis weit ins 19. Jahrhundert bestehen.


  • Tirol * In Tirol kommt es zu Aufständen gegen die Besatzungsmacht

    Dreimal wird Tirol „befreit“, ebenso oft von baierischen und französischen Truppen wieder eingenommen.


  • Wien - Tirol * Erzherzog Johann lädt drei der zu den führenden Köpfen des Widerstands zählenden Tiroler nach Wien.

    Darunter ist Andreas Hofer, der „Sandwirt“ aus dem Passeier. In vertraulichen Gesprächen werden Informationen und Meinungen ausgetauscht und konkrete Vereinbarungen getroffen.

    Um mögliche rechtlich-moralische Bedenken der Tiroler Bevölkerung im Aufstand gegen die baierische Landesherrschaft auszuräumen, will der Erzherzog gleich bei Kriegsbeginn ein „Besitzergreifungspatent“ unterzeichnen und damit Tirol wieder mit Österreich vereinen.
    Damit wären die Tiroler keine baierischen Untertanen mehr, sondern Österreicher.
    Und wer dann gegen die Baiern kämpft, wäre kein „Aufständischer“ sondern ein „Freiheitskämpfer“.

    In der Folge wird die „Erhebung Tirols“ ins Rollen gebracht.

    Es sind viele Gründe zusammengekommen, die den „Aufstand der Tiroler“ gegen die baierische Herrschaft letztlich auslösen. 
    Keiner allein hätte ausgereicht:

    • weder die Aufhebung der alten Verfassung noch die Überheblichkeit baierischer Beamter,
    • weder die drückende Steuerlast noch die religionspolitischen Maßnahmen;
    • ja nicht einmal die verhasste Rekrutierung zum baierischen Militär hätte unter anderen Umständen solche verheerende Folgen gezeigt.

    Ausschlaggebend war, dass die Tiroler unter Baiern keine Tiroler bleiben durften, sondern zu „Südbaiern“ gemacht wurden.


  • Tirol * In Tirol kommt es zu Aufständen gegen die baierischen Landesherren.

    „Ungeliebte“ Maßnahmen der Münchner Regierung und ein vielfach landfremdes und unkluges Verhalten der baierischen Beamten provozieren Unmut und Widerstand gerade beim „Vierten Stand“, den Bauern, kleinen Handwerkern und Tagelöhnern.

    Durch die Kriegsverhältnisse gelingt es nicht, in Tirol eine gewisse Zufriedenheit mit der baierischen Präsenz zu erzeugen.


  • Innsbruck * Die baierischen Behörden wollen in Axams bei Innsbruck erstmals in Tirol Rekruten „ausheben“

    Weil sich die betroffenen Burschen in den Wäldern verstecken, schwärmen Patrouillen aus, um die Entlaufenen festzunehmen.

    Als eine baierische Patrouille zwei bewaffnete junge Männer festnehmen will, werden sie in die Flucht geschlagen.
    Daraufhin wird das Militär in Alarmbereitschaft gesetzt.

    Jetzt greifen die Bauern zu den Waffen, nehmen baierische Soldaten gefangen, entwaffnen sie und schicken sie nach Innsbruck zurück.


  • Wien * Erzherzog Johann erklärt Frankreich und seinen Verbündeten den Krieg.

    Gemeinsam mit dem österreichischen General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles und 10.000 Mann der „Italienarmee“ rücken sie in Tirol ein.


  • Tirol * Die Nachricht vom Kriegsbeginn und der Vormarsch der österreichischen Truppen verbreitet sich in ganz Tirol wie ein Lauffeuer.
    Auf Flugzetteln, die selbst in den hintersten Tälern kursieren, wird die Bevölkerung zu den Waffen gerufen.

    Eine starke baierische Einheit greift das Dorf Axams zur Strafexpedition an.
    Die Baiern stoßen dabei auf bewaffneten Widerstand.
    Es fallen Schüsse, in denen der erste baierische Soldat stirbt.

    Erzherzog Karl überschreitet in der Zwischenzeit mit der Hauptmacht der österreichischen Armee den Inn und marschiert in Richtung München.


  • Innsbruck * In und um Innsbruck toben heftige Kämpfe.

    Um 5 Uhr früh greifen 6.000 Bauern die baierischen Soldaten an.
    Innsbruck wird von den Tiroler „Aufständischen“ erobert.
    Die baierischen Truppen werden gefangen genommen.

    Um 10 Uhr ist der Kampf beendet.
    Danach beginnen in der ganzen Stadt Plünderungen, die auch Judenfamilien einschließen, die kurz zuvor Kirchensilber ersteigert haben.

    Die Volkswut tobt.


  • Innsbruck - Tirol * Der französische General Bisson rückt mit 2.000 Mann auf Innsbruck vor.
    Er kapituliert ohne Kampfhandlung.

    Damit haben die Tiroler „Aufständischen“ die französisch-baierische Armee ohne österreichische Unterstützung geschlagen.
    Diese Tat geht als „Erste Befreiung Tirols“ in die Geschichte ein.


  • Kufstein * Die von den Baiern gehaltene „Festung Kufstein“ wird belagert. 

    Mehrere Aufforderungen zur Übergabe lehnt Major von Aicher ab.


  • Tirol * Im „Schärdinger Manifest“ wird von Kaiser Franz I. die Vertreibung der Baiern und Franzosen aus Tirol sanktioniert.


  • Tirol * Nachdem es in Innsbruck nichts mehr zu tun gibt, bricht der in Lothringen geborene österreichische General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles mit seinen Truppen nach Trient auf, um dort die Franzosen zu vertreiben.


  • Trient - Tirol * Der österreichische General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles kann Trient besetzen. 

    Die Franzosen müssen daraufhin abziehen.


  • Tirol - Kufstein * Mit Ausnahme der „Festung Kufstein“ wird Tirol von den „Aufständischen“ erobert.


  • München - Wien - Tirol * Napoleon Bonaparte kann die anfangs durchaus erfolgreichen Österreicher aus Baiern herausdrängen und nach Wien vorrücken.

