Geschichte - Falkenau

Zeitensprünge





  • München * Kaiser Ludwig der Baier hat festgelegt: „Es mögen auch die Ritter alle Kurzweil vol treiben, mit Pyrsen, mit Paizzen, mit Jagen“.

    In der Folge werden die zur Falkenjagd notwendigen und kunstvoll gearbeiteten Gerätschaften zum Statussymbol und zum Kennzeichen der Zugehörigkeit zur Oberschicht. Damit ist die Falknerei zum festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens an den Fürstenhöfen geworden.


  • Ingolstadt * Im „Jägerbuch“ von Herzog Ludwig VII. dem Bärtigen finden sich Hinweise auf die „Falknerei“ in Baiern.

    Der Herzog von „Baiern-Ingolstadt“ ist der Bruder der französischen Königin Isabeau de Baviére.

    Spätestens bei seinen langen Aufenthalten am Hof des französischen Königs lernt er die „Beizjagd“ kennen.
    Und da schon im Mittelalter an den Höfen des französischen Königs eine unglaubliche Prachtentfaltung herrscht, wird hier auch die „Falknerei“ mit größtem Glanz und Aufwand betrieben.
    Es gibt dort sogar einen „Falkenmeister des Königs“, der später den Titel „Großfalkonier von Frankreich“ trägt.

    Herzog Ludwig VII. von Baiern-Ingolstadt, der sich anno 1402 mit Anna von Bourbon vermählt hatte, regiert und verwaltet sein Teilherzogtum nach französischem Muster.

    Der Adel kleidet sich französisch und sogar die Ingolstädter Häuser sind nach Pariser Geschmack erbaut und eingerichtet worden.
    Hier dürfte demzufolge auch die „Beizjagd“ entsprechend aufwändig ausgeübt worden sein.

    In dem bereits genannten „Jägerbuch“ ist festgelegt worden, dass die „Falkner“ zu dem Personenkreis gehören, die das „Recht der Nachtselden“ in Anspruch nehmen können.
    Das bedeutet konkret, die vom Herzog den Klöstern und Kirchen auferlegte Verpflichtung, „unsere jägermaister, jäger und valcknär“ zu beherbergen und zu verpflegen oder ersatzweise jährlich einen Geldbetrag abzuliefern.

    Die „Prälaten“ von sechs Klöstern verklagen daraufhin Herzog Ludwig VII. vor dem „Baseler Konzil“, das ihn anno 1433 mit dem „Kirchenbann“ belegt.
    Der Regent des Ingolstädter Herzogtums stirbt mit dieser Strafe.


  • München-Graggenau * Der „franziskanische Gottesacker“ wird kurz nach dem Jahr 1500 mit einer sechs bis sieben Meter hohen Mauer umgeben.


  • München * Herzog Maximilian I. ist seit seiner Ingolstädter Studienzeit ein leidenschaftlicher Jäger auf den Hirschen und mit dem Falken. In seiner „Gejaidsordnung“ verbietet er das Schießen der Reiher, außer wo sie in Fischwassern großen Schaden verursachen, „weil Wir die uns zu unserm und anderer frembden ankommenden Fürstenperson lust und ergetzung vorbehalten haben“.


  • Au * Kurfürst Max Emanuel verkauft den „Falkenhof“ in der Au an den „kurfürstlichen Rat“ und „Admodiateur der Bräuhäuser“, also den für die „Vergabe der Braugerechtigkeiten“ zuständigen Verwaltungsmann, Johann Georg Messerer aus Aibling.

    Die auf Münchner Boden befindlichen „Falkenhäuser“ waren das älteste beim „Alten Hof“ und der neuere beim „Kosttor“.

    Der ehemalige „Falkenhof“ in der Au befand sich an der heutigen Falkenstraße 36 und unterstand einem „Aumeister“.
    Nachdem die dort gehaltenen „Falken“ und die anderen wertvollen Vögel unter der Feuchtigkeit des Bodens sehr litten und in großer Zahl zugrunde gingen, ließ Kurfürst Max Emanuel ein zweckmäßigeres „Falkenhaus“ vor dem Neuhauser Tor neu erbauen.

    Der „Falkenhof“ in der Au wird zwar sofort zum „adeligen Sitz“ erhoben, doch darf ihn Johann Georg Messerer erst nutzen, nachdem der dort wohnende „Falkner“ den Neubau an der Arco-, Barer- und Karlstraße beziehen kann.