    Gleichzeitig befiehlt er seinem Marschall Pierre François Joseph Lefèbvre mit zwei baierischen Divisionen unter den Generälen Philipp von Wrede und Bernhard Erasmus Graf von Deroy Tirol wieder zu unterwerfen.


  • Tirol - Königreich Baiern * Auf Befehl von General Chasteler und unter der Führung eines Freiherrn von Taxis unternehmen rund 800 Tiroler „Beutezüge“ nach Baiern, um dort nach Belieben zu Brennen und zu plündern.
    Schongau, Oberndorf, Kaufbeuren und Kempten werden überfallen. 

    Die Stimmung gegen Baiern wird durch das österreichische Militär mit einigen Propagandalügen noch aufgeheizt.

    Der in Diensten Österreichs stehende Martin Teimer reist durch Tirol und erklärt, dass die Baiern beabsichtigen, in allen Orten die Kirchen zu schließen bis auf eine, alle Beichtstühle zu verbrennen bis auf einen, alle Altäre abzutragen bis auf einen und alle Kelche zu konfiszieren bis auf einen. 


  • Rosenheim - Kiefersfelden * General Bernhard Erasmus von Deroy rückt von Rosenheim ab und wirft dabei die Tiroler Besatzer aus Kiefersfelden.


  • Tirol * General Wrede marschiert über Lofer zum „Pass Strub“, wo es zu einem neunstündigen Kampf kommt.

    Jetzt plündern, vergewaltigen und morden die baierischen Soldaten.


  • Tirol * General Carl Philipp Joseph von Wrede hält vor seinen Soldaten eine Rede, in der er auf die Vorgänge des Vortags eingeht:

    „Ich habe heute und gestern, an den Tagen, wo ich über so manche tapfere Tat der Division zufrieden zu sein Ursache hatte, Grausamkeiten, Mordtaten, Plünderungen, Mordbrennereien sehen müssen, die das Innerste meiner Seele angegriffen und mir jeden frohen Augenblick, den ich bisher über die Taten der Division hatte, verbittern.

    Wahr ist es Soldaten! Wir haben heute und gestern gegen rebellische, durch das Haus Österreich und dessen kraftlose Versprechungen irre geführte Untertanen unseres allergeliebten Königs gekämpft, aber wer hat Euch das Recht eingeräumt, selbst die Unbewaffneten zu morden, die Häuser und Hütten zu plündern und Feuer in Häusern und Dörfern anzulegen.

    Soldaten! Ich frage Euch, wie tief sind heute und gestern Euere Gefühle von Menschlichkeit gesunken?“.


  • Kufstein * Die baierischen Truppen unter General Bernhard Erasmus von Deroy erobern Kufstein zurück.


  • Wien * Napoleon Bonaparte erobert Wien. 

    Die Italienarmee des Erzherzogs Johann wird nun an der Donau gebaucht.


  • Schwaz - Tirol * Zwei Tage dauert der Kampf um Schwaz, das im Verlauf in Flammen aufgeht. 420 der 425 Häuser brennen. Die Einwohnerzahl sinkt von 5.200 auf 3.000. Selbst in München scheint der Himmel über der Alpenkette zu glühen, aber „nicht vom Feuer der untergehenden Sonne, sondern vom Mordbrande“, schreibt Bettina von Arnim an Johann Wolfgang von Goethe.


  • Innsbruck - Tirol * Die Divisionen Wrede und Deroy rücken kampflos in Innsbruck ein.

    Napoleon Bonaparte gibt den Befehl, General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles „als Räuberanführer, als Urheber der an den gefangenen Franzosen und Baiern verübten Mordtaten und als Anstifter des Tiroler Aufstandes in die Acht erklärt, vor ein Kriegsgericht zu stellen und binnen 24 Stunden zu erschießen“.

    Andreas Hofer verhandelt inzwischen am 19. in Mühlbach und am 20. in Bruneck mit General Chasteler und kann ihn zum Verbleib in Tirol überreden.


  • Tirol * Angesichts der durch Napoleon Bonaparte erklärte „Acht“ ändert General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles seine Meinung und gibt den Abzugsbefehl an alle in Tirol stationierten Truppen nach Lienz und von dort weiter nach Österreich.


  • Tirol * Marschall François Joseph Lefébvre und General Carl Philipp Joseph von Wrede verlassen mit ihren Truppen Tirol. Sie sollen durch einen Angriff auf die Steiermark die in Wien stehende Grande Armee entlasten. In Tirol bleibt nur die Division Deroy zurück. 

    Napoleon Bonaparte hat bei Aspern und Eßling eine Niederlage durch die österreichischen Truppen unter der Führung von Erzherzog Karl erfahren müssen.  

    Der Truppenabzug beflügelt Andreas Hofer und seine Verbündeten. Er überzeugt den österreichischen General Ignaz von Boul zum gemeinsamen Angriff auf den baierischen Feind. Boul hatte Chastelers Befehl zum Abzug aus Tirol nicht mehr erhalten und blieb nur deshalb im Land.


  • TirolGeneral Bernhard Erasmus von Deroy erkennt die von Andreas Hofer ausgehende Gefahr und setzt seine Truppe in Alarmbereitschaft.


  • Innsbruck * Rund 5.000 Tiroler Aufständische unter der Führung von Andreas Hofer greifen am Bergisel die Division Deroy an. Diese Erste Bergisel-Schlacht dauert nur wenige Stunden, da ein heftiger Gewitterregen und die einbrechende Nacht die Kämpfenden trennt.


  • Innsbruck * Es kommt zur Zweiten Bergisel-Schlacht durch die Tiroler Aufständischen unter der Führung von Andreas Hofer. Über 15.000 Tiroler und österreichische Truppen kämpfen gegen 5.240 Baiern. Die Schlacht bringt die Zweite Befreiung Tirols.

    Die siegreichen Tiroler Aufständischen bemerken nicht, dass sich die baierischen Truppen in der Nacht auf die Flucht begeben haben. Und vor lauter Jubel über den Sieg, vergessen sie die Verfolgung des Feindes.


  • Tirol * Da Frankreich alle baierischen Truppen bei Wien braucht, überlässt man Tirol zunächst seinem Schicksal.

    In Baiern werden Stimmen laut, die für eine friedliche Verständigung mit den Tirolern plädieren. Statt ein Volk mit Gewalt zu unterwerfen, solle man ihm lieber Zugeständnisse in wirtschaftlichen und religiösen Fragen machen.


  • Tirol - Königreich Baiern * Major Martin Teimer nimmt seine Ausfälle nach Baiern wieder auf. Obwohl viele Tiroler Schützenhauptleute eine Beteiligung an solchen Aktionen ablehnen, findet Teimer genügend Freiwillige. Zu ihnen gesellen sich noch österreichische Soldaten von General Ignaz von Boul. Die Freischärler überfallen Partenkirchen, Murnau, Weilheim, Kochel und Tegernsee.


  • Tirol * Der Generalsalinenadministrator Joseph von Utzschneider kommt nach Tirol, um mit den Aufständischen zu verhandeln. In einem Aufruf an die Tiroler verspricht er

    • eine Verringerung der Abgaben,
    • eine allgemeine Amnestie und
    • die Belassung der Klöster.

    Das geht aber der baierischen Regierung zu weit, weshalb Utzschneider wieder abberufen wird.


  • Wagram * Napoleon Bonapartes Truppen schlagen am 5. und 6. Juli die Österreicher bei Wagram entscheidend.


  • Tirol * Erzherzog Karl muss bei Znaim einen Waffenstillstand unterzeichnen. Laut Artikel 4 müssen die österreichischen Truppen Tirol und Vorarlberg verlassen.


  • Spatzenhausen * Zu einer regelrechten Schlacht gegen die zu Beutezügen einfallenden Tiroler „Insurgenten“, wie die Rebellen in Baiern bezeichnet werden, kommt es in Spatzenhausen bei Weilheim.


  • Tirol * Der österreichische General Ignaz von Boul erhält den Befehl zum Abzug seiner Truppen aus Tirol.


  • Innsbruck * Marschall François Joseph Lefébvre zieht kampflos in Innsbruck ein und nimmt in der Hofburg Quartier. Ihm ist klar, dass der Besitz der Tiroler Hauptstadt noch lange nicht die Eroberung Tirols bedeutet. Dazu muss der Kern des Landes von mehreren Seiten angegriffen werden, wozu man die 20.000 Mann in mehrere Korps aufteilt.


  • Tirol * General Ignaz von Boul verlässt mit seinen österreichischen Truppen Tirol.


  • Tirol * Die „französisch-rheinbündischen Truppen“ erleiden schwere Verluste, nachdem sie südlich von Sterzing an der „Sachsenklemme“ in einen Hinterhalt geraten sind.

    Die Tiroler haben über der Schlucht riesige Steinhaufen aufgeschichtet, die nun auf die marschierenden und reitenden französisch-baierischen Truppen niederschlagen.
    Scharfschützen erledigen den Rest.

    Der Zu Hilfe eilende Marschall François Joseph Lefébvre bleibt mit seinen 7.000 Soldaten hinter Sterzing stecken und wird in der Folge ebenfalls angegriffen.


  • Tirol * Bei den Kämpfen an der Pontlatzer Brücke werden Teile der Division Deroy aufgerieben.


  • Tirol * An der „Lienzer Klause“ ist der Widerstand der Tiroler so groß, dass der kommandierende General Rusca nach Kärnten ausweichen muss.


  • Innsbruck * Die völlig demoralisierten Truppen Marschall François Joseph Lefébvre sind in Innsbruck eingeschlossen.


  • Tirol * Marschall François Joseph Lefébvre glaubt, dass die Tiroler die Sonntagsruhe einhalten und nie in eine Schlacht ziehen würden. 

    Als sich aber die dienstfreie Garnison zum Gottesdienst in der Wiltener Kirche versammelt hat, kommt die Meldung, dass eine große Bauernschar auf der „Brennerstraße“ vorrückt.

    Die „Dritte Bergisel-Schlacht“ hat begonnen und wird die „Dritte Befreiung Tirols“ bringen. 

    17.000 Tiroler stehen einer etwa gleich großen baierischen Streitmacht gegenüber.
    Nach zwölf Stunden ist die Schlacht beendet. 100 tote Tiroler und mindestens 200 tote Baiern fordert der Kampf.


  • Tirol - Kufstein * Die baierisch-französischen Truppen haben Tirol - mit Ausnahme von Kufstein - geräumt.


  • Wien - Tirol * Andreas Hofer erhält vom österreichischen Kaiser eine „Ehrenkette“, dazu eine beträchtliche Geldsumme und einen förmlichen „Operationsplan“ von Erzherzog Johann.


  • Schönbrunn - Tirol * Der „Friede von Schönbrunn“ beendet die Erhebung Österreichs gegen Frankreich. 

    Österreich muss Tirol wieder den Baiern überlassen.
    Das verbündete Tirol und ihre Anführer erhalten darüber jedoch keine Informationen.


  • Tirol * Der baierische Einmarsch in Tirol beginnt.


  • Tirol * Ein Kurier des Erzherzogs Johann informiert den „Tiroler Oberkommandanten“ Andreas Hofer mündlich darüber, dass er abgesetzt sei.

    Der Grund dafür wird ihm nicht erklärt.


  • Innsbruck * Die baierischen Truppen ziehen in Innsbruck ein.

    Der „Bergisel“ ist nur notdürftig besetzt.
    Viele der besten Anführer und Kompanien der Tiroler wollen nicht mehr kämpfen.

    Die Baiern hätten die Tiroler Stellungen einfach überrennen können, doch „Kronprinz“ Ludwig I. will ein unnötiges Blutvergießen vermeiden.
    Stattdessen soll eine Truppenparade die baierische Macht demonstrieren und jeden weiteren Widerstand als sinnlos erscheinen lassen.


  • Innsbruck * Der baierische „Kronprinz“ Ludwig I. zieht in Innsbruck ein.