    Messerer muss den neuen „Falkenhof“ zu einem nicht unerheblichen Teil finanzieren.
    Dennoch erwirbt der „kurfürstliche Rat“ in der Zwischenzeit alles käufliche Land um seinen Hof, darunter die „Riegermühle“ und das „Säggängerl“.


  • Au * Johann Georg Messerer erhält die „Weißbiergerechtigkeit“ und bald darauf auch die „Braunbier- und Branntwein-Ausschank-Gerechtigkeit“.

    Johann Georg Messerer muss viel Geld in den Umbau des Hauses und die Urbarmachung seiner Gründe investieren.

    Die „Falkenau“ ist noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine „Isarau“.
    Auch einige Häuser sind entstanden.

    Da aber Herzog Ferdinand Maria Innocenz, der Bruder des Kurfürsten Carl Albrecht, um das Jahr 1730 die „Falkenau“ zur „Hühnerjagd“ nutzen will, dürfen auf den öden Gründen keine weiteren Häuser errichtet werden.

    Man überlegt sogar, die vorhandenen Tagwerkerhäuser abzutragen, „weil in den Gebüsch der Auen allerhandt herrnlose Pursch und zimblich ybl renomiertes Angesindl zu großer Beschwerdte vnd besorglichen Unhäyls der ganzen Nachbarschaft“ sich aufhält.


  • Berg am Laim * Auf seinem Berg am Laimer „Hofanger“ lässt sich Kurfürst Clemens August ein „neues Hofmarkschloss“ erbauen. 

    Es dient allerdings nicht ihm, sondern seinem älteren Bruder Ferdinand Maria Innocenz „zur Jagdlust und zum Gebrauch“. Dieser war - als drittgeborener Sohn - vom Kurfürstenvater Max Emanuel nicht in eine geistliche Laufbahn gedrängt worden, bekleidete damit auch keine einträglichen und einflussreichen Ämter. 

    Das neue Schloss liegt mit seiner Längsseite an der heutigen Josephsburgstraße und lehnt sich an das alte Schloss an. An der südlich gelegenen Gartenseite des Zentralbaues befand sich ein Pavillon. Im Inneren erstreckt sich der Salon über zwei Stockwerke. An beiden Seiten des Haupttrakts schließen sich doppelgeschossige Flügel mit großen Stallungen für jeweils 16 Pferde an. Sie beinhalten zusätzlich die Zimmer für die Stallknechte und zwei Heukammern.

    Herzog Ferdinand Maria Innocenz unternimmt von hier aus die damals so beliebten „Parforcejagden“. Die Zwinger für die dazu notwendige große Hundemeute waren jedenfalls vorhanden. Neben der „Parforcejagd“ ist Ferdinand Maria Innocenz ein großer Liebhaber der „Falknerei“. Wie sein Bruder Clemens August benutzt der Herzog die im heutigen Untergiesing gelegenen „Falkenau“ zur Jagd mit den verschiedenen Greifvögeln auf Reiher und sonstiges Getier.


  • Au - Untergiesing * Der Name „Falckhenau“ für den „Edelsitz“ des Johann Georg von Messerer taucht erstmals auf.


  • München * Kurfürst Carl Albrecht hat das „Falkenmeisteramt“ mit einem „Oberstfalkenmeister“, einem „Vize-Oberstfalkenmeister“, einem „Falkenamtsgegenschreiber“ und weiteren „Reiher- und Milanmeistern“, Knechten und einer Anzahl von „Wind- und Wachthundjungen“ besetzt.


  • Au * Maria Klara von Messerer, die Witwe des „Hofkammerrats“ Johann Georg von Messerer, eine aus Rosenheim stammende Bernlocher-Bräuerstochter, heiratet in zweiter Ehe Josef Anton von Kern und bringt ihre zwei Söhne aus erster Ehe in die neue Beziehung ein.

    Josef Anton Kern ist „Hofkammerrat“, Brauer“ und „Salzkommissär“.

    Er übernimmt den gesamten Grundbesitz der Messerers in Höhenrain, Urfarn und „Falkenau“.


  • Au * Josef Anton von Kern verkauft den in der Au gelegenen Grundbesitz Falkenau an Fräulein Maria Josepha Gräfin Fugger auf Zinneberg. Diese kauft noch eine Wirtschaft dazu.


  • Untergiesing * Die Gräfin Maria Josepha Gräfin Fugger auf Zinneberg gerät in Zahlungsrückstand.