  • Tirol * Ein Bote aus Wien überbringt Andreas Hofer 18.000 Papiergulden zur Unterstützung des Kampfes gegen Frankreich und Baiern.

    Fast gleichzeitig trifft die gedruckte „Friedensproklamation“ des italienischen Vizekönigs Eugéne Beauharnais ein.
    Das Schreiben enthält auch die Zusage, dass kein Tiroler „Rebell“ ein Strafe zu erwarten habe.

    Die Tiroler „Aufständischen“ sehen in der „Friedensproklamation“ aber nur eine „Kriegslist“ des baierisch-französischen Feindes.


  • Tirol * Erzherzog Johann unterrichtet im Auftrag seines kaiserlichen Bruders die Tiroler Freunde über den „Frieden von Schönbrunn“ und der Überlassung Tirols an Baiern.

    Der Tiroler „Oberkommandant“ Andreas Hofer will daraufhin nach Innsbruck fahren und mit dem baierischen „Kronprinzen“ Ludwig I. verhandeln.
    Da erscheint der „Kapuzinermönch“ Joachim Haspinger, genannt „Pater Rotbart“, der Hofer - mit seiner Redekunst, aber auch mit Lügen - umstimmen will. Und der der Geistlichkeit hörige Andreas Hofer lässt sich umstimmen.

    Erzherzog Johann informiert auch den Südtiroler Josef Giovanelli über den „Frieden von Schönbrunn“.
    Daraufhin machen sich viele „Aufständische“ auf den Nachhauseweg.


  • Innsbruck - Bergisel * Es kommt zur vierten und letzten „Schlacht am Bergisel“.

    20.000 baierische Soldaten stehen etwa 8.500 Tirolern unter der Führung des „Sandwirts“ Andreas Hofer gegenüber. 
    Es kommt zur Schlacht, die nach knapp drei Stunden entschieden ist und die - von baierischer Seite „Rebellen“ oder „Insurgenten“ genannten - „Aufständischen“ vernichtend geschlagen werden. 

    Der Aufstand der Tiroler und die zunächst vergeblichen Versuche, Tirol zurückzuerobern, sind in den Augen Napoleons eine militärische Schande, die seinen Ruf als unbesiegbaren Feldherrn beschädigt.
    Dies führt dazu, dass der Franzose eine Teilung für notwendig erachtet.

    Die Südtiroler nehmen an den Kämpfen nicht mehr teil.
    Rund einhundert Abgeordnete versammeln sich in Bozen, beschließen die Niederlegung der Waffen und informieren Andreas Hofer darüber.


  • Tirol * Ein französischer Offizier mit wichtigen Schriftstücken wird von den Tiroler „Rebellen“ gefangen genommen.

    Die Dokumente enthalten eindeutige Beweise über die Richtigkeit des  „Schönbrunner Friedens“, die auch die hartnäckigsten Zweifler überzeugen. 

    Die Versammelten beschließen ein „Unterwerfungsschreiben“ an Napoleons Adoptivsohn Eugéne Beauharnais, dem „Vizekönig von Italien“, der auch die den Tirolern zugestellte „Friedensproklamation“ unterzeichnet hatte.


  • Tirol - Villach * Eine Abordnung der Tiroler „Aufständischen“, bestehend aus Jakob Sieberer und Josef Daney, macht sich auf den Weg nach Villach, wo Eugéne Beauharnais residiert.


  • Tirol - Pustertal - Innsbruck * Andreas Hofer unterzeichnet als „gewöster Oberkommandant“ ein „Unterwerfungsschreiben“ für das Pustertal an den in Innsbruck kommandierenden General Drouet.

    Nahe der Trostburg in Südtirol wird eine 1.200 Mann starke französische Truppe angegriffen.
    Um ein Drittel dezimiert entkommt sie Einheit nach Bozen.


  • Tirol - Bozen * Bewaffnete Südtiroler Bauern greifen Bozen an.

    Unentschlossenheit und mangelnde Führung verhinderten einen Erfolg.
    Als sich dann von Süden her 2.000 französische Soldaten der Stadt nähern, lösen sich die Angreifer auf.

    Andreas Hofer, der „gewöste Oberkommandant“, trifft am Brenner auf einige, nicht zum Frieden entschlossene „Aufständische“ und ändert seine Einstellung erneut.
    Er ignoriert das Beratungsergebnis der von ihm selbst einberufenen Delegiertenversammlung und bricht sein gegebenes Wort gegenüber General Drouet.

    Erneut ruft er zum Kampf auf.
    Dass er damit dem Land jede Schonung verbaut, muss er wissen.


  • Tirol * Jakob Sieberer und Josef Daney, dIe Abordnung der Tiroler „Aufständischen“, werden vom italienischen Vizekönig empfangen.

    Eugéne Beauharnais bestätigt in einem Schreiben die wichtigsten Punkte der „Friedensproklamation“ vom 25. Oktober.
    Darunter auch die „Straffreiheit der Rebellen“ , obwohl die Tiroler die Waffen nicht niedergelegt haben.


  • Tirol * Jakob Sieberer und Josef Daney halten Andreas Hofer die „Ströme zwecklos jetzt noch zu vergießenden Menschenbluts, Städte und Dörfer in Asche“ vor und dass er das Land in Not und Elend, tausende Familien an den Bettelstab und seine treuen Anhänger an den Galgen bringen würde.

    Wieder ändert Andreas Hofer seine Meinung, denn „unser lieber Herrgott und die Mutter Gottes werd'n wohl all's recht mach'n“.

    Daney und Sieberer verfassen einen Aufruf, der zur Niederlegung der Waffen aufruft.
    Andreas Hofer unterzeichnet das Schreiben, das daraufhin in Abschrift im ganzen Land verteilt wird.

    An der „Mühlbacher Klause“ überfallen Südtiroler „Aufständische“ auf Hofers Aufruf vom 5. November hin französische Truppen. 500 Soldaten kommen dabei ums Leben.


  • Imst * Tiroler „Rebellen“ überfallen bei Imst baierische Truppen.

    Sie kannten nur Hofers Kampfaufruf vom 5. November, nicht aber den „Friedensaufruf“ vom 8. November.


  • Tirol * Andreas Hofer hat sich inzwischen in das „Sandwirtshaus“ in Sankt Leonhard zurückgezogen.

    Wieder ändert er seine Meinung und bricht sein gegebenes Wort, indem er einen weiteren Kampfaufruf unterschreibt.
    „Wenn Wir nachgeben ist Glaube, Religion, Volk und alles hin. Wer widerstrebt, ist ein Feind Gottes und des Vaterlands“.


  • Tirol * Italiens Vizekönig Eugéne Beauharnais erlässt eine Proklamation, derzufolge jeder erschossen wird, der noch zu den Waffen greift oder auch nur eine Waffe versteckt hält.


  • Meran * General Rusca zieht mit 2.000 Mann nach Meran ein.

    Die Hälfte seiner Soldaten schickt er in das Tal hinein, um nach dem Rechten zu sehen.
    Drei Passeirer Kompanien erwarten die Franzosen und schlagen sie in die Flucht.


  • Meran - Tirol * Am Meraner „Küchelberg“ kommt es zum Kampf zwischen den Franzosen und den Südtirolern.

    Es beginnt zu regnen, was das Schießen stark beeinträchtigt. Die Franzosen geraten in die Defensive und müssen sich in die Meraner Häuser zurückziehen.

    In der Nacht können sie fliehen, erleiden aber starke Verluste durch von den Tirolern aufgeschichteten und bewegten Steinlawinen.


  • Tirol * Eine französische Einheit kommt General Rusca zu Hilfe.

    Sie wird aber bei Sankt Leonhard eingekesselt und nach viertägigem Kampf am 22. November zur Kapitulation gezwungen.


  • Passeiertal - Tirol * Andreas Hofer lässt Jakob Sieberer und Josef Daney als Gefangene ins Passeiertal bringen und als „Landesverräter, Franzosen- und Baiernfreunde sowie Spione“ zum Tode verurteilen. 

    Mit den Worten: „Halt's Maul. Ich lass' dich und den Pfaffen totschießen für eure Lügen und alle, die den Frieden verkünden“, verweigert Hofer Jakob Sieberer auch einen Abschiedsbrief an seine Frau.
    Im Kerker entzieht man ihm sogar Wasser und Brot. 

    Josef Daney wird in den gleichen Kerker geworfen.
    Dass sie am Leben bleiben, verdanken sie einem 3.000 Mann starken französischem Korps, vor dem die „Aufständischen“ fliehen.


  • Paznauntal * Im „Paznauntal“ kommt es zu Kämpfen, die durch das Aufgebot von über 100 Bäuerinnen und Dirnen eine gewisse Berühmtheit erlangt haben.


  • Südtirol * Das Ende der baierischen Herrschaft über Südtirol zeichnet sich ab.

    Französische Truppen haben die Kontrolle über das Gebiet südlich des Brenners und des Reschenpasses übernommen.


  • Tirol * Die französische Militärverwaltung versucht den Tirolern karzumachen, dass sie bei Frankreich besser als bei Baiern aufgehoben wären.


  • Tirol * Bei der „Lienzer Klause“ kommt es erneut zu Kämpfen.


  • Brixen * Als Strafe für die Belagerung Brixens gehen die Dörfer Vahrn, Kranabit, Neustift, Elvas, Miland und die Fraktionen von Pfeifersberg mit 200 Höfen und 28 Ansitzen in Flammen auf.


  • Tirol * Den letzten Waffengang liefern sich Tiroler „Aufständische“ und baierisch-französische Truppen vor Ainet im „Iseltal“.


  • Tirol * Franz Raffl verrät das Versteck von Andreas Hofer in der „Pfandlerhütte“ an den zuständigen Richter Auer. 

    Die Franzosen hatten ein „Kopfgeld“ von 1.500 Gulden ausgesetzt.
    Richter Auer benachrichtigt General Huard.


  • Mantua * Trotz Bitten der Stadtbevölkerung von Mantua und der Interventionen des „Vizekönigs“ Eugéne Beauharnais sowie des „Kronprinzen“ Ludwig I. wird Andreas Hofer auf persönliche Weisung Napoléon Bonapartes von einem französischem „Kriegsgericht“ zum Tode verurteilt.


  • Mantua * Andreas Hofer wird in Mantua hingerichtet.


  • Tirol * Im „Pariser Abkommen“ wird Tirol aufgeteilt.

    Der südliche Teil Tirols wird Italien zugeschlagen.
    Napoléon Bonaparte wirft Baierns Verwaltung in Tirol Versagen vor. 

    Salzburg, Regensburg und die Markgrafschaft Bayreuth sollen an das Königreich Baiern fallen. 


  • Tirol * Der Vertrag über die Abtretung des südlichen Tirol an Italien und Illyrien regelt weitere Details. Bozen wird an Italien abgegeben. Die von Freiherr Maximilan Joseph von Montgelas vorgeschlagenen baierischen Verbesserungen für ein neues Verwaltungskonzept kommen zu spät.


  • Tirol * Die neue Grenzziehung in Tirol ist abgeschlossen.

    Baiern behält Nordtirol, den Vinschgau sowie das obere Eisack- und das Pustertal.

    Der südliche Teil geht an das Königreich Italien, Osttirol und Innichen werden zum Bestandteil der illyrischen Provinzen. Baierischen Berechnungen zufolge hatte „Gesamt-Tirol“ im Jahr 1807 exakt 618.857 Einwohner. Etwa 289.000 davon lebten in „Welschtirol“, dem italienisch sprechenden Süden.

    Das Königreich Baiern muss also einen Bevölkerungsverlust von 300.000 Einwohnern verkraften.

    Doch nahezu gleichzeitig kann das Baiernland einen Zugewinn von rund 700.000 Einwohnern verzeichnen, nachdem sie die Herrschaft über Berchtesgaden, das Innviertel und Teile des Hausruckviertels, aber auch über Bayreuth und Regensburg erlangt.