    Josef Anton von Kern nimmt daraufhin den Besitz wieder unter seine Verwaltung, zahlt die bereits ausgezahlten 12.000 Gulden zurück und legt weitere 3.000 Gulden für die neue Wirtschaft drauf.


  • Au - Untergiesing * Josef Anton von Kern erweitert seinen Besitz in der „Falkenau“ noch einmal durch Zukauf.


  • Au - Untergiesing * Da sich „Oberleutnant“ Anton Josef von Kern, der Besitzer der „Falkenau“ , überschuldet hat, übernimmt seine Frau Josepha, eine geborene von Pitzl auf Eberstall, die Betreuung der Besitzungen.

    Nachdem sie Witwe geworden ist, muss sie für ihre fünf minderjährigen Söhne sorgen.

    Gegen den entschiedenen Widerstand ihrer Gläubiger verkauft sie einige Grundstücke der „Falkenau“ nahe dem „Kühbächl“ an den „Schrafnagelmüller“ Loiblmeier und an den „Hofbankier“ und „Kommerzienrat“ Franz Anton von Pilgram, der schon weitere Grundstücke in der Gegend besitzt.


  • Au - Untergiesing * Die ganze „Falkenau“ wird als „Rittersitz des kurfürstlichen Rats“ Josef Anton von Kern bezeichnet. 

    Damit verbunden ist die Erlaubnis, die ganze Wildnis auszurotten.


  • Au - Untergiesing * In der „Falkenau“ stehen erst zehn, meist mit kleinen Gärten umgebene Häuschen.


  • Untergiesing * Der „Hofbankier“ und „Kommerzienrat“ Franz Anton von Pilgram erweitert seine Grundstücke durch weitere Zukäufe. 

    Er baut auf seinem Grund - „am Weg nach Harlaching“ - ein Schlösschen mit einer herrlichen Gartenanlage und beantragt anschließend beim Kurfürsten Carl Theodor die Erhöhung seines Hauses zu einem „Edelsitz“

    In seinem Antrag führt der „Hofbankier“ aus, dass er ein „nächst Obergiesing nahe der Isar liegendes, dem Revier Ehre machendes und denen Baulauten zu Gutem gediehenes Gebäude und Garten in einem Umfang von 5 - 6 Tagwerk“ besitzt, worauf er „bei seinen treibenden konfiderablen Geschäften ein und andere Täge mit Beschaulichkeit des nützlichen Landlebens verbringe und welchen Besitz er seinen Erben als ehrendes Andenken hinterlassen möchte“

    Dann folgt die Bitte, dem bestehenden und durch Zukäufe noch zu erweiternden Besitz zum „Adelssitz Pilgramsheim“ zu erheben.


  • Au - Untergiesing * Mit dem Niedergang der „Falkenbeize“ im Kurfürstentum Baiern ist auch in der „Falkenau“ der Weg zu einer stärkeren Besiedelung frei geworden. 

    Hatte die „Falkenau“ bis dahin nur wenige Bewohner, so nehmen die künftigen „Hofmarkbesitzer“ nun „alles verrufene Gesindel und alle der Gemeinde Au und München lästigen Leute“ in ihrem Besitztum auf.


  • München * Die Familie des Ignaz Mayer kommt nach München, als Kurfürst Carl Theodor das Erbe der baierischen Regentschaft antritt. 

    Er wird später dem erlauchten Kreis der Kreditgeber des baierischen Königs zählen.
    Alleine in den Jahren 1807 und 1808 gewährt er der königlichen „Centralkasse“ Anleihen in Höhe von 100.000 Gulden.


  • Untergiesing * Kurfürst Carl Theodor erhebt - ohne allerdings die zuständigen Stellen einzubinden - das Anwesen des Franz Anton von Pilgram unter dem Namen „Pilgramsheim“ zum „Adelssitz mit allen Rechten“.

    Das bringt nun aber die Baronin von Kern auf die Palme, da die Rechte, insbesondere die „Jurisdiktion“ über den ganzen „Pilgramsheim-Sitz“ ja der „Hofmark Falkenau“ untersteht.
    Die Baronin erhebt Einspruch und der „Hofbankier“ Pilgram erhält den „allerhöchsten Befehl“, sich mit „derselben zu vergleichen“.

    Die Einigung kommt aber erst zustande, nachdem die Baronin von Kern ihren Besitz an die Gräfin von Toerring-Seefeld verkauft hat.