  • Tirol * Der Aufstand der Tiroler und die zunächst vergeblichen Versuche Baierns, Tirol zurück zu erobern waren in den Augen Napoleon Bonapartes eine „militärische Schande“, die seinen Ruf als unbesiegbaren Feldherrn beschädigte.

    Dies führt dazu, dass Baiern „Südtirol“ verliert, „Nordtirol“ bleibt dagegen weiterhin baierisch.

    Dem Verlust von 300.000 Einwohnern steht aber ein Zugewinn von 700.000 gegenüber, weil Baiern zusätzlich die Herrschaft über Berchtesgaden, das Innviertel und Teile des Hausruckviertels sowie über Bayreuth und Regensburg erlangt.


  • München - SalzburgKönig Max I. Joseph ernennt Kronprinz Ludwig I. zum Generalgouverneur des Inn- und Salzachkreises mit Sitz in Innsbruck. Er wird mit seiner Frau Therese im Schloss Mirabell in Salzburg wohnen.

    Die Ernennung soll nicht zuletzt dazu dienen, den Kronprinzen mit den Verwaltungsgeschäften vertraut zu machen. Außerdem will ihn sein Vater in Distanz zur Regierungszentrale in München halten, um Auseinandersetzungen zwischen dem Kronprinzen und dem Außen-, Innen- und Finanzminister“Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas, die sich beide nicht sonderlich mochten, zu vermeiden.

    Der Super-Minister hat eine Menge Arbeit mit der Reorganisation des neuen Staates, um tiefgreifende Reformen und um die Schaffung eines einheitlichen Beamten- und Verwaltungsstaates. Gegen seine Aufgabe ist die Deutsche Wiedervereinigung ein Kinderspiel.

    Eine wichtige Voraussetzung für die zentralistisch geführte Verwaltung war die Vereinheitlichung der Maße und Gewichte.
    So gibt es alleine 93 verschiedene Flüssigkeitseinheiten, die anno 1809 durch die Einführung der baierischen Maaß ersetzt werden. Das Baierische Maaß fasst 1.069 Kubikzentimeter und wird Mass ausgesprochen.


  • Ried * Mit dem „Vertrag von Ried“ tritt Baiern noch vor der „Leipziger Völkerschlacht“ auf die Seite der Verbündeten Russland, Preußen und Österreich.

    Dem baierischen König sind darin der derzeitige Besitzstand und die volle Souveränität über alle seine Gebiete zugesichert worden.


  • Paris - München * Im baierisch-österreichischen Vertrag von Paris werden die Grenzen des Königreichs Baiern neu festgelegt. Für die Abtretung Tirols, Vorarlbergs sowie Salzburgs und einiger anderer österreichischer Gebiete erhält Baiern das Großherzogtum Würzburg, Aschaffenburg, die Pfalz und Berchtesgaden. Bayerns Staatsgebiet erreicht damit fast seine heutige Form.


  • Innsbruck - Wien * Österreich ergreift offiziell Besitz von Tirol. Damit endet dort die baierische Herrschaft endgültig. Österreich übernimmt die meisten Errungenschaften der baierischen Verwaltung und hütet sich davor, zu den alten Strukturen zurückzukehren. Selbst die alte Ständeverfassung, deren Abschaffung eine der Hauptursachen des Aufstands von 1809 war, wird nur in sehr mild abgeänderter Form wiederbelebt.


  • Innsbruck - Wien * Tirol wird mit Österreich wieder vereinigt.


  • München * Im „Münchner Vertrag“ gibt Baiern Salzburg, das Hausruckviertel und Tirol an Österreich. 

    In Bayern verbleiben Berchtesgaden und die Alt-Salzburger Gebiete rund um Tittmoning, Waging, Laufen, Teisendorf und Staufeneck. 

    Im Umkehrschluss erhält Baiern die linksrheinische Pfalz sowie Hammelburg, Brückenau, Teile von Biberstein, Redwitz, Alzenau, Miltenberg, Amorbach und Heubach. 


  • New York * Lola Montez gibt ihr amerikanisches Debüt in „Betley, die Tirolerin“ am „Broadway Theatre” in New York.  

    Sie ist der vor dreitausend Zuschauern umjubelte Star des Abends.  
    Die Vorführungen müssen auf drei Wochen verlängert werden. 

    Sie bricht damals in der ersten Woche erstmals den „Box Office Record“ der amerikanischen Theatergeschichte.  

    Der Finanz- und Publikumserfolg bleibt ihr in den nächsten Wochen und Monaten bei ihrer ausgedehnten Tournee an der amerikanischen Ostküste weiter treu. 


  • München-Maxvorstadt * Der „Bildhauer“ Anton Heß lässt sich durch den Architekten Leonhard Romeis neben seinem „Atelierbau“ ein villenartiges Wohnhaus im Stil der „deutschen Renaissance“ errichten.

    Der Bildhauer will ein Wohnhaus, in dem er seine über Jahrzehnte angesammelten Antiquitäten, vornehmlich aus der Renaissancezeit, als Wohngegenstände gebrauchen kann.
    Leonhard Romeis muss deshalb „von innen nach außen“ planen.

    Fußböden, Holzdecken und Wandvertäfelungen bilden die Vorgaben, nach deren Abmessungen sich die Zimmergrößen der einzelnen Räume zu richten haben.
    Aus den Maßen der Zimmereinrichtung ergibt sich die Zimmergröße und -höhe, aus der Zimmergröße der Grundriss und erst daraus kann er die Gestaltung der Fassade entwickeln.

    Architekt Romeis hat also zum einen die Aufgabe, fünf komplette Zimmer mit Wandvertäfelung und zum Teil auch Erker und Sitznische sowie verschiedene Decken in einen Bau zu integrieren, als auch gleichzeitig fehlende Teile im Stil der historischen Teile zu entwerfen, um eine einheitliche Wirkung des ganzen Hauses zu erzielen.

    Anton Heß verzichtet in einigen Bereichen auf Komfort und zieht unpraktische Möbel, wie kurze, gotische Betten, oder zum Teil niedrigere Türen einem Wohnen in zeitgenössischem Mobiliar vor.
    Der Bildhauer sammelt die Gegenstände also zur wirklichen Benutzung und strebt keine „Stilreinheit“ an.