  • Mattsies - Kufstein * Kurfürst Carl Theodor schenkt seiner ehemaligen Mätresse Maria Josepha von Toerring-Seefeld, eine geborene Minucci, - fünf Jahre nach ihrer Eheschließung - das „Schlossgut und Bräuhaus Mattsies“ bei Mindelheim.

    Im darauffolgenden Jahr erhält sie dann noch die „Pflege Auerburg“ bei Kufstein.


  • München * Ignaz Mayer heiratet Chaila oder Caroline Seligmann.

    Ihr Vater ist der im Jahr 1814 erste in den „Adelsstand“ erhobene Jude in Baiern, der dann Leonhard Freiherr von Eichthal heißt.
    Ursprünglich hieß er Aron Elias Seligmann, war der „Tabak- und Salzhändler“, zugleich der bedeutendste „Hof- und Heereslieferant“ und außerdem „Hauptgläubiger“ der immer finanzschwachen Kurpfalz.

    In den „Napoleonischen Kriegen“ avanciert er zum einzigen Heereslieferanten der baierischen Truppen, der die enormen Kosten für das Militär mit eigenen Anleihen finanziert und dafür ansehnliche Provisionen erhält.


  • Au - Untergiesing * Franz Anton von Pilgram erhält das Obereigentum und die „Jurisdiktion“ für seine Besitzungen.

    Er muss dafür aber der Gräfin Toerring-Seefeld ein jährliches „Aversum“ bezahlen. Und weil das der Gräfin noch nicht reicht, verlangt diese nun vom Kurfürsten die „Jurisdiktion“ über weitere 24 bis 26 Häuser in der „Falkenau“, in denen 68 Familien leben und zum „Gericht ob der Au“ gehören.

    Außerdem verlangt sie die Erhebung der „Falkenau“ zur „wirklichen und geschlossenen Hofmark“. Sie begründet die Forderungen damit, dass der Kurfürst nicht über das Recht verfüge, im „Bezirk der Falkenau“ eine neue „Conzession“ zu erteilen und damit der „Hofmark“ Schaden zugefügt hat.

    Maria Josepha von Toerring-Seefeld ist eine geborene Minucci und ehemalige Mätresse des Kurfürsten.


  • Untergiesing * Der Gräfin Maria Josepha von Toerring-Seefeld werden alle Forderungen gebilligt. 

    Voraussetzung ist allerdings die Erfüllung von zwei Auflagen.

    • Zum einen muss die Gräfin die dem „Landrichter“ und dem „Amtsknecht“ entgangenen Einnahmen in Höhe von 175 Gulden im Jahr ersetzen,
    • zum anderen die „Inleute der Falkenau“ gegen den herkömmlichen Lohn zur „kurfürstlichen Jagdlust“ sowie zur „Räumung der kurfürstlichen Fischweiher“ gebrauchen lassen.

    Dagegen wehrt sich die Gräfin und verlangt nun ihrerseits die Überlassung des „Paulanerstocks“ in der Au.

    Damit jedoch verärgert die Gräfin Maria Josepha von Toerring-Seefeld den Kurfürsten und die den Vorgang bearbeitende Administration massiv.

    Sie kann nichts mehr erreichen und versucht nun, die „Hofmark Falkenau“ an den Landesherren zu veräußern.
    Dafür verlangt sie 45.000 Gulden und begründet den Preis mit dem Argument, dass das Anwesen durch die „Jurisdiktion“ so wertvoll geworden sei.
    Sie vergisst geflissentlich zu erwähnen, dass sie selbst genau diesen Preis bei ihrem Kauf bezahlen musste.

    Doch am kurfürstlichen Hof empfindet man diese Preisvorstellungen als ungehörig hoch - und geht deshalb gar nicht darauf ein.
    Statt dessen wird ein Untersuchungsverfahrens eingeleitet, ob bei der Verleihung der „Hofmarksrechte“ denn wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen war.


  • Au - Untergiesing * In der „Falkenau“ bestehen bereits achtzig Behausungen mit rund dreihundert Familien.

    Der Ruf der „Falkenauer“ ist allerdings ein schlechter.


  • Untergiesing * Franz Anton von Pilgram verkauft seinen „Edelsitz Pilgramsheim“ an den „Reichsfreiherrn“ Ferdinand Leopold von Adrian-Werburg.


  • Untergiesing * „Reichsfreiherr“ Ferdinand Leopold von Adrian-Werburg lässt den „Edelsitz Pilgramsheim“  in der „Frankfurter Lotterie“ ausspielen.

    Gewinner der Lotterie ist der „churtrierische Kammerherr“ von Horben.


  • Untergiesing * Der „churtrierische Kammerherr“ von Horben verkauft den „Edelsitz Pilgramsheim“ an den „Staatsrat“ Joseph von Hazzi.

    Der „Staatsrat“ ist selbst davon überzeugt, dass der zwischenzeitlich verstorbene Kurfürst Carl Theodor nicht über das Recht verfügt hatte, eine „Sitzgerechtigkeit“ zu verleihen und aus diesem Grund als Landesherr seine Machtbefugnisse überschritten habe.
    In diesem Selbstverständnis verzichtet er auf die Anerkennung von „Pilgramsheim“ als „Adelssitz“.


  • Untergiesing * Die eingeleiteten Untersuchungen, ob bei der Verleihung der „Hofmarksrechte“ alles mit rechten Dingen zugegangen ist, ziehen sich bis zum Jahr 1804 hin und werfen alles über den Haufen.

    Sie kommen zum Ergebnis, dass sowohl die Erteilung der „Jurisdiktion“ über die 68 „Untertanenfamilien“, als auch die „Edelsitzverleihung“ an Franz Anton von Pilgram unstatthaft war und damit ungültig sei.

    „Pilgramsheim“ muss wieder der „Niedergerichtsbarkeit“ der „Hofmark Falkenau“, die einverleibten Auer Häuser wieder der „Auer Gerichtsbarkeit“ unterstellt werden.

    Im Laufe der Untersuchungen geht das Pilgram'sche Besitztum in mehrere Hände über.


  • Untergiesing * Der „Geheime Justizreferendar“ von Effner erwirbt das gesamte Anwesen des ehemaligen den „Edelsitzes Pilgramsheim“.


  • München * Ignaz Mayer gewährt der königlichen „Centralkasse“ in den Jahren 1807 und 1808 Anleihen in Höhe von 100.000 Gulden.


  • Untergiesing * Das Anwesen des ehemaligen „Edelsitzes Pilgramsheim“ geht an Ignaz Mayer über, „welcher eine der größeren und im besten Betriebe stehende Lederfabrik Baierns daselbst etablirte“

    Die „Giesinger Lederfabrik“ ist nicht nur als „Großgerberei“ tätig, sondern produziert darüber hinaus in enormen Umfang Lederwaren für die „Königlich Baierische Armee“ - und das „im Accord“.

    Das ist der Grund, weshalb die „Mayer'sche Militär-Lederfabrik“ bei den eingesessenen Sattlern und Schuhmachern, die sich durch diese um zusätzliche Verdienstmöglichkeiten gebracht und ihre Existenz gefährdet sehen, umstritten ist. 

    Ignaz Mayer entstammt einer angesehenen Mannheimer jüdischen Kaufmannsfamilie, die dem hochkarätigen Kreis der „Hoffaktoren“ des pfälzischen Kurfürsten angehörte.


  • Vorstadt Au - Untergiesing * Die „Lohe“, die „Falkenau“, die „Birkenleiten“ und das alte „Untergiesing“ - oder besser „Nieder-Giesing“ - auf dem heutigen „Nockherberg“ und an der „Ruhestraße“ kommen zur „Vorstadt Au“.

    Die Bewohner der „Lohe“ und der „Oberen Falkenau“ wollen aber die Lasten der städtischen Verfassung nicht auf sich nehmen und protestieren lautstark gegen die Zwangseingemeindung.


  • Vorstadt Au - Untergiesing * Nach der Trennung der „Lohe“ und der „Falkenau“ von der „Vorstadt Au“ bleibt die „Irrenanstalt“ zunächst innerhalb der Auer Gemarkung.

    Dagegen protestiert die Anstaltsverwaltung und erreicht die Zuordnung zur Gemeinde Giesing.

    Da jedoch das königliche Landgericht München, „das wegen der verhaßten und gegen dessen Willen erwirkte allerhöchst genehmigten Trennung der Loh und Falkenau immer feindselig für die Gemeinde Giesing gestimmt war“, darüber keinerlei Aufzeichnungen führt, kommen die Auer - clevere Vorstädter mit viel Phantasie im Geldeintreiben - dreißig Jahre später auf die Idee, von den Giesingern die Rückvergütung von 1.515 Gulden für den „Malzaufschlag“ zu verlangen, die die Gemeinde Giesing - nach Auffassung der Auer - seit über zehn Jahren zu Unrecht erhalten hat.