    So kombiniert er in seinem Haus Südtiroler Stuben aus Kurtatsch und Montan aus dem Jahr 1576 mit Türen und einem Treppengeländer aus Münchner Bürgerhäusern, Portal- und Türverkleidungen aus Kloster Seeon, um 1620, und Plafonds aus Ulm.


  • Südtirol * Leonhard Romeis bereist Südtirol, um dort für das Wohnhaus seines ersten Bauherrn und Kollegen an der „Kunstgewerbeschule“, den „Bildhauer“ Anton Heß, Burgen und Schlösser zu studieren.


  • München-Isarvorstadt - Museumsinsel„Stadtbaumeister“ Theodor Fischer entwickelt ein neues Bebauungskonzept für die „Kohleninsel“.

    Eine kleine Idealstadt soll entstehen, „umrauscht von der Isar und mit Blick auf die Alpen“.

    Nach Fischers Vorstellungen soll „um einen mit Brunnen und Monumenten geschmückten Platz, ähnlich den Marktplätzen in manchen Tiroler und altbayerischen Städten, gruppieren sich die verschiedenen malerischen Bauten mit offenen Lauben und Säulenhallen zu einem reizenden architektonischen Gesamtbild“.

    Die Bebauung der „Kohleninsel“ sollte eine Art Münchner Gegenstück zur „Mathildenhöhe“ von Darmstadt werden. Doch der Magistrat lehnt die Planungen ab.


  • München-Obergiesing * Der „Ostfriedhof” wird eingeweiht.  

    Die Baukosten betragen 1.052.510 Mark und sind für damalige Verhältnisse sehr hoch.  

    Die Gräberanlagen werden nach Bedarf angelegt und deren Ausführung erst im Jahr 1912 abgeschlossen.  
    Der 28,43 Hektar große Friedhof wird dann Platz für 34.300 Gräber bieten.  

    Zum ersten Mal in Deutschland werden die „Grabdenkmäler“ und die „Grabbepflanzung“ einem strengen Reglement unterworfen, das gleichzeitig mit der Eröffnung des Friedhofs in Kraft tritt.  
    Der Architekt will dadurch die Gräber einer Sektion in einem Typus halten und die „Gleichheit der Menschen vor dem Tod“ auf dem Friedhof nicht durch prunkvollen und teuren Grabschmuck durchbrechen.  
    Seine Vorbilder sind die Friedhöfe von Glaubensgemeinschaften älterer Zeit und noch intakte Dorffriedhöfe in Oberbayern und Tirol.  

    Ein Zugeständnis an die bürgerliche Oberschicht Münchens schafft der Architekt Hans Grässel allerdings mit den „Gruftarkaden“ in den „Umfassungsmauern“ als traditionelle „Grabplätze für das reiche Bürgertum“.  
    Interessenten wird allerdings zur Verpflichtung gemacht, „den Grabplatz, sei es durch Aufführung einer Kapelle, sei es durch eine sonstige offene, den ästhetischen Anforderungen entsprechende Überdachung, abzudecken“, um eine einheitliche architektonische Wirkung zu erzielen.  
    Die Pläne mussten zur Baugenehmigung vorgelegt werden. 


  • Tirol * Um die österreichische Front in Tirol gegen Italien zu verstärken, wird aus dem „Bayerischen Leibregiment“, einem „Gebirgsjägerregiment“ und zwei „Jägerregimenter“ das „Deutsche Alpenkorps“ gebildet.


  • Lille * Kaiser Wilhelm II. besucht die 4. Armee und lehnt einen Rücktritt und Amtsverzicht ab.

    Die Bitte des bayerischen Kronprinzen Rupprecht, um Übertragung des Oberbefehls an der Tiroler Grenze, um Bayern vor dem Vordringen der Italiener zu schützen, lehnt der Kaiser ab. 


  • München - Freistaat Bayern * In den Münchner Neuesten Nachrichten veröffentlichen Ministerpräsident Kurt Eisner und der Bauernführer Ludwig Gandorfer einen Aufruf An die ländliche Bevölkerung Bayerns, in dem sie die Notwendigkeit der Revolution darstellen und die Friedensbemühungen der Regierung Eisner schildern. „Der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat betrachtet es als die erste und größte Aufgabe, dem Volke den heiß ersehnten Frieden zu bringen und ist zum Zwecke der Einleitung von Friedensverhandlungen mit den Ententemächten in Verbindung getreten“.

    Zugleich verspricht man den militärischen Schutz der Grenzen Bayerns und eine geordnete Demobilisierung, „damit Zustände wie in Österreich und Tirol, wo heimkehrende Soldaten plündern und Kulturwerke zerstören, unmöglich werden!“.

    Daneben werden sie zu reger Lebensmittelablieferung für die Städte aufgefordert. 


  • Tirol * Towia Axelrod, der politische Kommissar in der kommunistischen Räterepublik, wird im Achental verhaftet und nach Bayern ausgeliefert. Er wird 15 Jahre Festungshaft erhalten. 


  • London - München * Um 11:20 Uhr heben die Beatles mit dem Flug BE502 mit der BEA-Linienmaschine Comet IV vom Londoner Flughafen ab, um um 12:56 Uhr in München-Riem zu landen. Endlich sind sie da. George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und Ringo Starr treffen erstmals und höchstpersönlich in München ein.

    Und als „die vier Sängerknaben mit der Mädchenfrisur“ das Flugzeug verlassen, werden sie „von lustigen Teenagern zumeist“ begeistert empfangen. Man hat sie bis zur Landung des Flugzeugs mit Beatmusik bei Laune gehalten. Die Mädchen tragen Pony, die Haare hochtoupiert, sowie bonbonfarbene, schenkelkurze Op-Art-Kleidchen und Pumps. Die Burschen bekleiden sich mit hautengen Jeans und schwarzen T-Shirts oder geblümten Hemden. Ihre Haare bedecken zwar die Ohren, reichen aber noch nicht bis zur Schulter. Dazwischen sind auch „einige wüstere Typen mit verfilztem, schulterlangem Haar, im obligatorischen Snow Coat mit aufgemalten Atomwaffengegner-Abzeichen“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.