    Diese „Biersteuer“ muss - für das in der Anstalt ausgeschenkte Bier - an die zugehörige Gemeinde bezahlt werden.

    Die Giesinger wehren sich dagegen.


  • Untergiesing * Im Zuge ihrer Proteste erreichen die Bewohner der Lohe und der Oberen Falkenau - gegen den erklärten Willen des Landgerichts München - die formelle und zwei Jahre später, 1814, die politische Vereinigung mit Obergiesing, zu der sie kirchlich bereits seit 1809 gehören.

    Das alte Untergiesing - oder besser Nieder-Giesing - auf dem heutigen Nockherberg und an der Ruhestraße wird in die Au eingemeindet. Bis dahin ist Niedergiesing ein selbstständiger Weiler mit drei großen Bauernhöfen und Herbergen in der Falkenau und an der Nockherstraße, die in früher Zeit „Bei den Jägerhäusln“ genannt wurden.


  • Untergiesing * Die männlichen Bewohner der „Lohe“ und der „Oberen Falkenau“ werden aus der „Nationalgarde“ entlassen, da die männlichen Bewohner der Städte den Militärdienst ableisten mussten.


  • München * Leonhard von Eichthal hat Größeres vor.

    Deshalb konvertiert er zum katholischen Glauben, da nun seine sieben Kinder in den bayerischen Adel einheiraten können.

    • Er nutzt diese politischen Verbindungen, um sein Geld in den „Aufbau des bayerischen Eisenbahnnetzes“ zu investieren.
    • Gleichzeitig bringt er große Grundstücke in seine Hand, die als potenzieller Baugrund gelten.

  • Untergiesing * Die „bürgerliche Schuhmacherzunft Münchens und der Vorstadt Au“ entschließt sich, nachdem sie jahrelang dem Geschehen in der „Mayer'schen Lederfabrik“ tatenlos und voller Neid zugesehen hat, zu einem Protest bei „allerhöchster Stelle“ - vermutlich dem „Königlichen Ministerium des Inneren“ - gegen die „gewissenlosen Gewerbebeeinträchtigungen, welche wir von den hiesig- und umliegenden Lederfabrikanten und Israeliten durch die widerrechtliche Anmaßung der Selbstfabrikation ihrer in Accord übernommenen Militärlieferungen viele Jahre hindurch sehr empfindlich zu erdulden hatten“.

    In der Folge fordert die Behörde den „Lederfabrikanten“ auf, künftige Militäraufträge bei den ansässigen Schuhmachermeistern fertigen zu lassen.
    Doch die Freude der Schuster über ihren Sieg gegenüber dem Lederfabrikanten dauert nur kurz. 

    Dem geschäftstüchtigen Fabrikbesitzer Ignaz Mayer gelingt es nämlich, den Schwabinger Schumacher Hanrieder davon zu überzeugen, dass er seine Werkstatt mit „Sack und Pack“ sowie mit der Genehmigung der zuständigen Behörden in die „Untergiesinger Lederfabrik“ verlegt.
    Der „Schuhmacher“ erhält dafür „eine wöchentliche Entschädigung [...], und [kann] sonach genüßlich sein Leben in Wohltätigkeit durchbringen“. Ignaz Mayer aber kann über den Trick der ausgeliehenen „Hanriederischen Konzession“ - sehr zur Empörung der „bürgerlichen Schuhmacherzunft Münchens und der Vorstadt Au“ - seine Militärlieferungen auch künftig weiter in eigener Regie herstellen lassen.

    Der „Schuhmacherzunft“ bleibt nur mehr das Beschreiten des Protestwegs.
    Ihr Protest gegen die „unerlaubte Transferierung einer Gewerbekonzession von einer Vorstadt in die andere“ findet beim „Königlichen Landgericht“ zunächst positives Gehör.

    Doch die „Regierung des Isarkreises“ hebt das Verbot umgehend wieder auf.
    Eine „königliche Anweisung“ zieht schließlich einen Schlussstrich unter die Affäre - und zwar zugunsten der industriellen Produktion in der „Lederfabrik“.

    Es war das „Königliche Handelsministerium“, das sich in den Vorgang um die umstrittene Konzession einmischte und die Entscheidung zugunsten des „Hoflieferanten“ beeinflusste.

    Wenn schon nicht das Einzelmitglied, so hätte doch die „Schuhmacherzunft“ den Einfluss ihres Kontrahenten und damit die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens erkennen müssen. Immerhin ist Ignaz Mayer nicht nur der Schwiegersohn des dem bayerischen Königs als millionenschweren Kreditgebers unentbehrlich gewordenen Leonhard von Eichthal, sondern seit dem Jahr 1809 auch der Schwiegervater von Simon Freiherr von Eichthal, der bei der Gründung der „Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank“ eine zentrale Rolle spielte.