    Die Mädchen halten bemalte Schilder hoch und alles sieht friedlich aus. Doch es muss schon ein sehr trügerischer Friede sein, denn auf je fünf Fans kommt ein Polizist. 200 Staatliche Ordnungskräfte sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Außerdem ist die Straße rechts vom Hauptgebäude auf einer Länge von fast einhundert Metern abgesperrt worden.  

    Noch auf der Rolltreppe werden die Fab Four mit extrem saublöden Fragen interviewt. Ringo Starr antwortet auf dem Flughafen auf die Frage eines Reporters: „Warum stehen Sie immer so spät auf?“ mit der Gegenfrage: „Wollen Sie schon in aller Frühe unseren Lärm hören?“ Total unverständlich findet der Münchner Merkur die Popularität der Beatles, da die Vier doch nur Nachteile vorzuweisen hätten: „Der kurzsichtige John Lennon, der Linkshänder Paul McCartney, George Harrison mit den abstehenden Ohren und Ringo Starr mit der übergroßen Nase“

    Außerdem überreicht man ihnen Lederhosen mit Hirschknöpfen und weiße leinene Trachtenhemden. Schon während des Flugs hat man ihnen einen Tirolerhut übergeben, den der „großnasige“ Ringo beim Verlassen des Flugzeugs zu seiner braunen Lederjacke trägt.  

    Mit einem Autotorso, bestehend aus fünf weißen Mercedes-Limousinen und einem VW-Bus, werden die Fab Four zum Hotel Bayerischer Hof gebracht. Die Polizei fährt mit einem Lautsprecherwagen voran und fordert die Verkehrsteilnehmer laut vermerkbar auf: „Machen Sie Platz für die Beatles!“. Die Ampeln sind für die vier Musiker auf Grün gestellt. So fahren sie über die Prinzregentenstraße, vorbei an den Vieltausenden, Fähnchen schwenkenden, „Yeah-yeah-yeah!“ kreischenden Münchner Beatles-Fans. Es herrscht einfach eine freundliche Stimmung an diesem 23. Juni 1966. 

    In dem Auto mit dem Kennzeichen M-TX 107 sitzen die Beatles. Um den wartenden Fans zu entkommen, fährt der Mercedes die Tiefgarage von hinten an, sodass die Gruppe um 13:45 Uhr das Hotel durch den Lieferanteneingang betreten kann. Während die Musiker durch den Hintereingang verschwinden, warten auf dem Promenadeplatz etwa 3.000 Fans und Neugierige mit Transparenten. Neun Hausdiener und eine Handvoll Polizisten sollen den Bayerischen Hof gegen den Ansturm der Beatles-Fans verteidigen. „Die Scheiben sind vorsorglich beim Glaser bestellt“, diktiert Hotelchef Falk Volkhardt einem Reporter in den Block. 

    Nichts passiert. Nur junge Frauen und Männer warten auf dem Promenadeplatz sehnsüchtig auf den Augenblick, dass sich ihre Idole an einem der Fenster zeigen. Oben im fünften Stock tun diese den Fans ein einziges Mal den Gefallen und treten ans Fenster, um ein paar Autogramme auf die Straße zu werfen.  

    Für 16:00 Uhr ist im Nachtclub des Hotels Bayerischer Hof eine Pressekonferenz anberaumt. Diese beginnt 20 Minuten später, weil der Fahrstuhl stecken bleibt. Statt der erlaubten 10 haben sich 15 Personen in den Aufzug gequetscht. Zuerst werden Fotos der Fab Four geschossen, danach dürfen die Journalisten die Beatles 13 Minuten befragen. Dazwischen bekommen sie noch den „Goldenen BRAVO Otto“ in der Kategorie Beste Beatband überreicht.  

    Zur gleichen Zeit tagt im Polizeipräsidium an der Ettstraße ein Krisenstab, denn den deutschen Behörden und der Polizei waren Popstars samt den kreischenden Fans ausgesprochen befremdlich. Aus Anlass des Beatles-Gastspiels richtet man in München einen Krisenstab ein, dem der Polizeipräsident, zwei Einsatzleiter und ein erst kurz zuvor installierter psychologischer Fachmann angehören. Deeskalation fordert der Psychologe, was natürlich umfangreiche polizeiliche Vorbereitungen notwendig macht, um Massenaufläufe möglichst zu verhindern oder zumindest unter Kontrolle zu halten. 

    So bekommen die Beatles die Kehrseite ihres Ruhmes zu spüren. Ihnen wird ein abendlicher Schwabing-Bummel aus Sicherheitsgründen verboten, weshalb sie die ganze Zeit ihres München-Aufenthaltes im Bayerischen Hof verbringen müssen. Die Abendzeitung schreibt beschwichtigend: „Die Herren tragen zwar unorthodoxe Haartracht und veranstalten einen für musikalische Ohren beschwerlichen Lärm, aber im Grunde sind sie harmlos und übermütig, und in ihren Liedern kommt nichts Unanständiges vor“. Die Polizei hat eine Fälscherbande hochgenommen, die 125 gefälschte Eintrittskarten für die „Beatles-Konzerte“ zu Horror-Preisen verkauft hat.  

    Am frühen Abend machen die Beatles eine Generalprobe auf ihrem Zimmer, da sie bis zum 21. Juni 1966 jeden Tag mit den Aufnahmen zur LP Revolver  beschäftigt waren. Gegen 21:30 Uhr betreten die vier Beatmusiker das 16 Meter lange Schwimmbad auf dem Dach des Hotels Bayerischer Hof, das extra für die Beatles reserviert und eigens für diesen Zweck mit neuem Wasser gefüllt worden war. Der einzige Schwimmer ist Paul, der sich mit einer geliehenen Badehose in die Fluten stürzt, während die drei anderen „kühles Nass aus Whiskeyflaschen“ vorziehen. 

    Fortsetzung folgt !

© Rudolf Hartbrunner