    Der „Hofbankier“ organisiert nicht nur die neue Kreditbank, sondern stellte auch dem späteren König Ludwig I. Mittel für seine Kunsteinkäufe zur Verfügung.


  • Untergiesing * Ignaz Mayer stirbt. Die „Untergiesinger Lederfabrik“ geht in den Besitz seines Schwagers Arnold von Eichthal über.

    Die Leitung der „Großgerberei“ erhält damals Franz Kester, der die Lederfabrik zu einer der modernsten ihrer Art in ganz Deutschland und zur größten auf dem europäischen Festland machen wird.


  • München-Isarvorstadt * Simon von Eichthal erwirbt den sumpfigen „Heilig-Geist-Anger“ in der Absicht, ihn in möglichst viele kleine Grundstücke zu parzellieren und danach gewinnbringend zu verkaufen.

    Daraus wird das „Gärtnerplatz-Viertel“.


  • Untergiesing * Die „Untergiesinger Lederfabrik“ verfügt - damals mit dreißig Beschäftigten - über die erste „Lederspaltmaschine“ auf dem Kontinent.

    Franz Kester kauft die lange geheim gehaltene englische Erfindung - nicht ohne Schwierigkeiten - an und lässt sie nach Giesing transportieren.

    Im gleichen Jahr wird in dem als „Sohlen- und Lederfabrik“ gegründetem Unternehmen mit der Herstellung von „lackiertem Leder“ begonnen.
    Das ist eine absolute Novität.


  • Untergiesing * Die Nachfrage nach „lackiertem Leder“ ist - sowohl im Inland, wie auch im Ausland - so enorm hoch, dass der neue Besitzer, der „Hofbankier“ und „Großspekulant“ Simon Freiherr von Eichthal, die „Untergiesinger Lederfabrik“ in den Jahren von 1839 bis 1865 in mehreren Schritten erweitern lassen muss.


  • Untergiesing * Die Urbarmachung der Isar in Untergiesing beginnt.

    Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Isar ein ungebändigter und wilder Gebirgsfluss, der im Süden der Stadt aus unzähligen, sich ständig verändernden Armen, Sümpfen und zum Teil bewachsenen Inseln besteht.
    Eine Besiedlung der ufernahen Bereiche ist aufgrund der Überschwemmungsgefahren unmöglich.

    Gleichzeitig entstehen hier die ersten „städtischen Grünanlagen“, nachdem „Baurat“ Franz Carl Muffat die Sümpfe und Wasserarme der weitverzweigten Isar mit Bauschutt, Haus- und Straßenabfällen auffüllen lässt, um so nutzbares Land für die „Anpflanzung von Maulbeerbäumen“ zu gewinnen.

    Die bayerische Regierung verspricht sich von der Züchtung eigener Raupen die Unabhängigkeit von den teueren Seidenimporten.
    Zur Ernährung der Raupen sind aber die Blätter der „Maulbeerbäume“ Grundvoraussetzung.


  • München * Bürgermeister Dr. Jacob Bauer schreibt, dass die Verwirklichung der „Isaranlagen“ oftmals nur gegen den Widerstand einiger Ratsmitglieder zu erreichen ist:

    „Es gibt Leute, welche keinen Baum sehen können und in deren Bepflanzung eine Geldverschwendung erkennen; nur solche Bäume, an denen statt Blätter Banknoten wachsen würden, wären für ihren Geschmack“.


  • München-Untergiesing * Die „Untergiesinger Lederfabrik“ spezialisiert sich auf feines, lackiertes Leder, das für die Innenausstattung von Kutschen, später von Automobilen und für die Schuh- und Bekleidungsindustrie benötigt wird.

    Die Giesinger Lederfabrik produziert nicht nur für den deutschen Markt, sondern exportiert ihre auf verschiedenen Weltausstellungen prämierten Produkte in fast alle Länder der Welt. Zumindestens dort hin, wo es die Zollbestimmungen ermöglichen.


  • München-Au - München-Haidhausen - München-Giesing * Eingemeindung nach München 

    • der Vorstadt Au mit den Gemeindeteilen Niedergiesing und Nord-Falkenau,
    • die selbstständige Gemeinde Haidhausen und
    • die Gemeinde Giesing mit den Gemeindeteilen Obergiesing, Lohe, südliche Falkenau, Pilgersheim, Birkenleiten, Siebenbrunn, Hellabrunn, Harlaching, Soyerhof, Stadelheim und Menterschweige. 

    Dadurch erhöht sich die Bevölkerungszahl Münchens um 20.662 Einwohner.
    Davon kommen aus der Au 10.840, aus Haidhausen 6.273 und aus Giesing 3.549 Menschen.
    Damit wächst zusammen, was zusammen gehört, den die Bewohner der drei Vorstädte gehörten schon immer „funktional“ nach München.

    Die Au ist zu diesem Zeitpunkt die zehntgrößte Stadt des Königreichs Bayern.

    Der „Burgfrieden“ von München, der sich durch Korrekturen seit dem Jahr 1724 von 1.593 Hektar auf rund 1.700 Hektar erweitert hat, verdoppelt sich nahezu.
    Mit der Au [87 ha], Haidhausen [296 ha] und Giesing [1.287 ha] vergrößert sich das Stadtgebiet um weitere 1.670 Hektar.

    Wegen der noch grassierenden „Cholera-Epidemie“ erfolgt der Eingemeindungsakt ohne großes Aufsehen.


  • München-Untergiesing * Die „Untergiesinger Lederfabrik“ ist zu einem der bedeutendsten Unternehmen Münchens aufgestiegen.


  • München-Au * Die „Pschorrbrauerei“ erwirbt die ehemalige Wirtschaft des Johann Georg Messerer.


  • München-Untergiesing * Die inzwischen zur „Aktiengesellschaft“ umgewandelte Produktionsstätte der „Untergiesinger Lederfabrik“ umfasst einen Personalbestand von 360 Arbeitern und Angestellten.

    Der Fabrikbesitzer, inzwischen Julius von Eichthal, ist zu einem der wichtigsten Münchner Arbeitgeber aufgestiegen. Auf dem 8,8 Hektar großen Fabrikgelände zwischen der Pilgersheimer- und der Lohstraße werden jährlich 60.000 Rinder- und 15.000 Schweinehäute in fünfzig hölzernen „Wasserkästen“, 420 „Gargruben“ und diversen „Gartrommeln“ verarbeitet und schließlich im Freien zum Trocknen aufgehängt.

    Die Bewohner der Lohe sind dadurch ständig einer starken „Geruchsbelästigung“ ausgesetzt.


  • München-Au * Die „Pschorrbrauerei“ errichtet für die ehemalige Wirtschaft des Johann Georg Messerer einen Neubau, der im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wird.


  • München-Untergiesing * In den 1920er Jahren zeichnet sich das Ende der Lederfabrik ab, nachdem zuvor die „Aufrüstung“ und der Erste Weltkrieg noch für volle Auftragsbücher gesorgt hat.


  • Untergiesing * Im „Inflationsjahr“ 1923 kaufte die Berliner „Lederfirma Adler und Oppenheimer“ die Aktienmehrheit an dem Giesinger Unternehmen auf.

    In Folge der „Rezession auf dem internationalen Ledermarkt“ entschloss sich die Firma, ihre Münchner Niederlassung aufzulösen.

    Das riesige Firmengelände verkaufte sie - mit Gewinn - an die „Münchner Siedlungs-GmbH“.


  • München-Untergiesing * Die Fabrikgebäude der „Untergiesinger Lederfabrik“ werden abgebrochen.


  • München-Untergiesing * Auf dem Areal der ehemaligen Untergiesinger Lederfabrik entsteht eine Wohnsiedlung, deren Hauptachse die Waldeckstraße ist. 

    Es werden Häuser mit expressionistischen Fassaden und mit Wohnungen gehobenen Stils errichtet.

    Der „Beamtenblock“ umschließt einer Burg gleich einen großen Innenhof. Die Fenster in der Vorderfront gleichen in ihrer länglichen schmalen Form eher Schießscharten.


  • Deutsches Reich * Erstmals gelingt die Zucht eines „Wanderfalkens“ in Gefangenschaft.


  • München-Au * In dem im Jahr 1962 erstellten Neubau wird wieder eine Wirtschaft mit dem klassischen Namen Falkenhof eingerichtet.

    Heute führt das dort etablierte italienische Restaurant den Namen Il Falco. 


  • Bundesrepublik Deutschland * Die Zahl der „Falkner“ in Deutschland liegt bei etwa 2.000.

© Rudolf Hartbrunner